Autor Thema: Solarpunk - what do the Characters do?  (Gelesen 3226 mal)

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Offline nobody@home

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #75 am: 30.03.2026 | 18:04 »
Wenn ich "Utopie" höre, dann denke ich im Reflex eigentlich fast immer "Aha, schon wieder wer, der erst mal perfekte Menschen postuliert und sein Luftschloß dann darauf aufbaut". Was natürlich leicht ist, denn wenn alle Beteiligten bequemerweise schon genau richtig und perfekt ticken, dann kommt's auf das genaue Gesellschaftsmodell plötzlich gar nicht mehr an -- das funktioniert dann automatisch immer. ;)

In der Praxis fühle ich mich allerdings recht sicher auf dem Standpunkt, daß es ausdrückliche Perfektion schon per Definition eh nie geben wird (und Leute, die das doch denken, einfach noch zu niedrige Ansprüche an den Begriff stellen). Was sich dann im Umkehrschluß zum Glück auch positiver und mMn auch abenteuertauglicher formulieren läßt als "Besser als das, was wir schon haben, geht's eigentlich immer noch zumindest ein bißchen"...

Offline WeepingElf

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #76 am: 30.03.2026 | 18:24 »
Wir sind halt seit der Moderne mit der Individualisierung und Ausdifferenzierung an einem Punkt, wo es solche altertümlich idealtypischen Lösungen nicht mehr geben kann, bzw. wo uns diese nicht mehr als Utopien erscheinen. Weder in Platons noch Moores Modell ist in praktischer Ausprägung viel Platz für die sogenannte Entfaltung des Individuums und für Demokratie. Ganz einfach weil der Mehrheitswille und/oder Individualwille nicht immer der rational besten Lösung entsprechen muss. Auch diese "rational beste Lösung" ist bereits diskutabel, weil auch das unterschiedlich bewertet werden kann.

Die Annahme, eine Utopie müsse zwangsläufig rundum tippitoppi sein, um als Utopie gelten zu dürfen, ist also sehr naiv.
Mit dieser Definition kann es ein plausibles utopisches Setting für ein RPG gar nicht geben.

Also bleibt eine eher optimistische Grundstimmung als Ausgangspunkt und darunter/davor spielen sich all die großen und kleinen Dramen des Alltags ab.

Wenn ich "Utopie" höre, dann denke ich im Reflex eigentlich fast immer "Aha, schon wieder wer, der erst mal perfekte Menschen postuliert und sein Luftschloß dann darauf aufbaut". Was natürlich leicht ist, denn wenn alle Beteiligten bequemerweise schon genau richtig und perfekt ticken, dann kommt's auf das genaue Gesellschaftsmodell plötzlich gar nicht mehr an -- das funktioniert dann automatisch immer. ;)

In der Praxis fühle ich mich allerdings recht sicher auf dem Standpunkt, daß es ausdrückliche Perfektion schon per Definition eh nie geben wird (und Leute, die das doch denken, einfach noch zu niedrige Ansprüche an den Begriff stellen). Was sich dann im Umkehrschluß zum Glück auch positiver und mMn auch abenteuertauglicher formulieren läßt als "Besser als das, was wir schon haben, geht's eigentlich immer noch zumindest ein bißchen"...

Da habt Ihr beiden genau Recht! Eine Utopie wird nie Realität werden, weil sie einen perfekten Menschen voraussetzt, den es nie geben wird. Daran ist ja letzten Endes auch der Sozialismus gescheitert, der eine Utopie zu realisieren versuchte. Und eine Utopie wäre auch langweilig und als Rollenspiel-Setting ungeeignet. Was hingegen erreichbar sein dürfte, ist eine Welt, die in einigen Punkten besser ist als die jetzige, und in der die gegenwärtige Umwelt- und Gesellschaftskrise bewältigt ist und eine optimistische Grundstimmung herrscht. Irgendwelche Dramen und Konflikte wird es immer geben - und damit Stoff für spannende Geschichten und Rollenspiel-Abenteuer!
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Offline Ruinenbaumeister

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #77 am: 30.03.2026 | 18:43 »
Gerade aus dem Widerspruch aus Utopie und Realität lassen sich die Konflikte erzeugen, die das Setting interessant machen.

