Autor Thema: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?  (Gelesen 7492 mal)

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Offline CAA

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Vorweg: mir ist klar dass einige der Dinge die ich im folgenden Thematisieren werde, durchaus im Indibereich bereits gelöst sind / anders gemacht werden / ????.  Auch ist mir durchaus bewusst, dass es dem SL möglich ist Dinge abseits der Kaufprodukte zu machen. Das ist aber alles bei weitem nicht wie es die z.T. sehr sehr deutlichen Platzhirsche unter den Verlagen machen, welche insbesondere mit D&D5 aktuel vermutlich nen riesenerfolg hingelegt haben.

Auch ist beispielsweise mit Schicksalspunkten/Heldenpunkten oder wie immer sie sich in dem jeweiligen System auch nennen mögen, in der ein oder anderen Form zumindest etwas "Player Empowerment" in den Mainstream gerutscht. Auch ist mit dem Splittermond Ini System etwas in den (deutschsprachigen) Mainstream gerutscht, was es so bis dato mWn. nur in Kleinstspielen wie Scion gab.

Es ist also bei weitem nicht alles 100% so schlecht wie ich es mit dem Ziel zu veranschaulichen darstelle. :headbang:

Jetzt wo das aus dem Weg ist.... Wie kommt es, dass das Hobby P&P RPG sich gefühlt seit den 80ern nicht weiterentwickelt hat?

Wir spielen im wesentlichen das selbe wie vor 30 Jahren. Leute die sich irgendwo auf einer Skala zwischen Schneeweiß und Dunkelgrau bewegen, machen Dinge bei dehnen sie am Ende des Tages die Welt (oder zumindest einen Teil davon) retten.... Es gibt die guten (bevorzugt: die SCs) und es gibt die bösen (tm). Je nach System (WH40K *hust*) ists vll schwieriger oder leichter auf der Skala einzuordnen.

Alternativ spielt man auch schonmal nen Söldner und muss irgendwo einbrechen, irgendwen beschützen, o.ä.. Wenns gen Horror geht, kommt natürlich noch eine Priese "Zur falschen Zeit am falschen Ort -> alle sterben" dazu  ;D

Und das ganze bevorzugt ab Level 1, weil man möchte ja nichts geschenkt bekommen und überhaupt. From Zero to Hero. Blos nicht mit Kompetenten Charakteren anfangen! Was je nach System auch gerne heißen mag, dass man zu Start gefühlt in etwa die Kompetenz eines Azubis hat. Siehe auch dazu Brand Aktuell die Diskussion im Drachenzwinge Forum: https://www.drachenzwinge.de/forum/index.php?topic=126433.0

Wenn es richtig revolutionair wird, darf man als SC auch mal über irgendwas (bspw. ein Königreich) Herrschen. Oder noch besonderer und seltener: Jenseits des Horizonts und an fremden Gestaden unbekannte Orte erforschen. Gleichzeitig ist Wanderlust eines der Worte die es geschaft haben in viele andere Sprachen übernommen zu werden....

Aber wieso ist das scheinbar alles was Rollenspiel kann? Wieso ändert sich nur die Aufbereitung der Abenteuer, aber der wesentliche Inhalt bleibt identisch? Wo sind die Kampagnen in dehnen es streng genommen weder gut noch böse gibt, sondern nur gegenläufige Ziele? Wo sich am Ende vll sogar zeigt, dass ohne es zu wollen, die SCs die bösen waren?

Wo sind bspw. die Abenteuer/Kampagnen die sich mit der Frage beschäftigen, was es eigentlich heißt Mensch zu sein? In anderen Medien ein Ding dass Genreübergreifend aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet wird und ein Thema ist. Bspw. in der Serie Humans. Wenn man es weniger SciFi und mehr Fantasy mag, könnte man ja anstelle von Robotern Humunkuli nehmen ;-). Oder für einen nochmal anderen Winkel: Ajin, dass sich ganz ohne Änderungen auch in einer Fäntelalter Welt ansiedeln liese.

Aber nicht nur Storytechnisch hängen wir gefühlt noch in den 80ern. Mal davon abgesehen das bis heute insbesondere in englischen Foren Seitenweise über Alignment diskutiert wird, hat sich seit den 80ern auch auf mechanischer Ebene nicht wirklich was getan. Klar, es ist mehr/umfangreicher geworden und hat z.T. eine andere "Geschmacksrichtung" bekommen. Aber es nicht anders geworden. Anstelle von den 1d6 Basisklassen gibt es 1d100. Anstelle dem Auswürfeln der Attribute gibt es Point-Buy.

