Autor Thema: [Savage Worlds] Ghostbusters Solo Play  (Gelesen 11086 mal)

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Re: [Savage Worlds] Ghostbusters Solo Play
« Antwort #125 am: Heute um 10:52 »
Winston und Jas helfen schleunigst Ray auf die Füße, und helfen ihm, seine Rucksackeinheit abzusetzen. Sein Gesicht ist jetzt wieder ganz normal, nur eben eingekleistert.
„Was war los …?“, fragt er, desorientiert, „Haben wir gewonnen, Jungs? Ihr seht aus, als ob wir gewonnen hätten! Es fühlt sich auf jeden Fall … alles so an, als wäre es so …?“
Jas haut ihm lachend eine Hand auf die Schulter, und neon-rosa Tröpfchen spritzen in alle Richtungen.
„Was für 'ne Sauerei!“, sagt Winston, kopfschüttelnd.
„Schön vorsichtig, Raymond“, sagt Egon, „Du stehst unter dem Einfluss des Positiv-Plasmas!“
Peter hat sich überzeugt, dass Ray wieder zur Besinnung kommt, dann rennt er eilig zu dem Kistenhaufen zurück. Dana kommt ihm mit dem Baby bereits von dort entgegen, und fliegt ihm in die Arme. Sie wissen beide nicht, was sie sagen sollen, dann küssen sich einfach, stürmisch.
„Und wünschen Euch viel Freud‘ … das neue Jahr, es …“, lallt eine Stimme aus der Ecke.
Ray und Winston lesen Janosz Poha aus seiner Schleim-Lache auf.
„Uh, warum tropfe ich mit dieser Glibber?!“, ist das erste, was der fragt.
„Wir mussten Sie kurz auf den Teppich zurück holen“, sagt Ray, sein eigenes Gesicht schaut voll tiefer Vergebung drein, unter der triefenden Ecto-Schmiere.
„Auf den Teppich zurück …? Ja, das ist manchmal nötig …“, murmelt Janosz.
„Ich nehme an, Sie fühlen sich jetzt quasi wie der Froschkönig?“, lacht Jas.
„Ja, das ist eine metaphorische Annehmbarkeit …“
„Hey, soll ich Ihnen mal was sagen, Mann?“, fragt Ray.
„Was?“
„Ich liebe Sie, Mann!“, sagt er, mit einem gefühlsduseligen, breiten, völlig ehrlichen Schmunzeln.
„Oh? Ich liebe Sie auch!“, lacht Janosz, und sie umarmen sich, wie zwei alte Schulfreunde, die sich seit vielen Jahren zum ersten Mal wiedertreffen.
„Hoffentlich knutschen sie jetzt nicht auch noch!“, raunt Janine grinsend Winston zu, „Wie sollten wir das Nicolette erklären?“
„Und ich liebe Euch anderen, Leute!“, labert Ray fröhlich weiter, „Wow, ist das schön. Ich liebe Euch alle, und Nicolette, Phil, Louis, Dana, Oscar, Nancy … Steward … Jimbo … Jordi … Lenny … Jack … äh …“
„Ist das jetzt der neue Ray?“, fragt Winston mit breitem Grinsen, „Meint Ihr, mit dem müssen wir uns ab jetzt begnügen?“
Janine lacht, und zuckt mit den Schultern.
„Wow!“, sagt Ray glücklich, „Hey: Frohes, neues Jahr, Freunde!“


Advances:
Das war eine dicke, fette Session, mit großen Konsequenzen für das Setting, also gibt’s dadurch gleich +3 EXP für alle. Das bringt dann auch folgenden Wild Cards ihren nächsten Advance ein:
Dana: Danger Sense-Vorteil
Egon: Athletics ➜ W6 & Piloting ➜ W4
Janine: Nice Shooting, Tex-Vorteil
Jas: Notice ➜ W8 & Piloting ➜ W4
Peter: Sweet Revenge-Vorteil
Ray: Giddyup-Vorteil
Winston: Spirit ➜ W8

Alle Helden bekommen außerdem einen wohlverdienten, neuen Punkt Conviction für das Abwenden von Vigos globaler Machtergreifung.


