Autor Thema: Schwierigkeiten bei der Charakterdarstellung  (Gelesen 1868 mal)

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Offline Ginster

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Re: Es geht nicht
« Antwort #25 am: 1.08.2019 | 09:35 »
(die übrigens unfair konstruiert sind: in vier Fällen "spielt" der SL ein Ergebnis aus, in einem wird der SC gefragt? Sowieso schon komisch ^^)

Nein, das ist genau der Punkt hier. Die Kernkompetenz des Barden kann man am Tisch, im Gegensatz zu vielen anderen Fertigkeiten, theoretisch ausspielen. Deshalb wird das auch eher verlangt als woanders. Das Beispiel war also ganz bewusst gewählt.

Ich störe mich halt am "spiel halt was anderes oder lern's halt".

Offline Ginster

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Re: Es geht nicht
« Antwort #26 am: 1.08.2019 | 09:37 »
In deinen Beispielen überschreitet der SL überall die Grenze.
Es ist die Figur des Spielers, nicht seine.
Deshalb sagt der SL dem Spieler idR. eben nicht, was seine Figur tut.

Das war ein stark verkürztes Beispiel, wie mit Handlungen bzw. Ergebnissen umgegangen wird. Das der Spieler dies vorher angekündigt hat, ist ja klar.

Offline First Orko

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Re: Es geht nicht
« Antwort #27 am: 1.08.2019 | 09:43 »
Ich störe mich halt am "spiel halt was anderes oder lern's halt".

Naja nu. "Ich kann es nicht, möchte es aber" - "brauchste aber nicht" hilft dem TE aber auch nicht  ;)
Im Übrigen schrieb ich nur, welche Möglichkeiten ICH sehe. Das sind ja nicht alle, die es gibt! Und eine davon ist ja "Konzept anpassen"- auch zu lesen als: Der Barde ist genauso, wie ich ihn spiele. Auch lesbar als "genauso wenig/doll ausgespielt, wie die anderen Charaktere"   ^-^

Deshalb wird das auch eher verlangt als woanders.

Wie ich in meinem anderen Beitrag ergänzt habe: DAS ist nicht gemeint! Keine Charakterklasse bringt eine höhere Verpflichtung der Darstellung mit sich - das kann immer nur (abgesprochener) Anspruch der Gruppe oder des Spielers an sich selbst sein.
It's repetitive.
And redundant.

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Offline korknadel

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Re: Es geht nicht
« Antwort #28 am: 1.08.2019 | 09:44 »
Ich würde mir an Deiner Stelle erst mal den Druck nehmen, spritzige Antworten parat haben zu müssen, wenn Du jemand spielen willst, der mit spritzigen Sprüchen um sich wirft. Ich würde erst mal anfangen, das erzählerisch abzuhandeln. Es muss Dir gerade nicht unbedingt eine geistreiche Beleidigung einfallen, sondern Du sagst der SL und der Gruppe einfach "Ich werfe dem Baron eine geistreiche Beleidigung an den Kopf, die ihm das Maul stopfen soll." Dann kann man auf einen entsprechenden Skill würfeln und schauen, ob die Aktion die gewünschte Wirkung hat.

Ich könnte mir vorstellen, dass dann irgendwann auch mal die nötige Lockerheit kommt, dass man hin und wieder tatsächlich einen lässigen Bardenspruch anbringen kann -- aber weiterhin nicht muss. Man braucht seinen Char ja nicht immer schauspielerisch darzustellen, man kann das einfach auch erzählerisch machen und dann mal weiterschauen.

Außerdem würde ich der SL und der Gruppe gegenüber das auch ansprechen und darum bitten, dass die Figur hin und wieder entsprechend angespielt wird, dass man möglichst leicht rollengerecht darauf reagieren kann. Meine Erfahrung ist, dass man sich noch mal besonders gehemmt fühlt, wenn man sich immer fragt: Wie kriege ich mein Charkonzept denn überhaupt in dieser Situation unter? Würde ja gerne den Salonlöwen raushängen, aber wie, wenn wir seit drei Abenden in diesen Koboldhöhlen rumkriechen und versuchen, das entführte Totemschwein der benachbarten Goblins zu finden ... In Situationen, die etwas mehr maßgeschneidert sind auf die Charakterrolle, fühlt man sich gleich auch ein bisschen weniger "gehemmt".

