Autor Thema: [Rant] Magellan (2017)  (Gelesen 112 mal)

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Offline Feuersänger

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[Rant] Magellan (2017)
« am: Heute um 01:59 »
Wie ihr wisst, ist es eins meiner Hobbies, mich über schlampige SF-Filme aufzuregen. Neulich habe ich "Magellan" von 2017 angeschaut, wo es um eine interplanetare Schnitzeljagd nach außerirdischen Signalen geht.

Also ganz grob: man hat 3 eindeutig künstlich erzeugte, aber nicht menschengemachte Signale ausfindig gemacht - und zwar innerhalb des Sonnensystems, auf Titan, Triton und Eris. Also schickt die NASA eine 1-Mann-Mission dorthin um die Signalquellen einzusammeln. Die Chinesen wollen es ihnen gleichtun, verspäten sich aber und verpassen somit zumindest das erste Ziel.
Die ganze Mission soll inkl Rückreise 10 Jahre dauern, und der Astronaut soll den Großteil der Zeit in "Stasis" verbringen, während sein treues Eheweib daheim die Stellung hält. Das sorgt natürlich am Anfang für einen gewaltigen Ehekrach, aber die Dame fügt sich (zunächst) in ihr Schicksal.

--> an der Stelle kam mir der Gedanke -- wenn sie den Mann auf dem Raumschiff einfrieren können, warum frieren sie dann nicht auch die Frau so lange ein und sie treffen sich halt übermorgen wieder?

Was nun an sich ganz nett ist:
Die Raumfahrttechnologie ist zumindest teilweise plausibel. Die erste Etappe der Reise von der Erde zu Titan dauert im Film 18 Monate, was mit nuklearer Antriebstechnologie sogar plausibel wirkt. Diese Reisezeit passt zB zu Fission Gas/Closed (Nuclear Lightbulb), und zwar sogar so gut, dass ich direkt den Eindruck habe, die Drehbuchfritzen haben sich ein wenig mit der Materie beschäftigt bzw auf einen Berater gehört.

Dann um auf Titan zu landen, haben sie eine XM-57 umgebaut. Das ist auch ganz hübsch. Ein bisschen Film-Gekasper ist halt, dass der Astromann das Shuttle manuell landet, das ist eigentlich Quatsch. Aber gut, Dramaturgie und so.
Sie haben sogar _ein bisschen_ bedacht, dass er hinterher auch wieder von Titan starten muss, und haben Wilderness Refueling mit reingepackt! Das finde ich prinzipiell super. Einfach einen Schlauch in den an die Landezone angrenzenden Methansee geschmissen und Pumpe auf Ein.
Okay, wo die ca 4fach größere Menge Sauerstoff auf die Schnelle herkommen soll, das erklären sie jetzt nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen. Dabei wäre das prinzipiell auch machbar, aber halt langwieriger, weil es steinhart gefrorenes Eis in Hülle und Fülle gibt, und das müsste man dann noch elektrolysieren, aber das wird im Film keine Sekunde thematisiert.

Und ab hier wird der Film auch langsam ranzig. Der Nautenmann stapft über die gefrorene Fläche auf die Quelle des Signals zu, Peilsender in der Hand, und stellt schließlich fest: es kommt aus dem Methansee. Oh achja, und er bekommt eine Wetterwarnung dass ein Sturm in Anrollen ist. Und aufgrund des Methans bestünde "hohe Entzündungsgefahr". Wo ich wieder rückfragen wollte: "Entzündung mit was?" -- die Titanatmosphäre besteht fast nur aus Stickstoff, es gibt keinen freien Sauerstoff. Aber hauptsache es klingt alles schön dramatisch und dringend.
Er aber fragt bei seiner KI nach, ob sein Anzug einen Ausflug in den See übersteht, und bekommt zur Antwort etwa "Ja klar, der widersteht dem Vakuum des Alls, da ist ein -190°C kalter Methansee doch ein Klacks". Da fängt mein Augenlid schon an zu zucken.
Er hat aber immerhin Glück, das gesuchte Macguffin liegt nur wenige Meter einwärts in ganz flachem Methan, kann er macht sich gerade mal die Füße nass und kann mit behandschuhter Hand eine ca tennisballgroße Kugel aus der Flüssigkeit fischen. Jetzt muss er sich aber auf dem Rückweg beeilen, wegen Sturm!

