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Autor Thema: [Video] Der Spaß ist nicht genug!  (Gelesen 576 mal)

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Offline Lichtbringer

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[Video] Der Spaß ist nicht genug!
« am: 9.08.2017 | 16:52 »
Hallo Leute,

ich wollte das Video meines Nordcon-Vortrags "Der Spaß ist nicht genug! - ernste Themen im Rollenspiel" mit euch teilen.

Viel Freude damit.

Gnadenlos ehrliche Kritik explizit erwünscht, so sie durchdacht ist.

Lars
Hanlons Prinzip: "Führe nie auf Böswill zurück, was adäquat durch Dummheit erklärbar ist."

Das Mantra der Wissenschaft: Wenn Theorie und Praxis nicht übereinstimmen, ist es nicht das Universum, das sich irrt.

Offline Swafnir

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #1 am: 9.08.2017 | 18:02 »
Hat mir gut gefallen  :d
Rollenspielverein Kurpfalz - aleam inter seria exercemus

Offline Lichtbringer

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #2 am: 11.08.2017 | 16:28 »
Vielen Dank.
Hanlons Prinzip: "Führe nie auf Böswill zurück, was adäquat durch Dummheit erklärbar ist."

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Offline Anro

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #3 am: 11.08.2017 | 17:45 »
Guter Vortrag,

Zwei Dinge, die vielleicht nicht wichtig sind, aber:
1. Ich hätte erwartet, dass mehr darauf hingewiesen wird, dass die Spieler klar nach Ihren Triggern gefragt werden sollten.
Ängste(Spinnen), Vergewaltigung, Gewalt gegen Kinder können unter Umständen etwas auslösen, was schwer zu begreifen/kontrollieren ist.
Andere Gruppen werden sich verschließen, oder sagen "Ich mag dich als gute Laune-Leiter, ich will in meinem Rollenspiel Schönes und Episches."
Wenn der Spielleiter also sich da verschätzt oder nicht weiß, dass der kleine Bruder überfahren wurde, dann ist das gefährlich.
Oder vielleicht etwas eingebaut, was darstellt: "Wann ist es Richtig, was muss ich abklopfen und was muss ich an der Stimmung drehen, um Ernstes ins Rollenspiel aufzunehmen."
Ich sage nicht, dass es nötig ist und ich bin vielleicht genau an der Stelle etwas abgedriftet, aber ich glaube außer "Vertrauen" und "Kenne deine Spieler" war nicht viel in diese Richtung?

2. Deine Beispiele sind etwas veraltet :-P
Du kennst viele klassische Literatur, so klassisch, dass man Sie eher als "Werke" bezeichnet als als Bücher.
Das ist lobenswert und all dies, aber für ein normales Publikum wäre mehr Popkultur sicher besser. :-P

Wie Du siehst, Beides keine wirklich großen Zacken an einem sehr sehr runden Vortrag.
Gut dich in der Community zu haben.

(Ich glaube ich stimme beim letzen Assessment nicht ganz zu - Ich bin eher einer der zu viel Emotions- und Dramaregeln als störend empfindet, aber vielleicht liegt das auch nur an meinen (fehlenden) Erfahrungen.)

Offline Teylen

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #4 am: 11.08.2017 | 17:59 »
Oh, das bist du :o
Ich glaube ich habe dich schonmal gesehen, und dann mit jemanden (Jiba?) verwechselt. Was du meintest, das es dir öfter passiert?

(/sub und Video in der "später schauen"-Liste)
Teylen's RPG Corner (Mein Blog)]

Armut bringt außer Weisheit auch Verdruß, und Kühnheit außer Ruhm auch bittre Mühn.
Jetzt warst du arm and einsam, weis and kühn, Jetzt machst du aber mit der Größe Schluß.

Offline Lichtbringer

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #5 am: 12.08.2017 | 19:43 »
Wie Du siehst, Beides keine wirklich großen Zacken an einem sehr sehr runden Vortrag.
Gut dich in der Community zu haben.

Vielen Dank für das Lob. Bin auch gerne hier.


