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Autor Thema: Itras By / Bewertung & Rezensionen  (Gelesen 623 mal)

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Offline Thallion

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Itras By / Bewertung & Rezensionen
« am: 5.07.2016 | 12:43 »
Hier könnt ihr eure Meinung zu Itras By abgeben und nach Punkten bewerten.



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Itras By

Regel/Quellen-Bände-Übersicht
Hier gelangt ihr zu der Auswertung und Übersicht bereits bewerteter Regel- und Quellen-Bände:
https://rollenspiel-bewertungen.de/tanelorn/spielhilfen/

Klappentext:
Itras By. Der zurückgelassene Traum einer Göttin.

Auf den ersten Blick erscheint die Stadt wie eine Kulisse auf einer vergilbten Fotografie. Ein Schnappschuss aus den Anfängen der Moderne. Straßenbahnen, Hüte, die ersten Automobile, Stummfilme in Schwarz-Weiß. Doch unter dieser Fassade können wir das unvorhersehbare Murmeln unseres gemeinschaftlichen Unterbewusstseins vernehmen. Die Monster in den Kellern unserer Psyche.

Itras By ist ein surreales Rollenspiel – ein Spiel, bei dem sich eine Gruppe von Leuten trifft, um gemeinsam eine Erzählung zu erschaffen und ihre Gedanken aus den vorgefertigten Bahnen zu lösen. Auf deiner Reise begleiten dich drei oder vier gute Freunde, Zufalls- und Ereigniskarten sowie ein Raum mit abgedunkelter Beleuchtung.

Das Spiel stammt aus Norwegen und ist bereits in mehreren Sprachen erschienen (Englisch, Französisch, Katalanisch, eine spanische Übersetzung ist in Arbeit). Für unsere Übersetzung wurde die norwegische Originalausgabe verwendet und mit der englischsprachigen Version abgeglichen.
« Letzte Änderung: 5.11.2018 | 15:00 von Thallion »

Offline Thallion

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Re: Itras By / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #1 am: 28.07.2016 | 08:09 »
http://neueabenteuer.com/itras-by/

Zitat
Fazit

Wie ich Anfangs sagte: Es ist schwierig ein vernünftiges Bild von Itras by zu übermitteln. Fest steht, dass das Setting sehr interessant ist, aber von allen Spielern eine gewisse Bereitschaft voraussetzt, sich auf phantastische Elemente weit jenseits des Gewohnten einzulassen. Das dazu dann auch noch das extrem eigenwillige Konzept freien Assoziieren durch ein aufgebohrtes „Arkana“-System hinzukommt, macht die Geschichte auch nicht unbedingt einfacher. (Zumindest wenn man einige Äußerungen aus dem Netz bezüglich des deutschen Primus im Arkana-Bereich, Engel, sich so ansieht. Natürlich sollte man das hier nicht so verstehen, dass die Karten von Itras by eine Kopie des Arkana-Systems von Feder & Schwert/Uhrwerk-Verlag sei. Das Ganze ist doch sehr weit auseinander von dem Konzept mit den Engels-Tarot-Karten. Aber insgesamt doch nah genug dran, damit sich jeder bei der Äußerung „Arkana-Karten“ etwas darunter vorstellen kann.

Das macht die Sache alles in allem schwierig.

Aber: Wer die Vorbilder kennt und sich mit seinen eigenen, möglichst durchgeknallten Ideen auf diesen Bereich einlassen kann und nach entsprechenden Gegenbenheiten sucht, mal eine etwas andere Stadt zu beschäftigen, als die Metropolen der Gegenwart oder die Dörfer der mittelalterlich assoziierten Fantasy, wird gerade hier eine unverbrauchte Leinwand vorfinden, die sehr viel verspricht. Alles in allem ist das hier also gerade ein Spiel, um Geschichten zu erzählen.

Und es ist genau dieser Umstand, der es allen ermöglicht, sich einmal experimenteller auszutoben. Und weil Norwegisch nun mal nicht unbedingt „die Sprache für den Hausgebrauch“ ist, bekommt man auf diesem Weg einmal einen Einblick, wie unsere europäischen Nachbarn sich an das Thema Rollenspiel annähern. Und das macht ebenfalls Neugierig, auf diesem Weg einmal aus dem schwerpunktmäßig amerikanisch dominierten Markt auszubrechen.

Alles in allem also ein sehr brauchbares Spiel aus der Indy-Ecke, das nicht sofort dem Forge-Gedanken entspringt.

Offline Chiarina

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Re: Itras By / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #2 am: 5.11.2018 | 11:05 »
Itras By ist eines meiner liebsten Erzählrollenspiele, daher muss ich hier unbedingt noch eine kurze Rezension abliefern.

