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Autor Thema: Hillfolk / Bewertung & Rezensionen  (Gelesen 808 mal)

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Ucalegon

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Hillfolk / Bewertung & Rezensionen
« am: 2.08.2017 | 14:59 »
Hier könnt ihr eure Meinung zu Hillfolk abgeben und nach Punkten bewerten.



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Hillfolk

Regel/Quellen-Bände-Übersicht
Hier gelangt ihr zu der Auswertung und Übersicht bereits bewerteter Regel- und Quellen-Bände:
http://www.tanelorn.net/index.php/topic,96807.0.html

Klappentext:
In the shadow of empires, an epic saga of ambition and desire!

In an arid badlands, the hill people hunger. Your neighbors have grain, cattle, gold. You have horses and spears, courage and ambition. Together with those you love and hate, you will remake history—or die.

With the Hillfolk roleplaying game, you and your group weave an epic, ongoing saga of high-stakes interpersonal conflict that grows richer with every session. Its DramaSystem rules engine, from acclaimed designer Robin D. Laws, takes the basic structure of interpersonal conflict underlying fiction, movies and television and brings it to the world of roleplaying. This simple framework brings your creativity to the fore and keep a surprising, emotionally compelling narrative constantly on the move.

As you build your story, you mold and shape the Hillfolk setting to fit its needs. Do you entangle yourself with the seductions of your wealthy cousins to the north? Do you do battle with the fearsome sea people to the west? Or do you conquer the scattered badlands tribes to forge a new empire of your own?

Detailed play style notes show you how to make the most of DramaSystem’s new tools. Once you’ve mastered DramaSystem’s nuances, you’ll hunger to take them to new vistas. A stunning talent roster brings you 30 additional series settings. From Cthulhu cult family drama to ninjas, pirates, and steampunk cowboys, Hillfolk offers years of play value.

Contributors from every corner of the gaming scene and beyond include Ed Greenwood, Gene Ha & Art Lyon, Jason Morningstar, Kenneth Hite, Rob Heinsoo, Meg Baker, Wolfgang Baur, Jesse Bullington, John Scott Tynes, and Keith Baker.

Offline Chiarina

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Re: Hillfolk / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #1 am: 29.12.2017 | 04:06 »
Meine Geschichte mit Hillfolk beginnt eigentlich mit Fiasco. Nach langen Jahren, in denen ich ewige Midgard- und Ars Magica-Kampagnen gespielt habe, war Fiasco eines der ersten Spiele, die mir gezeigt haben, dass man auch ohne den ganzen crunchigen Regelklimbim aufregende Spielsitzungen haben kann. In der Regel haben mir die Runden sogar besser gefallen als die Midgardrunden (zu Ars Magica sage ich mal nichts... das ist eine spezielle Beziehung). Es gab nur ein Problem: Eigentlich mochte ich die Kampagnen-Idee. Fiasco war aber immer nach einem Abend vorbei. Umso interessierter war ich, als ich hier im Tanelorn lesen konnte, dass Hillfolk quasi ein System sei, das Fiasco im Kampagnenmodus biete.

Etwas später hatte ich auf einem Con für vielleicht zwei Minuten das Regelwerk in der Hand... und so ganz angemacht hat mich das Buch nicht. Ich habe das System damals nicht gekauft. Dann habe ich aber vom Drama System Reference Document gehört und gedacht, dass man nichts falsch machen kann, wenn man es sich wenigstens unentgeltlich mal ansieht. Ich habe mich da durch geackert... und das war nicht immer eine Freude und trotzdem war mein Eindruck positiv.

Danach haben mich allerdings erstmal eine ganze Weile kritische Meinungen und Details irritiert, die es im Netz zu lesen gibt. Neben dem schlechten Layout wurde die mangelnde Ausarbeitung des bzw. der Settings kritisiert. Es wurde erwähnt, dass das System auf der Regelseite zu wenige attraktive Ideen besäße. Es wurden Bedenken geäußert, ob das Spiel nicht für eine Gruppengröße gedacht ist, die sich in der Realität selten findet (die Empfehlung im Regelwerk lautet: "für 4 - 8 Spieler"). Vor allem wurde - aus verschiedenen Gründen - der Regelmechanismus für die prozeduralen Szenen kritisiert.