1. Ich hätte erwartet, dass mehr darauf hingewiesen wird, dass die Spieler klar nach Ihren Triggern gefragt werden sollten. [...]
Ich sage nicht, dass es nötig ist und ich bin vielleicht genau an der Stelle etwas abgedriftet, aber ich glaube außer "Vertrauen" und "Kenne deine Spieler" war nicht viel in diese Richtung?

Diese Frage beantworte ich mit einem klaren Jein. Die Zielsetzung ist wichtig, aber ich zweifle an der Strategie.
Das Problem ist, dass vielen Leute nicht klar ist, was sie in der Spielpraxis tatsächlich bedrängen könnte. Außerdem sind sie nicht immer so mutig, es auszusprechen. Deshalb scheinen mir Vertrauen und kleine, behutsame Schritte der besser Weg. Aber natürlich gehört dazu vielleicht auch die Nachfrage.

2. Deine Beispiele sind etwas veraltet :-P
Du kennst viele klassische Literatur, so klassisch, dass man Sie eher als "Werke" bezeichnet als als Bücher.
Das ist lobenswert und all dies, aber für ein normales Publikum wäre mehr Popkultur sicher besser. :-P

Das war tatsächlich eine bewusste Entscheidung, aus folgenden Gründen:
1) Die Klassiker sind einfach bekannter. Selbst wenn die meisten Leute sie nicht lesen, wissen sie doch in etwa, worum es geht. Es ist für uns Nerds häufig unverständlich, dass jemand unsere Lieblingsserie nicht genauso gut kennt wie wir, aber das ist oft eine Illusion. Ich hielt schon Nordcon-Vorträge, bei denen sich per Handzeichen herausstellte, dass 20 % der Zuhörer noch nie Star Wars gesehen hatten.
2) Vielleicht weil sie in der Schule behandelt werden, ist der Umgang mit ihnen oft viel analytischer. Praktisch jedem ist klar, dass Hamlet eine Tragödie ist. Aber wie vielen Star-Wars-Fans ist bewusst, dass SW ein Märchen ist? Und für einen solchen Vortrag ist reflektierter Umgang schon irgendwie wichtig.
3) Wenn man das Niveau des Rollenspiels als Kunstform heben will, schadet Hochkultur nun auch nicht gerade.  8)


(Ich glaube ich stimme beim letzen Assessment nicht ganz zu - Ich bin eher einer der zu viel Emotions- und Dramaregeln als störend empfindet, aber vielleicht liegt das auch nur an meinen (fehlenden) Erfahrungen.)

Hm, es geht mir ja nicht darum, man können so nicht spielen. Ich wehre mich eher gegen den logischen Fehlschluss, die Abwesenheit von Regeln fördere etwas. (Von nichts kommt nichts.)
Um mich selbst als Beispiel zu verwenden: Mein Lieblingssystem (Fate) hat Regeln für soziale Konflikte. Diese wende ich aber nicht immer an, sondern nur wenn sie der Szene tatsächlich gut tun. Wenn wir sie jedoch weglassen, dann ist dieses Weglassen höchstens ein Vermeiden des Unnötigen und nicht ein Fördern an und für sich.

Ergibt das Sinn?



Oh, das bist du :o
Ich glaube ich habe dich schonmal gesehen, und dann mit jemanden (Jiba?) verwechselt. Was du meintest, das es dir öfter passiert?

Als ich beim Zunftblatt schrieb, wurde ich mit Jiba verwechselt. Von Tanelornis werde ich auch gerne mit Friedensbringer verwechselt. Was bei dir der Fall war, weiß ich nicht mehr.  :)
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Offline Anro