Der Idealist hat sich die Utopie nach seinen eigenen Wünschen zurechtgedacht: Alle leben im Einklang mit der Natur, schonen die natürlichen Ressourcen, widmen sich dem friedlichen Zusammenleben und sind sich vor allem einig, dass es so bleiben soll. Der Idealist sieht das als beste aller möglichen Welten, aber es denken eben nicht alle gleich. Da gibt es die technikbegeisterten Fortschrittsfreunde, die es nicht in der heimischen Ökosiedlung hält und die am liebsten zu fremden Planeten aufbrechen würden. Dann tritt eine Asketenbewegung auf, die am liebsten in die Steinzeit zurückkehren würde. Dann gibt es doch einmal irgendwelche Verteilungskämpfe, sei es weil manche Gierschlünde nie genug bekommen können, sei es weil nach einer Katastrophe viele unverschuldet in Not geraten sind. Und vielleicht haben die Idealisten nun Angst um ihre Deutungshoheit und fangen an, Diskurse zu regulieren und Andersdenkende zu bekämpfen - was natürlich erst recht zu einem Erstarken der Gegenbewegungen führt.

Die Utopie kann sowohl an abweichenden Wertvorstellungen als auch an physikalischen Gegebenheiten scheitern. Gegen ersteres werden Dogmen eingeführt, was die Gesellschaft nur anfälliger für zweiteres macht. Viel Spaß bei dieser Gratwanderung!
Und wenn ich mich im Zusammenhang
des Multiversums betrachte, wie oft bin ich?

Offline WeepingElf

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #78 am: 30.03.2026 | 18:55 »
Ja, das sind alles mögliche Konflikte in einer Solarpunk-Zukunft. Wie schon mehrfach (in der einen oder andren Formulierung) hier gesagt: Utopien werden niemals Realität werden. Es gibt kein Ende der Geschichte. Es wird immer weiter gehen.
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Offline BBB

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #79 am: 1.04.2026 | 07:15 »
Gerade aus dem Widerspruch aus Utopie und Realität lassen sich die Konflikte erzeugen, die das Setting interessant machen.

Der Idealist hat sich die Utopie nach seinen eigenen Wünschen zurechtgedacht: Alle leben im Einklang mit der Natur, schonen die natürlichen Ressourcen, widmen sich dem friedlichen Zusammenleben und sind sich vor allem einig, dass es so bleiben soll. Der Idealist sieht das als beste aller möglichen Welten, aber es denken eben nicht alle gleich. Da gibt es die technikbegeisterten Fortschrittsfreunde, die es nicht in der heimischen Ökosiedlung hält und die am liebsten zu fremden Planeten aufbrechen würden. Dann tritt eine Asketenbewegung auf, die am liebsten in die Steinzeit zurückkehren würde. Dann gibt es doch einmal irgendwelche Verteilungskämpfe, sei es weil manche Gierschlünde nie genug bekommen können, sei es weil nach einer Katastrophe viele unverschuldet in Not geraten sind. Und vielleicht haben die Idealisten nun Angst um ihre Deutungshoheit und fangen an, Diskurse zu regulieren und Andersdenkende zu bekämpfen - was natürlich erst recht zu einem Erstarken der Gegenbewegungen führt.

Die Utopie kann sowohl an abweichenden Wertvorstellungen als auch an physikalischen Gegebenheiten scheitern. Gegen ersteres werden Dogmen eingeführt, was die Gesellschaft nur anfälliger für zweiteres macht. Viel Spaß bei dieser Gratwanderung!

Ich glaube, so kann ich mir langsam etwas vorstellen. Wenn ich in meinem Kopf Solarpunk und Cyberpunk gleichzeitig denke, formt sich langsam ein Bild...

Danke
Power Gamer: 33% Butt-Kicker: 21% Tactician: 67% Specialist: 42% Method Actor: 88% Storyteller: 75% Casual Gamer: 42%

Spielt zur Zeit: DSA Briefspiel (https://wiki.punin.de/Algerio_da_Selaque_von_Culming), sowie 3-6 DSA Larps pro Jahr. Am Tisch: derzeit nix ;D

Würde gern spielen: Altered Carbon, Shadowrun, Cyberpunk, irgendetwas aus diesem Genre... außerdem The Witcher, Nesciamus, Vampire, ... irgendwas

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #80 am: 1.04.2026 | 10:43 »
Bezüglich dessen, was Charaktere tun können, kommt mir zu allererst die Frage warum man überhaupt Solarpunk spielt. Nämlich ob man es spielt, um in einem Solarpunk-Setting eine Geschichte zu spielen, oder ob man es spielt, um sich an der Solarpunkigkeit der Spielwelt zu ergötzen. Wenn nämlich ersteres der Fall ist, kann man die Spielwelt auch einfach auf den Kopf stellen, um für jede Menge Spannung und Chaos zu sorgen.

