Wobei Tolkien eigentlich nach wie vor nicht als Fantasyautor zu bezeichnen ist, sondern als Linguist. Am Ende musste er halt eine Welt entwerfen, in der seine Sprachen gesprochen werden und das ging natürlich nur über das Erzählen von Sagas. Aber im Endeffekt war Mittelerde nur ein ''Abfallprodukt'' seiner Kunstsprachen - umso schöner, dass er trotzdem (oder gerade deswegen) diese Verehrung erfährt.
Ja - er war ein leidenschaftlicher Sprach- und Mythenforscher, dessen größte Freude es war, seine eigenen Sprachfamilien zu basteln, und er merkte schon früh in seinem Bastelprozess, dass er dafür einen Hintergrund brauchte, und darum schrieb er das
Book of Lost Tales, das er später zum
Silmarillion umarbeitete. Man darf nicht vergessen, dass für ihn selbst stets dies sein Hauptwerk war, und der
Herr der Ringe nur eine vom Verlag angefragte Fortsetzung des
Hobbits, der wiederum nur ein Nebenprojekt war - eine hübsche Geschichte, die er seinen eigenen Kindern erzählt hatte und lediglich einige Anspielungen auf die Mythologie enthielt, und nur zufällig den Weg zum Verlag fand, weil einer von Tolkiens Söhnen einen Schulfreund hatte, dessen Vater Verleger war. Tolkien mochte es selbst nicht, als "Fantasy-Autor" bezeichnet zu werden; "Fantasy", das waren für ihn solche Sachen wie die "Conan"-Geschichten vom Robert Howard, und damit hatte er rein gar nichts am Hut.
GRRM agiert auf einer völlig anderen Ebene. Er hat mit Westeros und dem Lied von Feuer und Eis sein eigenes, inzwischen 30 Jahre altes Magnum-Epos geschaffen, und dieses stark an verklausulierte irdische Vorbilder wie dem Hundertjährigen Krieg angelehnt. Es hat seine Stärken und seine Schwächen, aber der große Hype begann ja eigentlich erst mit der TV-Serie.
Ich habe davon nur den ersten Roman gelesen, und den auch nur zur Hälfte, es war mir zu viel Schwertgeklirr in einer nichtssagenden Fantasywelt, die obendrein, Du sagst es, vom Hundertjährigen Krieg abgekupfert ist. Martin ist weder der "amerikanische Tolkien" noch der "Tolkien unserer Zeit" (schon allein weil er
kein Sprachenerfinder war - als HBO für die TV-Serie die Sprachen der Dothraki und Valyrier brauchte, mussten sie David J. Peterson damit beauftragen, sie zu bauen); beide Titel passen eher auf den eher unbekannten Mark Rosenfelder, der
eine sehr detaillierte Welt mit mehr als 20 fiktiven Sprachen ausgearbeitet hat - übrigens aus einem D&D-Kampagnensetting entwickelt, das er mal für einen Freund gebastelt hatte. Ich würde Rosenfelder jetzt nicht mit Tolkien gleichsetzen, aber er kommt dem doch näher als Martin.