Autor Thema: [nWoD | Changeling: the Lost] Herbststürme im Spreepark II: Frosttage  (Gelesen 2710 mal)

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Die Aufzeichnungen der zweiten Staffel der Spreepark-Runde. Gespielt wird online via Drachenzwinge-TS und Maptool, für gewöhnlich donnerstags ab 19 oder 20 Uhr. Angestrebt sind 10 Spieltermine.

Erzähler:
Sandmann

Charaktere/Spieler*innen:
Bianca, Beast (Windwing), Spezialistin für Geschichten - Narrenspiel
Lupa, Beast (Runnerswift), Spezialistin für die Hecke - Huhn
Nicurius, Ogre (Cyclopean), Spezialist für Päkte und Versprechen - Nin

« Letzte Änderung: 28.06.2016 | 10:17 von Huhn »

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Bianca

Vor ihrer Entführung lebte Bianca in Berlin. Die 32-jährige ist verheiratet mit Frank, mit dem gemeinsam sie auch eine Tochter hat: Klarissa. Nun jedoch, nach ihrer Rückkehr aus Arkadien, ist alles anders... und das bezieht sich nicht nur auf die Scharen an Schmetterlingen, die Bianca überallhin folgen.

Biancas Mask
Biancas Fetch
« Letzte Änderung: 14.05.2016 | 00:14 von Huhn »

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Lupa

Als das Mädchen sich in der Hecke verlief, war es vielleicht 10 Jahre alt. Hätte Kelim es nicht gefunden, es wäre wohl recht schnell aus mit ihm gewesen. Unter seinem Schutz jedoch konnte das Mädchen heranreifen. Der frühere Name ist längst vergessen. Heute wird sie Lupa genannt. Und auch, wenn sie sich trotz der widrigen Umstände viel ihrer kindlichen Natur bewahren konnte: Lupa ist schon lange kein Kind mehr...

Lupas Mask
Lupas Mien

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« Letzte Änderung: 14.05.2016 | 00:24 von Huhn »

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Nicurius

Nicurius ist einer, der das Leben schon immer in vollen Zügen zu genießen wusste. Irgendwie mogelt und gaunert er sich durch und lässt sich dabei mit gefährlichen Leuten ein. Die Konsequenzen seines Handelns ignoriert er. Bis zu dem Moment, als eine seiner Aktionen ganz fürchterlich schiefgeht und er sich für lange Zeit als Sklave in Arkadien wiederfindet. Als ihm die Flucht gelingt, muss er feststellen, dass ihn nun auch die Schatten seines früheren Lebens einzuholen drohen...

Nicurius' Mask

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« Letzte Änderung: 14.05.2016 | 00:35 von Huhn »

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Teil 1: Flucht aus der Hecke und Ankunft in der Eisenwelt


Die Flucht

Kelims Verrat
Als Lupa von ihrer Heckenfrucht-Ernte zur Höhle des alten Freundes und Ziehvaters zurückkehrt, muss sie mit ansehen, wie Kelim einem widderköpfigen Fremden ein hilfloses Kind verschachert. Fassungslos beobachtet sie die Szenerie.

In der Hecke
Bianca und Nicurius irren nach ihrer Flucht aus Arkadien schon lange durch das Dickicht der Hecke auf der Suche nach einem Ausgang in ihre frühere Heimat, die Eisenwelt. Nun endlich treffen sie auf eine Person, die ihnen bei ihrer weiteren Flucht behilflich sein könnte.

Zusammentreffen und gemeinsames Entkommen
Lupa entscheidet spontan, Kelim zu verlassen und schließt sich Bianca und Nicurius auf ihrer Reise an. Schnell haben jedoch deren Verfolger, die Gesandten der Fee, in Gestalt von Motten und Affenwesen die drei Fliehenden eingeholt. Tapfer wehren sich die drei und mit einem beherzten Schlag mit einer Heckenwurzel erkauft Nicurius sich und seinen beiden Gefährtinnen die Zeit, bis an ein Tor zu eilen. Am Tor fallen Wolfswesen über die Flüchtigen her. Bevor jedoch die Verzweiflung über die Changelinge hereinbrechen kann, erscheint eine zweite Fee, die mit der Wärme und dem Licht der Sonne die Wölfe auf Abstand bringt. Tatsächlich scheint eines der Wesen - halb Wolf, halb Mensch - den Flüchtigen Sympathie entgegenzubringen und unterstützt ihr Entkommen. So gelingt es Bianca, Lupa und Nicurius, die Hecke zu verlassen. Das Tor führt sie in einen Raum der Entscheidung. Aus vielen weiteren Toren wählen sie eines aus und gelangen so zurück in die Eisenwelt, nach Berlin, woher sie stammten.

Ankunft im Spreepark
Aus einem Waldstück heraus finden die Changelinge in den nur scheinbar verlassenen Spreepark. Unterm Riesenrad  treffen sie auf einen dunkelhäutigen, gehörnten Changeling, der sich ihnen als Simon vorstellt und sie einlädt, im Spreepark zu verweilen.

Das Karussell
Simon führt die Neuankömmlinge in ein Karussell, das über und über behangen ist mit den verschiedensten Kleinodien, Kinkerlitzchen und Schmuckstücken. Er erklärt, dass diese Devotionalien von all jenen dort aufgehangen wurden, die beschlossen haben, im Spreepark zu bleiben, als Zeichen ihrer Verbundenheit. Ein Gefühl der Geborgenheit und Wärme überkommt alle Anwesenden. Nachdem alle mit Getränken und frischer Kleidung versorgt sind, klärt Simon die Entkommenen über einige wichtige Aspekte ihrer Rückkehr auf. Insbesondere die Tatsache, dass es von Feen geschaffene Wesen geben kann, die ihren Platz in der Eisenwelt übernommen haben, betont er. Bianca glaubt jedoch nach wie vor daran, dass zuhause ihre Familie auf sie warte. Da die anderen beiden keine wirkliche Heimat, zu der sie zurückkehren könnten, zu haben scheinen, bietet ihnen Bianca Obdach in ihrem Hause an.


Erste Schritte in der Eisenwelt

Biancas Familie
Zu ihrem geplanten Wiedersehen mit der Familie wird Bianca begleitet von Nicurius und Lupa. Ausführlich malt sie sich aus, wie das wiedergewonnene Familienleben sein könnte. Die Freude, als Bianca feststellt, dass ihre Familie nach wie vor in dem ihr bekannten Haus wohnt und es Tochter und Ehemann gut geht, schlägt in Verzweiflung um, als eine Frau erscheint, die Biancas Stelle als Mutter und Ehefrau eingenommen hat. Die Doppelgängerin stellt sich Bianca und fordert sie auf, wieder zu gehen und "ihre" Familie in Ruhe zu lassen. Daraufhin wandelt sich Biancas Verzweiflung in Zorn und sie schwört, ihren Platz zurückzuerobern. Zunächst bleibt ihr allerdings nur der Rückzug.

Nicurius' Aquarium
Nicurius möchte sein altes Leben nicht zurück. Eigentlich ist er ganz froh, wenn all der Ärger, den er sich aufgeladen hat, nun jemand anderem auf den Schultern lastet. Jedoch möchte er sein Aquarium gerne wiederhaben. Um es zu holen, kehrt Nicurius in Begleitung von Bianca und Lupa zu seiner damaligen Wohnung zurück. Dort stellt er fest, dass das Quartier an andere neu vermietet wurde. Das Aquarium ist fort. In einem Wutanfall randaliert Nicurius die Wohnung. Der Lärm lockt einen alten Bekannten, Steffen, herbei. Dieser klärt Dimitri, wie Nicurius mit bürgerlichem Namen heißt, auf, dass er sich in einem Zeugenschutzprogramm befindet und eigentlich gar nicht in Berlin sein dürfte. Um sicherzugehen, dass Steffen ihn nicht an die Mafia verrät, schließt Nicurius einen Schweige-Pakt mit dem alten Kumpel, ehe er das Haus wieder verlässt.

Lupas Mutter
Lupa sucht ihr Elternhaus alleine auf. Als sie vor dem grauen Wohnblock steht, in dem ihre Mutter und sie früher lebten, überkommen sie jedoch Zweifel. Sie klingelt bei ihrer Mutter, weiß jedoch nicht so recht, was sie ihr sagen sollte und zieht deswegen unverrichteter Dinge wieder ab.
« Letzte Änderung: 14.05.2016 | 00:04 von Huhn »

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Teil 2: Neue Freunde und alte Feinde


Tagwerk

Nicurius
Nicurius lebt im Spreepark als Einzelgänger in einem Wohnwagen. Benötigtes Geld verdient er sich mit kleineren Einbrüchen in der Umgebung des Parks. Dabei geht er möglichst keine Risiken ein. Als Zeichen seiner Verbundenheit mit dem Park hat er eine alte Socke, gefüllt mit ausländischen Münzen, im Karussell aufgehängt.

Bianca
Bianca betrachtet das Leben im Spreepark als Übergangslösung, bis sie wieder mit ihrer Familie vereint ist. Solange sie hier ist, lebt sie in alten Parkwägen, die sie reich begrünt hat. Sie verdingt sich als Babysitterin. Dabei fällt sie unangenehm auf, indem sie sich übermäßig in familiäre Angelegenheiten der betreuten Familien einmischt. Den ersten Job hat sie deswegen bereits verloren und hofft nun darauf, dass es mit dem zweiten besser läuft. Doch auch hier bahnen sich erste Konflikte an: Die Mutter der Kinder stört sich an den Schmetterlingen, die Bianca überall hin folgen.

Lupa
Lupa braucht kein Geld und tauscht stattdessen Heckenfrüchte gegen Dinge des täglichen Bedarfs. Bei ihren Unternehmungen im Spreepark hat sie Bob kennengelernt, einen Changeling, der den Park bewacht. Gemeinsam betrachten sie gerne Büsche. Lupa schafft es noch nicht, die Hecke ganz hinter sich zu lassen. Während sie im Park nur ein kleines Schlafzelt hat, verbringt sie ihre Nächte häufig in ihrem Gewächshaus auf der anderen Seite.


Das Lichtfest

Auf dem Drachenboot
Zum Lichtfest bringen alle Changelinge Geschenke mit, um sie untereinander zu tauschen. Auch die drei Neuankömmlinge haben Geschenke besorgt: Nicurius will eine alte Sicherung und eine Glühbirne, Bianca einen Nagellack und Lupa eine lila Heckenfrucht verschenken. Auf dem Weg zum Fest, das auf dem alten Drachenboot im Spreepark stattfinden wird, begegnen sie Bob. Lupa darf Huckepack auf ihm reiten. Bianca stellt fest, dass Bob aufgrund vernarbter Ohren manchmal nicht so gut hört. Bob erklärt den dreien den groben Ablauf des heutigen Festaktes. Auf dem hell erleuchteten Boot trifft die kleine Gruppe auf zahlreiche andere ihrer Art, die zum Teil von weiter her zu diesem Fest angereist zu sein scheint. Neben einem Feuer stehen zwei Gestalten: Simon und eine marmorne Frau mit einem Riss über der linken Wange, die sich als Knacks vorstellt. Sie sprechen eine Begrüßung und über die Bedeutung dessen, miteinander zu teilen. Dann geben sie Bianca, Lupa und Nicurius als Neuankömmlingen Willkommensgeschenke.

Teilen
Danach beginnt der eigentliche Geschenk-Austausch. Bob tauscht mit Bianca. Er schenkt ihr ein Schaffell, eingewickelt in einen Jutesack. Über den Nagellack freut er sich und weiß auch schon eine Verwendung dafür. Lupa sucht eine mutige Person, der sie ihre Frucht schenken kann und trifft dabei auf den affenartigen Balg. Er schenkt Lupa im Tausch für ihre Frucht ein großes Messer. Dabei warnt er sie davor, dass Freunde wie dieses Messer gefährlich seien und man gut auf sie achtgeben müsse. Um Lupa seine Lektion einzubläuen, schneidet er sie mit dem Messer in den Arm. Lupa verspricht, gut aufzupassen. Dann vergisst sie Balg vorerst, der von der lila Frucht gegessen hat und verschwindet. Nicurius wird von Rika zum Tausch aufgefordert. Nach einem kurzen Rätselraten bekommt er von ihr einen Tiegel mit einem weißen Pulver. Sie erklärt, dass man es auf Augenlider und Zunge reiben müsse, um in einen tiefen Schlaf zu fallen. Bianca, Lupa und Nicurius zeigen sich gegenseitig ihre Geschenke, wobei Bianca Bedenken äußert, ob es gut sei, einem Kind wie Lupa eine solch gefährliche Waffe zu überlassen oder ihr von dem weißen Schlafpulver zu erzählen. Lupa fühlt sich bevormundet. Im Anschluss packen die drei ihre Willkommensgeschenke aus. Sie alle erhalten zwei dicke Batterien, ein Feuerzeug, einen Gaskocher und eine Mutter, an die mit Gräsern ein Heckendorn gebunden ist. Lupa schnuppert an der Mutter und hat das Gefühl, diesem Geruch immer wieder zurück zum Spreepark folgen zu können.

Die Geschichte des Spreeparks
Simon erzählt die Geschichte des freien Spreeparks. Er berichtet davon, wie sie den Park früher nicht verlassen konnten und von den drei Changelingen, denen es gelang, eine wahre Fee in einen überaus starken Pakt zu binden, der sie zwingt, die Changelinge, die im Spreepark leben, zu schützen. Er berichtet, wie die drei Changelinge für diesen Pakt ihr Leben gaben, einer sich sogar zurück in die Gefangenschaft begab. Und wie dieser Pakt dafür sorgte, dass die Fee, die zuvor den Spreepark zum Gefängnis gemacht hatte, vertrieben wurde. Seine Erzählung wird unterbrochen durch das Erscheinen der Fee, die den Park beschützt - Auralia. Vor aller Augen erneuert sie ihren Pakt um ein weiteres Jahr. Bianca, Lupa und Nicurius erkennen die Fee wieder: Es ist dieselbe, die ihnen auf ihrer Flucht aus der Hecke half. Nicurius ist misstrauisch und weist Bianca darauf hin, dass Lupa ein wenig zu entspannt beim Anblick der wahren Fee ist.

Der Pakt
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis lockert sich das Fest und es entstehen kleinere Gesprächsrunden. Balg berichtet davon, dass er eine Freundin, Nele, vermisst und sich Sorgen macht. Ein anderer Changeling erzählt, dass es in Berlin immer mehr Puppen zu geben scheint. Rika hat beobachtet, dass es in Berlin Menschen gibt, die gar keinen Glanz abgeben und seltsam gefühlsarm scheinen. Bianca erkundigt sich nach der Sache mit den Puppen und erfährt, wie verschiedene Changelinge mit ihren verfahren sind, und welche Fähigkeiten die Puppen haben. Rika meint, dass Puppen Schatten seien, die mit magischem Licht vertrieben werden könnten. Um ein solches Licht zu erzeugen, sei eine starke Geschichte notwendig. Sie bietet den drei Neuen einen Pakt an, der die Vernichtung der Puppen zum Ziel haben soll. Bianca ist begeistert, Nicurius hingegen nicht. Er hat das Gefühl, durch Rikas Formulierung übervorteilt zu werden und steigt in die Verhandlung ein. Schließlich wird der Pakt in abgeänderter Form, die Rikas Rolle stark zurücknimmt indem sie die doppelte Strafe im Falle eines Scheiterns ereilen soll, besiegelt:

Zitat von: Schattenspiele
Wir schwören bei unserem Hüter, das Geheimnis der Puppen zu ergründen, mit dem Ziel, einen Zauber zu schaffen, der das Licht der Puppen brechen kann und sollten wir das nicht schaffen, so wird unser Wissen an andere übergehen, die diese Aufgabe vollenden können.

Nicurius ist im Ansehen der anderen Changelinge des Parks durch seine kluge Verhandlungsweise gestiegen. Rika scheint trotz ihrer schwächeren Position zufrieden mit dem Pakt. Sie gibt erste Hinweise zur Erfüllung der Aufgabe. So verlöre man auf dem Weg durch die Hecke viel von sich, auch den Schatten. Außerdem habe sie Goblins beobachtet, die in der Hecke Schatten sammeln. Diese Information soll den Ausgangspunkt für weitere Recherchen bieten. Im Anschluss an die anstrengenden Verhandlungen begibt sich Nicurius zu Simon und bittet diesen darum, ihm zu einer anderen Gelegenheit einmal den genauen Wortlaut des Paktes mit der Fee zu sagen.

Gefährliche Freunde
Lupa spaziert mit Balg ein Stückchen abseits der anderen, um zu erfahren, was für eine Person Nele war, die er vermisst. Balg berichtet, dass Nele früher schlimme Dinge getan habe, weswegen man gut auf sie aufpassen müsse. Sie habe manchmal Menschen festgehalten und nicht mehr gehen lassen. Davon müsse man sie abbringen. Er beschreibt Nele als kleine Person mit großen Ohren, die die Farbe lila mag. Lupa sagt zu, die Augen und Ohren offen zu halten.

Träume
Nach dem Fest fallen alle in tiefe Träume.
Nicurius hält in der Hand einen Glaskelch, in den die Gesichter von Bianca und Lupa als Erinnerungen tropfen. Bianca sitzt auf weichen Kissen. Zunächst hören sie die Erinnerung der Stimme ihres alten Hüters, wie sie damals klang. "Komm her!" hatte die Stimme gesagt und dabei so unwiederstehlich geklungen. Nun aber ist etwas anders.Die Stimme sagt: "Flieht! Vergesst! Und wenn ihr bleibt, dann nehme ich euch alles, was ihr noch sicher zu haben glaubt: eure Körper... eure Würde...". Ein großer Messingschlüssel fällt in Nicurius' Becher und zerschmettert ihn. Eine große Glasscherbe bohrt sich in seinen Arm. Die Kissen unter Bianca sind eine Venusfliegenfalle, die sie einfangen und zu verdauen beginnen.
Lupa hat blaue Beeren gegessen und träumt von der Hecke. Kelim sucht nach ihr. "Wo bist du?", fragt er verzweifelt, "Ich brauch dich doch! Ich muss es dir sagen!". Er zieht ein dickes Tau hinter sich her, an das gesichts- und leblose Figuren gebunden sind. Er wandert durch die Hecke und sucht. Lupa sucht auch - doch beide trennt eine dicke Wand aus Dornen und Zweigen.
Alle drei Changelinge haben das Gefühl, dass die Wyrd ihnen diese Träume geschickt hat.


Der nächste Morgen

Lupas Erwachen
Als Lupa am nächsten Morgen erwacht, sind ihre Wangen feucht von beerenblauen Tränen. Bob hat sie zu sich geholt und macht sich Sorgen um sie. Gemeinsam schauen sie sich einen Busch an. Bob erkundigt sich nach Kelim und erwidert auf Lupas Frage, was das für Freunde seien, die anderen wehtun, dass es eben vorkomme, dass aus guten Freunden Feinde werden. Die Sprache kommt auch auf Nele. Bob mag die Idee nicht, auf andere, die das nicht wollen, "aufzupassen". Er denkt, dass das nichts anderes sei, als jemanden gefangen zu halten. Lupa und Bob sinnieren über das Festhalten und das Loslassen. Schließlich verabschiedet Lupa sich, um sich mit Bianca und Nicurius zu beraten.

Tee bei Nicurius
Vor Nicurius Wohnwagen treffen sich die drei Changelinge, um bei Tee und Kekse ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. Auf jeden Fall müssen sie ihre Reise in die Hecke gut planen und brauchen dazu mehr Informationen von Rika. Bianca ist, und da stimmt ihr die Wyrd zu, der Ansicht, dass eigentlich nichts schiefgehen könne - immerhin sei dies erst der Anfang der Geschichte und was wäre das für eine Geschichte, die gleich zu Beginn endet? Nicurius findet die Idee faszinierend, dass sie alle drei ihre Steckenpferde zu haben scheinen. Während er sich auf Päkte spezialisiert hat und Lupa sich in der Hecke gut auskennt, scheint Bianca ein Gespür für die Magie der Geschichten zu haben.
« Letzte Änderung: 14.05.2016 | 00:03 von Huhn »

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Teil 3: Ernährungswissenschaften


Reisevorbereitungen

Besuch bei Rika
Rikas Wohnstätte befindet sich im wasserreichen Teil des Spreeparks unter einer Insel. Als die drei Changelinge mit den Füßen im Morast stehen, scheint der Boden sie einzusaugen. Unterirdisch und ganz und gar mit Wasser gefüllt ist Rikas Behausung. Sie wirkt im Inneren wie eine Hexenküche. Wie versprochen gibt Rika den dreien weiterführende Informationen, die ihnen dabei helfen sollen, ihren Teil des Paktes zu erfüllen. Drei Wesen bzw. Gruppierungen sind ihr bekannt, die mehr über die Schatten in der Hecke wissen könnten. Das erste Wesen wohnt in der Hecke nahe der Eisenwelt und wird der "Schlinger" genannt. Er ist recht wankelmütig und es ist wichtig, ihm etwas Leckeres anzubieten, um ihn positiv zu stimmen. Eine zweite Gruppe ist das Volk der Wilden Männer. Sie wohnen tiefer in der Hecke und sind Changelingen nicht feindlich gesonnen. Der Dritte ist der Kröterich, der ganz tief in der Hecke lebt. Ein weiterer Anlaufpunkt sind zudem immer die Goblinmärkte, auf denen die verschiedensten Wesen anzutreffen sind. Auf die Frage, warum Rika diese Wesenheiten nicht selbst aufsuchen kann, gibt sie zu, wieder gebunden zu sein und sich deswegen nicht frei bewegen zu können. Schließlich verlassen Bianca, Nicurius und Lupa die Unterwasserhöhle wieder und stehen, eigenartigerweise trocken bis auf die durchweichten Schuhe, wieder auf der Insel, auf der sie zuvor versunken waren.

Reisevorbereitungen
Nach dem Besuch bei Rika überlegt die Gruppe, welchen der genannten Anlaufpunkte sie zuerst aufsuchen möchte. Sie entscheiden, den Goblinmarkt zunächst zu meiden. Stattdessen wollen sie zuerst den Schlinger besuchen. Dafür soll Bianca einen Kuchen bei sich auf Arbeit backen. Dies stellt sich dann vor Ort als schwieriger als gedacht heraus. Um den Kuchen unbehelligt backen zu können, muss sie das Kind, auf das sie aufpasst, bestechen, nichts weiterzuplauschen und zudem versichern, dass der Kuchen glutenfrei ist. Während Bianca sich mit dem Kind herumschlägt, ruht Nicurius sich im Spreepark aus und Lupa übt sich unbeholfen im Schwertkampf. Den Kuchen befinden alle drei im Anschluss für äußerst gelungen.


