Autor Thema: Reading Challenge 2026  (Gelesen 3984 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Clawdeen

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 268
  • Geschlecht: Weiblich
  • Username: TanjaT
    • Clawdeen spielt
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #50 am: 14.04.2026 | 23:17 »
8/40: Annika Hanke: Wild, Wild Ghost
Ich hatte mit ziemlich üblem Kitsch gerechnet und bin das Risiko eingegangen. Einmal, weil ich was Seichtes wollte, weil mir für alles andere derzeit sowohl Zeit als auch Nerven fehlen, allerdings auch, weil ich die Idee von Wild West plus Gespenstern interessant fand, Romanze hin oder her. Ist auch ein sehr neues Buch, ist erst am 31.3.26 erschienen.
Hat mich positiv überrascht. War bei weitem nicht so kitschig, wie ich vermutet hatte, und die Romanze ist zwar präsent, aber die Story rund um die Geister steht klar im Vordergrund. Auch der Abschluss konnte mich sogar ein bisschen überraschen. Seicht ist es trotzdem, aber das war ja auch meine Erwartung.
In der Macht der Dunkelheit liegt ein Hauch von Dämlichkeit.

Offline Sindaja

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 160
  • Username: Sindaja
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #51 am: 15.04.2026 | 08:40 »
Nochmal 3 Bücher... 
  10. Eric H. Cline: 1177 v. Chr. Der erste Untergang der Zivilisation
Interessantes Buch über die Zivilisationen im Mittelmeerraum und deren Untergang. Es werden viele Quellen genannt, viele Kulturen, von denen ich von der ein oder anderen auch noch nicht gehört habe. Einerseits wird ein spannendes Bild von vernetzten Kulturen gezeichnet, andererseits von den vielen Faktoren, die solche komplexen Systeme anfällig machen. Natürlich werden auch (vorsichtig) Parallelen zu unserer jetzigen vernetzten Welt gewogen. Mitnehmen: Die Kulturen sind damals, anders als lange gedacht (Seevölker, Vulkan, Erdbeben), nicht schlagartig untergegangen, sondern auch hier gab es eher Zeiträume des Zerfalls. Und aus ihrere „Asche“ entstanden andere Kulturen (wie z.B. das antike Greichenland, die Phoenizier,...)
    11. Carlos Ruiz Zafon: Marina
Sehr schöner, poetischer Roman. Coming of Age, etwas magischer Realismus. Mehrere Liebes- und Lebensgeschichten, Es beginnt mit der Geschichte von Oscar und Marina, die gemeinsam Geschichte um Geschichte aufdecken während ihre eigene Geschichte ihren Lauf nimmt. Licht und Schatten bzw. auch Horror-Elemente, Umgang mit dem Thema Tod. Eine wichtige Nebenrolle spielt auch Barcelona, das ich aber nur kurz besucht habe und deshalb nur wenige Orte wiedererkenne.
    12. Milena Michiko Flasar: Oben Erde, Unten Himmel
Ein Roman über Einsamkeit. Protagonistin ist Suzu, eine Japanerin, die in einer anonymen japanischen Großstadt lebt - allein mit ihrem Hamster. Das Leben beschert ihr einen Job als Reinigungskraft für Wohnungen von Kodokushi-Todesfällen, d.h. Menschen, die alleine in ihrer Wohnung verstorben sind und man erst spät aufgefunden hat. Sie wächst an der Aufgabe, sieht die Welt langsam mit anderen Augen und nimmt die Menschen in ihrer Umgebung mehr wahr. Ich fand es interessant zu lesen. Einsamkeit ist auch ein Thema in unserer Gesellschaft, auch wenn die Mentalität der Protagonistin vielleicht doch etwas anders ist als die mitteleuropäische. Ich kann mich nicht so sehr mit ihr indentifizieren, was aber auch daran liegen mag, dass sie charakterlich sehr anders ist als ich, aber trotzdem war es spannend, ihre Geschichte zu verfolgen. Es wird nicht propagiert, dass es "falsch" ist, alleine zu leben, oder das EInsamkeit an sich etwas "Schlechtes" ist, aber die Protagonistin findet zumindest über kollegiale Freundschaften einen Weg aus der Isolation und lernt Dinge wie "Mitgefühl" kennen. Angedeutet wird auch das Thema, dass in Japan vermehrt Rentner kriminell werden, um in Haft zu kommen, wo sie nicht so einsam sind...

Offline Infernal Teddy

  • Beorn der (Wer-) Knuddelbär
  • Helfer
  • Mythos
  • ******
  • His demonic Personage
  • Beiträge: 9.623
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Infernal Teddy
    • Neue Abenteuer
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #52 am: 15.04.2026 | 09:51 »
Den Vortrag von Cline zum Buch gibt es übrigens auch auf YouTube - und der Mann hat daraus auch noch ein Comic für kids gemacht...
Rezensionen, Spielmaterial und Mehr - Neue Abenteuer

Ask me anything

Teddy sucht Mage

Offline Sindaja

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 160
  • Username: Sindaja
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #53 am: 15.04.2026 | 16:24 »
Muss ich mal nach schauen!