Hipster

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Offline Boba Fett (away)

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Re: Es geht nicht
« Antwort #29 am: 1.08.2019 | 09:47 »
Hallo Feuertanz!

Willkommen an Board!

:howdy:

Es gibt Spieler, die können sich in eine Rolle nicht einleben.
...
Habt ihr das auch manchmal? Was macht ihr dann?

Ja, das kenne ich...
Dann gibt es zwei Möglichkeiten.
(Immer davon ausgehend, dass der Spieler sich entweder nicht steigern möchte oder einfach nicht kann.)
Entweder ignoriert man das und der Spieler spielt den Charakter nur beschreibend über seine Werte aus und würfelt und man nimmt an, er hätte dementsprechend gehandelt (ohne das es detailliert ausgespielt wird)
oder
der Spieler spielt eine Rolle, die ihm näher liegt.

Rollenspiel soll schließlich Spaß machen.

Geht man davon aus, dass der Spieler wirklich möchte, würde ich ihm als Spielleiter und auch als Mitspieler versuchen zu helfen und das, was Anfangs daneben geht, verzeihen.
Denn kein Meister ist vom Himmel gefallen und die wenigsten Rollenspieler waren Naturtalente, die alles von Anfang an brilliant konnten.
Vieles lässt sich trainieren und vieles kann man trainieren.
Wenn es der/demjenigen sehr schwer fällt muss man halt schauen, ob (sofern wirklich gewollt) man sich noch anderweitig trainiert.
« Letzte Änderung: 1.08.2019 | 09:59 von Boba Fett (away) »
Kopfgeldjäger? Diesen Abschaum brauchen wir hier nicht!



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Offline Greifenklaue

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Re: Es geht nicht
« Antwort #30 am: 1.08.2019 | 09:52 »
Es gibt Spieler, die können sich in eine Rolle nicht einleben. Also einem Freund meines Freundes geht das so. Ok einem Freund. Ok mir  >:D
Auf dem Blatt und im Regelbuch klingt alles super. Barde, ja cool! Und dann sitzt man am Tisch und kann nicht "bardig" sein  :mimimi:
Ein Barde muss ja spritzig witzig kommunikativ und ein bisschen dreckig sein nur ich sitz wie ein Stoffel da weil Schüchternheit und Befangenheit.
Habt ihr das auch manchmal? Was macht ihr dann?
Was heiß denn, kann nicht "bardig" sein? Gemeint ist vermutlich kann nicht "klischeehaft bardig" sein.

Dann spiel doch nen anderen Typ Barden: Statt den Sänger/Musiker den Geschichtenerzähler, Nachrichtenüberbringer, nimm ein ungewöhnliches Instrument wie Glocke, Kesselpauke oder Triangel, mach den ehemaligen Sänger, der nun stumm ist.

Vielleicht hatte Dein Barde auch nen schrecklichen Unfall, ist von Narben entstellt, hat seine Schönheit eingebüsst und ist jetzt mehr Schurke oder Kämpfer.

Sprich: Die Rolle umbürsten vielleicht?
« Letzte Änderung: 1.08.2019 | 10:25 von Greifenklaue »
"In den letzten zehn Jahren hat sich unser Territorium halbiert, mehr als zwanzig Siedlungen sind der Verderbnis anheim gefallen, doch nun steht eine neue Generation Grenzer vor mir. Diesmal schlagen wir zurück und holen uns wieder, was unseres ist.
Schwarzauge wird büssen."

http://www.greifenklaue.de

Offline Ginster

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Re: Es geht nicht
« Antwort #31 am: 1.08.2019 | 09:52 »
Naja nu. "Ich kann es nicht, möchte es aber" - "brauchste aber nicht" hilft dem TE aber auch nicht  ;)

Stimmt, zu dieser Ausgangsfrage habe ich wenig bis nichts beigetragen. Es waren eher manche Antworten, die ich hinterfragenswürdig fand.

Keine Charakterklasse bringt eine höhere Verpflichtung der Darstellung mit sich

So sollte es sein, ja. In der Praxis bezweifele ich das beim Barden eben ein wenig. Aber, ich habe verstanden, dass das ggf. etwas off-topic ist.