In der Hecke

Bei den Wilden Männern
Durch eine Drehtür betreten die drei Changelinge schließlich die Hecke. Dort erinnert sich Lupa an einige Wegmarkierungen und führt die kleine Gruppe sicher ins Revier der Wilden Männer. Dort geraten sie in einen Hinterhalt. Die Wilden Männer überfallen sie und wollen sie ausrauben. Während Lupa darauf zunächst eingehen möchte, wehrt sich Nicurius erbittert. Seine Einschüchterungsversuche scheitern und es kommt zu einem Handgemenge mit den Räubern. Lupas Versuche, zu vermitteln, scheitern. Als aber Nicurius Anstalten macht, einem der Wilden Männer den Kopf abzubeissen, wird der Kampf unterbrochen. In versöhnlicherem Ton bietet Nicurius an, den Wilden Männern etwas übers Räubern beizubringen und freiwillig mitzukommen. Die Wilden Männer sehen das anders. Nicurius MUSS mitkommen, weil er ihre Geisel ist. Lupa überzeugt die Räuber, sie und Bianca davonkommen zu lassen, da sonst niemand die Geisel freikaufen könne. So wird Nicurius alleine ins Lager der Wilden Männer geführt. Dieses befindet sich auf einer Lichtung inmitten der Hecke, gesäumt von Sträuchern mit orangenen Früchten. Im Zentrum befindet sich eine Konstruktion aus Holz und Glas, die einem Auge gleicht, aus dessen Pupille Wasser zu einem kleinen Flüsschen läuft. Nicurius überkommt das Gefühl eines hart errungenen Sieges. Im Gespräch mit dem Anführer der Truppe erfährt er, dass die Wilden Männer einen großen Feind haben, den es zu besiegen gilt: den Schlinger, der des Öfteren Wilde Männer tötet und als Gewürz im Essen verwendet. Nicurius will das weitere Vorgehen nicht alleine entscheiden und so werden Bianca und Lupa, die ohnehin nicht weit weg waren, hinzugeholt. Gemeinsam schmieden sie den Plan, den Schlinger davon abzubringen, die Wilden Männer zu fressen. Sollten sie mit ihrem Anliegen scheitern, würden die Wilden Männer angreifen und dem Schlinger Mores lehren.

Beim Schlinger
Der Schlinger lebt auf einer Lichtung in der Hecke. In der Mitte der Lichtung befindet sich ein rauchendes Feuer, auf dem ein großer Topf Suppe brodelt. Ein dickes Wesen, der Schlinger, steht am Feuer und kocht. Um ihn vom Topf wegzulocken, legt Lupa eine Spur aus Krümeln von Biancas Kuchen. Der Schlinger folgt mampfend dieser Spur, wobei zu sehen ist, dass er eine Holzmaske trägt. Bei lecker Kuchen kommen die drei Changelinge mit dem Unhold ins Gespräch, das sich zunächst nur um Essen dreht. Der Schlinger erklärt auf Nachfrage, dass er die Schatten, die er sammelt, nicht essen würde, weil sie nicht schmeckten. Stattdessen würde regelmäßig ein guter Freund kommen und sie mitnehmen. Um auch seine Freunde zu werden, müssten sie alle von seiner Suppe kosten. Vorsichtig treten die Changelinge an den Topf heran. Nicurius nimmt einen Teller Suppe entgegen und mampft ihn selig. Der Versuch Biancas und Lupas, den Schlinger mit den Wilden Männern zu versöhnen, scheitert. Offenbar stahlen die Männer regelmäßig das Essen des Schlingers, was dieser für unverzeihlich hält. Zudem seien sie das einzige Gewürz, dass zu allem passen würde. Nachdem das Gespräch gescheitert ist, will der Schlinger erneut Wilde Männer jagen. Als er aufsteht, um zu gehen, fällt aus seinem Sack ein buntes Stückchen Stoff. Ein Stück Stoff, das wirkt wie eines, das ein Mädchen einst stolz seiner Mutter zeigte. "Guck mal, was ich geschenkt bekomme habe! Zeigst du mir, wie ich sowas mache? Ich will auch eines verschenken!". Lupa und Bianca erkennen es sofort - es ist ein Freundschaftsband. Während Lupa wie in Trance darauf zugeht und mit der rechten Hand ihre eigenes Freundschaftsbändchen am linken Handgelenk betastet, stellt sich Bianca in heller Aufregung dem Schlinger in den Weg. "Wo hast du das her?!", will sie rüde von ihm wissen.
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Teil 4: Große und kleine Tode


Das Ende des Schlingers

Das Freundschaftsbändchen
Lupa hebt das Bändchen auf. Es ist ein abgewetztes, selbstgeknüpftes Stoffband mit rot-grün-gelbem Zickzackmuster. In Lupas Händen fühlt es sich seltsam schwer an. An einigen Stellen ist es stärker abgenutzt als an anderen. Offensichtlich wurde es durchgeschnitten - vielleicht von Dornen? Als Nicurius wissen möchte, was es mit dem Band auf sich hat, erklärt Lupa ihm, dass es einst zwei Mädchen verband. Seinen Einwurf, dadurch sei das Band eine Art Fessel, weist sie von sich. In ihren Augen ist ein solcher Bund keine Fessel, sondern ein Versprechen. Bianca brüllt nach wie vor den Schlinger an, um zu erfahren, wo er das Bändchen herhabe.  Der erklärt, er habe das Band von einem guten Freund bekommen. Allerdings habe zu Beginn noch etwas an dem Band drangehangen - eine Beute aus der Eisenwelt. Der Schlinger erzählt, dass er sich sehr nach Dingen aus der Eisenwelt sehnt. Weitere Informationen will er nur an Freunde herausgeben. Entnervt stürzt Lupa einen Teller seiner Suppe herunter, um sich mit ihm zu befreunden.

Kampf mit dem Schlinger
Ein Wilder Mann klettert Bianca auf die Schulter und bringt ihr flüsternd in Erinnerung, dass seine Kumpanen zum Kampf gegen den Feind bereit stünden. Bianca nimmt dies zur Kenntnis. Sie nimmt einen Teller Suppe entgegen. Statt sie jedoch zu trinken, schüttet sie dem Schlinger die heiße Suppe ins Gesicht. Daraufhin stürzen sich die Wilden Männer ebenfalls auf das Ungeheuer. Ein Kampf bricht los. Während Bianca, die sich des Schlingers Fleischermesser angeeignet hat, mithilfe ihrer Flügel immer höher über das Geschehen aufsteigt und von dieser vorteilhaften Position aus den Schlinger mit seiner eigenen Waffe verletzt, klettert Lupa ihm auf die Schultern, um ihm die Augen zuzuhalten. Sie bemerkt nicht, wie Nicurius zum Schlag mit seinem Hecken-Holz ausholt, als sie dem Schlinger zuflüstert, er solle sich ergeben, dann würde sie ihn retten können. Der Schlinger, von der Situation überfordert, lässt die Verteidigung sinken. Mit einem gewaltigen Schlag zerschmettert Nicurius daraufhin das Bein des nun wehrlosen Gegners. Der Schlinger verliert das Bewusstsein und sinkt blutend zu Boden.

Das Rätsel
Um ihn verhören zu können, versorgt Lupa notdürftig den Verwundeten. Dabei entdeckt sie Mottenpuder an seinen Hosenbeinen - offenbar hatte die Hüterin der beiden anderen Changelinge direkt oder indirekt Kontakt zum Schlinger. Nach einigen sanften Ohrfeigen erwacht dieser aus seiner Bewusstlosigkeit. Die Changelinge wollen von ihm wissen, woher er das Band hatte und wohin er das Mädchen, dem es gehörte, gab. Letzteres will er jedoch, aus Angst um sein Leben, nicht sagen. Lupa schafft es, ihn dennoch zu überreden, ihnen die Antwort in Form eines Rätsels zu geben. Der Schlinger spricht:
Zitat von: Des Schlingers Rätsel
Es gibt einen Ort, den das Licht schreiend verlässt und dort ist eine Höhle. Der Weg dorthin... nun... man erreicht ihn nur, wenn man etwas vom Himmel, etwas von der Erde, etwas von jemand anderem und etwas von sich selbst mitbringt. Und man muss einen Auftrag mitbringen. Der Auftrag muss zu dem gehören, was man von jemand anderem mitbringt. Man muss eine Puppe in Auftrag geben.

Lupas Verrat
Auf Nachfrage, woher er das Mädchen bekommen habe, will der Schlinger nicht antworten. Er meint, es reiche, dass er einen Freund verraten habe. Nachdem das Verhör damit offensichtlich beendet zu sein scheint, holt Lupa aus einer Jackentasche ein kleines Döschen. Es beinhaltet einige kleine, giftgelbe Beeren mit roten Punkten. Sie bietet dem Schlinger die Beeren als Schmerzmittel an. Nicurius' Bedenken, DAS etwas ginge nun doch zu weit, wischt sie beiseite. Der Schlinger vertraut Lupa und zerkaut die Beeren genießerisch. Kurz nachdem er sie geschluckt hat, weiten sich jedoch seine Augen erkennend und angsterfüllt. Seine Versuche, um Hilfe zu rufen, werden von einer ausgetrockneten Kehle und einer gelähmten Zunge erstickt. Er beginnt, heftig zu zucken und zu keuchen. Mit einem Würgen versucht sein Körper, sich des Giftes zu entledigen. Nach einigen grässlichen, langen Minuten stirbt der Schlinger mit einem jämmerlichen Laut. Entsetzt schauen Bianca und Nicurius auf Lupa. Diese versucht, ihre Beweggründe darzulegen. In ihren Augen war es eine gütige Erlösung den verkrüppelten Verräter schnell umzubringen, ehe der Puppenmacher oder andere Heckenwesen ihn fanden. Nicurius und Bianca sehen das anders. Für sie war es purer Mord.


Puppen für den Puppenmacher

Nach dem Kampf
Ein Streit bricht aus, darüber, ob diese unabgesprochene Handlung Lupas zu weit ging. Schließlich einigen sich die drei darauf, keine Alleingänge mehr zu starten. Die nächsten Aktionen sollen organisierter verlaufen. Im Lager der Wilden Männer, die ihnen nun sehr wohlgesonnen sind, ruhen sich die drei Changelinge kurz aus und beraten über das weitere Vorgehen. Über die Auslegung des Rätsels wird philosophiert. Nach kurzen Überlegungen zu den Dingen, die von Himmel und Erde stammen müssen, wendet sich das Gespräch den Puppen zu. Die drei fragen sich: Wem wollen sie eine solche Puppe "aufhalsen"? Und zieht die Erschaffung eines Doppelgängers nicht vielleicht auch die Aufmerksamkeit der Feen auf sich? Schließlich bringt Bianca die Idee ins Spiel, einem Elternpaar sein totes Kind in Form einer Puppe wiederzubringen. Da die "richtige" Person tot ist, käme es nicht zu Situationen, in denen sich beide über den Weg laufen. Und die Eltern freuten sich sicherlich über ihre "zweite Chance". Damit können sich alle anfreunden. Nun gilt es also, ein geeignetes Kindergrab zu finden, von dem sie etwas Persönliches des Kindes stehlen können, um es dem Puppenmacher zu bringen.

Kinderfriedhof
Sicheren Schrittes führt Lupa die kleine Gruppe aus der Hecke heraus. Durch ein Eistor, das Lupa mit ihrer eigenen Trauer um den Schlinger zu öffnen vermag, gelangen die Changelinge auf einen Friedhof voller Kindergräber. Bianca fragt voll Grauen, was das für Menschen seien, die einen Friedhof für Kinder errichteten. Nicurius, der sonst gern die große Klappe beweist, wird auffallend kleinlaut. Auch Lupa ist bemüht, den Gräbern nicht zu nahe zu kommen. Es ist Bianca, die sich ein Herz fasst und auf den Gräbern nach geeigneten Gegenständen sucht, die sie dem Puppenmacher mitbringen könnten. Schließlich findet sie auf einem noch sehr frischen Grab eine Art Schal, den sie aufhebt und mitnimmt. Nun, da sie den Gegenstand haben, sind die drei unsicher, wohin sie als nächstes gehen sollen. Die Vermutung kommt auf, dass Klarissa, Biancas Tochter, gar nicht entführt worden sei. Lupa widerspricht dem - und muss widerwillig damit herausrücken, dass sie die Entführung beobachtet hat und unter welchen Umständen. Zunächst weigert Lupa sich, die beiden anderen zum Ort des Geschehens zu führen. Biancas Vorwurf, Angst zu haben, lässt sie jedoch nicht auf sich sitzen und öffnet ein Tor in die Hecke, um die beiden anderen zu Kelim zu bringen. Kurz bevor er in die Hecke geht, bemerkt Nicurius eine Aufschrift auf einem verwitterten Grabstein. "Dein Kind. Verloren, vergessen, geliebt?", fragt sie ihn.


Besuch bei Kelim

Ankunft
Lupa führt Bianca und Nicurius direkt zu Kelims Höhle. Früher hätte sie nie Fremde bis hierher gebracht, aber nach Kelims Verrat sieht sie diese Regel nicht mehr als bindend an. Auf die Frage, ob Kelim zu trauen sei, weiß sie keine Antwort zu geben. Nicurius nimmt die Gerüche des Ortes auf: der ganze Ort riecht nach Lupa. Entweder hat sie die Hecke hier stark beeinflusst oder er wurde absichtlich so gestaltet, dass er auf sie reagiert. Auch Lupa schnuppert - und erfährt so, dass Kelim zuhause ist. Nicurius und Bianca drängen sie, endlich ins Haus zu gehen. Nicurius erhofft sich eine Mahlzeit, während Bianca Lupa Mut macht, dass eine Aussprache die Situation vielleicht für sie alle zum Positiven wenden könne. Als Lupa an die Tür klopfen will, öffnet sich diese wie gewohnt für sie. Dahinter liegt ein langer, runder Gang, der angenehm nach Holz riecht. Ein Karussell steht darin, auf dem Lupa früher gern spielte. Davor steht eine Parkbank aus Beton, denen im Spreepark nicht unähnlich. Zu dritt betreten sie das Haus. Vorsichtshalber holt Nicurius seine Holzkeule hervor. Vor einer Tür bleiben sie stehen. Dahinter hören sie Kelim seinem Tagwerk nachgehen. Unsicher öffnet Lupa die Tür. Vor der Gruppe sitzt Kelim. Er wirkt alt und müde. Unter seinen Augen liegen dunkle, schwere Ringe. "Lupa?!", fragt er heiser, ungläubig.
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Teil 5: Achterbahn


Besuch bei Kelim [Fortsetzung]

Die andere Seite der Medaille
Kelims Blick ist wässrig, glasig. Er scheint Probleme zu haben, die beiden Personen hinter Lupa zu sehen. "Ich habe dich gesucht...", sagt er. Lupa unterbricht seine Wiedersehensfreude. Schroff konfrontiert sie ihn mit dem Vorwurf, er habe sie sicher auch bald verkaufen wollen. Kelim ist wie vom Donner gerührt. So etwas habe er nie im Sinn gehabt - im Gegenteil, sei er zu diesen Handeln gezwungen gewesen, um Lupa schützen zu können. Man habe ihn erpresst. Vorher habe er solche Handel schon lange nicht mehr gemacht. Den Vorwurf, Lupa mit diesen Worten zu quälen, weist er von sich. Er quäle sie nicht, sondern er beschütze Lupa. Rachsüchtig schlägt Nicurius vor, den bisherigen Plan zu ändern und stattdessen eine Puppe von Kelim beim Puppenmacher in Auftrag zu geben und vorher etwas zu essen. Erbost klebt Lupa ihm eine. Anschließend geht sie zurück zu Kelim, tritt ihm kräftig vors Schienbein und fällt ihm dann um den Hals. Kelim erzählt auf Nachfrage von Betze, dem Kerl, dem er die Kinder verkaufte. Dieser wird auch "Meister der Ketten" genannt. Er steht in Verbindung mit dem Puppenmacher. Betze wertet die Kinder, bevor er sie auf dem Markt verkauft, auf, indem er eine Puppe von ihnen anfertigen lässt, was der potentiellen Kundschaft diesen Arbeitsschritt erspart und dadurch den Marktwert der Ware steigert.

Handelspläne
Bianca, Nicurius und Lupa beschließen, den Hehler treffen zu wollen. Schließlich wird ausgemacht, dass Kelim zum Schein den Lockvogel Nicurius an Betze verkaufen soll. Bevor sie diesen Plan umsetzen, werden noch einige abschließende Fragen geklärt. Da Kelim immer noch wirkt, als könne er nicht gut sehen, hakt Lupa nach, was mit seinen Augen los sei. Offenbar hat Kelim einen Zauber gewirkt, der ihm ermöglicht, Lupa sehr gut zu sehen, ihn aber daran hindert, alles andere richtig zu erkennen. Dieser Zauber lässt jedoch bereits im Verlauf des Gesprächs nach, so dass die mangelnde Sehkraft ihnen nicht im Wege stehen wird. Wo er die Kinder genau herhatte, die er verkaufte, verrät Kelim nicht. Er meint nur vage, es gäbe in der Eisenwelt "Leute", die sich auf diesen Handel spezialisiert hätten. Nicurius' schrecklichen Verdacht, dass auch seine Tochter unter den Entführten sein könnte, bestätigt Kelim und händigt dem Changeling eine Locke des Kindes aus. Ehe es losgeht, wirft Kelim Lupa einen wehmütigen Blick zu. Es sei, so meint er, ein außergewöhnlicher Zufall, dass hier eine Mutter und ein Vater ohne Kind gemeinsam mit Lupa angekommen seien. Er sei bereit, den beiden seinen Zögling anzuvertrauen. Auch wenn sie die Idee nicht weiter aufnimmt, bestätigt doch auch Bianca Lupa, dass es eine weise Idee sei, sich von Kelim abzugrenzen.


Auf dem Jahrmarkt

Kleinnägel und Losgnome
Der Jahrmarkt, der aus der Ferne noch so bunt und einladend in die Hecke strahlte, wirkt bei näherem Hinsehen auf die kleine Gruppe eher düster, bedrohlich, verwittert und überwachsen. Am Eingang des Marktes sitzt ein dicker Gnom im Kassenhäuschen. Er verlangt einen Eintritt. Dieses Mal möchte er Fingernägel. Von jeder Person einen. Kurz überlegen sie, wer von ihnen sich nun die Fingernägel rausreissen muss, als ihnen die gute Idee kommt, stattdessen abgeschnittene Nägel zu summieren. Lupa überzeugt den Kassengnom, dass es für ihn sehr vorteilhaft sei, solche Kleinnägel anzunehmen. Man wisse ja nie, wann nicht der nächste Oger mit einem viel zu großen Großnagel bezahle - dann sei es wichtig, Wechselnägel zur Hand zu haben. Der Gnom ermahnt sie noch, den Marktfrieden nicht zu brechen, dann lässt er die Gruppe passieren. Auf dem Markt bewundern sie schwindelerregende Karrussells; es riecht nach exotischen Köstlichkeiten. Getränkebude verkaufen eine lokale Spezialität. Zahlreiche Wurfstände bieten das beliebte Liebsapfelwerfen an, bei dem mit Hilfe von Liebesäpfeln Liebesäpfel abgeworfen werden müssen, um einen Liebesapfel zu gewinnen. Schreiende Goblins biete Lose für die GROßE TOMBOLA feil. Und hinter der Achterbahn beginnt der Sklavenmarkt. Der Weg dorthin stellt sich jedoch als eine Art Spießrutenlauf heraus, in dessen Zuge die Gruppe zahlreiche Tombolagoblins überwinden muss. Einem gelingt es schließlich, Bianca ein Los zu verkaufen. Im Beutel des Gnoms, der im Inneren deutlich größer als von außen ist, greift sie eine kleine Tonscherbe, deren Aufschrift ihr mitteilt, dass sie leider einen Fluch verloren habe. Bianca fragt sich, woher die Gnome hier all die Jahrmarktsutensilien haben. Kelim erklärt ihr, dass die Dinge zum Teil gefunden, zum Teil gekauft und zum Teil schlicht existent seien.

Verrat auf dem Sklavenmarkt
Auf dem Sklavenmarkt stehen zahlreiche Wesen als Ware mit Ketten an Pfeiler gefesselt zum Verkauf. Unter ihnen befinden sich Erwachsene wie Kinder, Menschen wie Changelinge. Letztere erzielen als "besondere Ware" höhere Preise. An diesem Ort treffen sie auf den ziegenköpfigen Betze, den Lupa bereits von ihrer Beobachtung bei Kelim kennt. Da davon auszugehen ist, dass Betze Lupa kennt, schicken sie Kelim mit Nicurius alleine vor. Widerwillig steigt Kelim in die Preisverhandlung um Nicurius ein. Dieser wiederum stellt sich dumm, um von Betze nicht als Gefahr wahrgenommen zu werden. Einen Schlag auf den Kopf quittiert er mit einem drohenden Knurren, was Betze als Eigensinn interpretiert und für schlecht befindet. Als Kelim versucht, ihm diese Eigenart als Vorteil zu verkaufen, tritt Bianca hinzu und tut so, als sei sie am Kauf von Betzes Waren interessiert. Ihre Nachfrage nach Klarissa erweist sich jedoch als zu plump, so dass Betze sofort erkennt, um wen es sich bei Bianca handeln muss. Nun verlangt er einen absurd hohen Preis für weitere Informationen. Bianca soll zwei Jahre lang ihm gehören. Sie lehnt ab, woraufhin Betze das Interesse an ihr verliert und stattdessen den Handel um Nicurius abschließt. Als ihm schließlich die Ausreden ausgehen und weder Lupa noch Bianca zu seiner Unterstützung eilen, bleibt Kelim nichts anderes übrig, als den Handel vollständig zu machen. Nicurius wechselt den "Besitzer". In diesem Moment spüren alle drei Changelinge, an welchem Abgrund sie stehen und welch Schandtat sie begingen. Der mit Rika geschlossene Gruppenpakt bricht ob dieses Verrats an der Freundschaft. Nicurius und Bianca sind geschockt. Und noch etwas zieht dieser Paktbruch nach sich: die Fee, aus deren Besitz Bianca und Nicurius flohen, kennt nun ihren Aufenthaltsort und naht heran, um sich ihr Eigentum zurückzuholen...