Was passiert denn, wenn eine Solarpunk-Kultur so vor sich hin utopiat und auf einmal Kontakt mit einer aggressiven, invasiven Kultur macht? Ob das jetzt Dämonen, Morlocks, Supervillains oder Aliens sind, spielt dafür erstmal keine Rolle. Denn auf einmal ist das, was die Welt zu dem Utopia macht, ein Problem. Wenn regenerative Energiequellen nämlich eines nicht können, dann RAPIDE zu skalieren. Deshalb verwenden wir ja auch nach wie vor Schusswaffen mit chemischen Treibladungen und keine Railguns oder Laser. Die Energiemenge, die man in das Volumen und Gewicht einer Patrone konzentrieren kann, ist elektrisch kaum zu erreichen. Umweltfreundliche Elektroflugzeuge können nie die Leistung von kerosingetriebenen Düsenjägern erreichen. Und auf einmal hat man ein bedrohtes Utopia, das in ein kaskadierendes Rennen gerät, den Weg zurück zu destruktiveren Energiequellen zu finden. Daraus können so einige Abenteuer entstehen und die Spanne dazu passender Figuren ist auch sehr breit. Salvager, Archäologen, Ingenieure, Special Forces, Geheimagenten, Magnaten,…

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #81 am: 1.04.2026 | 17:26 »
Habe einen BBC-Artikel gelesen, der mich an diesen Thread hat denken lassen: https://www.bbc.com/future/article/20260331-a-1960s-green-utopia-tried-to-reinvent-the-world

Gaviotas ist eine Alternativenkommune in Kolumbien, die der Savanne Lebensraum abgetrotzt hat und auf ziemlich solarpunkige DIY-Technologie zurückgreift. Ein paar Jahrzehnte in die Zukunft gedacht und dramatisiert wäre das ein guter Abenteuerschauplatz - zumal es bereits IRL Probleme mit Drogenmafia und militanten politischen Bewegungen gibt.
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Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss es sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Offline WeepingElf

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #82 am: 1.04.2026 | 19:04 »
Ich habe das jetzt erstmal überflogen, und ein Lesezeichen gesetzt, um es später in Ruhe zu lesen. Sieht interessant aus. Danke, Skyrock!
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Offline JohnLackland

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #83 am: 1.04.2026 | 19:52 »
Solarpunk, eine Prise demokratischer Sozialismus und als Gegner Personen, die beginnen, das System von innen zu sabotieren, um Macht und Einfluss anzuhäufen – also dem Kapital zu frönen. Ich fände einen kapitalismuskritischen Ansatz wirklich spannend. Es ist geschafft, die Versorgungssicherheit ist hergestellt, Energie ist soweit sichergestellt, dass alle gut leben können und die Blaumeise und die Hufeisenfledermaus flattern vergnügt. Aber das passt nicht allen. Denn wie doof ist das denn, wenn alle etwas haben, aber jemand hat mehr als die anderen? Ist es nicht Teil der menschlichen Natur, Besitz und Einfluss anzuhäufen? Und schon hat man Konflikte. Es braucht keinen König oder fremde Spezies, es braucht im Grunde nur andere Menschen, Elfen oder was auch immer, die unzufrieden sind innerhalb ihrer eigenen Gesellschaft, die aber im Großen und Ganzen funktioniert. Die meisten Rollenspiele spielen in Mangelwelten bzw. Ausbeutungssystemen, häufig Feudalismus oder neoliberalen Kapitalismus auf Speed. Aber eine Utopie, in der es allen gut geht, als Ausgangslage zu haben, ohne sich darüber lustig zu machen oder sie von vorneherein zu demontieren, wäre spannend.

Offline WeepingElf

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #84 am: 1.04.2026 | 20:25 »
Zweifellos wird es die perfekte Gesellschaft nie geben. Menschen sind unvollkommen, und haben widerstreitende Interessen. Also wird es auch in einer Gesellschaft, in der Solarpunk-Visionen in Erfüllung gegangen sind, soziale Probleme und Konflikte, und damit Anlässe für Abenteuer, geben. Das haben wir doch hier längst herausgefunden ;)
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Offline JohnLackland

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #85 am: 1.04.2026 | 21:19 »
Trotzdem sind die Antworten ehr die Bedrohung von außen als von innen bei nen Plot wenn ich das so überfliege.