Offline Issi

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Re: Es geht nicht
« Antwort #32 am: 1.08.2019 | 09:57 »
Das war ein stark verkürztes Beispiel, wie mit Handlungen bzw. Ergebnissen umgegangen wird. Das der Spieler dies vorher angekündigt hat, ist ja klar.

Ok, dann habe ich das falsch verstanden.
Zur Erklärung: Ich habe schon SL erlebt, die ihren Spielern erzählen, was ihre Figuren tun. Deshalb war ich da kritisch.

Zu Charisma : Das ist nur ein Wert,  auf den man notfalls einfach würfeln kann,  und gut is.

Was auch schon genannt wurde war: In der dritten Person beschreiben, wie die Figur einen NSC beeinflussen will, dann würfeln.

Dann muss auch nicht in direkter Rede dargestellt werden.

Wie ich den TE verstanden habe, war, dass er es trotzdem gerne möchte, und einen Weg sucht, es zu lernen.
Aber vielleicht liege ich auch falsch.


@
All
Als SL spiele ich ja alles : Vom Höhlentroll, über den Erzdämon bis zum Goldfisch.
Da stelle ich auch gerne unter Beweis, dass ich das kann,  um zu unterhalten.

Aber als Spieler möchte ich das Spiel auch konsumieren. Also spiele ich was möglichst bequemes. Kurz etwas, was mir liegt.
Die "Jogginghose unter den Figuren. "
~;D
« Letzte Änderung: 1.08.2019 | 10:07 von Issi »

Offline Saffron

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Re: Es geht nicht
« Antwort #33 am: 1.08.2019 | 10:37 »
Ich kenn es auch, dass ich einen Charakter, der auf dem Papier super spannend klang, nicht recht zum Leben erwecken kann. Manmal flutscht es, manchmal nicht, das find ich normal. Hier im Forum sind natürlich viele Leute unterwegs, die mit Leib und Seele Rollenspieler sind und vielleicht nicht ganz so oft dieses Problem haben, aber ich mach mir keinen Leistungsdruck, nur weil ich nicht so kreativ und schauspielerisch begabt bin.

Ich würd mich hier in der Diskussion auch nicht so sehr am Beispiel Barde festbeißen. Kann genausogut sein, dass man Lust hat, einen wortkargen und nicht allzu intelligenten Barbaren zu spielen, dann aber merkt, dass man sich entgegen des Konzeptes lebhaft an Gruppendiskussionen beteiligt, wie man sich am besten in die feindliche Festung reinschleichen könnte. Wenn mir das Einbringen kluger Ideen einfach zu viel Spaß macht, ist tatsächlich die Frage, ob ich von diesem Charakter eher die Finger lassen sollte. Es gibt ja mehr als genug Alternativen.

Wenn ich aber doch gern den Charakter spielen will, hilft mir folgendes:

Zuhause mal ein Viertelstündchen hinsetzen und überlegen, was man an Fluff einbringen kann. Hat der Barbar vielleicht ein Sprichwort aus seiner Heimat, dass er einwerfen kann? Soll der Barde in der nächsten Kneipe sagen: ich spring auf den Tisch und erzähle von unserem letzten Abenteuer, und natürlich übertreibe ich maßlos und schmücke die Story ein bisschen aus? Beschwert der Magier aus der großen Stadt sich immer, dass er unter freiem Himmel schlafen muss statt in einem weichen Bett? Etcetera... Also ein paar Macken/ Verhaltensweisen vorbereiten, wenn man das nicht ganz so spontan hinbekommt.
Ich leide nicht an Realitätsverlust. Ich genieße ihn.

Offline Alexandro

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Re: Es geht nicht
« Antwort #34 am: 1.08.2019 | 10:42 »
Ein Barde muss ja spritzig witzig kommunikativ und ein bisschen dreckig sein

Muss er das? Warum nicht mal einen schüchternen Künstler spielen, der nur auf der Bühne seine Kunst zeigt (weil er das Publikum einfach ausblendet) und sonst nicht gerne im Mittelpunkt steht? Passt auch gut zur Supporter-Rolle des Barden.
“I really believe what we experienced the night before can be turned into a game for creating stories” -- Gary Gygax, 1972 (talking about a game of "Blackmoor", run by Dave Arneson)

Offline 1of3

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Re: Es geht nicht
« Antwort #35 am: 1.08.2019 | 10:50 »
Ich denke das hängt auch immer stark von den Mitspielern ab. Es gibt Kandidaten, die haben am Spieltisch so erdrückende Präsenz, da ist egal, was ich mir vornehme zu spielen, das wird nichts. Da komm ich nicht zu Wort. Das machen die wahrscheinlich gar nicht absichtlich; das ist halt so.

