Autor Thema: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe  (Gelesen 69245 mal)

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #325 am: 22.06.2025 | 18:45 »
Session 123: Teil 3

Im Verlauf des nächsten Tages passiert der Konvoi die Stelle, an welcher die Gefährten auf Hartan und seine Begleiter getroffen waren. Von den Zelten der Flüchtlinge aus Karn Ord ist jedoch nichts mehr zu sehen, und es sieht so aus, als seien sie bereits weitergezogen. Auch jetzt reagiert Avgan noch immer genervt und gereizt, wenn Arrohir das Gespräch mit ihm sucht. Diese Einstellung ändert sich erst am Abend, als der Anführer des Konvois mit zwei Bierkrügen zu Arrohir kommt und ihm mit den Worten: "Da man Euch ja offenbar nicht los wird, muss ich mich wohl mit Euch arrangieren" einen davon übereicht, bevor er fortfährt: "Aber dazu muss ich wissen, wer Ihr seid und von wo Ihr kommt." Der junge Dunadan erwidert, dass es ihm mit Avgan ebenso gehe, er ihm aber gerne Auskunft über sich und seine Begleiter erteilen werde. Doch schon nachdem er dem Mann erklärt hat, dass sie der Heren Calatirnoron, der Orden der Wächter des Lichts, seien, fällt ihm Avgan ins Wort und sagt, dass Arrohirs Akzent in Ostron zu schrecklich sei, als dass man ihm zuhören könne. Da die Gefährten Avgan noch immer nicht wissen lassen wollen, dass Tinulin die gemeinsame Sprache des Ostens perfekt beherrscht, übernimmt Mo die Aufgabe, zwischen Arrohir und Avgan zu übersetzen. Der junge Dunadan erklärt Avgan darauf, dass sie aus dem fernen Westen stammen, den König Rallah von Chey Sart mit Krieg überziehen wolle. Er selbst stamme von einem Volk, das in der Sprache des Ostens als "Pfurz" bekannt sei, auch wenn diese Bezeichnung schrecklich klinge. Zu ihrer Gemeinschaft würden neben den Menschen sodann auch zwei "Oarschs" und zwei Zwerge gehören. Sie hätten am Steppenturnier von Chey Sart teilgenommen, wobei es zu einem Konflikt mit König Rallah gekommen sei. Anschliessend hätten sie die Schlange von Cyan in der goldenen Stadt Skad besucht und seien nun in die Heimat von Ubbe und den anderen Wettstreitern von Ubain gekommen.
Avgan hört sich Arrohirs Geschichte mit zunehmender Verwunderung an und sagt schliesslich: "Ihr seid kein sonderlich guter Geschichtenerzähler, denn Eure Erzählung klingt viel zu fantastisch, als dass sie der Wahrheit entsprechen könnte. Sagt mir deshalb, wieso ich Euch glauben sollte?" Arrohir erwidert darauf ganz ruhig, dass er ihm wirklich glauben könne, da er die Oarschs und Zwerge ja mit eigenen Augen sehen könne. Während er Avgan auch noch einige seiner Narben von vergangenen Kämpfen präsentiert, sagt Arrohir schliesslich mit einem anerkennenden Schmunzeln: "Das grösste Wunder aber ist, dass Mo trotz der mittlerweile eingetretenen Dunkelheit der Nacht noch immer hier draussen bei uns weilt."
Auf Avgans Frage, weshalb König Jubaba sie mit der Begleitung des Konvois beauftragt habe, erklärt Arrohir, dass der Wagenzug eine wertvolle und für Ubain wichtige Fracht transportiere, welche es sicher nach Ramsarin zu bringen gelte. Dies führt Avgan zur Frage, was der König Arrohir und seinen Begleitern bezahlt oder versprochen habe, worauf der junge Dunadan antwortet, dass er ihre Spesen für die Reise nach Ramsarin decke. Er fügt an, dass der Heren Calatirnoron das Kollektiv der Schlange von Cyan unterstütze, auch wenn der Tribut des Stollendienstes der Ausrichtung des Ordens widerspreche, weshalb sie sich in einem gewissen Dilemma befinden würden. Auf Avgans Frage, was sie überhaupt in den Osten verschlagen habe, erklärt Arrohir, dass sie zunächst einfach nur Bóins II. Heimat im Eisengebirge hatten besuchen wollen. Bóins II. Fürst habe sie dann aber ans Steppenturnier nach Chey Sart entsandt, wo sie auf viele Reiche des Kollektivs der Schlange von Cyan gestossen und von der Grösse und Vielfalt des Osten überrascht worden seien.
Als Avgan fragt, weshalb die Gefährten dem Kollektiv der Schlange von Cyan helfen, erwidert Arrohir, dass sie das Kollektiv als einen Verbund von Reichen unterstützen würden, der nicht daran interessiert sei, den Westen zu überrennen. Avgan gibt indessen zu bedenken, dass der von den Reichen dem Kollektiv zu leistende Tribut offenbar dem Geist des Ordens widersprechen würde, worauf Arrohir sagt: "Ihr habt Recht, was diesen Punkt betrifft. Im Westen würde der Zusammenhalt eines solchen Kollektivs eher auf der Grundlage von Treue und Liebe sowie Bruderschaft aufgebaut werden." Avgan erwidert darauf, dass diese Grundprinzipien der Schlange von Cyan nichts bedeuten würden, zumal sie kein Erbarmen kenne.
Nach einer kurzen Pause sagt Arrohir, dass beim Kollektiv eine Generation von Menschen in die Stollen gehen müsse, während bei Rallahs Allianz ein ganzes Volk in den Krieg mit dem Westen ziehen müsse, aus welchem es keine Widerkehr gebe. Avgan entgegnet darauf halb wütend und halb traurig, es wäre zutreffender zu sagen, dass eine Generation von Menschen in den Tod geschickt werde statt in die Stollen, denn nichts anderes erwarte sie dort. Frustriert fügt er an: "Noch ganze 12 Jahre! Und Jubaba unternimmt nichts gegen dieses Unrecht!", wobei er mit der Faust in den Schnee schlägt. Arrohir erwidert, dass der König an dieser Situation leider auch nichts ändern könne, zumal auch seine eigene Tochter, Prinzessin Jubara, eine Geisel der Schlange von Cyan sei und durch den langen Aufenthalt in Skad auf eine eigene Familie verzichten müsse. Erschöpft entgegnet Avgan, dass Jubara am Ende des Dienstes aber zumindest noch leben werde, während diejenigen, die in den Minen arbeiten müssen, zu Tode kommen. Als Arrohir dem Mann zu bedenken gibt, dass die jetzige Situation immer noch besser sei, als wenn der König seine Untertanen frei nach Belieben in einen Vulkan werfen würde, erwidert Avgan, dass der Tod in den Minen keinesfalls als eine Erlösung betrachtet werden könne. Auf diese Antwort fragt Arrohir, ob in den Minen ein Siegel gebrochen worden sei, und erklärt, dass sie an den versiegelten Toren zu Utumno, der alten Festung des Feindes der Welt, gestanden hätten. Er möchte von Avgan auch wissen, ob es in den Minen Dämonen gebe. Als Mo diese Worte von Arrohir hört, hält sich sich entsetzt die Ohren zu und sieht nur noch starr ins Feuer, ohne weiter zu übersetzen, weshalb Avgan mit Arrohirs begrenzten Ostronkenntnissen Vorlieb nehmen muss. Mit unheilvoller Stimme fügt Arrohir an, dass ein Anschluss an die Allianz von König Rallah zweifelsfrei noch schlimmer wäre. Sie hätten mit Rallah gegessen und seinen Fluch hautnah miterlebt. Eindringlich appelliert er an Avgan, sich von Rallah abzuwenden, da er nicht die Lösung sei, worauf der Mann fragt, was Arrohir denken lasse, er sei an einem Bündnis mit Chey Sart interessiert. Arrohir erklärt darauf, er habe dies gesagt, weil es nur diese beiden Bündnisse gebe. König Jubaba setze alles daran, damit die Tortur seines Volkes nach 12 Jahren ein Ende habe. Mit einem spöttischen Blick entgegnet Avgan, so wie Arrohir das sage, klinge es, als glaube er, dass er, Avgan, ein anderes Ziel verfolgen würde. Arrohir erwidert, dass er das nicht hoffe, zumal man nicht einfach aus dem Kollektiv der Schlange von Cyan ausscheiden könne. Der junge Dunadan fügt indessen an, dass er gerne dabei behilflich wäre, sich alternative Lösungen auszudenken. Avgan entgegnet auf dieses Angebot jedoch nur: "Kommt mir auf dem Weg nach Assadin einfach nicht in die Quere, denn dieser Konvoi muss sein Ziel erreichen, aber das mache ich auf meine Art." Arrohir stimmt seinem Gegenüber zu, dass der Wagenzug ankommen müsse, und sagt, dass die Calatirnor ihn im Schmerz und in der Weisheit unterstützen werden, nicht aber im Hass und im Wahnsinn.
Nachdem Arrohir und Avgan ihr Gespräch beendet haben, bemerkt Arrohir, dass Mo seit der Erwähnung von "Dämonen in den Minen" nicht mehr gesprochen, sondern nur noch starr ins Feuer geblickt hat. Als er sie leicht anstösst und sie total verängstigt sagt, dass sie nun kein Auge mehr zumachen könne, redet ihr Arrohir gut zu und verspricht, vor ihrem Zelt Wache zu halten.

Nach einer ruhigen Nacht zieht der Konvoi weiter und erreicht am Abend des 6. Februar 2789 3Z den Fuss des Vorgebirges. Unterwegs hat Arrohir mit Bóin II. über seine Unterredung mit Avgan gesprochen und ihm gesagt, er glaube, dass in den Tiefen der Minen ein oder mehrere Siegel durchbrochen worden seien und sie es mit Dämonen zu tun haben könnten. Beim Abendessen kommt Avgan zu Arrohir und sagt ihm, dass zwei Wagen des Konvois eine andere Route über das Vorgebirge nehmen werden. Dies sei indessen nicht das Problem der Gefährten, welche den Hauptzug zu begleiten und beschützen hätten. Als Avgan Arrohir die Ladung der beiden Wagen auf dessen Nachfrage nicht offenlegen möchte, informiert der junge Dunadan Tinulin und Bóin II. über diese Neuigkeit. Die beiden Anführer der Calatirnor beschliessen darauf, die zwei Wagen zu begleiten, was Arrohir Avgan wenig später mitteilt, verbunden mit der Anmerkung, dass auch sie nicht alles an der Grenze zu Jendiar verzollen möchten. Als er anfügt, dass er nicht nochmals nach der Ladung der beiden Wagen fragen werde, erwidert der Mann, dass dies die Calatirnor auch nichts angehe. Bevor sich Tinulin und Bóin II. von den übrigen Gefährten verabschieden, sagt ihnen Arrohir, er glaube, dass Avgan irgendetwas ganz Übles in den Minen plane, wovon er ihn gerne abbringen würde.

Als am Morgen des 7. Februar 2789 3Z der Aufbruch naht, macht sich Avgans berittener Helfer Kuna bereit, um die beiden Sonderwagen zu begleiten. Den Gefährten sagt er nochmals unmissverständlich, dass der Inhalt der Wagen Tinulin und Bóin II. nicht zu interessieren habe. Avgan noch immer vorgaukelnd, er könne kaum Ostron verstehen oder sprechen, lässt sich Tinulin die Worte des Mannes übersetzen und erwidert darauf, er solle von seinem Plan ablassen, der Ubain ins Elend stürzen werde. Sie würden ihm dafür gerne bei der Suche nach anderen Lösungen behilflich sein. Gleichwohl bekräftigt der Noldo, dass sie der Inhalt der Wagen nicht interessiere. Als Avgan nicht auf Tinulins Angebot eingeht, sondern lediglich sagt, dass sie sich auf der anderen Seite des Vorgebirges wiedersehen werden, lässt der Noldo Mo übersetzen, dass er dann hoffentlich weiser sein werde.

Die nächsten Tage reisen Tinulin und Bóin II. zusammen mit den beiden Wagen und Kuna einen gewundenen und häufig sehr ausgesetzten Schmugglerpfad entlang hinauf ins tief verschneite Gebirge, bis ihre Reise am 10. Februar 2789 3Z von einigen Wegelagerern jäh unterbrochen wird. Während Kuna den Wagen vorausgeritten war, befinden sich Tinulin und Bóin II. an deren Ende und können sie nicht passieren, als sie an einer sehr ausgesetzten Stelle angehalten werden. Während Tinulin hört, dass Kuna mit einigen der Banditen ein Gespräch auf Linerin beginnt, entdecken er und Bóin II. ein ganzes Stück oberhalb des Weges eine gut versteckte Terrasse, von welcher aus einige weitere Wegelagerer auf sie herabschauen. Als Tinulin zu seinem Bogen greift, um sich die Räuber vorzuknöpfen, deuten diese jedoch nur auf ein paar dicke Baumstämme zu ihren Füssen und drohen damit, sie auf die Wagen und ihre Begleiter hinunterdonnern zu lassen, wodurch sie sicherlich alle in die Schlucht zu ihrer Linken gestürzt würden. So können die Gefährten nur abwarten, bis sich die Banditen nach einiger Zeit plötzlich wieder zurückziehen und die Wagen weiterfahren können. Als sie bald darauf zu einer breiteren Stelle gelangen, kommt Kuna zu den Gefährten und fragt sie auf Ostron, ob alles in Ordnung sei, was Tinulin und Bóin II. bejahen. Auf Tinulins Frage, ob bei ihnen auch alles gut sei, entgegnet der Mann aus Ubain, dass sie sich keine Sorgen machen müssten.
Noch bevor an diesem Tag die Sonne untergeht, haben sie einen kleinen Pass hinter sich gebracht und richten weniger später ihr Nachtlager ein. In der Nacht schleicht Tinulin etwas näher an die beiden Wagen heran und prägt sich ihre Eigenheiten gut ein, um sie später unter den übrigen Wagen des Konvois aufspüren zu können. Auf dem weiteren Weg zur Ebene südlich des Vorgebirges prägen sich Tinulin und Bóin II. auch noch die Gesichter der Wagenlenker ein.

Am Abend des 14. Februar 2789 3Z trifft die kleine Gruppe an den südlichen Ausläufern des Vorgebirges schliesslich wieder auf die übrigen Wagen des Konvois sowie Avgan und den Rest der Calatirnor. Wie sie von Arrohir erfahren, war der Wagenzug ohne Hindernisse zum Pass von Jendiar gelangt, wo Avgan nach einem längeren, vermutlich nicht ganz obulusfreien Gespräch mit den Zöllnern die Durchfahrt aller Wagen erwirken konnte.

// Metageblubber:

In dieser Session haben die Spieler ihre Charakter sehr gut argumentieren lassen, weshalb ich mich veranlasst sah, möglichst genau mitzuschreiben. In der Session habe ich meist das Gefühl, ich könnte die relevanten Punkte vergessen, bis ich dazu komme den Sessionbericht zu schreiben, und dass ich dann die Logik nicht mehr richtig herbringe, weshalb sich die Charakter wozu entschieden haben.

Yuzukis Vorschlag, sich in Assadin über Avgan kundig zu machen, fand ich einen sehr guten, sinnvollen Zug. Sie hat damit auch umgesetzt, dass die Spieler selbst initiativ werden müssen, wenn ihnen die Informationen nicht einfach auf dem Tablett serviert werden. Dass sie dann aber so schnell "aufgegeben" haben, überraschte mich schon fast wieder. Immerhin konnten sie so schon ein paar Infos vorab erhalten, etwa dass der Konvoi vom König finanziert ist und Avgan und seine Leute einfach den Transport machen.

Mit Avgan selbst bin ich den Charaktern gefühlt auch ziemlich entgegengekommen. Er hätte eigentlich überhaupt keinen einzigen Grund gehabt, ihnen in irgendeiner Weise zu vertrauen, zumal sie sich mit dem Schreiben ihm gegenüber als "Spitzel des Königs" ausgewiesen haben. Da muss er ja eigentlich Repressionen und Einmischungen erwarten, die ihm nicht genehm sind. Warum also sollte er ihnen vertrauen oder irgendetwas erzählen? Trotzdem habe ich ihn nach einigen Tagen von sich aus auf Arrohir zugehen lassen. Vielleicht hat Avgan das getan, um die Gefährten besser einschätzen zu können bevor es zum Konvoi-Split am Fuss des Gebirges kommen sollte?

Gegen Ende der Session gab es noch eine Diskussion darüber, ob Tinulin und Bóin II. sich an die beiden Spezialwagen ranmachen würden oder nicht. Auslöser war dabei ein Missverständnis darüber, wie Tinulin sich Avgan gegenüber ausgedrückt hatte und ob er mit seinem geplanten Verhalten seinen Worten zuwider handeln würde. Im Nachgang zur Session konnte das aber problemlos aufgelöst werden.


Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #326 am: 10.07.2025 | 22:34 »
Weiter geht's mit dem Konvoi nach Ramsarin. Was die Gefährten wohl unterwegs noch so alles erfahren? Lest einfach selbst :)

Session 124: Teil 1
14.2. - 8.3.2789 3Z
Pass von Jendiar - Ramsarin

Nachdem sich die Gefährten begrüsst und sich die Wagen des wiedervereinten Konvois zu ihren nächtlichen Wagenburgen arrangiert haben, geht Arrohir ein weiteres Mal zu Avgan und sagt, er solle von seinem Plan ablassen. Der Mann entgegnet, dass Arrohir erstmal besser Ostron sprechen müsse, bevor er ihm, Avgan, sagen könne, was er zu tun oder zu lassen habe. Arrohir bleibt jedoch beharrlich und fährt fort, dass sie im Herzen gleich ticken würden. Da sieht ihn der Anführer des Konvois eindringlich an, bevor er fragt: "Was hat Euch dazu bewogen, Euch von König Jubaba anheuern zu lassen? Seid Ihr einfach nur Söldner oder geht es Euch noch um etwas Anderes?" Arrohir erwidert, dass er Avgan vor einer Dummheit bewahren und bei dieser Gelegenheit auch gleich noch die Minen von Burskadekdar sehen wolle. Seine Begleiter hingegen befänden sich auf der Suche nach den "Luchsmenschen". Avgan reagiert überrascht und fragt, was Arrohir mit "Luchsmenschen" meine. Nachdem Arrohir dem Mann erklärt hat, worum es sich nach Ansicht von Tinulin bei den Luchsmenschen handeln könnte, fügt er an, dass es ihm jedoch in erster Linie darum gehe, Avgan vor einer grossen und folgenschweren Dummheit zu bewahren. Avgan sieht sich Arrohir nochmals genau an, bevor er mit einem spöttischen Lächeln erwidert: "Die Dummheit liegt im Auge des Betrachters", wobei er mit den Fingern andeutet, Arrohir im Blick zu haben. Für diese Nacht errichten die Gefährten ihr Lager bei der hintersten Wagenburg, die dem Gebirge am nächsten ist.

Rund eine Woche später kommt Avgan am Abend des 21. Februar 2789 3Z auf Arrohir und Mo zu und sagt, er habe über die Worte des jungen Dunadan nachgedacht. Da er die Calatirnor bis Ramsarin wohl nicht loswerde, sondern sich mit ihnen arrangieren müsse, wolle er ihnen folgendes Angebot unterbreiten:

"Ihr habt gesagt, Ihr oder Eure Begleiter seien auf der Suche nach den sogenannten "Luchsmenschen". Ich kenne einen Mann namens Gorig, der in den Minen von Ramsarin seinen Dienst für Ubain verrichtet. Sein Vater ist als Händler weit herumgekommen und hat seinem Sohn von Wesen berichtet, die in den Orocarni leben und Eurer Beschreibung der Luchsmenschen entsprechen könnten. Wenn wir Ramsarin erreichen, werde ich dafür sorgen, dass Gorig sein Wissen über diese Wesen mit Euch teilt. Des Weiteren kann ich arrangieren, dass Ihr Zutritt zu den Minen von Ramsarin erhaltet, solange Ihr dabei den Anweisungen meines Sohnes Arang strikte Folge leistet. Damit würdet Ihr von mir bekommen, was Euch König Jubaba versprochen hat, nur dass Ihr bei mir sehr viel schneller zu Eurem Ziel gelangt. Im Gegenzug kümmert Ihr Euch nicht weiter um mich und lasst mich und meine Geschäfte in Ruhe."

Nachdem sich Arrohir Avgans Vorschlag angehört hat und sagt: "Ich kann Euer Angebot leider nicht annehmen, denn dafür mag ich Euch zu sehr", erwidert dieser: "Überlegt es Euch nochmals in Ruhe und bedenkt dabei, dass Ihr ohne mich keinen Zugang zu den Minen von Ramsarin erhaltet." Arrohir entgegnet darauf, dass Avgan Abstand von seinem Plan nehmen müsse, zumal er, Arrohir, sich ihm näher fühle als König Jubaba. Schliesslich einigen sich die beiden darauf, dass sich jede Seite nochmals Gedanken machen wird.

Am Abend schlägt Calandin Tinulin vor, dass sie die beiden verdächtigen Wagen in einer Nacht- und Nebelaktion abladen könnten. Für Tinulin steht zwar fest, dass auf den beiden Wagen nichts Gutes transportiert wird, gleichwohl möchte er aber noch etwas abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. In der Nacht schleicht Calendin trotzdem mal zu den an fünften und neunten Position fahrenden und damit nachts in der zweiten und dritten Wagenburg eingestellten Wagen. Da er keinen einfachen Weg vorbei an den Wachen sieht, beschränkt er sich auf eine Beobachtung von aussen und kommt dabei zum Schluss, dass die Fracht der Wagen etwas leichter sein dürfte als jene der übrigen Wagen.

Nachdem Calendin die Calatirnor am nächsten Morgen über seine nächtliche Entdeckung unterrichtet hat, informiert Mo sie im Gegenzug über Avgans Angebot. Bóin II. findet Avgans Vorschlag grundsätzlich spannend, ist aber der Meinung, der Mann aus Ubain müsste zusätzlich noch 350 Goldstücke locker machen. In der folgenden Diskussion schlägt Calendin vor, Avgan aufzufordern, den Inhalt der beiden Wagen offenzulegen, ansonsten würden sie ihn nach Assadin bringen. Dies müsste allerdings noch vor der Ankunft in Ramsarin geschehen, da es danach zu spät wäre, noch eingreifen zu können. Bóins II. Interesse bei der ganzen Angelegenheit gilt in erster Linie dem in Aussicht gestellten Kopfgeld von 350 Goldstücken. Tinulin und auch Calendin sind demgegenüber vor allem daran interessiert, Informationen über die Luchsmenschen zu erhalten. Arrohir stellt derweil nochmals klar, dass ihm Avgan sympathischer sei als König Jubaba. Als Calendin vorbringt, dass es für die Calatirnor langsam an der Zeit wäre, ihre eigenen Interessen an die erste Stelle zu setzen, denkt Bóin II. darüber nach, ob sie sich ihr Gold nicht auch einfach in den Minen von Ramsarin beschaffen könnten. Der Waldelb redet ihm jedoch ins Gewissen und sagt, dass ein solches Vorgehen den Grundprinzipien des Heren Calatirnoron zuwiderlaufen würde. Im weiteren Verlauf der Beratung überlegen die Calatirnor auch, ob sie den Konvoi vielleicht einfach jetzt gleich verlassen und sich gleich auf die Suche nach den Luchsmenschen machen sollten. Mo wendet dagegen indessen ein, dass sie nicht akzeptieren könne, wenn Tinulin und Calendin beabsichtigen sollten, das ganze Rote Gebirge ohne konkrete Hinweise abzusuchen. Der Noldo sagt zwar, dass er niemals einen Schwur leisten würde, da ein Schwur seiner Ahnen sehr viel Unheil und Leid über die Welt gebracht habe, er ist aber immerhin bereit, Mo sein Wort zu geben, dass sie spätestens Ende September diesen Jahres nach Westen zurückkehren werden. Sollten sie in dieser Zeit wirklich belastbare Hinweise auf die Luchsmenschen finden, würde sich der Abreisetermin längstens bis Ende Oktober verschieben. Arrohir ist mit diesem Vorschlag einverstanden, und auch Yuzuki hat damit kein Problem, solange sie bei den Gefährten bleiben dürfe. Tinulin sagt der jungen Händlerin darauf, dass sie bei den Calatirnor bleiben dürfe, wenn sie in den Westen zurückkehren. Dies würde allerdings gleichzeitig bedeuten, dass ihr Vater Hamid für immer verschwunden bleibe und sie die Suche nach ihm endgültig ad acta legen müsste.

Am Morgen des 23. Februar 2789 3Z geht Tinulin zu Avgan und bittet den Mann in akzentfreiem Ostron um ein Gespräch. Sobald sie sich ausser Hörweite von allfälligen Zuhörern befinden, sagt Tinulin:

"Die Geschichten über die Minen von Burskadekdar sind voller Leid, und ich habe mit der empathielosen Schlange von Cyan über dieses Thema gesprochen. Sie ist erst gekommen und hat eingegriffen, als etwas ganz Übles in der Mine ausgegraben wurde. Sollte die Mine kein Gold mehr fördern, wird die Schlange von Cyan mit all ihrer Macht kommen, um den Aufstand der Arbeiter niederzuschlagen und sie für ihre Verweigerung büssen zu lassen. Arrohir mag Euch, Avgan. Ich hingegen kenne Euch nicht. Aber ich weiss, dass der Plan, den Ihr Euch ausgedacht habt, ein Desaster auslösen wird, das zu einem furchtbaren Fiasko führen wird. Die Schlange von Cyan wird über Euch kommen, und wenn nicht sie kommen sollte, so wird König Rallah von Chey Sart über Euch kommen, ein ganz übler Zeitgenosse, der seine eigenen Leute ohne zu zögern in einen Vulkan werfen lässt."

Avgan hört sich Tinulins Worte an, bevor er ruhig erwidert: "Wie ich sehe, sprecht Ihr meine Sprache entgegen Eurer früheren Darstellung doch sehr gut. Was sagt mir das nun über Euch? Ich will offen mit Euch sein und sage, dass ich die Vermutung hege, dass Euch König Jubaba als Söldner angeheuert haben könnte, um mich beseitigen zu lassen, sobald wir Ramsarin erreicht haben. Wenn ich damit richtig liegen sollte, sagt mir, weshalb sollte ich Euch vertrauen?" Tinulin entgegnet, dass Avgan zwar Recht habe, er doch aber gleichwohl auch erkennen können müsste, dass Arrohir und Mo dem Volk von Ubain helfen und ihn davor bewahren wollen, eine Untat zu begehen. Der Mann sieht Tinulin eine Weile direkt an, bevor er fragt: "Und was gedenkt Ihr nun zu tun? Ich vermute, Ihr könnt Euer Schwert erst gegen mich erheben, wenn wir in Ramsarin sind. Gleichzeitig glaubt Ihr aber, dass ich dann etwas Unheilvolles machen werde." Tinulin erwidert darauf, dass er sein Schwert immer genau dann ziehe, wenn es ihm beliebe, wobei er Luinmacil aus seiner Scheide holt und in die Höhe reckt, bevor die Klinge mit den Worten "und ich stecke es auch zurück, wann ich es will" wieder in die Scheide fahren lässt. Als er darauf nochmals erklärt, dass sie Avgan vor einer grossen Dummheit bewahren wollen, fragt ihn dieser, ob er dafür bereit sei, König Jubaba zu hintergehen. Tinulin erwidert, dass er das nicht sei und ihm den Inhalt der Abmachung mit König Jubaba erst offenlegen könne, wenn er wisse, was Avgan plane. Darauf entgegnet der Mann, dass sich in diesem Fall wohl in einem Dilemma befinden würden. Ihm würde es nämlich genau gleich gehen und er könne Tinulin erst über seinen Plan in Kenntnis setzen, wenn er wüsste, was Tinulins Auftrag sei. Der Noldo erklärt darauf, dass König Jubaba nicht nach Avgans Leben trachte und sie sich für eine solche Aufgabe ohnehin nicht anheuern lassen würden. Vielmehr würden sie ihn vor einer grossen Dummheit bewahren wollen.

Nachdem der Mann Tinulin nochmals eine Weile forschend angesehen hat, sagt er schliesslich: "Ich will Euch eine Geschichte erzählen. In der verzweifelten Situation, in der sich Ubain, unsere Heimat, befindet, habe ich einen Funken Hoffnung erhalten, einen Funken, der Freiheit für alle verspricht." Als Tinulin ihn mit dem Ausspruch "Der Feuermalasander!" unterbricht, sieht Avgan ihn überrascht an und fragt, woher er ihn kenne. Tinulin erklärt darauf, dass er schon viel vom Feuermalasander gehört habe und Avgans Geschichte sehr nach ihm klinge. Avgan fährt fort: "Der Feuermalasander ist zu mir gekommen und hat mir anheimgestellt, Ubain zu befreien, so dass alle frei und geeint sind und keiner einem anderen überstellt ist. Wenn das erreicht ist, wird der Feuermalasander zu uns kommen und uns in eine neue Ära der Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit und des Einklangs führen, denn dies sind die Grundwerte dieser neuen Ära. Wenn es aber nicht gelingen sollte, so wird es das Ende sein, das Ende von uns, dem Kollektiv und von Allem." Mit leuchtenden Augen erklärt Tinulin, dass für ihn diese Idee sehr faszinierend klinge. Er gibt Avgan aber auch zu bedenken, dass der Feuermalasander bisher noch immer gescheitert sei. Der Mann erwidert darauf: "Und doch muss ich mein Volk befreien, denn sonst kehrt der Feuermalasander zurück und wir werden untergehen." Besorgt sagt Tinulin: "Dieser Teil der Aussicht klingt indessen gar nicht gut und hört sich genau nach dem Zwang an, den auch König Rallah und die Schlange von Cyan anwenden. Mir scheint, dass der Feuermalasander leider kein Deut besser als die beiden anderen ist und ich Euch zur Vorsicht mahnen muss. Ganz gleich wie verlockend und schön der erste Teil der Verheissung, der mir ehrliche Freude bereitet hat, auch klingen mag, der zweite Teil ist pure Unterdrückung und Zwang."
Gleichwohl wiederholt Avgan nochmals, dass sein Volk untergehen werde, wenn er keinen Erfolg haben sollte. Als ihn Tinulin nach dem Grund hiefür fragt, sagt der Mann: "Weil der Feuermalasander es mir gesagt hat. Allerdings ist Ubain nicht das einzige Reiche, welches der Feuermalasander aufgesucht hat." Avgan weiss indessen nicht, ob er auch Reiche besucht hat, welche nicht zum Kollektiv der Schlange von Cyan gehören. Auf Tinulins Frage, wie ein Reich in der neuen Ära funktionieren könne, wenn dessen König sich dagegen stelle, erklärt Avgan, dass in diesem Falle eine Unfreiheit bestehe, die beseitigt werden müsse. Der Mann fügt an: "Es ist kein Problem, jemandem von sich aus, aus freien Stücken, zu folgen, aber man kann nicht dazu gezwungen werden. Genauer kann ich es Euch nicht sagen, das müsstet Ihr den Feuermalasander schon selbst fragen."

Schliesslich holt Avgan aus einem unter seinem Wams verborgenen Beutelchen einen kleinen Edelstein hervor und hält ihn zwischen seinen Fingern. Obwohl die Strahlen der Sonne an diesem Tag von den Wolken sehr gestreut werden, bricht der Stein das Licht auf ganz wunderbare Weise und schillert dadurch in allen Farben gleichzeitig. Der farbenfrohe Anblick des Edelsteins erinnert Tinulin sogleich an den Mantel von Herrn Saruman, der aus einem Material gefertigt zu sein schien, welches das Licht der Sonne in allen Farben zurückwerfen konnte. "Dieser Stein", sagt Avgan, "ist ein Symbol und soll uns Kraft geben, unsere Aufgabe zu meistern. Und er geht an den Feuermalasander zurück, wenn ich mit meinem Auftrag Erfolg gehabt habe."
Avgans Beweggründe verstehend, erzählt Tinulin dem Mann von der Erschaffung der Welt und den Valar und stellt sie in Kontrast zu Morgoth und dem grossen Gesandten, die der Grund allen Übels in der Welt seien. Anschliessend gibt der Noldo Avgan folgende drei Ratschläge: Erstens solle er sich später immer fragen, ob das, was er sich jetzt unter "Freiheit" vorgestellt habe, wirklich eingetroffen sei. Zweitens solle er im Alltag und in der Natur nach den Valar suchen. Und schliesslich solle er drittens nie einem Volk Gewalt antragen, ausser es bitte geschlossen darum. Avgan nickt bestätigend, merkt aber gleichzeitig an, dass wenn der König seine Macht nicht freiwillig abgeben wolle, er zumindest gehen müsse.
Schliesslich fragt Tinulin, was es mit dem königlichen Edelstein auf sich habe. Avgan sieht den Noldo eine Weile fragend an, bevor ihm ein Licht aufzugehen scheint und er sagt: "Oh, den königlichen Edelstein meint Ihr? Hat Euch König Jubaba etwa gesagt, ich hätte ihm einen Edelstein abgenommen? Nun, ich kann Euch sagen, dass dies der Edelstein ist, den er für sich haben will, weil er seine Macht bedroht", wobei er auf das schillernde Kleinod in seinen Fingern deutet. Tinulin erwidert, dass Avgans Verrat an Jubaba in diesem Fall noch gefährlicher sein dürfte als er bis jetzt angenommen habe.
In Gedanken noch immer bei Herrn Saruman, sagt Tinulin, der Edelstein erinnere ihn an eine weisse Säule der Macht aus dem Westen, einen Weisen von Mittelerde. Immer wenn es um Macht, Magie und Weisheit gehe, brauche es Weisheit und Offenheit sowie offene und ehrliche Fragen an den eigenen Geist und das eigene Herz. Indem er Avgan direkt ansieht, sagt der Noldo: "Avgan, Ihr werdet nur Euch selbst gegenüber Rechenschaft ablegen müssen. Deshalb bitte ich Euch umso mehr, die drei Ratschläge, welche ich Euch gegeben habe, zu befolgen und umzukehren, wenn Ihr glauben solltet, falsch zu liegen." Nachdem er diese Worte gesagt hat, gibt Tinulin Avgan einen feurig rot leuchtenden Rubin und sagt dazu: "Dieser Stein ist von mir und von weit weniger Magie, aber er ist gross darin, Euch mit seiner roten Farbe an die Kraft Eures eigenen Herzens zu erinnern, in welchem Tapferkeit, Weisheit und Gerechtigkeit ruhen. Beim Licht von Vardas Sternen und Manwës heiligem Wind aus dem Westen!" Avgan nimmt den Stein dankend und mit einer kleinen Verneigung an, wobei er sagt, dass er nun sehen könne, dass die Gefährten ihm nicht im Weg stehen wollen. Er werde daher dafür sorgen, dass sie Zugang zu den Minen von Ramsarin erhalten und auch Gorig dazu bewegen, ihnen seine Kenntnisse über die Luchsmenschen zukommen zu lassen.
Auf Tinulins Frage, was sich in den Minen von Ramsarin befinde, sagt Avgan: "Wenn wir in Ramsarin sind, könnt Ihr selbst die schwarze Ebene aufsuchen, die der Grund dafür ist, dass wir weder die Schlange von Cyan noch König Rallah von Chey Sart fürchten. Aber seid gewarnt, dort lauert der Tod." Damit ist das Gespräch der beiden zu Ende und sie begeben sich wieder zurück zum Konvoi.

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #327 am: 10.07.2025 | 22:42 »
Session 124: Teil 2

Als Tinulin einige Zeit später mit Calendin alleine ist, erzählt er seinem Freund von seiner Unterredung mit Avgan. Dabei sagt er, dass er diese Dinge normalerweise zuerst mit Bóin II. besprechen würde, er aber der Ansicht sei, dass der Zwerg viel von den Dingen, an denen sie nun seien, anders als die Elben oder gar nicht verstehen würde. Er fährt fort: "Bei Dir, Calendin, ist das anders, denn Du bist aus Imladris fortgegangen und hast die Frau, die Du liebst, dort zurückgelassen. Weshalb hast Du das getan?" Der Waldelb erwidert, dass er Imladris verlassen habe, um Bóins II. Heimat zu sehen. Anschliessend seien sie in einen Strudel der Ereignisse geraten, der sie schliesslich hierher geführt habe. Nun da er hier sei, wolle er die Luchsmenschn ebenfalls sehen. Tinulin rät seinem Freund darauf, keine zu grossen Erwartungen an die Luchsmenschen zu haben, denn sie hätten sich weit in den Osten zurückgezogen. Die Schlange von Cyan sei zwar ein schrecklicher Herrscher, jedoch kein Lügner, weshalb an ihrem Rat "seid bei den Luchsmenschen auf alles gefasst" durchaus etwas dran sein dürfte.
Anschliessend erklärt Tinulin Calendin, dass Avgan ihnen Informationen über die Luchsmenschen zugänglich machen könne, und er, Tinulin, nach der Unterredung nicht mehr vorhabe, Avgan und seinem Plan im Weg zu stehen. Der Noldo fährt fort, dass er bei Avgan ein Kleinod gesehen habe, welches dieser vom Feuermalasander erhalten habe und das wie der Mantel von Herrn Saruman in allen erdenklichen Farben strahle. Dabei gelte es zu bedenken, dass Herr Saruman vor seiner Rückkehr nach Westen lange Zeit hier im Osten gewirkt und Mo für jeden der grossen Herrscher ein Schreiben mitgegeben habe. Nachdem Calendin kurz über die neuen Erkenntnisse nachgedacht hat, fragt er Tinulin, was Herr Saruman für ein Interesse am Untergang der Völker haben sollte, wenn Avgan mit seinen Umsturzplänen keinen Erfolg haben sollte. Der Noldo erwidert, dass er auf diese Frage auch noch keine Antwort gefunden habe. Anschliessend teilt Tinulin Calendin die drei Ratschläge mit, welche er Avgan gegeben hat.
Nach einer Weile sagt Calendin, dass König Rallah nicht erfreut gewesen sei, als Kargagis Ahar durch die Verbindung mit Alduryaknar an das Kollektiv der Schlange von Cyan gehen sollte. Dies lasse vermuten, dass es Ren, dem Feuerkönig, durchaus gelegen wäre, wenn die Schlange von Cyan geschwächt würde. Als Tinulin einwirft, dass der Feuermalasander auch schon in der Allianz von Chey Sart einen Umsturz bewirkt habe, entgegnet Calendin: "Wer sagt schon, dass es nicht noch schlechter kommen könnte, wenn das Kollektiv der Schlange von Cyan auseinanderfallen sollte? Ren jedenfalls könnte versucht sein, genau dies herbeizuführen." Gleichwohl ist Tinulin der Ansicht, dass man Avgan nicht im Weg stehen sollte. Da er nicht entscheiden könne, welcher Weg der Richtige sei, würde er bevorzugen, passiv zu bleiben und die Zukunft in die Hände des Schicksals zu legen. Calendins Einwurf, dass die Calatirnor schon viel zu oft und lange passiv gewesen seien, will Tiunlin nicht einfach stehenlassen und nennt seinem Freund mehrere Ereignisse, bei welchen sie aktiv den Lauf der Dinge beeinflusst hätten. Calendin konstatiert daher, dass es ihr aktiver Entschluss sein könnte, sich Avgan gegenüber passiv zu verhalten.
Nachdem dieser Punkt besprochen ist, sagt Calendin, dass er die Minen von Ramsarin nicht betreten wolle, zumal ihn nichts dorthin ziehe. Tinulin erklärt seinem Freund darauf, dass er zwar verstehen wolle, was sich in den Minen befinde, er aber auch nicht vorhabe, die schwarze Ebene zu betreten. Anschliessend wolle er so rasch wie möglich zu den Bergen aufbrechen, um nach den Luchsmenschen zu suchen. Das Geld, welches König Jubaba ihnen angeboten habe, sei nichts für die Calatirnor. Calendin stimmt ihm zu und sagt: "Der Schatten ist im Grab, nicht im Berg. Was sich im Berg befindet, ist älter als der Schatten." Schliesslich umarmt Tinulin Calendin und sagt: "Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger weiss ich, weshalb Du mir folgst, und desto dankbarer bin ich Dir dafür." Der Waldelb erwidert darauf: "Ich sollte lieber auch nicht zu viel darüber nachdenken."
Mit den Gedanken bei den Luchsmenschen, fragt Calendin: "Weshalb sind unsere Vorfahren nach Osten geflohen?" Tinulin erklärt darauf: "Nach dem Erwachen der Elben gab es grosse Schrecknisse in der Welt, vor denen viele Elben geflohen sind und sich dabei gegen das Licht des Westens entschieden haben. Es könnte daher durchaus sein, dass wir in den Bergen auf sehr entfernte Verwandte von Dir stossen werden. Dass die Sterne hier im Osten über dem Gebirge so hell am Himmel strahlen, sollte uns jedenfalls hoffnungsvoll stimmen. Vielleicht haben sie sich ein Refugium erschaffen, vielleicht sind sie aber auch verdorben. Wir müssen einfach in jedem Fall darauf achten, dass sie nicht unsere Zwerge erschiessen."
Auf Calendins Frage, wie sie ihren Entscheid den anderen beibringen sollen, sagt Tinulin: "Arrohir sollten wir möglichst wenig mitteilen, da er in die Mine will, obwohl sie gar nichts für ihn ist. Er trägt noch immer seine Wunde aus der Konfrontation mit dem mächtigen Schatten im hohen Norden, für die wir eine Heilung suchen müssten, und dies wohl am ehesten in Ithilien. Mo und Yuzuki werden leicht zu überzeugen sein, dass wir nicht in die Mine gehen. Und mit Bóin II. werde ich sprechen."

