Autor Thema: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?  (Gelesen 14555 mal)

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #125 am: 20.06.2021 | 18:43 »
Mich würde ja auch mal interessieren, wie Arldwulf das genau handhabt.
Schwer für mich einzuschätzen was er da genau dann spielt.

Eigentlich alles ziemlich normal und auch nicht anders als ich dies bei anderen Spielleitern erlebt habe um ehrlich zu sein. Halt die Möglichkeiten und Werkzeuge nutzen welche die Bücher vorgeben.

Ich finde das dann darum immer ein wenig skurril wenn jemand erzählt dies sei irgendetwas besonderes obwohl es einfach nur die Dinge sind welche man jederzeit nachlesen kann.

Hättest du denn irgendeine spezielle Frage wie ich etwas umsetzen würde anhand der Regeln? Ist sonst schwierig Beispiele zu nennen und Dinge darzulegen ohne eine konkrete Situation.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #126 am: 20.06.2021 | 19:37 »
Grundsätzlich bietet die 4e alle Möglichkeiten, um Ganz Normales Rollenspiel (tm) zu betreiben. Allerdings schiebt die Präsentation taktische Knüppeleien im Combat as Sports-Modus mit Battlemaps und durch Powers eingeschränkte Handlungsoptionen so in den Vordergrund, dass es bei uns tatsächlich immer schwer war, da auszubrechen. Die Erfahrung teilt fast jeder, den ich kenne. Da kommt immer "Ich hätte ja das und das machen können, aber das steht nicht in meinen Powers."

Der Kampf mit seiner Vielzahl an zu verwaltenden Effekten und der notwendigen Präzision bei Positionierung, Reichweiten und Flächeneffekten ist allerdings immer ein Stück weit Spiel im Spiel. Das wird auch verdeutlicht durch die abstruse Anzahl am Optionen zur Optimierung der Effizienz der Gewaltanwendung. Die Battlemap ist da zwingend, auch wenn es nicht notwendigerweise eine Gridmap sein muss, sondern auch eine Skizze reichen kann.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #127 am: 20.06.2021 | 19:56 »
Ich war damals nicht sehr von der 4e angetan. Heute würde ich mir das gerne nochmal anschauen.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #128 am: 20.06.2021 | 19:57 »
Grundsätzlich bietet die 4e alle Möglichkeiten, um Ganz Normales Rollenspiel (tm) zu betreiben. Allerdings schiebt die Präsentation taktische Knüppeleien im Combat as Sports-Modus mit Battlemaps und durch Powers eingeschränkte Handlungsoptionen so in den Vordergrund, dass es bei uns tatsächlich immer schwer war, da auszubrechen. Die Erfahrung teilt fast jeder, den ich kenne. Da kommt immer "Ich hätte ja das und das machen können, aber das steht nicht in meinen Powers."
Das ist aber wie Du schon schriebst, Fehler der Präsentation (und im Kontext der Einführung hat diese Lesart aus der 3e mit dazu geführt. Ist halt schon die Lesart aus der alten Edition. "Es ist nur erlaubt, was explizit in den Regeln beschrieben wird!"). Sobald man als SL den Spieler diesen eingeschränkten Fokus auf die Regelbeispiele der Powers nimmt, lief das Spiel dann plötzlich nicht mehr in diese (mindestens seit 3e) typischen D&D-Bahnen.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #129 am: 20.06.2021 | 22:00 »
Das ist aber wie Du schon schriebst, Fehler der Präsentation (und im Kontext der Einführung hat diese Lesart aus der 3e mit dazu geführt. Ist halt schon die Lesart aus der alten Edition. "Es ist nur erlaubt, was explizit in den Regeln beschrieben wird!"). Sobald man als SL den Spieler diesen eingeschränkten Fokus auf die Regelbeispiele der Powers nimmt, lief das Spiel dann plötzlich nicht mehr in diese (mindestens seit 3e) typischen D&D-Bahnen.
Und man muss dazu sagen: Eigentlich tut die 4e sehr viel um genau diese Herangehensweise zu vermeiden. An jeder zweiten Ecke steht ein Kästchen mit einem Text nach dem Motto: "Sag ja, belohn deine Spieler wenn sie eine kreative Idee haben. Charaktere sind mehr als nur ihre Regeln, bestehen aus mehr als nur diesen Kräften"

Aber wir sind ja hier in einem "was ist schiefgelaufen" Thread und daher muss man wohl sagen: so oft die Designer diese Sätze auch sagten, so viele Abschnitte und Beispiele dafür sie auch hinzufügten und konkrete Regelelemente um das zu stützen: Es kam nicht wirklich bei den Spielern an, zumindest bei vielen nicht.