Aber es läuft doch immer in der ein oder anderen Form auf {Wert} + {Würfel} vs {Wert} + {Würfel} hinaus. Beim Würfelpool ist es halt {Wert} Anzahl Würfel vs {nötige Erfolgswürfel}. Wenn ihr auf ner Con o.ä. mal die Chance haben solltet, spielt ne Runde Dread für ein herausragendes Beispiel dafür dass es auch anders gehen kann.

Wo ist beispielsweise das System das auf Deckbuilding aufbaut? Du legst das Schwert +3 an? -> Lege 4 Angriffskarten mit +3 Schaden in dein Deck. Du speicherst den Feuerball Zauber in denen Stab? -> Lege 2 Feuerballkarten in dein Deck. etc pp. Das könnte dem Kampf im P&P, der doch sehr schnell dazu neigt sehr zäh zu werden, einen komplett neuen Anstrich geben. Hier stößt man zwar u.U. an eine Grenze dessen was (gerade für den SL) mit Papier gut funktioniert, aber hat nicht eh jeder nen Smartphone? Eine simple Deckbuilding App wäre doch schnell entwickelt...

Wo sind die Multiparrallelen Kampagnen? Dass das im Zeitalter in dem es nur Tischrunden gab nicht passiert ist, erklärt sich wohl von alleine, aber Online P&P RPG ist seit min. 10 Jahren ein Ding. Die älteste News im Maptool Forum ist von 2006.... und Roll20 hat in der Suchfunktion mittlerweilen sogar nen Filter mit dem man auf Gruppen Filtern kann für die man bezahlen muss um mitspielen zu dürfen....  Und doch hat noch keiner der Platzhirsche die Möglichkeiten des #Neuland aufgegriffen.

Kampagnen in dehnen man mit 1d10 Gruppen anstelle nur einer los zieht. In der man dann untereinander Informationen austauschen, handeln, etc muss. Wo der große böse mit fast gottgleicher Macht am Ende nicht durch durch die 4 Auserwählten gestürzt wird, sondern durch die gemeinsame Anstrengung von ~20 "Kriegern"? Oder von mir aus auch jede Gruppe ein Drogenkartell ist, die gegeneinander um die Stadt kämpfen, mit Bündnissen, Verrat, ....

Möglicherweise ist das mehr ein Online als ein Offline Problem, aber wieso ist es bis heute noch Standard, 1d6 Charaktere auf gut Glück zusammen zu würfeln, zu hoffen dass das schon irgendwie funktionieren wird und dann ganz überrascht zu sein wenn die Gruppe doch zerfällt? Wenn man Werkzeuge haben möchte mit dehnen man das umgehen kann, muss man z.T. schon sehr tief runter ins Hasenloch der Indispiele steigen.

Wo sind die ausgefeilten Crafting Systeme die auch gut funktionieren? Mal davon abgesehen dass es im Bereich der PC Spiele sehr beliebt ist und es eine nennenswerte Schnittmenge zwischen P&P`lern und PC Spielern gibt, man hat gefühlt in jeder Gruppe min. einen dabei der in irgend einer Form Dinge herstellen möchte. Seien es nun Heiltränke, Plasmawaffen oder Schwerter. Aber irgendwie wird das auch dem Entusiastischstem irgendwie zu viel, weiß die System dazu immer müßig sind. Ein Quadratmeter Excelsheet mit dem man nichts machen kann, weil man die Materialen nicht zusammenbekommen wird, ist schlicht und ergreifend uncool.

Zitat
https://www.reddit.com/r/rpg/comments/4b17gs/which_games_have_good_crafting_systems/
If you're a barbarian hero and you're forging a magic sword using metal that fell from the sky quenched in the blood of a dragon that shit takes exactly one night, and that night features a full moon and a lightning storm and a montage of you hitting a piece of hot metal with a hammer set to screaming 80s guitar riffs.

Epic Item Recipe:
1. Epic base material
2. Epic magical body part
3. Epic crafting location
4. Epic weather event

Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel als Hobby kaum weiter?

Offline Samael

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #1 am: 5.02.2018 | 20:23 »
Weißt du, Schach!