Am Abend bittet Tinulin alle Gefährten zu einem Gespräch und eröffnet ihnen, dass er zur Überzeugung gelangt sei, dass sie Avgan in seinem Handeln nicht behindern und ihn auch nicht nach Assadin zurückbringen sollten. Auf Bóins II. Frage nach dem Grund hierfür erklärt der Noldo, er habe den Eindruck, dass sie ansonsten einen ganz grossen Fehler begehen würden und zudem keine Söldner wie etwa die "Äxte von Nargubraz" seien. Mit dem Geld, das ihnen König Jubaba angeboten haben, würden sie sich nur beschmutzen, und Bóin II. würde doch niemals seine Seele besudeln wollen. Nachdem der Zwerg in sarkastischem Tonfall erwidert hat, dass dies schon andauernd andere Leute machen würden, erkundigt er sich nach dem Inhalt der beiden Spezialwagen. Tinulin sagt ihm, dass er von Avgan erfahren habe, dass die Wagen mit Waffen beladen seien, welche Avgan vorerst wohl aber noch gar nicht einsetzen wolle. Er fährt fort, dass Nichtstun im vorliegenden Fall der beste der schlechten Wege sei. So würden sie ihr Wort gegenüber König Jubaba halten und gleichzeitig Avgan nicht behindern. Sodann würden sie über Avgan Informationen über die Luchsmenschen erhalten und könnten, mit Ausnahme von Arrohir, einen Blick in die Minen von Ramsarin werfen. Als der junge Dunadan gegen diese Worte aufbegehren will, fährt im Tinulin mit einem bestimmten: "Nein Arrohir, die Mine ist nichts für Dich!" in die Parade und bringt ihn gleich wieder zum Verstummen. Mo lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und sagt: "Für Dich, Tinulin, und auch für alle anderen ist diese Mine ebenfalls nichts, wenn zu befürchten steht, dass dort Dämonen ihr Unwesen treiben sollen." Bóin II. gibt zudem zu bedenken: "Wenn wir die Mine erstmal betreten haben, werden wir das Schicksal der Menschen, die dort ihren Dienst verrichten und sterben müssen, nicht mehr vergessen können und wir werden uns der Revolution gegen König Jubaba und die Schlange von Cyan anschliessen." Tinulin erwidert darauf: "Ich denke nicht, dass es soweit kommen wird, denn ich habe bereits eine Ahnung davon, was sich dort in der Mine befinden könnte, weshalb ich selbst darauf verzichte, die Mine zu betreten, was im Übrigen auch ihr anderen tun solltet." Nach diesen Worten lächelt Mo Tinulin so erleichtert an, als wäre ihr gerade ein riesiger Stein vom Herzen gefallen.

Am nächsten Morgen geht Tinulin zu Avgan und teilt ihm mit, dass die Calatirnor ihm und seinen Plänen nicht im Weg stehen. Sie seien nach wie vor an allen Informationen über die Luchsmenschen interessiert und würden sich auch über eine allfällige Gebietskarte freuen. Auf einen Besuch der Minen von Ramsarin würden sie hingegen verzichten. Der Mann ist sehr erfreut über diese Mitteilung und sagt: "Es erleichtert mein Herz, dass Ihr von dem Wahnsinn Abstand nehmt, freiwillig die schwarze Ebene der Minen von Burskadekdar aufsuchen zu wollen. Wenn wir in Ramsarin angekommen sind, werde ich Gorig bitten, Euch die Informationen seines Vaters betreffend die Luchsmenschen mitzuteilen, wozu er sicherlich bereit sein wird. Eine Karte der Orocarni habe ich nicht, aber ich kenne einige Wege ins Gebirge, auch wenn Euch dies vermutlich kaum weiterhelfen wird."

Im weiteren Verlauf der Reise nach Ramsarin geht Arrohir noch mehrmals zu Tinulin und sagt ihm, dass er sehr wohl vorhabe, die Minen zu betreten und sich darin umzusehen. Tinulin stellt sich jedoch beharrlich gegen dieses Ansinnen und wird dabei auch in seinem Tonfall zunehmend autoritärer.
[An dieser Stelle lässt der Spielleiter alle Charakter 1W100 würfeln, ohne dass die Spieler den Hintergrund dieses Wurfes kennen. Die Ergebnisse sind: Khufur (31), Yuzuki (34), Mo (61), Calendin (66), Bóin II. (73), Tinulin (75) und Arrohir (86).]

Kurz der bevor die Wagenkolonne zu den Hügeln vor Ramsarin kommt, scheren eines Tages die beiden Spezialwagen plötzlich aus und folgen einem anderen Weg, bevor sie spät abends wieder zum restlichen Konvoi dazustossen. Als sie schon eine ganze Weile durch ein langgezogenes Tal zu einem Plateau hinauffahren, erklärt Avgan den sichtlich beeindruckten Calatirnor, dass der gesamte Hügel zu ihrer Rechten nur aus dem Abraum der Minen von Bursksadekdar bestehe. Bevor schliesslich die Stadtmauer von Ramsarin in Sicht kommt, erklärt Avgan den Gefährten, dass sein Sohn Arang und auch Gorig die Stadt nicht verlassen dürfen, da sie zum Dienst in der Mine eingeteilt sind. Als königlich beauftragter Geleitschutz der Wagenkolonne sei es hingegen den Gefährten gestattet, Ramsarin zu betreten. Dabei dürften sie allerdings unter keinen Umständen gegen die Anweisungen der Wachen von Burskadekdar oder der Ordner von Ubain verstossen. Es sei ihnen verboten, in der Stadt eine Waffe zu ziehen und sie dürften nichts aus der Stadt herausführen, was sie nicht bereits mit nach Ramsarin gebracht hätten.

// Metageblubber:

Ich muss ganz ehrlich sagen, so spannend und intensiv wie bei der letzten Session habe ich es schon länger nicht mehr gefunden, und ich war auch danach noch recht lange ziemlich geflasht von der Session :-)
Ich habe mich schon am Tag vor der Session so richtig richtig fest aufs Spielen gefreut, spürbar mehr als bei den letzten Sessions. Und dann wurde es während der Runde so richtig cool :-)

Beide Spieler haben tolles und aktives Charakterspiel betrieben und auch schön zwischen den charakterlichen Einstellungen unterschieden, wirklich cool! Wie Tinulins Spieler fand auch ich, dass insbesondere Calendin einen tollen Weg gefunden hat, mit der Situation umzugehen, was auch den anderen Charaktern ein tolles Spiel ermöglichte.

Und das Spiel hat die Charakter und ihre Spieler mal wieder an einen Punkt gebracht, an dem sie verschiedenste Theorien aufstellen und sich den Kopf über die Geschehnisse und ihre Zusammenhänge können.

Der Entscheid der Charakter, die Minen von Ramsarin nicht zu betreten, hat mich ehrlich gesagt ziemlich überrumpelt. Sie haben das Ganze aber derart gut und passend hergeleitet, dasss ich der Sache zumindest vorerst keine Gegenmassnahmen ergreifen, sondern ihren Entscheid ernst nehmen wollte.

Zum Entscheid, die Minen nicht zu betreten:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Die kommende Session dürfte also ziemlich spannend werden und ich freue mich schon seeeeeehr darauf. Falls jemand der geneigten Leserschaft des Tanelorns den Charaktern ein bisschen Vorschuss-Mitleid spendieren möchte, wäre jetzt übrigens eine gute Gelegenheit... :)




Offline Namo

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #328 am: 11.07.2025 | 09:05 »
Eure Truppe ist ja für mich der lebende Beweis dafür, dass es eben auch tolle Runden mit nur 2 Spielern geben kann. Ein Freund von mir spielt in einer Runde mit 6 Spielern und er ist quasi mit der einzige der da rollenspielmäßig etwas macht. Die anderen sitzen da eher passiv oder aus Angst, dass ihrem Charakter etwas geschieht. D.h. es hat nicht unbedingt immer etwas mit der Spielerzahl zu tun. Das ist bei euch echt cool und intensiv. Wir hatten früher auch eine zeitlang in einer solchen Konstellation spielen müssen und das hat uns dennoch auch viel Spaß gemacht.

Da euer Handlungsstrang inzwischen schon relativ tief geht, kann ich ehrlicherweise überhaupt nicht allen Handlungen und Szenen ganz folgen. Aber umso spannender, wie die Szene aktuell um die Entscheidung des Minenbesuchs sich ausgespielt hat. Egal wie sehr einem als SL das die ganze Vorbereitung und Planung sprengt - ich liebe so etwas auch total. Gefühlt befüllen die Spieler die Kampagne überhaupt erstmal mit echtem Leben und Problemen. Vorher ist das ein Szenario mit politischen Verhältnissen. Aber durch die Positionierung der Spieler kommt erst Bewegung in die Fronten und Geschichte. Wobei ein Minenabenteuer jetzt sicher auch eine schöne Abwechslung nach den ganzen Überlandreisen gewesen wäre.

Aber schön auch, dass dich das Abenteuer selbst revitalisiert hat. Auch dieses Gefühl ist spannend. Manchmal hat man ja das Gefühl man spielt eher vor sich hin - um nicht zu sagen es plätschert ein wenig vor sich hin - aber dann kommen eben diese Abende die einfach ein riesen pay off sind. Entweder weil es endlich zu einer besonderen Szene kommt die eine Handlung abschließt oder auf die nächste Stufe hebt. Oder eben weil Spieler und SL gerade richtig im Rollenspiel und der Welt drin sind. Quasi wie das runners high beim laufen - Manchmal erlebt man das Roleplay high in dem alle am Tisch nicht mehr am Tisch sitzen. Sondern im Karawanenwall in der Steppe stehen und diskutieren ob man nun in die Mine geht oder nicht. Toll:headbang:

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #329 am: 17.07.2025 | 08:02 »
@Namo:
Ja, die Dreierkonstellation bringt viel Beteiligungsmöglichkeiten mit sich, und da jeder Spieler mehrere Charakter führt, kann man auch immer mal eine andere Persönlichkeit in den Vordergrund stellen und so Abwechslung schaffen. Ich finde diese Gruppengrösse sehr angenehm, es ist aber auch immer mal wieder eine tolle Abwechslung, wenn wir mal für ein paar Sessions einen Gastspieler dabei haben, denn das gibt mir die Gelegenheit, die "Eingespielten" nochmals anders mit der Aussenwelt und deren Ansichten konfrontieren zu können, so dass ich mich da auch ein bisschen mehr zurücklehnen und dem Spiel zuschauen kann  :)

Die letzten Sessions waren immer so ein bisschen "Füller", um zu den eigentlich wichtigen Stationen zu gelangen. Ich kann diesen Reisen einfach nicht besonders viel abgewinnen und habe häufig das Gefühl, wenn da was passiert, wirkt es schnell sehr konstruiert und soll nur als kleine Denkaufgabe dienen, bevor man die Reise wie geplant fortsetzen kann. Da diese Dinge aber eigentlich keine Plotrelevanz haben und auch zwischen den Charaktern nicht zu neuen Einsichten führen, könnte man sie eigentlich auch weglassen. Andererseits einfach zu sagen: "Gut, Ihr legt die 1'200 Kilometer von A nach B normalerweise in vier Wochen zurück. Meine Würfelwürfe haben nun ergeben, dass das Wetter aber nicht so ganz mitmacht, und drum benötigt Ihr fünf Wochen, habt danach keinen Proviant mehr und eines eurer Pferde hat ein verknackstes Bein. Aber jetzt seid Ihr angekommen. Was macht Ihr?" - das wird der Sache aus meiner Sicht auch nicht so ganz gerecht, zumal die Spieler dann vermutlich noch sagen würden: "Was können wir machen, um zu verhindern, dass sich das Pferd das Bein verknackst hat?"
Von daher war diese Session und sind vor allem diejenigen, die jetzt folgen werden (ich bin gerade schon wieder zwei Sessions hintendrein mit aufschreiben), schon deutlich konkreter und handfester  >;D

@all:
Echt jetzt? Kein Vorschuss-Mitleid für die Gefährten? Ihr seid ja vielleicht hart drauf  ~;D Die Spieler sind ja mittlerweile der Ansicht, dass ich die Geschichte hier nur rein schreibe, um mich zusammen mit Euch über ihre Unfähigkeit zu amüsieren. Dabei sind sie und ihre Charakter doch gar nicht unfähig, sondern freuen sich nur ab und zu mal ein bisschen Zuspruch von aussen  ;D ;D

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #330 am: 16.09.2025 | 19:22 »
Ja ich weiss, mal wieder mehr als 60 Tage seit dem letzten Update... Dafür geht's nun aber nach Ramsarin, und was die Gefährten dort so alles erfahren und erleben, das könnt Ihr hier nun nachlesen :)

Session 125: Teil 1
8.3.2789 3Z
Ramsarin

Nicht lange bevor die Stadtmauern von Ramsarin in Sicht kommen, schärft Avgan den Gefährten abermals ein:

"Wir werden in Kürze in Ramsarin, dem Tor zu den Minen von Burskadekdar, eintreffen, von wo aus sich ein riesiges, mehrere hundert Kilometer langes Gangsystem über viele Ebenen tief in den Berg erstreckt. Die Minenstadt gleicht mit ihrer starken Stadtmauer einem grossen Gefängnis, das Platz für rund 66'000 Menschen bietet, die von einer Garnison von 4'000 Burska-Wachen bewacht und kontrolliert werden. Die burskadische Wache ist die oberste Autorität der Stadt, und ihre Mitglieder sind eiskalt und ohne jedes Erbarmen. Im Rang unter den Burska-Wachen stehen die Ubain-Ordner, zumeist Angehörige adliger Familien aus Ubain, welche die Aufgabe haben, den Burska-Wachen Verfehlungen der einfachen Arbeiter zu melden und teils auch selbst zu ahnden. Die Ubain-Ordner sind ebenfalls sehr harsch zu ihren eigenen Leuten und unterwürfig gegenüber den Burska-Wachen. Wie Ihr sehen werdet, ist die allgemeine Bevölkerung schlecht ernährt, ausgemergelt und sehnig, gleichzeitig aber auch unglaublich hart im Willen und stark an Kraft, um dem Berg seine Schätze abzuringen.
Seid gewarnt, dass alle der verlorenen Generation, vor allem die Jüngeren und die hier Geborenen, darauf getrimmt sind, nichts als ihr eigenes Überleben an die oberste Stelle zu setzen. Die Kinder werden von den Burska-Wachen unterrichtet und dabei darauf abgerichtet, jeden und alles auszuspionieren und jede noch so kleine Verfehlung an sie zu verraten. Daher spioniert hier jeder jeden aus und wird bereitwillig alles an die Ordner oder die Wachen verraten, um dafür keine Strafe, sondern eine Belohnung zu erhalten. Die Menschen hier sehen es als ihre moralische Pflicht, einander zu verraten, und sie machen dabei keinen Unterschied, ob es einen Fremden oder jemanden aus der eigenen Familie betrifft. Diese Generation ist leider nicht nur körperlich, sondern auch im Geist und in ihrer Menschlichkeit verloren, und man muss stets sehr vorsichtig sein, weil überall Verräter lauern. Ich bitte Euch daher sehr darum, heikle Dinge in der Stadt nur dann anzusprechen, wenn ich Euch zuvor das Zeichen gegeben habe, dass die Luft rein ist.
Wenn wir die Stadt betreten, werdet Ihr Euer Schreiben von König Jubaba vorweisen und all Eure Sachen entweder abgeben oder einzeln deklarieren müssen. Andernfalls werdet Ihr nicht in die Stadt eingelassen werden. Es bleibt indessen zu hoffen, dass Ihr aufgrund Eures königlichen Auftrags sowie Eurer ausländischen Herkunft weniger Schikanen und Willkür der Burska-Wachen und der Ubain-Ordner zu spüren bekommen werdet, als dies für die einfache Bevölkerung der Fall ist."


Avgans Beschreibung der Stadt und ihrer Bevölkerung wirken auf Calendin derart abstossend, dass er sagt, er würde sie am liebsten gar nicht erst betreten. Tinulin versteht die Haltung seines Freundes und ist damit einverstanden, dass der Waldelb vor der Stadt zurückbleibt. Auch Bóin II. äussert Bedenken ob der Gehirnwäsche, welcher die Bevölkerung von den Burska-Wachen unterzogen wird, und würde es bevorzugen, vor der Stadt zu warten. Diesen Wunsch versteht Khufur selbstredend als Befehl, seinem Meister nicht von der Seite zu weichen und damit ebenfalls ausserhalb der Stadtmauern zu bleiben. Mo ist derweil entschlossen, Tinulin und Arrohir in die Stadt zu begleiten und dabei ein Auge darauf zu haben, dass die beiden Männer sich nicht doch noch dazu entschliessen, einen Blick in die Minen zu werfen. Yuzuki will ebenfalls in die Stadt gehen, um den Calatirnor nötigenfalls mit ihren Sprachkenntnissen dienen zu können.

Avgan ist mit dem Plan der Gefährten einverstanden und zeigt ihnen wenige Kilometer vor Ramsarin eine Stelle, an welcher sie ausser Sicht der Stadtmauer ein Lager errichten können. Tinulin beschliesst, neben etwas Geld, seiner Rüstung und dem Helm nur sein Schwert Luinmacil sowie den Armreif seiner Ahnin Erandë mitzunehmen. Auch Arrohir vertraut auf seine Rüstung und nimmt dazu noch sein Schwert Farongyrth sowie den Schild von Zadan n'Bawâb mit. Nachdem Mo ihre Sachen durchgegangen ist, übergibt sie Khufur den für Herrn Saruman bestimmten Goldbarren der Schlange von Cyan sowie die für Arrohir seit dem Turnier von Chey Sart verwahrten 15 Goldstücke. Dabei bittet sie den Zwerg mit Charme und einem Ton, der keinen Widerspruch erlaubt, diese Dinge mit seinem Leben zu verteidigen.

Es ist noch früh am Nachmittag, als Tinulin, Arrohir, Mo und Yuzuki dem Konvoi über eine verschneite Strasse zu den Toren von Ramsarin folgen. Während sie noch eine weitläufige Ebene vor der Stadt passieren, erkennen sie bereits eine grosse Ansammlung von gut gerüsteten Wachen, die sich vor dem Stadttor in Stellung bringen. Wenig später bittet Avgan Arrohir, mit ihm zum Kommandanten der Burska-Wache zu gehen, um den Konvoi sowie die Calatirnor anzumelden. Während dem Gespräch, das Avgan mit dem Kommandanten führt, erklärt er diesem, dass seine fremdländischen Begleiter den Konvoi im Auftrag von König Jubaba von Ubain bewachen, worauf Arrohir das königliche Schreiben vorzeigt. Nachdem der Mann die Zeilen des Königs aufmerksam gelesen hat, erkundigt er sich bei Arrohir nach den übrigen Gefährten, die in der Ermächtigung ebenfalls Erwähnung finden. Tinulin, der in der Nähe steht, erklärt dem Mann auf Ostron, dass die Zwerge sowie Calendin ausserhalb der Mauern warten wollen. Das scheint dem Wachkommandanten als Antwort zu genügen, denn er sagt ohne weitere Nachfragen, dass diejenigen, welche die Stadt betreten wollen, alle Dinge, welche sie mit sich führen, einzeln deklarieren oder bei der Wache zurücklassen müssen. Die Gefährten bringen diese Zeremonie hinter sich, ohne etwas von ihren Sachen abzugeben und werden anschliessend von Avgan durch viele Gassen zu einem Haus im nordöstlichen Teil der Stadt ausserhalb des Zentrums geführt. Derweil unterzieht die Burska-Wache sämtliche Wagen des Konvois einer genauen Untersuchung, um die Einfuhr verbotener Dinge zu verhindern. Auf ihrem Weg durch die Stadt begegnen die Gefährten vielen Menschen, deren ausgemergelte Körper trotz der kalten Temperaturen nur in einfachste Kleidung gehüllt sind. Während die Gebäude im Zentrum der Stadt zumeist aus Stein errichtet sind, bestehen die Häuser und Hütten in den äusseren Bereichen überwiegend aus Holz oder gar nur Lehm, und längst nicht alle scheinen über eine wärmende Feuerstelle zu verfügen. Gleichwohl hängt eine tiefe und dichte Wolke aus Rauch und Russ über der trostlosen Stadt und scheint jeden Funken von Farbe und Licht zu ersticken.

Sobald Avgan das von ihm gesuchte Haus erreicht hat, bittet er die Gefährten, im einzigen beheizten der nur karg eingerichteten Zimmer Platz zu nehmen und mit ihm auf seinen Sohn Arang und Gorig zu warten, nach denen er sogleich schicken lässt. Während die Gefährten warten, muss Arrohir seiner Abneigung gegen diesen menschenverachtenden Ort Luft machen und sagt zu Mo, dass er es hier einfach nur grauenhaft finde. Dieser Ansicht stimmen sowohl die schöne Heilerin als auch Tinulin zu.
Es ist bereits früher Abend, als Arang und Gorig schliesslich bei dem Haus eintreffen und Avgan freudig begrüssen. Avgan scheint seinem Sohn gerade die Situation mit den Calatirnor in seiner Muttersprache Linerin zu erklären, als plötzlich noch zwei weitere Minenarbeiter das Zimmer betreten. Nachdem sie den Gefährten einige skeptische und unsichere Blicke zugeworfen haben und Avgan ihnen darauf erklärt hat, dass die Fremden vetrauenswürdig seien, sagen sie zu Arang, dass es wohl zu einem Zwischenfall in der schwarzen Ebene gekommen sei. Als Arrohir auf diese Nachricht hin ohne zu zögern sagt: "Worauf warten wir dann?", sehen ihn die Minenarbeiter nur verständnislos an, und Arang erklärt den Gefährten:

"Ihr müsst wissen, dass es neben den gewöhnlichen Ebenen der Minen von Ramsarin tief unten auch noch die berüchtigte "schwarze Ebene" gibt, welche über einen langen Zugangstunnel erreicht werden kann, der an beiden Enden mit schweren Toren verriegelt ist. In dieser Ebene lauert der Tod, und die Minenarbeiter betreten sie nur, wenn wir mit der Goldförderung hoffnungslos im Rückstand und völlig verzweifelt sind, denn normalerweise stirbt man in der schwarzen Ebene. Wenn jedoch die Gefahr besteht, dass das Wochensoll an Gold nicht erreicht werden könnte, müssen sich ein paar Wagemutige, Faule, Verbrecher oder Aussenseiter in die schwarze Ebene begeben und unter grössten Gefahren so viel vom dort in üppigen Mengen vorhandenen Gold wie möglich zurückbringen. Dabei verschwinden immer wieder Arbeiter in der Dunkelheit und werden nicht mehr gesehen. Es ist, als würden sie in lichtlose Schwärze treten oder von ihr umfangen, und anschliessend sind sie nicht mehr auffindbar. Manchmal hört man die Verschwundenen aber noch um Hilfe oder vor Schmerzen schreien.

Sobald jemand die schwarze Ebene betritt, öffnet dies ein Fenster von zwölf Stunden, während denen die Eingangstore bei Bedarf wieder geöffnet werden. Nach Ablauf der Frist bleiben sie indessen aus Sicherheitsgründen für mindestens 7 Tage geschlossen, denn die Gefahr ist schlicht zu gross, dass die dämonische Schwärze in der Nähe des Eingangs lauern könnte. Aus diesem Grund, und um nicht noch mehr ubainische Leben zu gefährden, werden niemals Rettungsaktionen in der schwarzen Ebene durchgeführt.

Vor acht Stunden haben zehn Minenarbeiter die schwarze Ebene betreten und befinden sich noch immer dort. Da wir bisher keine Lebenszeichen von ihnen empfangen haben, muss leider mit einem Fehlschlag der Expedition gerechnet werden, und wir müssen uns darauf vorbereiten, die Familien der Opfer zu informieren."


Während der Erklärung von Arang ist Mo ganz bleich geworden und zittert und schwitzt, als würde sie einen schweren innerlichen Kampf ausfechten. Schliesslich wendet sie sich mit erst zittriger, aber zunehmend fester werdender Stimme an Tinulin, Arrohir und Yuzuki und sagt:

"Ich weiss, dass es zwischen uns anders vereinbart war, und ich verstehe, dass mich in der Mine ein grosser Schrecken erwartet. Aber wenn ich den Leuten dort jetzt nicht zu Hilfe komme, kann ich mein Leben nicht in Frieden weiterleben, auch wenn das bedeutet, dass ich mich dafür meinen grössten Ängsten stellen und durch die Hölle gehen muss. Ich spreche nicht darüber, aber es gab eine Zeit, als ich noch ein kleines Mädchen war, da war ich einst selbst in einer solchen Höhle gefangen, umgeben von Schwärze und bösen Geistern, ohne Hoffnung auf ein Leben in Freiheit. Und auch wenn mir Letzteres später noch lange Zeit verwehrt geblieben ist, so sind doch eines Tages Fremde gekommen und haben mich aus der Dunkelheit befreit und von den Schrecken fortgebracht. Ich weiss nicht, was es mit mir machen wird, wenn ich nun in die Dunkelheit und zu solchen Schrecken zurückkehre, aber ich weiss, dass dort unten jemand ohne Hoffnung um sein Leben bangt und sich nichts sehnlicher wünscht, als dass ihm das gleiche Wunder widerfährt, wie es mir in meiner Kindheit widerfahren ist. Und auch wenn es mir meine Angst nicht nehmen können sollte, werde ich dadurch hoffentlich mit diesem Teil meiner Geschichte Frieden schliessen können. Aus diesem Grund werde ich die schwarze Ebene betreten und versuchen müssen, die verschollenen Minenarbeiter zu retten. Und wenn die Aufgabe unseres Ordens wirklich darin besteht, Licht ins Dunkel zu bringen, dann begleitet mich dorthin und verrichtet das Werk des Ordens der Wächter des Lichts."

Als Tinulin Mos Geschichte hört, treten aus seinem Unterbewusstsein Erinnerungsfetzen in seinen Geist, welche er jedoch nicht klar einzuordnen weiss. Er ist sich aber zumindest sicher, zu irgendeiner Zeit irgendwo mit Menschenkindern unterwegs gewesen zu sein. Als er Mos zu Allem entschlossenen Blick sieht und sie mit einem Ton, der keinen Widerspruch zulässt, sagt: "Wir müssen die Zwerge und Calendin holen und so schnell wie möglich die Suche nach diesen Menschen beginnen", senkt der Noldo seinen Kopf und fragt Avgan, ob er ihn zu Bóin II., Khufur und Calendin begleite. Der Anführer des Konvois hilft gerne, und nachdem Tinulin Arrohir, Mo  und Yuzuki eingeschärft hat, sich bis zu seiner Rückkehr nicht vom Fleck zu rühren, brechen die beiden auf.
[Technisch gesprochen: Das Redemanöver, mit dem Mo ihrem Willen zur Hilfe für die Minenarbeiter Nachdruck verleihen will, gelingt mit UM 100 + 18 + 91 Reden =209 meisterlich, und sie lässt keinen Zweifel daran, nötigenfalls auch alleine in die schwarze Ebene aufzubrechen.]
Sobald Tinulin und Avgan aufgebrochen sind, wendet sich Yuzuki, die der Besprechung bis zu diesem Zeitpunkt nur still gefolgt war, an Mo und fragt sie, weshalb sie jetzt plötzlich so unbedingt in die Mine wolle, wenn sie zuvor doch so vehement dagegen gewesen sei. Mo erklärt der jungen Händler mit entschlossenem Ton in der Stimme: "Weil dort jemand so dringend und verzweifelt auf Hilfe hofft, wie ich, als ich ein Kind war. Wäre es anders, so wäre ich mit Sicherheit die Letzte, die auch nur einen Fuss in die Dunkelheit dieser Mine setzen würde."

Nachdem Tinulin und Avgan den Burska-Wachen erklärt haben, dass sie die restlichen Mitglieder der Calatirnor besuchen und nach Ramsarin bringen wollen, durchschreiten sie so schnell wie möglich die Ebene vor der Stadt und gelangen schliesslich zum Lager von Bóin II., Khufur und Calendin. Auf dem Weg denkt Tinulin angestrengt über Mos Worte nach und beginnt sich allmählich daran zu erinnern, dass er vor ungefähr 35 Jahren zusammen mit Arrohirs Vater Caedmon, Bóin II. sowie noch weiteren Begleitern in Dunland mehrere Kinder aus einer Höhle evakuiert hat. Schliesslich fällt ihm auch noch der Name "Forg" ein, den er jedoch nicht näher zuordnen kann.
[Der Spieler von Bóin II. geht an dieser Stelle das Inventar seines Zwergs durch und entdeckt dort einen "Schlüssel von Forgg" (so geschrieben). An mehr können sich die Spieler zu diesem Zeitpunkt aber nicht erinnern.]
Als Tinulin und Avgan das Lager der Calatirnor erreicht haben, sieht der Noldo Calendin ernst an und sagt, dass es zwei schicksalsträchtige Neuigkeiten gebe. Bei dieser Formulierung schwant dem Waldelben nichts Gutes, weshalb Tinulin zunächst sagt, dass sich Mo geöffnet und von einem Kindheitstrauma im Zusammenhang mit Geschehnissen in einer Höhle erzählt habe. Aufgrunddessen habe sie sich jetzt in den Kopf gesetzt, in die schwarze Ebene der Minen von Burskadekdar zu gehen, um einigen dort verschollenen Minenarbeitern zu Hilfe zu kommen. Dabei habe sie, nicht zu unrecht, an die Aufgabe der Wächter des Ordens des Lichts appelliert. Als Calendin erwidert, dass das Betreten der schwarzen Ebene einer der schlechtesten Vorschläge der vergangenen 50 Jahre sei, pflichtet ihm Tinulin bei, indem er sagt: "Und das mit Anlauf!" Calendins nur halbherzig geäusserten Alternativvorschlag, Arrohir und Mo bewusstlos aus Ramsarin zu schaffen, verwerfen die Elben indessen, sobald Calendin ihn geäussert hat.
Schliesslich brechen die Elben und Zwerge zusammen mit Avgan nach Ramsarin auf und lassen wenig später den Grossteil der Ausrüstung aller Calatirnor bei der Burska-Wache am Tor zurück. Als Khufur den ihm von Mo anvertrauten Goldbarren für Herrn Saruman mit der Marke der Schlange von Cyan deklariert und mitnimmt, erkennt Tinulin, dass der Anblick dieses Objekt einen gewissen Respekt oder zumindest Verwunderung bei den Wachen hervorruft. Nachdem Tinulin einen grosszügigen Betrag für die Unterbringung der Pferde der Calatirnor an die Wache entrichtet hat und sie alle die von ihnen benötigten Ausrüstungsgegenstände deklariert haben, geht es endlich weiter. Schon wenig später treffen sie mit den übrigen Calatirnor und Arang sowie drei weiteren Minenarbeitern zusammen.

Während der Abwesenheit von Tinulin hat Arrohir Mo gesagt, dass sie mit ihrer Geschichte ihn selbst und, spätestens mit dem Verweis auf die Aufgabe des Heren Calatirnoron, auch Tinulin auf ihre Seite gebracht habe. Der junge Dunadan ist sich sicher, dass Tinulin auch noch die übrigen Calatirnor für eine Rettungsaktion in der schwarzen Ebene gewinnen könne. Als Yuzuki darauf mit Entsetzen sagt, dass sie in der Mine alle sterben werden, drückt Arrohir die junge Frau freundschaftlch an sich und erwidert, dass er auch auf sie aufpassen werde.

Sobald die Elben und Zwerge mit Avgan bei dessen Haus eingetroffen sind, bittet Tinulin um etwas Zeit, um die Lage alleine mit den Calatirnor besprechen zu können. Als die Gefährten unter sich sind, erklärt der Noldo, dass Mo kurz zuvor erzählt habe, dass sie vor ungefähr 35 Jahren in Dunland aus einer dunklen Höhle gerettet worden sei. Zur gleichen Zeit hätten damals Caedmon, Bóin II. und er selbst ebenfalls in Dunland mehrere Kinder aus einer solchen Situation gerettet. Ohne zu verstehen, worauf der Noldo hinaus möchte, unterbricht ihn Mo jedoch aufgeregt und sagt: "Das mag ja alles sein, aber dafür haben wir nun wirklich keine Zeit, denn wir müssen vor Ablauf der Frist in der schwarzen Ebene sein, um die Verschollenen retten zu können." Tinulin widerspricht der schönen Heilerin jedoch und sagt, dass dies in der Tat von grösster Wichtigkeit sei. Calendin nutzt in diesem Moment die Gelegenheit, um darauf hinzuweisen, dass sie jetzt noch die Zeit und Möglichkeit hätten, um umzukehren. Um ihn und die übrigen Calatirnor vom Gegenteil zu überzeugen, wiederholt Mo darauf, was sie zuvor bereits Tinulin, Arrohir und Yuzuki über ihre Gefangenschaft in einer dunklen Höhle voller Geister und ihre wundersame Rettung berichtet hatte. Anschliessend appelliert sie erneut daran, dass die Calartirnor, die Wächter des Lichts, in der schwarzen Ebene ihrer Aufgabe nachgehen und die verschollenen Minenarbeiter retten sollten, wie auch sie als Kind aus einer Höhle gerettet worden sei. Calendin wendet darauf ein, dass das Licht auch verschluckt und ausgelöscht werden könnte. Der Schatten in Chey Sart sei zwar noch nicht gross, aber doch schon mächtig. Was sie jedoch in der Tiefe der schwarzen Ebene erwarte, sei im Vergleich dazu noch immens viel älter und stärker.
Als Mo hilfesuchend zu Tinulin blickt, erklärt der Noldo, dass er über die Vergangenheit sprechen wolle, da der Orden versagt hätte, wenn am Ende nur Mo alleine in die schwarze Ebene hinabsteigen würde. Auf Mos Frage, was es bezüglich der Vergangenheit zu besprechen gebe, sagt Tinulin:

"Mo, Du hast erzählt, dass Du vor ungefähr 35 Jahren als Kind in Dunland in einer Höhle gefangen gewesen seist, umgeben von Schwärze und bösen Geistern. Du seist ohne Hoffnung auf ein Leben in Freiheit gewesen, bis eines Tages Fremde gekommen und Dich befreit und von den Schrecken der Dunkelheit fortgebracht hätten. Etwa zur selben Zeit haben Arrohirs Vater Caedmon, Bóin II. und ich ebenfalls in Dunland mehrere Kinder aus einer dunklen Höhle gerettet, in der sie von Forg gefangen gehalten wurden."

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #331 am: 16.09.2025 | 19:34 »
Session 125: Teil 2

Als Tinulin seinen Satz beendet hat, sieht Mo ihn nur ungläubig an und bittet ihn, seine letzten Worte nochmals zu wiederholen, worauf der Noldo sagt: "Etwa zur selben Zeit haben Caedmon, Bóin II. und ich in Dunland mehrere Kinder aus einer dunklen Höhle gerettet, in der sie von Forg gefangen gehalten wurden." Als Mo den Namen "Forg" zum zweiten Mal vernimmt, verlässt sie plötzlich alle Kraft und sie bricht, zugleich weinend und lachend, zusammen. Arrohir ist gerade noch schnell genung, um die dunländische Heilerin mit seinen starken Armen aufzufangen und so lange zu halten, bis sie schliesslich wieder etwas Kraft gefunden hat. Mit Tränen der Dankbarkeit in den Augen wendet sie sich an Tinulin und Bóin II. und sagt: "Ich hätte nie gedacht, dass ich meine Retter von damals je wiedersehen würde", worauf der Noldo antwortet: "Ja, so spricht das Schicksal, und nun können wir unsere Geschichten klären." Da löst sich Mo von Arrohir und umarmt Tinulin lange innig, bevor sie sich wieder ganz fokussiert und sagt: "Jetzt müssen wir aber los, da unten sterben Leute." Als Tinulin jedoch erwidert, sie solle doch auch noch Bóin II. begrüssen, errötet die schöne Heilerin ob ihrem ungeheuerlichen Fauxpas und nimmt den Zwerg ebenfalls lange und innig in den Arm.

Kurze Zeit später erklärt Arang auch den Zwergen und Calendin nochmals, was er bereits Tinulin, Arrohir, Mo und Yuzuki über die schwarze Ebene der Minen von Burskadekdar berichtet hatte. Anschliessend übergibt er den Gefährten einige Karten und sagt:

"Dank den Berichten der wenigen Minenarbeiter, welche das Glück hatten, eine Expedition in die schwarze Ebene zu überleben, konnten über die Jahre einige vage Skizzen angefertigt werden. Diese Abschnitte bilden indessen nicht alle Gänge und Tiefen des Systems der schwarzen Ebene ab, sondern beschreiben hauptsächlich den Weg zu einem grossen Goldvorkommen, welches das Ziel der Expeditionen ist. In der schwarzen Ebene muss man ganz leise und vorsichtig sein und möglichst jede Erschütterung vermeiden. Es gibt Bereiche, die unter Wasser stehen und mit Holzplanken überwunden werden müssen. Da die Planken der früheren Expeditionen häufig nicht mehr vorhanden sind, empfiehlt es sich für jede Gruppe, einen eigenen Balken von gut drei Metern Länge mitzunehmen."