Offline Sashael

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #130 am: 21.06.2021 | 00:49 »
Vielleicht, weil ein Dutzend Sätze nicht ausreichen, um hunderte Seiten von explizit verregelten Powers, Items, Kampfoptionen, Bewegungsregeln, Manövern, WBL-Tabellen und so weiter und so fort zu kontern?

Diese Sätze muss man in den Büchern tatsächlich suchen.

Und den Eindruck konnten auch die Abenteuer nicht entkräften.

Eher im Gegenteil. WotC wollte ja schließlich seine Dungeon Tiles und Minis verkaufen.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #131 am: 21.06.2021 | 02:25 »
Da kann ich nicht widersprechen, es ist ja ziemlich eindeutig das dies für viele so war.

Ich frage mich nur was genau die Designer groß hätten anders machen können - mal vom Marketing abgesehen.

Denn natürlich stehen die Sätze sehr präsent an den richtigen Stellen und stellenweise sind die Regelbücher geradezu penetrant in dieser Hinsicht und erzählen halt an etlichen verschiedenen Stellen wie wichtig es sei diese Dinge zu berücksichtigen.

Irgendwo ist dann auch die Frage wie viel Eigenverantwortung man von einem Spieler einfordern kann, denn ganz im Ernst: Teilweise liest sich so manche Kritik von damals halt wie das Gegenteil von dem was im Buch steht. Da steht dann im Buch sowas wie "Herausforderungen sollten nicht immer auf dem Level der Charaktere sein, sowas wird schnell langweilig, wechseln sie daher immer wieder die Schwierigkeit und bauen sie auch Situationen ein welche nicht durch kämpfen aufgelöst werden können" und in der Kritik kommt trotzdem "Alle Kämpfe sind auf das Level der Spielercharaktere abgestimmt"

Oder eben wie oben die Vorstellung die Fähigkeiten der Spielercharaktere würden sich in deren Kräften erschöpfen - obwohl natürlich die Bücher etwas anderes erzählen.

Und ja, ich weiß jetzt kommt sicher der Einwand so ein paar Sätze könnten doch gar nicht ausreichend sein. Aber es ist nun einmal ein Buch. Mehr als Sätze wird man darin nicht finden können und irgendwie zweifel ich daran das es etwas geholfen hätte wenn man Sätze wie oben auch noch bei den Bewegungsregeln mit dazu geschrieben hätte.

Schau, ich hab neulich mal einen Thread von 2014 gelesen. Und natürlich les ich da mal wieder davon "Arldwulf spielt ein ganz anderes Spiel" - ist ja ein recht langlebiger Running Gag.

Aber nach all den Jahren frag ich mich dann manchmal auch: wenn dies Dinge sind welche in dem eigenen Spiel, am eigenem Spieltisch jemanden fehlen...warum genau nutzt man sie dann nicht einfach? Wir können das Ergebnis ja einfach "4E Arldwulf Special Edition" nennen, alles was es dafür benötigen würde wäre letztlich ein Aufkleber für die Frontseite der Bücher.

Aber naja - ganz im Ernst, eine sinnvolle Lösung könnte ich dir auch nicht nennen wie man eher dafür sorgen kann Sachen welche eigentlich im Buch längst drin stehen in den Fokus zu rücken. Vielleicht bräuchte es einfach mehr Spielbeispiele, konkrete Hilfen wenn jemand ein Problem hat, gerade in Foren und anderen sozialen Gruppen.

Nicht unbedingt für jetzt, schließlich ist da schon lange viel Wasser den Fluss runter geflossen und auch wenn ab und an jemand die 4e noch für sich entdeckt ist dies ja nur eine Nische. Aber irgendwann kommt auch mal eine 6e und dann fände ich es schon cool wenn die Dinge welche in den Büchern stehen Relevanz für die Bewertung selbiger haben.
« Letzte Änderung: 21.06.2021 | 02:42 von Arldwulf »

Offline Grubentroll

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #132 am: 21.06.2021 | 16:02 »
Ich finde es nur interessant. Hab mir gleich mal wieder mein PHB1 rausgezogen, und schon beim durchblättern hab ich wieder genau den gleichen Eindruck den ich schon immer habe. (ich möchte nur kurz vorausschicken, dass ich D&D4 an sich gern mag, ist also kein Bashing)