Offline Feuersänger

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #86 am: 1.04.2026 | 21:22 »
Bei mir feuerten da eine Synapsen, als Karsten im Tanelorn-Podcast von seinem Problem mit Cyberpunk 2020 erzählt hat. Ich wickel es mal auf Solarpunk bezogen auf:

SP will ja wie gesagt zeigen, wie eine bessere Gesellschaft in einer optimistischeren Zukunft aussehen kann. Dies wieder bedingt quasi zwingend, dass das Setting ziemlich realistisch ist. Also zB keine Magie (wie zB Star Trek "Replikatoren"), auch keine Aliens, es gelten die bekannten Naturgesetze. Das ist zwangsläufig, weil ja sonst die Botschaft wäre "Eine schönere Welt kann es nur unter unmöglichen Grundprämissen geben", und das wäre ja nicht optimistisch sondern verheerend; das grausigste Weltbild überhaupt.

Karstens Problem mit CP2020 war nun - nachzuhören ab ca Minute 9:50 - dass dort quasi die Prämisse ist, dass man als Individuum die Welt verändern kann wenn man nur richtig gut in irgendwas ist. Und zwar auf Straßen-Maßstab, nicht "Ich habe ein Vermögen geerbt und daraus ein noch größeres Vermögen gemacht und jetzt bin ich Multimilliardär und lasse alle nach meiner Pfeife tanzen". Der Blechpirat aber glaubt nicht mehr daran, dass man zB als "guter Söldner, guter Hacker, guter Reporter" die Realität ändern kann.

Dem kann ich mich nicht verschließen. Bzw ich kann da meinen Disbelief suspendieren, wenn es halt eh um ein magisches Fantasysetting geht, da können Paladin Gardakan und Erzmagier Mordak die Mover und Shaker sein und zu zweit die Welt aus den Angeln heben. Aber in einem auf der Realwelt fußenden Setting, wie es wie gesagt jeder Solarpunk sein müsste -- "schwierig".
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat, die Nutella

Offline WeepingElf

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #87 am: 1.04.2026 | 21:47 »
Bei mir feuerten da eine Synapsen, als Karsten im Tanelorn-Podcast von seinem Problem mit Cyberpunk 2020 erzählt hat. Ich wickel es mal auf Solarpunk bezogen auf:

SP will ja wie gesagt zeigen, wie eine bessere Gesellschaft in einer optimistischeren Zukunft aussehen kann. Dies wieder bedingt quasi zwingend, dass das Setting ziemlich realistisch ist. Also zB keine Magie (wie zB Star Trek "Replikatoren"), auch keine Aliens, es gelten die bekannten Naturgesetze. Das ist zwangsläufig, weil ja sonst die Botschaft wäre "Eine schönere Welt kann es nur unter unmöglichen Grundprämissen geben", und das wäre ja nicht optimistisch sondern verheerend; das grausigste Weltbild überhaupt.

Da liegst Du völlig richtig! Solarpunk ist nichts ohne knallharten Realismus. Alles, was unrealistisch ist, ist kein Solarpunk; denn Solarpunk will uns zeigen, wie wir es machen können - wir, und keine magiebegabten Übermenschen, kein Gott, keine freundlichen Aliens werden uns dabei helfen. Das müssen wir selbst hinkriegen, und Solarpunk will uns zeigen, wie.

Karstens Problem mit CP2020 war nun - nachzuhören ab ca Minute 9:50 - dass dort quasi die Prämisse ist, dass man als Individuum die Welt verändern kann wenn man nur richtig gut in irgendwas ist. Und zwar auf Straßen-Maßstab, nicht "Ich habe ein Vermögen geerbt und daraus ein noch größeres Vermögen gemacht und jetzt bin ich Multimilliardär und lasse alle nach meiner Pfeife tanzen". Der Blechpirat aber glaubt nicht mehr daran, dass man zB als "guter Söldner, guter Hacker, guter Reporter" die Realität ändern kann.