Wenns dagegen optimal läuft, werden deine Mitspieler auf dich zugehen, deinen Charakter bewusst anspielen und dir Raum geben.

Offline Issi

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Re: Es geht nicht
« Antwort #36 am: 1.08.2019 | 10:56 »
Wenn ich aber doch gern den Charakter spielen will, hilft mir folgendes:

Zuhause mal ein Viertelstündchen hinsetzen und überlegen, was man an Fluff einbringen kann. Hat der Barbar vielleicht ein Sprichwort aus seiner Heimat, dass er einwerfen kann? Soll der Barde in der nächsten Kneipe sagen: ich spring auf den Tisch und erzähle von unserem letzten Abenteuer, und natürlich übertreibe ich maßlos und schmücke die Story ein bisschen aus? Beschwert der Magier aus der großen Stadt sich immer, dass er unter freiem Himmel schlafen muss statt in einem weichen Bett? Etcetera... Also ein paar Macken/ Verhaltensweisen vorbereiten, wenn man das nicht ganz so spontan hinbekommt.

Das ist ne super Idee.
Bereite eine kleine Szene vor. Ein Miniskript.
Und das spielst du dann als Einstieg am Tisch.
Die Szenen, in denen dein Charakter allein im Spotlight steht, sind idR. auch nicht so viele.
Und so hat man auch während des Spiels oft genug Zeit sich über das nächste Auftreten Gedanken zu machen.

So hangelt man sich von Szene zu Szene.
Glaube, wenn man die Angst überwunden hat, macht es auch Spaß.
Wobei ein Klischee Barde schon ein harter Brocken für unsichere Spieler ist.
Unser Barde hat mal einem weiblichen Skelett Komplimente gemacht, dass man ja am Knochenbau noch sieht, dass sie früher mal eine bildschöne Frau gewesen sein muss....  ::)
Auch Gedichte wurden schon geschrieben, und Balladen gedichtet.
Aber darauf muss man irgendwie auch Lust haben.
Und wenn das dauerhaft mehr Stress als Spaß verursacht, dann geht die Rechnung vielleicht nicht auf.


Offline Huhn

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Re: Es geht nicht
« Antwort #37 am: 1.08.2019 | 10:59 »
Aber als Spieler möchte ich das Spiel auch konsumieren. Also spiele ich was möglichst bequemes. Kurz etwas, was mir liegt.
Die "Jogginghose unter den Figuren. "
Das hat mir gerade den Tag gemacht. ~;D
Aber als Spieler möchte ich das Spiel auch konsumieren. Also spiele ich was möglichst bequemes. Kurz etwas, was mir liegt.
Die "Jogginghose unter den Figuren. "

Offline KhornedBeef

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Re: Es geht nicht
« Antwort #38 am: 1.08.2019 | 11:18 »
Ich glaube, das wurde alles schon genannt, daher kurz, und nach Priorität:

1. Dann spiel ihn erstmal "untypisch". Überleg dir, aus welchen Gründen ein Barde für das Setting untypisch agieren könnte. Vielleicht mit der Option, dass es ein zweiteiliger Zustand ist (siehe unten). Ein kürzliches Trauma? Eine Sinnkrise?
Nachteil: wenn du Mitspieler hast, die stumpf sagen "der Barde muss so und so sein, sonst macht es keinen Spaß" dann hast du Pech (oder sie)

2. Stütz dich erstmal auf Beschreibung statt direkt Rede, aber auf unterhaltsame Weise. Ließ vielleicht ein literarisches Vorbild für charmante Schurken von einem richtig guten Autor/Autorin. Die können auch nicht gestikulierten und ihre Stimme verstellen, aber die haben andere Tricks.

3. Gib dir Zeit. Ich empfinde Rollenspiele als Möglichkeit, sich in einem relativ zwangslosen Umfeld am so eine Selbstdarstellung zu gewöhnen. Dann blüht dein Charakter eben erst nach vielen Sessions auf, siehe oben.