Wilde Flucht aus der Hecke
Um ihnen eine Flucht zu ermöglichen, schlägt Lupa vor, die Gefangenen zu befreien mit dem Ziel, heillose Verwirrung und Panik zu stiften. Nicurius wiederum versucht selbstständig, sich zu befreien. Er umschlingt Betze mit der Kette, mit der ihn dieser gefesselt hat und würgt ihn. "Mein Freund", flüstert er ihm ins Ohr, "du hast einen großen Fehler gemacht.". Bianca und Lupa teilen sich auf. Während Bianca die Kinder befreien will, eilt Lupa den Changelingen zu Hilfe. Gleichzeitig werden die Wachen auf Nicurius und das erstickte Geschrei Betzes aufmerksam und rennen los. Nicurius bedroht Betze: Sollte dieser ihn nicht losmachen und auf der Flucht begleiten, wird Nicurius ihn erwürgen. Unterdessen schickt Bianca ihre Schmetterlinge los, die Wachen zu verwirren. In den Zauber geraten die Motten der herannahenden Fee, die sich nun auch auf die Wachen stürzen und sie langsam vergehen lassen. Widerwillig geht Betze auf Nicurius Handel ein. Lupa gelingt es, mit der Machete, die Balg ihr geschenkt hat, einen der Changelinge zu befreien. Dieser stürzt sich sofort auf den zweiten Wachmann. Nicurius und Betze fliehen. Bianca schafft es, eines der Kinder zu befreien. Gemeinsam mit dem Kind flieht sie ebenfalls in Richtung der Achterbahn. Nachdem Lupa den ersten Changeling befreit hat, wendet sie sich dem zweiten zu, einem verängstigten Schattenwesen. Schnell erkennt sie jedoch, dass sie keine Zeit mehr haben würde, auch dieses Wesen loszuschneiden. Stattdessen wendet sie sich ebenfalls die Flucht, lässt dem Changeling jedoch die Machete da. Im letzten Moment rennt Lupa los und folgt den anderen beiden zur Achterbahn. Dicht auf dem Fuße folgen ihr die Fee mit ihren Motten. An der Achterbahn zahlen Nicurius und Bianca hektisch den Eintrittspreis (einen Schuh) und springen in freie Wägen. Mit einem Hechtsprung rettet sich auf Lupa in einen Wagen. Die Bahn fährt los und die Changelinge lassen die Hüterin hinter sich zurück. Die Fahrt entpuppt sich nicht nur physikalisch als sprichwörtliche Achterbahnfahrt. Auch in ihren Erinnerungen und Emotionen werden die Changelinge hin- und hergeworfen. Die Erinnerung an einen lange vergessenen Streit und die damit verbundene Wut folgt ihnen aus der Hecke, als sie mit Schwung in einer Wasserlache im Spreepark landen.
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Zwischenhalt im Spreepark

Vom Gruppenzusammenhalt
Als sich der Schrecken gelegt hat, stehen Bianca, Nicurius und Lupa den drei Wesen gegenüber, die sie aus der Hecke mitgebracht haben. Der wilde, dunkelhäutige Changeling, den Lupa befreite, stellt sich formvollendet als Wilbur vor und dankt höflichst für seine Rettung. Betze wird von Nicurius spöttisch als sein "neuer Freund" vorgestellt. Der Junge, den Bianca mitgebracht hatte, äußert sich nicht. Er wirkt überfordert von der Situation. Tränenreich entschuldigt sich die immer noch schockierte Bianca bei Nicurius für dessen Verkauf und den damit verbundenen Verrat an ihrer Freundschaft. Nicurius nimmt die Entschuldigung an. Lupa betont, dass es sich ja ohnehin nie um einen "richtigen" Verkauf gehandelt habe. Nachdem dieser Riss gekittet scheint, deutet sich jedoch sofort ein weiterer Konflikt innerhalb der Gruppe an. Erfüllt von Bitterkeit und Hass schwört Nicurius, sich an Kelim für all das, was er seiner Tochter angetan hat, zu rächen, sobald er sdas verlorene Kind wiedergefunden hat. Lupa fleht ihn an, das nicht zu tun. Kelim sei erpresst worden und somit ebenso ein Opfer wie Nicurius' Tochter. Nicurius sieht das anders. In solchen Szenen stelle sich immer jeder als Opfer dar - schlussendlich habe aber jeder die freie Wahl, zu tun, was er für richtig halte. Kelim habe sein Leben selbst in der Hand gehabt. Lupa ist hin- und hergerissen, droht Nicurius jedoch an, sich im Zweifelsfall zwischen ihn und Kelim zu stellen. Im Anschluss an diesen Streit fällt ihnen auf, dass sie gar nicht wissen, ob Kelim die Flucht vom Markt überhaupt geglückt ist. Lupa beschließt, bei Gelegenheit nach ihm zu sehen. Die Changelinge bringen Wilbur und den sprachlosen Jungen zu Simon und Knacks, wo sie zunächst einmal unterkommen können.

"Mein neuer Freund"
Nachdem die anderen beiden die Neuankömmlinge zu Simon und Knacks begleiten, widmet sich Nicurius seinem "neuen Freund" Betze. Als dieser nicht auf Fragen antwortet, betrachtet Nicurius ihn mithilfe von Feenmagie genauer. Dabei erfährt er den größten Wunsch Betzes. Da dieser keine eigenen Gefühle hat, sehnt er sich nach denen anderer und möchte diese für sich haben. Mit dieser Information bedroht und lockt Nicurius den "Freund" nun so lange, bis dieser bereit ist, auf einen Handel mit ihm einzugehen in dem er versprechen soll, ihnen nicht in den Rücken zu fallen und den Handel mit Entführten aufzugeben. Betze fordert jedoch eine Garantie seiner eigenen Unversehrtheit bevor er selbst Zugeständnisse macht. Nicurius geht darauf zunächst nicht ein, da er befürchtet, von Betze hintergangen zu werden.

Erneuerung alter Versprechen
Während Nicurius mit Betze verhandelt, suchen Bianca und Lupa ihre alte Bündnispartnerin Rika auf. Diese zeigt sich entsetzt vom Bruch des Paktes und dessen Umständen. Andererseits, meint sie, füge dieser Verrat der ganzen Geschichte eine interessante Note hinzu. Sie ist bereit, den Pakt zu erneuern, unter der Voraussetzung, dass es Nicurius gut geht und er den beiden anderen verzeiht. Bianca und Lupa sichern ihr zu, dass dies der Fall sei. Um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, begleitet sie die beiden zurück zu Nicurius. Das Grüppchen erreicht ihn, kurz nachdem er den Pakt mit Betze geschlossen hat. Großzügig verzeiht er offiziell seinen beiden Gefährtinnen ihr Verhalten. Allerdings ist er der Meinung, der neue Pakt müsse stärker geschmiedet werden als der vorherige, um die Gruppe noch stärker zusammenzuschweißen. Die drei einigen sich darauf, den neuen Pakt mit Blut zu besiegeln und somit einen Blutsbund einzugehen. Mit Rikas Messer sticht sich zuerst Nicurius tief in die Handfläche. Es folgen Bianca, die sich nur vorsichtig in den Finger sticht und Lupa, die vor den anderen beiden stark wirken möchte und sich ebenso tief wie Nicurius in die Hand sticht. Rika fängt das Blut der drei in einem Fläschchen auf und verkorkt es sorgfältig. Auf dieser Basis wird der Gruppenpakt neu geschlossen und erweitert. Nicurius erhält den Flacon zur Aufbewahrung und hängt ihn sich zunächst um den Hals.

Wer ist der Puppenmacher?
Nachdem sie auf diese Art wieder auf ihr gemeinsames Ziel eingeschworen sind, erkundigen sie sich bei Betze nach dem Puppenmacher. Der rät dringend, sich von him fernzuhalten. Sein Gesicht kenne er nicht, er wisse aber, dass der Puppenmacher alleine in einem prächtigen Palast wohne und bei den Feen sehr gefragt sei. Auf die Frage, was mit den Töchtern von Bianca und Nicurius passiert sei, überlegt Betze kurz und erklärt dann, der Puppenmacher habe sie persönlich behalten. Und wer wisse schon, was so ein einsamer Kerl mit ihnen anstellen würde. Da Betze weiß, wo sich der Palast befindet, soll er die Gruppe auch auf den richtigen Weg führen. Trotz der gebotenen Eile, beschließt die Gruppe, zunächst einmal eine Rast einzulegen und eine Nacht zu schlafen um am nächsten Tag dann in neuer Frische in weitere Abenteuer zu starten.

Ein ruhiger Abend
Bevor sie schlafen gehen, besuchen Bianca und Lupa noch einmal die beiden Neuankömmlinge. Wilbur unterhält sich gerade mit Knacks und scheint relativ aufgeräumter Stimmung in Anbetracht der Dinge, die hinter ihm liegen. Er erzählt von seiner Entführung in der Hecke und seiner Befreiung durch Lupa. Er verspricht ihr, den erwiesenen Gefallen erwidern zu wollen. Auf die Frage, ob Lupas Handeln geprägt war von Mut oder Dummheit spricht sich Wilbur dafür aus, dass es sich um Mut handele, wenn es funktioniert habe. Der Junge schläft und hat, so Knacks, noch kein Wort gesprochen. Nachdem sie sich versichert haben, dass es ihren beiden "Findlingen" gut geht, begeben sich Lupa und Bianca ins Bett. Bianca möchte jedoch nicht in ihrer eigenen Behausung übernachten, da die Wägen unschöne Erinnerungen an den Jahrmarkt und die wilde Flucht mit der Achterbahn wachrufen. Stattdessen geht sie zu Nicurius, um dort zu nächtigen. Dem ist das sichtlich unangenehm. Da Bianca neben Betze nun schon der zweite Gast ist, sieht er sich gezwungen, eine Schlafstätte mit Bianca zu teilen. Lupa legt sich in ihrem Zelt zur Ruhe. Um die Erinnerungen an den Tag zu betäuben, isst sie den Rest ihres Vorrats an blauen Beeren - eine größere Menge als sie je zuvor zu sich genommen hat.

Wunschträume
Die drei Changelinge träumen. Bianca und Nicurius träumen von dem Streit, an den sie sich während der Achterbahnfahrt wieder erinnert haben. Statt allerdings inmitten der Situation zu stecken, beobachten sie die Szene von außerhalb. Dabei fällt ihnen auf, dass zu diesem Zeitpunkt ihre Schatten bereits die Form von Changelingen hatten. Da sie sich sicher sind, dass es sich hierbei um eine reale Erinnerung aus der Zeit VOR ihrer Entführung handelt, kommt ihnen das merkwürdig vor. In ihnen keimt das tiefe Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Nicurius möchte die Chance nutzen und sich in diesem Traum an seine Tochter erinnern, wie er sie das letzte Mal gesehen hat. In ihrem Blick sieht er erstmals, was er im realen Leben stets zu übersehen pflegte: Die eigene Tochter betrachtet ihn wie einen Fremden. Als sei er für sie weit entfernt und nicht erreichbar. Nicurius weiß, warum sie ihn so ansieht: Wenn sie ihn nicht an sich heranlässt, kann er sie auch nicht verletzen, sie nicht enttäuschen. Nicurius realisiert all die verpassten Gelegenheiten im Umgang mit seinem Kind. Lupa, benebelt von blauen Beeren, träumt von Kelim. Sie sieht sich und ihn und erinnert sich an all die schönen Momente, die sie mit dem Alten verbringen durfte. Hier jedoch ist Kelim ein Guter; hier verkauft er niemanden und macht Lupa keine Vorwürfe. Lupa weiß, dass sie diesen Traum immer träumen kann, wenn sie das möchte. Sie weiß, dass sie nicht aufwachen muss, wenn sie es nicht möchte. Aber sie spürt auch, dass all dies nicht echt ist. Die bittere Erkenntnis vergiftet ihren Traum. Kelims freundliches Gesicht verläuft zur beerenblauen Fratze. Schweißnass erwacht Lupa und muss sich übergeben. Bianca träumt, nachdem sie die Erinnerung an den Streit hinter sich gelassen hat, davon, einen Platz in der Hecke zum Paradies umgestaltet zu haben. Ein Baum fällt ihr besonders ins Auge. In seinem Stamm befindet sich eine Schublade. Als Bianca sie öffnet, findet sie darin ein scharfes Messer.

Planänderung
Am nächsten Morgen begibt sich Lupa zu Nicurius und Bianca. Ungeduldig warten die beiden auf sie und auch Betze ist notgedrungen noch da. Nicurius erkundigt sich danach, ob Lupa daran gedacht habe, die Frucht für ihn zu besorgen. Lupa reicht ihm die kirschartige Frucht mit der Kiwihaut, die sie auf dem Weg durch die Hecke für ihn gepflückt hat. Sie erklärt ihm, er müsse, zur Steigerung seiner Kraft, die Frucht etwa eine Stunde vor der gewünschten Wirkung zu sich nehmen. Sie reagiert befremdet, als Nicurius sie an Ort und Stelle vertilgt. In diesem Augenblick betritt Knacks den Schauplatz und bringt eine Zeitung mit. Nicurius betrachtet interessiert den Artikel über mehrere, mit der Mafia in Verbindung stehenden Erschossenen. Auch ein untergetauchter "Kronzeuge" wird erwähnt. Er ignoriert seine plötzlichen Kreislaufprobleme und liest still. Unterdessen warnt Knacks die Gruppe: Auf der anderen Seite in der Hecke gilt das Schutzabkommen mit der Fee nicht. Dort sind sie auf sich gestellt. Schließlich steht der Plan: Mit dem Puppenmacher soll offen verhandelt werden. Eventuell gelingt es ihnen ja, seine geheimen Wünsche und Ängste zu entschlüsseln. Lupa zieht aus der Erzählung Betzes zudem den Schluss, dass der Puppenmacher sowohl auf Macht als auch auf Sicherheit aus ist. Knacks hält eine aufmunternde Rede, um den drei Changelingen Mut zu machen. Dann kommt die Idee auf, den Puppenmacher nicht persönlich zu besuchen, sondern stattdessen den Umweg über Träume zu nehmen. Da sie persönliche Gegenstände der Töchter haben, könnten sie zunächst deren Träume besuchen, um herauszufinden, wo genau sich die Kinder befinden. Möglicherweise ergibt sich so auch mehr über den Puppenmacher. Knacks erklärt den dreien, dass sie, um in Träume eintreten zu können, in die Hecke gehen müssen. Lupa bietet ihr Heckengewächshaus als sicheren Unterschlupf zum Schlafen an. Während sie sprechen, verstärken sich Nicurius' Kreislaufprobleme. Er fühle sich ganz eigenartig, meint er und blickt, in Gedanken noch bei der Vergiftung des Schlingers, auf Lupa. Die erklärt ihm, dass es sich dabei um die Wirkung der Frucht handele, sie genau so wirke, wie sie wirken solle - er habe doch etwas zur Steigerung der Manneskraft gesucht oder etwa nicht? Nicurius dämmert, dass es sich hier um ein unangenehmes Missverständnis handelt. Bianca wundert sich, wieso Lupa sich mit solchen Themen auskennt. Knacks bekommt einen Lachanfall und macht sich im Folgenden einen Scherz darauf, Nicurius auf die Pelle zurücken. Nachdem sich die allgemeine Erheiterung gelegt hat, beginnen die konkreten Vorbereitungen der folgenden Geschehnisse. Um sich zu versichern, dass Betze ihnen nicht in den Rücken fällt, nimmt Nicurius, diesmal unterstützt von Bianca und Lupa, wieder die Verhandlungen mit dem "Meister der Ketten" auf. Schließlich werden sie handelseinig: Betze wird seinen Beruf aufgeben, dafür wird Nicurius ihm einmal im Monat (an jedem 1. Montag) ein Stück der Eisenwelt zeigen und ihm damit Zugang zu den Gefühlen der Menschen geben. Der Pakt wird geschlossen.


Traumwanderung

Gezähmte Hecke hinter Glas
Die Gruppe betritt die Hecke und landet an einem ihr bereits bekannten Ort - dem Reich der Wilden Männer. Die Hecke wirkt hier aggressiv, aber gut gepflegt, der Weg ist außergewöhnlich grade. Sofort umringt sie eine Delegation der Wilden Männer. Ein Abgeordneter wird berufen und spricht mit ihnen. Lupa handelt einen begleiteten Durchgang Betzes durch ihr Reich aus. Sie will sichergehen, dass ihnen der Sklavenhändler nicht zu ihrem Gewächshaus folgt. Betze prophezeit, dass dies nicht ihr letztes Treffen gewesen sei und wird abgeführt. Nachdem die Changelinge wieder unter sich sind, führt Lupa sie zu ihrem privatesten und geheimsten Ort. Ein Gewächshaus, reich bepflanzt mit allerlei exotischen Heckenpflanzen, erwartet sie. Zur Begrüßung und um sich bei Nicurius für das vorangegangene Missverständnis zu entschuldigen, überreicht Lupa den anderen beiden zwei dicke, lila Früchte, die euphorisierend und stärkend wirken. Mit Sitzkissen machen die Changelinge es sich bequem. Nicurius spricht an, dass er gerne ein engeres Vertrauensverhältnis innerhalb der Gruppe pflegen würde. Immerhin sei es eine intime Sache, andere in die eigenen Träume einzulassen. Aufgrund seiner Herkunft würde er auch besonderen Wert auf Versprechen legen. Gemeinsam beschließt die Gruppe, ein Versprechen abzulegen, in dem sie sich gegenseitig versichern, nichts weiterzuerzählen, was sie aus den Träumen der anderen erfahren haben. Dieses ergänzt nun den bereits vorhandenen Gruppenpakt. Weiterhin bittet Lupa darum, insbesondere von Bianca nicht länger wie ein Kind behandelt zu werden. Sie könne nichts für ihr kindliches Aussehen, fühle sich jedoch wie eine Erwachsene. Bianca versteht diesen Wunsch, ist sich jedoch nicht sicher, ob sie ihm nachkommen kann. Lupa wecke in ihr das Bedürfnis, sie zu beschützen. Lupa akzeptiert die Zusage. Bevor sie sich endgültig schlafen legen, möchte Nicurius wissen, inwiefern das Gewächshaus sicher ist oder ob es sinnvoll sei, Wachen aufzustellen. Lupa erklärt ihm, dass ein Gewächshaus kein Tresor sei - allerdings habe sie hier keine besonders wertvollen Pflanzen angebaut und noch nie größere Probleme mit Einbrüchen gehabt. Neugierig erkundigt sich Nicurius danach, wo denn wertvolle Früchte zu finden seien. Daraufhin erzählt Lupa ihm von einer nicht weit entfernten Wiese, auf der blaue Beeren zu finden seien, die dann wertvoll wären, wenn man selber ihre Wirkung zu schätzen wisse, beziehungsweise wisse, an wen man sie verkaufen könne. Die beiden nehmen sich vor, zu einem späteren Zeitpunkt die Wiese aufzusuchen. Anschließend reicht Lupa den anderen beiden die schwarzen Samen einer roten Blume, die ihnen dabei helfen rasch und sanft ins Reich der Träume zu entgleiten.

Biancas Traum
Der Traum beginnt im Treppenhaus des Hauses, in dem Bianca wohnte. Gemeinsam gehen die Changelinge nach oben, wo Bianca an einer Tür klopft, auf der ein unleserlicher Name angebracht ist. Ein Mann, Biancas Ehemann, öffnet und bittet sie herin. In der Küche unterhält er sich mit Bianca. Er erzählt ihr, dass er die Veränderungen, nachdem sie und die Tochter durch Puppen ersetzt worden waren, bemerkt habe, allerdings nur im Schlaf einen klaren Gedanken auf diese Tatsache verwenden könne. Im Wachzustand bleibt ihm die Erkenntnis verschlossen. Klarissa, so berichtet Frank weiter, sei gerade nicht zuhause (womit er das Traum-Zuhause meint - offenbar schläft Klarissa gerade nicht). Bianca versucht, ihn zu verstehen und erkundigt sich weiter nach seinem Zusammenleben mit den zwei Puppen. Auch stellt sie sich die Frage, inwiefern es eine Verbindung zwischen Klarissa und ihrer Puppe gibt und ob Frank ihnen durch das Zubettbringen der Puppe einen Weg zu Klarissas Traum eröffnen könnte. Schließlich tritt Nicurius vor und reicht Frank die Locke seiner eigenen Tochter in der Hoffnung, dass Frank ihnen mit Hilfe dieser den Weg in den nächsten Traum weisen kann. Frank nimmt sie, murmelt etwas davon, dass das funktionieren könne, öffnet das Fenster und springt hindurch. Als Bianca nach vorne stürzt und über die Fensterbank nach unten blickt, ist der Boden unter dem Fenster leer. Lupa sieht sich um und bemerkt, wie sehr Träume der Hecke gleichen. Auch hier gilt es, auf kleine Zeichen und Veränderungen zu achten - oder sie selbst herbeizuführen. Instinktiv führt sie die anderen beiden aus der Küche über den Flur hin zu einer Kinderzimmertür. Als Lupa die Tür sachte öffnet, rücken im dahinterliegenden Raum die Wände von ihr weg. Der Boden scheint nicht aus festem Material zu bestehen. Er verschwimmt, schwarzes Wasser überflutet ihn. Finsternis umfasst die drei Changelinge als sie Biancas Traum hinter sich lassen.

Klarissas Traum 1
Die Changelinge stehen vor einem weitläufigen Sumpf. Lupa, die das Prinzip der Veränderung der Umgebung nach dem eigenen Willen von der Hecke her am besten kennt, verändert einen Baumstumpf zu einem Boot mit dessen Hilfe Nicurius seine beiden Gefährtinnen über den Sumpf rudern kann. Bianca nimmt das Prinzip auf und bringt ein Irrlicht herbei, dass sie durch das Dunkel führen soll. Im Vorübergleiten bemerken sie zahlreiche Gegenstände, die im Sumpf dümpeln: ein Fahrrad, ein Kissen, eine Schale... Schließlich erreichen sie zwei Inseln. Auf der einen ist ein großer Baum zu sehen, die andere verfügt über einen Steg. Lupa schnuppert: während der Baum nach ihr riecht, scheint der Steg zu Bianca zu gehören. Daher entscheidet sich die Gruppe für die letztere Variante und legt am Steg an. Auf dieser Insel befinden sich Überreste von Gebäuden mit Gittern. Eine Stimme wird immer lauter: "Mama, das ist unfair! Alle anderen dürfen auch...". Offensichtlich ist es Klarissa, die hier spricht. Bianca ruft nach ihr und versucht sie in ein Gespräch zu verwickeln, um ihren Standort finden zu können. Lupa hält das Freundschaftsbändchen hoch. Schließlich trappeln zwei durchscheinende Füße auf die Gruppe zu. Auf die Frage, ob sie allein sei, antwortet Klarissa, dass sie sehr alleine sei, sich draußen aber noch jemand anderes befinde - die Fadenhexe. Klarissas Kopf müsse auch irgendwo hier sein. Sie beginnen, den Kopf zu suchen. Die Insel verändert sich, wird scharfkantig und abweisend. Wieder haben die Changelinge die Wahl zwischen zwei Inseln: Während die eine voller Steine ist (eine Art Kalkhalde), wächst auf der anderen saftiges Gras und Hundegeknurr ist zu hören. Sie suchen den Kopf auf der steinigen, kahlen Insel. Ein Schluchzen ist hier zu hören: "Mama, wo bist du?". Bianca erinnert sich an diesen Tag. Ein Sommerabend war es, als das Mädchen zu ihr gekommen war um ihr zu erzählen, dass Klarissa beim Spielen abgerutscht war und nicht in der Lage, sich alleine zu befreien. Beim Erklimmen der Halde schneidet sich Nicurius an den scharfkantigen Steinsplittern. Lupa ist es, die Klarissas Hände findet. Gemeinsam graben sie die Hände frei. Mittlerweile sind alle Körperteile außer dem Kopf da.

