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Autor Thema: Erzählt mir von Glorantha  (Gelesen 983 mal)

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Offline felixs

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #25 am: 9.10.2018 | 16:19 »
Das würde ich dann nicht als "Atheismus" bezeichnen. Ich verstehe die Mostali und die Malkonier (vielleicht sind die identisch mit den von Dir angesprochenen Menschen) ebenfalls so: Sie hängen einem Weltbild an, welches die Welt als verstehbaren (und manipulierbaren) Mechanismus erklärt. Götter haben sie aber trotzdem. Bei den Zwergen ist es noch etwas komplexer, weil sie ja tatsächlich nicht an ein Leben nach dem Tod glauben (was eins der sinnvollsten Kriterien für Religion sein dürfte).

Der Mond ist aber doch - meine ich - mit der Roten Göttin neu entstanden. Das wird auch von den meisten Kulturen so anerkannt.

Egal wie Glorantha genau funktioniert, es wäre sehr schön, eine Erklärung - quasi aus "Spielleiterperspektive" - zu haben. Von dort aus könnte man dann den Rest leichter ordnen.

Das 13th-Age-Buch für Glorantha kenne ich nicht. Hört sich aber gut an.
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Offline Scimi

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #26 am: 9.10.2018 | 16:31 »
Wie gesagt, bin gerade beim Einlesen, vielleicht habe ich in ein paar Wochen andere Erkenntnisse? Mich hat Glorantha schon seit Jahren fasziniert, aber bisher hat mich das Regelsystem immer davon abgeschreckt, mir die Spiele näher anzusehen.

Ich verstehe den Wunsch nach einer "neutralen" Perspektive, aber inzwischen hat mir sowas zu viele Settings kaputtgemacht und ich schätze es inzwischen mehr, wenn manche Sachen absichtlich im Vagen gelassen werden. Meiner Meinung nach stört eine explizite Erklärung eine magische Atmosphäre. Denn es ist ja nicht so, dass das nie rauskommt, dass Spieler das nicht irgendwann im Hinterkopf haben und dann bei einer abweichenden Beschreibung kognitive Dissonanz anstelle von Sense of Wonder entsteht.

Offline felixs

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #27 am: 9.10.2018 | 16:36 »
Ich verstehe den Wunsch nach einer "neutralen" Perspektive, aber inzwischen hat mir sowas zu viele Settings kaputtgemacht und ich schätze es inzwischen mehr, wenn manche Sachen absichtlich im Vagen gelassen werden. Meiner Meinung nach stört eine explizite Erklärung eine magische Atmosphäre. Denn es ist ja nicht so, dass das nie rauskommt, dass Spieler das nicht irgendwann im Hinterkopf haben und dann bei einer abweichenden Beschreibung kognitive Dissonanz anstelle von Sense of Wonder entsteht.

Ja, ist schwierig.
Zuviel Erklärung kann stören. Zu geringe Dichte auch.
Bei Numenera z.B. ist das - finde ich - alles viel zu vage.

Grundsätzlich kann es auch so funktionieren, wie bei Glorantha. Aber eine Anleitung dazu, wie das alles gedacht ist und wie man sich anhand des Materials orientieren könnte, wäre trotzdem nützlich. Und vor allem wäre es schon sehr relevant, wie real die Götter nun sind und wie sehr und in welcher Form sie sich einmischen. Ohne diese Dinge finde ich das schwer spielbar.

Ich fand das alte Runequest vom Regelsystem her eigentlich gut, weiß aber nicht, ob das wirklich für Glorantha passt. Bzw. was nun eigentlich der Glorantha-Stil ist. Es gibt da einige Dissonanzen zwischen Runequest-Regeln und der Spielweltbeschreibung. Herowars dagegen verstehe ich kaum. Abgesehen davon, dass die Übersetzung grauenhaft ist, verstehe ich wirklich nicht recht, was das Regelwerk mir eigentlich erklären will. Ein bißchen wie Fate....
Sollte mir 13th-Age-Glorantha mal anschauen.
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Offline Scimi

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #28 am: 9.10.2018 | 16:49 »
Ist halt die Frage, ob die Welt überhaupt so gebaut wurde. Es gibt ja genug Settings, die mit einzelnen Details und Ideen anfangen und wo die größeren Zusammenhänge erst mit der Zeit implizit zum Vorschein kommen.

Und im Spielalltag ist es dann auch oft egal, weil die Charaktere das Wissen um große Zusammenhänge nicht unbedingt haben und wir normalerweise davon ausgehen können, dass die meisten Dinge funktionieren, wie wir es kennen (Dinge fallen nach unten, morgens geht die Sonne auf, Feuer ist heiß etc.). Und es ist ja nicht so, dass irgendwo die Rollenspielpolizei kommt und einen mitnimmt, wenn man sich nicht exakt an Dinge hält, ob vorgegeben oder nicht.

