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Sandboxtaugliche Rollenspiele

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Crimson King:

--- Zitat von: Chruschtschow am  5.08.2016 | 13:37 ---Und das wird genau wie durch Regeln erzeugt?

Bei der klassischen Aufteilung habe ich eine starke SL. Das ist hilfreich für Sandkästen?!? Und Systeme mit starken Erzählrechten für Spieler sind nicht hilfreich für Sandkästen, in denen es nach meinem Verständnis vor allem um die Verlagerung von Entscheidungsmöglichkeiten von der SL zu den Spielern geht? Die ich durch starke Erzählrechte für Spieler maßgeblich steigere, weil sie ihre Entscheidumgsmöglichkeiten maßgeblich mit ausformen?

Gerade Fate (und PDQ? Da bin ich nicht so firm.) hat so etwas nicht. Keine Mittel da, um eine Aufteilung in Exposition, steigende Handlung usw., also einen klassischen dramatischen Spannungsbogen. Wird oft behauptet, war nie richtig.

--- Ende Zitat ---

Ich will jetzt nicht im Detail auf die Punkte eingehen. Sandboxing wird allgemein aufgefasst als ein Spielstil, in welchem die Spieler exakt die Erzählhoheit über ihre Charaktere haben und der SL über den Rest, die Spieler aber mit der Welt, die die Spielleitung präsentiert, frei interagieren können. Das bedeutet, dass jede Form von Regeln, die der Spielleitung auf der Metaebene Eingriff in die Erzählrechte der SCs gibt, dazu führen, dass man kein reines Sandboxing mehr spielt. Das bedeutet auch, dass jede Form von Regeln, die den Spielern auf der Metaebene Eingriff in die Erzählrechte der Spielleitung gewähren, kein reines Sandboxing mehr spielt.

Darüber hinaus führt der Compel/Invoke-Mechanismus von FATE zu bestimmten Narrativen, nach denen sich die Spielercharaktere zunächst in Probleme bringen, dadurch aber auch die Resourcen bekommen, die notwendig sind, um die Probleme zu überwinden. Auch das ist nach der von mir angewandten Definition von Sandboxing kein reines Sandboxspiel mehr.

Du selbst verwendest eine andere Definition von Sandboxing. Das ist völlig ok. Ich mag mich da irren, aber meines Wissens bist du hier eher der Außenseiter, der einen etablierten Begriff neu definiert.



--- Zitat von: nobody@home am  6.08.2016 | 10:14 ---Generell sehe ich keinen großen philosophischen Unterschied zwischen "Das ist der Sandkasten des Spielleiters, Spielerkindern ist das Mitbringen von eigenem Spielzeug ohne ganz doll offizielle Erlaubnis desselben verboten!" und "Das ist die Schu-Schu-Eisenbahn des Spielleiters, Passagiere springen gefälligst nicht ab!".

--- Ende Zitat ---

Die Spieler haben in der Sandbox die volle Entscheidungsfreiheit darüber, wie sie mit dem Setting interagieren wollen. Der SL hat diese Entscheidungen neutral zu bewerten. Es ist absolut entscheidend, dass er die Handlung nicht in eine bestimmte Richtung lenkt. Damit haben die Spielerentscheidungen absolute Relevanz für den Fortlauf der Handlung. Railroading dagegen ist ein massiver Eingriff in die Entscheidungsfreiheit der Spieler bis zu dem Punkt, an dem die Spieler überhaupt keine relevanten Entscheidungen mehr treffen können.



Sandbox ist keine Analogie für eine Spielkiste voll Sand, sondern für eine Umgebung zur Simulation von Handlungsabläufen auf Basis eines definierten Ausgangsszenarios. Idealerweise würdest du sämtliche Fakten, die du während der Simulation brauchst, bereits vor Spielbeginn schaffen. Das ist im Rollenspiel aber kaum möglich, weil die Handlungsfreiheit und Detailtiefe dafür zu groß ist. Entscheidend ist aber, dass der Spieler bzw. dessen Charakter lediglich Teil der Simulation ist. Es ist nicht seine Aufgabe, die Simulation von außen zu beeinflussen.