Klarissas Traum 2
Plötzlich reisst der Himmel über ihnen auf, rote Blitze zucken und ein Beben geht durch die Inseln. Das Wasser gluckst und schäumt wild und alles um sie herum verändert sich. Sie befinden sich nun in einem engen Raum mit roten Glasgittern und nackten Wänden. Der Boden unter ihren Füßen ist kalt, die Decke läuft spitz zu. Es gibt hier vier Fenster aber keine Tür. Keinen Platz zum Schlafen gibt es hier. Nur Kälte...
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Teil 6: Den Kopf nicht verlieren


Traumwanderung [Fortsetzung]

Klarissas Traum 2 [Fortsetzung]
Plötzlich flüchtet das rot-gleissende Licht, während die Kälte weiter zunimmt. Schließlich wirkt sie fast greifbar, wie sie den Changelingen den Rücken heraufkriecht und in ihre Knochen einzieht. In die Kälte mischt sich Furcht. Dann rücken die beengenden Wände immer weiter fort, der Fußboden dehnt sich aus und ist nun mit Steinplatten belegt, die Decke wird höher und gleicht der einer Kathedrale. Der riesige Raum ist nur mehr spärlich beleuchtet. Nach und nach tauchen Einrichtungsgegenstände auf. Zunächst Gardinen, dann folgen kleine Tischchen, Stühle, Regale samt Inhalt, ein Herd... allerdings scheint irgendetwas an all diesen Gegenständen nicht ganz richtig zu sein. Lupa befindet, dass an die Wand neben dem Küchenschrank eine ganz bestimmte Kinderzeichnung gehört und weil dies ein Traum ist, taucht besagte Zeichnung dann auch dort auf. Allerdings scheinen die Wände damit nicht einverstanden zu sein. Kleine, aus der Tapete hervorstechende Nadeln nähen die Tapete um das Bild herum zu. Fast scheint es, als wolle die erboste Wand das Bild verschlingen. Während Lupa sich auf die Kinderzeichnung konzentriert, bemerken die anderen beiden, dass sich der Raum weiter verändert. Die Küche, in der sie stehen, ist nur einer von vielen Räumen (Bad, Wohnzimmer...), die sich alle um einen leeren Fleck in der Mitte anordnen und durch fehlende Wände einsichtig sind. Bianca zieht, in der Hoffnung, damit mehr Privatsphäre zu schaffen, Trennwände zwischen die Zimmer. Wieder schießen allerdings Nadeln aus dem Boden, die versuchen, die herausziehenden Wände mit Hilfe von Fäden zurückzudrängen. So bleiben die Wände niedrige Stolperfallen. Eine von Lupa im Schrank gefundene Schere erweist sich als ein Stück silbrig angemaltes Holz. Nicurius' Versuch, die Vorhänge zu beeinflussen, scheitert. Bianca erinnert sich an das Messer, dass sie einige Zeit zuvor erträumt hat. Es gelingt ihr, diesen Dolch in den jetzigen Traum zu ziehen. Mit dem scharfen Metall versucht Lupa, die Seile zu durchtrennen. In der bislang leeren Mitte ist unterdessen eine Reihe großer Werkbänke mitsamt Bastelmaterial und zahlreichen weiteren Nadeln aufgetaucht. Als die Knäufe und Klinken der Räume zu Knöpfen werden und nach und nach die Umgebung eher gebastelt als gezimmert wirkt, haben die Changelinge das Gefühl, sich in einem Puppenhaus zu befinden. Befinden sie sich überhaupt noch in Klarissas Traum? Oder ist dies der Traum des Puppenmachers? Während Nicurius noch vorschlägt, umsichtig vorzugehen, knallt eines der von Lupa abgetrennten Seile mit einem lauten Peitschenknall an die gegenüberliegende Wand. Lupa, in der festen Überzeugung, sich im Traum des Puppenmachers zu befinden, organisiert sich eine Fackel und will gerade alles in Brand stecken, als sie Klarissas Stimme hört, die nach ihrer Mutter ruft.

Klarissas Traum 3
Offensichtlich ist dies hier Klarissas Traum - der allerdings vom Puppenmacher infiltriert und beeinflusst wird. Klarissa teilt mit, dass sich hier irgendwo ihre Augen befinden müssen. Bianca sucht fiebrig danach und landet schließlich in einem Kinderzimmer. Hier steht alles doppelt: zwei Wiegen, zwei Schränke, zwei Spielzeugkisten. Als Bianca in eine der Kisten schaut, entdeckt sie dort zu ihrem Entsetzen den Kopf ihrer Tochter, aus dem sie leere Augenhöhlen anstarren. In der danebenstehenden Kiste poltern, klimpern und prasseln Knöpfe. Eine Flut aus Knöpfen droht, Bianca unter sich zu begraben, als sie auf dem Boden der Kiste die Augäpfel der Tochter findet. Als die Flut sich legt, nähert sich von hinten der geisterhafte Körper Klarissas. Bianca will ihre Tochter unbedingt wieder in einem Stück sehen und bringt die Augäpfel wieder in ihren Höhlen an. Jedoch muss der Kopf noch am Körper angenäht werden. Hierfür bittet Bianca, die nicht nähen kann, Lupa um Hilfe. Praktischerweise befindet sich im Zentrum, nahe der Werkbank, eine Bahre, auf die sie Klarissa ablegen können. Etwas scheint die Changelinge zu bemerken, als sie sich dort einrichten. Ein Surren ertönt. Während seine beiden Gefährtinnen zu nähen beginnen, fällt Nicutius noch etwas anderes auf: der süßliche, tannenartige Geruch der grünen Motten der Fee. Und er wird stärker. Schon taucht am Fenster ein Schatten auf. Kurz verdunkelt die Scheibe, dann rieselt sie unter dem Einfluss des Mottenstaubes herab. Die Motten flattern, eine nach der anderen, in den Raum. Unter der Bahre, auf der Klarissa liegt, zischen derweil Nadeln aus dem Boden. Sie fliegen hoch, erreichen ihr Zenit und stürzen auf der anderen Seite des Tisches herab, wo sie sich im Boden verkeilen. Klarissa ist nun mit Fäden an den Tisch gefesselt. Bianca wirft einen schweren Teppich über die Nadeln, in der Hoffnung, so weiteres Unheil verhindern zu können. Nicurius hat seine Heckenkeule aufgepackt und erschlägt schwungvoll einige Motten. Lupa näht mit schwitzigen Händen weiter. Trotz Biancas Einsatz fesseln immer weitere Fäden Klarissa. Statt sie aufzuhalten, verlegt sich Bianca darauf, die Fäden mit ihrem Dolch zu durchtrennen. Nicurius, der etwas Staub abbekommen hat, schlägt wie ein halbblinder Berserker um sich. Die Nadel in Lupas Fingern glüht förmlich. Zugleich merkt Lupa, wie ihre Konzentration nachlässt. Der Traum droht ihr zu entgleiten. Mit eisernem Willen schließt sie den letzten Knoten der Naht.

Erwachen
Die Changelinge springen mit Klarissa in Deckung, als ein enormer Schatten erscheint. "WAS DENKT IHR, WO IHR HINGEHT?!", dröhnt eine Stimme durch das Traumgebilde. Die Seile und Fäden schwingen nun wie Lassos gezielt in Richtung der Eindringlinge. In dem Moment entgleitet Lupa der Traum endgültig und sie verblasst und verschwindet als ihr erwachender Körper seinen Geist zurückfordert. Bianca beschwört einen Sturm herauf, der den Puppenmacher einhüllt und in umherflatternde Vorhänge verheddert. Um den Traum zu verlassen, springen die drei auf und stürzen zu den Fenstern des Zimmers. Bianca stößt Klarissa in den Abgrund, ehe sie und Nicurius hinterherspringen. Es folgt ein langer Fall an einem hohen Turm entlang und ein harter Aufprall in tosende Fluten. Der Plan geht jedoch nicht auf: Nicurius, statt zu erwachen, versinkt wie ein Stein im Meer. Über ihm verliert sich das fahl-rote Licht des Mondes in der Dunkelheit des Wassers. In der Hecke unterdessen erwacht Lupa mit einem Japsen. Sie hört Bianca und Nicurius schreien. Während Bianca kurz darauf verstummt, brüllt Nicurius weiter. Lupas Versuche, ihn zu wecken scheitern. Erst als sie ihm mit einem Messer in den Arm sticht und kräftig kneift, kommt er zu sich. Im Aufwachen wirft er den Arm nach oben, fängt etwas Vorrüberfliegendes und zerdrückt es. Er atmet tief durch. Bianca ist ebenfalls noch nicht erwacht. Als Lupa sie wecken möchte, murmelt sie "Noch nicht...".

Mutter und Tochter
Sie befindet sich wieder in ihrem eigenen Traum, in jener Küche, aus der sie kurz zuvor aufgebrochen ist. Klarissa ist bei ihr. Die beiden unterhalten sich über das Erlebte. Klarissa erzählt, dass der Puppenmacher komische Dinge mit ihr getan habe. Er habe sie auseinandergenommen. Bianca beruhigt sie - nun sei sie ja wieder ganz. Mit Bedauern stellt Klarissa fest, dass sie noch nicht wieder ganz zuhause ist. Sie erzählt, dass sie in einem Turm lebe, ähnlich dem, aus dem sie vorhin geflohen seien. Der Turm sei bedeckt mit Gesichtern, in denen Lichter brennen. Auch im Turm befinden sich Kerzen, jedoch würden diese tagsüber gelöscht, so dass es stockfinster im Inneren sei. Manchmal, erzählt sie, mache der Puppenmacher komische Dinge mit ihr und dem anderen Mädchen, von dem Bianca vermutet, dass es sich dabei um Nicurius' Tochter handelt. Er zwinge sie, dabei zuzusehen, was er tue. Und gestern habe sie Nadeln für ihn halten müssen. Bianca ist entsetzt und wütend als sie ihrer Tochter verspricht, sie zu retten und sie nie wieder zu verlassen. Die Wyrd nimmt das Versprechen an. Bianca weiß, dass sie mit keinem Menschen einen solchen Pakt hätte schließen können. Doch verkraftet sie die Erkenntnis gut - die Veränderung ihrer Tochter ist wenig überraschend und genau genommen, bringt es Mutter und Tochter auf gewisse Weise auch einander näher. Klarissa berichtet weiter, dass es zwei Wege in den Turm gebe, von denen einer geheim sei. Es sei jedoch ratsam, sich beim Eindringen nicht vom Puppenmacher erwischen zu lassen. Sie habe so etwas einmal erlebt und es sei nicht gut ausgegangen für den Eindringling. Diesen beschreibt sie als dunkelhaarigen Mann. Er habe sein Herz verloren für den Versuch, den Puppenmacher zu hintergehen. Der Geheimpfad, wenn man ihn denn trotzdem nutzen wolle, habe seinen Eingang hinter einer Art Brunnendeckel am Boden neben dem Turm. Biancas Tochter gibt ihr außerdem den Tipp mit auf den Weg, dass der Puppenmacher keinem Spiel oder Rätsel wiederstehen könne. Bevor Bianca gehen muss, beruhigt Klarissa sie: Der Puppenmacher habe nun keine Macht mehr über ihre Träume. Das Mädchen (und obwohl sie einen anderen Namen nennt, weiß Bianca, dass sie Lupa meint), hat ihr vorhin im anderen Traum eine Zeichung überlassen. Es ist eine Zeichnung ihre altes Clubhauses. Dorthin könne Klarissa nun immer wieder zurückkehren. Mit diesen positiven Neuigkeiten erwacht schließlich auch Bianca aus ihrem Traum.


Getrennte Wege

Rekapitulation
Nachdem nun alle drei wieder wach sind, schmiedet die Gruppe Pläne, wie es weitergehen soll. Als Bianca von Klarissas Beschreibungen erzählt, erkennt Nicurius in dem Mann, der versuchte, in des Puppenmachers Turm einzudringen, einen ehemaligen "Kollegen" wieder: Mark Wieland. Sofort sind Bianca und Nicurius Feuer und Flamme, diesen Mann aufzusuchen. Lupa hingegen möchte Kelim einen Besuch abstatten, um sich von seinem Wohlergehen zu überzeugen. Schließlich wird entschieden, sich zu trennen und später im Park wiederzutreffen. Nachdem Lupa verschwunden ist, beschließt Bianca, dass ihr Auftritt in der reinen Männergesellschaft der Wilden Männer sicherlich wirkungsvoller ist, wenn sie dort auch als Mann ankommt. Deswegen übt sie sich in besonders männlichem Auftreten.

Lupas Besuch bei Kelim
Lupa sucht Kelim, ihren Ziehvater, in dessen Zuhause in der Hecke auf. Zu ihrer großen Erleichterung ist er am Leben und befindet sich wieder in seinem Arbeitszimmer. Als sie jedoch nähertritt, muss sie erkennen, welchen Preis Kelim für ihr Abenteuer zahlen musste. Grüner Mottenstaub hat die Hälfte seiner Haare ausfallen und den einst so prächtigen Bart verblassen lassen. Seine Haut ist auf einer Seite sichtlich gealtert, schrumpelig und bedeckt mit Altersflecken. sein linker Arm, die Schulter und der Brustkorb sind verkrüppelt und schwächlich. Lupa fragt ihn entsetzt, wie er in diesem Zustand in der Hecke weiterleben kann und will. Auf ihren Vorschlag, sie in den Spreepark zu begleiten, entgegenet Kelim jedoch, dass er lieber in seiner vertrauten Umgebung bleiben wolle, zumal die Changelinge wohl kaum gut auf ihn zu sprechen seien. Er habe schreckliche Fehler in seinem Leben begangen und nun einmal etwas richtig gemacht. Seine Fehler habe er damit jedoch nicht wiedergutmachen können und deswegen habe die Wyrd ihn bestraft. Denn die Wyrd ist nicht freundlich. Für Kelim ist diese Episode seines Lebens abgeschlossen und er empfiehlt auch Lupa, ihn nun zu verlassen und sich ein neues Leben aufzubauen. Lupa verspricht ihm (allerdings ohne Zutun der Wyrd), immer für ihn da zu sein, sollte er jemals Hilfe benötigen. Dann lässt sie ihm noch ein paar kräftigende Früchte da, ehe sie dem Haus (vielleicht für immer?) den Rücken kehrt.

Holzhol-Qualitäten
Biancus und Nicurius suchen das Reich der Wilden Männer auf, um sich nach Betzes Verbleib zu erkundigen. Die Wilden Männer meinen auf Nachfrage jedoch ausweichend, der sei gerade nicht verfügbar. Über einem großen Feuer brutzelt, an einem großen Spieß drehend, ein saftiger Bocksfleischbraten in einer Soße aus orangenen Früchten. Biancus und Nicurius schwant nichts Gutes. Ihre Befürchtungen erweisen sich jedoch als voreilig, denn Betze tritt unbeschadet aus dem Gebüsch hervor. Die Wilden Männer haben ihn zum Holzholen verdonnert, denn er habe "herausragende Holzhol-Qualitäten". Als Nicurius daraufhin die Verhandlungen aufnehmen will, merken die Wilden Männer an, dass sein Begleiter viel chefiger aussehe als er. Vermittels eines Armdrück-Wettbewerbes werden Unsicherheiten in der Hierarchie beseitigt. Nicurius wird zum Chef vorgelassen, der sich als eine Chefin entpuppt. Eine kleine, Wilde Frau mit roter Haut, roten Haaren und resolutem Auftreten verhandelt knallhart mit dem ehemaligen Mafiosi. Schließlich ist der Handel, den Nicurius im Sinn hatte, komplett: Er darf Diebesgut aus der Eisenwelt bis zu zehn Tagen bei den Wilden Männern deponieren, die ihm unter Umständen auch beim Verkauf helfen. Dafür bekommen die Wilden Männer die Hälfte des Erlöses. Unterdessen übt sich Biancus weiter fleißig im Armdrücken. Auf dem Rückweg aus der Hecke unterhalten sich die beiden kurz darüber, wie sie Mark Wieland aufsuchen wollen. Nicurius erklärt, dass er aufgrund der Tätigkeit seiner Puppe nicht mehr erkannt werden darf in Berlin. Bianca, die das männliche Gehabe abgelegt hat, schlägt vor, mit viel Schminke und Kostümierung zu arbeiten. Durch einen alten VW-Bus, der auf Heckenseite eher eine Nashorn-Statue war, betreten sie die Spreepark.

Kurzes Zusammentreffen im Spreepark
Wie verabredet treffen die Changelintge sich vor Nicurius' Wohnwagen und bringen einander auf den neuesten Stand. Der Plan ist nun, Mark Wieland "den Arsch aufzureissen" (Zitat Nicurius). Lupa schlägt vor, Nicurius' Verkleidung durch eine Heckenfrucht zu ergänzen und erzählt von Früchten, die Geschlecht oder Alter verändern können. Sie bietet an, diese Früchte zu sammeln. Nicurius entscheidet sich für die, die das Geschlecht verändert und Lupa verspricht ihm, recht schnell danach zu suchen. Bianca meint, dass ein Kostüm dennoch unumgänglich sei und erklärt sich bereit, bei Rika nach einem solchen zu fragen. Nicurius hingegen hat noch ein wichtiges Telefonat zu erledigen. So trennen sich die Wegen der drei Changelinge erneut.

Verführerische Blüten und blaue Beeren
Lupa betritt erneut die Hecke und sucht einen Ort auf, an dem herrliche Blumen in dicken Stauden wachsen. In den Blüten, die denen des Fingerhuts gleichen, befinden sich lange Kapseln deren Staub dem Kopf nicht gut bekommt. Sie klingeln leise, als Lupa sie vorsichtig pflückt und verstaut. Anschließend begibt sie sich auf eigene Faust noch an einen anderen Ort, nämlich die Wiese, auf der die blauen Beeren wachsen, von denen sie gerne nascht. Die Wise wird eifersüchtig bewacht von kleinen, libellenflügeligen Wesen. Lupa lenkt sie mit Hilfe einer kleinen Trillerpfeife, deren Ton den Libellenflügeln in den Ohren schmerzt ab, rennt flugs über die Wiese und stiehlt zwei Hände voll Beeren. Mit ihrer Beute macht sie sich zurück auf den Weg zu Nicurius' Wohnwagen.

Spiegelsee
Wie besprochen, besucht Bianca Rika. Als sie dort eintrifft, näht Rika gerade an einem Mantel aus rotem Leder. Bianca zeigt sich sehr beeindruckt von dem Stück. Rika gibt ihr bereitwillig Tipps zum Verkleiden. Besonders effektiv sei es, sich etwas Magie zu Hilfe zu holen, beispielsweise vermittels der Päkte der Spiegel oder des Rauches. Diese könnten Gegenständen und Personen das Ebenbild von anderen verleihen. Als Bianca sich willig zeigt, einen solchen Pakt zu erlernen, weiht Rika sie flüsternd in eines der Geheimnisse der Feenwelt ein.
Zitat von:  Rikas Geschichte
Es war einmal eine Feenkönigin, die, zu einer Zeit als der Wind noch nicht wehte, gerne in einem stillen See das Funkeln der Sterne betrachtete. Irgendwann jedoch reichte das der Fee jedoch nicht mehr. "Oh großer See", sprach sie, "dass du doch auch mein Bild wiedergeben könntest, auf dass es dort schwimme mit den Sternen!". So schloss die Fee einen Pakt mit dem See, der auch für alle ihre Nachkommen galt. Eines Tages jedoch erblickte die Fee im Wasser ein Menschenwesen, das schöner war als sie selbst. Und das Menschenwesen, ebenfalls eine Königin, verlangte von der Feenkönigin, dass sie vor ihr niederknie. Die Fee, beeindruckt von so viel Dreistigkeit, begann, sich für diese Menschen zu interessieren. In ihrem Wunsch, einmal ein Mensch zu sein, stahl sie die Hülle der anderen Königin, mit der es so kein gutes Ende nahm. Der Pakt der Spiegel jedoch war seither für alle Feen und deren Abkömmlinge nutzbar.

Nachdem sie diese Geschichte gehört hat, weiß auch Bianca, wie sie solche Päkte verwenden kann.

Telefonat mit Steffen
Nicurius ruft seinen alten Kollegen Steffen an. Der ist gar nicht begeistert davon, dass sein Kumpel noch immer im Lande ist und Kontakt zu ihm sucht. Nicurius verspricht Steffen, ihn im Traum zu besuchen, um dort weitere Gespräche in Ruhe führen zu können, worauf Steffen verwirrt reagiert. Des Weiteren verspricht Nicurius dem Freund, ihn aus der ganzen gefährlichen Situation herauszuholen und erweitert so den Schweigepakt, den er mit Steffen zuvor bereits geschlossen hatte. Als er sich nach Mark Wieland erkundigt, erzählt Steffen ihm, dass der sich immer in einer etwas zwielichtigen Spelunke herumgetrieben habe. Nicurius sei da auch mit dabeigewesen, habe sich allerdings kräftig betrunken und sei dann mit Wieland nach Hause gewankt. Der Changeling schließt aus dieser Information, dass er mit magischer Hilfe den Weg zu Wielands Wohnung wohl finden könnte.
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Teil 7: Wie Königin Beatrix der Niederlande Mark Wieland den Arsch aufriss


Zauberhafter Abend

Vor Nicurius' Wohnwagen
Nicurius ist als erster wieder zuhause und wartet, gemütlich in einen Klappstuhl gelümmelt, auf seine beiden Kumpaninnen. Nach kurzer Zeit kehrt Lupa von ihrem Ausflug in die Hecke zurück. Nachdem sie auf der Libellenwiese blaue Beeren gepflückt hat, ist sie noch auf einen Abstecher in ihr Gewächshaus gegangen, um dort kräftigende Früchte für die ganze Gruppe mitzunehmen. Nicurius ist ganz begeistert von der Idee, etwas zu essen, weswegen sie darauf verzichten, auf Bianca zu warten und gleich reinhauen. Die Früchte sorgen nicht nur dafür, dass sich Lupa und Nicurius wieder wacher und fitter fühlen, sondern machen zudem auch enorm gute Laune. Volle Tatendrang überlegen die zwei Changelinge, was sie nun tun können.