* Es wirkt SEHR kampforientiert. Sämtliche Klassenbeschreibungen ergehen sich darin wie krass der Typ Leute abmetzelt oder evtl eher nicht. Plus seine Rolle in jenen Kämpfen.
* Dann eben diese Riesenlatte an Powers. Ein Großteil vom Buch. Auch alles kampforientiert.
* Die Bilder zu den Charakterklassen wirken allesamt gewalttätig. Bei den Rassen sind immer Waffen, Rüstung und Schilde zu sehen. Was besonders witzig bei dem verrückt schauenden mörderischen "Halbling" der einen anspringt rüberkommt (was dann allerdings im Flufftext doch etwas anders rüberkommt)

Ich verweise hier auch mal auf den Satz auf Seite 54 "No part of the D&D game has as much variety as the powers that describe what characters can do."
 
Es gibt im gesamten PHB vielleicht ein oder zwei Bilder wo mal SCs ohne Waffe in der Hand und nicht in einer Kampfsituation abgebildet sind.

Ich meine in den Essentials wurde dies ein wenig revidiert hin zu einem klassischeren D&D Gefühl hin.

Aber für mich weist in den Hardcovers wirklich alles auf den gewollten Spielstil eines RPGs hin, dass seinen Hauptanteil darin sieht diese Skirmish-Kampfszenen durchzuspielen.

Dass dann mal hier und da ein Satz von "kannst es ja auch ganz anders machen" steht ist wie diese Selbsthife-Bücher zum Geldverdienen wo auch immer ganz am Ende ein kleines Kapitel drin ist dass man doch bitte auch ein bisschen was den armen Leuten spenden sollte wenn man reich geworden ist.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #133 am: 21.06.2021 | 16:18 »
Aber für mich weist in den Hardcovers wirklich alles auf den gewollten Spielstil eines RPGs hin, dass seinen Hauptanteil darin sieht diese Skirmish-Kampfszenen durchzuspielen.

Dass dann mal hier und da ein Satz von "kannst es ja auch ganz anders machen" steht ist wie diese Selbsthife-Bücher zum Geldverdienen wo auch immer ganz am Ende ein kleines Kapitel drin ist dass man doch bitte auch ein bisschen was den armen Leuten spenden sollte wenn man reich geworden ist.


Der Eindruck drängt sich mir auch auf. Klar kann man Freeform alles machen. Aber jedes Spiel hat Bereiche, die von den Regeln gut unterstützt werden und solche, die es (absichtlich oder unabsichtlich) vernachlässigt. Daher stimmt zwar die Aussage, man kann mit D&D 4 auch ganz anders spielen, sie ist aber trivial, weil man mit jedem RPG was ganz anderes spielen kann, als dessen Regeln unterstützen. Dann spielt man allerdings mit einem objektiv suboptimalen System.

Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann (Antoine de Saint-Exupéry). Ein Satz, der auch für Rollenspielentwickler hilfreich ist :).

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #134 am: 21.06.2021 | 16:30 »
Klar sind Powers kampforientiert. Sind ja nun einmal die Kampfoptionen der Charaktere. Aber halt nicht ihre einzigen Optionen. (Und natürlich gibt es auch Powers für Dinge außerhalb der Kämpfe)

D&D - und auch D&D 4E sind und waren immer kampforientiert, Kämpfe waren immer ein sehr wesentlicher Aspekt des Spiels. Das macht natürlich auch die 4E nicht anders. Der Kämpfer schlug immer schon zu, der Magier schmiss immer schon den Feuerball und so weiter.

Das wo sich die Editionen unterscheiden ist inwieweit zum einen Hilfsmittel bereit gestellt werden um abseits der Kämpfe etwas zu tun und wie man die Aktionen im Kampf individualisieren und mit Rollenspiel füllen kann.

Der Eindruck drängt sich mir auch auf. Klar kann man Freeform alles machen. Aber jedes Spiel hat Bereiche, die von den Regeln gut unterstützt werden und solche, die es (absichtlich oder unabsichtlich) vernachlässigt. Daher stimmt zwar die Aussage, man kann mit D&D 4 auch ganz anders spielen, sie ist aber trivial, weil man mit jedem RPG was ganz anderes spielen kann, als dessen Regeln unterstützen. Dann spielt man allerdings mit einem objektiv suboptimalen System.

