Autor Thema: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?  (Gelesen 12393 mal)

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Offline Rorschachhamster

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #200 am: 13.07.2021 | 14:50 »
Das ähnliches Ressourcenmanagement ganz anders aufgenommen werden kann sieht man beispielsweise ja auch in der 5E in der man natürlich ebenfalls Dinge nach einer kurzen und andere Dinge erst nach einer langen Rast wieder kann. Ohne das deshalb irgendwer MMRPG rufen würde.
Hmmm, das fehlende Ressourcenmanagement und die Rasten sind schon ein Kritikpunkt den ich öfter gehört habe - wobei das dadurch abgemildert wird, das es die härteren Alternativregeln im DMG gibt, wenn ich mich nicht irre.  :)

Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #201 am: 13.07.2021 | 15:32 »
Nicht immer nur auf MMORPGs schauen - gerade die Encounter-"Grenze" ist eine so abstrakte und willkürliche Einteilung, dass es vielen "brettspielig" im Sinne von abstrakt und hart verregelt vorkommt.

Klar, aber man muss halt auch aufpassen das der Vorwurf nicht beliebig wird. Zum einen würden mir wenig Brettspiele einfallen welche überhaupt eine "kurze Rast" Mechanik haben - und zum anderen weiß ich nicht einmal was genau an "wir rasten" nun so abstrakt sein soll.


Es ist schon so, dass bei diesen Vorwürfen die Details gern fehlen - die verglichenen Medien und Spiele haben teils völlig andere Rastmechaniken.

Offline Boba Fett

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #202 am: 13.07.2021 | 15:39 »
Ich fand den Wechsel zu kurze und lange Rast eigentlich prima, weil es vorher teilweise ganz schön schwammig war, wann sich bestimmte Dinge wieder zurücksetzten...
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Online Haukrinn

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #203 am: 13.07.2021 | 16:01 »
Von diversen AD&D2-Kits und dem Mönch allgemein mal ganz zu schweigen. ;)

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Genau das mit den Powers ist das, was man D&D4 unglaublich häufig vorwirft. Dabei hat man hier nur versucht, einen einheitlichen Begriff zu finden unter dem die ganzen Sonderregeln der vorherigen Editionen stattfinden. Ist ein bisschen so wie D&D3 vorzuwerfen, dass es ja voll bescheuert ist, weil es keinen Rettungswurf gegen Zauberstäbe mehr gibt.

Ich sehe bei vielen Kritikpunkten auch, dass sie blind weitergetragen worden sind. Ob Powers, ob Roles, ob Healing Surges, 3/4 der Kritik ließt sich schwer nach "ich hab's zwar nie gespielt, aber das Internet sagt, dass das doof ist". Klar scheint es so als hätte das die 4E gekillt, die Strategie von WotC, immer mehr Splat Books und schlechte Abenteuer auf dem Markt zu werfen anstatt weniyger, dafür aber sinnvolle Veröffentlichungen, hat da aber glaube ich deutlich. mehr für getan. Der "Verlust" 4E war IMHO wenig durch die tatsächlichen Inhalte des Spiels motiviert, sondern viel mehr durch die betriebswirtschaftliche Strategie (= durchschaubare Gier von Hasbro).
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Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #204 am: 13.07.2021 | 16:43 »
Der "Verlust" 4E war IMHO wenig durch die tatsächlichen Inhalte des Spiels motiviert, sondern viel mehr durch die betriebswirtschaftliche Strategie (= durchschaubare Gier von Hasbro).

Betriebswirtschaftlich relevant dürfte auch gewesen sein inwieweit die Erträge aus den Online - Abos intern bei Hasbro dem D&D Bücherverkäufen zugerechnet wurden oder nicht.

Da reden wir schließlich über teils 6stellige Abozahlen welche auch noch Jahre nach den ersten Veröffentlichungen weiter liefen. Irgendwann gingen die Zahlen runter und wie oben schon geschrieben hat man dann vor wenigen Jahren das ganze auch abgestellt.

