Autor Thema: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?  (Gelesen 12720 mal)

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Offline Crimson King

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #250 am: 15.07.2021 | 10:10 »
Meine Überlegung ging nur in die Richtung: Wenn Wizards schon wahrgenommen hat, dass D&D4 nicht die warme Semmel Edition war, warum haben sie nicht sich sowas ausgedacht und dann als D&D 4.5 oder in ein DMG als "Experten-Option" rausgehauen... Immerhin war sichtbar, dass das nicht der große Wurf war, den sie sich versprochen hatten.

Dazu war die Ablehnung insgesamt zu funamental und der Erfolg von PF hat auch gezeigt, dass viele Spieler so radikale Änderungen an der Mechanik, wie sie DnD 4 gebracht hat, nicht mitgehen.
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J.W. von Goethe

Online tartex

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #251 am: 15.07.2021 | 10:25 »
Meine Überlegung ging nur in die Richtung: Wenn Wizards schon wahrgenommen hat, dass D&D4 nicht die warme Semmel Edition war, warum haben sie nicht sich sowas ausgedacht und dann als D&D 4.5 oder in ein DMG als "Experten-Option" rausgehauen... Immerhin war sichtbar, dass das nicht der große Wurf war, den sie sich versprochen hatten.

Weil ein anderes Problem als größer angesehen wurde: alle Klassen waren D&D4 sehr komplex zu spielen und man konnte nicht einfach auf "ich mach jetzt Fighter und schlage einfach jede Runde zu" machen. Das wurde mit den Essentials angegangen und die können wohl am ehesten als 4.5 gelten.

Mehr Casual-Support wurde als wichtiger gesehen als die ganze Balance mit sowas über den Haufen zu werfen. Die Elemente waren halt alle recht fein abgestimmt und "gesilot".
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Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #252 am: 15.07.2021 | 10:28 »

Meine Überlegung ging nur in die Richtung: Wenn Wizards schon wahrgenommen hat, dass D&D4 nicht die warme Semmel Edition war, warum haben sie nicht sich sowas ausgedacht und dann als D&D 4.5 oder in ein DMG als "Experten-Option" rausgehauen... Immerhin war sichtbar, dass das nicht der große Wurf war, den sie sich versprochen hatten.

Letztlich: Haben sie ja. Zunächst mittels den Essentials, und letztlich dann mit der 5E. Welche ja sehr viel "gelernt" hat aus der Kritik und ihrer Entstehung. Das beispielsweise Fähigkeiten in der 5E wieder im Fließtext beschrieben werden ist zwar für die Übersichtlichkeit und die Eindeutigkeit der Regeln eher schlecht. Hat aber sehr geholfen neue Shit-Storms zu vermeiden. Auch andere Dinge wie beispielsweise den Ansatz möglichst viele Spielweisen anzubieten, möglichst viel Improvisation und alternative Herangehensweisen wurden als "das kommt bei den Spielern nicht an, wird kaum bemerkt" raus genommen, ähnlich das mit der 4E gesenkte Powerniveau, die Möglichkeiten magielos zu spielen oder solche Sachen wie Monsterrollen als Möglichkeit die Gegner stärker zu individualisieren.

Das tut natürlich irgendwo weh wenn man sich konkret mit den einzelnen Regeln beschäftigt und sich dann sagt "Mensch, aber eigentlich fand ich es toll das Nichtkampfsituationen besser unterstützt wurden und natürlich mochte ich improvisierte Aktionen und wenn Krieger mehr tun als nur irgendwie zuhauen".

Aber letztlich ist vieles was mit der 5E angestellt wurde eine direkte Konsequenz aus der damaligen Kritik.

« Letzte Änderung: 15.07.2021 | 10:31 von Arldwulf »

Offline Zanji123

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #253 am: 15.07.2021 | 15:51 »
als "unbedarfter" nochmal:

es heisst ja das D&D 5 eigentlich gar nicht SOOOo krass anders zu D&D 4 ist es sich nur "anders anfühlt".

Ist das korrekt?

Gut ich lese beim querlesen jetzt nix von Daily powers, Encounter Powers usw (da mich schon etwas sehr an Videospiel trigger Fähigkeiten erinnerten) allerdings sind Fähgikeiten die du nur x mal nutzen kannst ja echt nichts neues.