Das Regelwerk besteht aus einer relativ umfangreichen Settingbeschreibung. Das Spiel entfaltet sich in Itras By, einer surrealistisch anmutenden Stadt, die an ein Europa der 20er Jahre anknüpft. In der Mitte der Stadt befindet sich der Mondturm, das Zentrum von Stabilität und Ordnung. Um diesen Turm herum gruppieren sich 5 Stadtteile: ein Reichenviertel, ein Bürgerviertel, ein Arbeiterviertel, ein Künstlerviertel und das Stadtzentrum. Alle diese Viertel sind voller surrealistischer Details: Von Gebäuden, die an Krebs erkranken über irgendwelche alten Mönche, die aus Träumen Realität werden lassen können bis hin zu einer gewaltigen Spinnengöttin, die seit dreihundert Jahren die Stadt regiert. Je weiter man sich von dem zentralen Mondturm entfernt, desto unvorhersehbarer und verrückter stellt sich die Umwelt dar. Am Ende der Existenzebene befindet sich die Randzone, eine unwirkliche, traumhafte Region, deren Betreten zu unvorhersehbaren Erlebnissen führt. Was dahinter liegt ist nicht bekannt.

Das Spiel enthält keine Regel zu viel. Die mageren Anweisungen erfordern keinen Lernprozess, es muss nie - wirklich nie! - irgendwo eine Regel nachgeschlagen werden. Itras By braucht einen Spielleiter, der aber relativ schwach ist, weil sich das Geschehen weitgehend aus freier Improvisation ergibt. Inspirationen liefern dabei im Wesentlichen zwei Kartenstöße. In jeder Szene steht es jedem Spieler frei, für seinen Charakter eine Entscheidungskarte zu ziehen. Das sind im Prinzip die im Erzählspielsektor allseits bekannten Konfliktresolutionskarten mit "Ja, aber...", "Nein, und..." etc. In Itras By liefern die Karten noch ein wenig mehr (z. B.: "Nein, aber dafür geschieht etwas Vorteilhaftes, was damit gar nichts zu tun hat."). Einmal pro Spielabend kann außerdem noch jeder Spieler eine Zufallskarte ziehen. Diese Karten enthalten Anweisungen, die dem Spielgeschehen eine zusätzliche surrealistische Note geben. Eine Karte informiert die Spieler beispielsweise darüber, dass ihre Charaktere Publikum haben, das in der gegenwärtigen Szene lautapplaudierend oder protestierend seine Meinung zu ihrer Performance abgibt. Eine andere Karte lässt für eine Szene die Charakterblätter einen Platz weiter geben... auch der Spielleiterposten rotiert! Eine dritte Karte intitiiert ein Stille-Post-Spiel. Was der letzte Spieler in der Reihe versteht, hält Einzug in die Spielrealität... undsoweiter. Die Ideen sind teilweise harmlos, teilweise echt schräg. Es ist möglich, ein Itras By Abenteuer vorauszuplanen. Man muss eben nur damit rechnen, dass ein Plot nicht nur durch die Spieler, sondern außerdem auch noch durch den Surrealismus des Spiels gehörig hin und her gebogen wird. Ein Spielleiter sollte mit der Flexibilität an die Sache heran gehen, ab einem gewissen Grad an Chaos den Plot dann eben auch mal ganz in den Wind zu schießen. Wenn sie gut durchdacht ist, trägt eine Ausgangssituation das Spielgeschehen von allein und ist wahrscheinlich angemessener, als ein minutiös durchgeplantes Abenteuer. Bei aller Unvorhersehbarkeit ist das Spiel aber absolut kampagnentauglich.

Das Regelwerk enthält außerdem noch ein nicht allzu außergewöhnliches System zur Charaktererschaffung, wie es sich für ein Erzählrollenspiel gehört. Es läuft darauf hinaus, dass man seinen Charakter mit verschiedenen Eigenschaften, Fertigkeiten, Dramaelementen, Motiven und Verknüpfungen mit den anderen Charakteren ausstattet. Diese Dinge werden durch die Bank frei ausgewählt. Das Regelwerk enthält viele Anregungen, aber keine verbindlichen Regeln (mal abgesehen von Hinweisen, wie viele Eigenschaften welcher Art gewählt werden sollten).

Außerdem findet sich im Regelwerk noch ein Kapitel mit Spielleiter- und Spielertipps, das mit gut gefallen hat. Revolutionär neuartig ist es allerdings nicht.

Ich halte das Spiel für absolut großartig und hatte schon ganz tolle, intensive Spielerlebnisse damit. Itras By hat allerdings leider eine kleine Einsteigerhürde: Das Setting ist doch recht fremdartig und auch etwas umfangreicher, sodass eine Einarbeitungsphase nur schlecht umgangen werden kann. Direkt losspielen ist jedenfalls nicht so einfach. Wer aber Spieler hat, die sich das Setting (knapp 80 Seiten) mal durchlesen oder am Anfang ein paar Erklärungen akzeptieren, der sollte das einfach ´mal ausprobieren.
« Letzte Änderung: 11.11.2018 | 17:14 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)