Er schafft es rechtzeitig ins Shuttle zurück, aber während er sofort starten will, beschließt die KI, lieber zu warten bis der Sturm vorüber ist. Diese Zwangspause gibt dem Helden - jetzt ohne den lästigen Helm - Zeit und Gelegenheit, den hermetisch verschlossenen Probenbehälter zu öffnen und den Alien-Ball zu befingern. Sowas geht schließlich am besten ohne störende Barrieren zwischen den eigenen Atemwegen und dem Alien-Artefakt. Immer noch genauso schlau wie vorher, lässt er _jetzt_ überprüfen, ob von dem Aparillo irgendwelche Radioaktivität oder dergleichen ausgeht. Na, das fällt ihm früh ein! Was hätte er jetzt gemacht, wenn sich herausgestellt hätte dass das Ding seine Power durch einen Americium-RTG erzeugt? Aber nein, nichts erkannt. Na dann können wir ja jetzt den Handschuh ausziehen und das Ding mit bloßen Fingern betatschen! (Es folgt eine Vision, bissl 2001-like)
Danach sagt er dann "I hope I didn't do anything stupid".

Draussen scheint es immer noch zu stürmen, dennoch beschließt er _jetzt_ zu starten, weil sich sonst das Startfenster zum Neptun schließt. Das schafft er auch gerade so: die Mutterschiff-KI teilt ihm mit, dass sie nur noch 5 Minuten Zeit haben, um den Transfer zum Neptun zu erwischen.

Dieser dauert 32 Monate. Da hab ich jetzt nicht mehr überprüft ob das noch zu Gas/Closed passt aber wird schon hinhauen. Okay, er kommt da an, es passieren im Anflug noch ein paar Dinge. Vor dem Weiterflug erfahren wir, dass Chinesen versucht haben, sich bei der Nasa einzuhacken. Bei der Ankunft am Neptun erhalten wir die Neuigkeit, dass die chinesische Mission es leider nicht geschafft und alle 3 Taikonauten tot sind. Dann sitzt er gerade mal wieder in seinem Shuttle und wartet auf die Abkopplung für seine Landung auf Triton, da kommt schon der Warnhinweis, dass sie in 3 Stunden nach Eris weiterfliegen müssen. Ganz echt jetzt, langsam nervt's.
SO ENG SIND INTERPLANETARE STARTFENSTER NICHT!
UND WENN DOCH, DANN PLANT MAN DAMIT KEINE MISSION!

Immerhin wieder etwas Infodrop verpackt, wenn auch etwas merkwürdig:
Die Shuttle-KI erkundigt sich nach dem Auftankplan auf Triton. Astro-Man antwortet geschockt und genervt: "Es gibt keinen. Triton hat nur 8% der Erdschwerkraft und kaum Atmosphäre, da kommen wir auch so weg. HOW DO YOU NOT KNOW THIS?" – ich bin geneigt, mich der Frage anzuschließen, aber vielleicht ist da ja noch was im Busch. Eine kompromittierte KI?

Für die geringe Schwerkraft bewegt er sich dann doch recht schwerfällig auf Triton. Und obwohl er sogar darüber nachdenkt, eine Klippe auf dem Weg zum Ziel einfach runterzuspringen, tut er es dann doch nicht. Schade, das wäre doch ein cooles Element gewesen. Dass sein Raumanzug nichtmal ansatzweise nach einem Vakuumanzug aussieht - ich sag schon gar nichts mehr. Ahja, dafür liegt die gesuchte Kugel einfach so mitten im Geröll, ist doch praktisch. Wir haben aber auch nur noch 8 Minuten bis zum Start und müssen noch die 50m Klippe wieder hoch und haben keine Kletterausrüstung. Jetzt aber Shell!
Ganz ehrlich, was mich bisher an dem Film am meisten nervt, ist dieser völlig sinnbefreite Zeitdruck, der da die ganze Zeit aufgebaut wird. Vor allem weil dem Zuschauer ja eh völlig klar ist, dass der Held es schaffen muss, selbst wenn er auf halber Höhe (4:30 Minuten Restzeit) den Koffer fallen lässt und nochmal ganz runter muss und dabei auch noch ein Loch in seinen Anzug reisst und natürlich keine Zeit hat es zu flicken. All diese Komplikationen bauen exakt NULL Spannung auf, nur ungläubiges Kopfschütteln darüber, wie der Drehbuchschreiber ihn nun in 3 Minuten und ohne Luft eine Klippe hochklettern lässt, die er vorher in 8 Minuten mit Luft nicht geschafft hat.