Offline Clawdeen

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 268
  • Geschlecht: Weiblich
  • Username: TanjaT
    • Clawdeen spielt
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #54 am: 26.04.2026 | 01:27 »
9/40: Ursula Poznanski: Das Signal
Ich habe schon viele Bücher der Autorin gelesen und den ureigenen Mix aus Inhalten mit bestimmten Schwerpunkten immer gerne gemocht. Bei "Die Burg" musste ich mich an einen Stil, den ich als etwas anders empfunden habe, gewöhnen, aber unterm Strich fand ich den Roman dann doch ganz gut. "Das Signal" hingegen war jetzt das echt erste Buch von ihr, das mich enttäuscht hat. Zu viel kleinschrittiges Beobachten statt Pacing, zu viele rote Heringe und am Ende eine Auflösung, die ich dann doch etwas schwer verdaulich (im Sinne von unglaubwürdig) fand. Keine Chance, auf die "richtige" Lösung selbst zu kommen, viele Unschärfen, für mich auch durchaus offene Enden ein bisschen. Schade.
In der Macht der Dunkelheit liegt ein Hauch von Dämlichkeit.

Offline Sard

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 853
  • Username: Sard
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #55 am: 26.04.2026 | 12:15 »
#07 Der Donnerstagsmordclub von Richard Osman
Leichter Unterhaltungsstoff mit eine Prise Humor und "nett" gemach, immer gut zu lesen, weil die Kapitelhäppchen (1 bis vlt. 8, zumeist 2 bis 5 Seiten) ideal zugeschnitten sind, für "mal schnell noch ein paar Seiten lesen". Die Erzählsprache ist durchaus frisch und "munter". Soweit so gut - aber mir fehlte schon etwas die Spannung und am Ende bleibt bei der "Fülle von Fällen im Fall" schon der Eindruck des "zu sehr konstruierten", aber fällt das nicht so sehr ins Gewicht, weil ich gut dranbleiben konnte. Insofern hat das Buch seinen Zweck erfüllt, mich wieder mehr "ins Rollen", sprich Lesen, zu bekommen.
Aber das was mir fehlt verhindert eine bessere Bewertung.
10 von 15 Punkten

#08 Die Stunde des Löwen von Deon Meyer
Man verzeihe mir das: "Bumm!".
"Meneer" Deon Meyer kann schreiben und erwischt mich jedes Mal aufs Neue.
Sehr geschickt verknüpft der Autor die Fäden der Ermittler Bennie Griessel und Vaughn Cupido und deren Privatleben mit einer toten Bikerin und der Staatsplünderung des letzten Präsidenten und seinen Machenschaften, einer irgendwie in Teilen sehr sympathischen Gangstergruppe und und und ... ich will jetzt das Buch nicht nacherzählen, aber Deon Meyer strickt eine Story, die immer dichter wird und von einem breiten aber super stimmungsvollen Erzählen in ein Finale-Stakkato mündet.
Bei 2/3 gab es einen kurzen und nur minimalen Dichteabfall (der aber immer noch eine 12/15 wäre).
Da dies der neunte Fall von Benie Griessel ist, nicht unbedingt mit diesem beginnen - ich habe jetzt 16 Bücher von ihm gelesen (alles was auf Deutsch veröffentlicht wurde) und kein Buch ist ein Ausfall. https://www.buecherserien.de/deon-meyer/
14 von 15 Punkten
"Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand. Niemand glaubt mehr davon zu brauchen als er hat." René Descartes

"Der Wein muß in den Koch hinein". (Daniele Persegani, Fernsehkoch bei "alicekochen".)

Offline Gondalf

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 753
  • Username: Gondalf
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #56 am: 28.04.2026 | 20:05 »
Marc Aurel, Selbstbetrachtungen: Philosoph und Kaiser des Römischen Reiches, gilt als „Sinnbild des guten Herrschers“ SWR. Schmuckausgabe in Cabra-Leder mit Goldprägung (Cabra-Leder-Reihe, Band 12)

Musste auf einen Termin warten, Zeitthema und habe dieses gute Stück gesehen und angefangen um die Zeit zu überbrücken. Marc Aurel war für mich interessant als römischer Kaiser wahr mir der Name schon ein Begriff (nicht nur aus Gladiator ::)  ~;D ), mir wurde auch zu Epiktet geraten. Nunja, es ist Marc geworden.

Unterteilt in 12 Bücher mit vielen Versen. Die Übersetzung soll wohl nicht die Beste sein, möglicherweise lag es daran, dass ich mit einigen Absätzen echt zu kämpfen hatte.
Es gab oft lange, geschwollene Bamdwurmsätze, die ich teils schwer zu verstehen fand.

Aber auch eine Fülle an Gedanken, für ein Buch mit circa 1800 Jahren auf dem Buckel wirkt es überraschend zeitlos. Viele Sätze und Gedanken sind geradezu modern.

Ich fand es auf jeden Fall interessant und ich persönlich habe dann auch noch parallel über die Person, das Buch, die Stoa ein bisschen was gelesen. Das hat das Gesamtpaket noch abgerundet.

Bewerten möchte ich es nicht, es ist Weltliteratur, da eine x von xy zu geben scheint mir anmaßend. Ich bereue den Kauf jedenfalls nicht.