Immer das Gleiche....  8]
RPG-Interessen: Warhammer RPG, Dungeons & Dragons, OSR games

Offline Maarzan

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #2 am: 5.02.2018 | 20:24 »
Ich nehme mal an, weil es an und für sich schon für die Masse der Leute ganz gut läuft (oder was Bestehendes genausogut an den Eigengeschmack anpassbar ist wie da Neue dann doch noch ggf an anderer Stelle angepasst werden müsste)  und die Innovationen eben kaum jemanden vom Hocker reißen oder vielleicht auch einfach nicht genügend (in Umfang wie Überzeugungskraft)  bekannt gemacht werden.

Meine persönliche Sicht auf Entwicklung:
Innovation - Evolution - Degeneration
Storytellertraumatisiert und auf der Suche nach einer kuscheligen Selbsthilferunde ...

Offline General Kong

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #3 am: 5.02.2018 | 20:25 »
Ich esse auch seit mehr als 30 Jahren mit Messer und Gabel und manchmal nehm ich einen Löffel.
Kaffee trinke ich heiß.
Cola nicht.

Die Regeln des Fußballs sind immer noch im wesentlichen dieselben.
Beim Boxen dürfen weiterhin keine Tiger oder wilden und emit in den Ring gebracht werden.

Gute Komödien sind lustig. Schon ganz lange.
In Action-Filme wird geschossen und gestorben. Meistens sind beides Männer, die das tun.

Was genau soll das Proble sein? Kein Innovation, die alles auf den Kopf stellt?

Beim Handball gab es mal so eine Idee, dass man das auch im Wasser tun könnte.
Man erfand eine neue Sportart.
Wasserball.

Leite doch einfach unter Wasser und gib dem ganzen einen coolen neuen Namen.

Ich seh kein Problem und genug Innovationen.
Aber ich bin genügsam: Eine schöne Kmapagne, verschiedene Genre ab und zu.
Und alle Monate in den Dungeon.

Ich bin zufrieden.
Kommze mich prollich, krisse Moffakette am Schmecken!

Offline Archoangel

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #4 am: 5.02.2018 | 20:25 »
Was soll sich denn verbessern? Das Basiskonstrukt "du kannst alles sein was du möchtest, alles erleben was du dir ausdenken kannst und alles erleben was du dir vorstellen kannst" ist halt nicht mehr zu toppen.

Was soll denn mehr drinnen sein?

Übrigens: das Prinzip "herrschen" ist nicht revolutionär. Das war auch schon von Anfang an mit im D&D drinnen. Und all das andere was du als "fehlend" betrachtest hat das Spiel auch schon geliefert.

Ich kann nichts von deiner Kritik sehen: war alles schon da - es ist ein beständiges kommen und gehen. Die Grundidee bleibt freilich gleich, alles andere ist variabel. Und entsprechend gibt es halt keine Steigerung von "alles ist möglich". Wie auch?
4E Archoangel - Love me or leave me!

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Ideologie ist der Versuch, den Straßenzustand durch Aufstellung neuer Wegweiser zu verbessern.

Offline Geoffrey de Glanville

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #5 am: 5.02.2018 | 20:43 »
Kann mich Archoangel nur aus vollem Herzen mit 34 jährigen Erfahrung anschliessen
Leitet D&D 5, DSA 5, Cthulhu, Star Wars d6, Librum Tarenthis, DSA 1 Nxt

DSA 5 ist das beste DSA aller Zeiten, D&D 5 das beste D&D aller Zeiten, Zeit zu spielen, also, oder?

Offline Deep One

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #6 am: 5.02.2018 | 20:45 »
Im Zeitalter der PDFs ist eine Lösung naheliegend: Selber schreiben.  :)

Offline Reginleif

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #7 am: 5.02.2018 | 20:59 »
Mist, der Schach-Witz wurde schon gebracht :D Ich halte es mit Raggi: Lass dir von niemandem erzählen dass Rollenspiel sich entwickelt hat. Es hat sich verändert, klar, aber es ist nicht unbedingt eine Verbesserung.

Offline Der Narr

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #8 am: 5.02.2018 | 21:01 »
Häh, er hat doch geschrieben, was sich verbessern ließe!

Statt Orks zu bekämpfen könnten wir doch mal Spielen, was es bedeutet, Menschen zu sein. So wie in der WoD (1991).

Oder statt Würfel zu werfen könnten wir doch mal Karten benutzen. So wie in Dragonlance SAGA Edition (1996).

