Autor Thema: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?  (Gelesen 958 mal)

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Offline Hellcat

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Moin zusammen,

bei immer mehr etablierten Comicserien (um mal ein paar Beispiele zu nennen: Lucky Luke, Blake und Mortimer, Percy Pickwick oder Die Schlümpfe)  fällt mir inzwischen auf, dass die Autoren anscheinend keine neues Ideen mehr haben. Es werden immer wieder Themen aus vorherigen Bänden aufgegriffen und fortgesponnen, anstatt dass man sich mal an neue Themen wagt.
Ist das nur ein subjektiver Eindruck? Trauen sich sich die Autoren und Verlage nicht mehr aus Angst ein zu großes finanzielles Risiko einzugehen? Sind die Künstler heutzutage weniger kreativ? Oder ist es einfach mit zunehmender Dauer einer Reihe (zu) schwer, neue Themen zu finden?

Dabei geht es mir nicht darum, dass es keine neuen, keativen und Originellen Serien gibt, da kommen immer wieder mal wahre Schätze auf den Markt. Aber bei den etablierten Serien fehlt mir das das irgendwie...
« Letzte Änderung: 20.05.2020 | 14:29 von Hellcat »

Offline felixs

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #1 am: 20.05.2020 | 13:58 »
Ich sehe im wesentlichen drei Faktoren:

1) bei den großen, bekannten, millionenschweren Serien geht man gern den sicheren Weg und macht das, was schon immer funktioniert hat.

2) Das Publikum für die meisten im Druck erscheinenden Comics ist eher ein nostalgisches Publikum, das sich nach Kindheitserinnerungen sehnt. Da kommen dann bereits bekannte Elemente gut an.

3) Die Anforderungen bezüglich der Vermeidung potentiell anstößiger Inhalte (kein Rauchen, keine Gewalt, keine ethnischen Klischees), die Forderung nach "Inklusionen" aller Art fungieren als künstlerischer Maulkorb. Die Asterix-Bände mit den ganzen "Asterix-bei-den-Irgendwas"-Themen sind ein gutes Beispiel. Sehr viel davon könnte man heute so nicht mehr machen.

Ganz anders sieht das etwa bei Comics in Ostasien aus. Ich habe zwar keine Ahnung vom Thema, aber selbst mir fällt auf, dass Japanische Manga (online und gedruckt), (japanisch inspirierte) koreanische Comics (größtenteils online) eine sehr große Vielfalt von Themen abdecken und dass da viel Kreativität drin ist. Mir gefällt das fast alles nicht, aber es ist da und jeder findet seine Nische.

Auch bei westlichen Comics gibt es sicherlich jede Menge kreatives Zeug - nur eben eher nicht in den großen Serien.
« Letzte Änderung: 20.05.2020 | 22:22 von felixs »
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Offline Alexandro

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #2 am: 20.05.2020 | 14:05 »
Es ist auch so, dass die ganzen Serien recht früh durch ganz bestimmte Künstler geprägt waren. Wenn die wegfallen, dann sind die Fans ohnehin schon gespalten und da will man eher "mehr vom Gleichen" machen, um sie etwas zu versöhnen.

Bei den amerikanischen Comics war es dagegen schon recht früh so, dass die Künstler regelmäßig ausgetauscht wurden und jeder seine eigene Version der Figur geschrieben hat - deswegen waren die Fans da auch (innerhalb gewisser Grenzen) auch eher bereit, sich auf neue Sachen einzulassen.
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Offline Hellcat

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #3 am: 20.05.2020 | 14:50 »
Es ist auch so, dass die ganzen Serien recht früh durch ganz bestimmte Künstler geprägt waren. Wenn die wegfallen, dann sind die Fans ohnehin schon gespalten und da will man eher "mehr vom Gleichen" machen, um sie etwas zu versöhnen.
Da ist ja grundsätzlich auch nichts gegen einzuwenden. Aber warum muss es denn auch inhaltlich das gleiche sein? Es würde ja reichen, die Art und Weise, wie der originale Künstler seine Comics aufgezogen hat, zu übernehmen und dort bei Bedarf eigene Noten reinzubringen.