6/20
« Letzte Änderung: 28.04.2026 | 20:08 von Gondalf »
Ich halte mich freiwillig an Tempo 100 – zumindest in geschlossenen Ortschaften.

Offline Clawdeen

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 268
  • Geschlecht: Weiblich
  • Username: TanjaT
    • Clawdeen spielt
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #57 am: 1.05.2026 | 07:38 »
10/40:  Stephen King: Finderlohn (Bill Hodges-Trilogie 2)
Dieser zweite Teil knüpft sehr lose an den ersten an, aber ich mochte ihn. Da Ton und Inhalt gemäßigter sind, was viele Dinge angeht (vgl. meine Wertung von Teil 1), mag ich ihn auch mehr als den ersten.
Im Grunde ist Teil 2 einfach ein Thriller ohne übernatürliche Dinge (auch wenn solche vage angedeutet werden in bestimmten Szenen, wahrscheinlich Foreshadowing), der auch für sich allein stehen kann. Die Verbindung zu Teil 1 besteht fast nur in der subtil eingewobenen Erwähnung/Verknüpfung von Orten, Dingen und dem Protagonisten (der hier erst sehr spät auftaucht und eher Nebenfigur ist). Hat mir aber gut gefallen, fand ich recht clever.
Bin demnach mal gespannt auf Teil 3 (und später irgendwann auf die umgesetzte Netflix-Serie).
« Letzte Änderung: 5.05.2026 | 17:23 von Clawdeen »
In der Macht der Dunkelheit liegt ein Hauch von Dämlichkeit.

Offline Menthir

  • Adventurer
  • ****
  • Urbild der kognitiven Insuffizienz
  • Beiträge: 546
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Menthir
    • Darkenfalls
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #58 am: 2.05.2026 | 15:05 »
#15 Samira Akbarian - Recht brechen - Eine Theorie des zivilen Ungehorsams

Ein kluges, kurzes Buch bzw. eine Konzeptschrift einer für die Demokratie lebenswichtigen Form des Ungehorsams. Es argumentiert, dass ziviler Ungehorsam nicht bloß Regelverletzung ist, sondern unter bestimmten Bedingungen als demokratisch produktive Praxis verstanden werden kann, ja sogar als eine Art Verfassungsinterpretation neben dem geltenden Recht beschrieben werden darf.

Kritisch gelesen ist das Buch für mich dort am stärksten, wo es den nichtfesten Kern demokratischer Ordnung freilegt. Demokratie ist eben nicht nur Mehrheitsmechanik, sondern ein konfliktbehaftetes, immer zu wiederholendes Aus- und Verhandlungsverhältnis zwischen Recht, Moral, politischer Teilhabe und öffentlicher Zumutung. Akbarian zeigt, dass ziviler Ungehorsam gerade dort sinnvoll wirkt, wo Verfahren blinde Flecken produzieren und/oder formales Recht (oder in ihren Worten: einfache Gesetze) die demokratische Idee verfehlt.

Die Interpretierbarkeit der Verfassung und der unstete Kern der Demokratie rufen fast nach einem Wortspiel, das der Titel selbst provoziert. Recht brechen heißt zunächst: das Recht brechen, also Normen überschreiten, um auf deren Unrecht oder Unzulänglichkeit zu zeigen. Doch recht brechen lässt sich auch als sprachliche Diagnose lesen: das Recht so lange technisch zu brechen, zu zerlegen und zu überformen, bis es nicht mehr atmet, sondern nur noch funktioniert. Ein überregulierter Rechtskörper, der zwar korrekt, aber nicht mehr gerecht ist, produziert den Reflex des Abstoßens. In diesem Sinn ist das Recht brechen fast ein moralisch aufgeladenes technisch richtiges Kotzen im Sinne von recht, also richtig, brechen: der Körper der Demokratie stößt eine Rechtsordnung aus, die zwar sauber kodifiziert, aber innerlich verdorben oder von den Grundsätzen von Freiheit und Gleichheit entkoppelt wirkt. Das zeigt, wie leicht Legalität und Legitimität auseinanderlaufen können; und warum dann ziviler Ungehorsam wiederum notwendig wird, um das zu begradigen.

Ich werde gerne über das Buch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis diskutieren und in diesem Sinne kann ich auch eine Lesempfehlung aussprechen.

8,5 von 10 Punkten
„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“ - Johann Gottfried Frey

„Ein Mensch wollte immer Recht behalten:
So kam's vom Haar- zum Schädelspalten.“ - Eugen Roth

Offline Menthir

  • Adventurer
  • ****
  • Urbild der kognitiven Insuffizienz
  • Beiträge: 546
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Menthir
    • Darkenfalls
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #59 am: 5.05.2026 | 13:42 »
#16 Claudia Mende - Wir sind anders, als ihr denkt - Der arabische Feminismus

Es ist ein kurzer, wertvoller Einblick in die Welt des arabischen Feminismus. Gleichwohl ist es wahrscheinlich kein vollständiger Überblick.