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #6 am: 14.08.2017 | 14:02 »
Zitat
[Paraphrased: Trigger der Spieler klären, bevor ernste Themen gespielt werden.]
Diese Frage beantworte ich mit einem klaren Jein. Die Zielsetzung ist wichtig, aber ich zweifle an der Strategie.
Das Problem ist, dass vielen Leute nicht klar ist, was sie in der Spielpraxis tatsächlich bedrängen könnte. Außerdem sind sie nicht immer so mutig, es auszusprechen. Deshalb scheinen mir Vertrauen und kleine, behutsame Schritte der besser Weg. Aber natürlich gehört dazu vielleicht auch die Nachfrage.
Ich habe mir angewöhnt meine Freunden/Spieler privat zu fragen "Gibt es etwas, was bei Dir nicht geht, wo Du nicht drüber reden willst und nicht mit konfrontiert werden willst - Kannibalismus, Spinnen, Vergewaltigung, Krankheiten?"
Bisher waren alle der Meinung "Wenn es in deiner Welt ist, dann ist das in deiner Welt." 
Wie dem auch sei, ich weiß, dass ein paar Menschen mit "Stell dich nicht so an, das ist Rollenspiel, das ist sowas wie Kunst, das muss emotional ergreifen"-Attitüde leben und leiten.
Das wäre etwas, wo ich nicht als Ressource genannt werden wollen würde. z.B. wenn die Gruppe mit starker Perversion konfrontiert wurde und eine Person an ein persönliches Trauma erinnert wurde und damit unerwartet arbeiten muss. Um so mehr, wenn die Gruppe dann falsch damit umgeht.
Wie gesagt, ist nun alles sehr konstruiert und nicht wirklich ernsthaft tragisch.
Zitat
[Paraphrased: Beispiele, Modern oder Klassiker]
Das war tatsächlich eine bewusste Entscheidung, aus folgenden Gründen:
1) Die Klassiker sind einfach bekannter. Selbst wenn die meisten Leute sie nicht lesen, wissen sie doch in etwa, worum es geht. Es ist für uns Nerds häufig unverständlich, dass jemand unsere Lieblingsserie nicht genauso gut kennt wie wir, aber das ist oft eine Illusion. Ich hielt schon Nordcon-Vorträge, bei denen sich per Handzeichen herausstellte, dass 20 % der Zuhörer noch nie Star Wars gesehen hatten.
2) Vielleicht weil sie in der Schule behandelt werden, ist der Umgang mit ihnen oft viel analytischer. Praktisch jedem ist klar, dass Hamlet eine Tragödie ist. Aber wie vielen Star-Wars-Fans ist bewusst, dass SW ein Märchen ist? Und für einen solchen Vortrag ist reflektierter Umgang schon irgendwie wichtig.
3) Wenn man das Niveau des Rollenspiels als Kunstform heben will, schadet Hochkultur nun auch nicht gerade.  8)
1) Bekannter in unserer Generation mit deutscher Schuldbildung und dann wahrscheinlich auch nur im Leistungskurs. Dann rotieren da meistens 2-3 Bücher. Selbst der LK hat meistens zu viele Bücher und zu wenig Zeit.
Ja, meine Serien kennen nicht viele :-P
Das mit Starwars hast Du doch erfunden, gibs zu. War in dem Raum vorher ein Bondage-Kurs, oder waren die einfach am Schlafen?
2) Akzeptiert.
3) Hochkultur und alte Klassiker... Ich glaube, wir setzen uns mal zu einem guten Glas Traubensaft zusammen und diskutieren das aus. Wenn Du willst, kannst Du deinen auch vorher schlecht werden lassen.
Zitat
[Partielles Veto: Dramaregeln fördern Drama]
Hm, es geht mir ja nicht darum, man können so nicht spielen. Ich wehre mich eher gegen den logischen Fehlschluss, die Abwesenheit von Regeln fördere etwas. (Von nichts kommt nichts.)
Um mich selbst als Beispiel zu verwenden: Mein Lieblingssystem (Fate) hat Regeln für soziale Konflikte. Diese wende ich aber nicht immer an, sondern nur wenn sie der Szene tatsächlich gut tun. Wenn wir sie jedoch weglassen, dann ist dieses Weglassen höchstens ein Vermeiden des Unnötigen und nicht ein Fördern an und für sich.

Ergibt das Sinn?
Es ergibt Sinn.
Ich habe kein schönes Bild dafür... also konstruiere ich ein mangelhaftes, aber auch hier ist es eher eine philosophische Grundsatzdiskussion, denke ich.
Wenn Du eine Taube in freier Wildbahn aussetzt, mit einem einprogrammierten Weg nach Hause, dann wird Sie ankommen, wo es Ihr gut geht, doch der Adler ist freier, ohne Leitsystem.