Nehmen wir mal konkret Percy Pickwick: seit 2016 wird die Reihe von Turk und Zidrou weitergeführt. Turk war schon von 1971 bis 1983 mit der Serie betraut, ob er den Comic jetzt besser oder schlechter als andere Künstler zeichnet soll jeder selber entscheiden. Fakt ist aber, er hat die Figur und den Stil der Serie maßgeblich mit geprägt und ich finde nicht, dass er einen schlechteren Job als früher macht. Haken dran!
Zidrou ist aktuell für die Story zuständig. Da er ja auch schon mehrere (mehr oder minder) erfolgreiche Serien in Eigenregie betreut hat würde ich ihm jetzt nicht die Kreativität absprechen wollen. So gesehen spräche also nichts dagegen, Pickwick auf neue Abenteuer zu schicken, ohne dass der Stil, der Pickwick ausmacht, verloren geht. Trotzdem sind die beiden neu erschienenen Bände eher eine Karrikatur der Figur, die davon lebt dass man die alten Inhalte versucht aufzugreifen und auf Krampf schlechte Witze über Engländer und Franzosen macht. Von den subtilen Pointen zu den Eigenarten der englischen Kultur, die die Serie früher auch ausgemacht haben ist da leider nicht viel von übrig geblieben...

Offline unicum

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #4 am: 20.05.2020 | 14:58 »
Es ist schwer neue Ideen zu haben & Kreativität wächst leider nicht auf Bäumen.
Das Post von felixs zeigt auch viele Probleme auf.

Offline Waldviech

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #5 am: 20.05.2020 | 15:56 »
Was man halt auch nicht übersehen darf, ist dass es Recht normal ist, wenn lang laufende Serien irgendwann, sagen wir Mal, gewisse Ermüdungserscheinungen zeigen. Die genannten Serien sind ja schon seit wahren Ewigkeiten auf dem Markt. Da bleibt es kaum aus, das der einen oder anderen Serie dabei mal die Luft ausgeht.
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Offline Alexandro

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #6 am: 20.05.2020 | 16:23 »
Viele der amerikanischen Comics sind wesentlich länger auf dem Markt (Batman und Superman schon seit rund 80 Jahren) und obwohl es da manchmal schwächere Runs gibt, kommen auch immer wieder Sachen raus, die frisch und originell sind.

Da ist ja grundsätzlich auch nichts gegen einzuwenden. Aber warum muss es denn auch inhaltlich das gleiche sein? Es würde ja reichen, die Art und Weise, wie der originale Künstler seine Comics aufgezogen hat, zu übernehmen und dort bei Bedarf eigene Noten reinzubringen.

Mit "Künstler" meine ich nicht nur Zeichner, sondern auch Autoren.
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Offline Darius der Duellant

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #7 am: 22.05.2020 | 16:33 »
Das ist eben das Problem mit (zu) lange laufenden Serien, bei denen sich niemand traut einfach mal einen echten Schlussstrich zu setzen.

Entweder bleiben sich die Figuren halbwegs treu und der Pfiff geht im Laufe der Zeit flöten, oder man öffnet sie wie häufig im amerikanischen Markt der absoluten Beliebigkeit und setzt nur sehr grobe Charakterzüge fest, innerhalb denen dann so ziemlich alles möglich ist.

Ich bin von beidem kein Fan und bevorzuge es, wenn Serien NICHT elendig lange (was das Volumen der Bände angeht) laufen.
Das ist auch ein spezifisches Problem das ich mit sehr vielen japanischen Autoren habe (Koreaner sind dafür gefühlt weniger anfällig):
Da wird keine runde, abgeschlossene Geschichte publiziert, stattdessen eine Idee gepitcht und die dann so lange gemolken bis die Verkaufszahlen im Keller sind und der Publisher die Axt auspackt.
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Online Flamebeard

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #8 am: 22.05.2020 | 16:51 »
Wobei das ja wiederum sein ganz eigenes Genre geschaffen hat - siehe Dragonball, Naruto, One Piece, etc. Die Stories laufen ja auch wie Blöde und da kommt immer wieder was neues. Wobei ich da auch finde, dass die Mischung aus Alt, Neu und Themen-Filler-Bänden recht gut getroffen wird. Und es dreht sich ja jeweils grundsätzlich um (Helden-)Gruppen, sodass man über einen Spotlight Shift wieder ein anderes Tempo und eine andere Sichtweise rein bringen kann.