Mende gelingt es, den arabischen Feminismus als vielstimmiges Geflecht sichtbar zu machen, statt ihn auf Schlagworte oder Stereotype zu reduzieren. Die eingefangenen Stimmen der Aktivistinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen sowie die Einlassungen der Autorin verweben sich zu einem stimmigen Einblick, der zeigt, dass arabischer Feminismus kein monolithischer Block, sondern eher ein Mosaik aus lokalen Kämpfen, kulturellen Kontexten und politischen Spannungen ist. Gerade für ein deutschsprachiges Publikum, in dem diese Perspektiven unterbelichtet bleiben oder durch mediale Verzerrung gefiltert werden, ist das gelungener Einstieg, ohne dass dieser akademisch oder in seiner Detailtiefe überfordert.

Besonders stark ist die Binnenkritik, die Mende sichtbar macht. Der Blick richtet sich nicht nur nach innen in die jeweiligen Gesellschaften, sondern auch nach außen, bspw. auf den westlichen Feminismus. Dessen Anspruch auf Universalität wird hinterfragt, sein gelegentlicher Elitenstatus offen kritisiert. Das geschieht nicht polemisch, sondern analytisch. Wer spricht für wen? Wessen Erfahrungen werden als Maßstab gesetzt? Und welche Stimmen bleiben dabei ungehört? Sichtbar wird das auch anhand der entwaffenenden Versuche, einen Staatsfeminismus zu setzen, um individuelle Entwicklungen und Aktivismus zu schwächen.

So eindrucksvoll die Vielfalt angerissen wird, so sehr hätte man sich an manchen Stellen eine noch systematischere, vergleichende Perspektive gewünscht. Die Unterschiede zwischen einzelnen arabischen Staaten, politisch, rechtlich, gesellschaftlich oder religiös, blitzen zwar immer wieder auf, werden aber selten konsequent nebeneinandergestellt. Ein stärker ausgearbeiteter Vergleich hätte die ohnehin schon spannende Vielfalt noch plastischer gemacht und dem Leser zusätzliche Orientierung geboten.

Als Einführung ist dieses Werk dennoch bemerkenswert gelungen. Es schafft etwas, das vielen Sachbüchern misslingt, denn es belehrt nicht von oben herab, sondern lädt ein, mitzudenken und möchte zunächst erst einmal Augen öffnen. Mende schreibt zudem sehr zugänglich, ohne zu simplifizieren, und differenziert, ohne sich in akademischer Details zu verlieren.

Mir selbst hat es auf jeden Fall neue Perspektiven erschlossen.

8 von 10 Punkten
„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“ - Johann Gottfried Frey

„Ein Mensch wollte immer Recht behalten:
So kam's vom Haar- zum Schädelspalten.“ - Eugen Roth

Offline Albrun Gebikung

  • Survivor
  • **
  • Beiträge: 67
  • Username: Albrun Gebikung
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #60 am: 5.05.2026 | 18:52 »
Teil 3 der "Dark Materials"-Reihe ist auch längst gelesen, nun hänge ich bei "Zwerg und Überzwerg" fest. Ich hatte mich da drauf gefreut und große Hoffnungen auf verrückten Humor gehabt und bin leider grenzenlos gelangweilt.. Ja, es gibt schräge Ideen und Beschreibungen, aber es catcht mich ÜBERHAUPT nicht...

Offline Infernal Teddy

  • Beorn der (Wer-) Knuddelbär
  • Helfer
  • Mythos
  • ******
  • His demonic Personage
  • Beiträge: 9.623
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Infernal Teddy
    • Neue Abenteuer
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #61 am: 6.05.2026 | 12:48 »
Teil 3 der "Dark Materials"-Reihe ist auch längst gelesen, nun hänge ich bei "Zwerg und Überzwerg" fest. Ich hatte mich da drauf gefreut und große Hoffnungen auf verrückten Humor gehabt und bin leider grenzenlos gelangweilt.. Ja, es gibt schräge Ideen und Beschreibungen, aber es catcht mich ÜBERHAUPT nicht...

Bei wievielen büchern bist du damit?
Rezensionen, Spielmaterial und Mehr - Neue Abenteuer

Ask me anything

Teddy sucht Mage

Offline angband

  • bestes reiches Partylöwenarschloch seit langem
  • Hero
  • *****
  • Beiträge: 1.212
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: angband
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #62 am: 7.05.2026 | 08:19 »
16 James Islington - The Will of the Many
Erinnert ein wenig an Red Rising oder The Hunger Games, aber mit mehr Fantasy. Vom Flair her gibt es Referenzen zu Rom und Griechenland. Empfehlenswert!
12/15

17 Nicholas Potter - Die neue autoritäre Linke
Ich beschäftige mich schon lange mit Antisemitismus und das Thema ist mir sehr wichtig. In diesem Buch wird dies teilweise aufgegriffen. Der Autor schreibt gewöhnlich für die taz und geht sehr kritisch mit der Entwicklung der politischen Linken um.
14/15

18 Michel Abdollahi - Es ist unser Land. Wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen
Eher ein Appell, als ultratiefe neue Einsichten.
08/15

19 Timothy Snyder - Über Tyrannei
Hier richtet sich Mr Snyder eindeutig gegen die Trump-Regierung.
09/15

20 Uwe Wittstock - Marseille 1940
Interessanter Einblick in die Umstände und das Milieu von Künstlern und anderen Exildeutschen in Frankreich 1940.
11/15