Nur ist dies nicht die Aussage. Die Aussage ist das das System konkrete Regeln und Hilfsmittel für diese Spielweise bietet. Natürlich kann man mit jedem Spiel alles irgendwie spielen. Aber in der Diskussion oben ging es eben um Dinge die explizit von Regeln unterstützt werden.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #135 am: 21.06.2021 | 16:34 »
Es spricht ja auch niemand ab, dass D&D4 auch durchaus andere Bereiche abdeckt. Im PHB sind da die Skills und die Rituale schon ein guter Hinweis drauf, im DMG wird da noch deutlich stärker drauf eingegangen (u.a. Seite 42, Skill Challenges usw.).

Aber das ändert ja nichts da dran, dass sich das Spiel um taktischen Kampf dreht. Wenn du keinen Bock darauf hast, das ein beträchtlicher Teil des Spiels auf der Battlemap stattfindet, dann macht D&D4 einfach keinen Sinn und auch nichts besser als seine Vorgänger und Nachfolger. Wenn du aber genau das haben willst, dann behaupte ich einfach mal dreist, dann macht es das besser als alle anderen Inkarnationen von D&D.  :)
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #136 am: 21.06.2021 | 16:37 »
Klar sind Powers kampforientiert. Sind ja nun einmal die Kampfoptionen der Charaktere. Aber halt nicht ihre einzigen Optionen. (Und natürlich gibt es auch Powers für Dinge außerhalb der Kämpfe)

D&D - und auch D&D 4E sind und waren immer kampforientiert, Kämpfe waren immer ein sehr wesentlicher Aspekt des Spiels. Das macht natürlich auch die 4E nicht anders. Der Kämpfer schlug immer schon zu, der Magier schmiss immer schon den Feuerball und so weiter.

Das wo sich die Editionen unterscheiden ist inwieweit zum einen Hilfsmittel bereit gestellt werden um abseits der Kämpfe etwas zu tun und wie man die Aktionen im Kampf individualisieren und mit Rollenspiel füllen kann.

Nur ist dies nicht die Aussage. Die Aussage ist das das System konkrete Regeln und Hilfsmittel für diese Spielweise bietet. Natürlich kann man mit jedem Spiel alles irgendwie spielen. Aber in der Diskussion oben ging es eben um Dinge die explizit von Regeln unterstützt werden.

Ich habe deswegen bewusst das Wort "vernachlässigt" statt "auslässt" benutzt. Wenn ein System 200 Seiten mit Kampfregeln und -powers hat und eine Textbox in der steht "Soziale Interaktion ist aber auch wichtig", dann aber keine fünf Seiten Regeln für das Abbilden sozialer Interaktionen und Beziehungen zustande bringt, finde ich das suboptimal (wobei ich mich bei den Zahlen explizit für D&D 4 nicht festlegen will aber scheint mir in die Richtung zu gehen).

Edit:
[...] Wenn du aber genau das haben willst, dann behaupte ich einfach mal dreist, dann macht es das besser als alle anderen Inkarnationen von D&D.  :)

Das unterschreibe ich, spannende taktische Kämpfe kann D&D 4 super. Mir ist auch jenseits des D&D-Universums kein System begegnet, das diesen Aspekt besser umsetzt. Allerdings sehe ich diese Stärke und die mangelnde Abdeckung anderer Spielbereiche als zwei Seiten eine Medaille. Wenn ich jemals ein Spiel entdecke, das so spannende Kämpfe wie D&D 4 liefert, ohne dafür systemimmanent andere Bereiche zu vernachlässigen, mache ich ne Flasche Sekt auf :).
« Letzte Änderung: 21.06.2021 | 16:47 von flaschengeist »
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #137 am: 21.06.2021 | 16:46 »
Klar sind Powers kampforientiert. Sind ja nun einmal die Kampfoptionen der Charaktere. Aber halt nicht ihre einzigen Optionen. (Und natürlich gibt es auch Powers für Dinge außerhalb der Kämpfe)

D&D - und auch D&D 4E sind und waren immer kampforientiert, Kämpfe waren immer ein sehr wesentlicher Aspekt des Spiels. Das macht natürlich auch die 4E nicht anders. Der Kämpfer schlug immer schon zu, der Magier schmiss immer schon den Feuerball und so weiter.
Klar. Aber die pure Wucht der Verregelung des Kampfgeschehens ist doch ein paar Magnitüden über dem was bei AD&D1&2 noch Sache war oder nun bei 5E Sache ist (zu 3E kann ich nix sagen, hab ich ausgelassen).