Spuk unterm Riesenrad
Unterdessen sitzt Bianca immer noch bei Rika. Da sie sich gut verstehen, beschließen sie, gemeinsam einen guten Abend zu verleben. Rika hatte eigentlich vor, mit Bianca in Berlin nach einem geeigneten Lokal zu schauen - da sie jedoch die Information bekommen hat, dass sich gerade wieder zwei mutige Menschen im Spreepark herumtreiben, hat sie eine bessere Idee. Auf leisen Sohlen (Rika zieht sogar die Schuhe und gleich darauf auch die Socken aus), schleichen sich die Changelinge an ein junges Pärchen heran, dass sich unter dem Riesenrad umschaut. Ein Duft von Moder und Nebel steigen auf und hüllen die Szenerie ein, als Rika sie aus ihren Haaren schüttelt. Dann zieht Rika eine gläserne Flöte hervor und beginnt leise, eine schaurige Melodie zu spielen. Dier junge Frau unterm Riesenrad schaut sich ängstlich um, während ihr Begleiter ermutigend den Arm um sie legt. Nun tritt Rika mit nackten Füßen in eine Pfütze. Durch den dichten Nebel bewegen sich zwei geisterhafte Beine. Bianca beginnt, schrill zu kichern. Das Mädchen entdeckt die Fußspuren und schreit auf. Ihr Freund hingegen gibt sich betont lässig. Als Rika weiterspielt, beginnt sich das Riesenrad langsam zu drehen. Unbemerkt von den beiden Menschen, die verängstigt darüber diskutieren, ob es nun an der Zeit sei, abzuhauen, klettert Bianca in eine der Kabinen des Riesenrades. Rika wuschelt sich durch die Haare, woraufhin eine riesige Schattengestalt hinter ihr erscheint und die beiden Menschen endgültig zur Flucht bewegt. Als die Menschen auf sie zurennen, springt Bianca mit ausgebreiteten Flügeln wie eine riesige Motte auf sie herab. Mittlerweile ist der Ort getränkt von der blanken Angst des jungen Pärchens. Gierig nehmen die beiden Changelinge die Emotionen in sich auf. Schließlich lichtet sich der Nebel, der Mond bescheint sanft die Lichtung und die beiden Menschen liegen schlafend am Boden. Als Bianca und Rika gemeinsam den Ort des Geschehens verlassen, erkundigt sich Bianca, wieso Rika ihr dies hier gezeigt habe. Daraufhin erhält sie die Auskunft, dass es für sie nötig gewesen sei, sich zu stärken und das hier zudem eine wichtige Erfahrung für sie war.

Blaue Bratwurst
Immer noch getrieben vom Wunsch, etwas zu unternehmen, beschließen derweil Lupa und Nicurius, das Warten auf Bianca aufzugeben und sich stattdessen etwas zu Essen zu besorgen. Leider fehlt es ihnen an Geld um etwas zu kaufen. Alternative Beschaffungsmöglichkeiten sind also gefragt! Nicurius erzählt von einer Wurstbude, die direkt neben dem Spreepark steht und in der er sich schon einige Male bedient habe. Der Besitzer der Bude missfällt das sichtlich: Mit nicht weniger als fünf dicken Schlössern ist die Tür gesichert. Leider hat der Sicherheitsexperte die Dachluke der Bude übersehen - und genau durch die gelangen die beiden hungrigen Changelinge ins Innere des Imbisses. Als Nicurius gerade Würste in einen Beutel stopft ("Eine für Lupa, drei für mich..."), klopft plötzlich jemand an die Tür. Es ist ein betrunkener Gast, der den Besitzer, Karlo, anfleht, ihm doch noch etwas zu essen zu geben. Die Hoffnung der Changelinge, der Kerl möge einfach wieder verschwinden, erfüllt sich nicht. Als sich der Mann draußen schluchzend auf die Treppen setzt, packt Nicurius das Mitleid. Er spart sich ein Würstchen vom Munde ab, um es mit dem Unbekannten vor der Tür zu teilen. Vorsichtig schiebt Lupa die Wurst neben den Treppenabsatz, während Nicurius die Dachluke wieder fest verschließt. Unerkannt und unter Dankesrufen des Betrunkenen entkommen die Diebe in die Nacht. Nicurius fühlt sich mächtig gut und überlegt, ob er seine kriminelle Energie nicht lieber als eine Art Robin Hood verwerten sollte. Zurück vor Nicurius' Wohnwagen grillen die zwei frohgemut ihre Beute. Als sie so satt und zufrieden dasitzen, erkundigt sich Lupa, ob Nicurius immer noch Interesse an den wirklich wertvollen und interessanten Heckenfrüchten habe. Nicurius' Neugier ist geweckt, er bleibt jedoch, nach den Erfahrungen mit Lupas Früchten, erst einmal zurückhaltend. Lupa erklärt ihm, dass sie die Wirkung der kleinen blauen Beeren nicht genau vorhersagen könne - es wäre aber auf jeden Fall ein reichhaltiges Erlebnis. Nicurius reicht diese Ausage. Lupas skeptischen Blick ignorierend, futtert er gleich drei der Beeren auf einmal. Entspannt gleitet er vom Klappstuhl als er eins wird mit der Welt um ihn herum. Farbenfrohe Halluzinationen nehmen ihn mit sich durch die Nacht. Auch Lupa hat von den Beeren genascht und verliert vorrübergehend den Blick für die Realität.


Lächeln, Winken, Arsch aufreissen

Der Morgen danach
Lupa und Nicurius erwachen mit trockenem Mund, dickem Kopf und ziemlich verfröstelt, denn sie haben die kühle Herbstnacht draußen auf dem Boden verbracht. Während Lupa sich aufrappelt, um ihnen einen Kaffee zu kochen, ist Nicurius noch gefangen in einem Rest der Halluzinationen. Erst allmählich verschwinden die Paranoia und Alptraumgesichte. Als die beiden bei einer Tasse Kaffee ihren Kater kultivieren, taucht Bianca endlich auf. Als sie sich ein Bild vom Zustand der beiden und dessen Ursache gemacht hat, fährt sie Nicurius an, was er sich einfallen lasse, mit Lupa so zu "feiern", obwohl er sie doch habe auf ihre problematische Beziehung zu den blauen Beeren ansprechen und sie vom weiteren Konsum abhalten sollen. Überhaupt sei es ein Unding, dass er hier eine bestenfalls 12-Jährige bei so etwas unterstütze. Nicurius wiegelt ab: Lupa wisse, was sie tue... und so gut, wie sie sich mit diesen ganzen Heckendrogen auskenne, sei sie auch keine 12 mehr. Bianca lässt sichtlich unzufrieden das Thema fallen. Stattdessen erzählt sie von ihrem Besuch bei Rika. Lupa beschließt auf Biancas Rat hin, ein Bad in der Regentonne hinter dem Wohnwagen zu nehmen. Als sie kurz darauf pitschnass in eine warme Decke gehüllt wieder bei den beiden anderen sitzt, erzählt Nicurius von der Kneipe, in der er Mark Wieland früher immer getroffen hat.

Königin Beatrix der Niederlande
Gemeinsam überlegt die Gruppe, wie sie Nicurius unbemerkt bis zu dieser Kneipe und dann bis zu Wielands Wohnung bringen können. Nicurius entscheidet sich endgültig, Lupas Frucht zu essen. Bianca merkt aber an, dass er trotzdem als Nicurius zu erkennen sein könnte und bietet ihre neu erworbenen Pakt-Künste an, um sein Gesicht zu verändern. Dazu noch Klamotten aus Biancas Fundus und Nicurius wäre eine ganz andere Person. Um seine Gesichtszüge zu verändern, benötigt Bianca jedoch eine Vorlage. Die anderen Changelinge im Park entfallen hierbei - die wollen sicherlich auch nicht irgendwo in Berlin gesehen werden. Nicurius schlägt vor, eine Frau aus einem Magazin als Vorbild zu verwenden. Kurz verschwindet er in seinem Wohnwagen und kehrt mit einem Stapel Illustrierter zurück. Begeistert zeigt er einige leicht bekleidete junge Damen aus einem Werbekatalog. Lupas durchblättert das "Goldene Blatt" und befindet, dass Königin Beatrix der Niederlande eine viel geeignetere Vorlage sei. Etwas missmutig willigt Nicurius, der sehr gern eine hübsche junge Frau gewesen wäre, ein. Zunächst verändert er Stimme und Gestalt, indem er Lupas Frucht isst, dann passt Bianca sein Gesicht der Vorlage in der Illustrierten an. Nach einer kurzen Modenschau entscheidet sich Beatrix für ein ihrem Alter angemessen erscheinendes Kleid aus Biancas Fundus.

Unterwegs
Der Weg zu Mark Wieland entpuppt sich als aufwändiger als gedacht. Immer wieder mustern Menschen Beatrix, wollen ein Foto mit ihr machen oder ein Autogramm haben. Schließlich kommen sie an der Kneipe an, von der sie wissen, dass Mark Wieland dort verkehrt. Königin Beatrix führt vermittels ihrer Fähigkeiten die beiden anderen Changelinge den Weg entlang, den der sturzbetrunkene Nicurius damals mit Wieland gegangen ist. Schließlich kommen sie tatsächlich an einem Haus an, dessen Klingelschild verrät, dass Wieland hier wohnt. In der Vergangenheit hatte Nicurius beobachtet, wie Mark Wieland den Haustürschlüssel unter der Fußmatte hervorzog - und dort findet Beatrix ihn auch diesmal. Bevor sie jedoch in das Haus gehen, überlegen sich die drei, wie sie sich erklären, falls jemand aus einer Nachbarwohnung sie beobachtet. Der Plan ist schließlich, so zu tun, als sei Beatrix eine freundliche Dame vom Jugendamt (Frau Knauer-Wolf), die in Begleitung einer Mutter und ihrer Tochter (Bianca und Lupa) kommt, um Wieland mit dem Vorwurf der Kindesmisshandlung zu konfrontieren. Eigentlich haben die drei aber vor, Wieland in einen Handel zu schwatzen, um ihn zukünftig von seinen schändlichen Taten abzubringen. Der Handel soll, wenn alles nach Plan läuft, ein Schlupfloch beinhalten, dass es ihnen erlaubt, den Übeltäter bei der Polizei und/oder dem Jugendamt anzuzeigen.

Rosen und Schweiß
Ins Haus kommen sie mit dem Schlüssel leicht hinein - Wielands Wohnungstür ist jedoch besser gesichert. Nicurius muss gleich mehrere Schlösser davon überzeugen, sich ihnen zu öffnen, ehe sie durch die Tür treten können. Die dahinterliegende Wohnung ist eine triste Single-Wohnung mit einer weißen Einbauküche, Bad, einem Schlafzimmer und einem Wohnzimmer. Das Wohnzimmer steht voll mit leeren Flaschen, im Hintergrund nudelt leise die Glotze. Auf dem siffigen Soga liegt eine vielleicht 16-Jährige, bekleidet mit einem Tanktop und einer Jogginghose. Sie ist bedeckt mit einer öligen Flüssigkeit und scheint nicht ganz wach zu sein. Auf dem Balkon ist der Schatten eines Mannes zu erkennen. Nicurius holt sich ein Messer aus der Küche. Während Nicurius  und Bianca in Richtung des Balkons schleicht, zerrt Lupa an dem Mädchen herum, um es aus der Wohnung zu bringen. Dem Mädchen scheint es zu gefallen, wie Lupa an ihr herumzieht. Lupa reagiert irritiert auf ihr lustvolles Stöhnen. Als sie mit dem Mädchen im Wohnungsflur ankommt, stellt Nicurius Wieland auf dem Balkon. Der hält eine Pistole in der Hand, die er aber sinken lässt, als er die alte Dame Beatrix vor sich stehen sieht. Auf dem Flur entzieht sich Lupa den Fingern des Mädchens, die ihr fordernd durch die Haare fahren. Nicurius öffnet hinter Wieland ein Tor in die Hecke. Dann springt er los, ergreift sich Wieland und beide stürzen auf die andere Seite. Die Beatrix-Tarnung fällt und Wieland erkennt, wie groß sein Angreifer tatsächlich ist. Beide stürzen etwa 15 Meter in die Tiefe. Wieland gelingt es im Fall, sich Nicurius' Griff zu entwinden. Lupa wird mittlerweile von Bianca unterstützt. Gemeinsam schaffen sie das Mädchen aus der Wohnung. Dabei fällt ihnen auf, dass die offensichtlich Verwirrte einen eigenartigen Geruch an sich trägt. Sie riecht nach Geschenken, gemeinsamer Zeit, Schweiß und Küssen. Die Changelinge sind fest entschlossen, das Mädchen der Polizei zu übergeben und klingeln bei der Nachbarwohnung, um dort zu telefonieren. Eine Nachbarin öffnet die Tür und seufzt entnervt. Unterdessen stößt sich Nicurius von der Hauswand, an der die beiden Kontrahenten entlangfallen, ab und versucht mit Schwung, den Baum zu Fall zu bringen, auf  dem Wieland Schutz gesucht hat. Nicurius gelingt es, den Baum fast entzwei zu reissen. Wieland hält irgendwie das Gleichgewicht und schießt auf Nicurius. Dann macht er Anstalten, sich ein Haar auszureissen - ganz offenkundig die Vorbereitung von Feenmagie. Nicurius, inzwischen bei ihm angelangt, geht in den Nahkampf über. Auf der anderen Seite, im Haus, steht Wielands Nachbarin in der Tür, betrachtet das verwirrte Mädchen in Lupas und Biancas Armen und meint: "Gina... schon wieder? Na dann komm mal rein."
« Letzte Änderung: 16.06.2016 | 18:37 von Huhn »

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Teil 8: Das melancholische Lied der lila Schmetterlinge


Lächeln, Winken, Arsch aufreissen [Fortsetzung]

Staub zu Staub
Nicurius und Wieland prügeln schon eine Weile aufeinander ein, als Nicurius seine Taktik ändert: Nun bietet er seinem Gegenspieler das Gespräch an. Er konfrontiert ihn mit dem Wissen um die entführten Kinder. Wieland zeigt sich jedoch nicht sehr gesprächsbereit; das Wissen, das Nicurius verlange, sei gefährlich. Nicurius droht ihm. Sollte Wieland nicht ganz offen sprechen, würde Nicurius dafür sorgen, dass sein ehemaliger Kollege die Hecke nicht mehr verlassen werde und dass sein Ende besonders langsam und qualvoll sei. Daraufhin spricht Wieland. Er erklärt, wie die Changelinge in den Turm des Puppenmachers gelangen können. Der Brunnen, von dem sie bereits wussten, erfordert einen Schlüssel. Zudem leben im Gang hinter dem Brunnen gefährliche "Biester", denen es aus dem Weg zu gehen gilt. Den Schlüssel rückt Wieland widerwillig heraus. Es handelt sich um ein Ledermäppchen mit drei Knochennadeln und etwas Zwirn. Der Zwirn dient dazu, die Nadel festzuhalten, während man sie in den Brunnen hält um den geheimen Gang zu öffnen. Die zwei zusätzlichen Nadeln sich Ersatzstücke, falls es dem gierigen Brunnenwasser gelingt, eine der Nadeln zu stehlen. Nachdem er von Nicurius so um seine Habe und sein Wissen erleichtert ist, wirkt Mark Wieland mehr als nur verängstigt. Vor Jürgen und seinem Schlägertrupp hat er füchterlichen Schiss. Nicurius' Rat, einfach abzuhauen, verwirft er. Jürgen stecke zu tief mit in der Sache drin - der wisse alles und würde ihn garantiert finden. Gemeinsam hätten sie Kinder entführt und in der Hecke gegen Dinge "von drüben" getauscht, die sie dann in der Eisenwelt für teuer Geld verscherbeln konnten. Nicurius Rückkehr sei natürlich auch in ihren Kreisen nicht unbemerkt geblieben. Auf der Suche nach ihm seien einige der ehemalige Kollegen bei Befragungen draufgegangen. Nicurius fragt außerdem, wie Wieland wissen konnte, dass er und seine Begleiterinnen herannahten. Dabei kommt ans Licht, dass Wieland eine grobe Ahnung von der Existenz von Changelingen hat. Er hält sie für eine Art Anderswelt-Mutationen, Freaks, bei denen etwas schrecklich schief gelaufen ist. Und er kann es fühlen, wenn sie sich nähern. Jürgen hatte ihn vor diesem Gefühl gewarnt und Wieland habe es sofort erkannt, als sich die Gruppe ihm näherte. Er wehrt sich jedoch gegen die Unterstellung, seiner Tochter etwas angetan zu haben. Die sei durch Zufall (weil sie etwas davon in der Wohnung gefunden hatte) auf das Zeug gekommen, mit dem Wieland handelte. Bereits vorher sei sie immer anteilnahmsloser und apathischer geworden. Das Zeugs hatte ihr dabei geholfen, wenigstens irgendetwas wieder zu fühlen, deswegen hatte Wieland sie bei der Beschaffung unterstützt. Als er von seiner Tochter erzählt, wirkt Wieland plötzlich seltsam menschlich und verletzlich. Resigniert schließt er seine Rede mit den Worten, dass es für ihn nun nur noch eine Möglichkeit gebe, Nicurius und allen anderen, die nun hinter ihm her sein würden, zu entkommen. Mit diesen Worten stürzt er sich von dem Ast, auf dem sie beide standen. Nicurius klettert ihm gemächlich nach. Auf einem der unteren Äste findet er schließlich die zerschmetterten und verdrehten Überreste Mark Wielands. Noch während er den Leichnam betrachtet, löst dieser sich auf in Staub, Erde, Dreck, Moos, Blätter und Äste und wird von der Hecke absorbiert, aus der er stammte. Mark Wieland war ein Doppelgänger! Nachdenklich kehrt Nicurius zurück in die Eisenwelt.


Ginas Busfahrt

Bei Hanne
Unterdessen stehen Bianca und Lupa mit dem Mädchen aus Wielands Wohnung vor der Tür der Nachbarin. Diese kennt sie und meint, so ginge es nicht weiter. Bianca und Lupa geben sich als Freundinnen des Mädchens aus und werden so zusammen mit ihr hereingebeten. Die Nachbarin stellt sich als Hanne vor und parkt das Mädchen in ihrem Wohnzimmer auf der Couch, wo sich Bianca gleich in ein Gespräch mit Hannes Ehemann vertieft. Lupa folgt Hanne in die Küche und beide unterhalten sich dort, während der Tee kocht. Laut Hannes Aussage ist es nun schon das sechste oder siebte Mal vorgekommen, dass Gina, so heißt Wielands Tochter, bei ihr sitze. Der Vater kümmere sich nicht und das Jugendamt sähe keinen Handlungsbedarf. Aus dem Kind würde sie nicht klug, meint die Nachbarin. Einerseits säße sie teilnahmslos herum und wenn das nicht so sei, dann sei sie eben... nun... so. Hanne erzählt weiter, dass in der Nachbarwohnung ein Pärchen lebe, das genauso ausdruckslos herumsäße und außer zur Arbeit auch nie das Haus verließe. Ganz merkwürdig sei das. Lupa hört aufmerksam zu und schnorrt sich dann ein dickes Stück Erdbeerkuchen mit Sahne, ehe sie mit Hanne und der Kanne Tee ins Wohnzimmer zu den anderen zurückkehrt. Dort sind Hannes Ehemann und Bianca damit beschäftigt, das ölige Zeug, mit dem Gina bedeckt ist, abzuwaschen. Lupa nimmt eine Fingerspitze der Substanz und schnuppert daran. Das Zeug riecht herrlich süß, richtig lecker. Es kommt Lupa fast so vor, als sei das eine für Menschen konsumierbar gemachte Form von Glamour. Einige Reste füllt Lupa in ein Glas, um sie später genauer untersuchen zu können. Gina, von der Substanz befreit, schläft erschöpft ein. Hanne bietet an, dass sie vorerst bei ihr bleiben könne - eine Dauerlösung sei das aber nicht. Sie wirkt enttäuscht von Mark Wieland. "Familie", so sagt sie, "sollte anders aussehen.".

Wohnungsdurchsuchung
Nicurius, aus der Hecke zurückgekehrt, stellt fest, dass das Beatrix-Pünktchenkleid nun sehr auffällig an ihm aussieht und ihn zudem massiv in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt. Notgedrungen leiht er sich einige von Wielands Kleidungsstücken, die er in der Wohnung findet. Der öligen Spur folgend, findet er anschließend schnell die Wohnung der Nachbarin. Als Hanne ihm die Tür öffnet, tischt er ihr eine hanebüchene Geschichte auf: Er sei ein Undercover-Mitarbeiter des Jugendamtes und hier, um nach dem Rechten zu sehen. Er gibt zudem einen falschen Namen an. Da Lupa Hanne vorher allerdings bereits seinen richtigen Namen verraten und sich als gute Freundin Ginas vorgestellt hatte, wirkt Nicurius nun mehr als nur unglaubwürdig. Als er in Wielands Wohnung zurückkehrt, schickt Hanne Lupa hinterher, damit diese aufpasse, dass Nicurius dort keinen Unfug anstelle.Gemeinsam durchforsten Nicurius und Lupa die Wohnung Mark Wielands nach brauchbaren Hinweisen. Während der Suche berichtet Nicurius ihr, dass Wieland ein Doppelgänger war. In diesem Zusammenhang äußert er außerdem die Vermutung, dass Gina als eine Art Peilsender für die Feen gebraucht werden könnte. Unerlässlich sei es also, in ihren Träumen nachzusehen, ob dort alles in Ordnung sei. Beim Durchwühlen der Wohnung finden sie reichlich Geld, einige Zettel mit Uhrzeiten und Ortsangaben, sowie eine Glasphiole mit zwei lilanen Murmeln. Die Murmeln summen eine melancholische Melodie. Nicurius entdeckt noch eine äußert wertvolle Uhr hinter einem Bild, sicher ein Geschenk vom Don, danach beschließen die zwei Changelinge, dass es hier nichts mehr zu finden gibt und kehren zurück vor die Haustür der Nachbarin Hanne. Lupa steckt Nicurius, dass sie Hanne bereits alles über ihn erzählt hat und seine Tarnung vor ihr deswegen nicht so glaubwürdig war. Nicurius findet das gar nicht gut. Er fordert, dass in Zukunft besprochen wird, welche Infos an wen rausgehen. Um Hanne dazu zu bringen, ihnen Gina trotzdem mitzugeben, fälscht Lupa mit Hilfe von ein wenig Feenmagie einen Ausweis des Jugendamtes für Nicurius. Das klappt auch und so kehren die drei Changelinge schließlich in Begleitung von Wielands Tochter zurück in den Spreepark.

