Winston und Jas helfen schleunigst Ray auf die Füße, und helfen ihm, seine Rucksackeinheit abzusetzen. Sein Gesicht ist jetzt wieder ganz normal, nur eben eingekleistert.
„Was war los …?“, fragt er, desorientiert, „Haben wir gewonnen, Jungs? Ihr seht aus, als ob wir gewonnen hätten! Es fühlt sich auf jeden Fall … alles so an, als wäre es so …?“
Jas haut ihm lachend eine Hand auf die Schulter, und neon-rosa Tröpfchen spritzen in alle Richtungen.
„Was für 'ne Sauerei!“, sagt Winston, kopfschüttelnd.
„Schön vorsichtig, Raymond“, sagt Egon, „Du stehst unter dem Einfluss des Positiv-Plasmas!“
Peter hat sich überzeugt, dass Ray wieder zur Besinnung kommt, dann rennt er eilig zu dem Kistenhaufen zurück. Dana kommt ihm mit dem Baby bereits von dort entgegen, und fliegt ihm in die Arme. Sie wissen beide nicht, was sie sagen sollen, dann küssen sich einfach, stürmisch.
„Und wünschen Euch viel Freud‘ … das neue Jahr, es …“, lallt eine Stimme aus der Ecke.
Ray und Winston lesen Janosz Poha aus seiner Schleim-Lache auf.
„Uh, warum tropfe ich mit dieser Glibber?!“, ist das erste, was der fragt.
„Wir mussten Sie kurz auf den Teppich zurück holen“, sagt Ray, sein eigenes Gesicht schaut voll tiefer Vergebung drein, unter der triefenden Ecto-Schmiere.
„Auf den Teppich zurück …? Ja, das ist manchmal nötig …“, murmelt Janosz.
„Ich nehme an, Sie fühlen sich jetzt quasi wie der Froschkönig?“, lacht Jas.
„Ja, das ist eine metaphorische Annehmbarkeit …“
„Hey, soll ich Ihnen mal was sagen, Mann?“, fragt Ray.
„Was?“
„Ich liebe Sie, Mann!“, sagt er, mit einem gefühlsduseligen, breiten, völlig ehrlichen Schmunzeln.
„Oh? Ich liebe Sie auch!“, lacht Janosz, und sie umarmen sich, wie zwei alte Schulfreunde, die sich seit vielen Jahren zum ersten Mal wiedertreffen.
„Hoffentlich knutschen sie jetzt nicht auch noch!“, raunt Janine grinsend Winston zu, „Wie sollten wir das Nicolette erklären?“
„Und ich liebe Euch anderen, Leute!“, labert Ray fröhlich weiter, „Wow, ist das schön. Ich liebe Euch alle, und Nicolette, Phil, Louis, Dana, Oscar, Nancy … Steward … Jimbo … Jordi … Lenny … Jack … äh …“
„Ist das jetzt der neue Ray?“, fragt Winston mit breitem Grinsen, „Meint Ihr, mit dem müssen wir uns ab jetzt begnügen?“
Janine lacht, und zuckt mit den Schultern.
„Wow!“, sagt Ray glücklich, „Hey: Frohes, neues Jahr, Freunde!“
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Advances:Das war eine dicke, fette Session, mit großen Konsequenzen für das Setting, also gibt’s dadurch gleich +3 EXP für alle. Das bringt dann auch folgenden Wild Cards ihren nächsten
Advance ein:
Dana: Danger Sense-Vorteil
Egon: Athletics ➜ W6 &
Piloting ➜ W4
Janine: Nice Shooting, Tex-Vorteil
Jas: Notice ➜ W8 &
Piloting ➜ W4
Peter: Sweet Revenge-Vorteil
Ray: Giddyup-Vorteil
Winston: Spirit ➜ W8
Alle Helden bekommen außerdem einen wohlverdienten, neuen Punkt
Conviction für das Abwenden von Vigos globaler Machtergreifung.
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Vor dem Museum schütteln Peter und Phil nacheinander Bürgermeister Lenny die Hand, alle sind von Konfetti und Luftschlangen bedeckt. Lenny grinst medienwirksam in die vielen Kameras. Jas‘ und Danas scharfe Augen entdecken dabei jedoch auch Hardemeyer, der im Hintergrund steht, und in ein Funkgerät redet. Nichts an seiner Erscheinung lässt darauf schließen, dass er von seiner finsteren Sache ablassen würde. (
Fast nichts an seiner Erscheinung, denn auch er ist bedeckt von fröhlichen, bunten Luftschlangen.)
Die Astralprojektion der grünlichen Miss Liberty ist mittlerweile verschwunden, die Schaulustigen berichten aufgeregt, dass sie sich mit einem letzten Auflodern der goldenen Fackel eben in Luft aufgelöst habe.