Oder multiparallele Kampagnen, wie die ja bei DSA ich glaube seit der ersten Ratcon in Dortmund (1997?) bekannt sind.

Wobei ich nicht weiß, ob die Living Campaigns etc. die überall empor sprießen unter Innovation fallen (und die es früher natürlich auch schon gegeben hat).

Keine Ahnung, will jetzt nicht auf jedes Beispiel was nennen.

Zum obigen: Bitte die :Ironie: beachten.

Zum Teil klingen einige Punkte aber danach, als könne man weiter entwickeltes Rollenspiel nur als Vollzeit-Job betreiben (ganze Kampagnen parallel leiten und managen - warum zur Hölle sollte ich das tun, wenn mich niemand dafür bezahlt?).

Ich fühle mich aber auch an Boyscouts Kritiken zu fehlender Innovation im Rollenspiel erinnert, zuletzt z.B. hier: http://hochistgut.blogspot.de/2017/04/osr-vielleicht-seid-ihr-zu-alt-fur.html
Spielt aktuell regelmäßig Arcane Codex, Traveller (MgT2)
Im Moment SL-frei! Ich genieße das Spielerleben!

Offline YY

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #9 am: 5.02.2018 | 21:08 »
Wie kommt es, dass das Hobby P&P RPG sich gefühlt seit den 80ern nicht weiterentwickelt hat?

Wie schon gesagt wurde: weil es funktioniert ;)

Und du hast mit deiner Aufzählung von "es läuft doch immer auf folgende xyz hinaus" schon eine Riesenspanne an Zeug genannt, möglicherweise sogar ohne dass es dir aufgefallen ist.

Wo ist beispielsweise das System das auf Deckbuilding aufbaut? Du legst das Schwert +3 an? -> Lege 4 Angriffskarten mit +3 Schaden in dein Deck. Du speicherst den Feuerball Zauber in denen Stab? -> Lege 2 Feuerballkarten in dein Deck. etc pp. Das könnte dem Kampf im P&P, der doch sehr schnell dazu neigt sehr zäh zu werden, einen komplett neuen Anstrich geben. Hier stößt man zwar u.U. an eine Grenze dessen was (gerade für den SL) mit Papier gut funktioniert, aber hat nicht eh jeder nen Smartphone? Eine simple Deckbuilding App wäre doch schnell entwickelt...

Mechanische Experimente finde ich grundsätzlich gut.
Aber auch da hat sich das Etablierte deswegen etabliert, weil es eine mindestens brauchbare und vielseitige Lösung ist.

Wenig(er) Aufwand und flüssige(re) Abwicklung beißt sich für mich übrigens schwer mit App-Unterstützung und ähnlichem Geraffel.
Auch Ansätze mit Karten, Countern usw. gibt es durchaus einige und meistens bleiben die in der Praxis deutlich hinter dem zurück, was man sich davon erhofft.

Wo sind die Multiparrallelen Kampagnen? Dass das im Zeitalter in dem es nur Tischrunden gab nicht passiert ist, erklärt sich wohl von alleine, aber Online P&P RPG ist seit min. 10 Jahren ein Ding.

Gibts, aber das hat mit online oder nicht nur bedingt was zu tun.
So was ist und bleibt immer ein Haufen Arbeit für die Spielleiter.
Wenn man das online macht, liefert das ggf. überhaupt erst die Möglichkeit, das mal aufzuziehen, ohne sich mit 25 Mann über ein langes Wochenende irgendwo in ein Ferienhaus zu sperren.
Aber den Schuh anziehen müssen sich trotzdem mehrere Spielleiter, die das wirklich wollen - und die Spieler haben, die dabei auch mitziehen.

Das ist für mich irgendwie so, als würde man jede Woche in der Halle klettern gehen und würde dann aus heiterem Himmel fragen, warum man nicht einfach jede Woche irgendwo in Europa draußen was macht: Weil der Aufwand wesentlich größer ist. Kann man machen, aber nicht ständig.

Möglicherweise ist das mehr ein Online als ein Offline Problem, aber wieso ist es bis heute noch Standard, 1d6 Charaktere auf gut Glück zusammen zu würfeln, zu hoffen dass das schon irgendwie funktionieren wird und dann ganz überrascht zu sein wenn die Gruppe doch zerfällt? Wenn man Werkzeuge haben möchte mit dehnen man das umgehen kann, muss man z.T. schon sehr tief runter ins Hasenloch der Indispiele steigen.