Bei der Beschreibung der vierten Tiefe der schwarzen Ebene kommt Arang auf einen unterirdischen See zu sprechen, den es zu überqueren gilt. Der Minenarbeiter warnt die Gefährten dabei explizit vor den Dämonen in diesem Gewässer, welche, von einem roten Glimmen umgeben, plötzlich aus der Schwärze hervorschiessen und alles verschlingen sollen. Hatten die bisherigen Schilderungen noch nicht allzu viel Eindruck auf Khufur gemacht, gerät der Zwerg angesichts der unerwarteten Aussicht auf tiefes, von Dämonen bewohntes Wasser plötzlich doch arg ins Zaudern und gibt Mo unwillkürlich den Goldbarren für Herrn Saruman zurück.

Schliesslich beschreibt Arang den Gefährten die sechste Tiefe, in welcher sich ein riesiges Goldvorkommen befinden soll, und schärft ihnen ein, dort besonders leise und vorsichtig zu sein. Sobald man sich genügend Gold genommen habe, solle man man schleunigst wieder verschwinden und sich bloss nicht aufhalten lassen, sonst werde man unweigerlich von der Dunkelheit verschluckt. Bei der Betrachtung der Karte der sechsten Tiefe bemerkt Tinulin bei einem Abgang jenseits des Goldvorkommens die Bemerkung "Gefahr!". Dies veranlasst ihn zur Frage an Arang, wie die Schlange von Cyan während des Stollendienstes von Alduryaknar die Gefahr gebannt habe und inwiefern sie aktuell noch bestehe. Arang erklärt, dass er hierzu keine klaren Angaben machen könne, da diese Vorgänge, wie Tinulin selbst gesagt habe, zur Stollenzeit von Alduryaknar stattgefunden hätten. Immerhin sagt er:

"Soweit ich weiss, kam es um das Jahr 2725 3Z plötzlich zu schrecklichen Verlusten unter den Minenarbeitern. Die Situation wurde innert kürzester Zeit so dramatisch, dass sich die Schlange von Cyan schliesslich zum Eingreifen gezwungen sah und die Minen mit ihren eigenen Truppen und noch mehr Soldaten aus Alduryaknar persönlich sicherte. Die Verluste an Menschenleben, die mit diesem Einsatz einhergingen, spotten jeder Beschreibung, aber am Ende gelang es der Schlange von Cyan wohl, die Situation unter ihre Kontrolle zu bringen, und sie liess zu dieser Zeit die beiden Tore zur schwarzen Ebene errichten, damit sich die Gefahr nicht mehr weiter ausbreiten kann. Seither wird die schwarze Ebene nur noch betreten, wenn die Goldförderung zu stark stagniert."

Nach diesen Schilderungen von Arang, sagt Mo zu Tinulin: "Ich weiss nicht, was geschieht, wenn mich dort unten mein Mut verlassen sollte, darum verzeih, falls es dazu kommen sollte." Der Noldo erwidert darauf: "Wir haben schon eine längere Geschichte von gegenseitiger Hilfe, und so wird es auch jetzt sein. Halte Dich nur stets nahe bei uns, deinen Freunden und Ordensbrüdern."

Bevor die Gefährten sich auf den Weg in die Mine machen, dankt ihnen Avang im Namen von Ubain für ihre Hilfe, während Arang anfügt: "Und entschuldigt, wenn wir für Euch, wie auch für unsere eigenen Leute, keine Rettungsaktion starten werden, aber es geht darum, Ubains Kräfte in der Stollenzeit nicht noch weiter zu schwächen."
Auf dem langen Weg in die Tiefen der Minen von Burskadekdar muss Khufur schon bald Mo ablösen, die zusammen mit Arrohir den für die Expedition benötigten Holzbalken geschultert hat. Dafür trägt die schöne Heilerin nun, wie auch Yuzuki, ein kleines Bergmannslicht. Schliesslich erreichen sie noch vor Ablauf der den verschollenen Minenarbeitern gewährten Frist von zwölf Stunden das grosse obere Tor zur schwarzen Ebene, dessen zwei dunkle und schwere Flügel ohne jegliche Verzierungen oder Beschriftungen den "Eingang zur Hölle" markieren, wie ihnen Arang erklärt. Er fährt fort:

"Von hier führt ein langer Tunnel in die Tiefe, an dessen Wand ein Draht verläuft, der am anderen Ende mit dem unteren Tor und hier oben mit einer Glock verbunden ist. Wenn die Goldsucher in die schwarze Ebene hinabsteigen, schliessen sie das untere Tor hinter sich, während das obere Tor geöffnet bleibt. Wenn das untere Tor wieder geöffnet wird, bewegt sich der Draht, und hier oben läutet die Glocke. Um sicherzustellen, dass sich nicht irgendwelche Dämonen durch das untere Tor geschlichen haben, muss innert kurzer Zeit ein vereinbartes Klingelzeichen über den Draht geschickt werden, ansonsten schliesst die Wache das obere Tor und öffnet es für mindestens sieben Tage nicht wieder."

Nachdem Arang den Gefährten das Klingelzeichen mitgeteilt hat, verabschieden sie sich von den Minenarbeitern und betreten den dunklen Gang, wobei Tinulin und Bóin II. vorausgehen, gefolgt von Arrohir und Yuzuki sowie Khufur und Mo, während Calendin alleine den Schluss bildet.

Am anderen Ende des langen, geraden und stetig abfallenden Ganges erreichen die Gefährten schliesslich das ebenfalls komplett schmucklose aber starke untere Tor zur schwarzen Ebene. Sobald sie es öffnen, vernehmen sie vom oberen Ende des Ganges ein entferntes und leises Klingeln. Nachdem sie das Tor leise durschritten und hinter sich wieder geschlossen haben, befinden sich die Gefährten in einem komplexen System aus natürlichen Gängen und Höhlen, die hier in der Tiefe den Fels durchziehen. Auf dem Weg durch die erste Tiefe sind sie besonders aufmerksam und vorsichtig, finden jedoch ausser einem skeletierten Fingerknochen und einem stark verrosteten Helm nichts, was ihre angesichts der zu erwartenden Schrecken ohnehin schon bis zum Reissen gespannten Nerven noch weiter reizen würde. Mo gelingt es trotz der sofortigen Rückkehr der traumatischen Kindheitserinnerungen an ihre Gefangenschaft in einer solchen Mine, ruhig zu bleiben und die Fassung zu bewahren. Als sie die erste Tiefe etwa zur Hälfte durchquert haben, stösst Arrohir in einer Kurve mit dem schweren und unhandlichen Holzbalken plötzlich an die Wand, worauf sich etwas Geröll löst und mit lautem Gepolter zu Boden fällt.

Nachdem sie den Abgang zur zweiten Tiefe der schwarzen Ebene hinter sich gebracht haben, kommen sie schon bald zu einer rund vier Meter tiefen und doppelt so breiten Grube, welche die Gefährten mit Hilfe ihrer Seile ohne grössere Probleme durchsteigen können. Noch immer kann sich Mo zusammenreissen und blickt unterwegs immer wieder zu Tinulin und Bóin II., noch immer völlig davon fasziniert und durcheinander, dass die beiden Calatirnor sie als Kind gerettet haben. Auf dem weiteren Weg zur dritten Tiefe stossen die Gefährten zwar auf ein menschliches Skelett, können aber noch immer keine Anzeichen für irgendwelche dämonischen Aktivitäten feststellen.
In der dritten Tiefe der schwarzen Ebene gelangen die Gefährten nach einiger Zeit zu einer riesigen Halle, welche von einer breiten Spalte im Boden in zwei Hälften zerteilt ist. Der wie ein schwarzes Maul wirkende und in unergründliche Tiefen stürzende Abgrund wird von einer rund 15 Meter langen, mehr als altersschwachen Hängebrücke gequert, die den Gefährten kaum noch tragfähig erscheint und Mo nicht geheuer ist. Gleichwohl müssen sie auf die andere Seite, weshalb sich schliesslich Tinulin als erster mit einem Seil vorauswagt. Der Hängebrücke fehlen bereits mehrere Bodenbretter, und der Noldo muss zwei grössere Lücken überwinden, was ihm zumindest beim ersten Mal problemlos gelingt. Als er jedoch die zweite Lücke mit einem grossen Schritt überqueren will, bricht das Brett auf der anderen Seite entzwei, und er kann sich nur dank seiner Wendigkeit und etwas Glück in Sicherheit bringen, während ein Teil des Brettes in die Schwärze unter ihm stürzt und verschwindet. Es dauert eine ganze Weile, bis die Gefährten mehrere Aufprallgeräusche aus der Tiefe unter ihnen vernehmen. Sobald Tinulin auf der anderen Seite der Brücke angekommen ist, folgt ihm Bóin II., der die mitgebrachte Holzplanke über die Lücken legt, und so das auf den darunterliegenden Brettern lastende Gewicht besser verteilen und sie gleichzeitig gefahrloser überqueren kann. Statt jedoch gleich ganz auf die andere Seite zu gehen, wartet er in der Mitte auf die ihm nachfolgende Yuzuki. Die junge Händlerin ist offenbar so froh, nicht über die Lücken springen zu müssen, dass sie vor lauter Unachtsamkeit auf dasselbe morsche Brett wie Bóin II. steht. Prompt gibt dieses unter dem Gewicht der beiden Gefährten nach, und es ist abermals viel Glück zu verdanken, dass sie nicht dem Holz in die gähnende Leere unter der Brücke nachfolgen. Nachdem die Calatirnor nun eindrücklich aufgezeigt bekommen haben, wie leicht man hier sein Leben lassen kann, geben sich die verbliebenen Gefährten besonders viel Mühe und erreichen schliesslich ohne weitere Komplikationen die andere Seite der Brücke. Nachdem alle wohlbehalten angekommen sind, umarmt Mo Arrohir innig. Als er sie leicht verunsichert ansieht und nach dem Grund für die unverhoffte Nähe fragt, löst sich die schöne Dunländerin wieder von ihm und sagt mit einem Lächeln, sie habe ihre Gefühle gerade so gar nicht im Griff.

Während die Gefährten weiter durch die dritte Tiefe schleichen, bemerkt Tinulin, dass Mo immer nervöser wird, weshalb er ihr gut zuredet. Aufgrund der Kartenskizze weiss der Noldo zudem, dass nun ein Abschnitt mit Edelsteinvorkommen vor ihnen liegt, weshalb er den Gefährten einschärft, keine Steine aus den Wänden herauszubrechen und nichts anzufassen. Als die Gänge wenig später von im Schein der Bergmannslichter grün funkelnden Smaragden nur so zu leuchten beginnen, müssen sich Bóin II. und Khufur ordentlich zusammenreissen, um dieser steinernen Versuchung widerstehen zu können. Für einen Moment vergessen die beiden Zwerge alle Gefahren und wandeln voller Faszination und Ehrfurcht durch die samaragdbesetzten Gänge.

Als die Gefährten wenig später die vierte Tiefe erreichen und nach kurzer Zeit am Ufer des berüchtigten unterirdischen Sees eine am Boden sitzende Person vom Licht ihrer Lampen erfasst wird, wandelt sich Mos Nervosität schlagartig in professionelle Konzentration. Im Näherkommen erkennen sie, dass dem vor Schmerzen stöhnenden und sich krümmenden Mann der linke Unterschenkel knapp unterhalb des Knies von irgendetwas weggerissen worden sein muss. Sofort sind Tinulin und Bóin II. mit ihren Waffen bei dem Mann, der Noldo lässt Mo jedoch erst zu ihm, nachdem er ihnen gesagt hat, dass er ein ubainischer Minenarbeiter ist und Cobara heisst. Die dunländische Heilerin hält ihre Hand auf den unansehnlichen Stumpf des Mannes, worauf die notdürftig aber keineswegs ausreichend abgebundene massive Blutung sogleich gestoppt wird. Anschliessend berührt Mo Cobara mit der Hand an der Stirn und verschafft ihm so allmählich Linderung und flösst ihm neue Kraft ein. Yuzuki hält derweil Cobaras Hand und redet beruhigend auf ihn ein, wobei sie erfahren, dass er einer der verschollenen Minenarbeiter ist. Je länger Khufur den verletzten Mann und das hinter ihm schwarz und tödlich glitzernde Wasser betrachtet, desto mehr ertappt er sich beim Gedanken, dass ein Teil von ihm froh wäre, wenn Cobara der einzige Überlebende der verschollenen Minenarbeiter wäre. Auf Cobaras Frage, wer die Gefährten seien, gibt Yuzuki zur Antwort, dass Arang sie zur Rettung der Expedition geschickt habe. Der Mann erwidert darauf ungläubig, dass dies nicht sein könne, da Arang niemals jemanden zur Rettung schicken würde, worauf Tinulin erklärt, dass sie aus eigenem Antrieb hergekommen seien und Lady Mo ihn und die anderen retten wolle.
Als sich Tinulin danach erkundigt, ob es noch weitere Überlebende der Expedition gebe, sagt Cobara, dass er dies nicht genau wisse. Auf dem Weg zum Goldvorkommen seien sie von den Wasserdämonen angegriffen worden, und während es die anderen auf die andere Seite des Sees geschafft hätten und weitergegangen seien, habe er sich hierher zurückziehen müssen, wobei er auf seinen Beinstumpf deutet. Nachdem der Mann von Arrohir etwas zu essen und zu trinken bekommen hat, tragen sie ihn vorsichtig vom Wasser fort zu einer kleinen Nische im Fels. Dort verspricht Mo Cobara auf Ostron, dass sie ihn hier unten nicht alleine zurücklassen, sondern retten werden, jetzt aber zuerst die anderen Minenarbeiter suchen müssten. Cobara warnt die Gefährten darauf nochmals eindringlich vor den rot glühenden Wasserdämonen, die im See hausen und urplötzlich aus der Tiefe emporschiessen können. Er erklärt, dass es eigentlich einen schmalen Damm gibt, der über den See führt, je nach Wasserstand aber, wie auch jetzt gerade, unter Wasser liege, wodurch die Gefährten während der gesamten Überquerung der Gefahr der Wasserdämonen ausgesetzt seien. Normalerweise gebe es nur an einer Stelle einen rund drei Meter langen Unterbruch, der mit Hilfe einer Holzplanke überwunden werden könne, was nun aufgrund des Hochwassers aber erschwert sei, weil das Holz nur allzu leicht forttreiben könne. Cobara befürchtet, dass seine Begleiter beim Angriff der Wasserdämonen ihren Holzbalken verloren haben könnten und sich schon alleine aus diesem Grund in einer äusserst misslichen Lage befinden dürften.
Nachdem sich die Gefährten geistig auf die bevorstehende Wasserüberquerung vorbereitet haben, machen sie sich bereit, den Damm im Gänsemarsch zu betreten.

// Metageblubber:

Nachdem mich die Spieler in der letzten Session damit überrascht haben, dass ihre Charakter nun doch gar nicht in die Minen von Burskadekdar wollen, glaubte ich zuerst, das könnte dazu führen, dass sie gleich die nächsten zwei grossen Puzzleteile in dieser Kampagne verpassen. Denn wenn sie nicht in die Mine gehen, erfahren sie einerseits nicht, welche Gefahr dort unten lauert, und andererseits gibt es keinen Grund für Mo, mehr aus ihrer Vergangenheit zu offenbaren.
Da ich ihre Entscheidung aber nicht einfach entwerten wollte, habe ich ein bisschen nachgedacht und bin schliesslich zu einer Lösung für das Problem gekommen, welche sich noch passender einfügt als ein blosses "wir müssen aber da rein, weil dort das McGuffin für die Suche nach den Luchsmenschen ist". Und so hatte Mo keine Panikattacke mit anschliessender Offenbarung, weil die anderen unbedingt in die Mine wollten, sondern sie wollte um jeden Preis in die Mine, weil sie die Situation der Verschollenen aus eigener Erfahrung nur allzu gut kannte. Dies war eine viel stimmigere Argumentation, welche, wie ich erst im nachträglichen Gespräch mit Tinulins Spieler erkannte, noch einen zusätzlichen Vorteil hatte. Dadurch, dass Mo dieses mal die treibende Kraft war, konnte sich Tinulins Spieler mit seinen Charaktern aus der Verantwortung (aka Schusslinie) nehmen und sich einfach nur an den aufgespannten Seilen entlang hangeln. Arrohir wollte ohnhin in die Mine und mit dem Verweis auf die Arbeit des Heren Calatirnoron hatte Mo gleich auch Tinulin am Wickel, so dass es für ihn ein Leichtes war, Calendin zu überzeugen, womit bereits eine Mehrheit für den Gang in die Mine beisammen war.

Der Weg der Gefährten hinab in die vierte Tiefe der schwarzen Ebene war begleitet vom Gejammere von Bóins II. Spieler über die vielen und teils nicht ganz leichten Manöver. Er beschwerte sich auch darüber, dass sich Tinulin als hochintelligenter Noldo schon gleich bei Mos Erwähnung ihrer Rettung aus einer Höhle durch "ein paar Fremde" daran hätte erinnern müssen, dass er Teil dieser Rettungsaktion war. Den Intelligenzwurf mit UM 51 empfand ich indessen nicht genügend aussagekräftig, um ihm mehr als eine vage Erinnerung und eine entsprechende Vermutung zuzugestehen. Auch wenn mir im Nachgang zur Session klar wurde, dass Bóins II. Spieler das Jammern über die Manöver (oder die Sache mit der Erinnerung) wohl einfach als Ablassventil für die innerliche Anspannung zu benutzen scheint und sowas ja einfach auch irgendwie ein bisschen dazu gehört, wurde es mir fast ein bisschen zu viel. Die Alternative, einfach zu sagen: "Ok, Ihr seid so hochstufig und trainiert, Ihr schafft es ohne jegliche Probleme in die vierte Tiefe runter, da müssen wir gar nicht erst würfeln", fand ich indessen auch nicht toll, und das wäre wohl auch eher so passiv-aggressiv gewesen, daher lieber nicht. Schauen wir mal, ob wir da für die nächsten Sessions vielleicht einen anderen Umgang mit der Spannung etablieren können.

Nachdem Mo den Gefährten in der Session 73 am 9. Juni 2785 3Z zum ersten Mal über den Weg gelaufen ist, streckt nun, nach ca. 4 Jahren Spielzeit und gut 5 Jahren Realzeit, die Katze also ihren Kopf aus dem Sack (noch ist sie nicht ganz raus): Im Jahr 2753 3Z, somit vor rund 36 Jahren Spielzeit, waren es Tinulin, Bóin II. und Caedmon in Begleitung von weiteren Gefährten gewesen, die Mo als fünfjähriges Mädchen aus einer dunklen Höhle mit Geistern gerettet haben. Was es alles mit diesen Ereignissen, die wir in der vorangegangenen Kampagne "Die Generationen-Gruppe" vor ca. 19 Jahren Realzeit gespielt haben, auf sich hat, wird hier wohl demnächst aufgedeckt werden.

Jetzt jemand bereit für ein bisschen Spieler- und/oder Charaktermitleid?  ~;D

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #332 am: 31.10.2025 | 19:30 »
Weiter geht es mit der wilden Flucht aus der schwarzen Ebene der Minen von Burskadekdar. Hoffen wir mal, dass die Spinnen nicht schwimmen können  ~;D

Session 127
8.3.2789 3Z
Ramsarin

Die ganze Prozession aus Calatirnor und Minenarbeitern befindet sich auf einem geraden Abschnitt des kniehoch überfluteten Dammes noch vor der Unterwasserschlucht, als plötzlich von links zehn grosse Fische mit rotglühenden Punkten an ihren Flanken aus der Tiefe emporschiessen und auf der ganzen Breite angreifen. Calendin überlässt die Planke sogleich Arrohir, um sich mit seinem Schwert besser gegen die Raubfische behaupten zu können. Das lange Holzbrett schränkt den jungen Dunadan zwar etwas in seiner Bewegungsfreiheit ein, aber es gelingt Arrohir gleichwohl, einem der Angreifer mit einem einzigen Hieb seines Schwertes Farongyrth den Kopf abzuschlagen. Während auch Tinulin und Calendin je einen Fisch mit einem Schwertstreich halbieren können, verliert Haku angesichts der Heftigkeit des Angriffs der Räuber das Gleichgewicht auf dem schmalen Damm und fällt zur linken Seite ins Wasser.
[Technisch gesprochen: Einem der angreifenden Fische gelingt ein kritischer Treffer gegen Haku, welcher bewirkt, dass der Mann 1,5 Meter zur Seite stolpert. Damit landet er unweigerlich im tiefen Wasser gleich neben den Angreifern.]
Während sich die Gefährten sowie die übrigen Minenarbeiter gegen die rotglühenden Fische zu behaupten wissen, ist Haku in arger Bedrängnis und hat Mühe, sich über Wasser zu halten. Auch Mo kann trotz des Kampfes die Fassung bewahren und verfällt nicht in Panik, sondern teilt mit ihrem Morgenstern gegen die Fische aus. Nachdem Khufur einen der Angreifer mit einem einzigen Hieb seiner zweihändigen Axt Chopfab in Sushi verwandelt hat, nähern sich von der rechten Seite des Dammes mehrere lange Aale. Yuzuki ist die erste, die gegen diese neuen Gegner austeilt. Als ihr für ihre Heimat typisches kurzes Schwert einen Aal berührt, sträuben sich ihre Haare, denn sie erhält einen leichten elektrischen Schlag. Auf der anderen Seite des Dammes gelingt es Haku nicht mehr, sich zurück an die Wasseroberfläche zu kämpfen und in Sicherheit zu bringen, und nach einem weiteren gravierenden Biss von einem der Raubfische versinkt der Minenarbeiter bewusstlos in den Tiefen des unterirdischen Sees.
Auch Arrohir und Makani werden bereits durch blossen Hautkontakt mit den Aalen elektrischen Schlägen ausgesetzt, die im Falle des Minenarbeiters so stark sind, dass er bewusstlos zusammenbricht und ins Wasser fällt. Rasch steckt Mo ihren Morgenstern weg und hält Makanis Kopf über Wasser, um den Bewusstlosen vor dem Ertrinken zu bewahren. Bóin II. ergeht es nicht viel besser, als er gleich darauf von einem Aal gestreift und dabei einem derart heftigen Stromschlag ausgesetzt wird, dass er seine geliebte Axt Kibil Burk ins Wasser fallen lässt. Es ist nur einer glücklichen Fügung des Schicksals zu verdanken, dass die Axt auf dem Damm liegen bleibt und nicht in die unergründlichen Tiefen des Sees abtaucht.
[Technisch gesprochen: Der kritische Elektrizitätschaden schlägt Bóin II. die Axt aus der Hand. Da der Damm, auf dem der Zwerg steht, recht schmal ist, wird die Chance dafür, dass die Waffe darauf liegen bleibt, auf 25% festgelegt. Bóin II. würfelt eine UM 13, womit die Waffe sicher liegt.]
Während Tinulin den Aal, der Bóin II. so zugesetzt hatte, mit seinem Schwert verwunden kann und dabei ebenfalls einen leichten Schlag erhält, muss der Zwerg auf der hektischen Suche nach seiner Axt eine ganze Weile in dem vom Kampf aufgewühlten und trübe gewordenen Wasser herumtasten. Schliesslich bekommt er den Griff seiner Waffe aber zu fassen und und nimmt sie sogleich an sich.
Angesichts der zahlreichen Gegner drängt Calendin zum Weitergehen und steckt sein Schwert zurück in die Scheide, um seinen Bogen Culor zur Hand zu nehmen. Während der Walbelb auf dem Damm bis zur nächsten Wand vorausgeht, nockt er bereits einen Pfeil auf die Sehne. Yuzuki würde Calendin gerne folgen, muss sich aber weiterhin gegen die angreifenden Raubfische verteidigen. Einen der rotglühenden Gegner kann sie zwar mit ihrem Schwert verwunden, gleich darauf wid sie aber selbst gebissen und schwer verletzt, wodurch sie umso verwundbarer erscheint.
[Technisch gesprochen: Der Angriff gegen Yuzuki ist mit UM 99 +94 + 90 Offensivbonus - 45 Defensivbonus = 238 deutlich über dem Höchstergbnis von 150 und zieht 63 Treffer und einen kritischen Treffer E nach sich. Immerhin ist der kritische Treffer E mit UM 70 nicht allzu schlimm, aber Yuzuki verliert aufgrund des grossen Trefferverlusts ihre Aura und damit einen Teil ihres Defensivbonus.]
Noch schlimmer ergeht es Khufur, denn als er von einem der Aale geschockt wird, folgt die elektrische Ladung seiner metallenen Rüstung von den Beinen hinauf bis zu seinem Helm, bevor sie vom Nasenschutz mit voller Wucht in seinen Körper fährt. Der Stromschlag ist so heftig, dass der Zwerg nicht nur blind und benommen wird, sondern in seinem Gesicht auch ein grosses Loch klafft, wo einst seine Nase war.
[Technisch gesprochen: Der Angriff des Aals verursacht zwar nur einen kritischen Elektrizitätsschaden B, der mit UM 94 aber folgenschwer für Khufur ist. Er ist für mehrere Tage blind, einige Runden benommen und hat auch den Verlust seiner Nase zu beklagen.]
Gleich darauf bekommt auch Khufurs Lehrmeister Boin II. die im wahrsten Sinne des Wortes schockierende Kraft der Aale zu spüren, als ein Stromschlag einen sein rechtes Bein lähmenden Nervenschaden verursacht und den Zwerg in die Knie zwingt. Schon im nächsten Augenblick verpasst ein anderer Aal Analu einen derart heftigen Stromschlag, dass seine Bauchdecke aufgerissen wird und der unglückliche Minenarbeiter tödlich verwundet ins Wasser stürzt. Angesichts der brenzligen Lage beisst Bóin II. die Zähne zusammen und rappelt sich wieder auf, wobei er seine innersten Kräfte mobilisiert, was ihn zumindest vorübergehend die Lähmung seines Beines vergessen lässt. Calendin verhindert derweil mit einem gut gezielten Pfeil einen weiteren Angriff der Raubfische auf die angeschlagene Yuzuki. Auch wenn Arrohir einen anderen der rotglühenden Fische erschlagen kann, können die Gefährten nicht verhindern, dass Akamu durch weitere Bisse so schwer verwundet wird, dass er bewusstlos ins Wasser sinkt. Unterdessen ziehen sich die grösstenteils schwer verwundeten Aale zurück, wodurch sich die Calatirnor auf die wenigen noch verbliebenen Raubfische konzentrieren und diese recht schnell erledigen können, wobei Calendin dem letzten Exemplar mit einem meisterhaft gezielten Pfeil den Garaus machen kann. Sobald die Gefahr fürs Erste gebannt ist, greift Boin II. den vor ihm im Wasser treibenden Körper von Akamu und hält seinen Kopf über Wasser. Zur Erleichterung des Zwergs setzt die Atmung des Minenarbeiters von alleine wieder ein, auch wenn er noch immer bewusstlos ist. Während Kapono über das noch immer auf dem Damm abgestellte Fass mit dem erbeuteten Gold steigt, versorgt Tinulin Akamus Wunden mit blutungsstillendem Harfyharz. Gleichzeitig flösst Bóin II. dem Bewusstlosen einige Schlücke aus einer Phiole mit einer stärkenden Flüssigkeit ein, worauf der Minenarbeiter schliesslich wieder zu sich kommt. Auch Mo ist nicht untätig und zieht Makanis Körper an sich vorbei, bis er vor ihr über dem Damm treibt, bevor sie den noch immer bewusstlosen Mann durch den Einsatz ihrer Heilkräfte wieder aufweckt. Der Mann blutet noch immer, doch Mos heilende Kräfte sind bereits so erschöpft, dass sie zur Heilung seiner Verletzungen auf die Macht des bronzenen Reifs an ihrem linken Arm vertrauen muss, den sie mit der rechten Hand umfasst und der warm wird, während sie Makani mit der linken Hand berührt.
Sobald Akamu und Makani wieder auf ihren eigenen Beinen stehen und gehen können, schliessen Tinulin, Bóin II. und Mo zu den übrigen Gefährten und Minenarbeitern auf, die bereits zum Rand der Unterwasserschlucht gegangen sind. Noch immer werden sie von rötlichen Blitzen aus der undurchdringlichen Tiefe des Wassers verfolgt und zur Eile angetrieben. Nachdem Calendin und Arrohir das Holzbrett über dem Abgrund ausgerichtet haben, überqueren alle einer nach dem anderen die Unterwasserschlucht, wobei Yuzuki den blinden Khufur führt, indem er ihr folgt und sie dabei an der Hüfte umfasst. Auch einige andere dieser Schicksalsgemeinschaft haben Probleme bei der Überquerung des Holzbretts, schliesslich gelingt sie aber allen ohne weitere Verluste. Kurz darauf erreichen sie aufgerieben und erschöpft das andere Ufer des unterirdischen Sees, wo sie bereits von Cobara erwartet werden.

Erst jetzt bemerkt Mo Khufurs entstelltes Gesicht und erfährt, dass der Zwerg erblindet ist. Noch immer singend, macht Tinulin seine Freunde darauf aufmerksam, dass vom anderen Ende des Sees bereits das Geräusch abertausender grosser und kleiner Spinnenbeine zu hören ist, die entlang der Wände und der Decke auf dem Weg zu ihnen sind. Auch wenn diese Vorstellung Mo umso nervöser macht, sagt sie, dass sie in der Lage sei, Khufur sein Augenlicht zurückzugeben, auch wenn sie dabei, zumindest vorübergehend, ihr eigenes einbüssen würde. Bevor sie diesen Schritt gehe, wolle sie jedoch von Tinulin und Bóin II. wissen, ob die beiden sie aus der schwarzen Ebene herausführen werden. Der Noldo erklärt ihr indessen, dass, so selbstlos ihr Angebot auch sei, sie jetzt nicht die Zeit für eine solche Prozedur hätten und schauen müssten, dass sie so rasch wie möglich von hier wegkommen.
Geich darauf brechen die Gefährten und die Minenarbeiter wieder auf, wobei Calendin und Arrohir erneut die Spitze bilden, gefolgt von Akamu, der den unterschenkellosen Cobara stützt und ein Bergmannslicht bei sich hat. Hinter ihnen geht Mo, die den blinden Khufur führt, gefolgt von Kapono und Makani, die das Fass mit dem erbeuteten Gold tragen. Ihnen folgt Yuzuki, bevor Bóin II. und der noch immer singende Tinulin die Nachhut bilden.

Als die Gruppe bald darauf die dritte Tiefe erreicht, beendet Tinulin seinen inspirierenden Gesang, um sich besser auf die Flucht konzentrieren zu können. Das hat jedoch zur Folge, dass sich alle noch etwas hoffnungsloser in der Schwärze dieser Stollen fühlen. So schnell es geht, eilen sie durch die ihnen bekannten Gänge und halten dabei auf die grosse Spalte zu, über welche nur eine alte, einsturztgefährdete Seilbrücke führt. Als sie die riesige Halle mit der Spalte in ihrer Mitte erreichen, müssen sie zu ihrem Entsetzen erkennen, dass bereits mehrere grosse Spinnen aus dem schwarzen Schlund emporgeklettert sein müssen. Doch damit nicht genug, die garstigen Biester haben den Ausgang auf der anderen Seite schon fast vollständig mit ihren dicken, lichtschluckenden Klebefäden zugekleistert. Als Mo sieht, dass auch auf ihrer Seite des Abgrunds schon fünf Spinnen von der Grösse von Wildschweinen heraufgekommen sind, wird die schöne Heilerin von ihren Kindheitsängsten eingeholt, und Panik ergreift sie.
[Technisch gespochen: Den Wurf, der aufkommenden Panik zu widerstehen, verpatzt Mo mit UM 05 - 69 = -64 deutlich, denn sie hätte auf ein Ergbnis von mehr als 50 kommen müssen.]
Während Bóin II. und Tinulin mit gezogenen Waffen an den anderen vorbei an die Front stürmen, hält Khufur Mo mit seinen starken Armen fest und sagt ihr in ruhigem Ton, dass er sie beschützen werde. Kaum dass sich die Spinnen auf die Gefährten zubewegen, wird die erste von ihnen auch schon von einem glühenden Pfeil von Culors Sehne niedergestreckt. Eine andere schleudert unterdessen ein Netz aus schwarzen Fäden in Richtung von Tinulin, doch der Noldo ist flink genug, um dem klebrigen Geschoss ausweichen zu können.
Die Situation erscheint so hoffnungslos, dass auch Arrohir kurz Gefahr läuft, von Panik erfasst zu werden, der junge Dunadan bekommt seine Nerven jedoch rechtzeitig wieder in den Griff und kann sich dem Kampf stellen. Mo ist derweil so gestresst, dass sie Khufur ihre linke Hand auf die Augen und ihre rechte Hand auf ihren Bronzereif legt, während sie sagt: "Ich kann das hier nicht mehr sehen, aber Du musst Dein Versprechen halten und mich beschützen und aus dieser Schwärze herausführen." Mit diesen Worten wirkt sie einen Zauber, der Khufurs Blindheit auf die Heilerin selbst überträgt. Als der Zwerg plötzlich wieder sehen kann und bemerkt, dass Mo nun ihrerseits blind geworden ist, sagt er mit einer Mischung aus Erstaunen und Entsetzen: "Was hast Du bloss getan?!" Doch dann wird ihm die Brisanz ihrer Lage bewusst, und er führt Mo von hinten zu Yuzuki, bevor er sich mit seiner Axt Chopfab in den Kampf gegen die Spinnen stürzt.
Mit einem präzise geschossenen Pfeil gelingt es Calendin im nächsten Augenblick, eine Spinne, die Arrohir angreifen wollte, zu erledigen, so dasss der junge Dunadan zusammen mit Tinulin eine weitere Angreiferin erschlagen kann. Mit tödlichem Blick und Kampfeslust in der Stimme sagt der Noldo: "Kommt nur und spürt den Biss von Luinmacil, ihr Brut von Ungoliant. Das Licht von Varda wird Euch aus dieser Höhle bannen." Doch sobald Tinulin diese Worte gesprochen hat, kommen schon vier weitere, teils noch grössere Spinne über die Kante des Abgrunds heraufgestiegen und stellen sich den Gefährten in den Weg. Die erste, die so gross ist wie ein Wolf, wird jedoch sogleich von einem weiteren glühenden Pfeil durchbohrt.
Mo klammert sich derweil mit aller Kraft an Yuzukis Arm, auch wenn die Händlerin diesen eigentlich bräuchte, um die schwere Holzplanke tragen zu können. An der Front kann Tinulin eine weitere Spinne erschlagen und auch Bóin II., der etwas näher bei den übrigen Gefährten steht, gelingt es, einer Angreiferin den Garaus zu machen. Khufur ist unterdessen zur Front gestürmt und macht eine weitere Spinne mit einem Hieb seiner zweihändigen Axt benommen. Just in diesem Moment wendet sich jedoch das Schicksal ein weiteres Mal zu Ungunsten der Gefährten. Calendin kann zwar noch einem weiteren Netzwurf einer wolfsgrossen Spinne ausweichen, doch Arrohir hat weniger Glück und wird von einer nur etwas kleineren Spinne übel gebissen. Während ihm der heftige Biss schon sehr zusetzt, schwächt das starke Gift den jungen Dunadan noch zusätzlich. Als Bóin II. die Spinne gleich darauf mit einem Hieb seiner Axt erschlägt, rückt Arrohir trotz seiner Verletzungen zu Khufur auf, dem sich auch schon Tinulin zur Seite gestellt hat. Der Noldo konnte eine der grossen Spinnen bei Khufur zwar verwunden, musste im Gegenzug aber ebenfalls einen schweren Biss samt Vergiftung hinnehmen. Da die beiden auf dieser Seite der Spalte verbliebenen Spinnen benommen sind, nutzt Tinulin die Gelegenheit, um seine Blutungen vom Biss durch den Einsatz von Harfyharz zu stillen.
Mit dem Geräusch abertausender Spinnen in ihrem Rücken stürmen jetzt alle zurückgebliebenen Gefährten und Minenarbeiter in Richtung der wackeligen Seilbrücke, während Arrohir mit den Worten "Für Mo!" nach einer der Spinnen schlägt, sie aber kaum verwunden kann. Khufur gelingt seine Attacke besser, und er schlägt der Spinne mit einem mächtigen Axthieb den Kopf ab. Während Calendin bereits eine der fünf Spinnen auf der gegenüberliegenden Seite des Abgrunds beschiesst, erschlägt Tinulin auch noch die letzte Gegnerin auf ihrer Seite. Während Arrohir und Khufur Yuzuki das Holzbrett abnehmen und es die letzten Meter zur Seilbrücke tragen, erkennen die Gefährten, dass der Ausgang auf der anderen Seite der Halle ein einziges lichtloses Loch aus unzähligen, dicht verwobenen Spinnenweben ist.

// Metageblubber:

Es war eine sehr kampfbetonte und damit taktische Session, bei der man gut am Ball bleiben musste, um die Gefahren richtig einzuschätzen, was den Spielern gut gelungen ist, auch wenn es eine ganze Weile dauerte, bis sich alle voll auf das Spiel konzentrieren konnten. Ja, die Würfel des Spielleiters waren (endlich) mal wieder etwas austeilender, aber das darf und soll ja auch so sein.
Im Tanelorn läuft ja gerade eine Diskussion darüber, wie gross/wichtig der Kampfanteil in den Spielen/Kampagnen der Taneloris so ist. Bei uns sind Kämpfe immer wieder gerne gesehen, und die Spieler gehen dabei jeweils sehr taktisch ans Werk, wobei sie aber auch immer wieder die Persönlichkeiten ihrer Charakter aufleuchten lassen. So stellte sich Arrohir trotz Verwundung an die Front, einfach weil es seinem Naturell entspricht, auch wenn es taktisch vielleicht bessere Optionen gegeben hätte. Kämpfe können bei uns problemlos mehrere Stunden in Anspruch nehmen, ohne dass es einem von uns dabei langweilig wird, denn durch die kritischen Treffer ändert sich die Kampfsituation laufend und man muss sich immer wieder auf Veränderungen einstellen.

Während der Session habe ich ganz vergessen, dass ich mal fragen wollte, wie viele Harfy-Portionen Tinulin eigentlich noch hat :)

Die Session war für mich auch deshalb spannend, weil ich als Spielleiter den Überblick über den Kampf behalten und mir gleichzeitig Gedanken darüber machen musste, wie Mo mit dem Umstand umgeht, dass sie ihre eigene Sicht einbüssen müsste, um Khufur wieder kampffähig zu bekommen. Durch die Übernahme hat sie sich in der ohnehin schon "rückführenden" Höhle nochmals weiter in die damalige Situation der Hilflosigkeit zurückversetzt, was sie so ja eigentlich nicht vorgehabt hatte.