Mit anderen Worten, wenn Regeln da sind, dann werden viele Versuchen sie immer einzusetzen. Wenn keine da sind, dann werden diese "Leitsysteme(LS)" nicht genutzt.
Wenn Du eine Taube bist, die ohne LS zu feige wärst überhaupt deine Flügel zu spreizen und dich lieber tragen lässt, so ist das gut. Wenn Du mit Adlern zu tun hast, die alleine überall hin wollen und sich überall ernähren und entfalten können, dann fuck the system - wenigstens ein bisschen.

Daher... vielleicht musst Du mir einfach mal eine Fate Runde leiten :P, wie ich schon sagte ist meine Erfahrung da nur observativ und theoretisch.
(Ich finde, observativ ist ein tolles Wort, auch wenn es unterkringelt wird.)

Offline Ucalegon

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #7 am: 14.08.2017 | 18:40 »
Ein starker Anfang. Die Kernaussage ist für mich: Viele wissen gar nicht, dass das überhaupt geht. Dass die Themen, die du danach vorstellst (Folgen von Gewalt, Krankheit und Tod, Armut, Philosophie, Romantik und Sex, "Adult Fear") auch zu Rollenspielen gehören können.

Die Mittel und Wege (Vertrauen, Dilemmata, Dekonstruktion, NSC, SC mit Schwächen) erscheinen mir soweit sinnvoll. Nicht ganz klar geworden ist mir, wie du den Zusammenhang zwischen Drama (Mittel: Dramatische Situationen/Dramatische Handlungen) und den eingangs genannten Themen siehst. Ist Drama (z.B. im Sinne von Hillfolk: Es geht um emotionale Bedürfnisse) ein besonders gutes Vehikel für die Themen oben oder gehört es eher selbst in diese Reihe?

Gar nicht einverstanden bin ich mit der zweiten Hälfte. Unabhängig davon, ob man nun mit einer traditionellen SL, Player Empowerment oder SL-los spielt: Wenn es um Spielstil und -Inhalte geht, sind meiner Ansicht nach alle gleichermaßen Mitspielende und müssen sich gemeinsam darüber abstimmen, wie sie welche Rollenspiele spielen. Deshalb kommt es für mich überhaupt nicht in Frage, Themen egal welcher Art über Sonderabsprachen (Stichwort: "Schwarzes Schaf"), einseitige "emotionale Profile"  mit dem Argument, die Mitspielenden selbst seien nicht objektiv (ein 'Sag mir, was dir Angst macht' wie in Murderous Ghosts finde ich wiederum absolut in Ordnung) oder durch andere Hintertüren einzuführen. Wenn sich Leute unwohl mit diesen Inhalten fühlen, folgere ich daraus nicht, dass sie "umzuerziehen" oder "zu konvertieren" seien, sondern führe mit ihnen ein offenes Gespräch darüber, was sie persönlich im Spiel sehen wollen und wie sie möchten, dass mit ihrem Unwohlsein umgegangen wird. Dann mag es durchaus sein, dass wir uns darauf einigen, "harte Themen in weichen Medien" zu verpacken, Metaphern zu benutzen oder die Intensität langsam zu steigern. Oder wir benutzen andere, von dir leider nicht genannte Methoden, Sicherheit und Vertrauen herzustellen wie die X-Card, Lines and Veils oder I will not abandon you.

Schade fand ich, dass über Rollenspiele, wo all das umgesetzt wird, nur in den letzten 5 Minuten und quasi unter ferner liefen gesprochen wurde. Damit fehlt für mich die Hälfte. Gerade Fate halte ich persönlich in diesem Kontext übrigens für ein komisches Beispiel, weil die Regeln und der Großteil des publizierten Materials in erster Linie Pulp-Action versprechen.
« Letzte Änderung: 14.08.2017 | 18:51 von Ucalegon »
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Offline ArneBab

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #8 am: 15.08.2017 | 15:44 »
Ich finde deinen Vortrag toll!

Zum Heranerziehen: Ich habe früher bestimmte Verhaltensweisen stark gefördert. Als dann mal ein Spieler aus einer alten Runde dabei war, habe ich gemerkt, dass ich damit früher schlicht falsch lag — jetzt musste ich das wieder ungeschehen machen. Dadurch hat es mehr Spaß gemacht.