Aber verglichen mit dem Aufwand war dies ein sehr einträgliches Sümmchen welches auch so manche Buchveröffentlichung in den Schatten stellt. Nur ist das halt nicht zwingend etwas das innerbetrieblich direkt auf die Buchverkäufe angerechnet wird.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #205 am: 13.07.2021 | 16:54 »
Betriebswirtschaftlich relevant dürfte auch gewesen sein inwieweit die Erträge aus den Online - Abos intern bei Hasbro dem D&D Bücherverkäufen zugerechnet wurden oder nicht.

Das ist in der Tat war. Aber die Tatsache, dass die Tools über lange Zeit eher schlecht als recht benutzbar waren und dass, gemessen am Inhalt, die Sachen jetzt auch nicht so toll waren dürfte auch das eine Menge Kunden vergräzt haben - war halt noch ziemlich weit von D&D Beyond weg. Und zusammen mit der Aussage "D&D4 kann man nur mit den Tools spielen, sonst rechnet man sich doof" schließt sich dann der Kreis der Ablehnung. Letztere Aussage teile ich im Übrigen nicht, selbst mit Splatbooks war D&D4 wesentlich leichter zu bewältigen als D&D3.5 oder PF, was das Charaktermanagement angeht.
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Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #206 am: 13.07.2021 | 17:07 »
Besser geht immer. Aber ich erinnere mich da z.B. an eine Auflistung einige Jahre nach Erscheinung der 4E als man immer noch mehr als 100.000 Abos verkauft hatte. Damals ging das dann langsam runter, als ich das letzte mal auf die Zahlen schaute waren es "nur" noch knapp 70.000, nochmal einige Jahre später. Lag sicher auch daran, dass die Magazine durchaus einiges an gutem Material mit dabei hatten.

Wie gesagt...WotC hätte bestimmt auch nix dagegen gehabt wenn dort noch eine 0 drangehängt worden wäre. Aber insgesamt sind da halt durchaus einige Millionen € mit umgesetzt worden, für Rollenspielverhältnisse ein recht großer Betrag. Nur eben nicht zwingend einer der automatisch der gleichen Abteilung zugerechnet wurde welche die Bücher verkauft.

Und hätte man den heutigen 5E Hype gehabt wäre auch wesentlich mehr dabei herum gekommen.
« Letzte Änderung: 13.07.2021 | 17:16 von Arldwulf »

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #207 am: 13.07.2021 | 17:23 »
und zum anderen weiß ich nicht einmal was genau an "wir rasten" nun so abstrakt sein soll.

Genau das habe ich doch gesagt. Rasten ist wesentlich weniger abstrakt und willkürlich als "Encounter vorbei? Geht wieder. Encounter noch nicht vorbei, "nur" Verstärkung? Tja, Pech gehabt..."
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Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #208 am: 13.07.2021 | 17:36 »
Genau das habe ich doch gesagt. Rasten ist wesentlich weniger abstrakt und willkürlich als "Encounter vorbei? Geht wieder. Encounter noch nicht vorbei, "nur" Verstärkung? Tja, Pech gehabt..."

Mhh....nur ist das dann halt nicht die 4e Regelung.

Für diese musst du tatsächlich eine kurze Rast einlegen. Machst du 2 Begegnungen ohne eine solche kurze Rast bekommst du auch nichts wieder. Oder verstehe ich dich da gerade falsch?

Offline YY

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #209 am: 13.07.2021 | 18:08 »
Die kurze Rast in D&D4 ist geradezu lächerlich kurz - das taugt kaum als Begrenzung und ist stellenweise unfreiwillig komisch; anders als in D&D5, wo es oftmals "auch nur" eine kurze Rast braucht, aber diese wesentlich länger ist (aber auch noch ab und an als problematisch wahrgenommen wird).

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #210 am: 13.07.2021 | 18:40 »
Ich sehe bei vielen Kritikpunkten auch, dass sie blind weitergetragen worden sind. Ob Powers, ob Roles, ob Healing Surges, 3/4 der Kritik ließt sich schwer nach "ich hab's zwar nie gespielt, aber das Internet sagt, dass das doof ist".

Nope.

Ich habe mal eine zeitlang, daaaamals, AD&D 2nd gespielt und auch mal ein wenig D&D3 bzw. 3.5. Letzteres fand ich ganz gut, allerdings haben wir uns nie in die Optimierungs-Untiefen begeben.

