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Autor Thema: [SoA 2. Akt] Königsallee  (Gelesen 574 mal)

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Offline Der Läuterer

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[SoA 2. Akt] Königsallee
« am: 11.10.2018 | 21:43 »
Sonntag, 18. Sept. 1927

Königsallee 133a

https://abload.de/img/1k9tc.jpg
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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #1 am: 11.10.2018 | 22:38 »
Das Bauwerk ist hoch-herrschaftlich. Pompös. Einem russischen Emigranten wenig angemessen.

Das Gelände ist von einem hohen Metallzaun umgeben. Ein Wagen parkt hinter dem Zaun, neben dem Haus.

Zwei Männer stehen neben dem Eingang und beobachten die Strasse.
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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #2 am: 12.10.2018 | 20:17 »
Das Gebäude ist palastartig und zeigt den Jugendstil in seiner ganzen Pracht.

Unglaublich schön, bildnerisch kunstfertig und ungewöhnlich reich geschmückt. Alles an dem Gebäude ist geschmackvoll und hochwertig.

https://abload.de/img/4d8n5.jpg

Die Wandflächen zwischen den Fenstern an der langgestreckten Front sind mit Reliefs geschmückt, von denen zwei das Leben und den Tod durch schlanke Frauengestalten symbolisieren. Die Darstellungen zwischen ihnen schildern in antikisierender Auffassung Krieg und Sieg.
« Letzte Änderung: 13.10.2018 | 14:44 von Der Läuterer »
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Offline Joran

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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #3 am: 16.10.2018 | 21:46 »
KÖNIGSALLEE 133a

In der Königsallee reihen sich die Villen der Schönen und Reichen Berlins aneinander. Dennoch verschlägt es mir den Atem, als das Gebäude in Sicht kommt, das die im Adressbuch benannte Anschrift bezeichnet. Das steinerne Monument ist mehr ein Palais als eine Villa. Prunkvolle Reliefe und Friese zieren derartig großzügig das Bauwerk, dass sein Bauherr entweder ein besessener Kunstfreund war oder seinen Reichtum überdeutlich zur Schau stellen wollte. Ein Neureicher vielleicht? Das von Jugendstil geprägte Gebäude kann noch nicht sehr alt gewesen sein, als Krassimir es erworben hat.

Wie erschreckend groß ist die Diskrepanz zwischen der heruntergekommenen Villa der von Eisensteins und dem Palais, in dem der russische Emigrant Krassimir Nebolowski bis zu seiner Einweisung in eine Irrenanstalt residiert zu haben scheint! Ich kann es kaum glauben und vergewissere mich mehrmals, die richtige Hausnummer erwischt zu haben. Aber daran gibt es nichts zu rütteln: Ich stehe vor der Königsallee 133a … "Wie kann Krassimir aus den vergleichsweise ärmlich lebenden von Eisensteins nur eine solch gewaltige Summe herausgepresst haben, die ihm den Erwerb dieses Prunkbaus ermöglicht hat? Wie schlimm kann das Eingeständnis eines kleinen Fehltritts mit so einem jungen Flittchen schon sein? ... Und überhaupt: Ich hätte das Problem für den Professor weitaus billiger aus der Welt schaffen können … und Männer wie mich gibt es wie Sand am Meer. Ich kenne genug Engelmacherinnen, die für eine vergleichsweise bescheidene Summe den Stein des Anstoßes (auch gegen den Willen des Mädchens) aus der Welt geschafft hätten, noch bevor er das Licht der selben überhaupt erblickt hätte."

Eine Weile kann ich den Blick nicht von den wunderbaren Darstellungen abwenden und mir mag der Mund offen gestanden haben. Als ich auf einer den Krieg glorifizierenden Darstellung die Abbilder Otto von Bismarcks und Generalfeldmarschals Helmuth von Moltkes erblicke, bin ich versucht, auszuspucken. Ihr Erbe war viel mehr noch als der Sieg 70/71 die erniedrigende Niederlage im Großen Krieg, in dem sich die Franzosen für diesen Sieg revanchierten! "Wieviel Blut und Leid klebte an Euren Händen? Da war NICHTS glorreiches an dem Großen Gemetzel! Da gibt es nichts, wofür ein gerechter Gott Euch in den Himmel lassen würde!"