Es hat dann auch eine ganze Weile gebraucht, bis ich mir das Regelwerk zugelegt habe. Und noch etwas länger hat es gedauert, bis ich eine Gruppe zur Hand hatte, die das Spiel im Kampagnenmodus mit mir ausprobieren wollte. Jetzt ist es aber so weit. Ich habe mich eingearbeitet und eine erste Sitzung hinter mir. Zeit für eine erste einigermaßen begründete Beurtelung dieses Spiels.

Hillfolk heißt Drama System. Die Charaktererschaffung bietet daher alles, was das Herz einer Dramaqueen erfreut (Rolle in der Gruppe, Beziehungen untereinander, unerfüllte Wünsche, dramatische Potentiale, ein rudimentäres Fertigkeitensystem (inklusive einer Art Spezialität, die aber keine regeltechnische Relevanz besitzt), Fokussierung durch Schlüsselwörter und Merksätze. Die Charaktererschaffung ist nur in der Gruppe möglich, dauert eine ganze Weile, liefert dann aber auch eine Charakterkonstellation, die für viele Sitzungen Stoff bietet. Die relativ hoch angesetzte empfohlene Spielerzahl ergibt sich in meinen Augen vermutlich allein daraus, dass das soziale Netzwerk, in dem sich die Spielercharaktere befinden bei höherer Charakterzahl interessanter ist. Ob daraus auch Nachteile entstehen (längere Pausen für den einzelnen Spieler beispielsweise) weiß ich nicht. Mit fünf Spielern haben wir in unserer Runde jedenfalls schon ein ganz gehöriges Beziehungskuddelmuddel erzeugt, dass ich absolut ausreichend finde.

Spielablauf: Der Spielabend heißt Episode und ist in verschiedene Szenen unterteilt, die von den Spielern in Rotation geplant und gemeinsam ausgespielt werden. Fast immer, wenn irgendjemand etwas erzählt, was anderen missfallen könnte, gibt es die Möglichkeit zur Anfechtung, was über Dramapunkte funktioniert.

Szenen sind entweder dramatisch (es geht darum, dass die Charaktere durch die anderen Charaktere der Erfüllung ihrer emotionalen Bedürfnisse näher kommen) oder prozedural (hier geht es darum, dass die Charaktere andere, äußere Ziele verfolgen).

Bei den dramatischen Szenen werden Dramapunkte vergeben und eingesetzt. Mit ihnen kann man seine eigenen Wünsche verfolgen oder auch andere von der Erfüllung ihrer Wünsche abbringen. Das Spiel beinhaltet eine Dramapunkteökonomie. Wer oft zurückstecken musste, hat in der Regel ein paar Dramapunkte gesammelt, mit denen er sich zum Ausgleich in Zukunft ein paar Wünsche erfüllen kann.

Die prozeduralen Szenen sind nicht gerade der Kern des Spiels. Trotzdem finden sich für diese Szenen im Grundregelwerk ein Basissystem und im Hillfolk-Companion "Blood on the snow" ein "advanced procedural system". Beide Systeme lesen sich vielleicht ein bisschen sperrig, wenn man sich aber die Beispiele dazu anschaut, wird man schnell erkennen, dass es sich um sehr allgemeine Mechanismen zur Konfliktlösung handelt, die auf eine einzige Entscheidung pro Szene hinauslaufen, trotzdem aber Hilfestellungen dafür bieten, derartige Entscheidungen detailliert und spannend auszuschmücken. Nach zwei oder drei Anwendungen ist kein Nachschlagen mehr erforderlich. Im "advanced procedural system" sind die Fertigkeiten der Charaktere sinnvoll in das System eingebunden, im Basissystem ist das vernachlässigt. Ich empfehle daher die Regeln aus "Blood on the snow" (die auch nicht komplizierter als das Basissystem sind). Auch in den prozeduralen Szenen ist für ein ökonomisches Gleichgewicht gesorgt. Es gibt prozedurale Tokens verschiedener Güte, die dazu führen, dass jeder Spieler abwechselnd mit mehr oder weniger guten Voraussetzungen in Konfliktresolutionen startet.