21 Matt Dinniman - Dungeon Crawler Carl
Ganz amüsant, vor allem zu Beginn. Ich finde, es nutzt sich recht schnell ab.
08/15

22 Nicholas Eames - Kings of the Wyld
Tolle Prämisse. Die Protagonisten sind eine ehemalige Abenteurergruppe, die sich zur Ruhe gesetzt hat, um eine letzte Mission zu erfüllen. Man fühlt sich an alternde Rockstars erinnert.
12/15

23 Joachim Fest - der Untergang
Angelehnt an gleichnamige filmische Umsetzung ist dem Autor daran gelegen, die letzten Tage und Wochen im Führerbunker zu beschreiben und dabei nachzuprüfen, was belegbar ist.
11/15

24 Rainer Zietelmann - Weltreise eines Kapitalisten
Der Autor versucht, den Gründen für Armut und Reichtum überall auf der Welt nachzugehen. Er unterhält sich mit verschiedensten Menschen rund um die Welt, die immer aus dem Kreis der Libertären kommen. Das Gebotene ist schon interessant, aber ich hatte immer den Eindruck, dass der Autor hauptsächlich sich selbst vermarktet.
06/15

25 Stephen Fry - Mythos: Was uns die Götter heute sagen
Das erste von vier Büchern von Fry über Griechische Mythologie. Es ist sehr umfassend! Für mich hätte es etwas kürzer sein können. Toll ist, dass der Autor die Geschichten recht elegant mit modernen Interpretationen verbindet.
10/15

Offline Weltengeist

  • spielt, um zu vergessen
  • Titan
  • *********
  • Kaufabenteueranpasser
  • Beiträge: 12.279
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Weltengeist
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #63 am: 7.05.2026 | 19:56 »
16 James Islington - The Will of the Many
Erinnert ein wenig an Red Rising oder The Hunger Games, aber mit mehr Fantasy. Vom Flair her gibt es Referenzen zu Rom und Griechenland. Empfehlenswert!
12/15

Das hatte ich dieser Tage auch angefangen, nur um jetzt festzustellen, dass das Teil 1 einer Tetralogie ist, deren letzter Band nicht vor 2029 erscheint. Also habe ich es (obwohl es vielversprechend klingt) erstmal wieder eingemottet - so lange kann ich mir dermaßen komplexe Stories nämlich nicht merken...  ;D
Aktive Runden (als SpL): Fateforge (Savage Worlds), Freeport (Savage Worlds)
Aktive Runden (als Spieler): Earthdawn (Earthdawn)
Am Horizont (als Spieler): Sel-Kai (Rolemaster), The Price of Arrogance (7th Sea)
Am Horizont (Solo): Schlangenschädel (System tbd)

Offline Albrun Gebikung

  • Survivor
  • **
  • Beiträge: 67
  • Username: Albrun Gebikung
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #64 am: 8.05.2026 | 19:23 »
Bei wievielen büchern bist du damit?

7

Offline Gondalf

  • Adventurer
  • ****
  • Beiträge: 753
  • Username: Gondalf
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #65 am: 8.05.2026 | 21:02 »
16 James Islington - The Will of the Many
Erinnert ein wenig an Red Rising oder The Hunger Games, aber mit mehr Fantasy. Vom Flair her gibt es Referenzen zu Rom und Griechenland. Empfehlenswert!
12/15

17 Nicholas Potter - Die neue autoritäre Linke
Ich beschäftige mich schon lange mit Antisemitismus und das Thema ist mir sehr wichtig. In diesem Buch wird dies teilweise aufgegriffen. Der Autor schreibt gewöhnlich für die taz und geht sehr kritisch mit der Entwicklung der politischen Linken um.
14/15

18 Michel Abdollahi - Es ist unser Land. Wir dürfen Deutschland nicht den Rechten überlassen
Eher ein Appell, als ultratiefe neue Einsichten.
08/15

19 Timothy Snyder - Über Tyrannei
Hier richtet sich Mr Snyder eindeutig gegen die Trump-Regierung.
09/15

20 Uwe Wittstock - Marseille 1940
Interessanter Einblick in die Umstände und das Milieu von Künstlern und anderen Exildeutschen in Frankreich 1940.
11/15

21 Matt Dinniman - Dungeon Crawler Carl
Ganz amüsant, vor allem zu Beginn. Ich finde, es nutzt sich recht schnell ab.
08/15

22 Nicholas Eames - Kings of the Wyld
Tolle Prämisse. Die Protagonisten sind eine ehemalige Abenteurergruppe, die sich zur Ruhe gesetzt hat, um eine letzte Mission zu erfüllen. Man fühlt sich an alternde Rockstars erinnert.
12/15

23 Joachim Fest - der Untergang
Angelehnt an gleichnamige filmische Umsetzung ist dem Autor daran gelegen, die letzten Tage und Wochen im Führerbunker zu beschreiben und dabei nachzuprüfen, was belegbar ist.
11/15

24 Rainer Zietelmann - Weltreise eines Kapitalisten
Der Autor versucht, den Gründen für Armut und Reichtum überall auf der Welt nachzugehen. Er unterhält sich mit verschiedensten Menschen rund um die Welt, die immer aus dem Kreis der Libertären kommen. Das Gebotene ist schon interessant, aber ich hatte immer den Eindruck, dass der Autor hauptsächlich sich selbst vermarktet.
06/15