Dem kann ich mich nicht verschließen. Bzw ich kann da meinen Disbelief suspendieren, wenn es halt eh um ein magisches Fantasysetting geht, da können Paladin Gardakan und Erzmagier Mordak die Mover und Shaker sein und zu zweit die Welt aus den Angeln heben. Aber in einem auf der Realwelt fußenden Setting, wie es wie gesagt jeder Solarpunk sein müsste -- "schwierig".

Der Einzelne kann in einer realistischen Welt nicht sehr viel machen, wenn er kein Superheld oder Milliardär ist, das stimmt. Aber manchmal kann ein Einzelner, oder eine kleine Gruppe, auch ohne "Superfähigkeiten" etwas bewirken. Bob Woodward und Carl Bernstein waren nur zwei Journalisten, aber sie haben Präsident Nixon zum Rücktritt gezwungen. In einer realistischen Solarpunk-Kampagne dürfte es nicht darum gehen, dass die SCs im Alleingang die Welt retten, indem sie den Einen Ring in den Vulkan werfen oder wie auch immer, sondern einen bescheidenen Beitrag dazu leisten, dass den Bösewichtern ein kalter Wind ins Gesicht bläst. Aber es gibt sie, die Kipppunkte, wo eine kleine Ursache eine große Wirkung zeitigen kann.
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Offline Feuersänger

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #88 am: 1.04.2026 | 21:57 »
Zitat
Bob Woodward und Carl Bernstein waren nur zwei Journalisten, aber sie haben Präsident Nixon zum Rücktritt gezwungen.

Das war vor fucking 50 Jahren. Heute funktioniert das schlicht nicht mehr. Von aktuellen Politikern sind doch viel größere Skandale bekannt, müssen nichtmal enthüllt werden weil sie von Anfang an komplett öffentlich sind, und trotzdem tritt einfach niemand mehr zurück, ganz egal was einer auf dem Kerbholz hat. Frei nach dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert". Und andersrum, wenn die Presse jemanden zu Tode hetzen will braucht sie dafür keinen faktischen Skandal, dann saugt sie sich einfach irgendwas aus dem Fingern oder bauscht eine Mücke zum Elefanten auf; siehe Springer. Und die private Presse schreibt halt, was ihre Eigentümer ihr vorgeben, womit wir wieder bei den Milliardären wären.
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Offline WeepingElf

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #89 am: 1.04.2026 | 22:07 »
Das war vor fucking 50 Jahren. Heute funktioniert das schlicht nicht mehr. Von aktuellen Politikern sind doch viel größere Skandale bekannt, müssen nichtmal enthüllt werden weil sie von Anfang an komplett öffentlich sind, und trotzdem tritt einfach niemand mehr zurück, ganz egal was einer auf dem Kerbholz hat. Frei nach dem Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert". Und andersrum, wenn die Presse jemanden zu Tode hetzen will braucht sie dafür keinen faktischen Skandal, dann saugt sie sich einfach irgendwas aus dem Fingern oder bauscht eine Mücke zum Elefanten auf; siehe Springer. Und die private Presse schreibt halt, was ihre Eigentümer ihr vorgeben, womit wir wieder bei den Milliardären wären.

Verstehe - heute ist das schwieriger, heute würden Bernstein und Woodward für ihre Recherchen gefeuert. Ein Donald T. kommt da mit ganz anderen Nummern durch, leider. Aber man sollte die Hoffnung niemals aufgeben, doch noch etwas bewirken zu können. Oder zumindest Teil einer Bewegung sein, die es versucht, statt den Kopf in den Sand zu stecken. Aber wir wollen hier nicht zu tief ins Politisieren einsteigen, auch wenn es sich in einer Diskussion um ein Genre, das einen so engen Bezug zu aktuellen Fragen hat, kaum vermeiden lässt.
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Offline JohnLackland

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #90 am: 1.04.2026 | 22:21 »
Nun, die Frage ist: Wer hat das Gewaltmonopol? In einer an unsere Realität angelehnten Welt liegt das Gewaltmonopol bei den Akteuren, die die Gesellschaft ausmachen. Feuersänger hat schon Recht, solche Welten rutschen immer in eine Dystopie ab, weil die Akteure keine alleinige Handlungsmacht haben. Dann ist man schnell bei Terrorismus usw. Beim heroischen Rollenspiel gibt es halt den Feind (TM), der von den Superhelden mit ihren übermächtigen Fähigkeiten besiegt werden kann. „Übermächtig” bedeutet in diesem Fall, dass sie weit mehr bewirken können als eine normale Person in einer Spielwelt.