Man darf gespannt sein, ob die Gefährten und Minenarbeiter noch rechtzeitig aus der schwarzen Ebene entkommen, und wenn ja, wie viele von ihnen  >;D
Vielleicht jetzt ein bisschen Mitleid für die Charakter oder ihre Spieler? ~;D

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #333 am: 6.01.2026 | 23:40 »
Das neue Jahr bringt mal endlich einen weiteren Sessionbericht. Das Grauen in der schwarzen Ebene der Minen von Burskadekdar geht weiter. Ob die Gefährten und ihre Schützlinge den Spinnenhorden entkommen werden? Lest einfach selbst  :)

Session 128
8.3.2789 3Z
Ramsarin

Sobald Calendin einer weiteren Spinne auf der anderen Seite des Abgrunds mit einem glühenden Pfeil den Garaus gemacht hat, betritt Bóin II. die einsturzgefährdete Brücke und überwindet mit Hilfe des mitgebrachten Holzbretts vorsichtig die erste Lücke im Boden. Die Spinnen bemerken Bóin II. sofort, und Calendin kann nicht verhindern, dass sie sich dem anderen Ende der Brücke nähern, denn gerade als er seinen Bogen Culor erneut spannt, glaubt er, einen Riss im Schaft des eingenockten Pfeils zu erkennen, und überprüft ihn vorsichtshalber nochmals. Nachdem sich Tinulin zwei dringend benötigte Schlücke aus einer Phiole mit einem stärkenden Heiltrank gegönnt hat, folgt er Bóin II. auf die Brücke. Der Zwerg hat inzwischen das Holzbrett zur zweiten, beinahe drei Meter breiten Lücke verschoben und blickt beim Überqueren auf tausende Spinnen, welche die steilen Wände auf beiden Seiten des Abgrunds erklimmen. Gleich darauf kommen schon die ersten Spinnen auf der Seite der Gefährten über die Kante gekrabbelt, aber Arrohir verpasst einem besonders dunklen Exemplar von der Grösse eines Wildschweins einen tödlichen Kraftschlag mit seinem Schwert, worauf die Spinne zurück in den Abgrund stürzt. Khufur wird ebenfalls von mehreren Spinnen bedrängt und setzt sich mit seiner Axt Chopfab zur Wehr, während sich die erblindete Mo fest an Yuzukis Arm klammert, um ja nicht den Kontakt zu verlieren.

Kaum dass Bóin II. das andere Ende der Brücke erreicht hat, gesellt sich Tinulin an seine Seite, und gemeinsam greifen sie die hier wartenden Spinnen an. Es dauert nicht lange, da wütet der Kampf der Gefährten und der Minenarbeiter gegen die auf beiden Seiten der Brücke immer zahlreicher aus der Spalte emporkrabbelnden Spinnen. Da Mo nichts sehen und Cobara ohne seinen linken Unterschenkel kaum laufen kann, stellt die Überquerung der einsturzgefährdeten Brücke für sie eine besondere Herausforderung dar. Während Arrohir und Khufur zusammen mit Akamu und Makani die Spinnen auf der einen Seite und Tinulin und Bóin II. jene auf der anderen Seite des Abgrunds bekämpfen, wagen sich Mo und Yuzuki vorsichtig tastend und teils auf allen Vieren über die Brücke. Auf der anderen Seite angekommen, hat Tinulin einer Spinne sein Schwert gerade bis zum Handschutz in den Schädel getrieben, bevor er eine zweite Gegnerin in einer einzigen flüssigen Bewegung am Bauch verletzt, so dass sie zu Boden geht. Bóin II. wurde unterdessen mit Netzen beworfen, kann sich aber mit Hilfe seiner Mithrilaxt rasch wieder aus der klebrigen Fesselung befreien.
Auf Khufurs Seite wird die Lage kurz darauf umso kritischer, als eine grosse Spinne den unglücklichen Akamu voll erwischt und ihre Giftzähne tief in seinem Körper vergräbt. Der Minenarbeiter bricht bewusstlos zusammen, und hätte Khufur die Spinne nicht kurz darauf erschlagen, wäre sicherlich jede Hilfe für den Minenarbeiter zu spät gekommen. Als wenig später eine Spinne mit der Schulterhöhe eines Ponys neben Tinulin und Yuzuki aus der Spalte steigt, mahnt der Noldo die Gefährten eindringlich zur Eile. Während Calendin der riesigen Bestie einen Pfeil ins Bein jagt und damit verhindert, dass sie Yuzuki angreift, bewegen sich Arrohir und Khufur bei erstbesten Gelegenheit mit den verbliebenen Minenarbeitern langsam rückwärts zur Brücke und ziehen dabei den bewusstlosen Akamu mit sich.

In dieser äusserst brenzligen Situation entschliesst sich Tinulin dazu, all seine verbliebene magische Kraft in einem einzigen Angriff auf die Riesenspinne zu bündeln, und er reckt sein Schwert Luinmacil mit den Worten "Bei Varda, der lichten Elbereth!" in die Höhe. Die Klinge leuchtet in hellem Blau, als sie wie ein Blitz auf die Spinne niederfährt und ihren Kiefer in tausend Stücke zersplittern lässt. Ein kurzes markdurchdringendes Kreischen ist das Letzte, was die Spinne von sich gibt, bevor sie bewusstlos zusammenbricht.
[Technisch gesprochen: Tinulin macht einen Ultima Ratio-Schlag, der all seine verbliebenen Magiepunkte auf einmal verbraucht. Dafür verursacht sein Schwert Luinmacil zusätzliche kritische Treffer, womit er im vorliegenden Fall nach einem guten Angriff drei kritische Treffer auswürfeln kann. Nachdem die beiden ersten kritischen Treffer nicht viel gebracht haben, würfelt er beim letzten Versuch UM 97 + 15 = 112, was auf der Tabelle Mithril gegen grosse Wesen zu einem zerschmetterten Kiefer und einem 30-tägigen Koma für die Spinne führt.]
Mit dem Verhallen des Kreischens wird es für einen kurzen Moment sehr ruhig in der grossen Halle, denn die Spinnen halten in ihrem Ansturm inne, bevor sie sich nur noch sehr langsam und zögerlich vorwärts bewegen. Die wolfsgrossen Spinnen bei Tinulin und Yuzuki ziehen sich sogar ein Stück zurück und bauen sich in Abwehrhaltung vor der Riesenspinne auf, greifen jedoch nicht weiter an.
Arrohir nutzt diese Gelegenheit und flösst Akamu rasch einen stärkenden Heiltrank ein, bevor er noch einige Heilkräuter auf dem geschundenen Körper des Minenarbeiters verreibt. Kurz darauf kommt Akamu wieder zu Bewusstsein und kann Khufur mit immer noch wackligen Beinen über die Brücke folgen, welche der Zwerg inzwischen bereits mit dem Goldfass überwunden hat. Von der Brücke aus hat Bóins II. Schüler gesehen, dass die Wände zu beiden Seiten des Abgrunds nur so von Spinnen aller Grössen wimmeln, die voller Spannung darauf warten, was als Nächstes geschehen wird. Nachdem es auch Kapono auf die andere Seite geschafft hat, folgt ihm Calendin, bevor Arrohir die Brücke als Letzter überquert und dabei das Holzbrett mitnimmt. Auf der anderen Seite angekommen, stellt er es vorsichtig an eine Wand, während die Spinnen ihre Beute noch immer zögernd beobachten.

Tinulin hat die Verschnaufpause genutzt, um sich das undurchdringliche Spinnennetz, welches den ganzen Tunnel zur zweiten Tiefe versperrt, genauer anzusehen. Die dicken und klebrigen Fäden verschlucken alles Licht, und der Noldo kann nicht erkennen, wie tief das Netz in den Tunnel hineinreicht.
Sobald alle Minenarbeiter und Calatirnor die Seilbrücke überwunden haben, begeben sie sich vorbei an den sprungbereiten Spinnen zu Tinulin. Nachdem ihnen der Noldo erklärt hat, dass sein elbisches Schwert wohl die beste Waffe wäre, um das Netz zu zerschneiden, und einer der Minenarbeiter die Fäden zudem mit einer Fackel entzünden könnte, scharen sich alle dicht vor das Netz. Bóin II., Arrohir, Calendin und Khufur bilden einen Verteidigungswall gegen die Spinnen, als Akamu auf Tinulins Geheiss eine Fackel entzündet und ins Netz stösst. Doch statt das Netz zu verbrennen, erlischt die Fackel mit einem kurzen Zischen und ohne einen erwähnenswerten Schaden angerichtet zu haben. Das Geräusch der erstickenden Fackel wirkt jedoch wie ein Signal auf die Spinnen, die nun plötzlich und umso ungestümer zum Angriff auf die Calatirnor übergehen. Glücklicherweise erweist sich Tinulins Schwert Luinmacil tatsächlich als wirksames Mittel, um die zähen und klebrigen Fäden des Netzes Stück für zu Stück zu zerschneiden. Bóin II., Arrohir, Calendin und Khufur können der ersten Welle von grossen Spinnen zwar Stand halten, doch ihre Gegner sind so zahlreich, dass Calendin schon nach kurzer Zeit mehrfach gebissen wird und sich blutend zurückziehen muss.

Die Spinnen sind überall und greifen die Gefährten sogar von den Wänden herabkommend an. Cobara hat Glück im Unglück, denn als eine Spinne seinen Kopf attackiert, kann er sich gerade noch etwas zur Seite ducken, so dass sie ihm nur ein Ohr abreisst. Die Übermacht der Gegner ist erdrückend, und kaum dass die Verteidiger eine Angreiferin verwundet haben, zieht sich diese zurück, um einer noch angriffslustigeren Schwester Platz zu machen. Während sich Tinulin Stück für Stück weiter durch das Netz schneidet und Calendin sein blutendes Bein behelfsmässig verbindet, gelingt es schliesslich einer grossen Spinne, Arrohirs Abwehr zu durchbrechen und den jungen Dunadan mit einem raschen Biss abermals zu vergiften. In all dem Chaos sammelt die noch immer blinde Mo ihre Gedanken und schafft es endlich, ihre Panik in den Griff zu bekommen. Entschlossen greift sie nach Calendins Bein und heilt seine Blutung, auch wenn ihr die dabei entstehende Hitze ihres bronzenen Armreifs Schmerzen bereitet.
Gleich darauf kommt es für die Gefährten nochmals schlimmer, als eine weitere grosse Spinne Khufur mitten ins Gesicht beisst, wo noch wenige Stunden zuvor seine Nase war. Der Zwerg ist total benommen und kann sich kaum noch verteidigen, aber Tinulin hat sich glücklicherweise schon so weit ins Netz geschnitten, dass sich die Minenarbeiter und die übrigen Calatirnor allmählich in den freiwerdenden Fluchtgang zurückziehen können. Angesichts der immer kleiner werdenden Angriffsfläche ändern die Spinnen plötzlich ihre Taktik und ziehen sich ein Stück zurück, um die Gefährten gleich darauf mit ihren klebrigen Netzen zu bewerfen. Das Gift hat Arrohir inzwischen so stark geschwächt, dass er den Netzen nicht ausweichen, und einmal festgeklebt, sich auch nicht mehr selbständig bewegen kann. Calendins Versuch, den jungen Dunadan freizuschneiden, schlägt so gründlich fehl, dass sein Schwert an Arrohir festklebt und er es nicht mehr losbekommt. Auch Khufur ist total eingesponnen und noch immer derart benommen, dass er sich nicht selbst aus dem Netz befreien kann.

In dieser brenzligen Situation bemerkt Tinulin plötzlich, dass das Netz auch von der gegenüberliegenden Seite aus bearbeitet wird. Nur wenige Augenblicke später erkennt der Noldo Avgan, der sich damit abmüht, die klebrigen Fäden mit einem einfachen Messer zu zerschneiden. Glücklich über die unerwartete Hilfe sagt Tinulin zu Avgan: "Das wird nie vergessen gehen", worauf Avgan mit einem erleichterten Lächeln erwidert: "Das habe ich mir erhofft. Was sind das hier für seltsame klebrige Fäden? Ist das Kampflärm hinter Euch? Kommt schnell." Rasch zieht sich Avgan zurück, damit Tinulin und die hinter ihm laufenden Minenarbeiter und Mo auf die andere Seite des Netzes gelangen können.

Zu Bóins II. und Yuzukis Verwunderung greifen die Spinnen trotz ihrer Übermacht gleich darauf nicht weiter an, sondern bewegen sich eingeschüchtert vom Abgrund weg, aus dem plötzlich ein noch viel grösseres Spinnenbein emporgestreckt wird. Da Yuzuki sich nicht länger um Mo kümmern muss, nutzt sie die kurze Kampfpause und beginnt damit, Arrohir mit ihrem in ihrer Heimat "Wischiwaschi" genannten Kurzschwert freizuschneiden. Als ihr Bóin II. zu Hilfe kommt und Arrohir gänzlich von seinen klebrigen Fesseln löst, macht sich die junge Händlerin sogleich an Khufurs Verklebung zu schaffen. Es gelingt ihr zwar, den Zwerg freizubekommen, doch die Klebekraft der Spinnenfäden ist so stark, dass ihr Wischiwaschi schliesslich an Khufur kleben bleibt.
In diesem Augenblick erreicht Tinulin Bóin II. und sagt ihm angesichts des riesigen Spinnenbeins, er solle die anderen in Sicherheit bringen, während er den Rückzug decke. Das Leuchten von Tinulins Helm solle das Letzte sein, was die herankommende Riesenspinne, deren Körper die Grösse eines ausgewachsenen Pferdes besitzt, von ihnen sehen werde. Nachdem schliesslich alle durch den klebrigen Gang geschlüpft sind, geben Tinulin und Arrohir etwas Harfyharz an Bóin II. und Cobara zur Behandlung ihrer blutenden Wunden. Calendin überlegt derweil, ob er noch einen glühenden Pfeil durch den Gang auf die Monsterspinne abschiessen könnte, lässt es schliesslich aber bleiben, da er kein klares Schussfeld bekommt.

Während die Gefährten einige von Avgans mitgebrachten Holzbalken im Durchgang verkeilen, um so die Verfolgung durch die Spinnen zu verlangsamen, folgen die Minenarbeiter Akamu und Kapono, welche die blinde Mo bereits weitergeführt haben. Nachdem sie auch noch einige brennende Fackeln vor dem Gang abgelegt haben, eilen schliesslich auch die Gefährten den anderen hinterher. Sobald Khufur Mo eingeholt hat, übernimmt er wieder die Führung der blinden Heilerin und geleitet sie sicher und schnell durch die teils engen Gänge. Unterwegs wendet sich Avgan nochmals an Tinulin und sagt: "Ich freue mich wirklich sehr, dass ich Euch von Nutzen gewesen bin und Ihr dank meiner Hilfe alle noch am Leben seid, wofür Ihr tief in meiner Schuld steht." Tinulin entgegnet, dass ihm der erste Teil von Avgans Worten gut gefallen habe, der zweite hingegen deutlich weniger. Er fährt fort: "Avgan, denkt nicht nur an Schuld und Pflicht! Hört auch auf Euer Herz, denn das ist es, was Mo dazu bewogen hat, sich überhaupt erst hierher zu begeben und Eure Landsleute zu retten."

Wenig später öffnen und durschreiten alle zusammen das untere Tor der schwarzen Ebene, wodurch aufgrund des Drahtsystems die Glocke beim oberen Tor läutet. Nachdem sie das untere Tor geschlossen und über den Draht das richtige Klingelzeichen zur Öffnung des oberen Tores gegeben haben, machen sie sich an den letzten langen Aufstieg, um der schwarzen Ebene endgültig zu entkommen. Unterwegs legt Tinulin seinen Freunden Bóin II. und Calendin je eine Hand auf die Schulter. Kurz bevor sie das obere Tor erreichen und von Arang, Gorig sowie einigen weiteren Minenarbeitern mit freudigen Rufen willkommen geheissen werden, holen Bóin II. die Auswirkungen seiner Beinverletzung wieder ein und er muss die letzten Meter humpelnd zurücklegen.

Während Arang und seine Leute noch dabei sind, die Flügel des oberen Tores hinter den Gefährten und den geretteten Minenarbeitern zu schliessen, übergibt sich Bóin II. in eine Ecke und setzt sich anschliessend völlig erschöpft an eine Wand. Nachdem Khufur auf Mos Frage bestätigt hat, dass sie die schwarze Ebene verlassen haben und in Sicherheit sind, fügt er an, dass vier der zehn Minenarbeiter überlebt und sie zudem auch das Fass mit dem Gold geborgen hätten. Der Zwerg ist so überwältigt, dass er noch eine ganze Weile einfach vor sich her plappert und erzählt, was ihm gerade in den Sinn kommt. Calendin ist derweil verstummt und starrt ausdruckslos in die Leere des Minenganges bis er Tinulins entspanntes Gesicht neben sich wahrnimmt. Auf die Frage des Waldelben, was den Arbeitern das erbeutete Gold nun bringen werde, erwidert der Noldo, dass sie sich damit Zeit ohne die Mine erkauft hätten. Als Calendin ernüchtert sagt, dass hier ja alles für nichts sei, antwortet ihm Tinulin, dass er der Schlange von Cyan seine Kritik am bestehenden System vorgetragen habe. Mehr könne er in dieser Sache nicht bewirken. Nach einer kurzen Pause fügt er an: "Ich weiss nicht, ob Avgan wirklich daran denkt, eine Revolution zu starten, aber es wird sich etwas ändern müssen hier im Osten."

// Metageblubber:

Es ist vollbracht. Am Ende einer weiteren Session voller Kampf und Gewürfel haben es die Gefährten und vier der Minenarbeiter lebend aus der schwarzen Ebene geschafft, nicht zuletzt auch dank der Hilfe von Avgan.

Bei der Vorbereitung auf die Session habe ich mir vor allem Gedanken dazu gemacht, wie das Durchdringen des zugesponnenen Durchgangs regeltechnisch abgehandelt werden könnte. Die Idee bestand darin, die besten Kämpfer mit den besten Schneidwaffen von der Verteidigungsfront abzuziehen, um möglichst rasch durch das Netz zu kommen. Neben Tinulin, der sehr schnell erkannt hat, dass seine Klinge Luinmacil der Schlüssel zur Überwindung dieses Hindernisses sein könnte, hatte ich vor allem Bóin II. mit seiner Mithrilaxt Kibil Burk für die Aufgabe des Netzzerschneidens vorgesehen. Der Zwerg hat seinen Platz dagegen klar an der Verteidigungsfront gesehen, sonst wären sie wahrscheinlich noch schneller durch das Netz gekommen, dies allerdings zum Preis, dass der Verteidigungsring schwächer besetzt gewesen wäre.

Auch wenn sie sich rechtzeitig vor der Ankunft der Riesenspinne in den engen Gang zurückziehen und fliehen konnten, wissen die Gefährten nun immerhin, welche Schrecken in der schwarzen Ebene lauern.

Nun sind die Gefährten grösstenteils schwer angeschlagen, und ob sich für Khufurs weggebrannte Nase eine rasche Heilung finden lässt, steht in den Sternen. Nachdem die letzten Sessions praktisch nur aus Kämpfen bestanden haben, stehen jetzt erstmal wieder andere Themen im Vordergrund.

Zu Tinulins Ausruf "Bei Varda, der lichten Elbereth!": Als Tinulins Spieler diesen Ausruf ansagte, hat mein Spielleiter-Innenleben frohlockt. Weshalb?
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Jetzt vielleicht ein bisschen Mitleid für die Gefährten von irgendwem?  ~;D


Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #334 am: 18.02.2026 | 00:09 »
Juhuuui, endlich geht's hier wieder weiter, und dieses Mal geht's auch in der Geschichte ordentlich voran. Welche grossen Enthüllungen gemacht werden, müsst Ihr aber schon selbst lesen, also Popcorn herbei und viel Spass :)

Session 129: Teil 1
8.3. - 6.5.2789 3Z
Ramsarin - Helcarth

Nachdem sich die Gefährten und die vier geretteten Minenarbeiter eine Weile an die Wand eines Ganges gelehnt und ausgeruht haben, geht Arrohir zu Mo und sagt: "Schön, dass Du den Ausschlag dafür gegeben hast, dass wir diesen Menschen hier geholfen haben und Du Dich Deinen Prüfungen gestellt hast. Ich habe auf meinem Weg auch andauernd Prüfungen zu bestehen." Kurz darauf erhebt sich die noch immer blinde Mo und dankt den Calatirnor für Ihre Begleitung in die schwarze Ebene. Sie sei froh darüber, dass sie alle und vier der Minenarbeiter es zurück geschafft hätten. Nachdem sich die schöne Heilerin erschöpft wieder hingesetzt hat, erhebt sich Tinulin und zitiert aus den elbischen Geschichten über die Spinnen aus der Brut von Ungoliant, welche sich in dunkle Höhlen zurückgezogen hatten. Sobald sich alle soweit ausgeruht haben, dass sie weitergehen können, treten sie, mit der Hilfe und geführt von Arang und seinen Leuten, den Weg aus den Minen von Burskadekdar an.

Zur Mittagszeit am 9. März 2789 3Z erreichen die Gefährten schliesslich Arangs Unterkunft. Es dauert nicht lange bis Arang einige seiner Nachbarn dazu bewegen kann, vorübergehend etwas näher zusammenzurücken, so dass die Gefährten ihre Verletzungen in einem eigenen Haus auskurieren können. Während sich Bóin II. und Arrohir auf die harten Strohmatten legen und der junge Dunadan sofort einschläft, bittet Tinulin Arang um etwas zu essen und trinken für die Gefährten und gibt ihm dafür ein Bronzestück.
Als Arang einige Zeit später nur mit einigen Krügen voll Wasser, mehreren Fladenbroten und einer bräunlichen Streichpaste zurückkommt, ist Bóin II. so unglücklich, dass Tinulin sogar ein Silberstück für ein bisschen Alkohol springen lässt. Arang erklärt dem Noldo zwar, dass die Burska-Wachen keinen Alkohol in den Händen der Ubainer sehen wollen, er kann Bóin II. bald darauf aber gleichwohl etwas vergorenen Rübensaft anbieten. Nachdem Mo von Tinulin etwas zu essen erhalten hat, schläft auch die Heilerin völlig erschöpft ein.

Es ist bereits Abend, als Mo sichtlich erfrischt wieder aufwacht. Auch wenn sie noch immer durch das Spinnengift beeinträchtigt ist und zudem nichts sehen kann, macht sie sich trotzdem sogleich an die Behandlung der Verletzungen ihrer Gefährten. Zuerst leitet sie die Heilung des Nervenschadens in Bóins II. Bein ein, bevor sie dem noch immer schlafenden Khufur den Gesichtsverband abnimmt und die grosse Wunde und das Loch, wo sich einst seine Nase befunden hat, vorsichtig abtastet. Nach einer Weile muss sie Bóin II. mitteilen, dass sie nicht in der Lage sei, die verlorene Nase wiederherzustellen, sondern nur die Wunde bestmöglich versorgen könne. Bóin II. sagt zwar, dass er gerne bereit wäre, Khufur seine eigene Nase zu spenden, aber die schöne Heilerin erklärt ihm, dass dies sicher nicht in Khufurs Sinne wäre. Nachdem sie die Verletzung sorgfältig gereinigt hat, legt sie dem Zwerg einen frischen Verband an und wendet sich anschliessend Yuzuki zu, um ihr ihre heilenden Hände aufzulegen. Bevor sie sich schliesslich wieder schlafen legt, regt Mo noch die Heilung ihrer eigenen Blindheit an. Nachdem Calendin dank seiner elbischen Selbstheilungskräfte wieder ganz einsatzbereit ist, löst er den Wache haltenden Tinulin ab.

Beim Aufwachen am nächsten Morgen stellt Mo erfreut fest, dass sie ihr Augenlicht wiedererlangt hat. Gleich darauf kommt Tinulin zu der dunländischen Heilerin und dankt ihr mit einem Kuss auf die Stirn für ihre tatkräftige Unterstützung bei der Heilung der Gefährten. Als Khufur wenig später erwacht und von Mo darüber informiert wird, dass es ihre Fähigkeiten übersteige, seine Nase wiederherzustellen, bedankt sich der Zwerg gleichwohl für ihre Fürsorge. Während Mo Arrohirs Handgelenk ergreift und auch ihm noch ihre heilenden Kräfte zufliessen lässt, sagt Calendin zu Tinulin, die von ihnen gesuchten Luchswesen vielleicht in der Lage seien, Khufurs Nasenverletzung komplett zu heilen, sofern es sich bei ihnen tatsächlich um Elben handeln sollte. Immerhin sollten sie für ihre Dienste ja nun hilfreiche Informationen über den Aufenthaltsort dieser Luchswesen erhalten.

Gegen Mittag kommt Avgan zu den Gefährten, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Dabei berichtet er, dass die geretteten Minenarbeiter von ihren Familien gepflegt und sich auf dem Weg der Besserung befinden würden. Als er anschliessend wiederholt, froh darüber zu sein, dass die Expedition in die schwarze Ebene so glimpflich ausgegangen sei und seine Hilfe bei der Rettung nicht vergessen werde, stellt Tinulin klar, dass die Calatirnor einen Aufstand gegen Ubain sowie die Schlange von Cyan nicht unterstützen werden. Avgan nimmt das ohne weiteren Kommentar zur Kenntnis und sagt, dass Gorig nach dem Ende seiner Arbeitsschicht vorbeikommen und ihnen seine Informationen über die Luchsmenschen mittteilen werde. Nachdem Tinulin darauf erklärt hat, dass er nun so rasch wie möglich nach seinen Verwandten im Gebirge suchen wolle, verabschiedet sich Avgan wieder, wobei er dafür besorgt ist, dass die Gefährten wenig später mit etwas zu essen und trinken versorgt werden.

Während Mo kurz darauf Bóins II. verletztes Bein massiert, kommt die dunländische Heilerin nochmals auf ihre Kindheit zu sprechen und sagt:

"Nachdem ich mich meiner Angst vor der Dunkelheit und den Gefahren der schwarzen Ebene gestellt habe und gemeinsam mit Euch zumindest vier der Minenarbeiter retten konnte, bin ich bereit, Euch mehr über meine Vergangenheit zu erzählen. Vieles von dem, auf das ich zu sprechen kommen werde, habe ich als Kind nicht verstanden und konnte es mir erst mit den Jahren nach und nach erschliessen und erklären. Einer der für mich noch immer erstaunlichsten Zufälle ist der Umstand, dass es ausgerechnet Ihr wart, Tinulin und Bóin II., die mich zusammen mit Arrohirs Vater Caedmon aus der Schwärze von Forgs Höhle in Dunland gerettet habt."

Bóin II. sagt, es sei eine gute Tat gewesen, damals all die Kinder aus Forgs Höhle zu befreien. Tinulin pflichtet ihm bei, worauf Mo fortfährt:

"Im Alter von ungefähr 4 Jahren hat mich mein Vater zusammen mit einem Familienerbstück als "Opfer" zu Forg gebracht, der mich in seine Höhle voller Geister nahm. Nach der Befreiung, offenbar durch Euch, haben sich drei rohirrisch und dunländisch sprechende Männer um mich und die anderen 25 Kinder, von denen insgesamt 16 aus Dunland stammten, gekümmert. Aber statt uns zu unseren Familien in Dunland zurückzubringen, haben sie uns alle nach Rohan gebracht.
Unterwegs sind die drei Männer in heftige Kämpfe mit Dunländern geraten, die uns befreien wollten, aber dann kam Verstärkung durch eine Reiterei, die vom "Prinzen von Rohan" angeführt wurde, wie er, Wulf, der Sohn von Freca, sich damals nannte."


Den Namen "Wulf" spuckt die schöne Heilerin mit der grösstmöglichen Verachtung aus, bevor sie fortfährt:

"Es zeigte sich, dass die drei Männer zu Wulf gehörten, und er vertrieb die Dunländer und brachte uns alle nach Rohan. Während die anderen dunländischen Kinder als einfache Sklaven an verschiedene Gutshöfe in der Westmark verschachert wurden, hat Wulf mich zu sich genommen und an den Hof seines Vaters Freca, des Herrn von Buhr Frecawid, gebracht. Dort in Buhr Frecawid wurde ich zum Spielball von Wulfs Launen und Gelüsten. Und auch wenn er nie zu mir ins Bett gestiegen ist, wusste er doch nur zu gut, wie er jeden Tag meines Lebens körperlich und seelisch aufs Neue zur Hölle machen konnte. Es war der Beginn einer ganz neuen, anderen Tortur, und so wie er mich während der nächsten Jahre behandelt hat, habe ich mich manches Mal in Forgs Höhle zurück gewünscht.

Nach ungefähr einem Jahr in Buhr Frecawid ist Wulfs Vater Heah-thane Freca von einer Reise nicht zurückgekehrt. Es hiess, dass Freca in Edoras von König Helm von Rohan hinterhältig zu Tode gebracht worden sei und der König Wulf damit um den Thron von Rohan gebracht habe. Nicht lange danach hat mich Wulf eines Morgens geholt und ist mit seinen Männern und mir im Gepäck nach Dunland zu König Irlak vom Clan der Coragrak, einer von Freca eingesetzten Marionette, geflohen. Wie ich nämlich erfahren habe, hat Irlak seine Stellung als König von Dunland Freca zu verdanken, weshalb sich Wulf an seinem Hof sehr viel herausnehmen konnte und wie ein hoher Gast behandelt wurde.

Ich weiss nicht mehr genau, ob wir nur einen oder mehrere Winter bei Irlak verbrachten, aber schliesslich brach Wulf wieder auf und ging mit seinen Männern sowie weiteren Anhängern, die er gewonnen hatte, und natürlich auch mit mir, seinem Spielball, nach Isengart, das zu jener Zeit von Dunländern gehalten wurde. Auf Irlaks Geheiss hin unterstellte sich die Besatzung dieses Ortes Wulfs Befehl.
Von Isengart aus plante Wulf seinen grossen Rachefeldzug gegen Rohan, den er zusammen mit Irlak führen wollte. Ich selbst blieb in Isengart und wurde von allen ausser Wulf wie eine einfache Gefangene und Sklavin behandelt. Als was Wulf mich sah und was er mit mir tat, darüber werde ich nicht sprechen.

Im Frühjahr 2758 3Z überfiel Wulf Rohan. Dabei hatte er die volle Unterstützung der Dunländer, die glaubten, nun endlich ihre Heimat zurückzuerhalten. Irlak war zu diesem Zeitpunkt zu einer blossen Marionette von Wulf verkommen und fügte sich allen Befehlen Wulfs und gab sie an seine Männer weiter, soweit diese nicht schon direkt Wulf folgten. Als Wulf nach Rohan aufbrach, schien er für mich keine Verwendung mehr zu haben, weshalb er mich in Isengart zurückliess und an Nilkir "verschenkte", einen sadistischen Neffen von Irlak, der sich Wulf angeschlossen hatte.

Wie man hörte, war Wulf in der Schlacht beim Isen siegreich und nahm schon bald darauf Edoras ein, während sich König Helm in der Hornburg versteckte. Ach, wäre Wulf doch nur ein echter Dunländer gewesen und hätte das Reich von Rohan für erloschen erklärt, aber nein, stattdessen erklärte er sich zum neuen König von Rohan.

Nach einem scheusslich langen und kalten Winter erhielten wir im Frühling 2759 3Z plötzlich Nachricht, dass der Wind gedreht habe und die Rohirrim Edoras zurückerobert hätten. Dabei sei auch Wulf erschlagen worden - hätte ich ihm doch nur meinen Morgenstern selbst durch den Schädel jagen können.
Bald darauf hiess es, dass die Rohirrim unter der Führung eines Mannes namens Fréaláf auch die Belagerung der Hornburg durchbrochen und die Dunländer in die Flucht geschlagen hätten.

Im Spätsommer 2759 3Z kam dieser Fréaláf mit seinen Männern schliesslich nach Isengart, aber Nilkir und seine Leute hatten sich auf diesen Moment vorbereitet. Es war ein langer und erbitterter Kampf, aber am Ende musste Nilkir einsehen, dass Isengart nicht zu halten war. Und so setzte er eines nachts im Spätherbst seinen Plan zur Flucht in die Tat um. Ich hatte schon halb gehofft, im ganzen Trubel vergessen zu werden, aber Nilkir kam und nahm mich mit sich, als er mit seinen Männern aufbrach. Die Flucht blieb nicht lange unentdeckt, und wir wurden schon bald gejagt. Mehrere von Nilkirs Männern verloren ihr Leben, aber da wir schon bald nach Dunland gelangten, verging den Rohirrim im steinigen Bergland schliesslich die Lust, uns gänzlich zu Tode zu hetzen.

Nilkir hatte fast alle seine Männer verloren, und so sah ich in einer sternenlosen Nacht endlich meine Chance gekommen. Auch über diese Nacht werde ich nicht sprechen, aber es gelang mir schliesslich, Nilkirs grausamen Händen zu entkommen.
Ich weiss nicht mehr, wie lange ich alleine umherwanderte, bis ich schliesslich eines Tages in die Nähe der Burg meines Clans kam und dort schon bald darauf endlich auf meine Familie traf und freudig aufgenommen wurde.

Von da an lebte ich mit meinen Brüdern Lurg und Bram sowie meiner Mutter und unserem Gefolge auf Burg Merangruk, der Burg vom roten Kamm, Es war im Jahr 2765 3Z, ich war 17, als Herr Saruman zu mir kam und mir und meiner Familie anbot, mich in der Kunst der Heilung zu unterrichten. Er sagte, er habe vom Schicksal meiner Familie erfahren und wolle anstelle der Rohirrim etwas Wiedergutmachung leisten, weshalb ich sein Angebot dankend annahm."


Tinulin sagt darauf, dass Herr Saruman Caedmon und seiner Frau Evin nach dem langen Winter 2758/59 3Z ebenfalls zu Hilfe gekommen sei und sie von den Wunden geheilt habe, welche ihnen ein grosser Schatten zugefügt habe. Er fährt fort, dass Caedmon und seine Familie nach der Zerstörung des Gutes Zadan n'Bawâb in Rohan schliesslich am Ende des Jahres 2759 3Z von Truchsess Beren von Gondor den Auftrag erhalten hätten, nach Isengart zu gehen, um dort Herrn Saruman zu dienen, dem damals neuen Statthalter Gondors in jener Festung. Dort hätten sie fortan gelebt und habe Arrohir das Licht der Welt erblickt. Anfang des Jahres 2781 3Z habe Herr Saruman Caedmon und seine Familie im Zuge einer in Gondor gesponnenen Intrige, welche sich auch gegen ihn gerichtetet habe, schliesslich aus seinen Diensten entlassen. Anschliessend habe Beregond, der aktuelle Truchsess von Gondor, Caedmon und seiner Familie die Firienmark zugesprochen, wo sie seither wohnen würden und dabei einzig und direkt dem Truchsess unterstellt seien.

Anschliessend fährt Mo mit ihrer Erzählung fort:

"Als ich im Jahr 2759 3Z zu meiner Familie zurückkam, erfuhr ich, dass mein Vater, König Kilgar vom Clan Merangruk, dem Clan vom roten Kamm, Herr von Dunland, schon vor langer Zeit einem rohirrischen Tötungskommando zum Opfer gefallen war. Dieses hatte sich um die Zeit meiner Befreiung in die Burg vom roten Kamm eingeschlichen und meine ganze Familie bedroht. Es scheint, als seien diese Rohirrim, welche meine Mutter als sehr ungewöhnlich beschrieben hat, mit Freca und Irlak im Bunde gewesen, denn nach dem Anschlag auf meinen Vater ergriff Irlak innert kürzester Zeit die Macht über die anderen Clans und begann eine unerbittliche Jagd auf meine Familie. Unser Clan musste die Burg vom roten Kamm verlassen und lebte, all seiner Macht beraubt, viele Jahre versteckt, bis Lurg und Bram alt genug waren, um den Clan Merangruk allmählich wieder zu stärken und bei den anderen Clans in Erinnerung zu rufen.
Was ich bis jetzt aber noch nicht verstanden habe, ist, weshalb Ihr, Tinulin und Bóin II., damals im Jahr 2753 3Z eigentlich nach Dunand und zu Forgs Höhle gekommen seid. Was hattet Ihr dort verloren?"


Bei diesen Worten kommt Tinulin ein schrecklicher Verdacht, und er sagt: "Ich befürchte, es könnte sein, dass wir dieses Kommando gewesen sind, welches Deinem Vater den Tod gebracht hat. Wenn dem wirklich so gewesen sein sollte, haben wir diese Tat aber nicht als Handlanger von Rohan verübt, sondern wegen eines schon sehr viel älteren Zwists mit dem Haus vom roten Kamm." Der Noldo geht noch eine Weile in sich und versucht dabei, sich an die verschiedenen Vorkommnisse jener Zeit und ihre Zusammenhänge zu erinnern.
[Technisch gesprochen: Tinulin muss einen Erinnerungswurf machen, der mit UM 100 + 20 + 30 Intelligenzbonus = 150 so hervorragend ausfällt, dass Tinulins Spieler alle relevanten Informationen erhält, welche das Verhältnis zum Haus vom roten Kamm und die Vorkommnisse und Zusammenhänge zur fraglichen Zeit betreffen.]

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #335 am: 18.02.2026 | 00:13 »
Session 129: Teil 2

Nach einer Weile wendet sich Tinulin wieder den Gefährten zu und sagt:

"Nachdem ich meine Gedanken und Erinnerungen geordnet habe, kann ich die Geschehnisse jener Zeit aus unserer Sicht folgendermassen schildern: Im Jahr 2753 3Z waren Bóin II. und ich mit unseren damaligen Begleitern Caedmon, Gwen und Fairin in Buhr Frecawid und befanden uns auf der Suche nach Hinweisen auf den Verbleib von Caedmons Vater Aradun. Wie wir von Arrohirs Grossvater Atar erfahren hatten, war Aradun mit seiner Frau Erin im Jahr 2747 3Z zu einer Reise nach Dol Amroth aufgebrochen, wobei sie einen Weg durch die Westmark wählten. Wie sich später zeigte, sind die beiden nie in Dol Amroth angekommen, sondern irgendwo unterwegs verschollen. Auf der Suche nach Aradun und Erin begaben wir uns ebenfalls in die Westmark und trafen im Weissen Gebirge unverhofft auf einen ganzen Stamm von Wasa sowie eine rohirrisch anmutende Frau. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dieser Frau um niemand anderes als Fairin Heimdall, eine Nachkommin von Torben Heimdall, einem Heilkundigen, der viele Jahre zuvor mit Artemain dû Anduin und auch meinem Vater Elvëanwe unterwegs gewesen war.
Nachdem wir Fairins Vertrauen gewonnen hatten, erzählte sie uns, dass der Hof ihrer Familie in Rohan im Jahr 2747 3Z von Dunländern überfallen worden war. Dabei sei sie, damals ein erst 9-jähriges Mädchen, verschleppt sowie das Familienerbstück "Lothguil" geraubt worden. Beim Fluss Isen seien die Dunländer von einem Mann gestellt worden, der ihnen Fairin habe abjagen können. Wie sich zeigte, war dieser Mann Aradun, und er deckte den Rückzug eines seiner Männer mit Fairin, so dass die beiden schliesslich nach Buhr Frecawid entkommen konnten. Von Aradun oder dem Banner von Zadan n'Bawâb, den er bei sich führte, hat man danach jedoch nie wieder etwas gesehen oder gehört.
Gemäss Fairins Schilderungen sind Fairin und ihr Beschützer noch in derselben Nacht, in welcher sie Buhr Frecawid erreichten, aus irgendeinem Grund zusammen mit der in der Stadt wartenden Erin weiter geflohen. Sie wandten sich nach Südwesten, um über einen Pass im Weissen Gebirge nach Gondor zu gelangen. Auf dem Weg zum Pass wurden sie von einem Trupp dunländischer Männer gestellt, und Erin und ihre Begleiter wurden erschlagen, während Fairin dank der Hilfe einiger Wasa die Flucht gelang. Von da an hat sie bis zu unserem Zusammentreffen im Jahr 2753 3Z bei den Wasa, die wir Elben "Druedain" und die Rohirrim weniger schmeichelhaft "Pûckelmänner" nennen, gelebt.