Die Geschichte vom Fenster zur Seele
Sie bringen Gina zu Knacks, die sich um das Mädchen kümmern soll. Knacks erinnert sich daran, dass auf dem Lichtfest erzählt wurde, dass es immer mehr glamourlose, apathische Menschen in Berlin gäbe. Gina scheint also kein Einzelfall zu sein. Als Knacks von der Idee erfährt, Ginas Träume auf Spuren der Feen hin zu überprüfen, ist sie skeptisch. Da die Changelinge keinen Pakt mit Gina haben, dürfte es schwierig werden, Ginas Träume zu betreten. Die Changeling-Dame bietet der Gruppe aber ihre Hilfe an. Sie kann Lupa vermitteln, wie sie in Träume anderer "einsteigen" kann. Dafür verlangt sie aber eine Gegenleistung: Lupa soll sich in den kommenden Tagen einen wichtigen Wunsch erfüllen. Lupa willigt ein und Knacks beginnt, eine Geschichte zu erzählen.
Zitat von:  Knacks' Geschichte
Als die Eisenwelt kaum eine Idee war, da gab es schon Arkadien. Dort lebten die Feen glücklich und gestalteten die Welt nach ihrem Willen. Doch eines Tages drang an ihr Ohr die Kunde von einer anderen Welt, der Eisenwelt, die ihnen nicht untertan sei. Von der Idee verlockt, hier etwas Neues entdecken zu können, wollten sie diese Welt erkunden. Doch sie mussten feststellen, dass eine Barriere, die Hecke, den Übergang von Arkadien zur Eisenwelt verhinderte. So war die erfüllte Landschaft Arkadiens gänzlich getrennt von der anderen Seite der stillen Eisenwelt. Hier gab es weder Gedanken, noch Geschichten. Keinen Sinn und keine Zusammenhänge. Begierig, diese unbeschriebene Welt zu betreten, eroberten die Feen immer weitere Teile der Hecke, bis sie schließlich an den äußersten Rand der Barriere kamen. Dort trafen sie auf die Menschen und waren fasziniert. Doch als sie hinüberschritten in die Menschenwelt, mussten die Feen feststellen, dass sie hier nicht lange bleiben konnten. Zu fremd war ihnen diese Sphäre. Doch ehe sie gehen mussten, drangen sie ein in die Köpfe der Menschen und hinterließen dort ihre Geschichten. Die Augen sind das Fenster zur Seele - und wer tief hineinsieht, kann durch sie hindurch die Geschichten sehen, die sich in den Köpfen der Menschen befinden. Und wer sich verliert in diesem Blick, wird sich auch in die Geschichten hineinfühlen können.
Fasziniert lauscht Lupa diesen Worten und, ohne dass sie genau ausmachen könnte woher, versteht plötzlich, wie sie in Ginas Träume gelangen kann.

Ein neuer Freund
Da Bianca um eine kurze Pause bittet, gehen Nicurius und Lupa alleine los, sich ein Abendessen suchen. Mit dem Geld aus Wielands Wohnung in der Tasche, beschließen sie, es dieses Mal auf die ehrliche Art zu erwerben. So gehen sie zur Wurstbude, die sie gestern noch bestohlen haben und bestellen sich Currywurst mit Pommes. Als es an die Bezahlung geht, drückt Nicurius dem Budenbesitzer einen Hunderter in die Hand. Ein Freund, behauptet er, hätte hier Sachen gemacht, die er nicht ok fände, bezahlt hiermit seine Schulden und bittet um Verzeihung. Der Wurstbudenbesitzer betrachtet die beiden Changelinge nachdenklich. Nicurius spürt, wie der Blick sich tief in in hineinbohrt, durch die Maske hindurch, und seine Nackenhaare stellen sich auf. Der Budenbesitzer bleibt ganz ruhig. Er steckt das Geld ein und meint, Nicurius würde ihn an jemanden erinnern, den er einst gekannt habe.

Durchs Fenster in die Seele
Nachdem sie aufgegessen haben, treffen sich Nicurius und Lupa wieder mit Bianca, um gemeinsam mit ihr und Gina in Lupas Hecken-Gewächshaus zu gehen. Dort angekommen, erklärt sich Bianca bereit, die Wache zu übernehmen, so dass die anderen beiden in Ruhe Ginas Traum untersuchen können. Nicurius versetzt Gina in einen traumreichen Schlaf mit Hilfe der Salbe, die er beim Lichtfest ertauscht hat. Lupa, die dachte, das müssten sie jetzt alle so machen, nimmt ebenfalls von der Salbe und hat sie auch schon aufgetragen, ehe Nicurius sie davon abhalten kann. Während er noch den Verlust der Salbe beklagt, schläft Lupa bereits ein. Schweren Herzens trägt er den letzten Rest der Salbe selbst auf und fällt sofort in einen tiefen Schlaf. Lupa und Nicurius scheinen oberhalb ihrer schlummernden Körper zu schweben. Interessiert betrachten sie sich. Dann wendet sich Lupa Gina zu. Sie erinnert sich an Knacks' Geschichte und schaut dem Mädchen tief in die Augen. Tatsächlich kann sie dort Geschichten sehen. Ein Sog geht von den Augen aus und verschlingt die beiden träumenden Changelinge.

An der Bushaltestelle
Noch bevor sie wieder etwas sehen können, spüren sie ein Trommeln auf dem Körper. Es ist der Regen, der sie langsam durchweicht und in Pfützen das Licht einer weit entfernten Straßenlaterne wiederspiegelt. Auf der tristen Straße häuft sich der Unrat. Am Straßenrand steht ein klappriger Campingstuhl, davor ein alter Sonnenschirm. Auf dem Stuhl sitzt Gina. Sie hat die Knie unters Kinn gezogen. Aus der Dunkelheit schwingt die melancholische Melodie, die Nicurius und Lupa schon aus dem Glas mit den lila Murmeln kennen. Und die Melodie kommt näher. Lupa spricht Gina an, um zu erfahren, wo sie sich hier befinden und worauf Gina wartet. Das Mädchen erzählt, dass sie auf die Frau mit dem Kasten wartet, die sie von ihrem Elend erlösen soll. Gina fühlt sich einsam und im Stich gelassen von ihrem Umfeld. Lupas Versuche, sie aufzumuntern, scheitern. Schließlich verändert Lupa die Campingsausrüstung in eine Bushaltestelle, so dass sie zumindest im Trockenen sitzen. Lupa sieht sich im Bushaltestellenhäuschen um. Ein Plan hängt aus, der anzeigt, welche Haltestellen dieser Bus noch anfährt. Sie heißen: Einsamkeit, Ignoranz und Selbstmitleid. Die Fahrtzeiten zwischen den Haltestellen sind sehr lang. Sie selber befinden sich gerade am Busstop namens Loslassen. Lupa unternimmt einen weiteren Versuch, Gina aus ihren Grübeleien zu locken und schlägt vor, statt dieses lausigen Busses doch lieber das Rad zu nehmen. Passend dazu lehnen zwei Fahrräder an der Wand des Häuschens. Gina will aber lieber auf die Frau mit dem Kasten warten und mit ihr einen Tausch vollziehen. Nicurius unterdessen steht weiterhin auf der Straße und späht in die Dunkelheit, aus der die Melodie erklingt. Schließlich taucht tatsächlich eine kleine, dunkelhaarige Frau mit einem Leierkasten auf. Sie dreht die Kurbel und erzeugt so die schaurige Musik. Sie ist ganz offensichtlich unzufrieden, dass außer Gina noch zwei Personen hier auf sie warten. Mit giftigen Wortwen gibt sie Nicurius zu verstehen, dass er sich aus diesem Traum verpissen soll. Da es Gina egal ist, ob noch mehr Personen außer der Leierkastenfrau hier stehen, dürfen die beiden Changelinge bleiben. Sowohl Nicurius als auch Lupa halten sich zurück und beobachten die Szene. Die dunkelhaarige Frau beginnt zu singen und Gina stimmt in das Lied mit ein. Gemeinsam singen sie die melancholische Melodie. Als das Lied seinen Höhepunkt erreicht, steigt ein blauvioletter Schimmer aus Ginas Kehle auf. Es ist ein kleiner, lila schimmernder Falter, der aus dem Mädchen herausdrängt und von der Kastenfrau eingefangen wird. Sie sperrt das Tierchen in ihren Leierkasten. Dann wendet sie sich an Gina: "Ist es jetzt besser?". Mit leerem Blick bejaht das Mädchen, woraufhin ihr die Kastenfrau versichert, dass sie es nun geschafft habe.

Wutrot
Als die Frau mit dem Leierkasten sich zum Gehen wendet, spricht die entsetzte Lupa Gina an, um zu erfahren, was das für ein Tausch gewesen sei. Gina erklärt tonlos, dass die Frau sie erlöst habe von Angst, Verzweiflung, Trauer und Wut. Nun müsse sie keine Sorgen mehr haben. Lupa ist fassungslos. Das sei kein fairer Tausch gewesen - die Frau habe nur genommen und Gina nichts dafür gegeben. Ausgenutzt habe sie das verzweifelte Kind! Heiße Wut steigt in Lupa auf und mit einem Schrei beschließt sie, das JETZT der Bus kommt. Nicurius erkennt im letzten Moment, was Lupa vorhat und versucht, die kleine Frau mit dem Leierkasten von der Straße zu ziehen. Er ist jedoch zu langsam: Krachend überfährt der Bus die Leierkastenfrau. Nicurius fällt ebenfalls zu Boden, denn der Bus hat auch ihn seitlich erfasst. Lupa rennt los, um den heruntergefallenen Leierkasten an sich zu bringen. Dessen Besitzerin hat sich in der Zwischenzeit aufgerappelt und ist nun ebenfalls wütend. Der Bus, der sie zuvor überfahren hat, wird nach Lupa geworfen, der es nicht ganz gelingt, dem schweren Vehikel auszuweichen. Nicurius schlägt sich auf Lupas Seite und greift die dunkelhaarige Frau direkt an. Lupa verstärkt den Regen, so dass das Wasser steigt und die Gegnerin in ihrer Bewegung einschränkt. Nicurius nutzt die Chance, um die kleine Frau ebenfalls festzuhalten und so Lupa die Zeit zu erkaufen, die sie braucht, um den Kasten an sich zu bringen. Da greift die Leierkastenfrau Lupa mit ihren eigenen Waffen an: Der massive Regen hat den Weg in ein Schlammfeld verwandelt, in dem Lupa nun einzusinken beginnt. An Weglaufen ist so nicht zu denken. Nicurius' Versuch, die Gegnerin mit seinem Messer anzugreifen, scheitert. Lupa, bis zu den Knien im Schlamm, greift in den Leierkasten hinein und greift sich das darin gesammelte Elend, um die kleine Frau damit zu bewerfen. Da fährt der Bus wieder auf Lupa zu, der es jedoch rechtzeitig gelingt, die Füße aus dem Schlamm zu ziehen und auszuweichen. Nun öffnet Lupa den Leierkasten ganz. Zahllose Schmetterlinge steigen daraus empor: Zunächst nur die bekannten blauvioletten. Dann folgen jedoch andersfarbene Schmetterlinge: gelbe und am Schluss blaue. Der Leierkasten schweigt nun still. Mit einem lästerlichen Fluch entschwindet die Besitzerin des Kastens aus Ginas Traum. Immer noch voller Wut macht Lupa aus dem leeren Leierkasten Kleinholz.

Neubeginn
Nicurius steht entsetzt neben ihr. Lupa habe, und schon wieder völlig ohne jede Absprache, einen schweren Fehler begangen. Es sei nicht ihr Recht gewesen, so in Ginas Traum und in dem darin gültigem Pakt herumzupfuschen. Gut möglich, dass die Frau mit dem Leierkasten eine freundliche Dame gewesen sei, die Gina von ihrem Unglück hatte erlösen wollen. Dank Lupa sitze Gina nun wieder da mit all ihrem Elend. Lupa erläutert ihm beleidigt ihre Sicht der Dinge. Laut Lupa sei es kein Tausch, etwas wegzunehmen ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen. So etwas sei Diebstahl. Und die Emotionen anderer zu stehlen, und dann noch davon zu sprechen, damit einen Gefallen getan zu haben, sei widerlich. Die beiden werden sich nicht einig und schließlich wendet sich Lupa von Nicurius ab, um mit Gina zu sprechen. Diese strahlt nun ein Licht aus und scheint wacher als je zuvor. Mit klarem Blick betrachtet sie ihre Umgebung und stellt fest, dass sie lange genug an der Bushaltestelle gesessen hat. Nun sei die Zeit gekommen, zu erwachen. Und damit entgleitet ihnen allen Ginas Traum und sie schlagen die Augen in Lupas Gewächshaus auf.

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Teil 9: Vom Wachs, das an seidenen Fäden herabtropft


Der Pfad in den Turm

Letzte Vorbereitungen
Nachdem Nicurius und Lupa erwacht sind, bringen sie Bianca, während deren Wache nichts Aufregendes passierte, auf den neuesten Stand und erzählen von ihren Erlebnissen in Ginas Traum. Gemeinsam wird der Plan gefasst, Gina, die noch schläft, zu Knacks zu bringen um danach schnellstmöglich den Turm des Puppenmachers aufzusuchen. Unterwegs zu Knacks Behausung kommt die Gruppe an Nicurius' Wohnwagen vorbei. Die Tür steht einen Spalt weit offen - so hat Nicurius sie nicht hinterlassen! Als er vorsichtig den Wagen betritt, entdeckt er auf seinem Bett eine weiße Karte mit einer Botschaft:
Zitat
Sei vorsichtig! Die Kleine kann nicht mit ihren Schmerzen umgehen. Sind die Anderen nicht auch wie Kinder? Sie SIE nicht auch nur selbstsüchtig?
Die Karte trägt keine Unterschrift. Als Nicurius sie seinen beiden Gefährtinnen zeigt, kommt die Vermutung auf, dass es sich hierbei um eine List handeln könnte, die einen Keil zwischen die Gruppe treiben sollte. Unschlüssig, was sie mit dieser Botschaft anfangen sollen, bringen sie die mittlerweile erwachte aber noch reichlich verwirrte Gina zu Knacks. Dort erfahren sie außerdem, dass die Frau mit dem Leierkasten Nele ist - die vermisste "Freundin", von der Balg beim Lichtfest erzählt hatte!

Durch den Brunnen
Die Changelinge wollen keine weitere Zeit verlieren und machen sich nach dem Gespräch mit Knacks sofort auf den Weg zum Turm des Puppenmachers. Dieser Teil der Hecke ist schlammig und voller versteckter Wurzeln. Mit Hilfe der Weghinweise, die sie von Wieland und Klarissa bekommen hat, findet die Gruppe schließlich den Hügel, auf dessen Spitze eine Lichtung ist, auf der sich der Turm befindet. Wasser rauscht am dunklen Turm herab und verdampft im Fall. Die Außenwände des Turmes sind mit verzerrten Mäulern bedeckt, die je eine Kerze zwischen den Zähnen tragen, die durch Wellen von Wasser immer wieder verlöschen, ehe sie erneut aufflackern. Die weit aufgerissenen Mäuler schreien grässlich. Der Turm ist umgeben von dichtem Nebel, der sich wie ein Schatten um das Bauwerk legt. Der Hügel, auf dem der Turm steht, ist umgeben von einer hohen Mauer, deren einziger Durchgang - ein schweres, metallenes Tor - verschlossen ist mit einem riesigen Schloss. Die Changelinge sehen sich das Tor gar nicht näher an, sondern wenden sich gleich dem Brunnen zu, den sie am Fuße des Hügels zwischen wilder Kapuzinerkresse und Holunderbüschen entdeckt haben. Es ist ein sehr tiefer Brunnen, dessen stille Wasseroberfläche dunkel und tief daliegt. Nicurius nutzt nach Wielands Anleitung den Schlüssel. Um die Nadel herum bilden sich Turbulenzen, die sich schließlich zu einem Eingang formen. Die drei Changelinge halten sich an den Händen und gehen gemeinsam durch den Gang ins Innere der dahinterliegenden Höhle. Diese ist dunkel wie die Nacht, nur erleuchtet von blauen Lichtlein, deren Quelle eine Menge kleiner, daumennagelgroßer Eier zu sein scheinen, die überall an Wänden und Decke kleben. Zwischen den Eiern ist aus den Augenwinkeln emsige Bewegung auszumachen. Immer wieder schimmern grüne Flügel auf. Vorsichtig packt Nicurius seine Keule aus als die kleine Gruppe weiter in den Gang hineinschleicht. Unabsichtlich tritt Nicurius im Gehen laut platschend in eine Pfütze. Einige der grünen Motten, die diesen Gang bevölkern, werden von Wasserspritzern getroffen und so auf den Besuch aufmerksam. Mit tastenden Fühlern orientieren sie sich, ehe sie sich in die Luft erheben. Einige von ihnen fliegen auf Nicurius' Keule. Er hebt die Hand, um sie zu erschlagen, aber Bianca fährt dazwischen. Wispernd kommuniziert sie mit den Motten und versetzt sie mit Hilfe ihres Flügelstaubes wieder in Schlaf. Behutsam nimmt sie die Motten von der Keule und setzt sie zurück auf den Boden. Dabei gerät etwas vom Staub der Motten auf ihre Hand, die sofort taub wird, woran auch ein sofortiger Versuch, den Zauber mit Pfützenwasser abzuwaschen, nichts zu ändern vermag. Schließlich gelingt es den drei Changelingen, unbehelligt bis ans Ende des Ganges zu gelangen, wo sie vor einer großen Pforte mit einem Holzring in der Mitte stehenbleiben.


Die Wendeltreppe

Der Keller
Hinter der Tür befindet sich ein Kellerraum. Mittig im Raum ist eine Wendeltreppen. Um diese herum sind Käfige angeordnet, die leer sind bis auf ein paar Fesseln und Ketten und etwas trockenes Heckengras. Einfache Tonschalen stehen neben den Käfigen. In diesen wurde offenbar die persönliche Habe der Gefangenen aufbewahrt. Als Lupa ein paar der Schalen durchsucht, findet sie neben Holzperlen, Schlüsseln, Taschentüchern und anderem Krempel auch einen Geldbeutel. Ein Blick auf den Ausweis, der darin steckt, zeigt ihr einen Mann, den sie nicht kennt. Die insgesamt sechs Käfige werden so einer oberflächlichen Musterung unterzogen. Nicurius drängt jedoch zur Eile - nicht dass am Ende Jürgen mit neuer "Ware" anrückt, um die leeren Käfige zu füllen. Vorsichtshalber will er die Tür, durch die sie gekommen sind, hinter ihnen schließen. Da sich die Tür von dieser Seite jedoch fast unsichbar in die von Ranken überzogene Wand schmiegt, haben Bianca und Lupa Bedenken, dass sie den Ausgang nicht mehr finden können. Sie einigen sich schließlich darauf, die Tür mit etwas Gras zu markieren, so dass sie sie auch im geschlossenen Zustand wiederfinden können. Bianca entnimmt noch einige Gegenstände aus den Tonschalen, um sie eventuell an einige unglückselige Gefangene wiedergeben zu können. Danach gehen Nicurius, Bianca und Lupa gemeinsam die Wendeltreppe nach oben. Oben gelangen sie in...

Vergangenheit
... ein kühles, funktional gestaltetes Treppenhaus mit abgewetztem Linoleumfußboden. Die Türen links und rechts sind von einfacher Bauart und verschlossen. In der Luft hängt der muffige Gericht von abgestandenem Zigarettenrauch und billigem Reinigungsmittel. Das Mädchen, das später als Lupa bekannt sein würde, kennt diesen Geruch - es ist der ihren Zuhauses. Lupa befindet sich am oberen Ende einer Treppe. Eine der Türen vor ihr ist nur angelehnt. Bianca und Nicurius stehen im Erdgeschoss vor einer Reihe Metallbriefkästen. Die Tür vor dem Mädchen öffnet sich. Vor ihr steht die Mutter. Sie sieht schlimm aus - die Haare ungewaschen und nicht gekämmt, das Gesicht grau. Unter den müden Augen liegen dunkle Ringe. Sie riecht nach Alkohol und Schweiß. Als das Mädchen an ihr vorbeispäht, sieht sie das gewohnt unaufgeräumtes Zuhause. Auf dem Küchentisch brennt in einem Stöfchen eine kleine Kerze. Von draußen trommelt der Regen an die Fensterscheiben. Die Mutter ist wütend. Das Mädchen ist viel zu spät dran und hätte zudem unterwegs einkaufen sollen. Stattdessen hat es sich von dem Geld in der Schule Süßigkeiten gekauft. Die Mutter setzt zu einer langen Strafpredigt an, in der es um Verantwortung, das Erwachsensein und die Last des Lebens geht. Mit geducktem Kopf und unter die Riemen ihres Ranzens gesteckten Daumen hört sich das Mädchen im Flur stumm die Rede an. Unten im Erdgeschoss ist das Geschrei der angetrunkenen Frau gut zu hören. Ein erboster und äußerst muskulöser Nachbar öffnet die Tür. Nun reiche es ihm mit der Alten, murmelt er, und geht nach oben mit dem Ziel, den Streit gewaltsam zu beenden. Nicurius folgt ihm, um eine Eskalation zu vermeiden. Auf der Treppe geraten die beiden dann aneinander. Das Mädchen und seine Mutter sehen die Prügelei auf der Treppe. Das Mädchen kennt nur den Nachbarn, Herrn Köhler. Es hat Angst, denn es weiß, dass der Mann gewalttätig ist und es auf sie und ihre Mutter abgesehen hat. Den anderen Mann erkennt es nicht - aber es hat instinktiv Vertrauen zu ihm. Hinter dem Mädchen verschwindet die Mutter in der Wohnung und schließt die Tür, ohne das Mädchen hereinzulassen. Als sich die Tür langsam schließt, entscheidet sich das Mädchen, bei Nicurius, dem Mann, dem sie vertraut zu bleiben und nicht zu ihrer Mutter zurückzukehren.