 Ich weiß nur nicht, wie gut sich das auf westliche Comics übertragen lässt - X-Men oder Avengers mit 'Powerniveau über 9000' stelle ich mir z.B. albern vor. Da kann irgendwann keine Luft mehr nach oben sein...
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Offline Darius der Duellant

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #9 am: 22.05.2020 | 18:56 »
Geschmacksfrage.
Ich halte den stereotypen Endlosshounen für ein literarisches Krebsgeschwür.
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Offline Issi

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #10 am: 22.05.2020 | 19:28 »
Das ist eben das Problem mit (zu) lange laufenden Serien, bei denen sich niemand traut einfach mal einen echten Schlussstrich zu setzen.

Entweder bleiben sich die Figuren halbwegs treu und der Pfiff geht im Laufe der Zeit flöten, oder man öffnet sie wie häufig im amerikanischen Markt der absoluten Beliebigkeit und setzt nur sehr grobe Charakterzüge fest, innerhalb denen dann so ziemlich alles möglich ist.
Das Problem ist mMn. dass Figuren mehr oder weniger Entwicklungspotential haben können.
Der "Fertig Held"(Er ist schon super), der immer ähnliche Probleme hat (z. B. Bösewichte bekämpfen )und dazu immer halbwegs  cool reagiert, gehört jetzt nicht zu den stark entwicklungsfähigen Figuren.

Diese Geschichten sind auch relativ bald Wiederholungen, da sich beim Held selbst nicht soviel verändert.
Figuren die noch nicht "fertig" sind, die vielleicht mit ganz unterschiedlichen Begebenheiten zu kämpfen haben, die nicht dem "immer cool, immer souverän Schema  " unterworfen sind, haben zudem die Möglichkeit auch mal anders zu reagieren als nach Schema F,
eine Charakterentwicklung durch zu machen, die sie glaubwürdig verändert.

« Letzte Änderung: 22.05.2020 | 19:30 von Issi »

Offline Orlock

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #11 am: 22.05.2020 | 19:37 »
Das Problem ist auch hier das "stereotyp". Die Erwartungen an ein spezielles Genre sind eben auch sehr speziell. Nicht nur bei den Shounen und nicht nur in Japan. Die Fans wollen gewisse Themen sehen und kriegen die auch.

Sachen die irgendwie anders sind ziehen nur ein kleines Publikum. Die entsprechenden amerikanischen Comics kriegt man sogar noch irgendwie. Meistens sogar über Amazon. Die japanischen? Keine Chance auf eine Übersetzung. Darum ist das Bild hier auch ein wenig verzerrt.

Offline Issi

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #12 am: 22.05.2020 | 19:44 »
Das Problem ist auch hier das "stereotyp". Die Erwartungen an ein spezielles Genre sind eben auch sehr speziell. Nicht nur bei den Shounen und nicht nur in Japan. Die Fans wollen gewisse Themen sehen und kriegen die auch.
Man kann auch Stereotypen differenziert genug darstellen, damit sie nicht langweilig werden. (inkl. Schwächen, Macken etc. )
Ihnen genug Tiefe geben, damit sie spannend bleiben.

Das Problem ist, dass das häufig nicht geschieht.
Und wenn der Figur viele Dinge geschehen, die sie eigentlich auch innerlich verändern müssten, aber genau das passiert nicht. - Dann wird sie mMn.  irgendwann unglaubwürdig.
Und damit uninteressant.

Edit. Will damit sagen: Auch ein Stereotype muss nicht flach sein.

Der Held ist ein "Gefühls Vehikel" für den Leser. Und die Identifikation läuft nur, solange noch eine gewisse Glaubwürdigkeit bzw. Nachvollziehbarkeit vorhanden ist.
« Letzte Änderung: 22.05.2020 | 20:24 von Issi »

Offline Orlock

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #13 am: 22.05.2020 | 21:23 »
Natürlich. Die guten Serien sind nicht umsonst erfolgreich. Aber auch die müssen nicht jedem gefallen.

Ich persönlich würde Endlosshounen jetzt nicht als Krebsgeschwür bezeichnen, sie sind einfach nur nicht meins. Ich habe andere Sachen die mir gefallen, an die ich dann aber natürlich auch gewisse Erwartungen habe.