Vor dem Museum schütteln Peter und Phil nacheinander Bürgermeister Lenny die Hand, alle sind von Konfetti und Luftschlangen bedeckt. Lenny grinst medienwirksam in die vielen Kameras. Jas‘ und Danas scharfe Augen entdecken dabei jedoch auch Hardemeyer, der im Hintergrund steht, und in ein Funkgerät redet. Nichts an seiner Erscheinung lässt darauf schließen, dass er von seiner finsteren Sache ablassen würde. (Fast nichts an seiner Erscheinung, denn auch er ist bedeckt von fröhlichen, bunten Luftschlangen.)
Die Astralprojektion der grünlichen Miss Liberty ist mittlerweile verschwunden, die Schaulustigen berichten aufgeregt, dass sie sich mit einem letzten Auflodern der goldenen Fackel eben in Luft aufgelöst habe.

Jas sieht plötzlich am Rand des Gebäudes außerdem ein vertrautes Gesicht unter den Inhaftierten: Die zusammengewürfelten Guerillas sind alle festgenommen worden, und werden gerade von der Polizei gefilzt. Bei ihnen steht jedoch auch Ivanka Litvinov! Jas eilt dorthin, und bleibt aufgescheucht vor seiner Ex-Informantin stehen.
„Die Dame Litvinov!“
„Der wortgewandte Herr Doktor!“
„Haha! Sieht so aus, als würden wir uns eine Weile nicht mehr sehen können, Teuerste!“
Die Dame Litvinov winkt ab, „Aber nicht wegen dieser Polizeibeamten, Doktorchen. Was denkst Du, welches Heer von Anwälten wir vorzeitig auf unsere Seite geholt haben.“
„Was machen Du und Jalmar denn nun? Einfach zurück nach Europa jetten? So tun, als wäre nichts gewesen, nur ein erholsamer kleiner Weihnachtsurlaub in den Staaten, was?“
„Jasper! Ihr begreift gar nicht, was Ihr heute Nacht angerichtet habt.“
„Ha! Und das wäre, Deiner Meinung nach …?“
„Ich kann hier unmöglich frei sprechen.“
„Sehr mysteriös! Aber wir konnten wohl kaum dabei zusehen, wie Ihr hier mit Eurem Karpatenfürsten die mittelalterliche Barbarei wieder aufleben lasst, oder? Das musst Du uns schon zugestehen, meine Süße!“
Ivanka tritt näher, und raunt an Jas’ Ohr, „Bald wird nichts mehr sein wie vorher! Ganz besonders hier, in Amerika. Fürst Vigo hätte uns Schutz und Schirm sein können. Es muss Euch klar werden, dass Ghost World wach und aktiv ist, und nach New York greift. Und Ihr, Doktorchen, seid doch nichts als eine Art Abfallbeseitigungs-Unternehmen! Ihr hattet bisher einfach nur Glück. Aber Ihr müsst unbedingt …“, aber da legt einer der Polizeibeamten eine Hand auf die Schulter der Dame Litvinov, und führt sie zu einem der Streifenwagen. Sie und der ratlose Jas sehen sich noch einmal an, bevor der Wagen im Gedränge verschwindet.

Die Befürchtung mit Hardemeyer bestätigt sich: Das Ecto-1A und das Ecto-2 werden abermals von einer ganzen Flotte von ominösen Zivil-PKW verfolgt bei ihrer Rückfahrt zum Feuerwehrhaus in Tribeca. Diesmal folgen die Ermittler mit größerem Abstand, aber mit offensichtlich unverminderter Wissbegier. Peter besteht zuerst darauf, an einer Tanke Zwischenstopp zu machen, um ein paar Sixpacks zu kaufen, und zu gucken, ob die Verfolger dort auch parken — dann könne man ihnen allen eine Bierdose aufnötigen! Dann aber gibt er sich zufrieden damit, einfach auf der Rückbank des Autos zu sitzen, neben Dana und Oscar, und einfach nur erleichtert zu sein.
„… Darf ich ihn mal halten?“, fragt Peter Dana zwischendurch.
„Klar“, sagt Dana mit brüchiger Stimme, reicht ihm das Baby weiter, und ihr Kopf sinkt matt auf seine Schulter. Eine Träne läuft ihr dabei die Wange hinab und zieht eine feine Bahn durch den Schmutz darauf. Peter hat Oscar im Arm und sieht verwundert Dana an, aber die erwidert seinen fragenden Blick nicht.