Bianca sitzt zuhause am Küchentisch. Sie ist alleine. Im Kühlschrank steht ein angeschnittener Kuchen. Nicurius und Lupa sitzen draußen vorm Haus auf einer Bank nahe des Spielplatzes, die Einfahrt und das Küchenfenster im Blick. Bianca ist sauer. Sie hat heute Geburtstag - und niemand ist da. Ihr Mann, Frank, ist auf irgendeiner Geschäftsreise, die Tochter, Klarissa, ist mit diesem unsäglichen Mädchen zum Spielen verschwunden und nicht zur verabredeten Uhrzeit aufgetaucht. Niemand hat an Bianca gedacht. Einsam sitzt sie vor einer einzelnen brennenden Geburtstagskerze und beschließt, sich mit dem Sekt, der eigentlich für die schöne Feier gedacht war, zu betrinken. Nicurius und Lupa erkennen von außen, dass es Bianca nicht gut geht. Lupa steht auf und klingelt an der Tür. Als Bianca die Tür öffnet, erkennt sie in Lupa das Mädchen und will wissen, wo Klarissa abgeblieben sei. Lupa erinnert sich gut an diesen Tag. Sie war mit Klarissa in einer alten Wanne auf der Spree herumgeschippert und sie beide waren erst spät nachts nach Hause gekommen. Klarissa hatte sich sehr geschämt, den Geburtstag ihrer Mutter vergessen zu haben. Lupa, weiß also, dass sich das Mädchen genau genommen noch gar nicht hier vor der Tür befinden kann - und entsprechend auch Klarissa nicht. Deswegen erzählt sie Bianca, sie habe Klarissa überredet, noch ein paar U-Bahnhaltestellen weiterzufahren und etwas für sie einzukaufen. Da taucht Nicurius auf und gibt sich als Mitarbeiter des Jugendamtes aus, der aufgrund einer Meldung nach dem Wohlergehen Klarissas schauen wolle. Bianca ist misstrauisch und fordert den Ausweis des Mitarbeiters, den Lupa, wie auch bei Hanne, mit Hilfe von Feenmagie fälschen kann. Daraufhin lädt Bianca beide zu sich in die Wohnung ein. Sie parkt Lupa mit einem großen Stück Kuchen im Wohnzimmer vorm Fernseher und beginnt dann, vom Sekt schon ziemlich angetrunken, offensiv mit dem vermeintlichen Mitarbeiter vom Jugendamt zu flirten.

Bianca und Lupa sitzen auf einem Schiff. Sie beobachten, genau wie der etwas entfernt an der Reling stehende Nicurius, eine junge Frau, die offensichtlich nicht das passende Kleingeld hat, um ihr Getränk zu bezahlen. Nicurius, ganz Gentleman, legt ihr das Geld für das Getränk aus und die beiden kommen ins Gespräch. Sie sprechen darüber, was sie hier auf diesem Schiff tun und wohin sie gerne fahren würden, wenn sie jetzt die Möglichkeit dazu hätten. Nicurius und die junge Dame, die sich als Maika vorstellt, sind sich auf Anhieb sympathisch. Als es zu regnen beginnt, schleichen sich Nicurius, der sich als Nick vorgestellt hat, und Maika ins Schiffsinnere. In der längst geschlossenen Bar legt sich Nicurius weit über den Tresen und organisiert so eine Flasche Rotwein für sie beide. Mit dem Daumen drückt er, mangels Korkenzieher, den Korken einfach in die Flasche, was seine Begleiterin schwer beeindruckt. Gemeinsam leeren sie im Verlauf gemütlicher Gespräche die Flasche. Als sie anschließend wieder auf Deck klettern, schwankt das Schiff aufgrund des Wellengangs gehörig und die beiden aufgrund ihrer Trunkenheit nicht mehr so standfesten Nachtschwärmer fallen über die Reling ins Wasser. Bianca und Lupa beobachten das und werfen einen Rettungsring aus, um Nicurius und Maika aus dem kalten Wasser ziehen zu können. Nicurius bedankt sich, hat jedoch nur Augen für Maika. Nach dieser Szene auf dem Schiff vergehen Tage, dann Wochen. Bianca und Lupa sind stets in Nicurius Nähe, halten sich jedoch im Hintergrund. Sie sehen, wie Nicurius' Augen immer wieder voll Freude und Wärme aufleuchten, wie er verliebt lächelt - und dabei doch stets alleine ist. Sein Gegenüber ist nur für ihn sichtbar. In Wirklichkeit sitzt er ganz alleine da. Und stets steht eine brennende rote Kerze vor ihm auf dem Tisch.


Im ersten Stock
Die Gruppe erreicht nun tatsächlich das obere Ende der Wendeltreppe und befindet sich nun in einem Zimmer, dessen aus Stein gelegter Fußboden und die kahlen Wände abweisen wirken. Es scheint sich um ein Schlafzimmer zu handeln. Auf die drei Changelinge wirkt es, ohne dass sich dies begründen ließe, so, als habe hier eine Person ihr ganzes Leben verbracht. Noch ganz eingenommen von den Szenen aus ihrer Vergangenheit, an die sie sich nun alle bewusst erinnern können, schauen sie sich im Raum um. Während sie so umhergehen, unterhalten sie sich über das Gesehene. Nicurius ist sehr dankbar, dass die anderen ihn und Maika aus dem Wasser gerettet haben. Bianca macht sich schwere Vorwürfe, sich nie genauer nach Lupas Lebensumständen erkundigt zu haben. Und Lupa entschuldigt sich dafür, damals an Biancas Geburtstag Klarissa so lange aufgehalten zu haben. Das Gespräch wirft mehrere Fragen auf: Was genau ist in ihrer Vergangenheit geschehen? Waren die jeweils anderen beiden damals wirklich vor Ort? Und warum hatten sie genau hier, auf der Treppe im Turm des Puppenmachers, diese Visionen? Lupa äußert die Vermutung, dass der Puppenmacher sie durch diese Visionen vom Ziel abbringen oder wenigstens ablenken wolen könnte. Draufhin drängt Nicurius zur Eile. Mit Hilfe der Haarstähne seiner Tochter findet er den richtigen Weg. Sie müssen weiter nach oben! Als sie einen Schritt auf die Treppe setzen...

Verführung
... taucht Bianca aus der Badewanne auf. Ein Stockwerk weiter unten im Haus nölt ihre Tochter Klarissa herum, der wieder irgendetwas nicht passt. Frank ist im Schlafzimmer und wartet auf seine Ehefrau. Bianca summt leise und eine zweite Stimme stimmt in das Summen mit ein. Das Lied schlägt kleine Wellen auf der Oberfläche des Weines, den Bianca aus einem langstieligen Glas trinkt. Auf dem Wannenrand brennen ein paar Kerzen langsam herunter. Das Summen geht weiter. Wer auch immer da summt, möchte, dass Bianca weiter lauscht. Die Stimme verspricht Zuneigung, Aufmerksamkeit und Nähe und wirkt dabei beinahe wie eine körperliche Präsenz. Langsam öffnet sich die Tür des Badezimmers. Ein golden-grüner Schein dringt von der anderen Seite herüber. Bianca weiß: Die Stimme wird sie nun mitnehmen - endlich! Sie steht auf und tritt über die Schwelle. Als die Tür sich sachte hinter ihr schließt, steigt eine andere Bianca aus der Wanne, um sich um Ehemann und Tochter zu kümmern.

Es ist Weihnachtszeit, als Nicurius in einem Elektronikgeschäft steht. Hier will er einen lohnenden Raubzug durchführen. Die meiste Beute steht bereits fein säuberliche gestapelt im hinteren Bereich des Ladens vorm Fenster, bereit zum Einladen ins Fluchtfahrzeug. Aber ein ganz besonderes Stück im Schaufenster hat Nicurius' Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er weiß, aus dem Schaufenster zu stehlen ist immer riskant - aber er will dieses Ding unbedingt haben. Draußen vorm Laden stehen Lupa und Bianca und sehen Nicurius im Schein einer einzelnen Kerze, die im Schaufenster flackert. dabei zu, wie er etwas aus dem Schaufenster nimmt. Am anderen Ende der Straße kommt jemand und geht schnurstracks auf das Geschäft zu. Um Nicurius zu helfen, rennen Lupa und Bianca dem Mann in den Weg und versuchen, ihn mit der Frage nach dem Weg aufzuhalten. Der Mann lässt sich jedoch nicht beirren und schließt nun die Tür zum Laden auf. Nicurius gerät in Panik und will durch das Fenster auf der Rückseite des Gebäudes fliehen. Dummerweise klemmt der Verschluss. Kurz bevor der Ladenbesitzer ihn erreicht, gelingt es Nicurius, das Fenster zu öffnen. Vom eigenen Schwung mitgerissen, fällt er hindurch und auf die andere Seite. Dort befindet er sich - und er ist ziemlich sicher, dass da etwas nicht stimmt - in einer Art riesigem Garten. Eine Gestalt kommt auf ihn zu. "Hast du dich verlaufen?", fragt sie ihn.

Lupa hat die Eisenwelt schon lange hinter sich gelassen und lebt ein neues Leben in der Hecke. Sie hat dort einen Jungen kennengelernt. Ein wenig älter als sie ist er, hat feuerrotes Haar, Hörner und wundervolle Augen. Heute hat er Lupa auf einen Ausflug tiefer hinein in die Hecke genommen. Kurz vor einer Lichtung reicht er ihr einige kleine, blaue Beeren. Lupa ist neugierig, aber auch vorsichtig. Was die machen, möchte sie wissen. Jaschka erklärt ihr, die würden tolle Dinge tun und weil Lupa ihm vertraut, isst sie einige Beeren auf. Die Früchte verstärken und verzerren Lupas Sinne. Jaschka führt das ebenso begeisterte wie überforderte Mädchen um eine Ecke auf die Lichtung. Eine Decke liegt dort ausgebreitet, um sie herum lauter brennende rote Kerzen. Jaschka und Lupa lassen sich auf der Decke nieder. Schöne Dinge sagt Jaschka zu Lupa und überhäuft sie mit Küssen. Lupa lässt es geschehen und erwidert die Liebkosungen. Am Rande der Lichtung, hinter einem Busch, sitzen Nicurius und Bianca und beobachten die Szene. Sie sind sich unsicher, ob sie eingreifen müssen. Ist der Kerl nicht zu alt für Lupa? Ist Lupa nicht allgemein zu jung? Wer weiß schon, wie alt Lupa wirklich ist? Einige der Kerzen beginnen unbemerkt, das trockene Gras der Lichtung in Brand zu setzen. Nicurius beschließt, dass etwas getan werden muss und tritt gemeinsam mit Bianca vor. Jaschka, der sie für Strauchdiebe hält, macht sie darauf aufmerksam, dass sie stören. Als sie nicht gehen, lässt er das Feuer der Kerzen zu einer Wand emporflammen, die sich zwischen die beiden Paare stellt. Nicurius stellt Lupa vor die Wahl, ihnen zu folgen oder bei Jaschka zu bleiben. Lupa, immer noch benebelt von Hormonen und Beeren, fällt die Entscheidung leicht und gemeinsam mit Jaschka verschwindet sie in der Hecke.

Offline Huhn

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Im zweiten Stock
Als sie wieder in der Realität ankommen, befinden sich die Changelinge in einem Raum, der ganz von den Regalen dominiert wird, die an den Wänden bis zur Decke reichen. In den Regalen befinden sich Einmachgläser mit Präparaten, ganze eingelegte Tiere und eine beeindruckende Sammlung von Nadeln und verschiedenen Garnen. An einer Wand stehen die Tontöpfe ordentlich gestaptelt auf den Regalbrettern. Auf den Töpfen sind anatomische Zeichnungen von Herzen. Ein leises Pochen erfüllt die Luft. Als sie in die Töpfe hineinschauen, entdecken die drei Suchenden, dass sich darin zum Teil schlagende Herzen befinden. Nicurius mahnt jedoch zur Eile und die Gruppe fokussiert wieder das Ziel. Kurz kommt die Frage auf, ob der Puppenmacher vielleicht sein eigenes Herz ebenfalls entnommen und hier gelagert haben könnte. Da dies jedoch auf die Schnelle kaum festzustellen sein dürfte, zieht die Gruppe erst einmal weiter. Wieder betreten sie die Treppe, um ein weiteres Stockwerk nach oben zu steigen als...

Vertrauen
... ein Kampf losbricht! Eine epische Schlacht neigt sich ihrem Höhepunkt. Gestalten an Fäden fallen, im Licht zahlloser flackernder Kerzen, reihenweise um als Nicurius sie mit seiner Keule niedermäht. In erster Reihe wirft er sich in den Kampf. Am Schluss stehen nur noch die drei Changelinge und der Puppenmacher. Mit einem gewaltigen Schlag tötet Nicurius den Erzfeind. Doch der Sieg hat seinen Preis: Blutend geht Nicurius zu Boden. Seine Arme und Beine, beide schwer getroffen, wird er wohl nie wieder richtig gebrauchen können. Da tritt Lupa an ihn heran. In den Händen hält sie eine Holzschale mit einem Brei darin. Nicurius' Erinnerungen wandern zurück zu dem Moment im Flur, als Lupa ihre eigene Mutter im Stich ließ... zu der Szene in der Hecke, als Lupa einen irren Goblin liebte... zu dem Tag, an dem Lupa den Schlinger hinterhältig vergiftete. Ein Gedanke schleicht sich in Nicurius' Geist: Lupa ist doch auch nur wie alle anderen: selbstsüchtig und eigensinnig. Als Lupa ihm etwas Brei auf einem Löffeln reicht, fragt Nicurius sie: "Was bin ich für dich?". Und Lupa antwortet: "Mein bester Freund... nein... mein bester Kollege!". Daraufhin beschließt Nicurius, ihr zu vertrauen und schluckt den Brei. Plötzlich schnürt es ihm die Kehle zu! Hält Lupa sich schon wieder nicht an Abmachungen? Bringt sie ihn um? Mit heiserer Stimme sagt Nicurius: "Danke."

Lupa steht in einem Raum, Bianca an ihrer Seite. Einzelne Kerzen erhellen flackernd das Zimmer. Die beiden Changelinge sind erschöpft, aber endlich stehen sie kurz vorm Ziel. Von der Treppe her nähert sich vertrautes Hufgeklapper. Da betritt Jaschka den Raum. Er meint, er habe nach ihnen schauen wollen. Besonders interessiert er sich für Bianca: Er möchte wissen wer sie ist, mehr von ihr hören. Schließlich beginnt er offen, mit Bianca zu flirten. Er bietet ihr an, mit ihr Zeit zu verbringen und es selbige zu versüßen. Lupa ist unsicher? Wird Bianca nachgeben? Unwahrscheinlich ist es nicht - schließlich hat Lupa doch gesehen, wie Bianca sich an den Typen vom Jugendamt rangeschmissen hat. Schließlich wirft sich Lupa wütend auf Jaschka, um ihn aus dem Raum (und endgültig aus ihrem Leben) zu schieben. Bianca sei einsam gewesen - na und? Das hieße noch lange nicht, dass sie jetzt jeden nehme, der blöd um die Ecke kommt, erklärt Lupa mit Bestimmung. Ein böses Lächeln schleicht sich auf Jaschkas hübsches Gesicht. Ob Lupa denn glaube, dass Bianca sie wirklich möge? Die brauche sie doch nur, um Klarissa wiederzufinden. Sobald Klarissa wieder da sei, würde Lupa in Vergessenheit geraten. Lupa versichert, dass dem nicht so sei. Sie will daran glauben, als sie es sagt - aber es gelingt ihr nicht vollends. Jaschkas Lächeln wird breiter, als er Lupas Unsicherheit spürt. "Es ist gut, Lupa", sagt er, "Von mir ist genug für zwei da."

Bianca ist auf einem Schiff. Gemeinsam mit Nicurius geht sie von Bord. Fast wie an Fäden gezogen geht Bianca in ein Café. Auf den Tischen stehen Kerzen. In den Augen der Kellnerin erkennt Bianca die Maikas. Etwas entfernt steht Nicurius und unterhält sich mit Kollegen. Auch Mark Wieland ist da. Er sorgt sich um seine Tochter und wünscht sich, mehr Zeit für sie zu haben. Nicurius erzählt stolz, dass er auch Vater sei. Wieland zweifelt das an. Zum Vatersein gehöre schon mehr, als irgendwann mal ein Kind gezeugt zu haben. Bianca mischt sich in das Gespräch ein. Sie merkt an, dass Nicurius auf der Suche nach seiner Tochter sei und deswegen wohl als Vater zählen könne. Aber insgeheim nagt an Bianca der Gedanke, ob Nicurius nicht doch einfach nur ein Schwächling ist, der gerne mutig und stark tut. Dann ändert sich die Szenerie: Bianca und Nicurius stehen auf dem Turm an den Zinnen. Der Puppenmacher ist tot. Doch sie haben einen hohen Preis für ihren Sieg gezahlt: Bianca blutet allmählich aus. Nicurius hingegen geht es gut. Bianca fragt sich, was sie von Nicurius erwarten kann. Wird er auch morgen noch für sie da sein? Und das Kind... Lupa... sie muss sich doch um sie kümmern! Was, wenn sie es nicht mehr kann? Bianca fragt Nicurius, ob er diese Aufgabe für sie übernehmen würde. Nicurius willigt ein. Erst dann kann Bianca die beiden anderen Changelinge gehen lassen.



Vom Puppenmachen

Kerzenquell
Von diesen Visionen verstört, kommen Bianca, Nicurius und Lupa schließlich auf der Spitze des Turms an. Hier befindet sich eine nach oben offene Plattform, umgeben von steinernen Zinnen. Die Plattform ist erleuchtet von zahllosen Kerzen. Einige der Kerzen erkennen die Changelinge aus ihren Visionen wieder. Am hinteren Ende der Plattform steht eine Gestalt, verborgen unter weiten Umhängen. Das muss der Puppenmacher sein! Vorsichtig nähert sich das Grüppchen der Person, als diese sie mit heller Frauenstimme willkommen heißt - der Puppenmacher ist eine Puppenmacherin! Hinter der Gestalt regen sich, an den Boden gekettet, die Töchter Nicurius' und Biancas. Bevor sich die Changelinge den Kindern nähern können, zieht die Puppenmacherin die Kapuze vom Kopf und sieht ihren Besuch mit großen, schwarzen Augen an. Die Changelinge kennen diese Augen und die Person, der sie gehören: vor ihnen steht Rika! Überwältigt starren sie Rika an. Rika war es, mit der sie den Pakt gegen den Puppenmacher geschlossen hatten. Wozu hätte Rika einen Pakt gegen sich selbst abschließen sollen? Mit zunächst ruhiger, dann jedoch zunehmend erregterer Stimme erklärt die Puppenmacherin ihr Dilemma. Sie selbst sei durch einen mächtigen Pakt mit einer Fee an diesen Ort und die Aufgabe, hier Puppen zu erschafen, gebunden. Der Pakt sei so formuliert, dass Rika sich nicht selbst daraus befreien könne. Nun dürste Rika nach Rache und nach Freiheit. Sie wolle diese grausame Aufgabe nicht mehr erfüllen! Um sie vom Pakt zu befreien, sei jedoch ein mächtiger Lichtzauber notwendig. Rika erklärt, sie habe eine heldenhafte Gruppe gebraucht, deren Leben dieser Zauberspruch ist. Sehr lange habe sie an diesem Plan gearbeitet, habe passende Menschen ausgewählt, deren Leben beeinflusst und schließlich die Entführung nach Arkadien eingefädelt. Bei Lupa sei leider etwas schiefgegangen, weil dieser Trottel Kelim eingegriffen und die Entführung durch die Fee verhindert habe. Trotzdem sei es gelungen, die gewünschte Gruppe und den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe zu schaffen. Kurzzeitig habe der Plan auf der Kippe gestanden, als der erste Gruppenpakt zerbrochen war. Doch nun sei alles gut und die drei Changelinge seien bereit, sie, Rika, zu Fall zu bringen und aus dieser elenden Lage zu befreien. Bianca, Nicurius und Lupa reagieren geschockt auf diese Enthüllungen. Ihr ganzes, verkorkstes Leben, all das durchlittene Leid und selbst die Freundschaften, die sie geschlossen haben - alles Teil von Rikas perfidem Plan? Sind sie alle nicht mehr als die Marionetten der Puppenmacherin?

Rikas Pakt
Wütend wollen die Betrogenen wissen, wieso Rika sich nicht selbst aus ihrem Pakt befreien kann. Daraufhin teilt ihnen die Puppenmacherin den genauen Wortlaut ihres Paktes mit der Fee mit, der eindeutig eine Handschrift trägt, die Bianca und Nicurius bekannt vorkommt. Es ist die Handschrift der Fee, die auch sie lange Zeit gefangen gehalten hatte. Der Pakt ist lang und durchdacht. Er besagt, dass, solange Schatten das Licht vertreibt und das Feuer in Rikas Seele brennt oder bis ein Lehrling sie überflügelt, sie Puppen erschaffen muss. Insbesondere schließt der Pakt aus, dass Rika sich selbst ein Leid antut. Nicurius, der sich mit Päkten und Versprechen besser auskennt als andere, sucht nach einer Lücke im Wortlaut. Er bedrängt Rika, ihnen ihren wahren Namen zu verraten, in der Hoffnung, mit dem Zauber, der diesem Namen innewohnt irgendwie mehr erreichen zu können. Und tatsächlich verrät Rika ihnen ihren Namen: Lara Niemand. Ein Schauder läuft allen über den Rücken, als sie diesen Namen ausspricht. Noch haben sie dennoch keine zündende Idee, wo Rikas Pakt eine Schwachstelle haben könnte. Lupa indess ist sich nicht einmal sicher, ob Rika ihre Hilfe überhaupt verdient hat oder ob es nicht praktikabler wäre, den Gruppen-Pakt mit ihr erneut zu brechen und sie in ihrem Leid alleine zu lassen. Leider würde dies auch bedeuten, weiterhin die Entführung von Menschen und ihre Ersetzung durch Puppen zu tolerieren. Die sich bewegenden Mädchen im Hintergrund erinnern Nicurius daran, weswegen sie eigentlich hier sind. Er fordert ihre Herausgabe. Rika verweigert das. Sie braucht die Mädchen um sie zu Puppenmacherinnen auszubilden. Sollten sie würdige Lehrlinge sein, so würde eines der Mädchen schließlich Rikas Platz einnehmen können.

Der Kampf mit der Puppenmacherin
Lächelnd reicht Rika Nicurius ein Beil. Mit offenen Armen steht sie vor, ihm, glaubt aber offensichtlich nicht daran, dass er es über sich bringt, sie umzubringen. Nicurius lässt nervös die Muskeln spielen. Bianca nutzt die Gelegenheit, um hinter Rika zu den beiden Töchtern zu gelangen. Als Nicurius schließlich das Beil sinken lässt, springt Lupa auf Rika zu. Ihr bleiches Gesicht ist zu einer Fratze verzerrt. Mit voller Kraft tritt sie Rika ins Gesicht, wieder und wieder. Alles, von dem sie gedacht hatte, es aus eigener Kraft erreicht zu haben, war eine Lüge! Als Rika aus der Nase blutend am Boden liegt, greift Lupa tief in ihre Jackentaschen und zieht eine handvoll Beeren heraus, die die anderen noch nicht gesehen haben. Sie drückt zwei davon in Rikas Mund. Rika lächelt kurz, ehe sie qualerfüllt zu schreien und sich zu winden beginnt. Nicurius und Bianca schneiden derweil an den Fäden herum, die ihre Töchter am Boden festhalten. Kurz bevor es ihnen gelingt, rafft Rika ihre letzte Kraft zusammen und schickt einen fauligen Atemzug zu den beiden Kindern herüber. Als er bei den Mädchen angelangt, beginnen deren Haare allmählich zu ergrauen und einzelne Fältchen zeigen sich in den Gesichtern. Noch einmal holt Rika tief Luft. Als sie dieses Mal jedoch ausatmet, drückt Lupa ihre Lippen auf Rikas und nimmt den Zauber selbst auf, um ihn dann zurück in die Lungen der Puppenmacherin zu schicken. Ein eiskaltes Brennen erfüllt Lupas Lungen ehe sie ohnmächtig auf Rikas Brust zusammensackt. Bianca und Nicurius haben die letzten Fäden durchtrennt und helfen ihren Töchtern hoch.