Offline Ein Dämon auf Abwegen

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #14 am: 22.05.2020 | 23:04 »
Viele der amerikanischen Comics sind wesentlich länger auf dem Markt (Batman und Superman schon seit rund 80 Jahren) und obwohl es da manchmal schwächere Runs gibt, kommen auch immer wieder Sachen raus, die frisch und originell sind.
Das kann man auch nicht so richtig vergleichen.

Der Stil der Batman Comics hat sich z.B. über die Jahre drastisch geändert, und auch von Autor zu Autor und Zeichner zu Zeichner gibt es da mit unter Unterschiede, dazu kommen dann noch die Ganzen Reboots, Retcons und Elseworlds.

Asterix, Luky Luke und Co. sind da mehr aus einem Guss.
Merke: Neue Regeln zu erfinden ist nicht schwer, unnötige Regeln zu erkennen und über Bord zu werfen erfordert bedeutend mehr Mut und Sachverstand.

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Offline Turning Wheel

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #15 am: 23.05.2020 | 01:50 »
Der Eindruck des Verfalls guter Ideen hängt unter anderem sehr mit der Veränderung der eigenen Wahrnehmung zusammen.
Vor dreißig Jahren fand ich vieles voll super und total neu. Tatsächlich war es aber nur für mich total neu.
Und ich hatte damals auch nicht den Anspruch, den ich heute habe.
Inzwischen habe ich jedes Konzept schon in hundertfacher Ausführung gesehen und es reißt mich einfach nicht
mehr so vom Hocker, wie bei den ersten paar Malen.
Das betrifft selbstverständlich nicht nur Comics, sondern alle möglichen Arten von Medien (und auch anderes, z.B. Handwerk).
Ich schätze, so ist das eben, wenn man älter wird.

Ein zweiter Punkt, den ich in dem Zusammenhang glaube beobachtet zu haben, ist, dass heutige Künstler tatsächlich
nicht so kreativ bzw. brillant sind, weil es in den westlichen Nationen (von denen hier ja die Rede ist - und dazu gehört auch der
stark vom Westen beeinflusste Ferne Osten wie Korea, Japan und inzwischen auch China) einen ganz objektiven Verfall von
absoluter Expertise zu verzeichnen hat. Es gibt nicht mehr so viele Leute, die ihr Leben so stark in den Dienst einer Sache stellen
wie das früher der Fall war (von Ausnahmen natürlich abgesehen). Es gibt zwar heute aufgrund eines besseren Lernumfeldes schnellere
Lernkurven, aber dem steht eine massive Verschwendung der Zeit durch konsumorientiertes Leben entgegen, was eine bessere
persönliche Entwicklung sehr behindern. Oder um es zu konkretisieren: Von notorischen Binge Watchern und Zockern kann man keine großartigen
kreativen Leistungen erwarten, weil sie erst sehr viel später eine hohe Exertise durch intensives Training erreichen können und ihre
lebenslange Schaffensperiode dadurch sehr viel kürzer und ihr Maximum schlechter ist. Es gibt in unserer eher schnelllebigen Zeit
auch kaum noch Leute, die richtige Monsterprojekte raushauen, in die jahrzehntelange Arbeit einfließt. Die Konsequenz sind mehr lieblose und
möglichst schnell erstellte Werke aus der Retorte, die über deutlich weniger konzeptionelle Tiefe und Liebe zum Detail verfügen.
Das hängt auch sehr stark mit dem zusammen, was unsere sehr viel mehr marktwirtschaftlich orientierte Welt überhaupt honoriert.
Dieser Punkt ist allerdings eine Schlussfolgerung, die ich, im Gegensatz zum ersten oben, nicht belegen kann und welcher mehr aus meinen
zahlreichen wissenschaftlichen Vorträgen zur Veränderung unserer gesellschaftlichen Präferenzen und meinen persönlichen Beobachtungen resultiert.
« Letzte Änderung: 23.05.2020 | 01:56 von Turning Wheel »

Offline Issi

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #16 am: 23.05.2020 | 11:58 »
Die Gefahr der Ablenkung ist in der Tat  riesig. Das Angebot an Unterhaltung ist groß, ebenso die soziale Vernetzung.
Um etwas neues, eigenes zu erschaffen braucht es mEn. Ruhe, Zeit und einen guten Kontakt zu sich selbst. (Zu den eigenen Gedanken, Gefühlen, Ressourcen)
Fun Fact: Nur wenige Menschen halten es länger mit sich alleine aus. Und ziehen Ablenkung  deshalb vor.
Ein weiterer Punkt ist, dass nicht so viele Künstler das hauptberuflich machen können.
Aus rein finanziellen Gründen.
Folglich sind das für viele eher Nebenprojekte.