D&D4 habe ich zwar nicht voller Interesse (ich war damals mit anderen Spielen genug ausgelastet), aber mit Wohlwollen entgegengeblickt. Ich wusste durchaus, dass D&D3.5 und Pathfinder sich da in mancher Hinsicht verzettelt haben - zumindest nach meinem Gusto. Das, was mit da mit D&D4 präsentiert wurde, fand ich aber überhaupt nicht ansprechend.

Ja, ich habe mich nie intensiv damit auseinandergesetzt und auch nie gespielt - daher mag ich an manchen Stellen etwas voreilig sein und es im praktischen Spiel dann besser finden als erwartet. Nur: Die Anmutung verleitete eben nie dazu, diesen Schritt zu gehen. Denn genau: Es legte für mich zu viel Fokus auf den "Game"-Anteil mit seinen doch ziemlich abstrakten Regelelementen. Zack, aus die Maus.

Abstraktion gehört natürlich dazu, aber ich mag eben auch, ich sag mal, Simulationistisches. Daily und Encounter Powers mögen an und für sich eine durchdachte und gute Mechanik sein, sind aber eben fast völlig losgelöst von der Spielwelt. Manches mag ich mit einen zugekniffenen Auge hinnehmen, manches dann eben nicht mehr. Und ja, dass gerade "mundane" Fähigkeiten in dieses Raster gepresst werden, störte mich zu sehr. Und auf der anderen Seite auch, dass Magie da teils angeglichen wurde.

Mir ist nun bewusst, dass D&D5 da ähnliche Mechanismen hat. Aber der Gesamteindruck ist nicht "so schlimm". Wenn, dann missfallen mir auch bei D&D5 die sehr abstrakten Elemente (etwa beim Thema HP), aber unterm Strich ist's noch okay. Vielleicht, weil es eben nicht so konsequent auf eine Stoßrichtung durchdesignt ist.
« Letzte Änderung: 13.07.2021 | 18:47 von Trollkongen »

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #211 am: 13.07.2021 | 18:49 »
Hmmm, das fehlende Ressourcenmanagement und die Rasten sind schon ein Kritikpunkt den ich öfter gehört habe - wobei das dadurch abgemildert wird, das es die härteren Alternativregeln im DMG gibt, wenn ich mich nicht irre.  :)
Interessanterweise hatten wir mit 4E deutlich mehr Spannung wegen knappen Healing Surges und Daily Powers als in D&D 3 (oder jetzt 5) mit Spellslots.
Da von diesen Ressourcen auch die mundanen Klassen abhängig waren, konnten diese nicht mit z.B. Wand of Cure Wounds oder Healing Potions einfach weitermachen.

In D&D 3 konnte man ab einem gewissen Ausrüstungslevel die Kampfkraft deutlich ausdehnen, was in 4E so nicht mehr funktioniert hat.

Was die Powers der mundanen Klassen angeht, hätte man auch einfach konsequent das allgemeine Powerlevel mehr propagieren  sollen, indem man wie z.B. in Earthdawn festlegt, dass alle "Helden" die Magie anzapfen können, um vereinzelt unglaubliche Aktionen (aka Daylies) durchzuziehen.

Hätte man einer Menge Kritik den Wind aus den Segeln genommen.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #212 am: 13.07.2021 | 18:56 »
Was die Powers der mundanen Klassen angeht, hätte man auch einfach konsequent das allgemeine Powerlevel mehr propagieren  sollen, indem man wie z.B. in Earthdawn festlegt, dass alle "Helden" die Magie anzapfen können, um vereinzelt unglaubliche Aktionen (aka Daylies) durchzuziehen.

Wobei das auch so ein Ding ist, was mich nervt (und mir ein bisschen nach Computerspielen riecht). Ich will einfach auch mal stinkmundane Typen spielen können. So einen schön dreckigen Krieger oder Schurken, die einfach auf Brutalität, Geschick und Schläue zurückgreifen. Klar, zu D&D gehört auch irgendwie der Magie-Overkill, aber dass quasi jede Klasse rumzaubert, finde ich dennoch was öde. Das wäre also unsexy für mich. (Wobei ich vermute, da eher zu einer Minderheit zu gehören, gerade im D&D-Kosmos. ;) )

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #213 am: 13.07.2021 | 19:00 »
Ist halt die Frage, ob man die Powers als Magie ansieht oder einfach als besondere Aktionen. Die Konzepte gab es in abgeschwächter Form allerdings auch schon in der 3. Edition. Dass das nach Videospiel riecht, ist aber nicht zu leugnen.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #214 am: 13.07.2021 | 19:05 »
Dass das nach Videospiel riecht, ist aber nicht zu leugnen.