Das wo sich die Editionen unterscheiden ist inwieweit zum einen Hilfsmittel bereit gestellt werden um abseits der Kämpfe etwas zu tun und wie man die Aktionen im Kampf individualisieren und mit Rollenspiel füllen kann.
Ich sehe da nicht ansatzweise, dass da 4E irgendwie sich hervortut im Gegensatz zu allen anderen Editionen.
Ich sehe sogar eher eine wesentlich stärke Parametrisierung des Kampfgeschehens in der 4E im Gegensatz zu allen anderen Editionen, wo die dünneren Regeln für mich viel eher dazu einluden, den "Swashbuckler move" vom Kronleuchter zu machen oder gleich eher Combat As War zu spielen.

Ich will dir nicht in Abrede stellen, dass DU eben speziell die Regeln so interpretiert hast. Ich finde es nur immer wieder witzig, dass du andererseits der breiten Masse die das nicht tut und in D&D4E ein RPG mit starkem Skirmish-Tabletop-Anteil sieht quasi unterstellst was nicht gecheckt zu haben. :D

Und nochmal, ich finde 4E voll super (außer den hässlichen World-of-Warcraft Illustrationen), da ich "Combat As Sports" liebe und mir immer solche detaillierten Regeln dafür gewünscht habe früher.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #138 am: 21.06.2021 | 16:57 »
Ich finde jetzt auch echt nicht, dass die Powers groß was individualisieren. Die 4e ist spätestens ab Paragon Level vor allem eine Optimierungsaufgabe, die wenig Platz für Individualisierung lässt. Und die Gamification von Nichtkampfkram kann man mögen, muss man aber nicht.

Am Stärksten war die 4e bei uns immer, wenn wir außerhalb der Kämpfe im Wesentlichen freeform gespielt haben und für den Kampf dann in den Battlemap-Taktikmodus geschwenkt sind. Combat as War war erlaubt, aber nicht verpflichtend.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #139 am: 21.06.2021 | 16:59 »
Es spricht ja auch niemand ab, dass D&D4 auch durchaus andere Bereiche abdeckt. Im PHB sind da die Skills und die Rituale schon ein guter Hinweis drauf, im DMG wird da noch deutlich stärker drauf eingegangen (u.a. Seite 42, Skill Challenges usw.).
Da ist meiner Meinung nach der Hase im Pfeffer. DMG S.42 hätte ZWINGEND auf Seite 11/12 als Core-Mechanic ins PHB gehört. Die Skillchallenge selber zumindest in Grundzügen genauso.
Zitat
Aber das ändert ja nichts da dran, dass sich das Spiel um taktischen Kampf dreht. Wenn du keinen Bock darauf hast, das ein beträchtlicher Teil des Spiels auf der Battlemap stattfindet, dann macht D&D4 einfach keinen Sinn und auch nichts besser als seine Vorgänger und Nachfolger. Wenn du aber genau das haben willst, dann behaupte ich einfach mal dreist, dann macht es das besser als alle anderen Inkarnationen von D&D.  :)
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #140 am: 21.06.2021 | 19:08 »
Ich sehe da nicht ansatzweise, dass da 4E irgendwie sich hervortut im Gegensatz zu allen anderen Editionen.

Und das ist doch völlig in Ordnung. Der Zweck solcher Threads kann ja schließlich nicht sein "XYZ überzeugen" und weder kann noch will dir irgendwer diese Ansicht nehmen. Ich doch schon gar nicht.

Ich halte so oder so viel mehr davon konkrete Regelmechaniken anzusprechen. Die von mir oben genannten zum Beispiel. Ich kann dir da problemlos Beispiele nennen und erläutern in welcher Form die Regeln helfen können diese umzusetzen. Aber das Ziel solcherlei Texte wird nie sein dich oder andere von irgendetwas zu überzeugen oder dafür zu sorgen das du da irgendetwas siehst was du vorher nicht gesehen hast. Ich hab nie verstanden warum es sofort Leute auf den Plan ruft sobald man schreibt irgendwelche konkreten Regeln in der 4e würden einem gefallen.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #141 am: 21.06.2021 | 19:18 »
Ich hab nie verstanden warum es sofort Leute auf den Plan ruft sobald man schreibt irgendwelche konkreten Regeln in der 4e würden einem gefallen.

Das ist nur die übliche Ketzerei-alarmiert-Vertreter-des-"wahren"-Glaubens-Reaktion, die findet man überall im Universum. :)
« Letzte Änderung: 21.06.2021 | 19:20 von nobody@home »

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #142 am: 21.06.2021 | 19:43 »
Ich finde jetzt auch echt nicht, dass die Powers groß was individualisieren.