Die Darstellungen der Frauen hingegen finden meine Bewunderung. Die fließenden Formen, mit denen die Steinmetze Reinheit und Schönheit eingefangen haben, fesseln mich. Ich spüre in mir den Drang, die Darstellungen zu berühren, mit den Händen über die Gewänder zu streichen ... in Kontakt mit einer idealen Welt jenseits dieses Fensters aus Stein zu treten ... Aber stattdessen spüre ich nur die Kälte der schmiedeeisernen Streben vor mir.

"Wenn ich raten darf, handelt es sich bei dem Motiv mit Bismarck und Moltke um einen konkreten Auftrag des Bauherrn, während bei den Darstellungen der Frauen die Künstler freie Hand hatten", beschieße ich.

Ich reiße mich von dem Anblick los, um nicht übermäßig die Aufmerksamkeit dieser beiden Kerle am Hauseingang zu erregen. Wie zuvor schlendere ich die Straße weiter entlang, suche nach Möglichkeiten, in die Villa - bevorzugt nachts - einzusteigen und versuche einzuschätzen, ob es sich bei den beiden Männern um Polizisten handeln könnte, die auf eine mögliche Rückkehr Krassimirs warten, um ihn 'hopp zu nehmen'.

Neugierig versuche ich auch das Model des Fahrzeugs und die Ziffernfolge auf dem Kennzeichen hinter dem zu erwartenden "I A" für Berlin zu erspähen.
« Letzte Änderung: 16.10.2018 | 22:15 von Joran »
Anton Hempel
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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #4 am: 29.10.2018 | 20:20 »
Der abgestellte Wagen ist ein schwarzer Mercedes-Benz W 02 mit dem Kennzeichen RW 323.
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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #5 am: 14.11.2018 | 21:30 »
KÖNIGSALLEE 133a

Ich pfeife leise durch die Zähne, als ich den Wagen betrachte. Der Mercedes-Benz W 02 wurde im vergangenen Oktober auf der Berliner Automobil-Ausstellung erstmals vorgestellt und von Ferdinand Porsche konstruiert. Ich habe darüber in der Zeitung gelesen und erinnere mich noch an das Foto. "Der Wagen gehört zwar nicht zur Oberklasse, ist aber brandneu und ein echtes Schmuckstück. Gerade der hohe Preis des Wagens wird in Fachkreisen kritisiert. An Geld scheint es also auch aktuell hier nicht zu mangeln! Von diesem neuen Wagen fahren selbst in Berlin noch nicht viele Exemplare herum. Das ist doch schon mal was und gibt mir einen Ansatzpunkt. Krassimir persönlich kann den Wagen nicht erworben haben, da er sich bereits in der Anstalt befand, bevor das Automobil auf den Markt kam", schlussfolgere ich verwundert. "Fragt sich, wer den Wagen angeschafft hat und wer mittlerweile in diesem Haus lebt. Oder gehört der Wagen etwa garnicht zum Haus, obwohl er auf dem Grundstück und nicht an der Straße geparkt ist?"

Derweil frage ich mich, ob es sich bei den beiden Männern wohl um Polizisten handelt. Das erscheint mir am wahrscheinlichsten. Warum sollte Krassimir sich private Wachleute leisten, zumal er seit Jahren in der Anstalt lebt? Kurzentschlossen entscheide ich mich für die Flucht nach vorn, denn im Augenblick sieht es nicht so aus, als würde es mir hier in absehbarer Zeit gelingen, heimlich einzudrigen, um ein paar Informationen ... oder sonstiges ... zu sammeln. Jedenfalls waren die beiden nicht in der Sternwarte, vergewissere ich mich.

"Hmmm, ein Mercedes-Benz W 02", sage ich mit deutlich vorgetragener Begeisterung zu mir selbst, so dass es auch die beiden Männer am Eingang hören können. Nach einer Weile schlendere ich weiter in deren Richtung, wobei ich die Beine nur ganz leicht unterschiedlich belaste, als würde ich ein klein wenig hinken. Als ich die Männer erreiche, tippe ich mit zwei Fingern an meine Mütze und grüße höflich. "'n verdammt schönen Wajen haben Se da! Ick bin Kraftfahrer von Beruf ... aber ick liebe Automobile seit ick 'n kleener Dötz war. Davon konnt ick nie nich lassen, ooch nich im Kriech ... Ob Se mir wohl jestatten würd'n, 'n jenaueren Blick auf'n Mercedes zu werfen? Dat wär 'ne Wucht! Da würden's mir 'ne Freude machen!"