Und dann kommt noch der Verlag/Markt hinzu, der ganz bestimmte Vorstellungen hat. Jedes Experiment will gut überlegt sein.
Daher setzt man, um das finanzielle Risiko zu minimieren, häufig  mehr auf "Bewährtes."
Generell spielt auf sämtlichen Seiten die Angst vor finanziellen Verlusten eine große Rolle.
Ein Werk soll deshalb möglichst nicht provozieren, anstoßen, aus dem Rahmen fallen, Grenzen überschreiten, vom Status Quo abweichen.
Darum setzt man auf Bekanntes, Bewährtes, auf das, was schon läuft.
« Letzte Änderung: 23.05.2020 | 12:01 von Issi »

Offline Megavolt

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #17 am: 23.05.2020 | 12:15 »
Oder um es zu konkretisieren: Von notorischen Binge Watchern und Zockern kann man keine großartigen
kreativen Leistungen erwarten,

Ey!  >:(

 ~;D

Offline Issi

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #18 am: 23.05.2020 | 13:15 »
Natürlich. Die guten Serien sind nicht umsonst erfolgreich. Aber auch die müssen nicht jedem gefallen.

Ich persönlich würde Endlosshounen jetzt nicht als Krebsgeschwür bezeichnen, sie sind einfach nur nicht meins. Ich habe andere Sachen die mir gefallen, an die ich dann aber natürlich auch gewisse Erwartungen habe.
Mir geht es mit Superhelden so. (Marvel/DC &Co)
Das langweilt mich einfach, extrem.
A la... "Noch ein Superheld mit Superkräften?"...OK(Die lauern ja ohnehin hinter jeder Ecke...  :P)


Offline Alexandro

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #19 am: 23.05.2020 | 14:17 »
Der Stil der Batman Comics hat sich z.B. über die Jahre drastisch geändert, und auch von Autor zu Autor und Zeichner zu Zeichner gibt es da mit unter Unterschiede, dazu kommen dann noch die Ganzen Reboots, Retcons und Elseworlds.

Asterix, Luky Luke und Co. sind da mehr aus einem Guss.

Exakt hatte der Threadersteller ja bemängelt. Das "aus einem Guss" führt halt dazu, dass die Gussform irgendwann einengend wird (während diese bei amerikanischen Comics regelmäßig zerschlagen und nach Bedarf neu geformt wird).
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Offline Orlock

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #20 am: 23.05.2020 | 18:41 »
Mir geht es mit Superhelden so. (Marvel/DC &Co)
Das langweilt mich einfach, extrem.
A la... "Noch ein Superheld mit Superkräften?"...OK(Die lauern ja ohnehin hinter jeder Ecke...  :P)

Deswegen haben die ja auch alle ihre privaten Problemchen verpasst bekommen. Das wirkt allerdings auch schnell gezwungen.

Ich bin da allgemein sehr wählerisch geworden. Und auch die besten Ideen werden mir irgendwo zwischen 10 und 20 Bänden langweilig. Ich habe daher auch schon einiges abgebrochen.

Offline Samael

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #21 am: 23.05.2020 | 22:23 »
Turning Wheel, zum Teil hast du sicher Recht. Andererseits gibt es auch immer das bias, dass die mittelmäßigen Werke der Vergangenheit vergessen werden. Und kontemporäre Werte die zu Klassikern werden und als "Meisterstücke" angesehen werden gibt es auch noch, trotz der Effekte die du erwähnt hast und ja nicht zu leugnen sind. Als Beispiele (um bei den Comics zu bleiben) würde ich mal HELLBOY nennen, oder SANDMAN (wenn du die gelten lässt, sind ja aus den 90ern). Bei Werken aus der Gegenwart lässt sich natürlich oft auch nicht ganz beurteilen wie sie die Zeit überstehen werden, oft sind sie ja auch nicht abgeschlossen. Kürzlich habe ich z. Bsp. GIDEON FALLS gelesen (Paperback #1-#3) und das fand ich z. B. sehr gelungen mit Potential zum "Meisterstück".