Zum Schluss eine Anekdote: wir hatten einen Spieler in der Runde, der auch eher schüchtern und deutlich jünger war, der einen Barden gespielt hat. Am Anfang hatte er eine Masche, bei der der Charakter immer Leuten Zeug verkaufen wollte, wobei er sozusagen im Spiel die Maske eines Verkäufers aufsetzte und sich an Klischees entlang hangelte. Nach und nach hat er den zwischen den Sitzungen mal ein kurzes Schmählied gedichtet, 4 Verse oder so, und einen selbstbenannten Zauber eingeführt. Ich fand das immer super, und vor allem war es eine Art von Quirligkeit, die keiner von uns anderen so an den Tisch brachte.
"For a man with a hammer, all problems start to look like nails. For a man with a sword, there are no problems, only challenges to be met with steel and faith."
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"Und Rollenspiel ist wie Pizza: auch schlecht noch recht beliebt." FirstOrkos Rap

Offline nobody@home

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Re: Es geht nicht
« Antwort #39 am: 1.08.2019 | 11:48 »
Daß mir ein Charakter, den ich erst für eine tolle Idee gehalten habe, später im Spiel selbst gar nicht so sehr zusagt wie gedacht, kommt schon mal vor und kann die verschiedensten Gründe haben. Schließlich bin ich ja bei aller Liebe zum Hobby kein Hellseher, der schon im Vorfeld genau weiß, was die Zukunft bringen wird, und entsprechend schon von vornherein genau perfekte Entscheidungen treffen kann, die sich dann garantiert immer als richtig erweisen werden -- das ist also im Zweifelsfall kein Beinbruch, sondern höchstens ein Thema für ein Gruppengespräch unter Freunden.

Speziell zum Thema "Barde" würde ich sagen, daß das meine absolute Lieblingsrolle wahrscheinlich auch nicht wäre. Das liegt aber nur zum Teil an einem tatsächlich vorliegenden Mangel an Extrovertiertheit und musikalischer Expertise -- der Rest besteht eher darin, daß "Barde" eigentlich ein etwas nebulöses Konzept ist und ich mir erst mal einen konkreten Charakter mit Persönlichkeit und allem dazu ausdenken müßte, um es überhaupt halbwegs auszufüllen. Soll mein Barde tatsächlich einfach "nur" der Typ Klischee-Alleinunterhalter sein, der sich spontan in eine Kneipe setzt, ein paar kesse Sprüche losläßt, und zur Belustigung der Gäste losklampft? Was, wenn das nun absolut nicht meinem persönlichen Stil entspricht und ich vielleicht lieber einen verschlossenen Hüter dunkler Legenden und Geheimnisse spielen möchte, bei dem selbst seinen besten Freunden leichte Schauer über den Rücken laufen, wenn er tatsächlich mal in die Saiten greift? Oder, etwas weniger extrem, einen jungen und durchaus begabten Musiker, der nur dummerweise zumindest am Anfang auch ausgesprochen schüchtern ist? Wären das dann schon keine "Barden" mehr? ;)

Offline Deep One

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Re: Es geht nicht
« Antwort #40 am: 1.08.2019 | 12:13 »
Es gibt Spieler, die können sich in eine Rolle nicht einleben. Also einem Freund meines Freundes geht das so. Ok einem Freund. Ok mir  >:D
Auf dem Blatt und im Regelbuch klingt alles super. Barde, ja cool! Und dann sitzt man am Tisch und kann nicht "bardig" sein  :mimimi:
Ein Barde muss ja spritzig witzig kommunikativ und ein bisschen dreckig sein nur ich sitz wie ein Stoffel da weil Schüchternheit und Befangenheit.
Habt ihr das auch manchmal? Was macht ihr dann?

Was Du probieren kannst, wenn Du magst, ist:

- Druck rausnehmen. Dein Barde ist ab jetzt nicht mehr Dein SC, sondern ein Experiment. Experimente scheitern anerkanntermaßen zuweilen, also ist es nicht schlimm, wenn Deines es auch tut. Notfalls verheizt Du den zu einem passenden Zeitpunkt und spielst was anderes.