Kommt halt drauf an was man für "groß" ansieht.

Was es bewirkt ist, dass unterschiedliche Charaktere unterschiedliche Dinge tun. Kämpfer, Waldläufer und Schurke hauen halt nicht einfach nur irgendwie drauf, sondern machen verschiedene Manöver, dreckige Finten und dergleichen. Ihre konkreten Aktionen können darüber das abbilden was ihren Charakter ausmacht. Und natürlich gibt es auch Möglichkeiten diese Dinge noch einmal weiter zu verfeinern.  Ist das etwas "großes" ?

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein.

Offline flaschengeist

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #143 am: 21.06.2021 | 19:43 »
Das ist nur die übliche Ketzerei-alarmiert-Vertreter-des-"wahren"-Glaubens-Reaktion, die findet man überall im Universum. :)

 ~;D :d
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #144 am: 21.06.2021 | 21:40 »
Da ist meiner Meinung nach der Hase im Pfeffer. DMG S.42 hätte ZWINGEND auf Seite 11/12 als Core-Mechanic ins PHB gehört. Die Skillchallenge selber zumindest in Grundzügen genauso.I beg to differ. ^^

In der Tat. Das hätte die Wahrnehmung der ganzen Geschichte deutlich drehen können. So sehen die Spieler diesen ganzen Kram ja gar nicht, sondern nur die SL.

Dass 4e natürlich kein storygetriebenes Regelwerk ist, ist klar, aber im Bereich in dem Abenteuer erlebt werden sollen, bietet die 4e schon alleine mit der Skill-Challenge wesentlich mehr als Du als Werkzeug von der 3e je an die Hand bekommen hast.

Allerdings sind das Werkzeuge, die die offiziellen Abenteuer auch nicht wirklich gut nutzen. Nicht nur auf Kampf ausgelegtes zu finden, da muss man eher (auf Basis der guten Sourcebooks und der Ideen dort drin) selber tätig werden. Es gibt da Ausnahmen (Standing Stone beispielsweise, oder die Sachen die zur Zeit des Übergangs zur 5E entstanden sind, Murder in Baldurs Gate beispielsweise), aber die sind wirklich selten.
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« Antwort #145 am: 22.06.2021 | 07:57 »
Wobei Murder in Baldurs Gate zum Einen viel zu spät kam und zum Anderen als Testspielwiese für D&D Next (später aka D&D 5) angeboten wurde.

Die Verzahnung mit den Regeln von D&D4 fand de facto nicht statt, obwohl das Abenteuer mit vielen Skillchallenges hätte punkten können. Stattdessen musste da wieder alles selbst gemacht werden, es wurden nur Gegnerstatblocks bereitgestellt.

Ausserdem ist MiBG leider auch kein gutes Abenteuer, nur eine schöne Mini Sandbox, die viel zu wenig genutzt wurde.
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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #146 am: 22.06.2021 | 10:51 »
MiBG ist wirklich kein sonderlich gutes Beispiel, da würde ich z.B. eher Demon Queens Enclave, Cairn of the Winter King oder Madness at Gardmore Abbey nennen.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #147 am: 22.06.2021 | 15:02 »
Die Küstenzauberer-Abenteuer der 4e und auch schon der späten 3.5 sind ein Thema für sich. Das ist definitiv richtig.
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Joseph Joubert (1754 - 1824), französischer Moralist

Offline Grubentroll

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #148 am: 23.06.2021 | 18:17 »
Doof gefragt:

Fandet ihr Skill Challenges wirklich eine tolle Mechanik?
Ich empfand diese Aneinanderreihung von Checks eher profan und unimmersiv. Was meiner Meinung nach auch der Grund ist, warum das nicht Fuß gefasst hat.
Und im Laufe der 4E sich auch ein wenig geändert hat.
Die Skill Challenge in den Hard Covers wirkt mir ein wenig anders als wie die in den Essentials.

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #149 am: 23.06.2021 | 18:33 »
Fandet ihr Skill Challenges wirklich eine tolle Mechanik?
Jupp. Aber nicht so wie sie im DMG1 präsentiert wurden. Die waren da noch lange nicht fertig mit dem Regelwerk.
Wie Du schon schriebst: Die späteren Skill Challenges wirkten wesentlich ausgereifter.
Das Grundkonzept selber, Benennung des Ziels einer Challenge + 3 Strikes + Anzahl an Erfolgen, waren schon sehr toll gewesen.
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