Fazit daraus: Ich muss mir gut überlegen, was ich wirklich für unsere Runde für richtig halte. Das führt aber zur Diskussion, was richtiges Rollenspiel ist, und die hat keine Antwort — und ist Verhandlungssache in der Runde, zumindest solange ich eine bestimmte Gruppe habe, mit der ich spielen will. In einem Verein ist das vermutlich anders, solange der eigene Stil für die meisten nicht völlig unverträglich ist.

Bei Comic Relief brach bei mir die Realität durch — mit Trump ☹

Härtere Themen anzusprechen geht meiner Erfahrung nach nur, wenn die Stimmung passt. Diese Stimmung zu erzeugen läuft bei mir bisher eher intuitiv — ich versuche mich in die Spielerinnen und Spieler hineinzuversetzen. Mir fehlt dazu aber ein "objektiver" Werkzeugkasten, auf den ich zurückgreifen kann. Sozusagen ein verlässliche Abkürzung. Wobei ich nicht sicher bin, ob es die gibt.
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Offline 1of3

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #9 am: 15.08.2017 | 20:53 »
Oh, das bist du :o
Ich glaube ich habe dich schonmal gesehen, und dann mit jemanden (Jiba?) verwechselt. Was du meintest, das es dir öfter passiert?

Leute mit Jiba verwechseln hat uns bereits ein :T:reffen-Motto beschert.
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Offline D. Athair

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #10 am: 17.08.2017 | 21:58 »
Wenn der Spielleiter also sich da verschätzt oder nicht weiß, dass der kleine Bruder überfahren wurde, dann ist das gefährlich.
... stimmt. Wobei meine Erfahrung da ist: Egal wie viel man da weiß und wie vorsichtig man agiert, Trigger in irgendeiner Art kann man immer erwischen. Deswegen sind die "Sicherheitsmechanismen" von denen Ucalegon schrieb so wichtig. Gerade wenn es um "härtere"/"ernste" Themen im RSP geht.

Abgesehen davon: Tolle Kritik, Ucalegon. Fängt ziemlich genau auch meine Meinung/Haltung dazu ein.


Das Eingehen auf Spiele, die speziell ernste Themen fokussieren, habe ich auch vermisst.
Insbesondere fand ich den Fokus auf story-orientierte Spiele unglücklich (Fate, WoD, story games).
Da hätte auch Kram wie Clockwork & Chivalry (BRP/d100, englischer Bürgerkrieg mit phantastischen Elementen, das einen Fokus auf gesellschaftliche Bezüge und religiös-politische Konflikte legt) oder Geh nicht in den Winterwald (Freiform-Erzählspiel um Grusel, Angst und den finsteren Wald neben dem Dorf) oder LotFP-Kram (weirdness, violence, relationship, sex) erwähnt gehört. Insbesondere um deutlich zu machen: Ernste Themen sind grundsätzlich spielstilunabhängig.

Spielmechanismen, die "erste Themen" unterstützen, können auf verschiedene Weise vorkommen. Sie können durch das Etablieren bestimmter sozialer Regeln und "How-to-Play"-Regeln forciert werden (Geh nicht in den Winterwald), es können Regelmomente/Rulings/Subsysteme/Tweaks/Regelzusätze sein (LotFP/V:tM/Clockwork & Chivalry) oder es kann auch fest in den Kern-Regeln verankert sein (z.B. The Mountain Witch).

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Offline Timo

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #11 am: 17.08.2017 | 22:02 »
Leute mit Jiba verwechseln hat uns bereits ein :T:reffen-Motto beschert.

Ich verwechsel ja grundsätzlich Orko mit Jiba. Lichtbringer sehe ich ja ab und an in Kiel, wobei der mich immer unhöflich ignoriert, selbst wenn ich ihn grüße, normalerweise ist das immer andersrum bei mir... :)
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Offline Lichtbringer

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #12 am: Gestern um 16:25 »
@Timo: Da ich sogar an meiner eigenen Mutter vorbeilaufe, ist das eher ein Beleg dafür, wie niedrig mein Wahrnehmungswert ist. Ist nicht persönlich, ist ganz generelle Unfähigkeit. ;)


Das mit Starwars hast Du doch erfunden, gibs zu. War in dem Raum vorher ein Bondage-Kurs, oder waren die einfach am Schlafen?