Da sehe ich das Problem nicht. Es gibt jede Menge "konventionelle" Systeme, die da gute Hilfestellungen liefern, und was man in den letzten Jahrzehnten so an best practices zusammengetragen (und dabei das Rad immer wieder neu erfunden) hat, funktioniert wunderbar.

Wo sind die ausgefeilten Crafting Systeme die auch gut funktionieren?

Crafting in Computerspielen ist was für Leute, die Zeit totschlagen wollen oder die sich von einem virtuellen Zuckerle darüber hinwegtäuschen lassen, was sie grad für einen Unfug machen.
Entweder schnell und einfach oder in der Downtime abseits der Sitzungen. Computerspielartiges Crafting ist mMn der Gegenentwurf von dem, was im P&P interessant ist.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
- Pyromancer

Online Supersöldner

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #10 am: 5.02.2018 | 21:16 »
Weiterentwickeln zu was den ?
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Chiungalla

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #11 am: 5.02.2018 | 21:17 »
Was heutzutage oft übersehen wird ist, dass Weiterentwicklung kein Selbstzweck ist.

Offline Bad Horse

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #12 am: 5.02.2018 | 21:19 »
Jetzt wo das aus dem Weg ist.... Wie kommt es, dass das Hobby P&P RPG sich gefühlt seit den 80ern nicht weiterentwickelt hat?


Hat es doch. Es gibt wirklich ganz, ganz viele Spiele, die was ganz anderes machen als "1w6 zufälliger Fantasy-Hobos wandern durch den Dungeon".

Und dann gibt es die Sachen, die den alten Kram weiter machen. Nur muss man die nicht spielen, wenn man darauf keine Lust mehr hat. Das Jane-Austen-Rollenspiel z.B. hat sich nach dem ersten Kickstarter-Tag schon mehr als finanziert, scheint also einen ausreichend großen Markt für "anderes" zu geben.
Zitat von: William Butler Yeats, The Second Coming
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Offline Talasha

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #13 am: 5.02.2018 | 21:20 »
Mechanische Experimente finde ich grundsätzlich gut.
Aber auch da hat sich das Etablierte deswegen etabliert, weil es eine mindestens brauchbare und vielseitige Lösung ist.

Wenig(er) Aufwand und flüssige(re) Abwicklung beißt sich für mich übrigens schwer mit App-Unterstützung und ähnlichem Geraffel.
Auch Ansätze mit Karten, Countern usw. gibt es durchaus einige und meistens bleiben die in der Praxis deutlich hinter dem zurück, was man sich davon erhofft.

Ich habe z.B. kein Schlaufon, und wenn ich mir das Gemoser der Sls beim Abbauen von Warhammer 3 in Erinnerung rufe bin ich mir bei dem Deckbuilding-Dingens nicht mehr so sicher ob das eine so gute Idee ist. Dazu kommt noch: Was wenn einer der Spieler nicht da ist und man stattdessen ein Oneshot mit neuen Chars spielen will, dann brauchst du doch wieder die alten Charbögen.
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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #14 am: 5.02.2018 | 21:24 »
Tja, CAA... ich hab jetzt keine große Zeit, jetzt mehr dazu zu schreiben, aber so viel: Ich spiele heute ganz anders als als Teenager. Auch ganz andere Sachen, die ganz andere Mechaniken oder eine ganz andere Settingdynamik haben. Nimm etwa meinen aktuellen Favoriten "Bluebeard's Bride"... das hat mit dem Standard-Spiel, das du beschreibst, nicht viel gemein. Und dann glaube ich eine Tendenz zu erkennen, Rollenspiel insgesamt multimedialer aufzuziehen. Da tut sich was... man muss es nur sehen.

Das Jane-Austen-Rollenspiel z.B. hat sich nach dem ersten Kickstarter-Tag schon mehr als finanziert, scheint also einen ausreichend großen Markt für "anderes" zu geben.

Ach stimmt, da war ja was, danke... ich geh dann mal Geld ausgeben.
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Offline Crimson King

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #15 am: 5.02.2018 | 21:30 »
Die Regeln des Fußballs sind immer noch im wesentlichen dieselben.

Um mal das Beispiel raus zu picken: Fußball hat sich im Laufe der Zeit gigantisch weiterentwickelt, auch wenn sich das nur sehr bedingt an Regeln festmachen lässt.

