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[Gesucht] Die besten Regeln für Raumschiffkampf
blut_und_glas:
--- Zitat von: Runenstahl am 19.03.2016 | 07:50 ---In der Annahme das wir uns hier über gute Raumkampfsysteme für ein Rollenspiel unterhalten ist der Punkt (unabhängig von der Hard/Soft SF Präferenz) "Alle Charaktere haben was zu tun" mMn einer der wichtigsten. Gerade wenn man Raumkämpfen in der Kampagne mehr Platz einräumen möchte ist das sonst ein echter Laune-Killer für einige Spieler.
--- Ende Zitat ---
"Einige Spieler" werden wohl mit jeder möglichen Regelung unzufrieden sein - das würde ich als Argument (nur) gegen eine bestimmte Regelung nicht gelten lassen wollen.
Auch halte ich es generell für fraglich, ob relative "Massentauglichkeit" ein entscheidendes Qualitätsmerkmal einer Regel ist. Das mag am ehesten noch dann zutreffen, wenn wir Qualität mit (kommnerziellem) Erfolg gleichsetzen.
Worauf ich aber konkret noch einmal hinaus möchte, ist die Frage nach der Art der Setzung "alle Charaktere haben etwas zu tun". Und zwar deshalb, weil es hier meiner Ansicht nach mindestens zwei grobe Varianten gibt und ich mir tatsächlich nicht sicher bin, welche von den beiden hier im Thread (das Kriterium wurde ja bereits mehrfach angeführt) eigentlich gemeint ist.
Ich finde die beiden etwas einfacher über ihre Umkehrung - also die Art, wie die Handlung auf einzelne Charaktere beschränkt sein kann - zu beschreiben:
Da hätten wir zum einen Fall, wie er sehr prominent in Spielen wie beispielsweise diversen Shadowrun-Editionen mit ihren Matrix-/Cyberspace-Regeln vorkommt, dass bestimmte Situationen "absolut exklusiv" für einzelne Spieler/Charaktere sind. Die Figuren dieser Spieler können nicht nur als einzige (sinnvoll) das Geschehen beeinflussen, sondern die übrigen Figuren kommen in den entsprechenden Szenen nicht einmal am Rande vor (höchstens in ihren eigenen - parallelen - Szenen, die aber eventuelle gewisse - indirekte - Berührungspunkte miteinander haben können).
Der andere Fall ist weniger exklusiv und liegt dann vor, wenn es zwischen den Figuren ein massives Gefälle in den in einer Szene abgefragten Fähigkeiten gibt. Hier sind zwar alle Figuren anwesend und damit zumindest in der Lage miteinander zu interagieren, die "schwächeren" Figuren können aber nur wenig - eventuell auch gar nichts - zur eigentlichen Bewältigung der Aufgaben beitragen.
mfG
jdw
Chruschtschow:
Vom Designstandpunkt aus halte ich das für Shadowruns Kardinalsünde. Es lässt sich am Tisch fast nie zufriedenstellend für alle Beteiligten lösen. Dementsprechend ist aus meiner Sicht ein System, das mit seinen Regeln standardmäßig Situationen anbietet, bei denen alle Spieler anwesend sind, aber nur einer über eine längere Zeitspanne handeln kann, ausgesprochen schlecht designt. Egal ob Raumkampf oder Matrix.
Das hat nichts mit Realismus zu tun. Wir sitzen primär da und spielen gemeinsam ein Spiel. Da liegt das Primat. Und als zweites ist es ein Spiel mit Raumschiffen, Computern etc.
Runenstahl:
Gegen ein "massives Gefälle" der Fähigkeiten habe ich nichts einzuwenden. Das ist eigentlich sogar relativ normal. Wenn man sich in einer Fantasy-Kampagne einen Taschendieb / Diplomaten macht, dann ist man bei Kämpfen auch nur dabei statt mittendrin. Aber man ist halt dabei, denn irgendwie kann man sich ja trotzdem noch nützlich machen.
In einem "realistischen" Raumkampfsetting ist jemand ohne entsprechende Fähigkeiten jedoch nur Passagier und hat (wie nicht-Hacker in Shadowrun) in den entsprechenden Szenen gar nichts zu tun. Gibt sicherlich Leute die damit leben können, aber ich selbst finde es schöner wenn sich jeder Charakter irgendwie nützlich machen kann.
Chiarina:
Nur mal so für mich als Uneingeweihten: Wie lange ist denn so ein Hacker (oder Decker oder was auch immer) bei Shadowrun im Schnitt solo zugange, bevor er irgendetwas erreicht hat?
Und damit´s nicht vergessen geht: Es ist ja hier einen Moment lang auch noch eine dritte Möglichkeit thematisiert worden: Der Raumkampf als Brettspiel innerhalb des Rollenspiels. Das könnte man so als Spieler-gegen-Spielleiter-Ding aufziehen und dann hätte zwar nicht jeder Charakter, aber zumindest jeder Spieler irgendetwas zu tun.
Immerhin. Besser als dumm ´rumsitzen. Trotzdem nicht so ganz das, was ich mir wünsche.
Ich glaube, wenn ich ein System spielen würde, in dem es Raumkampf gibt und gleichzeitig Charakterklassen oder Rollen, die dabei nicht so viel zu melden haben, dann würde ich mir als allererstes wünschen, dass Raumkampf spektakulär ist (damit mich das Zuschauen im Falle eines passiven Charakters nicht langweilt), aber gleichzeitig schnell abgewickelt weden kann (damit ich bald wieder agieren kann). Unter diesen Bedingungen hätte ich auch nichts gegen Raumkampf, bei dem nicht alle Charaktere mittun können. Nach dem flotten Kampfverlauf könnten dann die Diplomaten schnell zu den Kapitulationsverhandlungen mit den Gegnern übergehen und damit wären dann erstmal die anderen dran.
Feuersänger:
Bei SR hat das Decking jedenfalls so lange gedauert, dass alle anderen sich gelangweilt haben. Halbe Stunde?
Der Witz ist, bei ALLEN mir bekannten SR-Spielern bzw Gruppen, mit denen ich mich je unterhalten habe, gab es in Konsequenz die gleiche Tischregel wie bei uns: "Keine Decker!" Es sind wirklich alle unabhängig voneinander -- auch solche, die sich nie übers Internet austauschten -- zu demselben Schluss gelangt. Wenn ein Run Decking erforderte, wurde dafür ein NSC angeheuert, der sich im Hintergrund um die Angelegenheit kümmerte. Da hat also auch der SL nicht mit sich selber gespielt, es wurden maximal ein, zwei Würfe absolviert ob alles so klappt oder eben nicht.
Der Ansatz mit dem Brettspiel als (Not-so-)Minigame -- z.B. High Frontier; Attack Vector Tactical -- hat etwas für sich, was die Durchdringungstiefe der Simulation angeht. Aber hilft halt nicht viel, wenn man von der üblichen Prämisse ausgeht, dass die SCs gemeinsam die Crew eines Raumschiffs darstellen.
Ist halt die Frage, wie man den Nicht-Piloten, Nicht-Kanonieren sinnvolle Entscheidungsmöglichkeiten geben kann. Denn wie gesagt, einfach nur reagieren können, womöglich mit nur genau einer denkbaren Handlung, ist keine echte Beteiligung sondern nur blöde Beschäftigungstherapie.
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