In welchem Videospiel kann man eine Aktion x mal pro Tag machen?
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Offline flaschengeist

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #215 am: 13.07.2021 | 19:36 »
Es geht dieses Problem an, aber eben indem es recht willkürliche und nicht immer so wirklich nachvollziehbare Einschränkungen auf völlig mundane Sachen ausdehnt, die man im Magierkontext noch irgendwie hingenommen hat, dort dann aber nicht mehr.

Exakt. Ich habe seinerzeit mit viel Freunde eine lange 3.5 Kampagne mit einem Vollcaster gespielt und dort hatte das eben keinen immersionsbrechenden Effekt. Es ist nämlich eine relativ plausible Erklärung, dass jemand (analog zu realweltlichen physischen Kondition) seine Zauberenergie erschöpfen kann und danach schlafen muss, um sie zu regenerieren. Das gilt ähnlich für Rage und andere (nicht alle) entsprechenden Fähigkeiten der 3.5.
"Dein Swordmage kann nur einmal pro Begegnung sein Schwert im Kreis schwingen" und Konsorten war hingegen für mich maximal immersionsbrechend (ein Swordmage war bis lvl 12 mein D&D4 Charakter, dann hat uns der 5e Spieltest erlöst). Wollen wir hoffen, dass die Gegner eine Pause von mindestens einer Runde machen, anstatt in kontinuierlichen Wellen anzugreifen, damit ich einmal mehr das Schwert im Kreis schwingen kann...  ;D

Das ähnliches Ressourcenmanagement ganz anders aufgenommen werden kann sieht man beispielsweise ja auch in der 5E in der man natürlich ebenfalls Dinge nach einer kurzen und andere Dinge erst nach einer langen Rast wieder kann. Ohne das deshalb irgendwer MMRPG rufen würde.

Ich würde nicht MMRPG rufen aber die Mechanik stört mich auch in der 5e sehr.
« Letzte Änderung: 13.07.2021 | 19:47 von flaschengeist »
Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann (Antoine de Saint-Exupéry). Ein Satz, der auch für Rollenspielentwickler hilfreich ist :).

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #216 am: 13.07.2021 | 19:37 »
In welchem Videospiel kann man eine Aktion x mal pro Tag machen?

Es geht nicht um "pro Tag" oder so, sondern darum, dass man Fähigkeiten in eine abstrakte Mechanik packt, um eine gewisse Balance oder einfach nur Berechenbarkeit herstellen zu können.

Bei Zauberei ist das gewissermaßen oft gegeben, aber wenn man nur einmal pro Begegnung akrobatisch ausweichen (Tumble) oder einmal am Tag reinhauen kann wie ein Oger (Brute Strike), wirkt das schon was seltsam. Und sowas kennt man halt eher aus Computer- oder Brettspielen, die oft einfach sehr abstrakt sind.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #217 am: 13.07.2021 | 19:45 »
Die Martial Power Source ist imo nicht einfach nur "mundan".   
Zitat
Martial powers are not magic in the traditional sense, although some martial powers stand well beyond the capabilities of ordinary mortals"

Keine Magie, aber auch nicht so weit davon entfernt. Es wird im PHB ja auch als "fuel" bezeichnet. Das geht imo mehr so in Richtung "Ki" des Mönchs.
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Offline flaschengeist

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #218 am: 13.07.2021 | 19:53 »

Was die Powers der mundanen Klassen angeht, hätte man auch einfach konsequent das allgemeine Powerlevel mehr propagieren  sollen, indem man wie z.B. in Earthdawn festlegt, dass alle "Helden" die Magie anzapfen können, um vereinzelt unglaubliche Aktionen (aka Daylies) durchzuziehen.

Hätte man einer Menge Kritik den Wind aus den Segeln genommen.