Als wir im Jahr 2753 3Z mit Fairin nach Buhr Frecawid zurückkehrten, berichteten wir Heah-thane Freca vom Überfall der Dunländer auf Fairin und Aradun rund sechs Jahre zuvor. Damals waren nicht nur Aradan, sondern auch das Banner der Familie dû Anduin, deren ältester Stammhalter er war, und das Amulett Lothguil, ein Erbstück der Familie Heimdall, verloren gegangen. Von Freca erfuhren wir, dass das von uns gesuchte Banner und das Amulett über verschiedene Wege zu Kilgar, dem damaligen König von Dunland, und seinem Hexer Forg gelangt sein könnten. Er war der Ansicht, dass ein Angriff auf den aus dem Norden Dunlands stammenden Kilgar und Forg in Dunland selbst den Feind nachhaltig verunsichern und zudem Streit unter den dunländischen Clans hervorrufen könnte. Wie er gehört habe, trachte auch Irlak, der Anführer des aus dem Süden stammenden Clans Coragrak, nach der "Krone", weshalb so ein Angriff Rohan lange Jahre der Ruhe bringen könnte. Freca stellte uns sogar zehn gute Männer unter der Führung von Oron zur Seite, die dunländische Züge hatten und auch die dunländische Sprache beherrschten.

So begaben wir uns nach Dunland zu Forgs Höhle, wo wir dem "Hexer" den Garaus machten, mehrere in den Tiefen der Mine gefangene Kinder befreiten und auch Fairins Familienerbstück, das Amulett Lothguil fanden. Während Oron und seine Männer die Aufgabe übernahmen, die offensichtlich verschleppten Kinder sicher nach Rohan zurückzubringen, gingen wir zur Burg vom roten Kamm, um König Kilgar zu stellen und das Banner der Familie dû Anduin zurückzuholen. Als wir bei der Burg eintrafen, war Kilgar jedoch gerade nicht zu Hause und der Banner unauffindbar. Als sich Kilgar am Tag nach unserem Eintreffen mit einem ganzen Reitertrupp der Burg näherte, erschossen wir ihn mit unseren Bögen aus der Ferne, bevor wir uns ohne das Banner zurückziehen mussten.

Was damals vorgefallen ist, war ein Zusammenlaufen vieler verschiedener Leidensstränge. Da war Caedmons Familie, deren Stammhalter Aradun zusammen mit dem Banner von Artemain dû Anduin verschollen war, aber auch Fairin, die verschleppt und des Familienerbstücks Lothguil beraubt worden war. Und schliesslich, aber das wussten wir damals nicht, warst da auch Du, Mo, ein in Forgs Höhle gefangenes Kind, das vom eigenen Vater ohne jede Hoffnung in dieses Schicksal geschickt worden war. Es kann durchaus sein, dass uns Heah-thane Freca in dieser verwirrlichen Situation ohne unser Wissen für die Erreichung seiner eigenen Ziele benutzt hat.

Ich möchte Dir an dieser Stelle auch erzählen, dass Caedmon etwa drei Jahre nach der Rückgewinnung von Lothguil eine Expedition ins Weisse Gebirge anführte, bei der wir uns zum Ziel gesetzt hatten, den Druedain-Stamm, der Fairin im Jahr 2747 3Z aufgenommen hatte, zum Firienwald zu führen. Dort leben sie seither auf der gondorianischen Seite des Waldes und werden von den Rohirrim nicht länger grundlos gejagt und ermordet."


Nachdem Tinulin am Ende seines Berichts angelangt ist, sagt Mo mit nachdenklicher Miene:

"Wenn dieses Banner der Familie dû Anduin, von dem Du erzählt hast, dieselben Symbole zeigt wie Arrohirs Schild, dann glaube ich, dass ich ihn in meiner frühen Kindheit schon einmal gesehen habe. Ich kann mich erinnern, dass im grossen Saal der Burg vom roten Kamm ein solches Banner zur Schau gestellt war. Soweit ich weiss, soll ihn Onkel Gurdin eines Tages mit nach Hause gebracht haben. Es hiess immer, es sei wie das Banner von Artemain dû Anduin, dem Mörder von Grebor vom roten Kamm, der durch diese Tat zu einem der Erzfeinde des Clan Merangruk wurde. Durch den Mord an Grebor verlor der Clan vom roten Kamm für viele Jahre seine Vormachtstellung in Dunland. Mir wird nun übrigens auch klar, dass Wulf mich nach meiner Befreiung aus Forgs Höhle als Tochter von König Kilgar erkannt haben muss und mich deshalb bei sich behalten hat.

Nun müssen wir aber auch noch über Fairins Familienerbstück "Lothguil" sprechen, das ihr in Forgs Höhle gefunden habt. Wie ich gesagt hatte, hatte unser Clan ein Familienerbstück, welches Forg übergeben wurde, als man mich ihm "opferte". Es ist ein Amulett aus Silber und hat die Form einer Blüte mit einem Saphir in der Mitte. Forg hatte es gefordert und gesagt, die Vormachtstellung von Clan Merangruk hänge davon ab, dass er das Amulett bei sich habe. Wie Ihr Euch vorstellen könnt, war ich sehr überrascht, als diese Fairin nach Zadan n'Bawâb in der Firienmark kam und genau ein solches Amulett trug. Wenn es nicht zwei identische Stücke gibt, dann muss ich davon ausgehen, dass sie unser Familienerbstück trägt. Wenn dem so sein sollte, muss sie es mir und meiner Familie zurückgeben, aber darum werden wir uns kümmern, wenn wir zurück im Westen sind."


Als Tinulin entgegnet, dass das Amulett Lothguil gemäss seinen Kenntnissen vor mehr als 200 Jahren von Fairins Ahnherrn Torben Heimdall getragen worden war und sich seither im Besitz seiner Familie befunden hätte, sagt Mo:

"Gemäss unserer Familiensaga ist uns das Blüten-Amulett zu der Zeit, als Grebor als König von Dunland den Clan vom roten Kamm anführte, bei einem Überfall von einigen Männern geraubt worden. Unsere Leute haben die Räuber verfolgt und einen nach dem anderen zur Strecke gebracht, bis auf den letzten, der sich mit Hilfe eines Bootsfahrers auf den Gwathló retten konnte. Unsere Männer haben das Boot mit Pfeilen eingedeckt und auch den Räuber und sein Pferd getroffen, worauf das Boot schliesslich gekentert ist. Da glaubten wir, das Amulett sei verloren. Im Lied heisst es weiter, dass der Bootsfahrer später an einem Turnier in Tharbad mit dem Feind unseres Hauses namens "dû Anduin" gesichtet worden sei. Der Versuch, das Amulett wiederzuerlangen, sei jedoch gescheitert. Erst viele Jahre später gelang es meinem Onkel Gurdin durch einen glücklichen Zufall, das Amulett zu unserer Familie zurückzubringen, als er von einem Ausflug nach Rohan zurückkehrte - eine wirklich verrückte Geschichte."

Bei den Worten "Ausflug nach Rohan" verzieht Arrohir das Gesicht und blickt anschliessend zu Boden, worauf Tinulin zu Mo geht und sie neben den jungen Dunadan auf dessen Bett setzt. Während er den beiden Menschen je eine Hand auf die Schulter legt, sagt der Noldo: "Ihr beiden seid die Kinder eines langen und traurigen Schicksalsfadens, der auf beiden Seiten zu viel Leid geführt und auch mich zu falschen Entscheidungen verleitet hat. Beide Seiten hatten ihre legitimen Ziele, die nur allzu oft völlig konträr zueinander standen, und ihr seid die unschuldigenen Kinder dieser verflochtenen und letztlich verlorenen Generationen. Ihr habt es nun in der Hand, in Eurer jetzt noch unschuldigen Lage diese Fehde zwischen Euren Häusern zu beenden. Ich selbst habe mich verschuldigt und bitte Euch beide zu tiefst um Verzeihung."

Nachdem alle eine Weile geschwiegen und die Worte des Noldos auf sich haben wirken lassen, erzählt Mo, wie das Amulett Lothguil zu ihrer Familie gelangt ist:

"Im Lied unseres Clans heisst es, dass Rabor vom roten Kamm eines Tages um das Jahr 1356 3Z in den Sümpfen des Glanduindeltas auf die Jagd ging. Doch statt eines Hirsches fand er einen grossen Reiter in Rüstung, der mit seinem Pferd vom Weg abgekommen war. Das Tier war bereits verloren, aber den Mann, bei dem es sich wohl um einen Dunadan handelte, rettete Rabor unter dem Einsatz seines eigenen Lebens vor dem Versinken. Der Ritter war Rabor sehr dankbar, und weil er nichts Anderes von Wert bei sich führte, übergab er ihm für seine Mühen ein silbern glänzendes Amulett in Form einer Blüte mit einem blauen Edelstein in der Mitte. Da war Rabor sehr froh, und als er bald darauf zur Burg Merangruk zurückkehrte, verkündete er, dass dieses Schmuckstück fortan ein Erbstück des Clans vom roten Kamm sein solle.

Der aus dem Reich der grossen Menschen im Süden stammende Ritter gelangte schliesslich in seine Heimat zurück. Jahre später kam er dann wieder nach Dunland und bot dem Clan Merangruk eine beträchtliche Geldsumme für das Amulett, was Rabor indessen ablehnte. Der Dunadan zeigte sich jedoch starrsinnig und sagte, dass von nun alle fünf Jahre eine Gesandtschaft seiner Familie nach Dunland zurückkehren werde mit dem Ansinnen, das Amulett freizukaufen.

Es vergingen viele Jahre, in denen der Dunadan und später auch seine Nachkommen nach Dunland zurückkehrten, um Clan Merangruk ein Angebot für das Amulett zu unterbreiten. Doch da Rabor das Schmuckstück als Dank für seine Rettungstat rechtmässig erhalten hatte und es überdies zu einem Erbstück unserer Familie geworden war, blieben all ihre Versuche vergebens.

Als die Dunedain im Jahr 2576 3Z ein weiteres Mal zur Burg vom roten Kamm kamen, hatten die Nachkommen des Ritters offensichtlich beschlossen, sich das Amulett auch mit Gewalt zu nehmen, sollte Grebor, der damalige Anführer von Clan Merangruk, es ihnen noch immer nicht freiwillig herausgeben.
Grebor empfing die Dunedain freundlich auf der Burg vom roten Kamm, teilte ihnen aber schon kurz darauf mit, dass ihr Kommen vergebens gewesen sei, da das Amulett jetzt wie auch in Zukunft nicht zum Verkauf stehe. Ohne Vorwarnung griffen da die Dunedain Grebor und seine Männer an, und es entbrannte ein wilder Kampf, bei dem der Anführer der Dunedain namens Deregor schon bald zu Boden ging. Anstatt den wehrlosen Mann zu erschlagen, liess Grebors jüngster Bruder Gorban Deregor am Leben. Doch dieser hatte sich nur wehrlos gestellt, und statt sich einfach seines verschonten Lebens zu erfreuen und mit seinen Männern von dannen zu ziehen, nutzte Deregor die ihm gewährte Gnade schändlich aus. Mit einem raschen Manöver brachte der Dunadan Gorban unversehens in seine Gewalt, als ihm dieser kurz zu nahe kam.
Aus Angst um Gorbans Leben fügte sich Grebor Deregors Befehl und händigte ihm das Blüten-Amulett aus. Doch statt Gorban freizulassen, begab er sich mit seiner Geisel und seinen noch lebenden Männern vor die Burg, wo er Gorban rücklinks erstach, bevor die Räuber die Flucht in Richtung Gwathló ergriffen.

Ausser sich vor Wut und Schmerz über den Verlust seines Bruders, nahmen Grebor und seine Männer sogleich die Verfolgung auf und erschossen die dunedainischen Räuber und Mörder einen nach dem anderen. Als letzter noch Lebender erreichte Deregor eines Abends schliesslich das Ostufer des Gwathlós nahe bei Sudúni, einer kleinen Stadt auf der anderen Seite des Flusses. Er begab sich mit seinem Pferd auf das letzte noch wartende Fährboot und war schon ein ganzes Stück vom Ufer entfernt, als Grebors Männer schliesslich eintrafen. Verzweifelt deckten sie das Boot mit Pfeilen ein und verwundeten dabei sowohl Deregor als auch sein Pferd tödlich, welches das Boot jedoch durch ein letztes wildes Aufbäumen zum Kentern und Sinken brachte. Grebors Männer beobachteten den Fluss noch lange, aber sie konnten in der hereinbrechenden Dunkelheit weder den Fährmann noch das Amulett ausfindig machen, weshalb sie schliesslich geschlagen zur Burg vom roten Kamm zurückkehren mussten.

Den Rest der Geschichte kennt Ihr bereits. So wie es ich sehe, hat niemand ein besseres Recht am Blüten-Amulett Lothguil als Clan Merangruk, dem es für die Rettung seines dunedainischen Vorbesitzers rechtmässig geschenkt wurde und der es von 1356 3Z bis 2576 3Z, somit rund 1220 Jahre lang, in seinem Besitz hielt. Dann wiederum verhält es sich so, dass Ihr, und mit Euch Fairin, mich aus Forgs Höhle gerettet habt, und wer weiss, ob ich ohne diese Hilfe je wieder das Licht der Sonne erblickt hätte. Schliesslich gilt es zu bedenken, dass im Zuge Eures Anschlags mein Vater, König Kilgar, ermordet wurde und Irlak in Dunland die Macht an sich reissen konnte, was unmittelbar die Verfolgung meines Clans nach sich zog. All das bedenkend, erwäge ich, meinem Bruder Lurg bei unserer Rückkehr nach Westen vorzuschlagen und mich dafür einzusetzen, dass Clan Merangruk auf seinen Anspruch auf das Blüten-Amulett Lothguil verzichtet und es an Fairin und ihre Familie übergeht, für die Rettung meines Lebens. Im Gegenzug erwarte ich allerdings, dass Ihr mir dabei helft, Irlak auszuschalten und seinen Clan Coragrak zu stürzen, der erst durch Euer Zutun an die Macht gelangte."


In Arrohir scheint es schon eine ganze Weile zu brodeln, denn er sagt in trotzigem Tonfall, dass er nach der Rückkehr nach Westen ohnehin noch einige Dinge mit König Fréaláf von Rohan zurechtrücken müsse. Dann wird seine Stimme wieder freundlicher, als er zu Mo gewandt sagt: "Ich möchte Dir bezüglich des Amuletts Lothguil einen anderen Vorschlag machen. Auch ich sehe, dass Clan Merangruk das stärkste Recht an diesem Kleinod hat. Deshalb würde ich mir wünschen, dass es dauerhaft im Heren Calatirnoron deponiert und jeweils durch ein Mitglied des Clans Merangruk an einen Träger verliehen wird, sowie dass möglichst immer ein Angehöriger des Clans ständiges Mitglied des Heren Calatirnoron ist."

Tinulin scheint dieser Vorschlag zur Güte zu gefallen, denn er widerspricht Arrohir nicht, sondern erzählt, was er über den Weg des Amuletts erfahren hat, seit es Deregor auf dem Gwathló an Torben Heimdall, den Flussfahrer, übergeben hatte. Demnach erfasste Torben im Jahr 2576 3Z schon kurz nach dem Erhalt des Amluetts der plötzliche Drang, den Gwathló hinauf nach Tharbad und noch viel weiter bis zu den Wäldern von Rhudaur zu ziehen. Dort traf er in einer nebligen Nacht auf einer Lichtung auf Artemain dû Anduin, Aldatir Taurhîr, Gentiana Lutea d'Endivi sowie Fii Snøøregøøre, die ebenfalls dorthin "gerufen" worden waren. Dies war der Beginn eines neuen Kapitels in der Geschichte des Amuletts Lothguil, nämlich der Start der abenteuerlichen Suche nach den Relikten von König Argeleb I. von Arthedain.

Bóin II. hat während der ganzen Erzählungen schon einige Zeit damit verbracht, in seinem Tagebuch zu blättern und sagt nun, dass er endlich die Stelle mit seinen Notizen zum Angriff auf Forgs Höhle gefunden habe. In der Folge liest der Zwerg seine Tagebucheinträge aus der fraglichen Zeit im Jahr 2753 3Z vor und bestätigt dabei neben der Befreiung mehrerer Kinder aus Forgs Höhle, dass Tinulin mit seinem Bogen zweimal auf Kilgar geschossen hat. Tinulin wendet sich darauf mit Bedauern an Mo und sagt: "Ich habe Deinen Vater erschossen, und es tut mir von ganzem Herzen leid. Ich sage nichts über die Gründe und über die befremdliche Gepflogenheit, eigene Kinder weg zu geben, sondern nur, dass es mir leid tut." Als Mo auf die Worte des Noldos hin still nickt, fährt er fort: "Aber es ist schön, und ich bin froh, dass Deine Mutter und Deine Brüder verschont wurden."

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #336 am: 18.02.2026 | 00:19 »
Session 129: Teil 3

Während Arrohir beim Gedanken an das damals Vorgefallene nur den Kopf schüttelt, wendet sich Mo nochmals an die Gefährten und sagt:

"Es ist erstaunlich, dass der Clan Merangruk durch das Haus dû Anduin und dessen Verbündete gleich zweimal seiner Vormachtsstellung in Dunland beraubt wurde. Nicht erstaunen mag es daher, dass Artemain dû Anduin durch seine Taten im Jahr 2577 3Z zu einem der Erzfeinde von Clan Merangruk wurde. Damals nämlich nahm Grebor vom roten Kamm, der damalige König von Dunland, am grossen Turnier von Tharbad teil und traf dabei nicht nur auf Fairins Ahnherrn Torben, den damaligen Träger des Blüten-Amuletts Lothguil, sondern eben auch auf Artemain dû Anduin sowie deren übrige Begleiter. Wie im Lied unseres Clans berichtet wird, errang Grebor an diesem Turnier im Kampf gegen die Vertreter aus Tharbad sowie Artemain dû Anduin und seine Begleiter ehrenhaft und rechtens den so genannten "Nordschild" zu Eigentum. Uns ist bekannt, dass der Raub des Nordschilds und die Ermordung Grebors im Anschluss an das Turnier auf Artemain dû Anduins Machenschaften zurückzuführen sind. Er war es, der am Turnier in seiner Delegation den Ton angab, sobald es um den Nordschild ging, und später verübte er, verkleidet als Grebor, einen Überfall auf die Burg vom roten Kamm, bei dem auch der weise Sunte erschlagen wurde. Im Jahr 2580 3Z hat sich all dies bestätigt, als Artemain Grebors Witwe gegenüber zugegeben hat, damals den Nordschild an sich genommen zu haben. Nach dem gewaltsamen Tod Grebors hat ein anderer Clan die Macht ergriffen, wodurch Haus Merangruk für viele Jahre seine Vormachtsstellung in Dunland einbüsste. Erst um das Jahr 2730 3Z konnte mein Vater Kilgar den Stand von Haus Merangruk als Königsclan unter seiner Führung wiederherstellen, bevor er im Jahr 2753 3Z ermordet und unser Clan erneut verfolgt wurde."

Tinulin erklärt darauf: "Beim Nordschild verhält es sich mit den Besitzansprüchen etwas anders als beim Blüten-Amulett Lothguil. Wie ich erzählt habe, trafen Artemain, Torben, Aldatir, Fii und Gentiana eines Nachts im Jahr 2576 3Z auf einer Lichtung in Rhudaur zum ersten Mal zusammen. Dieses Treffen war jedoch nicht zufällig, sondern sie wurden von König Argelebs I. Geist gerufen, um ihm seine Ruhe zu schenken, nachdem er im Jahre 1356 3Z in einer Schlacht gegen Rhudaur und Angmar gefallen war. Hierzu mussten die Gefährten verschiedene Relikte des Königs, unter anderem auch seinen Schild, den Nordschild, finden und zurückbringen. Der Schild war somit nie auf- oder freigegeben worden, weshalb ihn Grebor im Jahr 2577 3Z auch nicht behalten durfte, ganz gleich, ob er ihn am Turnier gewonnen hatte oder nicht. Soweit ich weiss, soll Artemain stets um friedliche Lösungen bemüht gewesen sein, aber Grebor zeigte sich in dieser Angelegenheit wohl sehr stur und uneinsichtig. Und wie gesagt, der Umgang von Kilgar mit seinen eigenen Kindern, insbesondere mit Dir, Mo, ist sehr befremdlich und für uns Elben nicht nachvollziehbar."

Mo gibt dem Noldo zur Antwort: "Ja, dieser Umgang mag für Euch Elben nicht nachvollziehbar sein, aber trotzdem geschehen solche Dinge immer wieder, denke nur an Prinzessin Jubara von Ubain, die in Skad als Geisel am Hof der Schlange von Cyan leben muss." Auf Mos anschliessende Frage an Calendin, ob sie sich jetzt geöffnet habe und sie nun mehr übereinander erfahren hätten, sagt der Waldelb: "Ja, das hast Du in der Tat."

Bóin II. hat derweil nachgedacht und sagt zu Mo: "Als wir uns vor rund vier Jahren, damals im Sommer 2785 3Z, in dem Gasthaus in Dunland zum ersten Mal begegnet sind, wurde doch Dein Bruder angegriffen, oder?" Mo erwidert darauf: "Ja, das waren Männer von Irlaks Clan, die Lurg umbringen wollten. Irlak ist zwar schon älter, aber er ist noch immer an der Macht und das Oberhaupt eines starken Clans. Seid Euch aber gewiss, dass wir, Clan Merangruk, das Haus vom roten Kamm, von Tag zu Tag stärker werden und immer mehr der anderen Clans auf unsere Seite bringen. Und ich setze auf Eure tatkräftige Beteiligung, wenn wir eines Tages an Irlaks Tor klopfen und uns die Königswürde von Dunland zurückholen, die uns nach der Ermordung meines Vaters Kilgar genommen wurde."
Mos Antwort führt Bóin II. zur Frage, weshalb sich die Menschen bloss immer gegenseitig bekriegen müssen angesichts des grossen schwarzen Gegners. Tinulin erklärt darauf, dass nicht nur die Menschen, sondern auch die Zwerge und selbst die Elben schon gegen ihre eigenen Brüder ins Feld gezogen seien. Hier im Osten sei die Lage nochmals schwieriger, da die Menschen hier über tausende Jahre unter dem fast ausschliesslichen Einfluss des Schattens gelebt hätten.

Nach einer Weile erhebt sich Mo vom Bett und legt erst Arrohir und Tinulin und anschliessend auch noch Bóin II. ihre Hände auf den Kopf, wobei sie sagt: "Mein Angebot, betreffend Lothguil mit meiner Familie zu sprechen und auch Arrohirs Vorschlag vorzubringen, rührt auch daher, dass ich ohne Fairin heute nicht hier wäre. Was einmal sein wird, werden wir sehen, wenn wir in den Westen zurückkehren." Abschliessend gibt Calendin noch zu bedenken, dass der Konflikt zwischen Rohan und Dunland älter ist als das Attentat auf König Kilgar vom roten Kamm.

Abends kommt Arang in Begleitung von Avgan und Gorig zu den Gefährten und bedankt sich nochmals für die Rettung der Minenarbeiter sowie die Sicherstellung des Goldes. Anschliessend erkundigt sich Tinulin bei Gorig nach dessen Kenntnissen über die Luchsmenschen, worauf der Mann den Gefährten Folgendes erzählt:

"Was ich Euch zu den Luchsmenschen sagen kann, rührt von den Geschichten meines Grossvaters, welche mein Vater mir weitererzählt hat. Mein Grossvater ist vor vielen Jahren in eine Gegend gereist, die rund 640 Kilometer nördlich von Assadin auf der Höhe eines grossen Sees im Gebirge liegt. Er suchte dort in einem Fluss nach Gold und brachte auch zahlreiche Blätter und Früchte von Heilpflanzen mit, die er dort leicht finden konnte.
Immer wenn das Gespräch auf diese Gegend kam, wurde mein Grossvater nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man den grossen See und die Wälder an seinem Südufer wenn immer möglich meiden sollte. "Dort ist es unheimlich und gefährlich", pflegte er zu sagen, auch wenn er vermutlich selbst nie dorthin gegangen ist oder sagen konnte, was dort vorzufinden wäre. Den Überlieferungen zufolge soll sich am Südostufer des Sees vor unerdenklichen Zeiten ein nun lange untergegangenes und vergessenes Reich befunden haben. Ob das aber wirklich wahr ist und wer dort gelebt haben könnte, ist mir nicht bekannt. Aber eben, dorthin solltet Ihr Euch ohnehin nicht wagen. Folgt stattdessen dem südlichen Zufluss zum See stromaufwärts, bis Ihr zu einer Flussgabelung gelangt. Folgt dort dem östlichen Zufluss ins Gebirge hinauf, und Ihr seid am Ziel. Mein Grossvater sagte immer: "Folge dem Fluss hinauf, dort wirst Du fündig, aber achte darauf, den Luchsmenschen nicht zu nahe zu kommen, denn sie mögen es nicht, wenn man ihre Ruhe stört." Ich weiss nicht, ob er die Luchsmenschen jemals selbst gesehen hat, denn er war ein vorsichtiger Mann."


Nachdem Gorig am Ende seines Berichts angekommen ist, erkundigt sich Tinulin nach Avgans Plänen, worauf dieser sagt, dass er mit seinem Konvoi schon bald nach Assadin zurückkehren werde. Auf seine Frage, was die Gefährten in der schwarzen Ebene eigentlich angetroffen hätten, erklärt Tinulin, dass dort dämonische Spinnen und zumindest auch teilweise dämonische Fische hausen würden. Die Spinnen, so vermutet der Noldo, seien nahe am Ursprung der bösen Mutterspinne, wobei er den Namen "Ungoliant" nicht ausspricht.
Die Gefährten sind sich noch nicht sicher, auf welchem Weg sie nach Norden und zum Gebirge bei dem grossen See reisen wollen. Bevor jedoch an einen Aufbruch zu denken ist, müssen sie sich ohnehin noch einige Tage erholen, was sie so auch der Burska-Wache mitteilen. Bis zum Aufbruch der Gefährten erzählt Tinulin Arang alles, was er in der schwarzen Ebene über die dortigen Spinnen und Fische sowie ihr Verhalten gelernt hat.

Am 19. März 2789 3Z verabschieden sich die Gefährten schliesslich von Avgan und Arang sowie den übrigen ubainischen Arbeitern, die sie während ihrer Zeit in Ramsarin kennengelernt haben und brechen in Richtung des grossen Sees im Norden auf. Beim Abschied wünscht Avgan Tinulin Glück und sagt mit einem Augenzwinkern: "Ich hoffe, dass wir uns wiedersehen und dass Ihr nicht vergesst, dass ich nicht vergessen werde, dank wessen Hilfe Ihr aus der schwarzen Ebene entkommen seid."

Auf der rund 50 Tage dauernden Reise umreiten die Gefährten das Gebirge von Jendiar auf der Westseite und halten danach mit Hilfe der Sterne geradewegs auf den grossen See im Norden zu. Unterwegs treffen sie immer wieder auf kleine Höfe, bei denen sie ihren Proviant auffrischen können. Auch die eine oder andere berittene Patrouille aus Jendiar und später aus Ubain kreuzt im Lauf der Zeit ihren Weg, hindert sie aber nicht an der Weiterreise.
Als sie schon eine ganze Weile unterwegs sind, fragt Mo Tinulin, wie sein Plan aussehe, wenn sie das Gebiet der Luchsmenschen erreichen. Der Noldo hatte während dieser Reise schon mehrfach das helle Funkeln der Sterne über den Orocarni bemerkt und sagt, die Gefährten sollten am Fuss des Gebirges ein Lager errichten, während er sich flussaufwärts auf die Suche nach den Luchsmenschen begeben wolle. Im Gespräch mit Calendin kann er sogar den Waldelben davon überzeugen, dass seine Chance, die Luchsmenschen zu finden, am grössten sein dürften, wenn er alleine unterwegs ist. Calendin solle sich derweil um die Gefährten kümmern und ihnen unter anderem bei der Nahrungssuche beistehen. Dem Waldelben gefällt die Vorstellung zwar nicht, dass sein Freund alleine nach unbekannten Wesen sucht, schliesslich lenkt er aber ein. Dabei weist er nochmals auf Khufurs Gesichtsentstellung hin, in der Hoffnung, dass die Luchsmenschen ihn heilen können, sollten sie tatsächlich Avari-Elben sein.

Nachdem sie die Nordflanke der westlichsten Ausläufer der Orocarni gleich südlich des grossen Sees erreicht haben, errichten die Gefährten am Abend des 4. Mai 2789 3Z ein Lager, das rund 20 Kilometer vom südlichen Zufluss zum See entfernt liegt. Calendin ist an diesem Abend das Jagdglück hold, und er kann schon nach kurzer Zeit einen Gämsbock erlegen, den Mo zu einem schmackhaften Mahl verarbeitet. Während dem Essen eröffnet Tinulin auch den übrigen Gefährten, dass er gedenkt, von hier aus alleine ins Gebirge aufzubrechen, um die Luchsmenschen zu suchen. Bóin II. ist von dieser Idee gar nicht angetan, während Mo bereit wäre, ihre Bedenken Tinulins Wunsch hintanzustellen, zumal er auch ihrem Bedürfnis nachgegeben habe, die Minenarbeiter in der schwarzen Ebene zu suchen. Schliesslich fügen sich alle Gefährten Tinulins Wunsch, worauf Mo und Arrohir ihre allabendlichen Rituale ausführen.
Tinulin und Calendin begeben sich derweil in eine Meditation, welche dem Waldelben eine Vision vom Wald beim Südufer des grossen Sees zeigt und ihm dabei das Gefühl vermittelt, dass von dort etwas für ihn Wichtiges ausgeht. Als er bald darauf wieder aus der Meditation kommt, sieht er unentschlossen zum nördlich in der Dunkelheit der Nacht gelegenen Wald, vor dessen unheimlicher Aura Gorig sie gewarnt hatte. Noch während der Blick des Elben auf den dunklen Baumwipfeln in der Ferne ruht, erinnert er sich an die Worte, welche Glorwen anlässlich ihrer Verlobung und der Übergabe des Bogens Culor an ihn gerichtet hatte: "Und da ich nun weiss, dass ich auch in Deinem Herzen bin und nicht möchte, dass Dir auf Deinen Reisen etwas zustösst, übergebe ich Dir zum Zeichen unserer Verlobung Culor, den Bogen des Goldenen Lichts, der von meinem Vater am Ende des Zweiten Zeitalters in der Schlacht des Letzten Bündnisses geführt wurde. Er ist aus dem Holz des Goldenen Baumes Mallorn geschnitten und mit Einlagen aus Ithilnaur, Mondfeuer, versehen und hat eine Sehne aus feinstem Hithlain, dem elbischen Garn, das kaum zu zerreissen ist und den Bogen lautlos macht. Möge er Dir gute Dienste leisten und dazu beitragen, dass Du immer gesund und wohlbehalten zu mir zurückkehrst." Gleichzeitig kommen ihm auch die Worte von Tinulins Mutter Nenwen in den Sinn, die beim Anblick des Bogens mit ernster Miene zu ihm gesagt hatte: "Dies ist ein Bogen von anderer Art und nicht geschaffen für alltägliche und einfache Ziele. Sei Dir immer bewusst, dass mit so einer grossen Waffe eine grosse Verantwortung einhergeht und grosse Aufgaben verbunden sind."

Als Bóin II. die Elben fragt, ob sie in der Meditation ihre Erleuchtung gefunden hätten, sieht Tinulin Calendin an und sagt, dass jeder von ihnen auf seine Weise etwas zum Nachdenken gefunden habe. An Calendin gewandt sagt Tinulin, er könnte sich vorstellen, dass der unheimliche Wald etwas mit dem Ursprung der Elben in diesem Gebirge zu tun haben könnte. Der Waldelb ist jedoch noch immer unsicher und sagt, er könne sich noch immer nicht erklären, wie er im hohen Norden eine Verletzung habe erhalten können, die Auswirkungen bis zu Glorwen in Imladris gehabt habe. Tinulin sagt seinem Freund daher, dass nichts dagegenspräche, wenn er die Gefährten bis zum Waldrand mitnehmen würde. Als Calendin Tinulin kurz darauf sagt, er solle sich auf den Weg machen, erwidert der Noldo: "Du auch, Calendin, Du auch. Wir werden uns wiederfinden und nicht beide gleichzeitig verloren gehen." Anschliessend wendet sich Bóin II. an Tinulin und sagt: "Du bist einer meiner ältesten Freunde und noch sturer als mein Bruder." Seine Axt Kibil Burk ziehend, fährt der Zwerg fort: "Nicht einmal damit könnte ich Dich aufhalten."
Tinulin erklärt seinen Freunden in beinahe entschuldigendem Ton, dass er nunmal ein Getriebener sei, worauf er Bóin II. und Calendin umarmt, denn mit der widerstrebenden Zustimmung des Zwergs hat er nun die für ihn nötige Mehrheit der Stimmen, um sich alleine auf den Weg machen zu können.
Beim nächtlichen Aufbruch vom Lager der Gefährten lässt Tinulin seinen Schild und auch den Bogen sowie sein Gold zurück und packt dafür etwas Proviant ein, bevor er zu Fuss in die Dunkelheit der Nacht entschwindet. Schon kurz nachdem Tinulin losgezogen ist, reisst die dichte Wolkendecke auf und gibt den Blick auf die hell am Himmel strahlenden Sterne frei.

Am nächsten Morgen sind Calendin, Arrohir und Yuzuki bei der Suche nach Essbarem so erfolgreich, dass die Gefährten mit den Resten des Gämsbocks vom Vortag genügend Proviant für vier bis fünf Tage haben. In einer weiteren Meditation schreitet Calendin bald darauf mit fest auf den Boden geheftetem Blick durch einen nebligen Wald. Als er stehenbleibt und den Blick hebt, beginnt sich der Nebel zu lichten und er spürt, dass der Wald aufzuatmen scheint, als hätte er sich nach dem Waldelben gesehnt. Als Calendin im Anschluss Mo auf ihre Nachfrage erklärt, dass er über den Wald nachdenke, erklären sich Arrohir und die schöne Heilerin bereit, mit ihm zum Wald zu gehen, wobei Mo dies aber auch von Khufurs Begleitung abhängig macht.
Als Calendin am Abend erneut über den Wald meditiert, wird ihm das Gefühl vermittelt, dass der Wald das Zwitschern der Vögel, das Spriessen der Blüten und das Summen der Bienen vermisst.

Am Morgen des 6. Mai 2789 3Z verlegen die Gefährten ihr Lager nach Nordosten zu einer günstig gelegenen Stelle rund fünf Kilometer südlich des unheimlichen Waldes in der Nähe vom südlichen Zufluss zum grossen See. Mo erklärt Calendin dabei, dass es nie ihr Wunsch, sondern ein innerer Drang gewesen sei, die schwarze Ebene der Minen von Burskadekdar zu betreten. Da er sie dorthin begleitet habe und diesen Drang nun auch bei ihm vermute, wolle sie Calendin zum Wald begleiten.

Während sich die übrigen Gefährten im Verlauf der Tage somit langsam dem unheimlichen Wald näherten, überquerte Tinulin am Morgen des 5. Mai 2789 3Z an einer günstigen Stelle den südlichen Zufluss zum grossen See und folgte dem reissenden Wasser anschliessend flussaufwärts. Als er ins Gebirge kam, begann er in normaler Lautstärke auf Quenya zu singen und versuchte dabei, nicht wie jemand auszusehen, der nach etwas Ausschau hält. In der Nacht glaubte er, über dem Leuchten der Sterne und dem Rauschen des Bergbaches einen Klang zu hören wie ein Flüstern im Wind. Tinulin ging weiter und sang dabei leise eine Antwort auf das Flüstern. Unterwegs hielt er auch kurz inne, um ein Steinmännchen zu errichten, auf welchem er einen grün schimmernden Smaragd ablegte.

Weiter geht's bei Teil 4

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #337 am: 18.02.2026 | 00:32 »
Session 129: Teil 4

Den ganzen 6. Mai 2789 3Z über geht Tinulin langsam weiter dem Bach folgend bergauf, wobei er auf Quenya vor sich her sagt: "Ich freue mich, Euch, meinen Brüdern, in die Augen zu schauen." Als in der Nacht die Sterne über dem Bach zu leuchten beginnen, zieht der Noldo den Helm seines Ahnen Findulin mit dem eingravierten Stern aus Ithildin an und geht weiter, bis er das Rauschen eines Wasserfalls vernimmt, über welchem die liebliche Stimme einer Frau zu erklingen scheint. Als er sich dem Ursprung des Rauschens nähert, erkennt er vor sich eine kleine Lichtung mit einem Weiher, der von einem Wasserfall gespeist wird, welcher an der gegenüberliegenden Seite eine Felswand hinunterstürzt. Tinulin glaubt erst, seinen Ohren nicht zu trauen, als er mit einem Mal erkennt, dass die Stimme das Lied von den Sternen und vom Wasserfall singt. Dieses Lied, so war ihm gesagt worden, habe sein Ahnherr Tinwëlindo im Ersten Zeitalter gesungen, als er, gemeinsam mit den Teleri in Beleriand angekommen, zum ersten Mal das Licht der Sterne auf dem grossen Meer glitzern gesehen habe. Seine Mutter Nenwen sang es oft am Wasserfall von Calenros und singt es noch immer am grossen Wasserfall in Imladris:

"Inmitten des Glanzes, den die Sterne mir schenken,
Beginnt meine Seele, sich weit zu versenken.
Der Wasserfall schimmert, ein silbernes Band,
Geführt von den Sternen, wie von göttlicher Hand.

Oh, ihr Sterne, so rein und so klar,
Euer Licht strahlt hernieder, so wunderbar.
Es tanzt auf den Wellen, wie funkelnder Glanz,
Ein Lied von der Reinheit, ein ewiger Tanz.

Das Wasser ergießt sich in kristallener Pracht,
Ein Spiegel des Lichts, das der Himmel entfacht.
Doch einer, der hellste, führt mein Sehnen hinauf,
Der Stern von Bethlehem, erleuchtet den Lauf.

Oh, ihr Sterne, so rein und so klar,
Euer Licht strahlt hernieder, so wunderbar.
Es tanzt auf den Wellen, wie funkelnder Glanz,
Ein Lied von der Reinheit, ein ewiger Tanz.

Die Sterne geleiten das Wasser so sacht,
Ihr Licht ist das Feuer, das Schönheit entfacht.
Und über dem Glanz, im Flüstern der Zeit,
El-Berethlehem erstrahlt, in unendlicher Weit’.

Bleibt bei mir, ihr Sterne, mit eurem Gesicht,
Ihr tanzt über Wasser, im reinsten Licht.
Im Glitzern der Tropfen, find’ ich Frieden und Ruh,
Denn das Lied der Sterne führt mich immerzu."


Mit Tränen in den Augen stimmt Tinulin in das Lied ein, dessen Worte sich leicht von der ihm bekannten Fassung unterscheiden, und als es zu Ende ist, sagt er tief ergriffen: "Diesen Moment habe ich mir in keinem Gedanken so schön vorgestellt, wie er jetzt ist, noch hat mein Herz je etwas Schöneres gefühlt." Noch während Tinulin diese Worte ausspricht, wird er einer wunderschönen Frau Gewahr, die auf einem kleinen Vorsprung neben dem Wasserfall auf halber Höhe der Felswand ins Licht der Sterne tritt und zu ihm hinabsieht.