Am Schluss eines Spieleabends werden die beiden dramatischsten Spieler des Abends ermittelt, die einen Bennie bekommen, mit dem sie beim nächsten Mal einen kleinen Vorteil erkaufen können.

Hillfolk spielt sich freeformig. Es gibt zwar einen Spielleiter, der aber im Wesentlichen das Setting vorstellt, das Spiel organisiert, hin und wieder mal eine Szene ausruft und Nichtspielercharaktere führt. An einigen Entscheidungen ist er wie die Spieler auch beteiligt. Wichtig ist: der Spielleiter plottet nicht. Das Abenteuer ergibt sich aus der Erzählung der Spieler. Der Spielleiter hat außerdem kein Monopol auf das Beschreiben von Örtlichkeiten oder das Einführen neuer Nichtspielercharaktere. Hillfolk enthält ziemlich starkes Player Empowerment und wenn ein Spielleiter als gleichberechtiger Partner ins Geschehen eingreifen will, muss er sich gut über seine Möglichkeiten im Klaren sein (und eine wohlmeinende Runde ist außerdem von Vorteil).

Durch die dramatische Ausgangssituation und das Hin und Her in den Dramaszenen dürften die Rivalitäten innerhalb einer Spielergruppe bei Hillfolk größer sein als üblich. Dadurch, dass zu jedem unerfüllten Wunsch eines Charakters ein Mitspieler eine Begründung dafür entwirft, warum der Wunsch nicht (sofort) erfüllt werden kann, entsteht ein starkes Spannungsgeflecht, das das Drama in Gang bringt. Es sorgt aber glücklicherweise gleichzeitig dafür, dass ein Charakter nie ins Abseits gerät.

Nach ein paar Spieltipps folgen im Grundregelwerk dann noch 30 Settingskizzen (...und in "Blood on the snow" finden sich weitere 33). Aufgrund der freeformigen Regeln ist Hillfolk wie Fiasco universell verwendbar. Dass es sich bei den Settings nur um Skizzen handelt, ist aufgrund des offenen Ansatzes völlig einleuchtend. In Hillfolk ist es kaum anders denkbar, als dass sich das Setting erst während des Spiels allmählich ausdifferenziert. Ich muss allerdings gestehen, dass mich relativ viele der Settingskizzen kalt gelassen haben. Auf der anderen Seite bietet der skizzenhafte Ansatz einen tollen Anreiz für eigens gestaltete Hintergründe. Immer dann, wenn ich einen Einfall für ein Spiel habe, das keinem festgeschriebenen Plot folgt und offen für eine Menge Spielerinput ist, denke ich inzwischen an Hillfolk.

Alles in allem: Hillfolk lohnt sich. Die anfangs erwähnte Kritik hat sich in meinen Augen in den allermeisten Punkten nicht bestätigt (das schlechte Layout allerdings ist eine Schande). Das Spiel braucht allerdings eine Gruppe, die bereit ist (ein nicht allzu hartes) PvP auf Kampagnenbasis zu betreiben und ohne Plot und festgeschriebene Probenmechanismen frei zu erzählen. Solche Runden können mit Hillfolk wirklich so etwas wie "Advanced Fiasco" im Kampagnenmodus erleben, was ich prinzipiell eine tolle Sache finde. Die wenigen Abstriche sind angesichts dieser Aussichten in meinen Augen nicht der Rede wert. Daher vergebe ich guten Gewissens 5 Punkte.

(Wenn ich ein bisschen Zeit habe, werde ich mich vielleicht mal an einen Hillfolk-Hack setzen, der mit rotierendem Spielleiter funktioniert. Das könnte in meinen Augen noch eine Verbesserung des Spiels darstellen).
« Letzte Änderung: 30.12.2017 | 00:58 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)

Ucalegon

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Re: Hillfolk / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #2 am: 29.12.2017 | 13:59 »
Schöne Rezi!