Ich versuche die Männer einzuschätzen. Ich achte auf die Qualität und Abnutzung ihrer Kleidung. Ich reiche ihnen meine Pranke und versuche einzuschätzen, ob deren Hände an harte Arbeit gewohnt sind oder eher an Federhalter. "August Pawerke, wenn's beliebt", stelle ich mich den beiden vor, wobei mich der Gedanke, dass Augusts Gebeine tatsächlich zur gleichen Zeit die französischen Würmer benagen, erheitert.
« Letzte Änderung: 15.11.2018 | 10:54 von Joran »
Anton Hempel
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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #6 am: 15.11.2018 | 14:13 »
Anton

Die beiden Männer unterhalten sich, während sie rauchen. Beide tragen lange, braune Ledermäntel.

Vor ihnen liegen einige Zigaretten-Stummel auf dem Boden.

"... hier noch warten müssen?"
"Weiss nüsch. Dauert manchmal länger."

"Haste noch wat zum Rochen."
"Na klar. Biste schon länger bei die Truppe?"

Als Du in den Wagen linst, fällt Dir auf dem Beifahrersitz eine graue Feldschirmmütze auf.

"He! Du da. Mach Dich von Acker. Hier jibts nüscht zu kieken."
"Und Zigaretten geschnorrt würd nüsch."
« Letzte Änderung: 15.11.2018 | 14:14 von Der Läuterer »
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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #7 am: 22.11.2018 | 19:09 »
"Nu mach nich so’n Jewese, Kamerad!1 Behalt deene Qualmtüten un' Sechser2 ma schön für dich! Schnorren is nich meene Art! ... Is ja nich so, als wollt ick jleich mal durch de Jejend jurken. Nur kiek'n wollt ick! ... Jeht man so mit eenem um, der wo für Kaiser und Vaterland jedient un' seene Jesundheit uff'n Feld jelassen hat? Mahn, mahn, dit is ‘n dicker Hund! Und dit von 'nem Kadetten, der wo noch jungsch is ... 'n rechter Hosenmatz! ... Dachte ihr würdet eene Fuffzehn machen.3 Wollt' Euch nich von was wicht'jem abhalten. Jott bewahre!"

Ich schüttle verständnislos den Kopf und schicke mich an, weiterzugehen.

"Also ehrlich! Machen die in Zivil eenen uf Graf Kacke4! Dit macht Lunte!5 Dit hab ick jern!"

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
« Letzte Änderung: 25.11.2018 | 13:02 von Joran »
Anton Hempel
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Re: [SoA 2. Akt] Königsallee
« Antwort #8 am: 4.12.2018 | 14:08 »
Du schlenderst am Automobil entlang, während Du versuchst die beiden Wartenden in ein belangloses Gespräch zu verwickeln.

Dabei wirfst Du scheinbar interessierte Blicke auf den Wagen, taxierst währenddessen aber die zwei sehr genau und hältst Augen und Ohren für die Vorgänge im Haus offen.

An einem Fenster im Stockwerk über Dir steht eine schöne, junge Frau am Fenster, die in die Ferne schaut, dann aber von einer anderen Person im Zimmer vom Fenster zurückgezogen wird.

Du hörst zwei Männerstimmen im Eingangsbereich.
"Aber, hören Sie doch..."
"Nein!"
"So bleiben Sie doch bitte. Das in der Warte war..."
"Ein Fehler. Ja, da haben Sie Recht. Der letzte Fehler. Keinerlei Ausflüchte mehr!"
"Ich beschwöre Sie, Ihre Leute werden..."
"... sich der Sache annehmen? Gottverdammt, ja. Das werden sie tun."
"Bitte. Sie werden alles nur noch weiter verschlimmern."
"Nein!"
"Ich bitte Sie."
"Nein! Ich will Resultate! Zu viel ist bereits nach aussen gedrungen. Das Ganze ist Ihnen doch längst völlig aus der Hand geglitten!"
"Aber... Wir können die Situation noch retten."
"SIE können gar nichts, wie sich gezeigt hat. Ausser leere Versprechungen machen."

Dann wird abrupt die Tür aufgerissen. Ein Mann in schlichter Militäruniform tritt heraus.
"Ab jetzt übernehmen wir! Verstanden?"

Als er Dich sieht. "Was? Ist das denn für ein Kerl?"
"Was ist hier los?"
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