// Metageblubber:

Wow, was für eine Session! So viele Enthüllungen über Hintergründe, Schwelgen in Erinnerungen an vergangene Kampagnen sowie Ausspielung von von langer Hand angelegten Kampagnen-Meilensteinen und, nicht zuletzt, so viele Emotionen.

Nachdem die Calatirnor nach drei sehr würfel- und kampfbetonten Sessions mitsamt vier Minenarbeitern und einem Fass voller Gold aus der schwarzen Ebene der Minen von Burskadekdar entkommen waren, war es an der Zeit, etwas mehr Licht auf Mos Vergangenheit zu werfen. Dabei konnten endlich Hintergründe und Verknüpfungen offengelegt werden, welche ich schon seit dem ersten Auftreten von Mo vor gut 5,5 Jahren Realspielzeit in meinem Kopf herumtrage.

Schon als die Gefährten vor einigen Sessions nach Ramsarin kamen, habe ich bei der Vorbereitung viel Zeit und Gedanken in die genaue Ausarbeitung der Vergangenheit von Mo und der Geschichte des Clans vom roten Kamm investiert, wozu auch einige Recherchen in den Aufzeichnungen der alten Kampagnen gehörten. Die Ergebnisse habe ich anschliessend möglichst logisch verknüpft, um das Ganze in einer passenden Reihenfolge an die Gefährten und ihre Spieler zu bringen. Für mich war das nochmals eine sehr tiefe und spannende Auseinandersetzung mit Mos Geschichte und ihren Gefühlen.

Im Spiel war es dann sehr cool mitzuerleben, wie den Charaktern und ihren Spielern nach und nach klar wurde, dass Mo die Tochter von König Kilgar vom Clan vom roten Kamm ist. Diesen Clan hatten sie schon immer auf dem Schirm gehabt, da sie Grebor vom roten Kamm schon zu Zeiten der Argeleb I.-Kampagne zu einem veritablen Erzfeind von Artemain und der ganzen Gruppe erkoren hatten. Eine Verbindung dieses Clans zu Mo hatten die Spieler schon lange vermutet, aber es fehlten die entsprechenden Beweise. Das schöne Gefühl, mit Mos Befreiung aus Forgs Fängen etwas Gutes bewirkt zu haben, wich schon bald der Erkenntnis, dass sie anschliessend ihren Vater Kilgar getötet hatten. Zwar hatte Kilgar seine eigene Tochter an Forg gegeben, aber das wussten sie zum damaligen Zeitpunkt nicht, und es konnte daher nicht als Legitimation für seine Ermordung dienen. Vielmehr mussten sie erkennen, dass sie damals einer Intrige von Heah-thane Freca aufgesessen waren, der sie benutzt hatte, um den ihm gefügigen Irlak zum neuen König der Dunländer zu machen. Damit hatten sie gleichzeitig die Verfolgung und den Niedergang des Clans vom roten Kamm mitzuverantworten.

Schön war auch, abschliessend noch Bóins II. ganz eigene Sicht auf die damaligen Ereignisse zu hören, als sein Spieler Bóins II. Tagebucheinträge aus der Kampagne "Die Generationen-Gruppe" zur Zeit des Angriffs auf Forg und Kilgar vorlas.

Die Vorbereitung auf diese Session war ebenfalls sehr intensiv. Vor einem Jahr hatte ich mich mit Unterstützung von ChatGPT daran gemacht, dem Sternenlied von Tinwëlindo einen Text zu geben. Tinulins Mutter Nenwen (und vor ihre seine Grossmutter Faingil) hatte es einst während der Kampgange "Die Generationen-Gruppe" an einem Wasserfall bei Calenros im Westen Eriadors gesungen und damit das Herz von Tinulins Vater Elvëanwe erobert. Schon bei der Textfindung war für mich klar, dass die Avari eine leicht abgeänderte Version dieses Lieds kennen und ich an dieser Stelle unbedingt einen bei uns bestehenden Running Gag einbauen möchte: Der Spieler von Tinulin hat schon vor langer Zeit mal gesagt, dass er das Weihnachtslied "Der Stern von Bethlehem" schon seit seiner Kindheit sehr schön findet. Seither - wir sind alle Handballer und er ist der Trainer - wurde im Zusammenhang mit irgendwelchen "Sternen" von der Mannschaft immer wieder mal "Der Stern von Bethlehem" angestimmt. Als es um die Avari-Version des Sternenlieds ging, war für mich daher klar, dass dort unbedingt der "Stern von Bethlehem" drin vorkommen muss, was zum Glück textlich wunderbar geklappt hat.
Und es gibt dazu auch noch eine sprachliche Herleitung.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Nachdem der Text der beiden Liedversionen feststand, galt es, das Ganze mit Hilfe der KI Suno zu vertonen. Im Verlauf des letzten Jahres sind unzählige Versionen der beiden Lieder entstanden, aber erst am Tag vor der Session habe ich schliesslich je eine Version hinbekommen, die ich passend und gut genug fand, um sie auch im Spiel einsetzen zu können.

In meiner "Langzeit"-Vorbereitung der Kampagne hatte ich bis gut eine Woche vor der Session lediglich Notizen zum Zusammentreffen zwischen Tinulin und den Avari gemacht. Dabei war für mich immer klar, dass es eine Szene werden sollte ähnlich dem Zusammentreffen von Beren und Luthien oder jenem von Nenwen und Elvëanwe. Dazu musste Tinulin entgegen der allgemeinen Gruppenhaltung jedoch nachts alleine im Wald unterwegs sein. Wie ich das hinbekommen sollte, und was die übrigen Calatirnor in der Zwischenzeit machen würden, darüber hatte ich mir bis dahin allerdings noch keine grossen Gedanken gemacht.

Zur Vorbereitung der Sache mit den Luchswesen:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Die ganze Recherche und Geschichtserstellung war sehr inspirierend und drängte in meinem Kopf sogar die Geschichte um Mos Vergangenheit in den Hintergrund. So war ich während der Session gerne bereit, nach der Klärung von Mos Vergangenheit und der Verknüpfung ihres Clans mit den Calatirnor die Reise nach Helcarth sehr kurz abzuhandeln, um dort gleich wieder möglichst viel Athmosphäre aufbauen zu können - und mann, hat das gut geklappt!

In der Session habe ich Tinulins Spieler durch einen Zettel darauf gebracht, dass der Noldo die Suche nach den Avari als seine persönliche Sache ansehen und darum alleine losgehen könnte, was er sehr gut umgesetzt hat. Gleichzeitig hat er Calendin einen kleinen Stupser in Richtung des unheimlichen Waldes am Südufer des grossen Sees gegeben. Was könnte man mehr wollen?

Als es dann zur entscheidenden Szene am Wasserfall kam und ich unter dem Tisch den MP3-Player mit der Soundbox verband, begann mein Herz plötzlich schneller zu schlagen und eine massive Nervosität stieg in mir auf. Sobald das Lied lief und ich den überraschten Spielern den Text des Sternenlieds in der Version gab, die Tinulin (nicht aber sein Spieler) kannte, merkte ich, dass ich verdammt nah am Wasser gebaut und einen ziemlichen Kloss der Ergriffenheit im Hals hatte. So starke Emotionen hatte ich beim Rollenspiel schon sehr lange nicht mehr, und dem Spieler von Tinulin ging es ganz genauso, wie er mir nach der Session sagte. Der "Stern von Bethlehem" hat die ganze Sache dann ein bisschen "erträglicher", aber nicht weniger tragend gemacht :)

Gleich nach dem Lied habe ich den Cut gemacht - ein Cliffhanger wie ich ihn bisher nur sehr selten hatte.

PS: Nachdem "The War of the Rohirrim" ins Kino gekommen war, habe ich meine Spieler gebeten, sich den Film noch nicht gleich anzusehen, da er genau jene Ereignisse zum Thema hat, die wir auch mit der Kampagne "Die Generationen-Gruppe" bespielt haben. Den Film werden wir uns nach Mos Offenbarungen nun bei Gelegenheit wohl mal noch zusammen reinpfeiffen können (ich habe ihn allerdings aus Recherche-Gründen schon mal gesehen, denn ich musste ja schauen, ob die Filmemacher auf eine ähnlich kreative Story gekommen sind wie ich :) ).



Offline Namo

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #338 am: 18.02.2026 | 08:34 »
GANZ             GROßES                   KINO.

Ich bin begeistert und ergriffen torben. Ich lese ja schon länger mit - also eigentlich seitdem ich hier im Tanelorn vor 2 Jahren gestrandet bin. Aber diese Session ist für mich die mit Abstand fantastischste. Das ist genau das, was ich auch immer versuchen möchte. Großartig. Mir fehlen die Worte. Ich kann mir vorstellen wie das am Tisch war. Und dann setzt du immer noch einen drauf. Toll. Ich erkenne mich in manchen deiner Schilderungen da echt wieder. Schön zu lesen, dass da jemand auch als SL manchmal selbst ergriffen und emotional wegen der Geschichte ist. Das ist ja wirklich selten, da man selbst so lange daran feilt. Aber manchmal wird man dann auch von den Momenten übermannt. Aber da ist der eine Unterschied zwischen uns: 5,5 Jahre hätte ich es nicht ausgehalten dieses Geheimnis zu bewahren. Was die Sache nur noch mehr verstärkt.

Mir gefällt auch irgendwie der Gedanke der Szene: Da sitzt die Gruppe weit im Osten Mittelerdes und erfährt bzw. bespricht tragische und relevante Ereignisse und Offenbarungen aus dem weiten Westen. Die Vergangenheit holt einen immer ein - egal wo man ist. Und dann diese Abschlussszene mit dem Lied und all diese Geschichten darum. Also nein. Diese Session muss eigentlich eine Sternstunde in eurer langen Runde sein. Das sagt mehr als tausend Worte:  :pray: :pray: :pray: :pray: :pray: :pray: :pray: :pray: :pray: :pray: :pray: :pray:

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #339 am: 18.02.2026 | 22:40 »
@Namo:
Vielen Dank für diese wundervollen Blumen, lieber Namo :) Das wird auch meine Spieler sehr freuen :)
Ja, das war wirklich eine aussergewöhnlich athmosphärische Session, bei der ich informationstechnisch so richtig aus dem Vollen schöpfen konnte. Es ist schon eine ziemliche Erleichterung, wenn das am Ende alles so schön und stimmig aufgeht (und dabei auch gleich schon weiteres Drama ankündigt  >;D). Dass das so gut geklappt hat, liegt natürlich auch massgeblich am Einsatz der Spieler, die ihre Charakter sehr schön ausgespielt haben und dabei wohl wie ich gleichermassen gespannt und fasziniert waren. Tinulins Spieler hat mir drei Tage nach der Session die noch immer ungläubige Message geschrieben: "Das Sternenlied von Tinwëlindo! Ich fass es immer noch nicht!"

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #340 am: 18.02.2026 | 22:50 »
EINSCHUB: Oh Mann, ich habe gerade festgestellt, dass ich aller Langsamkeit zum Trotz vergessen habe, die Session 126 hier einzustellen. Das wird hier nun gleich mal nachgeholt. Also ein kurzer Sprung zurück in die schwarze Ebene der Minen von Burskadekdar.

Session 126:
8.3.2789 3Z
Ramsarin

Die seit dem Eintritt in die schwarze Ebene brennende Kerze, anhand deren Brenndauer die Gefährten den Ablauf ihrer zwölfstündigen Frist für die Rettungsaktion abschätzen wollen, lassen sie bei Cobara zurück. Anschliessend betritt Tinulin als erster das dunkle Wasser, das den Damm etwa knietief überflutet. Hinter ihm drängen sich Khufur und Yuzuki, die nicht nur eines der beiden Bergmannslichter, sondern zusammen mit dem Zwerg auch die Holzplanke trägt. Ihnen folgen Bóin II. und Mo mit dem zweiten Bergmannslicht, gefolgt von Calendin und Arrohir. Nachdem sie eine ganze Weile durch die riesige Höhle gewatet sind, erreicht Tinulin schliesslich das Ende des Dammes und muss sich von Yuzuki das Bergmannslicht geben lassen, um die Fortsetzung des Weges erkennen zu können. Als er das andere Ende der zu überquerenden Unterwasserschlucht ausgemacht hat, richten er und Khufur die Holzplanke aus, worauf der Zwerg seinen Fuss darauf stellt. Da der Platz sehr beschränkt ist, benötigen die beiden zwei Versuche, bis die Planke richtig platziert ist und ihr anderes Ende über der Fortsetzung des Dammes schwimmt. Anschliessend betritt Tinulin vorsichtig die Planke, bis auch das gegenüberliegende Ende unter Wasser gedrückt wird und fest auf dem Damm aufliegt.
[An dieser Stelle ersparen wir uns die Diskussion darüber, ob Tinulin angesichs der elbischen Leichtfüssigkeit, welche die Erstgeborenen befähigt, sogar auf Pulverschnee zu laufen ohne einzusinken, die Holzplanke mit seinem Gewicht unter Wasser drücken kann oder nicht.]
Sobald der Noldo auf der anderen Seite angekommen ist, folgt ihm Khufur mit einem Bergmannslicht, während sich Yuzuki ebenfalls auf die Planke stellt, damit sie nicht davonschwimmt. Tinulin erkundet derweil schon ein bisschen den weiteren Verlauf des Dammes. Nachdem Bóin II. das zweite Bergmannslicht an Mo übergeben hat, windet er sich vorsichtig an Yuzuki vorbei und betritt die Planke. Während der Überquerung wird der Zwerg jedoch unsicher und bleibt mitten über der Schlucht aus Wasser stehen, als plötzlich mehrere rot glühende Lichterketten aus der Tiefe unter ihm emporschiessen. Bóin II. gelingt es gerade noch so rechtzeitig, seine Freunde zu warnen, dass Calendin einen Pfeil auf die Gefahr abfeuern kann. Sein glühendes Geschoss durchschlägt die Wasseroberfläche mit einem wütenden Zischen und spiesst sogleich einen der grossen, schlanken Raubfische auf, die sich mit ihren furchteinflössenden Zähnen auf Bóin II. stürzen. Glücklicherweise trägt der Zwerg von der ersten Attacke der Fische, deren Seiten mit rot leuchtenden Punkten versehen sind, nur leichte Verletzungen davon und kann seinerseits einen der Angreifer mit einem Hieb seiner Axt Kibil Burk verwunden. Mo wird angesichts der tödlich rasch durchs Wasser gleitenden Lichter von ihren Kindheitsängsten aus einer Höhle in Dunland eingeholt und bleibt wie paralysiert auf dem Brett stehen, unfähig auch nur einen Pieps zu sagen. Auf der anderen Seite schafft es derweil Khufur, mit einer engen Umarmung an Yuzuki vorbeizukommen und so den Platz bei der Planke und am nächsten zu seinem Meister einzunehmen. Auch Tinulin drängt sich noch an Yuzuki vorbei, um Bóin II. im Kampf zu unterstützen, doch sein Plan ändert sich rasch wieder, als plötzlich noch vier weitere Raubfische mit rotglühenden Flanken aus den dunklen Tiefen des Wassers emporschiessen und beinahe alle Gefährten gleichzeitig angegreifen. Dabei tragen Khufur und Tinulin nicht nur blutende Wunden davon, der Noldo muss sich vorerst auch ganz auf seine Verteidigung konzentrieren und kann nicht weiter angreifen. Mit einem Schuss auf einen der heranschwimmenden Fische kann Calendin derweil einen Angriff auf die noch immer regungslos dastehende Mo verhindern und die schöne Heilerin damit auch gleichzeitig aus ihrer Starre wecken. Wie von der Tarantel gestochen, schlägt sie, voller Zorn schreiend, mit ihrem Morgenstern nach den Fischen und kann wenig später einem von ihnen den Garaus machen. Immer noch kommen weitere Fische aus der Tief herauf und setzen vor allem Calendin und Yuzuki zu, die weniger gut gepanzert sind.
Nachdem die junge Händlerin trotz den Bemühungen der übrigen Gefährten bereits mehrere tiefe Bisswunden hinnehmen musste, gelingt es ihnen allmählich, die Gegner einen nach dem anderen zu erschlagen. Als wenig später mehrere rote Blitze durch die Tiefe des Wassers zucken und den Calatirnor einen kurzen Blick auf zahllose dunkle, sich eng umwindende aalartige Fische oder Arme freigeben, ziehen sich die Angreifer schliesslich zurück.
Auch wenn sich Calendin nicht sicher ist, ob sie nicht im nächsten Augenblick von etwas noch deutlich Grösserem angegriffen werden, mahnen Tinulin und auch Mo zur Eile. Wenig später haben alle Gefährten die Unterwasserschlucht mit Hilfe der Holzplanke überquert, und Arrohir hält den Balken mit einer Hand fest, während er das andere Ende hinter sich durchs Wasser zieht. Verfolgt von mehreren roten Blitzen aus der Tiefe des Wassers, drängen sich die Gefährten im Gänsemarsch so schnell es geht über den überfluteten Damm und erreichen schliesslich das andere Ende des Sees.

Während sich Mo darum kümmert, die blutenden Wunden ihrer Freunde mit ihren Heilkräften zu versorgen, konzentriert sich Calendin auf seine Selbstheilung, bis es allen so weit besser geht, dass sie ihre Suche nach den verschollenen Minenarbeitern fortsetzen können. Bevor sie nach einer guten Viertelstunde wieder aufbrechen, geht Mo zu Tinulin und Bóin II. und sagt mit ernster Miene: "Ich werde Euch hier herausführen, aber zuerst müssen wir die anderen finden."
Die Gefährten diskutieren noch kurz darüber, ob sie die Holzplanke auf dieser Seite des Sees in einer Felsnische zurücklassen könnten. Schliesslich entscheiden sie sich aber doch dafür, sie weiterhin mit sich zu tragen, wobei diese Arbeit nun Bóin II. und Khufur zufällt. Die Elben haben zudem frische, von Menschen gemachte Spuren gefunden, was die Gefährten optimistisch stimmt.

Als die Calatirnor bald darauf durch die fünfte Tiefe der schwarzen Ebene schleichen, hat Bóin II. grosse Mühe, mit dem Holzbalken nicht zu viel Lärm zu verursachen. Schliesslich legen die Zwerge das sperrige Holzstück doch in einer Nische ab und gehen ohne es weiter.
[Technisch gesprochen: Ja, Bóin II. hat beim Schleichen-Manöver ziemlich hoch gepatzt.]
Wenig später venimmt Tinulin aus einem gemäss ihrer Karte mit Kristallen besetzten Höhlenbereich leise Geräusche und mahnt seine Freunde daher zu noch grösserer Vorsicht. Am anderen Ende einer riesigien, von unzähligen Kristallen besetzten Halle stossen sie auf zwei mit Bergmannspickeln bewaffnete Männer, die ob dem Erscheinen der Gefährten mächtig erstaunt und verwirrt sind. Tinulin erklärt ihnen auf Ostron, wer sie sind und dass sie in Absprache mit Arang gekommen seien, um sie aus der schwarzen Ebene zu evakuieren. Auf seine Frage, ob noch weitere Minenarbeiter hier unten seien, sagen Kimo und Kapono, wie die beiden Männer heissen, dass die anderen Minenarbeiter noch in der sechsten Tiefe beim Goldvorkommen seien. Sie selbst seien gerade dabei gewesen, ein Fässchen mit sehr stark goldhaltigem Gestein nach oben zu schaffen. Wegen des Hochwassers seien sie arg in Verzug geraten und zu allem Unglück sei beim Angriff der Leuchtfische, der Cobara seinen linken Unterschenkel gekostet habe, auch noch ihr Holzbalken davongetrieben worden. Diese Nachricht veranlasst Calendin, die anderen darum zu bitten, den Holzbalken allen Umständen zum Trotz doch mitzunehmen, da sie ohne die Planke nur allzu leicht hier stranden könnten. Kurz entschlossen holen die Gefährten gemeinsam ihren Holzbalken und steigen anschliessend mit Kimo und Kapono, die das Goldfässchen in der Kristallhalle zurücklassen, in die sechste Tiefe hinab.

In der sechsten Tiefe der schwarzen Ebene übernehmen Kimo und Kapono, deren Sinne bestens an das Leben unter Tage angepasst sind, die Führung und geleiten die Gefährten leise und zügig zum grossen Goldvorkommen. Kurz vor der letzten Biegung des Ganges vernehmen sie vor sich plötzlich hektische Rufe, die rasch immer panischer und lauter werden. Sofort rennen Kimo und Kapono ihren verzweifelt schreienden Minenkumpels entgegen, gefolgt von Tinulin und Mo, denen Bóin II. und Khufur mit der noch immer geschulterten Holzplanke folgen. Hinter den Zwergen folgen schliesslich Arrohir, Yuzuki und Calendin. Gleich nach der Biegung kommen sie zu einer grossen natürlichen Halle, in deren Mitte am Boden ein von wenigen Bergmannslichtern erhelltes riesiges Goldvorkommen wie ein Bach in der Dunkelheit schimmert. Zu ihrem Entsetzen erkennen sie, dass die dort schuftenden Minenarbeiter gerade von Schwärmen etwa handteller grosser Spinnen mit dunklen Körpern überrannt und angegriffen werden. Von der gegenüberliegenden Seite der Halle kommend, bahnen sich die äussert flinken und an Masse nicht zählbaren Angreifer ihren Weg zu den Menschen nicht nur über den Boden, sondern auch entlang der Wände und der Decke. Gleich zu mehreren haben die Spinnen schon fünf der sieben Minenarbeiter befallen, die ob der schmerzhaften Bisse der Angreifer aufschreien.
Ohne zu zögern, wagt sich Tinulin bis zum Rand des breiten "Goldbaches" und ruft den Minenarbeitern auf Ostron zu, sie sollen mit ihren Bergmannslichtern so schnell wie möglich zu ihm kommen. Anschliessend reckt er sein Schwert Luinmacil, dessen Klinge blau in der Dunkelheit erstrahlt, in die Höhe und stimmt auf Quenya das Lied "Luinmacil ehrt Vardas Sterne" an. Darin besingt der Noldo die Schärfe und Härte des Sternenlichts und bittet alle Lichtquellen, das Licht von Varda in sich aufzunehmen und abzustrahlen. Durch das Leuchten seines Schwertes Luinmacil und der Gravuren aus Ithildin auf dem Helm seines Ahnen Findulin wird Tinulin selbst zu einer strahlenden Erscheinung in der Dunkelheit, und sein Gesang berührt Mo bis ins Innerste ihres Herzens und gibt ihr neuen Mut.
[Technisch gesprochen: Tinulin wirkt einen Gesangszauber, um die Moral seiner Verbündeten zu heben und ihnen damit einen Bonus auf sämtliche Aktionen zu geben. Beim Auswürfeln der Stärke des Einflusses würfelt Tinulins Spieler für Mo eine UM 100 - sie ist hin und weg.]
All ihren Ängsten zum Trotz, stellt sich die schöne Heilerin an Tinulins Seite und sieht ihn still und bewundernd an. Arrohir begibt sich ebenfalls zu Tinulin an die Front und nimmt dabei Mo in die Mitte zwischen sich und dem Noldo.

Der Anblick der alles überflutenden Spinnen ruft in Bóin II. und Calendin plötzlich Erinnerungen an ihre Expedition nach Belegost vor mehr als 35 Jahren hervor, als sie in den Tiefen der verschollenen Zwergenstadt ebenfalls von unzähligen Spinnen gejagt wurden. Sogleich schärft Bóin II. Khufur ein, den Holzbalken unter keinen Umständen loszulassen, da er ihr wertvollster Gegenstand überhaupt sei, wenn es darum gehe, diesen Ort jemals wieder lebend zu verlassen. Während sich Bóin II. den anstürmenden Angeifern stellen will, wird Yuzuki von Angst erfasst und zieht sich in den Gang zurück, von wo sie gerade erst gekommen waren. Die Minenarbeiter versuchen derweil verzweifelt, die Spinnen von ihren Körpern abzuschütteln und laufen dabei in Panik in alle Richtungen davon. Nur vier von ihnen sind genügend geistesgegenwärtig, um zu Tinulin zu gehen, der zusammen mit Arrohir und Mo bereits ebenfalls von kleinen Spinnen umgeben wird. Einer der Minenarbeiter, den Kimo beim Namen Konala ruft, flieht in blinder Panik in die Richtung, aus welcher die Spinnen gekommen sein müssen. Dabei läuft er geradewegs einem riesigen Exemplar in die Fänge, welches gut und gerne die Grösse eines Pferdes hat.
Angesichts der schieren Übermacht der Gegner ruft Tinulin in seinem Gesang zum Rückzug, worauf Mo einen Minenarbeiter namens Haku am Kragen packt und ihn zusammen mit Arrohir vom Ort des Schreckens fortzieht. Kimo springt derweil ins Goldbett und versucht, dem Minenarbeiter Analu zur Hilfe zu kommen. Bóin II., Khufur und Calendin wenden sich zur Flucht, wobei der Waldelb jedoch noch aus dem Augenwinkel mitbekommt, dass Konala von der riesigen Spinne mit etwas Netzartigem beworfen wird. Die Fäden dieses Netzes scheinen aus purer Schwärze zu bestehen, und der arme Mann stösst nur noch einen erstrickten Schrei aus, als er von undurchdringlicher Dunkelheit umfangen und verschluckt wird.
Tinulin, Arrohir und Mo müssen feststellen, dass sie wohl ein bisschen zu lange an der Front ausgeharrt haben, denn die Horden von kleinen Spinnen sind so flink unterwegs, dass sie die Gefährten einholen und angreifen können. Während die Biester Arrohir nichts anhaben können, widersteht Tinulin zwar ihrem Gift, muss aber eine blutende Wunde im Genick hinnehmen. Mo hat derweil weniger Glück und spürt plötzlich, dass das Gift der Spinnen all ihre Bewegungen verlangsamt und sie ihre Umgebung nur noch leicht verschwommen wahrnimmt. Nun sind es Haku und Arrohir, die gemeinsam Mo unter die Arme greifen und so rasch wie möglich versuchen, die Heilerin aus der Gefahrenzone zu ziehen. Nachdem Arrohir und Mo alle Spinnen von sich abgeschüttelt haben, flüchtet die Heilerin zusammen mit Haku weiter in den Gang, aus welchem die Gefährten hergekommen waren. Arrohir stürmt unterdessen nochmals nach vorne, um dem Minenarbeiter Akamu dabei zu helfen, sich ebenfalls von den zahlreichen kleinen Spinnen auf seinem Körpter frei zu machen. Während seines anschliessenden Versuchs, auch noch den Minenarbeiter Makaio von den giftigen Plagegeistern zu befreien, glaubt Arrohir, in der Ferne noch weitere, etwa wolfsgrosse Spinnen ausmachen zu können, die ihnen ebenfalls nachsetzen.

Während in der grossen Halle noch immer einige Minenarbeiter um ihr Leben kämpfen, ist es Calendin gelungen, die verängstigte Yuzuki einzuholen und dazu zu bewegen, auf die anderen Gefährten und Minenarbeiter zu warten. Es dauert nur wenige Augenblicke, bis die Zwerge mit der Holzplanke und kurz darauf auch Mo und Haku bei ihnen eintreffen. Als Mo bemerkt, dass Tinulin noch nicht angekommen ist, macht sie auf der Stelle kehrt und läuft ihm besorgt entgegen. Der Noldo wird noch immer von zahlreichen kleineren Spinnen bekrabbelt, und ihre fortlaufenden Bisse machen ihn benommen, weshalb er nur langsam durch den Gang kommt. Sobald ihn Mo erreicht hat, hilft sie ihm, die Spinnen abzuschütteln und mit den Füssen zu zertreten.
Arrohir ist noch immer in de Halle und versucht verzweifelt, sowohl sich selbst, als auch Makaio von den kleinen Spinnen zu befreien, die sie von allen Seiten anfallen und dabei selbst von der Decke herabkommen. Es gelingt ihm zwar, die meisten der ihn selbst angreifenden Spinnen abzuschütteln, aber nur zu bald muss der junge Dunadan erkennen, dass er dem hoffnungslos eingedeckten Makaio nicht mehr helfen kann. Kimo konnte zwar den wolfsgrossen Spinnen entkommen, wird aber schon wenig später unter zahllosen kleinen Spinnen begraben. Derweil stürzen sich die grossen Spinnen auf Makaio, der mit einem verwzeifelten Schrei in der Schwärze ihrer Netze verschwindet, worauf sich Arrohir rasch zu den übrigen Gefährten in den Gang zurückzieht.

Seit ihrem Rückzug haben die Gefährten den ganz zu Beginn des Spinnenangriffs in einen Seitengang geflüchteten Minenarbeiter Saravan nicht mehr gesehen. Da sein Schicksal angesichts der zahlenmässigen Übermacht jedoch besiegelt scheint und sie ohnehin nicht mehr bis zu ihm vordringen könnten, fliehen sie zusammen mit den fünf überlebenden Minenarbeitern Haku, Analu, Makani, Kapono und Akamu zur fünften Tiefe hinauf. Beim dort abgestellten Goldfass angekommen, begibt sich Tinulin noch immer singend ans Ende des Zuges. Nachdem er eine blutende Wunde mit etwas Harfyharz gestillt hat, hält er seine Hand kurz auf den kalten Boden. Rasch wird ihm klar, dass die Spinnen sie weiterhin verfolgen und bald einholen könnten. Bevor sie jedoch erneut aufbrechen, heilt auch Mo noch eine selbst erhaltene Blutung und behandelt anschliessend kurz Tinulins von den zahlreichen Spinnenbissen schmerzenden Nacken.
Sobald Haku und Kapono das schwere, mit dem sehr goldhaltigen Gestein gefüllte Fass mit Hilfe von zwei kleineren Balken transportfähig gemacht haben, fliehen die Gefährten mit ihnen sowie den übrigen Überlebenden durch die fünfte Tiefe, so schnell ihre Beine sie zu tragen vermögen. Auf ihrer Flucht folgen die Gefährten dem ihnen bereits bekannten Weg, auch wenn dieser etwas länger ist als die kürzeste Verbindung zur vierten Tiefe. Gleichwohl sind sie noch etwas schneller als die sie verfolgenden Spinnenhorden und gelangen so schliesslich zurück zum unterirdischen See in der vierten Tiefe der schwarzen Ebene. In Einerreihe betreten zuerst Calendin und Arrohir den gut kniehoch überspülten Damm mit der überlebenswichtigen Holzplanke, gefolgt von Yuzuki, die ein Bergmannslicht trägt, und Khufur. Hinter den beiden gehen Haku und Kapono mit dem schweren Goldfass, gefolgt von Mo sowie den übrigen Minenarbeitern, bevor Bóin II. und der noch immer singende Tinulin den Abschluss dieser Zeremonie bilden, die von gelegentlichen rötlichen Blitzen aus der Tiefe des Wassers begleitet wird.

// Metageblubber:

Die Rettungsaktion für die verschollenen Minenarbeiter ist in vollem Gange. Bei der Durchüberquerung auf dem Hinweg haben die Gefährten schon mal einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, was ihnen auf dem Rückweg vielleicht noch bevorstehen könnte. Die Höhlenfische ("Red Jaws") haben ganz ordentliche Werte und stellen im Rudel eine ernstzunehmende Gefahr dar, vor allem wenn man als Abenteurergruppe einer neben dem anderen stehen muss wie Hühner auf der Hühnerleiter. Um das Vorankommen nicht schon an diesem Punkt allzu sehr zu erschweren, habe ich mich mit den Angriffen aber noch ziemlich zurückgehalten, schliesslich sollten sie nicht schon an diesem Punkt umkehren müssen.

Auch an diesem Punkt in der Kampagne hat sich für mich - ähnlich wie beim Zusammentreffen mit dem Drachen Smaug in Thal - die Frage des Timings gestellt: Wann zeigen sich die Spinnen? Greifen sie die Minenarbeiter schon an, bevor die Gefährten zu ihnen vorgestossen sind, treffen die Gefährten und die Spinnen gleichzeitig bei den Minenarbeitern ein, oder haben die Gefährten vielleicht sogar noch Zeit, den Minenarbeitern beim Goldeinsammeln zu helfen, bevor die Spinnen angreifen? Egal wofür ich mich entscheide und wie ich es auch mache, die Spieler können immer sagen: "Das war jetzt aber gescriptet und egal, was wir gemacht hätten, es wäre vom Spielleiter einfach entsprechend zu diesem Ergebnis gesteuert worden." Solche Situationen empfinde ich immer als etwas unglücklich, auch wenn sie genau genommen immer und überall in jeder Session auftauchen, nur halt nicht mit so starken Auswirkungen. Ich versuche daher, mich einfach mit allfälligen Kommentaren der Spieler zu arrangieren und nur etwas in der Art von: "Klar, was glaubt Ihr denn? Etwa dass sich die ganze Welt nur um die Gefährten dreht?" zurückzugeben, dann passt das schon :-)

Während der Vorbereitung hatte ich mich dazu entschlossen, die Spinnen gerade beim Eintreffen der Gefährten angreifen zu lassen, da ich diese Konstellation als am spannendsten empfand. Die ganze Sache war timingmässig eine ziemlich knifflige Sache, denn die Gefährten sollten unbedingt sehen, was dort unten wirklich für Monster hausen. Sie mussten also ein bisschen Widerstand leisten können, bis die grossen Spinnen erscheinen würden.

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #341 am: 14.04.2026 | 21:53 »
Endlich geht es hier auch mal wieder weiter. Diese Session wurde kurz vor Weihnachten gespielt... Sind die Calatirnor in den unheimlichen Wald gegangen? Und was könnten sie dort gefunden haben? Und was geschieht bei Tinulin? Einfach lesen :)

Session 130: Teil 1
6.5. - 11.5.2789 3Z
Helcarth

Nach dem Abendessen geht Mo zu Arrohir und sagt, sie freue sich bereits jetzt auf ihre Rückkehr nach Westen. Dann werde sie mit Hilfe der Calatirnor Irlak vom dunländischen Thron stossen und den Clan vom roten Kamm wieder zum Königsclan machen, so wie es lange war, bevor es zu den Zwischenfällen mit dem Haus dû Anduin gekommen sei. Arrohir dämpft Mos aufkeimende Euphorie ein bisschen, indem er erwidert, dass sie dazu zuerst in den Westen zurückkehren müssten und jetzt vorerst einmal im Osten seien, und auch Calendin sagt, sie sollten zu diesem Zeitpunkt noch keine Pläne für eine so weit entfernte Zukunft schmieden. Mos Vorfreude können die beiden Männer jedoch gleichwohl keinen Abbruch tun.
Als Calendins Nachtwache gerade um ist und er die Zwerge zur Ablösung wecken will, vernimmt er plötzlich das Geheul eines einzelnen Wolfes, das aus grosser Entfernung an sein Ohr dringt. Sobald Bóin II. und Khufur wach sind, begibt sich der Waldelb in eine Meditation und sieht dabei vor seinem geistigen Auge einen düsteren Wald, in dem ein einzelner, ausgemergelter Wolf steht und aus matten Augen ausdruckslos vor sich hinstarrt. Nachdem Calendin aus der Meditation gekommen ist, erzählt er Bóin II. und Khufur von seinem Traum und fasst den Entschluss, sich am nächsten Morgen alleine auf einen Erkundungsrundgang in den unheimlichen Wald zu begeben.

Am Morgen des 7. Mai 2789 3Z bricht Calendin noch vor dem Erwachen der Menschen zum Wald auf. Um wendiger zu sein, lässt er seinen Schild im Lager zurück, nimmt dafür aber die beiden Pfeile mit, welche er bei den zwergischen Drachenjägern in Buzan erworben hatte.
Sobald Calendin den Mischwald betritt, kommt es ihm vor, als läge eine bleierne und alles erstickende Last auf allem. Selbst die Geräusche des Waldes klingen in seinen Ohren stark gedämpft, und auch der Wind scheint verschluckt worden zu sein. Der Eindruck des Waldelben, dass hier etwas nicht richtig ist, verstärkt sich noch weiter, als er bemerkt, dass sich die Rinde fast aller Bäume schwarzgrau verfärbt hat. Als er seine Hand an einen Baum legt, um mit ihm in Kontakt zu treten, spürt er sogleich eine schwarze Kälte, die vor langer Zeit alles bis in die tiefste Wurzel durchdrungen haben muss und deren Nachhall noch immer auf allem liegt. Selbst das Licht, das die Blätter der Bäume streift, erscheint dem Waldelben gedämpft und diffus.
Nachdem sich Calendin gut einen Kilometer weit in den Wald hineingewagt hat, stösst er auf einen Tierpfad, welcher den Spuren zufolge von Wölfen genutzt wird. Calendins Unbehagen wird schliesslich so gross, dass er beschliesst, vorerst noch nicht tiefer vorzustossen, sondern umzukehren. Auf dem Rückweg entdeckt der Waldelb eine kleine Lichtung, in deren Mitte ein grosser Stein steht, der auf seiner Oberseite so abgeflacht ist, dass er wie ein natürlich entstandener Altarstein mit einem flachen Becken wirkt. Als er sich dem von schwarzgrauem Farn umwucherten Stein nähert, erkennt er, dass in dem Becken ein kunstvolles Amulett aus Bernstein mit eingeschlossenen Goldflitterchen liegt. Vorsichtig nimmt Calendin ein Stofftuch zur Hand und wickelt das Amulett darin ein. Während er das Kleinod in seinem Rucksack verstaut, spürt er eine unnatürliche Kälte durch den Stoff dringen.
Als Calendin bald darauf den Wald verlässt, ist der Morgen bereits weit fortgeschritten. Behutsam legt er das Bernsteinamulett gut vierzig Meter vom Lager der Gefährten entfernt auf einen kleinen Felsen. Der zuvor auf dem Amulett liegende Staub scheint zwar verschwunden, aber das Schmuckstück ist noch immer matt und kalt. Bevor er das Lager betritt, wäscht Calendin das Stofftuch im Fluss aus.

Die Gefährten sind gleichermassen froh und beunruhigt, als Calendin ihnen nach seiner Ankunft im Lager von seinem Erkundungsgang in den Wald berichtet und sie anschliessend zu dem Bernsteinamulett führt. Während Bóin II. sogleich die matt schimmernden Goldflitterchen in dem Stein ins Auge springen, spürt Arrohir eine ungute Energie, welche von dem Schmuckstück auszugehen scheint. Calendin erklärt seinen Freunden, dass der Wald verflucht und voller Wölfe sei, die in der Nacht herkommen könnten, um sich das Amulett zurückzuholen. Zuerst hatte der Waldelb gehofft, dass er den Wald durch die Mitnahme des Amuletts von seinem Fluch befreien könnte. Nun muss er aber feststellen, dass auch das Kleinod selbst mit demselben dunklen Schleier belegt ist und dieser nicht von ihm ausgeht. Während Mo und Yuzuki nur erkennen können, dass das Amulett matt wirkt, wird Arrohir beim Anblick des filigranen Schmuckstücks klar, dass diese schöne Arbeit eine alte Resonanz eines Schattenwesens trägt und von diesem besudelt wurde. Der junge Dunadan zieht sein Schwert Farongyrth und legt es mit der flachen Seite der Klinge nach oben auf einen Stein. Als er gleich darauf das Bernsteinamulett in die Hand nimmt, spürt er sofort eine schwarze Kälte, die von dem Schmuckstück in seinen Körper fährt. Während er das Amulett rasch auf der Klinge ablegt, um es nicht noch länger halten zu müssen, sagt er: "Dieses Ding wurde von einem Schatten besudelt, der stärker ist als alles, was ich bis jetzt erlebt habe." Schon nach kurzer Zeit beginnt die Klinge von Farongyrth, dem Jäger der Toten, unmerklich zu vibrieren und dabei leicht zu summen. Da legt Arrohir das Amulett mit einem schnellen Griff zurück auf den kleinen Felsen, bevor er nach Norden zum Wald sieht und mit lauter Stimme sagt: "Wer bist Du und wo bist Du, wo warst Du?" Sein Ruf verhallt ohne Antwort, und als Calendin nach einer Weile fragt, wie es nun weitergehen solle, spricht sich Arrohir dafür aus, hier zu bleiben. Der Waldelb glaubt nicht, dass der Wolf, den er in seiner Meditation gesehen hat, ein Werwolf ist, worauf Bóin II. erklärt, dass sie sicher vor Angst erstarren würden, wenn im Wald wirklich ein schwarzes Wesen lauern würde und sie zu diesem hingehen sollten. Schliesslich lassen sie das Bernsteinamulett auf dem Felsen liegen, und während sich die anderen etwas ausruhen, verbringt Calendin den Rest des Tages damit, Arrohir im Flussfischen zu unterrichten.