Meines Erachtens hat sich auch Rollenspiel unabhängig von den Regeln entwickelt. Es gibt inzwischen eine Menge Erkenntnisse über die Prozesse am Spieltisch, unterschiedliche Spielvorlieben etc. Solange man diese Dinge nicht ignoriert, macht man sich das Leben damit erheblich leichter, wenn es darum geht, funktionierende Rollenspielrunden aufzubauen. Dieses Verständnis der sozialen Aspekte des Rollenspiels hatte im Übrigen auch einen Rückfluss in den Regelbereich. Klar findest du bei den unzähligen Rollenspielen, die Jahr für Jahr raus kommen, immer noch eine Menge dysfunktionalen Mist, aber im Gegensatz zu früher gibt es heute funktionierende Systeme für so ziemlich jeden Geschmack, und auch da gibt es immer noch Entwicklung.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

Offline General Kong

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #16 am: 5.02.2018 | 22:12 »
Man nehme ein x-beliebiges Spiel aus den frühen 80ern (gerne von FGU), lasse die banalen Äußerlichkeiten wie schlechte Illus, Zweispaltensatz, mit ein bisschen Glück noch mit der Schreibmaschine oder einem (heute) Uralt-Textverarbeitungsprogramm geschriebenes Regelwerk beiseite und schaue nur verträumt auf die Regeln selber:

OHA! Man, haben wir uns weiterentwickelt.

Außer man steht darauf, wenn man mit Potenzen und Wurzelgleichungen mit 4 bis 5 Variabeln seine Trefferpunkte, Stärke oder auch bloß das im Spiel nie wieder relevante Körpergewicht ausrechnen muss. Mit NULL Mehrwert im Spiel!

Da. finde ich, hat das Rollenspiel abseits von allen modernen Schlagwörtern wie "Spielerermächtigung", "Geschichtenerzählen" und was weiß ich enorme Fortschritte hinsichtlich "Regeln unterstützen Spiel" gemacht. Von der Zugänglichkeit für nicht promovierten Mathematiker und Quanten-Physiker im Masterstudiengang ganz zu schweigen.
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Offline Grey

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #17 am: 5.02.2018 | 22:50 »
@CAA, wenn die Frage erlaubt ist: Welche Systeme bzw. Settings hast du eigentlich schon gespielt?
"Wenn du alles weißt, dann weißt du auch, was du mich kannst!" -- aus: Rainer Fuhrmann, Die Untersuchung
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"Vertraue niemandem, der dir auf eine komplexe Frage eine einfache Antwort bietet!" -- meine Frau
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Offline Deviant

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #18 am: 5.02.2018 | 22:52 »
Never touch a running system
...und wenn sie nicht gestorben sind, dann geht und ändert das!

Offline grannus

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #19 am: 5.02.2018 | 22:52 »
Mir sträuben sich die Haare wenn ich die Ansichten des TE so lese.

Demnach +1 zu den übrigen Antworten. Mehr will mir dazu nicht einfallen. Ich habe das Gefühl als hätte sich CAA nicht viel aus seinem Umfeld heraus bewegt.
SYSTEMKRIEG - BATTLE OF THE ROLEPLAYING GAMES (powered by FATE)

Ich spiele dann aber nach den FATE-Regeln ANTI-FATE the HOTZENPLOTZING-HARTWUSTING, weil ich mit dem offenen Ansatz von Fate nicht zurechtkomme.

A-FtH-H ist ein Spiel für den detailverliebten Allesdurchspieler in der Phantasiewelt Bauernland, wo alle SC mit vielen Fertigkeiten ausgestattet nichts Heldiges können, dafür aber viele Stunden in der örtlichen Taverne um Groschen meiern, die Bedienung nicht verführen, im Wald Holz....

Offline Pyromancer (weg)

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #20 am: 5.02.2018 | 23:03 »
Ich find's witzig, dass viele der Dinge, die CAA mit "Wo gibt es denn..." und "Warum macht man denn nicht..." anspricht, seit den späten 1970ern Teil des Hobbies sind.

Was aber bleibt ist die berechtigte Frage: Warum ist der Mainstream der Mainstream? Warum geht man in Deutschland zum Fussballspiel, und in Amerika zum Baseball? Warum ist Pop beliebter als Jazz? Warum DSA?

Ich bin mir sicher, es gibt darauf Antworten. Aber werden sie uns weiterhelfen?