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Teil 10: Abenddämmerung


Vom Puppenmachen [Fortsetzung]

Das Ende der Puppenmacherin
Lupa und Rika liegen bewusstlos, nur noch flach atmend am Boden. Der Wind pfeift über die Turmspitze, die Kerzen flackern rußend. Flechten bedecken den Boden um die Puppenmacherin herum. Die beiden Mädchen, die Nicurius und Bianca an den Händen halten, sind nur schwer noch als Menschen wiederzuerkennen. Klarissa ähnelt einer feingliedrigen Porzellanpuppe mit Gelenken, echtem Haar und Klimperaugen. Das andere Mädchen hat tiefgrüne Haut, violette Augen und Haare aus weichem, faserigen Naturmaterial. Ihre Haut ist zum Teil bewachsen mit Borke. Um ihren Hals wächst ein Kragen aus Blättern, bedeckt von einem silbrigen Samtpelz. Auch an den Knöcheln finden sich erste, zarte Ansätze von Blättchen. Fast wirkt es, als würde ihr ein Kleid aus Blättern wachsen wollen. Bianca und Nicurius denken nach: Müssen sie Rika nun umbringen? Oder werden ihre Töchter dann Rikas Nachfolge antreten müssen? Nicurius argumentiert, dass durch Rikas Tod, ohne dass sie bereits von ihren Lehrlingen überflügelt worden sein, eine Lücke im Pakt entstehe, die zu seiner Auflösung führen müssten. Er konzentriert sich, um den Inhalt des Paktes mit Hilfe seiner Kenntnisse der Feenmagie genauer zu untersuchen und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass es keinen anderen Ausweg für Rika geben kann. Ehe sie eine Entscheidung trifft, betrachtet Bianca Lupa. Die vormals kindliche Gesicht ist zerfurcht von Falten. Durchsichtige Haut spannt sich über die schmalen Züge. Graues, schütteres Haar zittert im Wind. Unter Lupa liegt Rika, die ebenfalls stark gealtert ist. Nachdem sie die beiden betrachtet hat, ist sich Bianca sicher, dass es nur einen Weg geben kann. Sie greift in den Verlauf ihrer Geschichte ein und zwingt ihr das Muster auf, dass sie als der Situation angemessen empfindet: Nach langer und schwerer Reise ist die heldenhafte Gruppe am Ziel. Der Bösewicht liegt besiegt am Boden. Nun soll er sterben, damit sein Zauberwerk auf ewig beendet sei. Dieser Ort mit seinen vergangenheitsträchtigen Kerzen, an dem sie sich befinden, ist für solche Eingriffe wie geschaffen und so gelingt Bianca dieser Eingriff mühelos. Zunächst unsicher, dann jedoch mit zunehmender Entschlossenheit, legt Bianca die Finger im Rikas Hals und drückt zu. Es dauert einige endlose Sekunden, ehe Rikas Leben mit einem hörbaren Knacken beendet wird. Die Kerzen flammen auf. Irgendwo tief im Gemäuer des Turmes kracht es laut. Ein frischer Windstoß fegt die faulige Luft von der Spitze des Turmes. Unter Biancas Händen verlieren sich die Spuren des Alters und Rika liegt da, jung und frisch wie zuvor - nun allerdings tot. Mit einem Stöhnen erwacht die ebenso wieder junge Lupa. Nachdem sie sich wieder zu orientieren vermag, betrachtet sie die Leiche der Puppenmacherin ohne Bedauern.

Wiedersehen
Als Lupa den Blick wieder hebt begegnet ihr der ihrer alten Freundin Klarissa. Diese erkennt auch Lupa wieder und spricht sie mit dem Namen an, den das Mädchen früher trug. Schmerzerfüllt schlägt Lupa die Hände auf ihre Ohren und erklärt Klarissa, dass dies nun nicht mehr ihr Name sei. Die beiden Freundinnen liegen sich voll Wiedersehensfreude in den Armen. Klarissa kann es sichtlich kaum fassen, dass ihre Mutter und Lupa sie tatsächlich gerettet haben. Nicurius streicht seiner Tochter gedankenverloren übers Haar. Er sortiert mit den Fingern ihr Grün und sinnt dabei über den begangenen Mord an Rika nach. Plötzlich stoßen seine Fingerspitzen auf etwas, dass da nicht hingehört. Es ist eine kleine Raupe! Nicurius ist alarmiert - Raupen können schließlich zu Schmetterlingen werden... oder zu Motten. Er sieht in den Raupen die Abgesandten der Fee und will sie möglichst schnell von seiner Tochter herunterbekommen. Grob reisst er in den Haaren des Mädchens herum, die erste Klagelaute von sich gibt. Lupa löst sich von Klarissa und macht Nicurius auf den Umstand aufmerksam, dass er seiner Tochter wehtut. Sie schiebt Nicurius beiseite und beginnt vorsichtig, an seiner Stelle in den Haaren des Mädchens herumzusuchen. Während sie ihr durch die Haare streicht, erkundigt sich Lupa nach dem Namen des Mädchens. Die Antwort ist das erste, das Nicurius' Tochter zu ihnen spricht und sie ist kein Wort, sondern frisches Grün, erste Knospen nach langem Winter, Anfänge. Allen ist klar, dass das Kind einen großen Schatz mit ihnen geteilt hat, denn dies ist kein einfacher Rufname, sondern der wahre Name des Mädchens. Lupa ist hingerissen. "Das ist wundervoll...", haucht sie verzückt und Nicurius' Tochter lächelt schüchtern. Hinter den beiden zermatscht Nicurius mit sichtlicher Befriedigung die Raupen mit seiner Keule. Der einsetzende Regen schwemmt die Leichen der Tiere davon, benetzt alles und bringt die Kerzen auf dem Turm zum Verlöschen. Dunkelheit legt sich über die Szenerie.


Mottenstaub und Sonnenstrahl

Flucht ins Dunkel
Die einsetzende Düsternis nehmen die Changelinge (denn nichts anderes sind auch die beiden geretteten Kinder) zum Anlass, die Turmspitze eilends zu verlassen. Über die Wendeltreppe rennt die Gruppe hinunter bis in den Keller. Bereits auf dem Weg nach unten überkommt Bianca eine scheußliche Übelkeit. Unten angekommen bemerken sie, dass sie nicht mehr alleine im Kellerverlies sind. Die markierte Tür steht einen Spalt weit offen. In einer trägen Bewegung öffnet sie sich. Biancas Übelkeit nimmt weiter zu. Sie weiß, dass sich ihr Eingriff in die Geschichte, den sie auf der Turmspitze vorgenommen hat, nun rächen wird. Hatte sich die Geschichte oben zu ihren Gunsten drehen müssen, so nimmt sie nun hier unten eine ganz eigene, scheußliche Wendung. Aus dem Schatten hinter der Schwelle tritt eine Gestalt, klein wie ein Mädchen. Silbernes Haar fällt leicht gelockt über ein blaues Kleid. In einer Hand hält die Gestalt eine blaue Flöte. Bianca und Nicurius erkennen sie sofort wieder: Es ist die Fee, die sie so lange Zeit gefangen gehalten hatte. Lupa erkennt in ihr die Fee vom Goblinjahrmarkt wieder, dreht auf dem Absatz um und beginnt, die Wendeltreppe wieder nach oben zu hechten. "Ihr wollt doch nicht schon wieder gehen?", haucht die Fee, "Ich habe mich sehr auf unser Wiedersehen gefreut!"

Verlockung
In der darauffolgenden, schreckerfüllten Stille denkt Nicurius fieberhaft darüber nach, wie die Fee hieß, deren Schutz über dem Spreepark liegt. Obwohl der Spreepark weit entfernt ist, hofft Nicurius auf die Hilfe der Fee. Unterdessen hat sich ihre ehemalige Hüterin vor ihnen im Raum postiert. Als Nicurius sie so betrachtet, versteht er, wie die Feen auf sie Changelinge herabschauen. Die Changelinge, so klein und zerbrechlich... und vor ihnen die Fee, die so unfassbar perfekt ist. Nicurius kann es verstehen, denn so hat er seine Tochter angesehen. Und noch während der diesen Gedanken denkt, wundert er sich darüber, ob dies wirklich sein Denken ist oder ob die Fee ihn bereits wieder beeinflusst. "Auralia", denkt er, als ihm der Name der Schutzfee des Spreeparks wieder in den Sinn kommt. Bianca steht derweil ebenfalls unter dem Bann der Fee. Obwohl sie jetzt weiß, dass all die Versprechungen der Fee nichts als leere Worte waren, so kann sie sich doch nicht dagegen wehren, immer noch von ihnen verlockt zu sein. Lupa hingegen ist verängstigt und fürchtet sich vor der Wesenheit unten im Keller. Nicurius tritt langsam weiter auf die Fee zu. Die Schritte fallen ihm zugleich leicht und schwer. Er steht seiner ehemaligen Hüterin sowohl verlockt als auch ehrfürchtig gegenüber. Angestrengt kämpft er gegen den Drang an, vor ihr auf die Knie zu sinken. Es ist der letzte Rest Stolz, den Nicurius sich bewahrt hat, der ihn dazu zwingt, gegen die Fee anzugehen. Und er sieht nur einen Ausweg. Lächelnd verkündet er der Fee, dass es noch eine andere gäbe, die hier Einfluss habe. Sein Gegenüber zeigt sich davon jedoch nicht besonders beeindruckt. Stattdessen beginnt sie, ihre weiteren Pläne auszuführen. Diese beinhalten, die Stelle hier im Puppenturm neu zu besetzen. Lupa hat derweil bemerkt, dass die anderen ihr nicht folgen auf ihrer Flucht. Entgeistert sieht sie, dass sie sich im Gegenteil immer noch am unteren Ende der Treppe befinden. Lupa nimmt all ihren Mut zusammen und ruft der Fee zu: "Lass meine Kollegen in Ruhe!" während sie mit einer Heckenfrucht nach ihr wirft. Für einen kurzen Moment entgleist das lächelnde Gesicht der Fee zu einer hassverzerrten Fratze. "TU DAS NICHT!", faucht sie und die Heckenfrucht zerfällt in der Luft zu Staub.  Dann wendet sie sich wieder mit einnehmendem Lächeln Nicurius zu. Der gibt sich entspannt und spielt seinen Trumpf aus, indem er Auralia namentlich erwähnt. Es ist offenkundig, dass er sich davon ihr Erscheinen erhofft. Der Fee imponiert Nicurius' Gehabe sichtlich wenig. Ohne seine Worte weiter zu beachten, schlägt sie allen Anwesenden einen großzügigen Handel vor. Dieser beinhaltet die Erlaubnis, zu ihr zurückkehren zu dürfen. Die Changelinge sind nicht überzeugt. Erneut bemüht sich Nicurius um Auralias Erscheinen. Lupa wirft eine weitere Frucht - und diesmal trifft sie. Klebriger Saft trieft am Kleid der Fee herunter. Nun ist es vorbei mit der feenhaften Geduld. Mit einer zornigen Handbewegung beschwört die Fee einen Strudel aus Mottenstaub herauf. Bianca findet ihre Courage wieder und ruft der Hüterin zu, dass sie nicht daran denke, zu ihr zurückzugehen oder ihr die anderen zu überlassen. Nicurius hat hinter der wütenden Fee ein sich öffnendes Tor in der Hecke bemerkt. Lässig meint er, er habe noch eine wichtige Verabredung, die leider die Rückkehr zur Hüterin ausschließen würde. Die verärgerte Fee will die Changelinge nun ohne Pakt mitnehmen und tritt zügig auf Nicurius zu. Eilig streckt sie ihre Hand nach ihm aus. Nicurius erstarrt, als ihre Finger ihn berühren.

Sonnenuntergang
Da bricht Licht durch den Türspalt, sanft wie die Morgenröte. Hundegebell nähert sich. Nicurius, Bianca und Lupa schlagen sich mit Keule, Flügeln und Kleidungsstücken ihren Weg durch den Mottenstaub der Fee und kommen so der rettenden Tür näher. Als sie kurz davon stehen, flutet die von Nicurius herbeigesehnte Auralia in den Raum hinein. Mit ihrer Hilfe gelingt es den Changelingen, die Motten zu vertreiben. Sie öffnen die Tür und rennen hindurch. Sofort umgibt die Gruppe der vertraute Geruch der Eisenwelt. Hinter ihnen im Turm treffen zwei Elementarkräfte aufeinander. Die Motten-Fee lächelt dünn, als sie Auralia sieht. "Wir haben dich erwartet", sagt sie lauernd und schließt dann, zwölfstimmig und grausam, an: "WIR VERBANNEN DICH! WIR VERSTOßEN DICH AUS UNSEREM REICH! DEINE MÄCHTE SEIEN VERLOREN UND DEINE TITEL NICHTIG! FÜR DEN VERRAT AN DEINESGLEICHEN SOLLST DU BESTRAFT WERDEN!" Und das strahlende Licht der Sonne erlischt als eine Frau ohnmächtig zu Boden fällt. Über die Gefallene hinweg schaut die Motten-Fee nach den entflohenen Changelingen: "Wir haben noch eine Rechnung offen. Ich werde meine Tochter zurückholen!" Dann wendet sie sich wieder ihrer Rivalin am Boden zu. Nicurius schätzt die Situation kurz ab, dann rennt er zurück durch das Tor in den Turm, um Auralia beizustehen wie sie zuvor ihm beistand. Der treue Hund Auralias stürzt sich todesmutig auf die Feindin um seine Hüterin zu schützen. In der Eisenwelt sehen Lupa und Bianca, wie das Tor zu flimmern beginnt - bald wird es sich schließen. Lupa schickt die beiden geretteten Mädchen weg und sprintet dann ebenfalls nach vorne, um den Durchgang zwischen Hecke und Eisenwelt aufrechtzuerhalten und Nicurius so eine Fluchtmöglichkeit offenzuhalten. Dieser bückt sich nach der ohnmächtigen Auralia, um sie mit sich zu nehmen. Hinter ihm verbeißt sich immer noch der treue Hund in der Kleidung und dem Fleisch der Motten-Fee. Als Nicurius Auralia anhebt, um sich mit sich zu nehmen, bricht ein Heer von Motten über ihn herein. Die Fee schüttelt den sterbenden Hund von sich und kreischt hasserfüllt: "Dann hol ich euch jetzt alle!", ehe sie Nicurius hinterherstürzt. Bianca und Lupa hechten vor, um den vor Taubheit und Schwäche schwankenden Nicurius zu unterstützen. Gemeinsam zerren sie Auralia durch das Portal, das von Klarissa aufgehalten wird. Die ihnen folgende Fee greift nach Klarissas Hand, einen silbrig-grünen Streif hinterlassend. Dann schließt sich die Tür.


Das dunkle Tuch der Nacht und das Licht der ersten Sterne

Atempause
Erschöpft sacken die Changelinge in sich zusammen. Auf dem Boden eines großen Kaufhauses sitzend, warten sie ab, bis sich der hechelnde Atem und das Zittern der Glieder etwas gelegt haben. Neben ihnen liegt immer noch bewusstlos, die Frau, die einst die Fee Auralia, die Schutzherrin des Spreeparks, war. Entsetzt betrachtet Lupa die am Boden Liegende. Vorsichtig merkt sie an, dass es ihnen mit dieser Schuld im Nacken kaum möglich sein wird, in den Spreepark zurückzukehren. Schließlich waren sie es, die Auralia herbei riefen und so den Schutzpakt auflösten. Die anderen beiden sehen die Lage differenzierter. Möglich wäre es auch, dass sie besagten Schutzpakt lediglich eingelöst hätten, was kein Verbrechen sei. Trotz Lupas Befürchungen sprechen sich Bianca und Nicurius dafür aus, dass eine Rückkehr in den Park unumgänglich ist - und sei es nur, um die anderen zu warnen. Während die Gruppe diskutiert, kommt Auralia zu sich. Nach wenigen Worten wird klar - sie kann sich weder an die vergangenen Ereignisse, noch daran, wer sie ist oder war, erinnern.

Rückkehr in den Spreepark
Lupa hilft ihr auf die Beine und führt sie, als sich die Changelinge auf den Weg aus dem Kaufhaus in Richtung Spreepark begeben. Unterwegs spricht Nicurius zum ersten Mal seit Jahren mit seiner Tochter. Er verspricht ihr, nun für sie da zu sein. Sie nimmt diese Worte an, wirkt jedoch noch etwas unsicher, was sie davon halten soll. Sie scheint jedoch bereit, Nicurius die Chance zu geben, seinen Worten Taten folgen zu lassen. Hinter ihnen gehen Klarissa und Bianca. Klarissa klammert sich an ihre Mutter, will sie nicht mehr gehen lassen. Eine tiefsitzende Angst zeigt sich in diesem Nähe-Suchen. Bianca verspricht, ihre Tochter nie wieder gehen zu lassen. Lupa sieht die anderen Kinder mit ihren Eltern und hat selbst keine Vertrauensperson, an die sich sich jetzt lehnen könnte. Stattdessen stützt sie die verwirrte Auralia und zeigt ihr den Weg. Als die Gruppe im Spreepark ankommt, suchen sie sofort Knacks und Simon auf, um ihnen vom Erlebten und seinen Folgen zu berichten. Ein Wechselbad der Gefühle ist die Reaktion. Knacks und Simon beraten sich, denn viele Fragen sind offen. Wird es nun keine neuen Puppen mehr geben, jetzt, wo die Puppenmacherin tot ist? Wird die Fee kommen und eine neue Puppenmacherin holen? Schließlich einigen sich Knacks und Simon darauf, den Fall Auralias zunächst geheim zu halten. Sie wollen die gerade aufkeimende Hoffnung der Changelinge des Parks nicht zerstören. Die gefallene Fee soll als eine von ihnen im Spreepark Zuflucht finden. Am Schluss des Gesprächs erinnert Knack Lupa an ihr Versprechen, sich einen Wunsch zu erfüllen. Lupa nickt und bittet Nicurius und Bianca, sie zu ihrer Mutter, die sie sich seit ihrer Rückkehr aus der Hecke nicht traute zu besuchen, zu begleiten.

Die Mutter des Mädchens
Erneut steht Lupa vor dem altbekannten Wohnblock, den sie einst, als ihr Name noch anders lautete, ihr Zuhause nannte. Sie klingelt und diesmal durchschreitet Lupa die Tür, als diese sich summend öffnet. Über den Flur und die Treppen, die die anderen bereits aus Lupa Erinnerung kennen, gelangen sie vor eine Wohnungstür, die einen Spalt weit offensteht. In der Tür steht die Mutter und erkennt mit weit geöffneten Augen ihre verloren geglaubte Tochter. Als sie die Tür weiter öffnet, erkennt Lupa, dass die Wohnung hinter ihr immer noch chaotisch aussieht. In der Küche steht auf einem Stövchen eine Kanne Tee. Unsicher umarmt Lupa ihre Mutter. Diese bittet ihre Tochter und deren Begleitung herein. Sie schickt Lupa zum Händewaschen und schenkt allen Tee ein. Als Lupa aus dem Bad zurückkehrt, stellt sie begeistert Nicurius und Bianca vor. Auf ihrem Weg durch die Wohnung ist Lupa eine entscheidende Änderung aufgefallen - überall hängen Bilder von dem Mädchen, das sie einst war. Lupa verspricht ihrer Mutter, nie wieder so lange fortzubleiben. Das Angebot, wieder bei ihr zu wohnen, lehnt sie allerdings ab. Sie habe nun mehrere Zuhause und wolle sich nicht für eines entscheiden müssen.

Kollegen
Die Unterwelt, in der sich Nicurius vor seiner Entführung so lange bewegt hatte, kommt auch in der folgenden Zeit nicht zur Ruhe. Gelegentlich versuchen Menschen, die Stadt zu verlassen - oder verschwinden gleich ganz. Auch Steffen. Nicurius' Kollege, will abhauen. Nicurius hat da was gedreht, so dass die beiden nun vor einem Wagen stehen, der Steffen aus der Stadt bringen soll. Schließlich stehen Nicurius und Steffen am Straßenrand. Steffen-Betze schaut dem Changeling in die Augen und fragt, ob Nicurius nicht mitkommen wolle. Doch dieser entscheidet sich, hier zu bleiben. Betze schaut ihn weiter an, doch die Kutsche ist schon da. Nicurius hält ihm die Tür auf. Wehmut erfüllt ihn ob des Abschiedes vom alten Kollegen. "Auf Wiedersehen. Ich werde dich vermissen!", sagt Betze-Steffen zu ihm. Ein Sonnenschimmer breitet sich wie eine warme Decke über Nicurius aus. Einsamkeit erfüllt ihn. Das Feuer wird zorniger, die Kutsche rollt los. Als der Wagen um eine Ecke biegt, tritt ein Mädchen mit flatterndem Blütenkleid neben Nicurius. "Anfänger.", murmelt sie und betrachtet ihn mit ihren Käferaugen. Sie nimmt seine Hand. Nicurius weiß, dass sie bei ihm bleiben wird. Sie ist die einzige, die seine Sprache jetzt noch zu sprechen vermag. Und sie spricht zu ihm: Von Stärke im Bauch und von Freude auf der Zunge spricht sie und Nicurius versteht sie.

Abschied vom Spiegel
Bianca und Klarissa sitzen im Auto vor ihrem ehemaligen Zuhause. Sie beobachten die Spiegelmutter und die Spiegeltochter und den echten Mann, der auf diese hereingefallen ist. Bianca lächelt, verabschiedet sich im Geiste von Frank und wünscht ihm das Beste. Laut verspricht sie Klarissa, dass sie nun nie wieder Angst zu haben brauche. Klarissa vermisst ihren Vater, versteht jedoch, dass dort kein Platz mehr für sie ist. Beide wenden sich ab und treten ihrem neuen Leben entgegen.

Und der Regen wird zu Schnee und legt sich in sanften Flocken auf den abblätternden Lack der Fahrgeschäfte und Buden des Spreeparks. Auf den stürmischen und verregneten Herbst wird ein kalter und ruhiger Winter folgen.