Andererseits wurde der 4E ja (in nem Video jedenfalls) auch vorgeworfen das viele Klassen eigentlich das exakt gleiche konnten nur mit nem anderen Namen des Skills (was jetzt auch nicht sooo krass neu ist den sind wir ehrlich: Heilung kann nicht nur ein Kleriker / Paladin sondern halt auch der Druide z.b.)
ist dies bei D&D 5 jetzt anders?
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Offline Crimson King

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #254 am: 15.07.2021 | 16:02 »
es heisst ja das D&D 5 eigentlich gar nicht SOOOo krass anders zu D&D 4 ist es sich nur "anders anfühlt".

DnD 5 ist in vielen Dingen wieder deutlich näher an tradiertem DnD dran. Man hat versucht, die Probleme älterer Editionen auf eine Art und Weise anzugehen, die mit diesen Traditionen nicht oder zumindest nicht so offensichtlich bricht. Insofern passt die Aussage ganz gut.
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J.W. von Goethe

Offline Arldwulf

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Re: Wieso wurde D&D 4e eigentlich so schnell aufgegeben?
« Antwort #255 am: 15.07.2021 | 16:13 »
als "unbedarfter" nochmal:

es heisst ja das D&D 5 eigentlich gar nicht SOOOo krass anders zu D&D 4 ist es sich nur "anders anfühlt".

Ist das korrekt?

Unterschiedlich ist es schon, letztlich sind alle D&D Editionen mit genug Unterscheidung zueinander versehen, das man von eigenen Spielen sprechen kann.

Was die 5E aus der 4E übernimmt sind einige Grundkonzepte und Begriffe (Todesrettungswürfe, kurze Rast, Monsterdesign unabhängig vom Charakterdesign, Fertigkeiten können trainiert oder untrainiert sein, Heilschübe/Hitdice, Advantage , und Rituale z.B) aber zumeist in abgeschwächter und nicht mehr dem ursprünglichen Ansatz folgenden Form. Sieht man beispielsweise bei improvisierten Aktionen, in der 4E konntest du auch z.B. mit so etwas wie Magiekunde und Gassenwissen improvisieren - die 5e hat das auf vom Spielleiter erlaubbare "Stunts" reduziert. Ähnlich sieht es mit Sachen wie z.B. Ritualen aus, in der 4E war dies eine Begrenzungsmöglichkeit für skillersetzende Zauber und ein komplettes System. In der 5E ist es nur noch ein Begriff für Zauber die keine Zauberslots kosten. Oder bei den Heilschüben / Hit dice. In der 4E ist das eine Begrenzung der Heilung welche auch durch magische Heilung nicht aufgehoben wird. In der 5E ist es eine zusätzliche Heilmöglichkeit.

Andere Sachen flogen ganz raus, so hat z.B. die 4E für Magier noch Reste des alten Vancian Castings "man muss Zauber einprägen bevor man sie wirkt" Mechanismus früherer Editionen, was es so in der 5E halt gar nicht mehr gibt. Und mit dem Wegfall der stufenabhängigen Werteprogression hat man natürlich die wohl grundlegendste Änderung eingeführt welche eine D&D Edition je hatte

Insgesamt ist die Nähe zwischen 5E und 4E durchaus noch größer als z.B. zu AD&D oder 3E, viele Begriffe die einem so in der 5E entgegenkommen stammen in ihrer Grundform aus der 4E und würden jemanden der eher aus der 3E kommt so nix sagen. Aber abseits davon sind wesentliche Spielinhalte sehr verändert worden. Beispielsweise hat die 5E wieder ein deutlich höheres Powerniveau und geht wieder ein Stückchen weg davon das Spielercharaktere ähnliche Ressourcen zur Verfügung haben sollten, sondern balanced die Klassen wieder über eine bestimmte Anzahl Kämpfe miteinander aus. Auch Regeln für Nichtkampfsituationen und einige andere alternative Herangehensweisen wurden gestrichen, was in vielen der Abenteuer ein wenig den Railroadingaspekt gestärkt hat.

Aber naja, man darf dort auch nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Am Ende ist es alles immer noch D&D. Du kannst die gleiche Geschichte praktisch mit jeder D&D Edition erzählen und die wesentlichen Unterschiede liegen eigentlich nur darin welche Werkzeuge die einzelnen Regelwerke einem so in die Hand legen.
« Letzte Änderung: 15.07.2021 | 16:25 von Arldwulf »