Wieder zurück an Bord des Mutterschiffs, erreicht ihn eine Nachricht seiner verheulten Frau, die jetzt seit 50 Monaten auf dem Trockenen sitzt und das Gefühl hat, Nachrichten an einen Toten aufzunehmen. Er kann das Theater offenbar nicht so ganz nachvollziehen, weil für ihn waren es ja erst effektiv 4 Tage.
Es folgt eine Nachricht des Oberbosses, der ihm nochmals einschärft ganz besonders vorsichtig zu sein und keine Shenanigans mehr zu veranstalten. Unmittelbar nach dieser Mahnung begibt sich unser Held zu den nunmehr zwei Alien-Kugeln, die mitterlweile einfach so offen rumliegen, und - fasst beide gleichzeitig an. (Extra-Halluzination)

Fast Forward to Eris. Diesmal wird die ganze Such- und Sammelaktion auf unter 5 Minuten komprimiert. Anscheinend wird der Film selbst dem Regisseur schon zu lang. Aber halt, jetzt wird es langsam lustig: beim Vorgang, wieder anzudocken, öffnet die Bord-KI den Andockschaft nicht (klar auf dem Videoschirm zu sehen), behauptet aber sie hätte es getan. Was folgt ist ein grotesk albernes Streitgespräch aus Anglo-Höflichkeitsfloskeln: "It doesn't appear to be open, are you functioning alright?" - "I appear to be, Commander." Und dann fängt die KI auf einmal an, chinesisch zu reden.

Naja. Er bringt seine gehackte KI wieder einigermaßen unter Kontrolle, kommt wieder an Bord, macht Analysen usw, und dann muss er natürlich alle 3 Kugeln anpatschen, um die Mutter aller Hallus zu schieben. Ähnlich wie im Vorbild "2001" treten wir jetzt vollends in die Schwurbel- und Eso-Phase ein. Wir befinden uns wohl im Finale. Die 3 Alien-Beacons kombiniert stoßen nun einen riesigen Datenschwall aus, der verschiedene Dinge offenbart: etwa, dass es noch mehr Signale überall in der Milchstraße gibt, die ohne Zeitverzögerung ausgetauscht werden. Und (wenn ich das recht verstanden habe), dass sie DNA-codiert sind, will heissen DNA ist der universelle Code für die ganze Galaxis. Und dann fängt das Schiff ein neues, viertes Funksignal auf, diesmal aus der Oort-Wolke, ⅓ Lichtjahr entfernt, aber offenbar ohne Zeitverzögerung.
Unser Held erkundigt sich, wie lange der Flug dorthin dauern würde: 38 Jahre. Und er lässt sofort Kurs darauf setzen; Startfenster spielen auf einmal keine Rolle mehr. (Na, gut dass wir eine Stasiskammer und offenbar unendlich Treibstoff haben!) Er verabschiedet sich noch von seiner Frau und "gibt sie frei", und NASA ärgert sich jetzt dann doch, dass sie nur einen einzigen Astronauten losgeschickt haben und jetzt rein gar nichts machen können, da dieser offensichtlich den Verstand verloren hat.
Der Film endet mit Blick aus das Raumschiff von hinten, wie es in die Schwärze blastet, und darunter der Einblendung: "Mission Day 1".
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat, die Nutella

Offline Luxferre

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Re: [Rant] Magellan (2017)
« Antwort #1 am: Heute um 08:07 »
Danke für den Bericht und meine gesparte Zeit, die ich besser investieren werde  :d
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