- Kernkompetenzen wahrnehmen. In fast allen Systemen ist der Barde dafür da, sich hinten reinzustellen und Bonusse zu verteilen. Maxe den Teil so weit aus, dass Dein SC als wertvolles Mitglied der Gruppe wahrgenommen wird, das nimmt wieder Druck von Dir, weil Deine performance in dem ganzen Sozial-Klimbim dann zweitrangig ist.

- Theodens Ansprache aus Rückkehr des Königs 2x angucken. Da sind genug rhetorische Stilmittel drin, dass Du locker drei inspirierende Ansprachen damit füllen kannst.

- Wort ergreifen. Du bist der, der die NSCs anquatscht. Ist für Dich jetzt tricky, weil schüchtern, aber vielleicht hilft folgender Ablauf: 1) Ansprechen ("Hallo, Hügelriese"), 2) Kompliment ("Mann, müssen Deine Werf-Felsbrocken schwer sein, da bräuchte man vier von uns, um den zu heben"), 3) eigene Stärke demonstrieren ("übrigens, der Drache im Wald da hinten, den haben wir gestern totgemacht"), 4) Ansinnen vorbringen ("jedenfalls, Du hast doch nichts dagegen, wenn wir den Paß da hinter Dir nehmen?"). Dies ist ein Schema, das, leicht abewandelt, auf eine Vielzahl von sozialen Interaktionen anwendbar ist.

- Einfach Bullshit reden und einen Würfelwurf zu provozieren. Du plapperst einfach los, versuchst, möglicht viele Worthülsen unterzubringen, die der NSC vermutlich hören möchte, und sobald Du Luft holen mußt, sagst Du: "SL, ich weiß gerade nicht weiter, kann ich ma' würfeln?".

- Verführen im Rollenspiel ist vergleichsweise einfach. Komplimente, Geschenke, Serenade unter dem Balkon und denn richtest Du es so ein, dass Du mit der Zielperson alleine bist und drückst ihr 'nen Kuß auf, um wiederum einen Würfelwurf zu provozieren.

- Playing against type: Wie die anderen schon sagten und falls Du keine Lust auf die obigen Punkte hast, spielste halt einen Death-Metal-Barden. :)

Offline Lord Selis

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Re: Es geht nicht
« Antwort #41 am: 1.08.2019 | 12:25 »
das mit dem Experiment finde ich gut, so betrachte ich alle meine Charaktere am Anfang immer, es sind immer meine Charaktere aber da ich jedes Mal etwas Neues ausprobiere, vielleicht auch nur bei Kleinigkeiten kann es halt immer schief gehen und muss angepasst werden.

Beim Barden finde ich es nur wichtig, das der Spieler nicht dauernd alberne Prosa raus lässt und Knittelverse ablässt, dann ist alles gut.
Okay eine halbe Stunde ein selbst geschriebenes Gedicht vortragen ist auch der Horror, findet sich aber wohl mehr bei Vampire.

Offline Data

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Re: Es geht nicht
« Antwort #42 am: 1.08.2019 | 12:28 »
Ich würde Anfangs einfach in die dritte Person wechseln. Das hilft wunderbar und schafft Abstand. Damit umgeht man wunderbar die Schüchternheit. Irgendwann, wenn einem das dann einfach fällt, kann man wieder in die erste Person wechseln und gut.

Was mir auch immer extrem gegen Schüchternheit geholfen hat ist, mir selbst immer das zu sagen: Es ist überhaupt nicht schlimm, jetzt aus sich rauszugehen. Die Leute wollen genau das sehen. Es wäre schlimmer, verschämt auf sein Blatt zu starren und nichts zu sagen.

Damit hab ich mich selbst dazu getrieben, etwas zu sagen ... und das ging dann immer leichter von der Hand.

Offline unicum

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Re: Es geht nicht
« Antwort #43 am: 1.08.2019 | 13:07 »
Es gibt Spieler, die können sich in eine Rolle nicht einleben. Also einem Freund meines Freundes geht das so. Ok einem Freund. Ok mir  >:D
Auf dem Blatt und im Regelbuch klingt alles super. Barde, ja cool! Und dann sitzt man am Tisch und kann nicht "bardig" sein  :mimimi:
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Habt ihr das auch manchmal? Was macht ihr dann?

Ich antworte mal mit einer Gegenfrage:
Was macht Dem Freund deies Freundes, Deinem Freund, Dir - eigentlich Spass am Rollenspiel?