Offline Runenstahl

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #21 am: 5.02.2018 | 23:11 »
CAA, du bist dir ja durchaus bewußt das sich das P&P sehr stark weiterentwickelt hat. Du wundest dich nur warum das nicht im "Mainstream" der Systeme angekommen ist. Das ist aber halt genau der Punkt bzw die Begründung dafür. Die sind halt Mainstream. Der kleinste gemeinsame Nenner den die meisten gut finden. Abseits davon gibt es viele System in denen so einiges anders ist. RP's sind da nicht das einzige Medium. Es dauert nunmal bis Ideen von Nischenprodukten ihren Weg in den Mainstream schaffen. Auch deswegen weil diejenigen, die mit den großen Mainstreamprodukten Geld machen wollen, sich scheuen Risiken einzugehen die eventuell ihr Produkt ins Abseits kicken. Durchaus verständlich wie ich meine.

Das ist bei Filmen ja auch nicht anders. Da wird von den großen Studios erstmal nur das Produziert von dem man glaubt das die breite Masse es sehen will. Erst wenn andere mit Mut zum Risiko beweisen konnten das die Leute das Produkt XY auch wollen wagen sich die "großen" an den Stoff. Und sein wir ehrlich. Die tiefsinnigen Filme die sich schwieriger Themen annehmen sind auch heutzutage meist kein Mainstream.  Ausnahmen gibt es, aber die gibt es auch beim Rollenspiel (Cthulhu z.B. als System bei dem man nicht nennenswert Besser wird, Shadowrun oder gar Exhalted als Systeme bei denen man sehr stark anfängt, Apokalypse World / Dungeon World mit coolen Crafting Systemen etc. und ja, das Systeme die durchaus gut laufen, zumindest wenn man die Drive Thru Top 100 und die Amazon RPG-Verkaufs Top 100 zu Rate zieht).

Offline KhornedBeef

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #22 am: 5.02.2018 | 23:22 »
Komisch, ein halbes Dutzend Beiträge, warum diese ganzen Innovationen nicht nötig sind, bis jemand darauf hinweist, dass es das überwiegend alles schon gibt..   ::)
Ich fand übrigens auch den Hinweis gut, dass sich das Spiel an den Tisch stark verändert haben kann, auch wenn man noch mit Opa ADnD herumzockelt.
"For a man with a hammer, all problems start to look like nails. For a man with a sword, there are no problems, only challenges to be met with steel and faith."
Firepower, B&C Forum

Ich vergeige, also bin ich.

"Und Rollenspiel ist wie Pizza: auch schlecht noch recht beliebt." FirstOrkos Rap

Wer Fehler findet...soll sie verdammt nochmal nicht behalten, sondern mir Bescheid sagen, damit ich lernen und es besser machen kann.

Offline Ifram

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #23 am: 5.02.2018 | 23:28 »

@TE: ganz einfach

"Früher war alles besser." :korvin:


Offline Thandbar

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Re: Warum entwickelt sich P&P Rollenspiel kaum weiter?
« Antwort #24 am: 5.02.2018 | 23:36 »
Klaro, der Mainstream ist immer konservativ.

Es könnte aber auch einen Grund geben, warum Rollenspiel an sich eher zum Konservatismus neigt als andere Medien wie zB Film* und Musik, die ja einfach nur konsumiert werden müssen.

Rollenspiel hingegen kann nie einfach rein konsumiert werden, es muss sich angeeignet werden. Und das ist eigentlich ein sehr anspruchsvoller Prozess für ein Hobby; meist müssen Regelwerk, Setting und der gewisse Rest - was vielleicht Flair oder Atmosphäre ist - von allen am Tisch verinnerlicht werden.
Deshalb hängen so viele Runden an den Systemen, die sie sich mit ihren Hausregeln gefügig gemacht haben, und deshalb ist es so schwer, von einer Edition zur nächsten zu gehen. Mit D&D 4E und der nWoD gibt es ja relativ junge Beispiele, wie schwierig es sein kann, Innovationen zu wagen, wenn man gleichzeitig seine Spielerschaft nicht vergraulen möchte. 

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*Wobei ja aber auch hier einige sagen: Seit Hitchcock hat die Filmsprache sich nicht weiterentwickelt, nur die Tricktechnik ist besser geworden. Aber das wäre eine andere Diskussion.
« Letzte Änderung: 5.02.2018 | 23:38 von Thandbar »
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