Abends entfachen die Gefährten zwei Feuer, und nachdem Arrohir und Mo ihre allabendlichen Rituale durchgeführt haben, teilen sie sich die Nacht so ein, dass immer zwei Gruppenmitglieder gleichzeitig Wache halten. Mitten in der Nacht erklingt vom Wald her das Heulen zweier Wölfe, ansonsten bleiben die Gefährten aber unbehelligt.

Am nächsten Morgen, es ist der 8. Mai 2789 3Z, überlegen sich die Gefährten, wie sie bis zu Tinulins Rückkehr weiter verfahren sollen. Arrohir ist dabei der Ansicht, dass der Wald irgendwie von seiner dunklen Besudelung gereinigt werden müsse. Er glaubt, dass einst ein ausserordentlich mächtiges Schattenwesen in dem Wald gewirkt haben muss, das nun aber nicht mehr dort weilt. Da Calendin erklärt, dass eine schwere aber nicht klar verortbare Last auf dem Wald liege, ist Arrohir dafür, sich gemeinsam im Wald umzusehen.
Wenig später brechen die Gefährten mit leichtem Gepäck und etwas Proviant zu Fuss zum Wald auf, wobei sie damit rechnen, bis zum Abend wieder zurück im Lager zu sein. Calendin wickelt das Bernsteinamulett erneut in sein Stofftuch, um es zurück in den Wald zu bringen und wieder auf den Altarfelsen zu legen.

Schon kurz nachdem die Gefährten den Wald betreten haben, spüren vor allem Calendin und Arrohir die schwarze Last, die auf jeder Wurzel und jedem Blatt liegt und alles mit einem überwältigenden Gefühl von Hoffnungslosigkeit erüllt. Während Bóin II. und Khufur kaum eine Veränderung ihrer Wahrnehmung verspüren, haben Mo und Yuzuki das ungute Gefühl, als würden sie von tausend unsichtbaren Augen beobachtet werden. Beim Findling auf der Lichtung angekommen, kann Calendin keine neuen Spuren entdecken und legt das Bernsteinamulett mit einem Gefühl der Erleichterung zurück in die flache Vertiefung, aus welcher er es genommen hatte.

Anschliessend folgen sie weiter dem Tierpfad, den Calendin tags zuvor entdeckt hatte, und stossen nach einiger Zeit auf einen anderen Pfad, der nach Calendins Einschätzung von rund zehn Wölfen genutzt wird. Aufgrund der Abdrücke der Pfoten vermutet der Waldelb, dass diese Wölfe etwas grösser als üblich sind, dabei aber nicht mehr zu wiegen scheinen. Während sie der Wolfsspur noch tiefer in den Wald folgen, stossen sie von Zeit zu Zeit auf Felsen, deren Oberflächen feine Goldintarsien aufweisen, welche jedoch wie alles andere mit einem dunklen Schleier belegt zu sein scheinen. Beim Anblick der kunstvollen Verzierungen, die ihn an einen Sternenhimmel erinnern, wird Calendin sogleich klar, dass diese Kunstwerke elbischen Urspungs sein müssen, auch wenn er dergleichen zuvor noch nie gesehen hat. Er vermutet, dass sie hier vor Werken der Luchswesen stehen, bei denen es sich um ganz ursprünglich lebende Elben handeln könnte. Als Arrohir versucht, die feinen Goldeinlagen mit einem Tuch zu polieren, spürt er sofort eine schwarze Resonanz in seinem im hohen Norden von einem mächtigen Schattenwesen verwundeten Schildarm und lässt rasch wieder von seinem Plan ab.
Auf dem weiteren Weg durch den Wald gelangen sie nach einiger Zeit zu einem verschlafenen Tümpel, an dessen Ufer sie die Fussabdrücke von vier Trollen finden, weshalb Calendin vermutet, dass die Elben den Wald schon vor langer Zeit verlassen haben dürften.

Die Gefährten setzen ihre Erkundung noch eine Weile weiter fort, bevor sie schliesslich ohne neue Erkenntnisse umkehren, dafür aber rechzeitig vor dem Einbruch der Dunkelheit aus dem Wald herauskommen. Nachdem sie den Saum des Waldes wieder verlassen haben, spüren alle eine merkliche Erleichterung. Zurück im Lager besprechen sie das weitere Vorgehen, wobei Calendin befürchtet, das sich der Urheber der Schwärze noch im Wald aufhält. Arrohir vermutet demgegenüber, dass sie nur noch den Nachhall einer alten Besudelung erleben und ihr Ursprung nicht mehr im Wald weilt.
Als sich Calendin später am Abend in eine Meditation begibt, erscheint seine Verlobte Glorwen vor seinem geistigen Auge und sagt, er sei ein grosser Elb geworden und solle sich seiner Verantwortung stellen.
Die nächtliche Ruhe wird nur durch das Geheul dreier Wölfe unterbrochen, welches aus dem Wald zu ihnen herüberschallt. Entdecken könne die Gefährten die Wölfe indessen nicht.

Am Morgen des 9. Mai 2789 3Z begeben sich die Gefährten erneut in den Wald und wenden sich dieses Mal nach Nordwesten. Dabei entdecken und folgen sie einem sich mehrfach verzweigenden Wolfspfad und stossen auf eine kleine Steinsäule mit Goldintarsien aus mattem Gold. Auch an diesem Tag begegnen sich weder Wölfen, Luchsmenschen oder anderen Wesen.

Nach einer weiteren Nacht, die nur vom Heulen zweier Wölfe gestört wird, fragt sich Calendin am nächsten Morgen, ob sie sich wegen Tinulins Abwesenheit langsam Sorgen machen müssten. Arrohir glaubt, dass es dafür noch etwas zu früh sei und sie dem Noldo noch ein paar Tage geben sollten, bevor sie sich auf die Suche nach ihm begeben müssten. Die Gefährten verbringen den ganzen Tag mit Nahrungsbeschaffung und finden genügend Essbares, um für die nächsten drei Tage versorgt zu sein.

Am Morgen des 11. Mai 2789 3Z brechen die Gefährten zu einer weiteren Expedition in den unheimlichen Wald auf, wobei sie dieses Mal dem Fluss bis zum südöstlichen Saum des Gehölzes entlanggehen. Auch hier stossen sie schon bald auf einen Wolfspfad und folgen diesem in nördlicher Richtung. Gegen Mittag bemerkt Calendin, dass sich fünf grosse, aber magere Wölfe in respektvollem Abstand an ihre Fersen geheftet haben. Sofort drehen sich die Gefährten um und gehen den Wölfen mit gezogenen Waffen entgegen. Als sich die Verfolger zu verteilen beginnen, um die Gefährten zu flankieren, schiesst Calendin einen Pfeil auf den Anführer des Rudels ab. Auf dem Weg zu ihrem Ziel beginnt die Pfeilspitze zu glühen und setzt beim Einschlag das Fell des Wolfes in Brand, worauf dieser schwer verwundet zu Boden geht. Während die anderen Wölfe jaulend fliehen, rappelt sich auch der verletzte Wolf wieder auf und schleppt sich humpelnd fort. Calendin schickt ihm zwar noch einen weiteren Pfeil hinterher, kann ihn jedoch nicht zur Strecke bringen.

Noch während sich der Waldelb darüber wundert, dass die Wölfe nicht angegriffen haben, bemerken die Gefährten plötzlich einen Troll, der mit zwei weiteren Kollegen ungefähr 80 Meter westlich von ihnen über eine Kuppe gestapft kommt. Der dunkle Schleier über dem Wald scheint die Trolle vor dem Sonnenlicht zu schützen, welches sie ansonsten in kürzester Zeit in den Stein zurückverwandeln würde, aus dem sie einst geschaffen wurden. Sobald sie die Gefährten entdeckt haben, stürmen die Trolle laut brüllend auf sie zu. Calendin bleibt gerade noch genügend Zeit, um einen Pfeil auf den vordersten Troll abzufeuern, doch das Geschoss kann den Angreifer nicht von seinem Plan abbringen, zusammen mit seinen Begleitern die Gefährten einfach niederzutrampeln. Bóin II., Khufur und Arrohir bilden die erste Verteidigungsreihe, hinter der Calendin, Mo und Yuzuki Schutz suchen. Die Trolle sind so gross, schwer und ungestüm, dass es dem vorne in der Mitte stehenden Khufur gelingt, dem ersten Widersacher auszuweichen und, so der Plan des Zwergs, ihm seine zweihändige Streitaxt Chopfab mit tödlicher Härte in die Seite zu rammen. Die Ausführung des zweiten Teils dieses Manövers hätte indessen nicht spektakulärer scheitern können, denn als die kleinzwergische Waffe auf die harte Haut des Trolls trifft, zerbricht das Axtblatt mit einem scheppernden Geräusch und lässt Khufur fassungslos zurück. Den beiden anderen Trollen gelingt es zwar nicht, Bóin II. und Arrohir zu Klump zu stampfen, die beiden Calantirnor müssen jedoch all ihre Kampfkraft zur Verteidigung einsetzen, wodurch gleich zwei der nun mitten unter den Gefährten stehenden Trolle Calendin angreifen können. Während der Waldelb dank seiner Schnelligkeit einen seiner Widersacher mit einem Pfeil benommen machen kann, verpasst ihm der andere Troll eine so massive Ohrfeige, dass Calendin nur um Haaresbreite nicht bewusstlos zu Boden geht. Geistesgegenwärtig behändigt Khufur derweil seinen Streitkolben und setzt sich damit gegen die Angreifer zur Wehr. Da die Gefährten die Trolle auch weiterhin nicht ausschalten können, wird Calendin schon im nächsten Moment von einem weiteren Hieb endgültig von den Beinen und ins Land der Bewusstlosigkeit geschleudert. Noch schlimmer trifft es aber Yuzuki, die von der Pranke eines Trolls so schwer am Kopf erwischt wird, dass ihr Schädel bricht und sie mit schweren Hirnschäden tödlich verwundet zusammenbricht. Glücklicherweise steht Mo gleich neben ihr und lässt sich sofort zu Boden fallen, um die junge Händlerin durch eine Berührung an ihren Schläfen in ein stabilisierendes Koma zu versetzen. Mit ihren Gegenangriffen können die Gefährten die Trolle zwar nicht zur Strecke bringen, zwei von ihnen sind aber immerhin so schwer verwundet, dass sie sich gleich darauf ansehen und in einem Anflug unerwarteter Intelligenz zur Flucht wenden. Während sich Khufur schützend vor Yuzuki stellt, läuft Bóin II. laut fluchend hin und her, als könnte er noch immer nicht fassen, was hier gerade geschehen ist. Arrohir untersucht derweil Calendin und meldet Mo, dass er beim Waldelben einen schwachen Puls verspüre. Sogleich geht die schöne Heilerin zu Calendin und massiert dessen Schläfen, wobei sie ihm so viel Lebensenergie zukommen lässt, dass er schon nach kurzer Zeit das Bewusstsein wiedererlangt.
[Technisch gesprochen: Das Fiasko dieses Kampfes beginnt damit, dass der Spielleiter erklärt, dass die Trolle beim Sturm auf die Gefährten aufgrund ihrer Grösse und Masse, anders als es früher oft der Fall gewesen war, einen zusätzlichen Trampeln-Angriff erhalten, dem die Gefährten allerdings ausweichen können, wenn sie dies wünschen. Calendins Schuss auf den vordersten Troll hat aufgrund schlechter Ergebnisse bei den kritischen Treffern keine Relevanz, und auch die Angriffe von Bóin II. und Arrohir können den Trollen nichts anhaben. Die gleichzeitigen Trampel-Attacken der Trolle gegen Bóin II. und Arrohir führen derweil zu kritischen Stosstreffern, welche jeweils eine Runde Parade nach sich ziehen.
Nachdem Khufur seinem Gegner ausgewichen ist, schlägt er mit Flankenbonus zu und kann einen kritischen Treffer anrichten. Dieser ist mit UM 03 allerdings fatal, denn er verursacht zwar einige Treffer, dafür zerbricht aber auch Khufurs nicht magische Waffe aus kleinzwergischer Fertigung. Damit ist Khufur der erste Charakter, dem während der Kampagne schon zwei Waffen kaputt gegangen sind, was allerdings auch damit zusammenhängen mag, dass wir die "Artefaktwaffen" der höherstufigen Charakter als nicht auf diese Weise zerstörbar erachten. Zudem sind diese Waffen der anderen Gefährten mindestens magisch, so dass gar kein kritischer Treffer erzielen werden könnte, der zur Zerstörung einer solchen Waffe führen würde.
In der nächsten Runde können zwei Trolle ungehindert gegen den glücklicherweise schnelleren Calendin austeilen, der seinerseits aber nur einen Gegner angreifen und benommen machen kann. Der Treffer des zweiten Trolls verursacht mit einem einzigen Hieb 83 Treffer, wobei Calendin nur 84 Treffer hat. Er ist somit noch genau 1 Trefferpunkt von der Bewusstlosigkeit entfernt. Auch in der nächsten Runde können die Gefährten nicht verhindern, dass Calendin erneut angegriffen wird und dabei so viele Treffer einstecken muss, dass er nun deutlich im negativen Bereich angekommen ist und bewusstlos zusammenbricht. Nur der Einsatz eines unbewusst ausführbaren Ultima Ratio-Zaubers kann Calendin vor dem Tod bewahren.
Gleich nebenan gelingt es einem anderen Troll, Yuzuki einen kritischen Hiebschaden B zuzufügen. Dieser führt mit einer UM 99 zu einem Schädelbruch mit schweren Hirnschäden, die in 6 Runden zum Tod führen.
Angesichts dieser Eskalation geht Mo sogleich neben Yuzuki zu Boden und wirkt einen Lebenskraftzauber, der Yuzukis Seele für die nächsten 15 Stunden daran hindert, ihren Körper zu verlassen, so dass sie nach der vollständigen Heilung ihrer tödlichen Verletzungen wieder aufwachen sollte. Anschliessend geht Mo zu Calendin weiter und heilt ihm mit einem einzigen Heilzauber in einer Runde 44 Treffer, wodurch er wieder über Null kommt und aus der Bewusstlosigkeit erwacht.]


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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #342 am: 14.04.2026 | 21:55 »
Session 130: Teil 2

Sichtlich geschockt hilft Arrohir Calendin auf die Beine, während Mo ihnen erklärt, dass Yuzuki zwar stabilisiert sei, wegen ihrer Kopfverletzung aber bis auf Weiteres nicht transportiert werden könne. Ganz auf die Sicherheit ihrer Patientin bedacht, schlägt die schöne Heilerin vor, dass sich die Gefährten aufteilen und die Trolle verfolgen sollten, bevor diese erholt zurückkehren. Sich die alleinige Schuld an dem ganzen Schlamassel gebend, erklärt Calendin, dass er gerade noch zu angeschlagen sei, um eine solche Entscheidung zu treffen. Er begibt sich daher gleich darauf in eine Meditation und aktiviert dabei seine elbischen Selbstheilungskräfte. Eine knappe Viertelstunde später hat sich der Waldelb bereits wieder so weit erholt, dass er zusammen mit Bóin II. und Arrohir die Verfolgung der Trolle aufnimmt, während Khufur und Mo bei der bewusstlosen Yuzuki ausharren.

Den Spuren der Trolle folgend, bewegen sich Bóin II., Calendin und Arrohir in westlicher Richtung durch den Wald. Zu ihrer Linken steigt das Gelände teils steil an, während es zu ihrer Rechten nach Norden und zum See hin allmählich abfällt. Unterwegs entdecken sie an mehreren exponierten Stellen auffällige Felsbrocken, die gut als natürliche Ritualstellen fungieren könnten. Die Gefährten haben aber weder die Zeit noch die Musse, um sich diese Orte genauer anzusehen. Nach rund zweieinhalb Stunden erkennen sie vor sich schliesslich eine steile, ungefähr von Westen nach Osten verlaufende Felswand mit einem grossen Höhleneingang. Vorsichtig schleichen sich die drei Gefährten an, und Calendin erspäht bei einem kurzen Blick ins Innere eine grosse natürliche Halle, von welcher Gänge nach Süden und Westen wegführen. Nicht weit vom Eingang entfernt hält ein einzelner Troll, der nicht am Überfall auf die Gefährten beteiligt gewesen war, an der Ecke stehend Wache.

Während Arrohir das Gesehene für keine gute Ausgangssituation hält und sich zudem gerade des Umstands bewusst wird, dass er vom letzten Kampf noch immer ziemlich angeschlagen ist, entscheidet sich Calendin, wohl in einem Anflug von heroischem Tatendrang, für einen Angriff. Leise legt der Waldelb einen seiner in Buzan erworbenen zwergischen Drachtöterpfeile auf die Sehne von Culor und schleicht damit erneut zum Eingang der Höhle, von wo aus er auf die Trollwache schiesst. Der glühende Pfeil durchschlägt den Brustkasten des Trolls, der mit einem Grunzen auf die Knie sinkt, bevor er gleich darauf vornüber kippt und bewusstlos liegenbleibt. Noch während die drei Gefährten in die Höhle schleichen, vernehmen sie aus dem westlichen Zugang zur Halle die Geräusche eines offenbar alarmierten Trolls, der sich sofort auf den Weg zu ihnen herüber macht. Rasch positionieren sich Arrohir, Bóin II. und Calendin so neben dem westlichen Zugang, dass sie den ungebremst in den Raum trabenden Troll alle in die Flanke angreifen können. Entgegen jeglicher Wahrscheinlichkeit und Erwartung, gelingt es ihnen nicht, den Troll mit ihren Angriffen kampfunfähig zu machen. So kann er sich seinen Gegnern zuwenden und dem ihm am nächsten stehenden Calendin mit seiner Pranke eine so schallene Backpfeife verpassen, dass der Waldelb erneut bewusstlos zu Boden geht. Nach einem lauten, wohl der Alarmierung der übrigen Trolle dienenden Grunzer, drischt das durch seinen Erfolg angestachelte Ungetüm sogleich auf Arrohir ein, der den Angriff aber parieren kann. Im nächsten Moment gelingt es Bóin II., den Troll mit einem satten Hieb seiner Mithrilaxt Kibil Burk zu erschlagen.
[Technisch gesprochen: Dass die Gefährten den Troll trotz drei Flankenangriffen und kritischen Treffern mindestens der Güte "Mithrilschaden" weder ausschalten noch von einem Gegenangriff abhalten können, ist für sich genommen schon eine ziemliche Würfelkatastrophe. Sodann hat Calendin das Pech, dass er dem Troll am nächsten steht und sich von ihm eine solche Backpfeife einfängt, dass er gleich wieder bewusstlos wird und erneut einen Ultima Ratio-Zauber einsetzen muss, um nicht zu sterben.]

Arrohir nutzt die eingetretene kurze Kampfpause, um den bewusstlosen Calendin ganz an die westliche Wand der Halle zu ziehen, bevor auch schon die drei vom nachmittäglichen Überfall bereits angeschlagenen Trolle wutschnaubend heranstürmen. Zwei der Angreifer konzentrieren sich auf Arrohir, der zwar schneller ist und einen seiner Widersacher mit einem Hieb seiner Klinge Farongyrth erschlagen kann, anschliessend aber von seinem zweiten Gegner so am Arm erwischt wird, dass er blutet und benommen wird. Da der dritte Troll einen recht wackeligen Eindruck macht, geht Bóin II. das Risiko ein, ihn zu ignorieren und seine Axt lieber denjenigen Troll spüren zu lassen, der Arrohir verwundet hatte. Da es dem Zwerg aber nicht gelingt, den Troll kampfunfähig zu machen, kann dieser gleich darauf den noch immer benommenen Arrohir mit voller Wucht attackieren. Der Hieb des Trolls schlägt so hart ein, dass Arrohirs Schildarm bricht und dem bewusstlos zu Boden gehenden jungen Dunadan zudem noch zwei Finger abgerissen werden. Ausser sich vor Wut schreien sich Bóin II. und der Troll gegenseitig an, bevor die Axt des Zwergs in den Koloss fährt und ihn fällt.
[Technisch gesprochen: Die angeschlagenen Trolle haben bei der zweiten Konfrontation mit den Gefährten nicht mehr viele Trefferpunkte übrig, dafür sind sie nach Calendins Ausfall nun 3:2 in der Überzahl, wobei die Gefährten wiederum schneller handeln können. Während Arrohir den ersten der zwei Trolle, die ihn angreifen, ausschalten kann, fügt ihm der zweite einen kritischen Hiebschaden A mit UM 94 zu, was den jungen Dunadan benommen macht. In der nächsten Runde versucht Bóin II., eine weitere Attacke des Trolls gegen Arrohir zu verhindern, was ihm aber nicht gelingt. Der anschliessende Angriff des Trolls auf den benommenen Arrohir führt zu einem kritischen Streichtreffer E, der mit einer weiteren UM 94 glücklicherweise nicht tödlich ausfällt. Er fügt dem bereits sehr angeschlagenen jungen Dunadan aber gleichwohl so viele Treffer zu, dass er in den Negativbereich kommt und damit bewusstlos wird. Als ob das nicht schon genug wäre, bricht auch noch Arrohirs Schildarm, und es werden ihm zwei Finger der Schildhand abgetrennt.]

Sobald Bóin II. auch noch den letzten Troll erschlagen hat, kümmert sich der Zwerg um Arrohir und stillt dessen blutende Wunde am Arm mit Harfyharz. Anschliessend flösst er dem jungen Dunadan den Rest eines Heiltranks aus einer Phiole ein und verreibt schliesslich, da sich sein Patient noch immer nicht regt, noch einige Heilkräuter auf Arrohirs Handrücken, bis er langsam wieder zu sich kommt. Gleich darauf begibt sich Bóin II. zum noch immer bewusstlosen Calendin und verabreicht ihm drei stärkende Arlankräuter, worauf sich auch der Waldelb allmählich wieder zu regen beginnt. Während Bóin II. bewusst wird, dass soeben mindestens einer von ihnen dem Tod nur um Haaresbreite von der Schippe gesprungen ist, blickt er fassungslos auf ein schon etwas schrumpeliges Arlanblatt in seiner Hand, das allerletzte den drei Gefährten verbliebene Heilmittel.
[Technisch gesprochen: Auch in diesem zweiten Kampf haben die Gefährten unermessliches Würfelpech, weshalb der Ausgang kurzzeitig auf Messers Schneide steht. Da Arrohir sich nach dem ersten Kampf nicht an Mo gewendet hat, um sich heilen zu lassen, braucht es in diesem Gefecht nicht mehr viel, um ihn bewusstlos auf die Bretter zu schicken. Da sie weder Mo noch Tinulins Beutel mit den Heilkräutern dabei haben, müssen sie all ihre Reserven zusammenkratzen, um Arrohir und Calendin wieder auf mindestens 1 Trefferpunkt hieven zu können. Dazu muss Bóin II. zuerst Arrohirs Blutungen stoppen und ihm anschliessend den Rest eines Heiltranks verabreichen. Da der junge Dunadan noch immer nicht zurück auf 1 Trefferpunkt ist, muss ihm Bóin II. zudem einzelne Heilblätter einreiben, bis schliesslich die benötigte Trefferzahl geheilt ist und Arrohir zu sich kommt.
Dank eines zweiten Ultima Ratio-Zaubers besteht auch bei Calendin noch die Chance, den Tod durch Trefferheilung zu verhindern, aber die Gefährten haben zur Trefferheilung nur noch vier Arlanblätter übrig, die jeweils nur 1W6 Treffer heilen. Die Anspannung ist bei allen spürbar, als Bóins II. Spieler ein Heilkraut nach dem anderen "verwürfelt" und erst nach dem Dritten so viele Treffer beisammen hat, dass Calendin auf 1 Treffer über Null kommt. Puuuh, was für ein episches Drama.]


Kaum zu einer Regung fähig, berührt Arrohir Bóin II. mit seiner Schwerthand am Bein und fragt den Zwerg, ob noch weitere Trolle auf dem Weg zu ihnen seien, was der Zwerg zu seiner Erleichterung jedoch verneint. Den Schmerzen in seinem linken Arm nachspürend, bemerkt der junge Dunadan plötzlich, dass ihm der Zeige- und der Mittelfinger der Schildhand fehlen. Rasch fischt Bóin II. die beiden Finger aus dem Dreck und wäscht sie mit etwas Wasser aus seinem Trinkschlauch, bevor Arrohir sie mit dem letzten verbliebenen Rest Harfyharz einreibt und anschliessend in seinen Mund steckt, um so die Blutgefässe möglichst lange zu erhalten. Als Bóin II. gleich darauf Arrohirs Hand verbindet, entschuldigt sich Calendin abermals bei seinen Gefährten und sagt, dass er ein weiteres Mal versagt habe und sie hätten fliehen statt kämpfen sollen.

Während sich Calendin kurze Zeit später voll und ganz auf die Aktivierung seiner elbischen Selbstheilungskräfte konzentriert, erkundet Bóin II. vorsichtig die restlichen Räume der nunmehr verlassenen Trollhöhle. Es dauert eine ganze Weile, bis der Zwerg mit mehreren Goldnuggets, verschiedenen Schmuckstücken und einer leicht gewölbten Schale aus grüner Jade zu seinen Freunden zurückkommt. Angesichts der Dinge, die er hier gefunden und in seinen Rucksack gepackt hat, geht nun auch Bóin II. davon aus, dass der Wald zu einem ehemaligen Elbenreich gehört haben könnte.
Calendin ist zwar mittlerweile wieder einsatzfähig, fühlt sich aber dennoch so ausgelaugt wie noch kaum je zuvor. Auch Arrohir kann wieder aufstehen, wird jedoch bei jedem Schritt von starken Schmerzen geplagt. Auf die Frage des jungen Dunadans erklärt Bóin II., dass auch sämtliche hier gefundenen Schmuckstücke mit einem schwarzen Schleier belegt seien. Schliesslich verlassen die drei Gefährten mehr oder weniger humpelnd die Höhle und treten den Rückweg zu Khufur, Mo und Yuzuki an. Unterwegs sieht sich Calendin noch die an exponierten Stellen stehenden Felsbrocken an, welche er als weitere, teils mit Gold- und Silberintarsien versehene Altarsteine erkennen kann.

Es wird bereits dunkel, als Bóin II., Calendin und Arrohir am Ende ihrer Kräfte über die Kuppe kommen, von der aus sie das notdürftige Lager sehen können, das Khufur und Mo um Yuzukis weiterhin regungslosen Körper errichtet haben. Vor Freude und Erleichterung rufend, rennt Mo mit ihrem Bogen in der Hand auf die drei geschundenen Männer zu und erzählt ihnen, dass die Wölfe im Laufe des Nachmittags zwar zurückgekommen seien, sich aber nicht in ihre Nähe getraut hätten, sobald sie einen Pfeil in ihre Richtung geschossen habe. Die schöne Heilerin ist entsetzt, als sie Arrohirs Zustand gewahr wird und erfährt, dass er zwei seiner Finger im Mund hat. Sobald sie bei Khufur und Yuzuki angekommen sind, legt Mo ihre Hände auf Arrohirs Schildarm und initiiert so die Heilung seiner mehrfach gebrochenen Knochen. Anschliessend berührt sie die beiden abgetrennten Finger und belegt sie mit einem Zauber, welcher ihr Absterben verhindert, bevor sie den Zeigefinger so mit der Hand verbindet, dass zumindest die Durchblutung wiederhergestellt wird.

Erschöpft von den kräftezehrenden Heileinsätzen, setzt sich Mo schliesslich an das von den Zwergen in Gang gebrachte Feuer und hört Calendin zu, der es durchaus für möglich hält, dass in den umliegenden Bergen Elben leben könnten, nachdem sie aus dem Wald geflohen seien. Wenig später begeben sich alle bis auf die beiden Zwerge zur Ruhe, denn auch Calendin ist noch immer völlig am Ende seiner Kräfte. Auf der Wache erzählt Khufur Bóin II. mit Bedauern, dass er am Nachmittag die Überreste seiner kleinzwergischen Axt Chopfab zusammengesucht und feinsäuberlich verpackt habe, zu welchem Zweck auch immer. Selbst die beiden Zwerge spüren das zunehmende Unbehagen, welches sich während der Nacht wie ein immer schwerer werdendes Tuch aus tiefer Schwärze über alles zu legen scheint.

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #343 am: 14.04.2026 | 21:59 »
Session 130: Teil 3

Während sich die übrigen Gefährten dem unheilvollen Wald näherten und im Zuge seiner Erkundung zu grossem Schaden kamen, stand Tinulin in der Nacht des 6. Mai 2789 3Z regungslos am Rand des Vorsprungs neben dem Wasserfall. Dort befand er sich von Angesicht zu Angesicht mit einer atemberaubend schönen Elbin mit schwarzem Haar und Augen so grau wie das Meer, die in fein gewobene und mit Sternenmustern verzierte Kleider sowie einen feinen Umhang gekleidet war. Tränen liefen dem Noldo übers Gesicht, als er aus ihrem Mund das ihm bekannte Lied von den Sternen und dem Wasserfall vernahm und darin einstimmte, auch wenn die Sprache der Elbin ursprünglicher und der Text bisweilen anders war, als er ihn in Erinnerung hatte. Nachdem der letzte Ton des Lieds verhallt war, sah Tinulin noch eine ganze Weile still und voller Glückseligkeit in das Gesicht der Elbin, die ihn freundlich anlächelte, als hätte sich gerade ein lange von ihr herbeigesehntes Schicksal erfüllt. Schliesslich sagte der Noldo in möglichst ursprünglichem Elbisch: "Sei gegrüsst, sternenbeschienenes Schicksal." Als die Elbin darauf ihre Hand ausstreckte, trat er zu ihr heran, und sie standen unter dem leuchtenden Sternenhimmel, als Tinulin ihre Hand ergriff und ihren Handrücken, sich vor ihr verneigend, an seine Stirn hielt. Als sie sich darauf wieder eine ganze Weile nur ansahen, spürte Tinulin, dass die Elbin trotz ihres jugendlichen Aussehens eine grosse Erfahrenheit ausstrahlt.

// Metageblubber:

Es war eine etwas andere Weihnachts-Session. Erneut mit grossem und epischem Drama und Schweissperlen aller Orten, dieses Mal aber nicht aufgrund der Hintergrundgeschichten, sondern wegen der Tagesaktualitäten. Eigentlich war für diese kurz vor Weihnachten stattfindende Session geplant, den Spielern ein paar "Weihnachtsgeschenke" zu machen. Calendin sollte seine Führungsrolle erleben und erfolgreich ausfüllen können, Bóin II. sollte einen Erfolg gegen eine nicht sehr grosse Trollfamilie haben, usw. Es sollte eine actionreiche Session werden, bei der die Spieler ein gutes Gefühl haben.
Calendin ist jedoch trotz aller meditativen Hinweise, ganz seinem Naturell entsprechend, ultra-vorsichtig geblieben und wollte es auf keinen Fall riskieren, dass die Gefährten nachts im Wald bleiben müssen. Aus seiner Sicht vollkommen verständlich, und doch ganz entgegen meiner Intention, die ich für den Ablauf hatte. Ich hatte mir eine mutige Expedition vorgestellt, die sich im Wald zwar unbehaglich fühlt, sich davon aber nicht ins Boxhorn jagen lässt und weiter erkundet, was es hier gibt und was geschehen sein könnte. Vielleicht war mein Hinweis, dass diese schwarze Besudelung des Waldes "alt" ist, insofern missverständlich, dass sie nicht einfach "alt" und deshalb "besonders gefährlich" ist, sondern "alt" im Sinne von "ein altes Überbleibsel von etwas ist, das hier mal war, es aber höchstwahrscheinlich nicht mehr ist". Es ist nur noch ein "Nachhall", von dem keine direkte Gefahr mehr ausgeht. Während der Session gelang es mir wohl nicht richtig, diese Informaation richtig zu transportieren, und das Wort "Nachhall" ist mir leider erst nach der Session eingefallen.
Calendins vorsichtiges Vorgehen hatte jedenfalls zur Folge, dass es gefühlt ewig und drei Tage gedauert hat, bis es vorwärts gegangen ist. Ich fand es so "schade für die Session", dass ich zwischendurch fast geneigt war zu sagen: "Also kürzen wir etwa ab: Solange Calendin nicht bereit ist, nicht weiter als einen halben Tagesmarsch in den Wald vorzustossen, finden sie nichts, was sie irgendwie weiterbringt." Erst als die Charakter dann schliesslich über die Ostflanke in den Wald aufgebrochen sind, ergab sich für mich die Chance, die Wölfe und anschliessend auch die Trolle "mit gutem Gewissen" ins Feld zu führen, also ab dafür. Und dann hatten plötzlich die Würfel die Idee, ihre ganz eigene Weihnachtsgeschichte zu erzählen...

Dass die Spieler bei beiden dich aufeinander folgenden Kämpfen dermassen viel Würfelpech und ich als Spielleiter gleichzeitig so viel "Würfelglück" haben könnte, hätte sich wohl keiner von uns ausmalen können. Zum Glück hatten die Gefährten beim Kampf in der Trollhöhle noch einige Heilkräuter dabei. Aber dass am Ende gerade noch ein einziges Arlan-Blatt übrigbleibt, das ist schon krass und episches Drama.

In der Rückblende bin ich mit der Sache zufrieden, auch wenn es für die Spieler und ihre Charakter deutlich härter gekommen ist, als ich es auch nur hätten träumen können. Die Trolle sollten zwar eine Gefahr darstellen, dass sie die Charakter aber gleich derart auseinandernehmen würden, war wirklich nicht mein Plan, wohl aber jener der vereinten Würfelgemeinschaft.

Nun noch zu Tinulin und Gilja: Es ist Zusammentreffen, das mir schon sehr lange im Kopf herumgeschwirrt ist, und das mir all die Zeit immer wieder ein bisschen Bauchschmerzen gemacht hat, denn es bringt einen gewissen Eingriff in Deutungshoheit des Spielers über Tinulin mit sich. Genau diesen Eingriff hat Tinulins Spieler in dieser Session deutlich zu spüren bekommen und wollte ihm auch entgegenwirken.

Im Sessionbericht kommt die Szene nicht ganz so rüber, wie sie tatsächlich ausgespielt wurde: Statt vom Wesen der Elbin ganz eingenommen zu sein und darin für lange Zeit aufzugehen, wollte Tinulin sie schon nach kurzer Zeit ansprechen und ihr tausend Fragen stellen. An dieser Stelle kam es dann zum von mir erwähnten Eingriff in Tinulins Handlungsmöglichkeiten. In der Session hat Gilja auf einige von Tinulins Fragen geantwortet. In der Nachbetrachtung haben es Tinulins Spieler und ich dann aber für passender befunden, wenn die beiden Elben sich zunächst tatsächlich lange Zeit, nämlich bis zum 11. Mai 2789 3Z, nur angesehen und wahrgenommen haben, ohne einander Fragen zu stellen. Das Gespräch der beiden haben wir zeitlich auf den 11. Mai 2789 3Z verlegt, als die übrigen Gefährten gerade von den Trollen heimgesucht wurden.

Diese Art von Eingriffen in die Deutungshoheit von Charaktern ist sehr heikel, und ich versuche, sie so selten und behutsam wie möglich vorzunehmen, wenn überhaupt. Es gibt dazu viele Diskussionen in Rollenspiel-Foren, wo und wie weit ein Spielleiter in die Deutungshoheit eines Spielers bezüglich seines Charakters eingreifen kann/darf, und es wird von den Spielern in aller Regel (und verständlicherweise) gar nicht gerne gesehen. Daher sind solche Situationen für mich auch so ein Eiertanz.

Ich hatte dem Spieler gegenüber schon während der Session angetönt, dass das, was Tinulin hier erlebt, etwas mit der Weissagung von Smaug zu tun hat und mit ein dafür Grund ist, weshalb Tinulin und Calendin überhaupt lebend aus Thal entkommen konnten. Ich hatte Tinulins Spieler damals gesagt, dass es aufgrund der Weissagung in der Zukunft zu einer Situation kommen könnte, in der er mit Tinulin quasi einfach "mitspielen" müsse, ansonsten gehe es nicht auf und dann hätte Smaug keinen Grund, die beiden Elben leben zu lassen. Dieses Zusammentreffen mit Gilja und seine Wirkung auf Tinulin sind nun dieser Punkt, und Tinulins Spieler musste bereits feststellen, dass Tinulin in dieser Szene "fremdgesteuert" ist und sich nicht so verhält, wie er es eigentlich wollen würde. Damit hat er sich aber ein Stück weit bei Smaug sein Leben "erkauft", auch outgame. Die Gedanken zu diesem Treffen zwischen Tinulin und Gilja trage ich somit schon während knapp fünf Jahren mit mir herum, als Tinulin und Calendin im Januar 2021 Realzeit in Thal waren. Es war der eine Ausweg, der damals verblieb, damit die Elben dort nicht gestorben sind.