Deshalb finde ich es bei Solarpunk spannend, welche Probleme sich dort entwickeln.  Wenn es eine Zukunft der Erde ist, dann werden Klimawandel, autoritäre Spinner, Misogynie usw. weiterhin eine Rolle spielen. Vielleicht ist es ein Blockstaatensystem und die Länder, die Solarpunk praktizieren, müssen sich gegen Feinde von innen und außen verteidigen. Gleichzeitig gibt es Probleme wegen des Klimawandels und vielleicht ist auch noch etwas mutiert, weil man nicht ordentlich aufgepasst hat. Die SCs könnten so etwas wie Ranger sein, die darauf achten, dass alles läuft und nett bleibt in Solarländern.

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #91 am: 1.04.2026 | 22:29 »
Letzten Endes wird's im Solarpunk "normalerweise" -- also ohne wirklich krasse und zufällig trotzdem für Lösungen durch ein paar Nasen empfindliche Bedrohung -- also wohl nicht gleich um die Rettung der ganzen Welt gehen. Damit kann ich leben, das ist ja auch für viele klassische Abenteuergenres ein bißchen viel und auch Bernstein und Woodward mögen zwar zentral an Nixons Rücktritt beteiligt gewesen sein, haben aber beispielsweise nicht gleich den ganzen Kalten Krieg auf einmal in rosa Wölkchen verpuffen lassen. :)

Irgendein "Das können die SC doch gar nicht schaffen!" wird's also immer geben. Aber das ist normal -- konzentrieren wir uns halt auf die Probleme, die sie angehen können. Gerade am Anfang einer Kampagne säubern ja selbst spätere D&D-Superüberhelden erst mal einen Keller von Ungeziefer oder legen sich mit einer kleinen Bande Goblins an, die friedliche Reisende belästigt, und ziehen nicht gleich los, um Orcus höchstselbst die Leviten zu lesen. Kümmern sich unsere Solarpunks aus der Nachbarschaft also vielleicht erst mal um die örtliche Wasserwerkverschwörung oder die leichtsinnige Jugendbande, die sich nachts mit noch mal aufgemotzten alten Verbrennervehikeln wilde Rennen liefert...

Offline WeepingElf

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #92 am: 1.04.2026 | 22:31 »
Nun, die Frage ist: Wer hat das Gewaltmonopol? In einer an unsere Realität angelehnten Welt liegt das Gewaltmonopol bei den Akteuren, die die Gesellschaft ausmachen. Feuersänger hat schon Recht, solche Welten rutschen immer in eine Dystopie ab, weil die Akteure keine alleinige Handlungsmacht haben. Dann ist man schnell bei Terrorismus usw. Beim heroischen Rollenspiel gibt es halt den Feind (TM), der von den Superhelden mit ihren übermächtigen Fähigkeiten besiegt werden kann. „Übermächtig” bedeutet in diesem Fall, dass sie weit mehr bewirken können als eine normale Person in einer Spielwelt.

Deshalb finde ich es bei Solarpunk spannend, welche Probleme sich dort entwickeln.  Wenn es eine Zukunft der Erde ist, dann werden Klimawandel, autoritäre Spinner, Misogynie usw. weiterhin eine Rolle spielen. Vielleicht ist es ein Blockstaatensystem und die Länder, die Solarpunk praktizieren, müssen sich gegen Feinde von innen und außen verteidigen. Gleichzeitig gibt es Probleme wegen des Klimawandels und vielleicht ist auch noch etwas mutiert, weil man nicht ordentlich aufgepasst hat. Die SCs könnten so etwas wie Ranger sein, die darauf achten, dass alles läuft und nett bleibt in Solarländern.