Die bisherigen Regelsysteme hatten mir einfach zuviel unnötigen Kram, der für meinen Geschmack mehr Verwaltung als Spiel generiert. 13th Age kenne und schätze ich schon, allerdings geht das Spiel nicht davon aus, dass man damit normale Leute in Glorantha spielt, sondern herausragende Helden, die bereits klar auf dem Weg zu einer eigenen Legende sind und ein normales Leben längst hinter sich gelassen haben. Das passt auch besser zum D&D-mäßigen Powerlevel…

Offline felixs

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #29 am: 9.10.2018 | 17:45 »
13th Age kenne und schätze ich schon, allerdings geht das Spiel nicht davon aus, dass man damit normale Leute in Glorantha spielt, sondern herausragende Helden, die bereits klar auf dem Weg zu einer eigenen Legende sind und ein normales Leben längst hinter sich gelassen haben. Das passt auch besser zum D&D-mäßigen Powerlevel…

Herowars hat auch ein eher hohes Machtniveau. Ich bin nicht sicher, ob ich das mag.
Runequest hat ein eher niedriges Machtniveau, bzw. relativ zerbrechliche Spielerfiguren. Da bin ich dann wiederum nicht sicher, ob das zu Glorantha passt.
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Offline +12vsMentalDamage

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #30 am: 9.10.2018 | 21:43 »
Bin auch ein völliger Glorantha-Neuling und kenne nur das, was in 13G steht sowie in dem alten HeroWars-Buch. Auf das Glorantha Sourcebook warte ich noch gespannt.
Mir hat zum Verständnis folgendes Review gut geholfen: http://andrewloganmontgomery.blogspot.com/2018/03/13th-age-glorantha-review.html. Vor allem folgender Part:
Zitat
Glorantha is not a world like our Earth with a little magic thrown in.  It is flat, stretching under a sky dome.  The sun literally emerges from the gates of the underworld in the east, travels across heaven, and then descends through the gates of the west at night.  The realm of the dead lies beneath your feet; great heroes can actually escape the underworld and return to the lands of the living. 
Glorantha is defined by her magic, but this is deceptive if you are thinking of other fantasy worlds.  The world, and everything in it, is composed of the Runes.  These are to Glorantha what the periodic table is to chemistry, or phonemes are to language.  Darkness, Water, Earth, Plant, Harmony, Death...these are the essences, the building blocks of existence.  "Magic" in Glorantha is how your character relates to the Runes.  It is often defined by culture.  Shamans see the Runes as living spirits, negotiating and bargaining with them.  Sorcerers see them as impersonal forces of nature to be tapped into and directed.  Theists see them as gods, mighty beings whose deeds in the mythic prehistory of the world shaped it.  By sacrifice, the worshipper becomes one with them. 
A shaman would tell you that rivers run to the sea because the river spirits are mediators between the spirits of the land and the spirits of the deep.  A sorcerer would tell you it is the nature of the Water Rune to always seek the lowest level.  A theist might tell you that during the War of the Gods, when the Devil shattered the Spike (the primordial cosmic mountain that was home to the first gods), the Ocean rushed in to fill the hole left in the center of the world, and called his daughters, the rivers, to rush to help fill it. Drawing on mythologists like Mircea Eliade and exponents of perennial philosophy like René Guénon or Seyyed Hossein Nasr, Greg Stafford would tell us that in Glorantha...all these stories are true.  "Truth" is something outside the walls of time and space that bind the mortal races of Glorantha.


Ich dachte, die Götter existieren tatsächlich, bzw. können tatsächlich anthromorph in Erscheinung treten.
Der Unterschied wäre meinem Verständnis nach dann, dass die Sonne wirklich Yelm ist und der Mond wirklich die Rote Göttin ist.
Aber vielleicht habe ich das auch missverstanden.

Sehr hilfreich wäre eine Erklärung der Art:
Gibt es aber nicht, oder?

Ich habe das so verstanden, dass die Götter in jedem Fall existieren und zwar unabhängig von ihrer Anbetung. Sie sind Geschöpfe, die deswegen Götter sind, da sie Runen (als Bausteine der Welt) entweder symbolisieren oder sie eben geradezu besitzen (z.B. Humakt und die Tod-Rune; wobei dies nicht heißt, er ist der einzige Gott der die Tod-Rune symbolisiert/nutzen/anzapfen kann, siehe Zorak Zoran). Zumal alle Götter ja auch die Unendlichkeits-Rune "besitzen" oder einen Teil dieser mächtigen Rune anzapfen können, so dass sie in gewissem Maße unsterblich sind (aber eben immer zerstörbar). In diesem Sinne ist die Rote Göttin auch gleich der Mond und entsprechend wird der Mond von allen angesehen: Z.B. Orlanthi, die gegen das Lunare Imperium kämpfen, werden diesen also als hassenswertes Symbol ihrer Besatzung ansehen.