Du unterschätzt, wie sehr die Nerd-Szene unterteilt ist. Wenn auf dem Nordcon das Wetter schlecht ist, haben wir oft jede Menge Larper im Raum. Und die sind viel mehr an Fantasy und Mittelalter interessiert. Auf die Frage, wer noch nie SW gesehen habe, meldeten sich etwa ein Fünftel der Gruppe.


Gar nicht einverstanden bin ich mit der zweiten Hälfte. Unabhängig davon, ob man nun mit einer traditionellen SL, Player Empowerment oder SL-los spielt: Wenn es um Spielstil und -Inhalte geht, sind meiner Ansicht nach alle gleichermaßen Mitspielende und müssen sich gemeinsam darüber abstimmen, wie sie welche Rollenspiele spielen. Deshalb kommt es für mich überhaupt nicht in Frage, Themen egal welcher Art über Sonderabsprachen (Stichwort: "Schwarzes Schaf"), einseitige "emotionale Profile"  mit dem Argument, die Mitspielenden selbst seien nicht objektiv (ein 'Sag mir, was dir Angst macht' wie in Murderous Ghosts finde ich wiederum absolut in Ordnung) oder durch andere Hintertüren einzuführen. Wenn sich Leute unwohl mit diesen Inhalten fühlen, folgere ich daraus nicht, dass sie "umzuerziehen" oder "zu konvertieren" seien, sondern führe mit ihnen ein offenes Gespräch darüber, was sie persönlich im Spiel sehen wollen und wie sie möchten, dass mit ihrem Unwohlsein umgegangen wird. Dann mag es durchaus sein, dass wir uns darauf einigen, "harte Themen in weichen Medien" zu verpacken, Metaphern zu benutzen oder die Intensität langsam zu steigern. Oder wir benutzen andere, von dir leider nicht genannte Methoden, Sicherheit und Vertrauen herzustellen wie die X-Card, Lines and Veils oder I will not abandon you.

Okay, die Kritik ist durchaus berechtigt. Vielleicht hätte ich das näher ausführen müssen.
Hier mein Problem mit Lösungen wie der X-Card oder die Leute auch nur zu fragen:
Das Problem ist, dass die Selbsteinschätzung der meisten (wenn nicht gar aller) Menschen deutlich von der Realität abweicht. Ein Beispiel jenseits des Rollenspiels, das den meisten Lesern eingängig sein sollte: Wenn man ein repräsentative Stichprobe der Bevölkerung eines beliebigen Lands in der Westlichen Welt befragt, nach welchen Kriterien sie ein Auto auswählen, dann erhält man seltsame Ergebnisse. Nach der Selbstauskunft sollten die meisten Leute entweder verbrauchsarme Kleinwagen oder sehr sichere Autos fahren. So sehen aber weder Straßenverkehr noch Automarkt in Wahrheit aus.
Das liegt einerseits daran, dass vielen Leuten einfach nicht klar ist, was sie wirklich wollen. Das gilt eben auch für Rollenspieler. Viele sind einfach im Irrtum darüber, was sie möchten.
Deshalb halte ich ein Quant Einfühlungsvermögen für wertvoller als zehn Quanten bewussten Diskurses.

Um mich selbst als Beispiel zu nennen: Ich hatte das Pech, einen Mordversuch mitzuerleben. Ich hatte keine Ahnung, ob das Thema im Rollenspiel für mich schwierig werden könnte. In der Praxis zeigte sich, dass es das nicht ist und dass ich es schade fände, auf dieses Handlungselement sicherheitshalber zu verzichten.

Was das Umerziehen angeht: Da ging es ja um das Umerziehen zur Bereitschaft zu ernsten Themen, nicht zum Ertragen eine spezifischen Themas.