Mein Eingriff in Tinulins Deutungshoheit hatte zwei Gesichtspunkte:
Erstens das Verliebtsein in eine atemberaubend schöne Elbin. Ich hatte mit ChatGPT ein Bild erstellt, das ich nach der Session zusammen mit dem Spieler noch weiter "verfeinert" habe, auch wenn es lediglich als Stellvertreter dienen kann. Tatsächlich sieht Gilja so aus, wie Tinulin sich seine grosse Liebe immer vorgestellt hat, wenn er das denn überhaupt jemals gemacht haben sollte. Ich könnte mir vorstellen, dass er das nie bewusst getan hat und daher zusätzlich "umgehauen" davon ist, dass der Anblick einer Frau ihn so aus der Bahn werfen könnte.
Ich habe schon in der Session gesagt, das "Verliebtsein" etwas Unterbewusstes ist, das sich nicht oder nur bedingt bewusst steuern lässt (wohl nur die Reaktion auf das nicht steuerbar auftretende Gefühl). Es erscheint mir daher kein grundsätzlich unzulässiger Eingriff in die Deutungshoheit des Spielers, wenn ich sage, dass in Tinulin beim Anblick von Gilja ein unbändiges Gefühl von Verliebsein aufsteigt, denn das ist etwas, was er per se nicht bewusst steuern kann. Dass Tinulin von diesem Gefühl überfahren werden wird, ist etwas, was Smaug vorausgesehen hat, und die daraus für Tinulin entstehenden Folgen haben ihn dazu veranlasst, ihn dieser Achterbahn auszusetzen, statt ihn einfach aufzufressen. Er muss also gewusst haben, dass es sich für ihn, Smaug, lohnt, und das bedeutet, dass Tinulin wirklich so einen Rollercoaster erlebt, der sein bisheriges Welt- und Selbstbild auf den Kopf stellt.
Das Gefühl von Verliebtheit sagt ihm: "Ohne das Wissen, dass Gilja und ich in Liebe verbunden sind, werden alle meine Tage grauer und leerer sein, als ich es ertragen könnte."
Anschliessend ist es an Tinulins Spieler, und da endet mein "Eingriff", festzulegen, wie er Tinulin mit diesem Gefühl umgehen lässt. Dabei ist aber wichtig, dass er "echt" auf das Gefühl eingeht. Tinulin kann z.B. versuchen, es zu ignorieren, aber das macht nicht, dass es nicht mehr da ist und ihn nicht weiter flutet. Hier war es für mich wichtig, dass Tinulin in der Situation des ersten Zusammentreffens mit einem Gefühl konfrontiert wird, das er so noch nie in seinem ganzen Leben hatte und das ihn gerade mit voller Wucht flutet. Deshalb habe ich etwas "Gegenwehr" gegeben, als Tinulin mit seiner gewohnt analytischen Weise an die Sache rangehen wollte und die Flutung nicht ernst zu nehmen oder zu ignorieren schien. Statt sich diesem Gefühlsbad erstmal hinzugeben, hineinzutauchen, sich davontreiben zu lassen, es zu erfahren, wollte er alles analysieren. Dabei ist auch dieses Erfahren und Erkennen von allem ist noldorisch, und es ist etwas ganz Neues, Unbekanntes für ihn... und man muss etwas vielleicht zuerst erleben, bevor man es "von aussen" analysieren kann.

Der zweite Gesichtspunkt ist das "Schicksal":
Ich habe dem Spieler gesagt, Tinulin erkenne, dass Gilja sein "Schicksal" ist. Auch das ist ein Teil von Smaugs Weissagung. Selbst wenn Tinulin sich erfolgreich gegen das Gefühl des Verliebtseins wehren und es abschütteln können sollte, weiss er aufgrund des Sternenlieds gleichwohl, dass hier etwas Schicksalhaftes geschieht, dass es sein Schicksal und das von Gilja betrifft, dass es Schicksal war, dass er sie hier trifft und beide das Stenenlied kennen und sich daran erkennen. Auch hier: Müsste Smaug befürchten, dass Tinulin das Schicksal, welches er, Smaug, vorausgesehen hat, ignorieren könnte/würde, hätte er keinen Grund gehabt, Tinulin und Calendin nicht zu fressen. Daher habe ich auch hier ein bisschen "reingedrückt", um Tinulin und seinem Spieler verständlich zu machen, dass sich hier gerade etwas ganz grundsätzlich für Tinulin verändert. Er kann den Zusammenhang erkennen, dass er seine Rastlosigkeit nicht von seinem Vater Elvëanwe geerbt hat, sondern es eine ihm innewohnende Rastlosigkeit gewesen ist, die mit diesem Sternenlied (und damit, wenn schon, mit Nenwens Seite der Familie) zusammenhängt. Es ist etwas völlig Neues für ihn, worüber er wohl nachdenken müsste, aber dann steht ihm da dieses Wesen gegenüber, das all seine Sinne flutet...

Tinulins Spieler und ich haben in den Tagen nach der Session noch einige Mails zu den Umständen des Zusammentreffens von Tinulin und Gilja gewechselt und sind dabei zu guten Ergebnissen gekommen.

Vielleicht jetzt ein bisschen Mitleid für Yuzuki und/oder Arrohir? Anyone?  ~;D

Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #344 am: 2.06.2026 | 20:49 »
Puuh, das hat mal wieder eine ganze Weile gedauert mit dem Aufschrieb, aber nun ist die Fortsetzung des Zusammentreffens von Tinulin mit den Avari getippt, aber lest selbst :)

Session 131: Teil 1
11.5. - 23.5.2789 3Z
Helcarth

Ohne ein Gefühl dafür und ohne sich wirklich einen Gedanken darüber gemacht zu haben, wie viel Zeit vergangen ist, sagt Tinulin schliesslich auf Quenya zu der lieblichen Elbin: "Ich kenne Dich, und doch frage ich Dich: Wer bist Du?" Mit einer Stimme, die so weich wie Samt und so klar wie ein wolkenloser Morgen ist, antwortet die Elbin in einer sehr ursprünglichen Form der elbischen Sprache: "Ich bin Gilja. Wie schön, dass Du endlich zu mir gekommen bist, Lieber." Tinulin erwidert darauf: "Mein Name ist Tinulin Elvellon aus dem Hause Turulin und mütterlicherseits aus der Linie von Twinwëlindo, aus Imladris." Während Tinulin Gilja seinen Namen und seine Herkunft nennt, bemerkt er, dass sie bei der Erwähnung von Tinwëlindo kurz überrascht wirkt. Je länger er Gilja ansieht, desto klarer wird dem Noldo, dass seine Rastlosigkeit nicht von seinem Vater Elvëanwe herrührt, sondern vielmehr mit der Seite seiner Mutter Nenwen verbunden ist. Nenwens Mutter Faingil hatte sie das Lied von den Sternen und vom Wasserfall gelehrt, das Sternenlied, das aus einer Zeit stammt, als es noch keine Sonne und keinen Mond gegeben hatte und einzig Vardas Sterne ihr Licht auf Mittelerde geworfen hatten. Tinulins Ahnherr, der Sänger Tinwëlindo vom Volk der Vanyar, der sich mit der Teleri-Elbin Nuniel aus Olwës Gefolgschaft verheiratet hatte und deren Enkelin Faingil war, soll es gesungen haben, als er, gemeinsam mit den Teleri in Beleriand angekommen, zum ersten Mal das Licht der Sterne auf dem grossen Meer glitzern sah. Während Tinwëlindo und seine Gattin Olwës Gefolgschaft auf der Überfahrt nach Aman begleiteten, blieb ihr Sohn in Mittelerde zurück.
Liebe erwacht in Tinulin beim Anblick von Gilja, und er spürt, dass die Sehnsucht nach ihrer Nähe an die Stelle seiner bisherigen Rastlosigkeit zu rücken beginnt. Er erkennt, dass sein Herz keine Ruhe mehr finden wird, solange er nicht mit ihr, seinem Schicksal, zusammen ist. Es kommt ihm so vor, als wäre sie der ihm bis hierher unbekannt gewesene Grund seiner bisherigen Rastlosigkeit gewesen und als hätte er erst hierher kommen müssen, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Es fühlt sich beinahe so an, als hätte er, vermeintlich als Bewahrer des Lichts, rastlos durch Mittelerde streifen müssen, um schliesslich auf diese Elbin zu treffen und als hätte sie ihn über die Sterne unterbewusst hierher gelenkt. Schliesslich singt Tinulin ein anderes von Tinwëlindo erdachtes Lied, bevor er nach dessen Ende sagt: "Jetzt bin ich da."

Erneut gehen die beiden Elben lange Zeit ganz darin auf, sich nur anzusehen und dabei eine geistige Verbindung zueinander aufzubauen. Im Anblick des jeweils anderen schwelgend, vergeht jedes Gefühl für Zeit, und Tinulin bemerkt nur einmal, dass auch Sonnenstrahlen Giljas Haare streifen. Irgendwann gewinnt seine nach wie vor unbändige Neugier wieder die Oberhand, und er fragt: "Wer bist Du? Woher kommst Du? Wohhin gehst Du?" Nachdem ihm die Elbin geantwortet hat: "Ich bin Gilja. Ich komme von hier. Mein Weg wird sich weisen. Ich hoffe, Du gehst ihn mit mir", fragt Tinulin weiter: "Bist Du vom Volk der Noldor?" Als Gilja hierauf erwidert: "Ich stamme von Inglin von den Tatyar. Tinwëlindo war sein bester Freund", lächelt Tinulin versonnen, bevor er die Elbin ganz genau betrachtet und dabei sogar leicht berührt. Schliesslich fragt er: "Wie kommt eine Tatya wieder so weit zurück in den Osten?" Giljas Antwort "Inglin ist nie in den Westen aufgebrochen", lässt Tinulin vor Überraschung auflachen, bevor er fragt: "Du weisst, dass unser Volk im heiligen Land war und wider den Willen der Valar nach Mittelerde zurückgekehrt ist?" Als Gilja sagt, dass ihr dies neu sei, erklärt ihr Tinulin, dass sein Ahnherr Fëanor in Valinor drei Gemmen, die Silmaril, geschaffen und in ihnen das Licht der Bäume Telperion und Laurelin eingeschlossen habe. Nachdem die Spinne Ungoliant mit Melkors Hilfe die beiden Bäume vergiftet habe, hätten die Valar von Fëanor verlangt, dass er die Silmaril zerstöre, damit Yavanna die Bäume mit dem restlichen Licht aus den Steinen heilen könne. Fëanor habe den Valar diese Bitte verweigert und sich wenig später, als sich zeigte, dass Melkor die Silmaril gestohlen und dabei Fëanors Vater Finwë, den König der Noldor, erschlagen hatte, zur Verfolgung Melkors und Leistung eines folgenschweren Eids verleiten lassen. Fëanor und seine sieben Söhne hätten im Namen Illuvatars selbst geschworen, bis ans Ende aller Tage jeden zu verfolgen, der einen Silmaril aus ihrem Besitz nehmen, behalten oder verwahren sollte, oder ins Ewige Dunkel zu treten, wenn sie ihren Eid nicht halten sollten.

Anschliessend sagt Tinulin, dass Fëanor und viele von ihm angestachelte Noldor sich kurz darauf dazu entschlossen hätten, Valinor den Rücken zu kehren und sich zurück auf den Weg nach Mittelerde zu machen. Zum Zeitpunkt des Aufbruchs der Noldor von ihrer Stadt Tirion in Valinor sei Manwës Herold Eonwë zu ihnen gekommen und habe gesagt:

"Gegen Fëanors Wahn höret nur meinen Rat. Gehet nicht fort! Denn bös ist die Stunde, und Euer Weg führet in Leid, das Ihr nicht vorausseht. Keine Hilfe werden Euch die Valar gewähren zu dieser Fahrt, doch werden sie Euch auch nicht hindern. Denn wisset dies: Wie Ihr frei hierher gekommen, so seid Ihr frei zu gehen. Du aber, Fëanor, Finwës Sohn, bist ausgestossen, aufgrund Deines Eides. Bitter soll es Dir werden, Melkors Lügen zu verlernen. Ein Vala ist er, sagst Du. Dann hast Du vergebens geschworen, denn keinen der Valar kannst Du überwinden, jetzt nicht und niemals, solange Ea dauert, und wenn Eru, den Du angerufen, Dich dreimal grösser geschaffen hätte, als Du bist."

Schliesslich fügt Tinulin an: "Und grosses Leid hat unser Stammvater Fëanor mit seinem Eid über die Noldor gebracht." Gilja erwidert auf Tinulins Worte: "Ihr seid also zurückgekehrt aus dem Land der Valar? Inglin indessen ist nie fortgegangen. Er war immer hier, wie auch seine Frau Sanyë, seine Frau, die in den Wäldern verloren ging."

Nachdem sie sich wieder eine Zeitlang nur angesehen haben und schliesslich die Sterne am abendlichen Himmel zu leuchten beginnen, sagt Tinulin: "Ich bin nicht alleine gekommen", worauf Gilja erwidert: "Aber zu mir bist Du gekommen." Da nickt Tinulin zustimmend und sagt: "Und ich denke, es war richtig, dass ich den letzten Teil des Weges alleine gekommen bin. Meine Begleiter stehen mir jedoch sehr nahe, und ich würde mich freuen, wenn Du sie kennenlernst. Würdest Du mich zum Wald begleiten?" Als Gilja ihn bei dieser Frage fast ein bisschen besorgt ansieht, fügt Tinulin an: "Und zu den Mündungen des Flusses und danach zu den Mündungen aller Flüsse und zu allen Quellen, wandelnd unter jedem Baum, und auf dem Gipfel jedes Berges nahe den Sternen?" Gilja nimmt diesen Zusatz sehr wohl wahr, fragt aber trotzdem nochmals nach, ob er den Wald unten beim See von Helcar meine, wobei sie erklärt: "Dorthin gehen wir nicht mehr." Tinulin entgegnet rasch, dass er nicht jenen Wald gemeint habe, sondern seine Begleiter am Fuss des Gebirges lagern würden, worauf Gilja sagt: "Mein Weg würde uns eigentlich über das Gebirge führen, aber ich bin bereit, Dich zuvor zu Deinen Gefährten zu begleiten." Als Tinulin darauf fragt, wo Gilja und ihre Sippe wohnen, erklärt die liebliche Elbin, dass sie auf der Ostseite der Orocarni leben. Da sagt Tinulin voller Besorgnis, dass in Ubain Menschen aus dem Osten angekommen seien, die von einem grossen Schrecken jenseits des Gebirges berichtet hätten. Gilja erwidert darauf: "Unter anderem auch aus diesem Grund habe ich nach Dir Ausschau gehalten und das Lied von den Sternen und dem Wasserfall gesungen." Als Tinulin entgegnet: "Und ich bin gekommen", sagt Gilja: "Dann lass uns unter den Sternen gehen."

Als sich die beiden Elben gleich darauf auf den Weg zum Lager der Gefährten am Fuss des Gebirges machen, ist Tinulin von Giljas Anmut und Schnelligkeit beeindruckt.

Bis zum Morgen des 12. Mai 2789 3Z erreichen Tinulin und Gilja die Stelle am Fuss des Gebirges, an welcher der Noldo den Fluss überquert hatte. Tinulin bemerkt, dass der Regen, der im Morgengrauen eingesetzt hat, Gilja nicht im Geringsten stört, sondern dass sie ihn mit einer Selbstverständlichkeit empfängt, wie sie nur einem komplett mit der Natur verbundenen Wesen eigen ist. Sobald es hell geworden ist und sie die Wälder verlassen haben, bewegt sich die anmutige Elbin deutlich vorsichtiger und sieht sich immer wieder prüfend nach allen Seiten um. Als Tinulin erzählt, dass sie unterwegs gehört hätten, dass der Wald am südlichen Ufer des grossen Sees unheimlich sei, erklärt Gilja, dass die Avari dort gelebt hätten, bis das Dunkel gekommen sei. Auf ihren Zusatz: "Dies ist jetzt nicht mehr unser Ort", fragt Tinulin, ob dies ganz zu Beginn der Zeit geschehen sei. Gilja erklärt darauf: "Ich kenne Deine Art, die Zeit zu rechnen, nicht, aber es war, bevor ich auf der Erde wandelte." Tinulin sagt darauf das Wort "Sonne" in den Elbensprachen des Westens Quenya und Sindarin und fügt an, dass ihr Licht es nie vermocht habe, jenes der beiden Bäume in Schönheit aufzuwiegen, welches verschlungen und verloren sei. Er fährt fort: "Und auch wenn die Sonne geschaffen wurde, um gegen das Dunkel zu kämpfen, mag ihr Erscheinen hier vielleicht nicht nur Freude ausgelöst haben, denn sie hat gleichzeitig auch etwas Verzehrendes und Versengendes." Gilja erwidert darauf: "Sie lässt das Licht der Sterne verblassen, wie auch die bleiche Scheibe."

Als die beiden Elben am Nachmittag das erste Lager der Gefährten verlassen vorfinden, wird Tinulin rasch klar, dass seine Freunde in Richtung des Waldes beim See weitergezogen sein müssen. Der Noldo möchte sogleich zum Wald gehen, aber Gilja sagt ihm, dass sie nicht dorthin gehen werde. Sie erklärt: "Ein übler Schleier liegt über dem Wald, seit der dunkle Diener dort geweilt hat. Dieser Ort spricht nicht mehr zu uns, und wir sind von ihm fortgegangen." Als der Noldo sagt, dass sie diesen Ort heilen könnten, entgegnet ihm Gilja ernst, dass es für diesen Ort keine Heilung gebe. Tinulin erwidert darauf, dass sie auch ihn geheilt habe, wobei er Giljas Hand ergreift und ihren Handrücken küsst. Die schöne Elbin gibt ihm zur Antwort: "Du hast Vieles in Dir, und da ist eine Resonanz, der ich mich annehme. Ich werde den Wald nicht betreten, aber ich werde hier auf Dich warten." Tinulin versteht und akzeptiert Giljas Entscheid und macht sich nach einer Verneigung, den Spuren seiner Freunde folgend, alleine auf den Weg in Richtung des unheimlichen Waldes.

Gegen Abend erreicht Tinulin das zweite Lager der Gefährten und kann dort nach kurzer Zeit die Pferde der Gruppe entdecken. Nachdem er ihnen einige Kraftfutterwürfel zu fressen gegeben hat, reitet er auf Tulco zum Waldrand, denn er hatte bemerkt, dass einige Ausrüstung der Gefährten fehlt, woraus er schliesst, dass sie in den Wald gegangen sein müssen. Beim Waldrand steigt er von seinem Pferd und folgt den Spuren seiner Freunde zu Fuss in das dunkler werdende Gehölz, dessen bedrückender Schleier auch dem Noldo sofort auffällt. Es ist schon fast Mitternacht, als er schliesslich das Notlager der Gefährten erreicht und erleichtert Calendin begrüsst.

Nach der Rückkehr von Bóin II., Calendin und Arrohir zum Notlager am Abend zuvor, hatte Mo all ihre nach der Rettung und Stablisierung von Yuzuki noch verbliebenen Heilkräfte darauf verwendet, Arrohirs Zeigefinger wieder mit der linken Hand zu verbinden und den ebenfalls abgetrennten Mittelfinger so gut wie möglich zu konservieren. Erschöpft sagte sie ihren Freunden, dass sie vorerst nicht mehr tun könne und zunächst ihr Feuerritual durchführen wolle, wofür ihr Khufur, der sich um das Lagerfeuer kümmerte, auf Arrohirs Bitte hin einen brennenden Kienspan brachte.
Anschliessend liessen die Gefährten die Geschehnisse des Tages noch einmal Revue passieren, und Calendin gab sich abermals die Schuld an ihrem Debakel, bevor Mo sagte, dass sie wohl mit einem längeren Aufenthalt an diesem Ort rechnen müssten. Mit der anschliessenden Erwähnung, dass man vielleicht Yuzukis Verlobten über den Zustand seiner zukünftigen Frau informieren müsste, sorgte die schöne Heilerin bei ihren Freunden für überrachte Gesichter, denn bis jetzt war ihnen nicht bekannt gewesen, dass Yuzuki verlobt sein könnte. Mo erklärte darauf, dass ein silbern schimmernder Ring, der an einer Kette um Yuzukis Hals liege, sie diesen Schluss habe ziehen lassen.

Mit Blick auf die Beute aus der Trollhöhle erklärte Calendin, dass es in diesem Wald eine alte elbische Kultur gegeben haben dürfte, wobei Bóin II. anfügte, dass die Höhle der Trolle selbst keinen elbischen Eindruck auf ihn gemacht habe. Als sich Calendin den aus der Höhle mitgebrachten Dingen näherte, spürte er sofort die Kälte und das Unbehagen, das auch schon von dem Bernsteinamulett ausgegangen war, welches er andernorts im Wald gefunden hatte. Auch für Bóin II. fühlten sich die zumeist grazilen Schmuckstücke auf irgendeine Art falsch an, und es gelang dem Zwerg nicht, den dunklen Staub, der auf allem zu liegen schien, abzuwischen. Als sie sich der flachen Jadeschale zuwendeten, glaubte Calendin, die eingearbeiteten Goldpunkte und feinen Linien als Sternenhimmel oder vielleicht auch als einen See erkennen zu können. Schliesslich überwand der Waldelb seine Abneigung gegen das Schmuckstück und zählte insgesamt 33 kleinere und grössere Goldpunkte, die alle individuell hergestellt und in die Jade getrieben wirkten. Zwischen einigen der Punkte verliefen sechs Linien, die jeweils zwei Punkte verbanden, wobei drei Punkte von gleich zwei Linien berührt wurden.
Bei der Durchsicht der übrigen Schmuckstücke stachen Calendin neben zahlreichen naturbelassenen und teilweise noch mit Quarz verwachsenen Goldnuggets und Süsswasserperlen, mehreren silbernen Sternanhängern mit Goldeinlagen, silbernen Halsreifen, Goldringen und Bernsteinamuletten mit eingelagerten Goldflitterchen zwölf kleine goldene Sternscheiben mit eingetriebenen Sternpunkten besonders ins Auge. Der Waldelb vermutete, dass die Sternscheiben eine Karte des Elbengebiets darstellen könnten, er fand vorerst aber keinen Ansatz zur Lösung dieses Rätsels.
Während Bóin II. die Schmuckstücke wenig später wieder in ein Stück Stoff hüllte, bemerkte Khufur sieben Wölfe, die sich langsam und vorsichtig dem Lager der Gefährten näherten. Sofort weckte Bóin II. Arrohir, aber als Calendin einen der Wölfe mit einem Schuss auf rund 60 Meter Distanz verwundete, zogen sich die Bestien umgehend zurück. Der Rest der Nacht verging ohne weitere Störungen.

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Offline torben

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Re: [MERS/Rolemaster/Hausregel] Die Isengart-Gruppe
« Antwort #345 am: 2.06.2026 | 20:53 »
Session 131: Teil 2

Am Morgen des 12. Mai 2789 3Z setzte Regen ein, was Mo aber nicht davon abhielt, sich weiterhin um Yuzukis Stabilisierung zu kümmern, bevor sie sich auch Arrohirs Mittelfinger annahm und ihn dank ihrer Heilkräfte wieder mit dem Gewebe der linken Hand verbinden konnte. Weniger später machte sich Calendin auf den Weg zum Lager vor dem Wald, von wo er einige Dinge holen wollte, da er damit rechnete, dass sie noch länger im Wald ausharren müssen.
Als Calendin zur Mittagszeit das Lager der Gefährten erreichte, liess der Regen nach, und er sah die Pferde etwas abseits friedlich grasen, worauf er Proviant, ein Zelt, Pfeile und frisches Wasser schulterte und sich sogleich wieder auf den Rückweg zu seinen Freunden machte. Bóin II. und Khufur befestigten derweil das Notlager der Gefährten im Wald mit Holzstämmen, und Khufur teilte seinem Meister mit, dass er alle Überbleibsel seiner zerbrochenen Kleinzwergenaxt Chopfab eingesammelt und sorgsam verstaut habe, wofür auch immer.
Am Abend setzte Mo erneut ihre Kräfte ein, um Yuzukis und Arrohirs Heilungen voranzutreiben. Dabei musste die schöne Heilerin nicht nur ihre eigenen Grenzen ausreizen, sondern sich schliesslich auch noch auf die Kraft ihres bronzenen Armreifs verlassen. Dieser vermochte zwar ihre Heilkräfte zu mehren, erhitzte sich beim Einsatz aber so sehr, dass sie eine leichte Verbrennung am Arm davontrug. Während sie anschliessend erneut ihr Feuerritual ausführte, um die Kräfte des Armreifs auch für den nächsten Tag zu aktivieren, stellten die Zwerge das von Calendin mitgebrachte Zelt über Yuzuki auf.

Gegen Mitternacht erreicht Tinulin schliesslich das Notlager der Gefährten und ist erleichtert, Calendin unversehrt anzutreffen. Als er den Waldelben fragt, wie es ihnen ergangen sei, sagt Calendin, dass es ein Fehler gewesen sei, den Wald zu betreten, und man nicht seinen Träumen folgen sollte. Tinulin erwidert darauf, dass sich der Wald gleichwohl danach gesehnt zu haben scheine, von einem Elben besucht zu werden. Nachdem Calendin Tinulin kurz die Lage der Gefährten erklärt hat, sagt Tinulin mit bedauerndem Ton, dass Yuzuki tatsächlich der Schwachpunkt ihrer Gemeinschaft sei.
Anschliessend eröffnet Tinulin Calendin und dem ebenfalls Wache haltenden Bóin II., dass er im Gebirge auf eine "Tatya" gestossen sei, eine Elbin von der anderen Hälfte dieser Schar der Erstgeborenen, aus welcher die Noldor hervorgegangen seien. Schöner sei sie als alle Elbinnen, denen er je begegnet sei, doch habe sie auch eine ganz andere Einstellung zu vielen Dinge als die Elben des Westens und hege selbst gegen Sonne und Mond einen Argwohn. Sie habe ihm gesagt, dass sie den Wald nicht betreten werde und ihr Volk überdies grosse Probleme habe, deretwegen sie ihn, Tinulin, übers Gebirge führen wolle. Sie habe von der desolaten Lage der Menschen östlich der Orocarni gehört, und dies sei mit ein Grund dafür, weshalb sie nach ihm gerufen habe. Nachdem Tinulin schliesslich Bóin II. zum Schlafen geschickt hat, erzählen sich die beiden Elben während der restlichen Nachtwache von ihren Erlebnissen während der letzten Tage. Als Calendin von dem dunklen Schleier auf den Schmuckstücken aus der Trollhöhle erzählt, sagt Tinulin, dass Gilja einen dunklen Diener erwähnt habe, welcher diese Untat vollbracht haben könnte.

Am nächsten Morgen, es ist der 13. Mai 2789 3Z, erwacht Mo schon früh und wird von Tinulin darüber ins Bild gesetzt, dass er die Luchswesen in Form der wunderschönen Elbin Gilja getroffen und kennengelernt habe. Ihr Volk sei ganz ursprünglich mit seinem eigenen verwandt, doch seien ihre Wesensarten gänzlich unterschiedlich, weshalb er acht geben müsse, was er sage und verlange. Sie werde diesen Wald nicht betreten und wolle ihn, Tinulin, über die Orocarni noch weiter nach Osten führen. Abschliessend fügt er an, dass er nicht wisse, ob Gilja ihnen bei der Heilung von Yuzuki helfen könne.
Als sich der Noldo etwas später auf Calendins Bitte hin die Schmuckstücke aus der Trollhöhle ansieht, erkennt er, dass sie der Aura eines untoten Schattens ausgesetzt gewesen sein müssen. Diese Erkenntnis überracht und erleichtert den Noldo gleichermassen, denn er sagt, er habe eine noch ältere und stärkere Macht als Ursprung der Verderbnis vermutet. Nach rund zwei Stunden weiterer intensiver Auseinandersetzung mit den verdorbenen Schmuckstücken kann Tinulin mit einiger Gewissheit sagen, dass es ein grosser Untoter gewesen sein muss, der eine ganze Weile hier gewirkt hat, um die ganze Gegend zu vergiften. Erschöpft fügt der Noldo an, der Untote müsse eine Persönlichkeit von ähnlicher Grösse wie Ren sein, dem Feuerkönig und achten der Nazgûl. Dieser hier sei jedoch eher noch stärker, vielleicht gar der Fürst der Nazgûl selbst oder ein anderer der höchsten Diener des dunklen Feindes. Um sich auf andere Gedanken zu bringen, stimmt der Noldo ein Lied von der Erhellung an und erhält dadurch auch eine Ahnung davon, wie er die Schmuckstücke aus der Dunkelheit wieder ans Licht führen könnte, und wie dies zudem auch noch Auswirkungen auf den gesamten Wald zeitigen könnte. Er ist daher gewillt, sich bei den Avari für die Reinigung der Schmuckstücke und des Waldes einzusetzen.
Während Calendin gegen Abend ausserhalb des Waldes erfolgreich Wachteln jagen geht, kümmert sich Mo weiter um die Versorgung von Yuzuki und die Heilung von Arrohirs Fingern, wobei sie ein weiteres Mal so viel Kraft aus ihrem Bronzearmreif bezieht, dass er heiss wird und sie leicht verbrennt. Tinulin sieht sich derweil auch immer wieder die Jadeschale an und versucht, sich einen Reim auf die darin eingetriebenen Goldpunkte zu machen.

Nach einer zwar bedrückenden, ansonsten aber ruhigen Nacht kann Mo am Morgen des 14. Mai 2789 3Z schliesslich die Behandlung von Arrohirs Fingern abschliessen. Bóin II. steuert dazu gar noch etwas zwergische Medizin bei, die bei Menschen zwar abführend wirkt, dafür die Heilungsdauer aber weiter verkürzt. Nun ist auch endlich der Zeitpunkt gekommen, um Yuzukis Schädelbruch zu heilen. Mo gelingt die schwierige Behandlung, sie muss ihren Gefährten anschliessend aber mitteilen, dass sie ungefähr noch eine Woche im Wald ausharren müssen, bis Yuzukis Schädelverletzungen soweit verheilt sind, dass sie zuindest vorsichtig bewegt werden könne.
Die Elben nutzen diese Zeit, um einige der Altarstätten im Wald aufzusuchen und zu kartographieren, wobei sie auch einen Abstecher zur Trollhöhle unternehmen, wo sie aber keine neuen Anhaltspunkte finden. Und selbst wenn die des Nachts immer wieder mal auftauchenden Wölfe keine direkte Gefahr darstellen, beginnt sich der dunkle Schleier des Waldes doch immer schwerer und unheilverheissender auf die Gemüter der Calatirnor zu legen.

Als die Gefährten die noch immer bewusstlose Yuzuki am 22. Mai 2789 3Z auf eine selbstgebaute Bahre legen, sind sich Tinulin und Calendin noch immer nicht sicher, welchem Zweck die Jadeschale dienen könnte. Unsicher, ob es sich dabei um eine Darstellung des Sternenhimmels, eine Karte oder um Beides zugleich handeln könnte, schlägt Tinulin vor, Gilja zu diesem Objekt zu befragen. Von Bóins II. und Khufurs starken Schultern getragen, erreicht Yuzukis Bahre zusammen mit den übrigen Gefährten gegen Abend das Lager vor dem Wald. Das schöne Wetter trägt merklich dazu bei, dass sich die Calatirnor sogleich freier und von der bleiernen Last des schwarzen Waldes befreit fühlen. Während die Menschen und Zwerge das Lager in Schuss bringen und ein Feuer entfachen, sorgen die Elben für ausreichend Nahrung. Als sich schliesslich auch die Pferde wieder beim Lager einfinden, wird die Stimmung unter den Gefährten noch besser.

Am nächsten Morgen brechen die Gefährten ihr Lager ab und ziehen weiter nach Süden zum ersten Lagerplatz, in dessen Nähe Tinulin Gilja verlassen hatte. Während die Zwerge erneut Yuzukis Bahre tragen, kommt Calendin der Ring wieder in den Sinn, der gemäss Mo um den Hals der jungen Händlerin hängen soll. Als er Mo vorschlägt, dass sie Yuzuki ja nach dessen Herkunft und Bedeutung fragen könnte, denn schliesslich habe sie ihr ja das Leben gerettet, widerspricht ihm die Heilerin sogleich und sagt, dass Yuzukis Überleben noch lange nicht gesichert sei. Dies bewahrheitet sich schon wenig später, als Bóin II. und Khufur im unebenen Gelände arg ins Stolpern geraten und Yuzukis Kopf beim Versuch, einen Sturz zu vermeiden, so stark hin- und hergeworfen wird, dass Mo sicherheitshalber einen weiteren Stabiliserungszauber einsetzt.
Tinulin muss Bóin II. und Calendin auf ihre Nachfrage sagen, dass er auf der Suche nach den Luchsmenschen nicht die Zeit gefunden habe, nach Heilkäutern Ausschau zu halten, welche sie zur Behandlung von Yuzuki einsetzen könnten. Auch wenn der Noldo fast den ganzen Tag leise singt und damit die Stimmung der Gefährten weiter hebt, sind die Zwerge vom vorsichtigen Tragen ihrer schweren und vor allem fragilen Last gleichwohl völlig geschafft, als sie am Abend das erste Lager erreichen. Kurz bevor die Sonne an diesem Abend untergeht, führen Arrohir und Mo ein weiteres Mal ihre allabendlichen Rituale aus.

Als die Sterne einige Zeit später am Himmel zu leuchten beginnen, singt Tinulin ein Stück abseits des Lagers ein Lied und vernimmt schon bald darauf Giljas melodische Antwort. Beim Anblick des Noldos sagt sie mit besorgter Miene, sie könne ihm ansehen, dass er im Wald von Helcarth gewesen sei. Tinulin stellt dies nicht in Abrede, sondern teilt Gilja vielmehr voller Enthusiasmus mit, dass sie den Wald heilen könnten, worauf die schöne Elbin jedoch lediglich erwidert: "Für Helcarth gibt es keine Heilung. Wir haben es aufgegeben und kehren nicht dorthin zurück." Als Tinulin aber insistiert und sagt, er könne versuchen, ihn zu heilen, blickt ihn Gilja plötzlich mit neuer Bewunderung und einem Funken Hoffnung im Ausdruck an und erwidert: "Wer weiss, vielleicht hast Du im Westen ja ein Licht gesehen, das uns wirklich Heilung bringen kann?" Tinulin erklärt darauf: "Auch Du trägst ein Licht in Dir, welches wir mit meinem Licht zusammenführen müssen." Er fährt fort, dass er noch so viele Fragen an Gilja habe, diese aber warten müssten, da seine Begleiterin Yuzuki im Sterben liege und auch Khufur schwer angeschlagen sei. Auf ihren verwunderten Blick hin erklärt Tinulin, dass sein Begleiter Calendin vom Elbenvolk der Silvan stamme, während es sich bei seinen übrigen Gefährten um Menschen und zwei Zwerge handle. Gilja erwidert darauf: "Wir meiden die Menschen und das kleine Volk, aber da sie Dich begleiten, werde auch ich Dich begleiten, selbst wenn es bedeutet, dass mich unser Weg zu ihnen führt." Da erklärt Tinulin der lieblichen Elbin: "Das Zeitalter der Menschen bricht an, und die Elben können den edlen unter ihnen noch ihre Werte mitgeben, wofür ihnen die Welt noch dankbar sein wird. Meine Begleiter haben mein Leben schon mehrfach gerettet, und auf sie ist absoluter Verlass, auch wenn uns ihr Auftreten und ihre Manieren rau erscheinen mögen. Im Westen haben die Zwerge den edlen Menschen und Elben treu Beistand im Kampf gegen den dunklen Feind der Welt, Melkor, geleistet. Melkor ist nicht mehr." Als Gilja diese Worte hört, sagt sie überrascht und erschrocken: "Er mag dem Westen entschwunden sein", worauf Tinulin beruhigend erwidert: "Er ist gegangen, das weiss ich. Aber seine Diener sind noch immer hier."

Wenig später treffen die beiden Elben beim Lager ein, wo Tinulin als erstes Calendin und Gilja miteinander bekannt macht. Der Waldelb ist von Giljas liebreizendem Anblick beeindruckt und stellt sich der grossen, schwarzhaarigen Elbin in der Art vor, wie er sich in seiner Heimat Imladris einer ihm unbekannten Elbin vom Volk der Noldor vorstellen würde. Anschliessend sagt er, dass sie viele Geschichten über das Volk der Luchswesen gehört hätten, dass sich aber keine von ihnen zu der Schönheit geäussert habe, mit welcher sie ihm hier begegne. Ob dieser freundlichen Begrüssung lächelt ihm Gilja mit einer leichten Verneigung zu und sagt, sie sei ihrerseits erfreut, einen Begleiter und treuen Freund von Tinulin kennenzulernen. Die idyllische Lagerfeuerstimmung wird nur von den lauten, aus dem Zelt der Zwerge kommenden Schnarchgeräuschen gestört, die, wie auch Arrohir und Mo, nach dem Abendessen vor Erschöpfung eingeschlafen sind. Von den Strapazen der letzten Tage ebenfalls erschöpft, verspürt Calendin bei Giljas Anblick gleichwohl Erleichterung. Da ihn ihre Kleidung zudem entfernt an jene der Waldelben erinnert, sagt er schliesslich, es sei auf wunderbare Art seltsam, so weit im Osten auf Elben zu treffen. Als Gilja darauf mit einem bewundernden Blick zu Tinulin erwidert: "Genauso seltsam wunderbar, wie hier auf Elben zu treffen, die aus dem fernen Westen gekommen sind und uns Heilung bringen können", lächelt der von seinen Fähigkeiten überzeugte Noldo hoffnungsvoll.
Calendin lenkt das Gespräch der Elben alsbald auf Yuzuki und sagt, dass die junge Frau wegen ihm im Sterben liege. Während Tinulin Gilja Yuzukis Zelt zeigt, sagt er, dass die Gefährten verschiedene Dinge aus einer im Wald gelegenen Trollhöhle geborgen hätten, Artefakte aus dem alten Reich, die ebenfalls mit der Traurigkeit des Waldes belegt seien. Dabei stellt er klar, dass ihre Absicht nicht darin bestehe, die Gegenstände zu rauben, sondern dass sie versuchen wollen, sie zu reinigen. Als er die verschiedenen Schmuckstücke beschreibt und dabei auch auf die Jadeschale zu sprechen kommt, macht Gilja unvermittelt grosse Augen, als würde sie diese Kostbarkeit erkennen. Sie sagt jedoch nichts zu den Schmuckstücken, sondern wirft stattdessen einen Blick in Yuzukis Zelt.

// Metageblubber:

Im Hinblick auf diese Session haben wir uns einige Gedanken über Yuzukis Schicksal, allgemein und in der Gruppe, gemacht. Es hat sich nämlich gezeigt, dass Mo nur bei Verwendung eines auch für sie selbst gefährlichen Risikozauber Yuzukis Hirmverletzungen heilen könnte. Vor diesem Hintergrund stellte sich die Frage, ob Mo das Risiko, dass sie bei einem Heilversuch selbst sterben könnte, wirklich eingehen würde. Auf der Meta-Ebene haben wir zudem über Yuzukis Rolle innerhalb der Gruppe gesprochen und darüber, ob sie den Vorstellungen, welche ihr Spieler bei ihrer Entwicklung hatte, entspricht. Ob Yuzuki gerettet werden kann, wird sich nun zeigen müssen. In der Session musste Yuzuki aber überhaupt erstmal aus dem Wald gebracht werden, und es galt auch Arrohirs Finger wieder mit der Hand zu verbinden.

Bei den Elben ging es derweil darum, das Zusammentreffen von Tinulin und Gilja nochmals richtig aufzunehmen und erste Fragen, die dem Noldo unter den Fingernägeln brannten, zu beantworten. Hier zeigte sich, dass ich noch etwas Mühe damit hatte, Gilja in allen Dingen flüssig rüber zu bringen. Das Problem bestand für mich darin, eine den Spielern noch völlig unbekannte Kultur stringent darzustellen, zumal auch ich selbst noch lange nicht alles über die Avari weiss, was es zu wissen gäbe, sondern auch erst an der Oberfläche kratze.

Schliesslich sei verraten, dass ich in der Vorbereitung auch ChatGPT beigezogen habe, um einige Aspekte vorab zu spiegeln und "zu diskutieren", um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Avari sein könnten. Bei Dingen wie der Beschreibung der Jadeschale zeigte sich allerdings, dass ChatGPT zwar viele Worte aneinanderreihen kann, die auf den ersten Blick zwar nach irgendetwas klingen, beim zweiten Hören merkt man aber, dass es eigentlich trotzdem nicht greifbar wird. Vielleicht hätte ich ChatGPT bitten sollen, gestützt auf seine Beschreibung hin selbst ein Bild der Jadeschale zu erstellen, um dann dabei zuzusehen, wie es an der bildlichen Umsetzung seiner eigenen Beschreibung scheitert.