Die "wirkliche Wirklichkeit" wäre demnach von den Menschen und allen sterblichen Völkern - und vielleicht von den Göttern -  gar nicht zu sehen. Wenn Orlanth vor seinen Anhängern auftreten würde, dann sähen alle die gleiche Gottheit, nur würde später jeder etwas anderes betonen, da er den Aspekt von Orlanth, den er (besonders) anbetet, besonders beachtet hat. In diesem Aspekte finde ich Glorantha eigentlich sehr einfach verständlich: nichts geschieht aus physikalischen Gesetzen etc. heraus, sondern alles aus dem Zusammenspiel der Runen bzw. ihrer Nutzung und den Handlungen der Götter und Menschen heraus. Berge sind keine durch tektonische Kräfte nach oben gestülpte Erdmassen, sondern die Körper gefallener Gottheiten und die Edelmetalle entstammen genaus diesen. Letztlich sind alle Wahrheiten wahr, da sie für die Menschen und die anderen Völker auch immer konkrete Folgen haben. Ein Humakti, der davon ausgeht, dass sein Gott die Tod-Rune symbolisiert, wird erkennen müssen, dass auch ein Zorak Zorani-Berserker durch dessen Gott einen Teil der Macht der Tod-Rune nutzen kann.

Aber wie gesagt, auch ich bin ein völliger Neuling und es kann auch sein, dass ich auf dem Holzweg bin.

Offline ErzdrakonMomo

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #31 am: 12.10.2018 | 20:29 »
Eine gute Einführung in die Götter und Kulte Gloranthas - und damit auch in die wichtigsten Aspekte der Welt - bietet die alte Box "Glorantha - Die Götter". Bekommt man häufiger günstig zu kaufen. Hat den großen Vorteil, sehr gut ins Deutsche übersetzt zu sein.

Hat mich neugierig gemacht - deshalb gleich mal auf ebay im Paket zusammen mit dem alten Regelbuch erworben. Brauch sowieso mehr Rollenspiel-Lesefutter, liegen bei mir derzeit höher im Kurs als Romane... selbst wenn ich die nicht spielen sollte.

Offline felixs

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #32 am: 12.10.2018 | 23:16 »
Hat mich neugierig gemacht - deshalb gleich mal auf ebay im Paket zusammen mit dem alten Regelbuch erworben. Brauch sowieso mehr Rollenspiel-Lesefutter, liegen bei mir derzeit höher im Kurs als Romane... selbst wenn ich die nicht spielen sollte.

Denke, Du wirst es nicht bereuen. Ist für diesen Zweck eine der schönsten älteren deutschen Rollenspiel-Publikationen.
Erzähl doch mal, wie Du es findest, wenn Du reingeschaut hast.
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Offline ErzdrakonMomo

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #33 am: 13.10.2018 | 01:47 »
Naja - ich muss ja irgendwann mal meine RuneQuest-Wissenslücke schließen. Und falls ich da dann doch mal zum Spielen komme und mir das (möglicherweise) etwas altbackene Regelwerk nicht so ganz zusagt, habe ich ja noch Mythras als (etwas modernere) BRP-Variante im Regal, die sich sicher anpassen lässt.  ;)

Offline D. Athair

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Re: Erzählt mir von Glorantha
« Antwort #34 am: 14.10.2018 | 15:22 »
Egal wie Glorantha genau funktioniert, es wäre sehr schön, eine Erklärung - quasi aus "Spielleiterperspektive" - zu haben. Von dort aus könnte man dann den Rest leichter ordnen.

Es gibt mehrere Wahrheiten, die nebeneinander existieren, die sich gegenseitig ausschließen und die jeweils trotzdem wahr sind. Das ist mMn eine ganz zentrale SL-Perspektive und die mMn auch mit dem schamanischen Weltbild jede Menge zu tun hat.

[Ein Schamane ist ja auch z.B. zugleich Heiler und Scharlatan. Schauspieler und "Magier". Wann er was ist und wie das eine das andere konkret positiv oder negativ beeinflusst, kann man nicht einfach so bestimmen. Man kann nur sagen, dass beides miteinander verbunden ist und dass beides irgendwie nötig ist.]

Kurz: Zentral für Glorantha ist - meinen wenigen Eindrücken nach, dass es existenzielle Paradoxien aushält und in ein größeres Ganzes integriert. (Insofern ist Heisenberg vielleicht nicht der schlechteste Vergleich.)
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