25 Stephen Fry - Mythos: Was uns die Götter heute sagen
Das erste von vier Büchern von Fry über Griechische Mythologie. Es ist sehr umfassend! Für mich hätte es etwas kürzer sein können. Toll ist, dass der Autor die Geschichten recht elegant mit modernen Interpretationen verbindet.
10/15


Da sind einfach mal ein paar echt gute Tipps dabei. Weltreise eines Kapitalisten ist schon auf dem Weg zu mir, viele weitere interessant. Danke fürs teilen.
Ich halte mich freiwillig an Tempo 100 – zumindest in geschlossenen Ortschaften.

Offline Menthir

  • Adventurer
  • ****
  • Urbild der kognitiven Insuffizienz
  • Beiträge: 546
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Menthir
    • Darkenfalls
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #66 am: 10.05.2026 | 11:03 »
#17 Tristan Gooley - How to Read a Tree - Clues and Patterns from Roots to Leaves

Es ist weniger ein klassisches Sachbuch über Botanik als vielmehr eine Einladung zum aufmerksamen Beobachten und Wandern. Gooley nähert sich den Bäumen nicht mit überbordender akademischer Systematik, sondern mit der Neugier eines Menschen, der gelernt hat, in Rinde, Ästen und Blattstellungen Geschichten über Standort, Wetter, Alter und Wachstum zu lesen. Er will den Wunsch wecken, selbst hinauszugehen, stehenzubleiben und den Blick zu entschleunigen. Nach der Lektüre läuft man im Idealfall nicht mehr einfach an einer Eiche oder Birke vorbei, sondern beginnt, sie als Ausdruck ihrer Umgebung zu begreifen.

Besonders gelungen ist dabei, dass Gooley seine Beobachtungen niedrigschwellig vermittelt. Das Buch verlangt keine botanischen Vorkenntnisse und verliert sich nicht in taxonomischen Feinheiten oder wissenschaftlicher Fachsprache. Stattdessen entsteht der Eindruck eines Spaziergangs mit einem begeisterten Naturführer, der immer wieder kleine Hinweise gibt: Warum wächst ein Ast asymmetrisch? Weshalb trägt die Rinde auf einer Seite andere Spuren? Was sind diese Narben an den Bäumen?

Allerdings zeigt sich genau darin auch eine Schwäche des Werkes. Viele Beobachtungen ähneln sich in Aufbau und Erzählung, wodurch sich im Verlauf eine gewisse Repetitivität einschleicht. Manche Kapitel wirken wie Variationen desselben Gedankens: Schau genauer hin, entdecke Muster, lies den Baum. Das ist zwar programmatisch stimmig, verliert aber mitunter an erzählerischer Frische.

Auch sprachlich bleibt das Buch eher funktional. Gooley schreibt klar und zugänglich, doch selten so eindringlich oder atmosphärisch, dass die Sprache selbst eine besondere Begeisterung für Wälder und Bäume entfacht.

Hinzu kommt, dass Gooley viele seiner kurzen Unterkapitel mit kleinen erzählerischen Einstiegen versieht. Diese Ansätze des klassischen Storytellings wirken oft nicht auserzählt. Manche Anekdoten enden gerade dann, wenn sie atmosphärisch interessant werden, andere erscheinen eher wie angerissene Skizzen als wirklich erzählte Erlebnisse.

Dennoch bleibt es ein brauchbares Buch. Gerade in einer Zeit, in der Natur oft nur Kulisse für Joggingrouten oder Smartphone-Fotos ist, erinnert es daran, wie viel sich entdecken lässt, wenn man langsamer wird. Gooleys Buch ist letztlich die Einladung dazu, langsamer und bewusster durch die Natur bzw. durch die Bäume zu streifen, und dadurch ihre Diversität und ihre Ähnlichkeiten zu entdecken.

5 von 10 Punkten
„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“ - Johann Gottfried Frey

„Ein Mensch wollte immer Recht behalten:
So kam's vom Haar- zum Schädelspalten.“ - Eugen Roth

Offline Menthir

  • Adventurer
  • ****
  • Urbild der kognitiven Insuffizienz
  • Beiträge: 546
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Menthir
    • Darkenfalls
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #67 am: 11.05.2026 | 11:56 »
#18 Tom Hillenbrand - Lieferdienst

Dies ist ein zeit- und kapitalismuskritischer Roman, der mit hoher Schlagzahl durch seine Seiten rauscht. Hillenbrand beherrscht fraglos das Tempo. Kurze, knackige Dialoge, präzise Szenenwechsel, und eine cineastische Handlung. Das ist auch die Stärke dieses Buches. Hillenbrand erzählt mit Lust an Dynamik, Beobachtung und satirischer Zuspitzung.