Die schwarze, tief hängende Wolkendecke über Manhattan hat begonnen, sich aufzulösen. Nun wandern langgezogene, finstere Wolkenschlieren über den Hochhäusern dahin, an einigen Stellen lassen sie das erste Schimmern des Neujahrsmorgens durch, an anderen Stellen werden sie vom Lichtsmog und letzten Feuerwerken von unten beleuchtet, gelb und rosa, irgendwie unwirklich. Ein heftiger Regenschauer scheint in den nächsten Stunden bevorzustehen. Vielleicht wird er das psychomagnotherische Ectoplasma aus den Straßen waschen, und wegspülen. Alle in Ecto-1A sehen dem Leuchten ihres Firmenlogos und den Lichtern in den Fenstern mit einem matten, glücklichen Lächeln entgegen. Sie sind alle zum Umfallen abgekämpft, keiner sagt mehr etwas. Louis in seiner schlecht sitzenden Geisterjäger-Uniform macht ihnen das Garagentor auf, er und Nancy sind eben schon von Liberty Island eingetroffen. Als das Fahrzeuge ins Innere rollt, während das Ecto-2 auf dem Dach landet, fühlt es sich an, als hätten sie ihre Zuflucht erreicht. Sie verrammeln die Garagentore sorgsam, vor den Verfolger-PKWs. Aber in einigen der Gesichter ist zu sehen, dass es nicht nur Hardemeyers Bagage ist, die sie eigentlich fürchten.
Ein tiefes Donnergrollen ertönt in der Ferne ...

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Re: [Savage Worlds] Ghostbusters Solo Play
« Antwort #126 am: Heute um 10:59 »
Das Feuerwehrhaus bleibt ab dem Neujahrstag vorerst geschlossen, bis die Ghostbusters genügend Gelegenheit hatten, sich einen Reim zu machen auf das alles, was jüngst geschehen ist.

Besonders haben sie in den Tagen nach Neujahr mit der Stadtreinigung zu tun. Pump-LKWs versuchen weiterhin, die restliche rosa Schmiere aus Kellern und Kanalgängen weg zu kriegen, und suchen Hilfe bei den Experten. Die Schleimsprenger könnten zwar mit ihrem positiv umgepolten Ectoplasma den Negativ-Schmadder negieren, aber so viel Positiv-Schleimkulturen haben die Geisterjäger nun wirklich nicht, um die ganze Stadt damit zu fluten!

Ein Research-Wurf von Jas, Ray, und Dana bringt (dank Teamwork mit Raise) folgende Informationen ans Licht: Der Strom aus Schleim unter der Stadt ist mitnichten völlig verebbt, und es ist nach wie vor unklar, wie er überhaupt ursprünglich in die Kanalisation gelangen konnte. Er wird großteilig von Negativ-Emotionen der New Yorker erzeugt, aber das kann nicht die einzige Quelle sein (die ist nämlich ein ganz besonderer Schauplatz, wie im nächsten Teil der Kampagne herauskommen wird!).
Die Stadtverwaltung stellt sich jedoch unerwartet quer dabei, Jas, Ray, und Dana vollständige Einsicht in ihr Kartenmaterial und ihre Informationen zu gewähren. Die drei Rechercheure bohren geschickt nach, und bekommen noch heraus (durch das erreichte Raise), dass eine Gruppe Interessenvertreter um einen Mister Colport dahinter steckt. Colport und seine Leute in der Stadtverwaltung scheinen akribisch darauf bedacht, gegen die Ghostbusters zu arbeiten, bei all ihren Recherchen, besonders, was das Übernatürliche betrifft. Jas und Peter vermuten sofort Härtemeyer dahinter. Dana mit ihrer wachen Intuition ist sich jedoch gar nicht so sicher, was das betrifft ...


Phil soll für uns mal seinen Trade-Wurf machen, um zu sehen, wie er in den hektischen Tagen nach Sylvester die Fäden in der Hand behalten kann. Er kommt wieder auf einen Erfolg. Zahllose Interviewtermine werden für den ganzen Januar '87 vereinbart, die Freiheitsstatue stellt sich vor der Prüfkommission als unbeschädigt heraus, und alles, was von den politischen Gegnern zu Skandalen aufgebläht werden könnte, lässt sich stattdessen vorerst als Promo-Stunt nutzen, und die Firma steht insgesamt in einem positiven Licht dar — verdienterweise, muss man ja sagen.