Ich bezweifle, dass es mit einem anderen "Fluff" getan ist. Earthdawn hat nämlich auch eine andere Mechanik, da gibt es keine Encounter oder Daily Anwendungen pro Talent sondern begrenzende Ressourcen, die alle Talente gemeinsam betreffen (Karma sowie Überanstrengung). Auf diese Weise kommt auch kein immersionsbrechender Mist Kram hinten raus.

Edit: Es gibt viele Talente, die brauchen weder Überanstrengung noch Karma.
« Letzte Änderung: 13.07.2021 | 20:02 von flaschengeist »
Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann (Antoine de Saint-Exupéry). Ein Satz, der auch für Rollenspielentwickler hilfreich ist :).

Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #219 am: 13.07.2021 | 20:58 »
Die kurze Rast in D&D4 ist geradezu lächerlich kurz - das taugt kaum als Begrenzung und ist stellenweise unfreiwillig komisch; anders als in D&D5, wo es oftmals "auch nur" eine kurze Rast braucht, aber diese wesentlich länger ist (aber auch noch ab und an als problematisch wahrgenommen wird).

Naja, die kurze Rast der 4E ist halt ein verschnaufen, die Rüstung wieder gerade rücken und durchatmen.

Der Nutzen dessen ist eine tatsächliche Umsetzung von zeitkritischen Aktionen. Nimm mal an die Spieler führen einen Einbruch durch, sei es nun im Turm des Magiers oder sonst irgendwo. Die Entscheidung "atmen wir mal 5 Minuten durch und prüfen wie die Lage ist" lässt sich in solch einer Situation leichter treffen als die Entscheidung eine ganze Stunde zu warten. Zu sagen: "Der Alarm ist losgegangen, wenn der Magier wegteleportieren will bevor wir ihn gefangen nehmen bleiben euch wohl nur ein paar Minuten" ist ein simples Mittel um Zeitdruck zu erzeugen...es funktioniert aber eben nur wenn das Regelsystem dieses Werkzeug anbietet.

Genau um Entscheidungen geht es aber letztlich im Rollenspiel, denn diese sind es welches die Charaktereigenschaften und Herangehensweisen transportieren. Der 4E Ansatz ist halt der die Spieler vor solche Entscheidungen zu stellen, während die 5E kurze Rast halt weitaus weniger für zeitkritische Situationen geeignet ist.

Aber um dies auch nicht zu weit zu treiben: Was hat das eigentlich mit der Aussage oben zu tun? Oben schriebst du doch "rasten" sei weniger willkürlich und ok. Aber alle drei Varianten der Rast die hier besprochen wurden entsprechen IG Handlungen. Sowohl "durchschnaufen" als auch "Pause machen" als auch "Lagerfeuer aufbauen" sind nun einmal eigentlich konkrete Sachen welche die Charaktere im Spiel tun und eigentlich nichts abstraktes.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #220 am: 13.07.2021 | 21:09 »
Eine Stunde Rast (D&D5) ist teils auch schon wacklig, aber mal eben 5 Minuten Pause machen, Healing Surges rausknallen und dann wieder dastehen wie eine Eins...muss man sich nicht dran stören, kann man aber ;)
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Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #221 am: 13.07.2021 | 21:27 »
Nope.

Ich habe mal eine zeitlang, daaaamals, AD&D 2nd gespielt und auch mal ein wenig D&D3 bzw. 3.5. Letzteres fand ich ganz gut, allerdings haben wir uns nie in die Optimierungs-Untiefen begeben.

D&D4 habe ich zwar nicht voller Interesse (ich war damals mit anderen Spielen genug ausgelastet), aber mit Wohlwollen entgegengeblickt. Ich wusste durchaus, dass D&D3.5 und Pathfinder sich da in mancher Hinsicht verzettelt haben - zumindest nach meinem Gusto. Das, was mit da mit D&D4 präsentiert wurde, fand ich aber überhaupt nicht ansprechend.

Ja, ich habe mich nie intensiv damit auseinandergesetzt und auch nie gespielt - daher mag ich an manchen Stellen etwas voreilig sein und es im praktischen Spiel dann besser finden als erwartet. Nur: Die Anmutung verleitete eben nie dazu, diesen Schritt zu gehen. Denn genau: Es legte für mich zu viel Fokus auf den "Game"-Anteil mit seinen doch ziemlich abstrakten Regelelementen. Zack, aus die Maus.