Gleichzeitig offenbart der Roman eine Eigenart, die eng mit seinem Anspruch auf Gegenwartsnähe verbunden ist. Die Sprache wirkt stellenweise auffällig modernistisch, fast demonstrativ im Bemühen, urbanen Zeitgeist einzufangen. Anglizismen, popkulturelle Marker und digitale Alltagssprache erscheinen weniger wie klassische Literatur, sondern eher wie ein konservierter Twitter-Feed der frühen 2010er Jahre. Es lässt sich erahnen, dass der Text insofern schnell altern wird.

Besonders die kulturellen Verweise erzeugen ein ambivalentes Bild. Einerseits verleihen sie der Welt Authentizität und satirische Schärfe. Hillenbrand versteht die Mechanik spätkapitalistischer Konsumkultur und die Selbstinszenierung urbaner Milieus ausgezeichnet. Andererseits drohen viele Referenzen zur bloßen Kulisse zu werden, wenn das Buch altert. Aber das ist für den Autor sicherlich klar gewesen und eine bewusste Entscheidung.

Das Buch ist bemerkenswert unterhaltsam. Hillenbrand schreibt mit Rhythmus, Witz und einem feinen Gespür für groteske Überzeichnung. Die Kürze des Buches ist der Thematik, dem Tempo und der Auflösung des Buches mehr als angemessen und ich habe die kurze Lektüre sehr genossen. Insofern eine klare Leseempfehlung.

8 von 10 Punkten
„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“ - Johann Gottfried Frey

„Ein Mensch wollte immer Recht behalten:
So kam's vom Haar- zum Schädelspalten.“ - Eugen Roth

Offline Menthir

  • Adventurer
  • ****
  • Urbild der kognitiven Insuffizienz
  • Beiträge: 546
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Menthir
    • Darkenfalls
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #68 am: 14.05.2026 | 13:20 »
#19 Benjamin Wood - Seascraper

Mit Seascraper versucht Benjamin Wood, einen kühlen, nebelverhangenen, etwas melancholischen Roman zu schreiben. Und tatsächlich liegt über dem gesamten Buch eine eigentümliche Atmosphäre, die seine größte Stärke bleibt. Besonders die Szenen am Wasser besitzen eine beinahe filmische Qualität. Der Leser riecht Tang und das namenlose Pferd, hört neben dem Quietschen des alten Wagens in der Ferne vielleicht das metallische Knarren einer Hafenanlage und der dazugehörigen Schiffe, und spürt jene nordenglische Feuchtigkeit, die sich wie ein zweites Hemd über die Figuren legt. Wood gelingt es, Räume zu schaffen, die weniger Kulisse als viel mehr Stimmungsbilder sind. Und er kann zu Beginn die Einsamkeit des Protagonisten einfangen.

Problematisch wird Seascraper jedoch dort, wo der Roman seine psychologische und narrative Konstruktion zeigt. Die Handlung wirkt über weite Strecken nicht organisch gewachsen, sondern erkennbar arrangiert. Viele Konflikte erscheinen wie sorgfältig platzierte dramaturgische Versatzstücke, deren Funktion zu sichtbar bleibt, und deren Übergänge zu deutlich hervortreten. Gerade deshalb entsteht nur begrenzt jene Suspension of Disbelief, die notwendig wäre, um sich vollständig auf die Geschichte einzulassen. Figuren begegnen einander oft mit einer symbolischen Absicht, die offenkundig kalkuliert wirkt. Besonders stark ist das in der Entwicklung des Protagonisten sichtbar.

Besonders interessant, aber zugleich ambivalent geraten die beiden Mutterfiguren, die jeweils auf ähnliche, scheinbar fürsorgliche Art herrisch sind. Die Mutter von Thomas erscheint als emotional wie körperlich erschöpfte, beinahe geisterhafte Präsenz, die für ihr junges Alter (36) verblüffend schnell gealtert ist. Sie gibt ein Stück weit das Leben von Thomas vor, ist hier Halt, gar Anker, aber gleichzeitig auch der Grund, warum sich ihm die Welt nicht zu eröffnen scheint.

Edgars Mutter dagegen besitzt mehr narrative Schärfe, ist körperlich aber das Gegenteil, nämlich eine drahtige, rüstige Frau um die 80. In ihrer Strenge und emotionalen Kontrolle zeigt sich soziale und persönliche Härte. Doch auch hier wirkt vieles symbolisch überhöht. Sie steht aber wie auch die Mutter von Thomas weniger für eine individuelle Person als für ein literarisches Konzept von mütterlicher Dominanz und Schuldvererbung. Edgar kann im Gegensatz zu Thomas aufgrund seines reicheren Hintergrund kreativ ausbrechen, wird aber immer wieder von seiner Mutter eingefangen.

Es ließe sich ebenso viel über einen Vergleich zwischen Thomas und Edgar schreiben, die jeweils durch die Mutter gebunden sind, und die auf kreativem Wege aus ihrem Los auszubrechen versuchen, wobei bei Edgar noch eine Drogensucht dazukommt. Es ließe sich die Substanzlosigkeit der jeweiligen Väter zu den Figuren beschreiben. Aber das unterlasse ich an dieser Stelle.

Insgesamt entsteht mit Seascraper ein Roman, der atmosphärisches Potenzial hat, aber in seinen scharfkantigen Versatzstücken so offenkundig konstruiert erscheint, wie man es von jemanden erwartet, der Creative Writing akademisch schult.