Ich habe ebenfalls 5 Punkte vergeben. Ich habe mit Hillfolk zwei herausragende Con-Runden gespielt, d.h. den Kampagnenmodus, für den das Spiel gemacht ist, kenne ich noch nicht.

Die beiden großen Pluspunkte waren für mich das dramatische Setup, das in der Praxis eine spannende Dialogszene nach der anderen erzeugt hat sowie die tollen series pitches im Band. Die token-Ökonomie sorgt, selbst wenn man wenig tokens ausgibt dafür, dass alle immer den Blick auf die Bedürfnisse und den emotionalen status quo ihrer Figuren gerichtet haben. Ich vermute, dass die in einer Kampagne noch besser funktioniert, wenn sich die Leute ein bisschen mehr daran gewöhnen.

Schwierig finde ich, dass die SL so an den Rand gedrängt ist, dass ich mich frage, ob es nicht besser gewesen wäre, sie mit einer eigenen Hauptfigur mitspielen zu lassen.

Die lasche Präsentation von Buch und Setting wird für mich durch die farbigen series pitches (von tollen Leuten geschrieben) mehr als wettgemacht. Die machen sofort Lust aufs Spielen.
« Letzte Änderung: 29.12.2017 | 14:02 von Ucalegon »

Offline Ginster

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Re: Hillfolk / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #3 am: 4.01.2018 | 10:43 »
Vielen Dank für die schöne Rezension auch von mir. Hillfolk habe ich bereits mehrmals angefangen und immer wieder weggelegt. Schreibstil, Layout, Gliederung haben es mir sehr schwer gemacht. Jetzt bin ich motiviert, bei Gelegenheit mal einen neuen Anlauf zu wagen.  :d

Offline Chiarina

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Re: Hillfolk / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #4 am: 25.05.2018 | 13:17 »
Kleiner Nachtrag an dieser Stelle. Wie unter Spielberichte nachzulesen ist, haben wir unsere Kampagne nach 5 Sitzungen beendet.
Ich konnte zwei mögliche Probleme ausmachen:
1. Nicht jeder Spieler hat Lust darauf, schon zu Beginn einer Szene darüber nachzudenken, ob das, was da jetzt geschieht, dramatisch oder prozedural sein wird. In den Regeln wird darauf Rücksicht genommen, indem auch schleichende Einstiege oder vorbereitende Szenen erwähnt werden. Man kann dem System also keinen Vorwurf machen. In unserer Gruppe empfanden zwei Spieler diese Einteilung allerdings als so gewollt, dass sie eigentlich lieber einfach frei fließende Szenen hintereinander weg gespielt hätten. Wir haben das ausprobiert, aber genau in dem Moment ist unsere Kampagne krepiert. Problem 1 ist also: Wenn eine Gruppe die Unterscheidung in dramatische Szenen und prozedurale Szenen ganz aus den Augen verliert, funktioniert das System nicht mehr.
2. Für den Untergang unserer Kampagne war noch ein weiteres Problem zuständig: Wir hatten am Ende eine prozedurale Szene nach der anderen und kaum noch Drama. Es hat eine Weile gedauert, bis wir begriffen haben, woran das lag: Es lag daran, dass einige der Dramaquellen, die für die Charaktere bei der Erschaffung festgelegt werden, einfach versiegt sind. Da waren dann irgendwann auch mal Ziele erreicht und das Dramapotential sank. Die Regeln haben keine richtige Antwort auf dieses Problem. Ich sage: Wenn es darum geht, bei der Charaktererschaffung Dramapotential zu verankern, dann sollten es "ewige Probleme" (z. B. "Minderwertigkeitskomplex bewältigen") oder zumindest Probleme, die nur sehr, sehr schwer zu lösen sind, sein.

Immer noch ein tolles System. Nach ausgiebiger Prüfung und einiger erkannter Schwachstellen möchte ich inzwischen allerdings auf 4 Punkte reduzieren.
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)