Ist das nicht generell eine Tendenz in den letzten Jahren, dass irgendwelche Dinge angedeutet ("angeteasert" werden), in der Hoffnung, dass das die Spannung auf die spätere Auflösung erhöht? Meine sogar, dass das etwas ist, was in Diskussionen über Weltenbau regelmäßig vorgeschlagen wird; vermutlich gibt es sogar eine kanonische Referenz dafür.
Mein Eindruck ist, dass damit Forderungen nach "weirdness", "sense of wonder" etc. bedient werden sollen.
Ich finde, es gibt da einen Unterschied zwischen dem "anteasern" eines (eventuell vermeintlich) vorhandenen Geheimnisses und Story- und Settingseeds, die Sense of Wonder erzeugen.
Ich bin ja ein großer Fan von Rollenspielen, die letzteres erfolgreich schaffen - Numenera ist ein in meinen Augen nur halbwegs gelungenes Beispiel, weil auch da manches zu sehr im vagen bleibt; am liebsten mag ich in der Hinsicht immer noch Troika!, das praktisch nur aus solchen Sense-of-Wonder-Saatkörnchen besteht. Die funktionieren aber nur, wenn viele davon "strangely specific" sind, sodass sich daraus unmittelbar eine oft bildhafte Spielsituatioin ergibt. Bei Troika gibt es die Parchment Witch als Charaktertyp/Monster, ein scheinbar menschliches Wesen, das aus Pergament besteht und Schaden nimmt, wenn es nass wird. Woher, weshalb, warum? Erst mal egal bzw. kann man sich selbst überlegen, aber es ist erst einmal ganz konkret, mit unmittelbaren Auswirkungen auf konkrete Spielsituationen.
Die Art von SoW habe ich bei M6 bisher nirgends, das ist aber vielleicht auch gar nicht sinnvoll bei einem Setting, das auf lange Sicht durchaus konsistent beschrieben werden will. Statdessen gibt es halt viel diffus-allgemeine Mysterien, mit dem Risiko, dass der Versuch, sie eigenständig mit Leben zu füllen, mit späteren Beschreibungen kollidiert. Außerdem ist es halt einfach schwerer, eine Setzung wie "der Mond sieht für alle verschieden aus" mit Leben zu füllen als "dein Gefährte ist aus Papier, und ups, da ziehen dunkle Wolken auf!"
In anderer Weise hat mich das schon bei den "weißen Flecken" bei Splittermond gestört, die nur aus einem Ortsnamen mit dem "Versprechen", dass es dazu keine offiziellen Setzungen geben werde und man sich hier austoben könne, bestanden haben. Schön und gut, aber einen Ort erfinden und auf eine Weltkarte setzen kann ich sowieso! Entscheidend ist, dass dann auch ein paar Hooks geliefert werden, am besten "strangely specific", und DANN das Versprechen, dass mehr dazu nicht kommt! (okay, das ist Splittermond dann in ein paar Supplements auch besser drin geworden ...).
M6 eiert in der Beziehung für mich herum, und ich erwarte auch nicht, dass hier jetzt noch die tollen Hooks kommen - das scheint einfach nicht dem Naturell der Designer zu entsprechen. Ich glaube, die wollen schon eine ausgearbeitete Welt liefern und sich da auch nicht zu viel durch zu wilde Ideen verhageln. Deshalb denke ich, dass da eher auf lange Sicht etwas Interessantes aus den ja schon ungewöhnlichen Setzungen wachsen könnte.
Bisher fährt Damatu für mein Gefühl jedenfalls mit angezogener Handbremse.