Jas sieht plötzlich am Rand des Gebäudes außerdem ein vertrautes Gesicht unter den Inhaftierten: Die zusammengewürfelten Guerillas sind alle festgenommen worden, und werden gerade von der Polizei gefilzt. Bei ihnen steht jedoch auch Ivanka Litvinov! Jas eilt dorthin, und bleibt aufgescheucht vor seiner Ex-Informantin stehen.
„Die Dame Litvinov!“
„Der wortgewandte Herr Doktor!“
„Haha! Sieht so aus, als würden wir uns eine Weile nicht mehr sehen können, Teuerste!“
Die Dame Litvinov winkt ab, „Aber nicht wegen dieser Polizeibeamten, Doktorchen. Was denkst Du, welches Heer von Anwälten wir vorzeitig auf unsere Seite geholt haben.“
„Was machen Du und Jalmar denn nun? Einfach zurück nach Europa jetten? So tun, als wäre nichts gewesen, nur ein erholsamer kleiner Weihnachtsurlaub in den Staaten, was?“
„Jasper! Ihr begreift gar nicht, was Ihr heute Nacht angerichtet habt.“
„Ha! Und das wäre, Deiner Meinung nach …?“
„Ich kann hier unmöglich frei sprechen.“
„Sehr mysteriös! Aber wir konnten wohl kaum dabei zusehen, wie Ihr hier mit Eurem Karpatenfürsten die mittelalterliche Barbarei wieder aufleben lasst, oder? Das musst Du uns schon zugestehen, meine Süße!“
Ivanka tritt näher, und raunt an Jas’ Ohr, „Bald wird nichts mehr sein wie vorher! Ganz besonders hier, in Amerika. Fürst Vigo hätte uns Schutz und Schirm sein können. Es muss Euch klar werden, dass Ghost World wach und aktiv ist, und nach New York greift. Und Ihr, Doktorchen, seid doch nichts als eine Art Abfallbeseitigungs-Unternehmen! Ihr hattet bisher einfach nur Glück. Aber Ihr müsst unbedingt …“, aber da legt einer der Polizeibeamten eine Hand auf die Schulter der Dame Litvinov, und führt sie zu einem der Streifenwagen. Sie und der ratlose Jas sehen sich noch einmal an, bevor der Wagen im Gedränge verschwindet.
Die Befürchtung mit Hardemeyer bestätigt sich: Das Ecto-1A und das Ecto-2 werden abermals von einer ganzen Flotte von ominösen Zivil-PKW verfolgt bei ihrer Rückfahrt zum Feuerwehrhaus in Tribeca. Diesmal folgen die Ermittler mit größerem Abstand, aber mit offensichtlich unverminderter Wissbegier. Peter besteht zuerst darauf, an einer Tanke Zwischenstopp zu machen, um ein paar Sixpacks zu kaufen, und zu gucken, ob die Verfolger dort auch parken — dann könne man ihnen allen eine Bierdose aufnötigen! Dann aber gibt er sich zufrieden damit, einfach auf der Rückbank des Autos zu sitzen, neben Dana und Oscar, und einfach nur erleichtert zu sein.
„… Darf ich ihn mal halten?“, fragt Peter Dana zwischendurch.
„Klar“, sagt Dana mit brüchiger Stimme, reicht ihm das Baby weiter, und ihr Kopf sinkt matt auf seine Schulter. Eine Träne läuft ihr dabei die Wange hinab und zieht eine feine Bahn durch den Schmutz darauf. Peter hat Oscar im Arm und sieht verwundert Dana an, aber die erwidert seinen fragenden Blick nicht.
Die schwarze, tief hängende Wolkendecke über Manhattan hat begonnen, sich aufzulösen. Nun wandern langgezogene, finstere Wolkenschlieren über den Hochhäusern dahin, an einigen Stellen lassen sie das erste Schimmern des Neujahrsmorgens durch, an anderen Stellen werden sie vom Lichtsmog und letzten Feuerwerken von unten beleuchtet, gelb und rosa, irgendwie unwirklich. Ein heftiger Regenschauer scheint in den nächsten Stunden bevorzustehen. Vielleicht wird er das psychomagnotherische Ectoplasma aus den Straßen waschen, und wegspülen. Alle in Ecto-1A sehen dem Leuchten ihres Firmenlogos und den Lichtern in den Fenstern mit einem matten, glücklichen Lächeln entgegen. Sie sind alle zum Umfallen abgekämpft, keiner sagt mehr etwas. Louis in seiner schlecht sitzenden Geisterjäger-Uniform macht ihnen das Garagentor auf, er und Nancy sind eben schon von Liberty Island eingetroffen. Als das Fahrzeuge ins Innere rollt, während das Ecto-2 auf dem Dach landet, fühlt es sich an, als hätten sie ihre Zuflucht erreicht. Sie verrammeln die Garagentore sorgsam, vor den Verfolger-PKWs. Aber in einigen der Gesichter ist zu sehen, dass es nicht nur Hardemeyers Bagage ist, die sie eigentlich fürchten.
Ein tiefes Donnergrollen ertönt in der Ferne ...