Abstraktion gehört natürlich dazu, aber ich mag eben auch, ich sag mal, Simulationistisches. Daily und Encounter Powers mögen an und für sich eine durchdachte und gute Mechanik sein, sind aber eben fast völlig losgelöst von der Spielwelt. Manches mag ich mit einen zugekniffenen Auge hinnehmen, manches dann eben nicht mehr. Und ja, dass gerade "mundane" Fähigkeiten in dieses Raster gepresst werden, störte mich zu sehr. Und auf der anderen Seite auch, dass Magie da teils angeglichen wurde.

Mir ist nun bewusst, dass D&D5 da ähnliche Mechanismen hat. Aber der Gesamteindruck ist nicht "so schlimm". Wenn, dann missfallen mir auch bei D&D5 die sehr abstrakten Elemente (etwa beim Thema HP), aber unterm Strich ist's noch okay. Vielleicht, weil es eben nicht so konsequent auf eine Stoßrichtung durchdesignt ist.

Ich glaube letztlich bist du da auch durchaus ein sehr "typisches" Beispiel. Wir hatten ja schon einige Diskussionen und darum würde ich zumindest behaupten das die Dinge welche du so bisher im Spiel als dir wichtig nanntest (hier im Forum) sind Sachen welche ja nicht nur von dir als wichtige Aspekte des Spiels genannt wurden.

Und genauso bist du natürlich weder der erste noch der einzige der von der Präsentation abgeschreckt wurde. Das ist einfach ein sehr häufiges Problem gewesen und letztlich auch etwas was eigentlich in jedem dieser "was ist schief gelaufen" Threads zur Sprache kommen muss. Wenn wir zwei drüber diskutieren würden was ein gutes Rollenspielsystem für Eigenschaften haben sollte kommen dabei wahrscheinlich ziemlich ähnliche Dinge heraus.

Und das gilt eigentlich für viele Spieler. Gescheitert ist es daran die Werkzeuge so zu präsentieren das Leute nicht erst nach einem halben Jahr spielen sagen "mensch das ist eine tolle Idee", sondern auch schon beim drüberfliegen über den Text.

Offline Crimson King

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #222 am: 13.07.2021 | 21:57 »
In welchem Videospiel kann man eine Aktion x mal pro Tag machen?

Es geht nicht um x mal am Tag, sondern darum, dass es überhaupt in allen Klassen definierte Refreshzeiten für spezielle Aktionen gibt.

Ich störe mich da garnicht dran, aber nachvollziehbar finde ich das.
« Letzte Änderung: 13.07.2021 | 21:58 von Crimson King »
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
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Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #223 am: 14.07.2021 | 12:14 »
"Dein Swordmage kann nur einmal pro Begegnung sein Schwert im Kreis schwingen" und Konsorten war hingegen für mich maximal immersionsbrechend
Ich finde das im Sinne einer KI/Magie/Whatever-unterstützten Aktion immer noch genauso glaubwürdig wie das Konzept des "Wirkungstreffers" in D&D, bei dem Rüstung Schaden nicht vermindert, sondern digital verhindert.

D&D ist bereits in seinen absoluten Basisregeln so dermaßen abstrakt, dass ich kein Problem mit der Abstraktion bei D&D 4 hatte.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #224 am: 14.07.2021 | 12:28 »
"Dein Swordmage kann nur einmal pro Begegnung sein Schwert im Kreis schwingen" und Konsorten war hingegen für mich maximal immersionsbrechend (ein Swordmage war bis lvl 12 mein D&D4 Charakter, dann hat uns der 5e Spieltest erlöst). Wollen wir hoffen, dass die Gegner eine Pause von mindestens einer Runde machen, anstatt in kontinuierlichen Wellen anzugreifen, damit ich einmal mehr das Schwert im Kreis schwingen kann...  ;D

Ich habe das immer so betrachtet, dass er das Schwert jederzeit im Kreis spinnen kann, aber halt nur einmal ein Wirkungstreffer drin ist.

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