Ja. In meinem Solarpunk-Setting etwa gibt es eine Art Kalten Krieg zwischen der Demokratischen Allianz, die wie der Name sagt aus
Demokratien besteht, und der Liga Souveräner Nationen, in der sich diverse Diktaturen zusammengeschlossen haben. Die Demokratische Allianz hat sich zur Wende zur Nachhaltigkeit verpflichtet, mit der es aber nicht immer glatt läuft, es gibt dort Widerstände dagegen, vor allem seitens vieler Konzerne und der rechten Opposition. Umgekehrt gibt es in der Liga Souveräner Nationen Leute, die in Opposition zu dem Regime versuchen, etwas für die Wende zu unternehmen, und Firmen, die etwa in erneuerbare Energien investieren, und sei es nur, weil sich damit eben Geld verdienen lässt. Am Ende kommt es zum "Globalen Frühling", einer Welle demokratischer Revolutionen, die die Liga Souveräner Nationen und andere Länder erfasst. Damit endet der Kalte Krieg zugunsten der Demokratischen Allianz. Aber auch danach gibt es noch Widerstände und Konflikte, auch wenn die Wende zur Nachhaltigkeit kräftig an Fahrt gewinnt.

Letzten Endes wird's im Solarpunk "normalerweise" -- also ohne wirklich krasse und zufällig trotzdem für Lösungen durch ein paar Nasen empfindliche Bedrohung -- also wohl nicht gleich um die Rettung der ganzen Welt gehen. Damit kann ich leben, das ist ja auch für viele klassische Abenteuergenres ein bißchen viel und auch Bernstein und Woodward mögen zwar zentral an Nixons Rücktritt beteiligt gewesen sein, haben aber beispielsweise nicht gleich den ganzen Kalten Krieg auf einmal in rosa Wölkchen verpuffen lassen. :)

Irgendein "Das können die SC doch gar nicht schaffen!" wird's also immer geben. Aber das ist normal -- konzentrieren wir uns halt auf die Probleme, die sie angehen können. Gerade am Anfang einer Kampagne säubern ja selbst spätere D&D-Superüberhelden erst mal einen Keller von Ungeziefer oder legen sich mit einer kleinen Bande Goblins an, die friedliche Reisende belästigt, und ziehen nicht gleich los, um Orcus höchstselbst die Leviten zu lesen. Kümmern sich unsere Solarpunks aus der Nachbarschaft also vielleicht erst mal um die örtliche Wasserwerkverschwörung oder die leichtsinnige Jugendbande, die sich nachts mit noch mal aufgemotzten alten Verbrennervehikeln wilde Rennen liefert...

Genau! Superhelden sind unrealistisch, und haben schon von daher im Solarpunk nichts verloren. Aber es gibt genug Möglichkeiten für Abenteuer unterhalb dieser Ebene, Beispiele wurden in diesem Thema, denke ich, in genügender Zahl genannt. Wer eine Truppe Superhelden spielen möchte, die im Alleingang die Menschheit gegen böse Aliens verteidigt, der ist hier einfach im falschen Genre! Es hat ja niemand behauptet, dass Solarpunk ein Genre für jeden Geschmack ist.
« Letzte Änderung: 1.04.2026 | 22:36 von WeepingElf »
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Offline JohnLackland

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #93 am: 1.04.2026 | 23:01 »
Ja. In meinem Solarpunk-Setting etwa gibt es eine Art Kalten Krieg zwischen der Demokratischen Allianz, die wie der Name sagt aus
Demokratien besteht, und der Liga Souveräner Nationen, in der sich diverse Diktaturen zusammengeschlossen haben. Die Demokratische Allianz hat sich zur Wende zur Nachhaltigkeit verpflichtet, mit der es aber nicht immer glatt läuft, es gibt dort Widerstände dagegen, vor allem seitens vieler Konzerne und der rechten Opposition. Umgekehrt gibt es in der Liga Souveräner Nationen Leute, die in Opposition zu dem Regime versuchen, etwas für die Wende zu unternehmen, und Firmen, die etwa in erneuerbare Energien investieren, und sei es nur, weil sich damit eben Geld verdienen lässt. Am Ende kommt es zum "Globalen Frühling", einer Welle demokratischer Revolutionen, die die Liga Souveräner Nationen und andere Länder erfasst. Damit endet der Kalte Krieg zugunsten der Demokratischen Allianz. Aber auch danach gibt es noch Widerstände und Konflikte, auch wenn die Wende zur Nachhaltigkeit kräftig an Fahrt gewinnt.

Finde die Idee spannend. Es wäre halt mehr social Games und ab und an Dreckarbeit und hat was von anderen *Punk Spiele.

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Re: Solarpunk - what do the Characters do?
« Antwort #94 am: 2.04.2026 | 10:06 »
Finde die Idee spannend. Es wäre halt mehr social Games und ab und an Dreckarbeit und hat was von anderen *Punk Spiele.

Danke!
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