Und einer weiteren:
Willst du dich ändern das du das oben auch kannst? (halte ich für ziemlich schwierig bytheway) - geh in eine Theatergruppe.

Meine Banale Antwort, auf die Frage -ohne deine Antworten auf meine zu kennen- wäre etwa: Mir macht taktisches Spiel hin und wieder auch Spass, da muss ich nicht witzig kommunikativ und dreckig sein sondern einfach nur genial.


Offline AlucartDante

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Re: Es geht nicht
« Antwort #44 am: 1.08.2019 | 13:09 »
Klar, das Problem kennt jeder.

Stärke kann besser simuliert werden, als Intelligenz oder Redekunst. Ich versuche als Spielleiter immer einen Kompromiss zu finden und beides zu berücksichtigen: 1. Wie gut war die Rede des Spielers. 2. Wie gut sind Skills und Würfelwurf. Hier kann man schon auch den Wert und den Wurf messbar miteinfließen lassen. Aber man wird eben auch immer den Text des Spielers miteinfließen lassen. Ich mag das auch so. Aber wenn es frustrierend ist, kann man auch mehr indirekte Rede spielen. Statt der brennenden Rede sagt der Spieler nur kurz: Ich halte eine brennende Rede...

Ich finde bei Charisma geht das noch einfacher als bei jemandem der einen Detektiv spielt, aber einfach keine guten Ermittlungsideen hat, im Gegensatz zu seinen Mitspielern. Hier kann man dem entsprechenden Spieler einfach mehr Tipps geben als anderen. Aber das finde ich eher langweiliger. Weil es für mich ein bisschen mit der Immersion bricht.

Ich kenne auch zwei Spieler, die gerne dumme Barbaren Charaktere spielen, die keine Ideen entwickeln und nicht kommunikativ sind. Sie machen dies, weil sie sonst den Erwartungsdruck so groß finden. Wenn alle von ihnen große Reden und geniale Pläne erwarten, sind sie vor Versagensangst gelähmt, wenn sie eine Inplay Ausrede haben, können sie entspannter spielen. Auf meine Bitte hin, hat einer es dann doch aber auch mal mit einem anderen Charakter versucht und ich habe den Eindruck, dass er an der Entscheidung auch als Person gereift ist und sich weiterentwickelt hat.

Auf dem Blatt und im Regelbuch klingt alles super. Barde, ja cool! Und dann sitzt man am Tisch und kann nicht "bardig" sein  :mimimi:
Ein Barde muss ja spritzig witzig kommunikativ und ein bisschen dreckig sein nur ich sitz wie ein Stoffel da weil Schüchternheit und Befangenheit.

Hier konkret: Ich finde gute Charaktere brechen auch Klischees. Die Klasse ist auch breiter. Barden müssen auch nicht singen, manchen reden vielleicht nur. Und warum das Problem nicht inplay mit einfließen lassen. Ein anderer Charakter fragt: "Ich dachte ein Barde muss spritzig, witzig und kommunikativ sein, vl ein bisschen dreckig. Das bist du ja gar nicht?" Du nickst: "Ja das sagten meine Lehrer in der Bardenakademie auch immer, bevor sie mich rausgeworfen haben. Ich bin ein gescheiterter Barde. Am Anfang war ich das auch. Aber der Tod meiner Liebsten hat mir alle Witzigkeit, Kreativität und Frohsinn genommen. Ich hoffe eines Tages werde ich das wiederentdecken,  denn zu gerne würde ich meinen Lehrern zeigen, dass sie Unrecht hatten. So hoffe ich, irgendwann doch noch ein guter Barde zu werden."

Das wäre auch ein epischer Ansatz. D&D Lvl1 Barden sind ja auch noch nicht witzig und kommunikativ. Das kommt erst noch. Warum nicht sich selbst mitnehmen auf diese Reise. Am Anfang ist man das noch nicht, aber neben dem Charakter entwickelt sich der Spieler auch weiter. Und eines Tages mit LVl 20 nach vierjähriger Kampagne ist man doch etwas entspannter geworden in der Runde, hat viele Witze gelernt und kann auch mal aus sich heraus gehen. Mich hat mal ein Mädchen in der Schule sehr beeindruckt. Sie ist in die Theater-AG gegangen, weil sie meinte, dass sie kein schauspielerisches Talent hat, nicht reden kann und knallrot wird, wenn sie vor einer Gruppe Menschen steht. Sie wollte das ändern und hat sich genau deswegen ihren Schwächen gestellt. Im Rollenspiel kann man das genauso machen.