EDIT: Hat 2019 auch den Eisner für "Best New Series" gewonnen wie ich gerade eben feststelle. An dieser Stelle mal eine dicke Empfehlung an alle Genrefans (Horror / Comics).
« Letzte Änderung: 23.05.2020 | 22:26 von Samael »
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Offline Turning Wheel

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #22 am: 24.05.2020 | 00:52 »
Turning Wheel, zum Teil hast du sicher Recht. Andererseits gibt es auch immer das bias, dass ...

Wie ich schon am Ende gesagt habe, das ist nur ein Eindruck von mir.
Allerdings gibt es andere Generes (z.B. Autobau, Möbelbau, Architektur...) wo meine Theorie derart offensichtlich ist, dass man über bias nicht zu reden braucht. Es liegt nahe, dass in anderen künstlerischen Bereichen der Hammer ähnlich hängt, obwohl man es da noch nicht so gut sagen kann.

Offline Samael

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #23 am: 24.05.2020 | 01:10 »
Beim Autobau liegt es nicht an der mangelnden Kunstfertigkeit der Ingenieure, sondern am Druck die Herstellkosten zwecks Profitmaximierung für die Shareholder zu drücken drücken drücken
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Offline Hellcat

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Re: Comics - haben die Künstler keine neuen Ideen mehr?
« Antwort #24 am: 25.05.2020 | 10:43 »
Exakt hatte der Threadersteller ja bemängelt. Das "aus einem Guss" führt halt dazu, dass die Gussform irgendwann einengend wird (während diese bei amerikanischen Comics regelmäßig zerschlagen und nach Bedarf neu geformt wird).
Das wäre ja per se erstmal nicht schlimm, auch innerhalb eingeengter Grenzen kann man ja durchaus noch kreativ sein oder was neues machen, auch wenn es vielleicht nur für die Serie neu ist. Ich bin auch kein Freund davon, Serien einfach mal zu resetten (Star Trek habe ich beispielsweise seit dem Reboot den Rücken gekehrt, das hat für mcih nichts mehr mit dem zu tun, was Gene Roddenberry im Sinn hatte, als er die Serie erschuf). Was ich aber noch viel schlimmer finde ist dieses "wir machen das mal neu, versuchen aber auf Krampf irgendwas aus dem alten zu erhalten".

Ein Beispiel verdeutlicht vielleicht besser, was ich meine: Bleiben wir mal bei Blake und Mortimer - der Band "das gelbe M" dürfte unbestreitbar zu den besten Alben zählen, die E.P. Jacobs geschaffen hat. Die Story ist mitreißend, in sich konsistent und abgeschlossen. Vor ein paar Jahren hat man dann das Album "Die Septimus-Welle" herausgebracht, welches im Anschluß an das gelbe M spielt und inhaltlich darauf aufbaut. Wenn man aber das erste Album nicht gelesen hat, ist es unglaublich schwer, in die Geschichte hineinzukommen: es wimmelt nur so von Bezügen darauf, es werden eine Menge lose Enden aufgebaut, die es so in der ersten Geschichte nicht gab. Außerdem werden einige Charaktere mit völlig anderen Wesenszügen dargestellt. So wird beispielsweise der selbstsüchtige Olrik zum selbstlosen Helfer oder der besonnene Mortimer lässt sich von seiner Neugier dazu verleiten, sämtliche Grenzen bei der Forschung aus den Augen zu verlieren und übermäßige Risiken einzugehen. In den darauffolgenden Alben sind dieses Wesenszüge aber wieder verschwunden, und die Charaktere agieren so, wie man es von ihnen gewohnt ist.
Da frage ich mich, warum man ein Werk wie "das gelbe M" nicht einfach als das stehen lassen kann, was es ist, nämlich ein großartiges Album. Sondern warum man mit Krampf eine eine billige Nachfolgegeschichte dahinschlunzen muss, die in keinster Weise an das rankommt, was das Vorbild darstellt.
Hätte man die Story aus der Septimus-Welle losgelöst von dem ursprünglichen Album als Geschichte veröffentlicht (das wäre durchaus möglich gewesen, der Plot funktioniert auch ohne die Vorgeschichte) wäre es vielleicht sogar ein gutes Album geworden. So hinterlässt es bei mir einfach nur den Eindruck, dass die Macher entweder keine gute Idee hatten, oder sich einfach nciht getraut haben was neues auszuprobieren...