Die Spielleitung ist dabei ebenfalls starken Einschränkungen unterworfen, wenn es darum geht, die Sandbox nachträglich von außen zu verändern. Er darf einmal definierte Fakten nicht mehr ändern, selbst wenn sie den Spielern noch nicht bekannt sind. Alles, was er darf, ist Fakten zu ergänzen, wo der bisherige Entwurf der Sandbox nicht ausreichend detailliert ist. Ansonsten hat er die gleichen Einschränkungen wie die Spieler. Die Veränderung der Simulation kann nur auf Basis der Entscheidungsträger innerhalb der Simulation geschehen. Eine Spielleitung, die railroadet, hat dagegen das Recht, alle Fakten jederzeit nach Belieben so zu verändern, wie es ihr in den Kram passt, was im Allgemeinen auch Fakten einschließt, die die Spielercharaktere betreffen.

Holothuroid:

--- Zitat von: Maarzan am  6.08.2016 | 07:36 ---Felder zufällig erstellen sehe ich übrigens üblicherweise auch als sehr bedenklich. Schließlich soll das Ganze dann in der Settingmaschine Sinn machen.

--- Ende Zitat ---

Interessant. Dann habe ich jetzt einen klareren Eindruck davon, was "Settingmaschine" bedeuten könnte. Tatsächlich halte ich das nicht für ein erstrebenswertes Ideal, denn der einzige Grund, warum ich solche Späße überhaupt veranstalte, kann für mich nur sein, dass ich selbst nicht weiß, was passieren wird. "Sinn machen", also als Teilnehmer auf den ersten Blick unpassenden Elementen einen sinnvollen Rahmen geben, betrachte ich nämlich als eigentliche Herausforderung, als springenden Punkt und als Spaßfaktor an Randomisierung.

Wenn ich also als SL Zufallstabellen verwende - und ich hatte den Eindruck, die seien typisch für so Sandkistengeschichten -, dann damit ich selbst nicht weiß, was passieren wird. Und ich meine nicht den Namen des örtlichen Wirtshaus. Ich meine: "Der neue Todesstern kreist um... einen Waldplanet... mit... TEDDYBÄREN!!??"

Chruschtschow:
@6, Crimson King:
Alles richtig für bestimmte Formen von Sandkastenspiel. Aber wenn ihr mal in die Threads rein schaut, gerade auch die vorgeschlagenen Systeme in diesem hier, dann ist der Begriff "Sandbox" alles andere als scharf abgegrenzt. Das hat seinen Grund, warum 1of3 hier gefühlt jeden zweiten Beitrag mit "Was auch immer man unter Sandbox verstehen mag ..." beginnt. ;)

Vampire taucht immer wieder gerne auf. Da gibt es reichlich Leute, die ihre Stadt als Sandkasten spielen. Ich fände es gut, wenn sich mal jemand hier meldet, der in Vampire Zufallstabellen für die Antwort der NSC als Reaktion auf Spieleraktionen nutzt. Ich glaube nicht, dass das viele Leute sein werden. Die meisten verlagern das aufs Bauchgefühl der SL. Shadowrun wurde vorgeschlagen. Das hat wirklich viele Mechaniken, aber keine aus denen ich eine Simulation der Reaktion von Konzernen, Gangs und Unterwelt auf die Runner ableiten kann. Und immer so weiter ...

Wellentänzer:
Ich hatte dazu mal was geschrieben. Hier.

6:

--- Zitat von: Chruschtschow am  6.08.2016 | 12:23 ---@6, Crimson King:
Alles richtig für bestimmte Formen von Sandkastenspiel. Aber wenn ihr mal in die Threads rein schaut, gerade auch die vorgeschlagenen Systeme in diesem hier, dann ist der Begriff "Sandbox" alles andere als scharf abgegrenzt. Das hat seinen Grund, warum 1of3 hier gefühlt jeden zweiten Beitrag mit "Was auch immer man unter Sandbox verstehen mag ..." beginnt. ;)

--- Ende Zitat ---
Das kommt daher, weil dieses irrige Bild vom Kinderspielplatz (mit dem Sandförmchen und den lächelnden Kindergärtnerinnen) immer wieder eingeworfen wird. Nimm doch einfach mal das (ältere) Bild der professionellen IT-Sandbox oder des millitärischen Sandtables (und ja. Die Ursprünge des Rollenspiels lassen sich ziemlich deutlich aus der millitärischen Sandbox oder der Sandtable rekonstruieren). Da wird die Sandbox dann als zu modellierendes Umgebungsfeld verwendet, um gewisse Situationen oder Programme in einer kontrollierten Simulation nachzustellen und auszutesten.
Und schon hast Du viel weniger Begriffswirrwarr und ich denke Du hast dann auch ein klares Bild einer Rollenspielsandbox vor Augen. :)

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