Offline Lichtschwerttänzer

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Offline Grubentroll

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Re: Es geht nicht
« Antwort #46 am: 1.08.2019 | 15:07 »
Nein. Der Spieler des Barbaren könnte den Zweihänder, den sein Charakter führt, vermutlich kaum heben. Die Spielerin der Magierin spricht keine fünf Sprachen, der Spieler des Cleric ist sonst eher Atheist.

Komische Beispiele.
Besser:
Der Spieler des Barbaren müsste absolut gegen Gewalt sein, usw.

Spieler die die Rolle absolut nicht draufhaben bleiben meist farblos und uninteressant am Tisch.
Muss ja nicht sein.


Offline Lord Selis

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Re: Es geht nicht
« Antwort #47 am: 1.08.2019 | 15:15 »
Spieler die die Rolle absolut nicht draufhaben bleiben meist farblos und uninteressant am Tisch.
Muss ja nicht sein.


Was mich hier stört, das Spiel verkommt damit zur Leistungshow.
Spiel nur was Du kannst, bringt auch niemanden weiter.

Was spricht dagegen sich an neuen Dingen zu probieren und es mal eine Weile durchzuziehen und schauen, wie es sich entwickelt?
Wenn ich das nicht gemacht hätte, würde ich wohl immer noch AD&D und dröge Kämpferklassen spielen.

Offline KhornedBeef

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Re: Es geht nicht
« Antwort #48 am: 1.08.2019 | 15:37 »
[...].

Hier konkret: Ich finde gute Charaktere brechen auch Klischees. Die Klasse ist auch breiter. Barden müssen auch nicht singen, manchen reden vielleicht nur. Und warum das Problem nicht inplay mit einfließen lassen. Ein anderer Charakter fragt: "Ich dachte ein Barde muss spritzig, witzig und kommunikativ sein, vl ein bisschen dreckig. Das bist du ja gar nicht?" Du nickst: "Ja das sagten meine Lehrer in der Bardenakademie auch immer, bevor sie mich rausgeworfen haben. Ich bin ein gescheiterter Barde. Am Anfang war ich das auch. Aber der Tod meiner Liebsten hat mir alle Witzigkeit, Kreativität und Frohsinn genommen. Ich hoffe eines Tages werde ich das wiederentdecken,  denn zu gerne würde ich meinen Lehrern zeigen, dass sie Unrecht hatten. So hoffe ich, irgendwann doch noch ein guter Barde zu werden."
[...]
Meh. Die Bardenakademie, wo man Spritzigkeit und Dreckigkeit studiert? Dann doch lieber umgekehrt:
Dem König sind die freien, unverblümten Barden ein Dorn im Auge, weil sie seine zunehmende Totalitarismus-Neigung kritisierten. Aber sie genießen hohes Ansehen bei Volk und Adel. Also gründet er eine Akademie, wo stramm königstreue Barden in Konterpropaganda gedrillt werden. Ergebnis: Barden mit Mangel an Weltläufigkeit und sozialen Fähigkeiten, aber reichlich politischen talking points. Je nach Hintergrund ist dein Charakter schon verunsichert durch den Kontakt mit der realen Welt, und in jedem Fall gibt das wunderbares Potential für Reaktionen der anderen Charaktere auf des "Sprachrohr".
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Re: Es geht nicht
« Antwort #49 am: 1.08.2019 | 15:40 »
Ich würde mich heute bei neuen Charakteren nicht vorab auf eine bestimmte Persönlichkeit festlegen - die entwickelt sich schon in den nächsten Abenden von selbst und sitzt dann garantiert.

Eine schöne Frage, die man als SL stellen kann, um unsicheren Spielern bei der Suche nach der “Stimme” ihres Charakters helfen. Wenn sie also nur Sachen wie “ich feilsche!”
oder “ich greife an!”  von sich geben... frag sie...:

“Wie sagt dein Charakter das? Mit vielen Worten? Unhöflich? Mit einem
Akzent? Überfreundlich?”

“Wie greift der an? Elegant? Waghalsig?”

Wirkt meist gut!
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