Das Eingehen auf Spiele, die speziell ernste Themen fokussieren, habe ich auch vermisst.
Insbesondere fand ich den Fokus auf story-orientierte Spiele unglücklich (Fate, WoD, story games).
Da hätte auch Kram wie Clockwork & Chivalry (BRP/d100, englischer Bürgerkrieg mit phantastischen Elementen, das einen Fokus auf gesellschaftliche Bezüge und religiös-politische Konflikte legt) oder Geh nicht in den Winterwald (Freiform-Erzählspiel um Grusel, Angst und den finsteren Wald neben dem Dorf) oder LotFP-Kram (weirdness, violence, relationship, sex) erwähnt gehört. Insbesondere um deutlich zu machen: Ernste Themen sind grundsätzlich spielstilunabhängig.

Das ergibt für mich jetzt gar keine Sinn. Erstens scheint es mir offensichtlich falsch. Wenn mein Spielstil sich vor allem mit Kobolde fressen Babys! deckt, dann steht ernsten Spiel gar nicht im Raum.
Es ist sicherlich so, dass es eine Vielzahl von Spielstilen gibt, die mit ernsten Themen umgehen können und es vielleicht auch tun. Ob das System sie auch fördert, ist eine andere Frage.
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Offline Ucalegon

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #13 am: Gestern um 22:44 »
Viele sind einfach im Irrtum darüber, was sie möchten.
Deshalb halte ich ein Quant Einfühlungsvermögen für wertvoller als zehn Quanten bewussten Diskurses.

Um mich selbst als Beispiel zu nennen: Ich hatte das Pech, einen Mordversuch mitzuerleben. Ich hatte keine Ahnung, ob das Thema im Rollenspiel für mich schwierig werden könnte. In der Praxis zeigte sich, dass es das nicht ist und dass ich es schade fände, auf dieses Handlungselement sicherheitshalber zu verzichten.

Das auszuprobieren - wie in deinem Fall - oder eben nicht, ist eine Entscheidung, die allein die betroffene Person treffen kann. Und wenn da ein bestimmtes Thema von vorneherein und grundsätzlich ausgeschlossen wird, dann ist das eben so, egal, ob ich als Außenstehender das jetzt für falsche Selbsteinschätzung halte.

Aber: Wenn du dir die drei von mir verlinkten Techniken anschaust, wirst du feststellen, dass es da nur zu einem kleinen Teil darum geht, sicherheitshalber auf Dinge zu verzichten und sie vorab auszuschließen.

Was das Umerziehen angeht: Da ging es ja um das Umerziehen zur Bereitschaft zu ernsten Themen, nicht zum Ertragen eine spezifischen Themas.

Darauf bezog sich meine Kritik auch. Die Bereitschaft, beispielsweise Grey Ranks zu spielen, ist entweder da oder nicht. Ich kann mit meinen Mitspielenden über ihre Befürchtungen reden, weniger intensive Alternativen anbieten und Sicherheitstechniken vorstellen, klar. Aber ich habe ganz eindeutig niemanden umzuerziehen.
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Offline ArneBab

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Re: [Video] Der Spaß ist nicht genug!
« Antwort #14 am: Heute um 11:36 »
Um mich selbst als Beispiel zu nennen: Ich hatte das Pech, einen Mordversuch mitzuerleben. Ich hatte keine Ahnung, ob das Thema im Rollenspiel für mich schwierig werden könnte. In der Praxis zeigte sich, dass es das nicht ist und dass ich es schade fände, auf dieses Handlungselement sicherheitshalber zu verzichten.
Um noch ein verbreiteteres Beispiel zu nennen, das mich gerade umgekehrt getroffen hat. Ich habe letztens den Monitor vom 6.7. gesehen. Dort wurde noch gewarnt, dass die Bilder heftig sind. Als sie ein schreiendes Mädchen gezeigt haben, der von den Ärzten Granatsplittern aus dem Körper gezogen wurden, habe ich für einen kurzen Augenblick meine eigene Tochter da gesehen. Es war das erste Mal, dass ich beim Fernsehen wirklich würgen musste. Selbst jetzt laufen mir die Tränen über das Gesicht, wenn ich nur davon schreibe. Dass ich so reagieren würde, hatte ich selbst nicht erwartet.

Ich weiß nicht, ob es im Rollenspiel ähnlich wäre, aber ich hoffe, dass meine Runde pausieren würde, wenn mich etwas so erwischen sollte.
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