Spannender könnte das Werk werden, wenn man es an Benjamins Woods eigener Historie misst. Ich kenne ihn nicht persönlich, habe aber gelesen, dass auch seine Eltern sich getrennt haben, ehe er erwachsen war; dass er einstmals Singer-Songwriter werden wollte, und wenn - das ist jetzt meinerseits konstruiert - der Blick auf die sehr bestimmenden Mutterfiguren gelegt wird, stellt sich die Frage, wie viel autobiografisches Element in diesem Roman stecken könnte. Mit so einem Ansatz könnte man aus dem Roman vielleicht in der Betrachtung noch mehr herausholen.

Für sich allein gestellt war es aber not my cup of tea.

3 von 10 Punkten
„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“ - Johann Gottfried Frey

„Ein Mensch wollte immer Recht behalten:
So kam's vom Haar- zum Schädelspalten.“ - Eugen Roth

Offline Menthir

  • Adventurer
  • ****
  • Urbild der kognitiven Insuffizienz
  • Beiträge: 546
  • Geschlecht: Männlich
  • Username: Menthir
    • Darkenfalls
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #69 am: 14.05.2026 | 22:32 »
#20 Tobias Bevc - Politische Theorie

Dieses Werk von Tobias Bevc eine ebenso kompakte wie zugängliche Einführung in die großen Denktraditionen und Grundbegriffe der politischen Ideengeschichte. Das Werk überzeugt besonders dort, wo es versucht, komplexe theoretische Zusammenhänge nicht eins zu eins nachzuerzählen, sondern sie klar strukturiert und nachvollziehbar aufbereitet.

Gut gewählt sind die zahlreichen Beispiele, mit denen Bevc abstrakte Themenfelder erschließt. Ob Fragen nach Staatlichkeit, Demokratie, Freiheit oder Macht; die gewählten Bezüge wirken immer wohl platziert und helfen tatsächlich dabei, theoretische Modelle greifbar zu machen oder zumindest einen Einstieg in diese Thematiken zu finden. Das Buch entwickelt dadurch eine Praxistauglichkeit, ohne wissenschaftliche Seriosität einzubüßen.

Auch die Zusammenfassungen und kompakten Übersichten der einzelnen Kapitel sind überwiegend sehr gelungen. Sie ermöglichen eine schnelle Orientierung. Gerade in einem Feld wie der politischen Theorie, das häufig von Begriffsdichte und ideengeschichtlichen Verästelungen geprägt ist, erweist sich diese Strukturierung als sinnstiftend.
Die weiterführende Literatur ist auf die wichtigsten Werke beschränkt, und bietet insofern ebenfalls einen guten Einstieg.
Als kompakter Einstieg fehlt hier und da die theoretische Tiefe bzw. manchmal die ein oder andere wichtige Verästelung.

Es gibt m.E. vor allem eher redaktionelle Schwächen. Mitunter folgen ausführlichere Fließtexte und ihre Zusammenfassung zu direkt aufeinander, wodurch der Lesefluss gelegentlich ins Stocken gerät. Die Übergänge wirken dann etwas rau. Für Leserinnen und Leser, die ein stärker erzählerisches oder argumentativ fließendes Werk erwarten, kann dies stellenweise etwas sperrig wirken. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass genau diese Struktur dem schnellen Überblick und der systematischen Erschließung des Stoffes klar zugutekommt.

Insgesamt ist das Buch ein didaktisch klug aufgebautes und inhaltlich überzeugendes Einführungswerk, das besonders durch seine verständliche Darstellung und die treffend gewählten Beispiele überzeugt.

7 von 10 Punkten
„Zutrauen veredelt den Menschen, ewige Vormundschaft hemmt sein Reifen“ - Johann Gottfried Frey

„Ein Mensch wollte immer Recht behalten:
So kam's vom Haar- zum Schädelspalten.“ - Eugen Roth

Offline Robert Paulson

  • Experienced
  • ***
  • Beiträge: 175
  • Username: Robert Paulson
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #70 am: 14.05.2026 | 22:49 »
1+2 von 8:

Expanse Teil 6 Bablyons Asche und Teil 7 Persepolis erhebt sich

Nachdem Teil 4 für mich persönlich ein Tieferpunkt war, war 5 wieder ok. Teil 6 und 7 waren der Hammer. Richtig toll wie sich die Welt und Charakter weiter entwickeln. Ich bin auf die letzten 2 Teile gespannt. Für die Challenge muss ich mich ein bisschen ranhalten, leider war der Frühlingsurlaub etwas anders wie initial geplant - sonst wäre ich schon deutlich weiter.

Offline Albrun Gebikung

  • Survivor
  • **
  • Beiträge: 67
  • Username: Albrun Gebikung
Re: Reading Challenge 2026
« Antwort #71 am: Gestern um 09:21 »
Hab jetzt das Erzferkel-Buch zur Seite gelegt und erstmal innerhalb 4  Tagen "Mord in Sunset Hall" durchgeschmökert. Wie leicht das ist, wenn das Buch mitreißend, humorvoll und spannend zugleich ist. Die Autorin, Leonie Swann hat das echt drauf. Wer "Glennkill" kennt, weiß, was ich meine..

8/17 erledigt