Im Manhattan Museum of Art wird so einiges geschehen müssen, bevor es erneut eröffnet werden kann. Bis die Baucrews, Maler, und Klempner alles wieder präsentabel gemacht haben, wird es wahrscheinlich Februar sein. Also ist noch längst kein Betrieb, die heiligen Hallen wirken ausgestorben, heute, während durch die großen Fenster die Wintersonne flutet. Matthew in seinem altmodischen, hellgrauen Anzug ist der einzige von der Belegschaft, der sich hierher verirrt hat. Muss ja nicht unbedingt jemand wissen, dass er heute hier ist. Wie als wäre nichts gewesen, sitzt er im verwüsteten Restaurationssaal an einer der übrigen Staffeleien.
„… Hier noch ein Quäntchen tieferes Grün, hier dann endlich das Goldpigment …!“, murmelt er zufrieden, „Nicht zu viel, nicht zu wenig!“
Er ist ganz und gar absorbiert von seiner Arbeit. Matthew hat seit Jahren nichts mehr selber gemalt, immer nur Ausbesserungsarbeiten gemacht. Er stellt mit stiller Heiterkeit fest, dass er gar nicht eingerostet ist.
„Wäre gar nicht so schlecht, wenn sie mir persönlich Modell stehen könnten … aus der Erinnerung, Matthew, das ist ja immer ein wenig geschummelt … ‚Dichtung und Wahrheit‘, oder wie haben die Malerei-Professoren mir das damals immer erklärt …? Sei‘s mal drum … das hier wird ohnehin gut … das malt sich wie von selbst … erstaunlich.“
Die riesige Leinwand hatte er blank vorgefunden. Merkwürdig, eine einzige Leinwand hat die Kampfhandlungen hier drinnen überdauert, lustigerweise genau in dem Format des Vigo-Ruhmesbildes. Eine feine, hauchdünne Patina schien noch darauf, als wäre der Untergrund irgendwie vorbehandelt gewesen, beinahe roséfarben, eine Patina, die sich aber gänzlich verflüchtigte, wo er den Pinsel aufsetzte.
Jetzt legt er die Farbenpalette weg, steht auf, lächelt, und geht leise davon. Das muss jetzt erstmal trocknen.

Das Heldengemälde steht daraufhin einsam im Sonnenlicht des Saals. Der Stil lässt deutlich an die Renaissance denken, vielleicht ist es auch ein Zitat des späten Tortellini. In der Bildmitte liegt das Baby Oscar auf einem Wölkchen, zu allen Seiten umgeben von seinen sechs Wächtern. Alle sechs dargestellten Figuren umher tragen römische Togas und halten ein Attribut in Händen. Egon Spengler das aufgeschlagene Buch, Peter Venkman stützt sich auf das Schwert, Ray Stantz hält lächelnd die Friedenstaube, Jas Elliott reckt einen Sextanten empor, Janine Melnitz hält einen Kelch, und Winston Zedemore stützt sich auf einen hölzernen Stab, der ein Hirtenstab sein könnte, oder eine Fackel.


Schließlich ist das Stimmengewirr im Erdgeschoss des Feuerwehrhauses für heute verstummt. Die Belegschaft ist wohl endlich mal wieder zur Ruhe gekommen. Im oberen Stockwerk aber leuchtet in diesem Moment aus der Dunkelheit über dem Tellerschrank ein Paar Augen auf, in einem gespenstischen, gelblichen Orange. Ihr Blick wandert neugierig hin und her, und irgendetwas schlabbert ganz gewaltig. Auf der dunklen Anrichte steht zwischen Chipstüten und leeren Tassen immer noch ein kaum angerührtes, dreistöckig belegtes Weißbrot-Sandwich, wie eine unwiderstehliche Versuchung. Die halb durchsichtige Hand des Hausgeists reckt sich danach, mit vier langen, geschickten Fingern, sie ist neon-grün. Ein gieriges Zuschnappen, und schon ist das Sandwich verschwunden, nur noch ein freudiges Schmatzen ist aus dem Dunkel zu hören …!