Autor Thema: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing  (Gelesen 46403 mal)

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Offline Feuersänger(N/A)

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #50 am: 13.06.2008 | 15:11 »
Und "Geschichte erzählen" ist in deinen Augen kein Railroading?

Reiß halt bitte nicht ein Teilzitat aus dem Kontext. Boomslang schrieb weiterhin
Zitat
und noch nichtmal Rollenspiel
Und wenn's kein Rollenspiel ist, stellt sich die Frage nicht, ob es nun Railroading ist oder nicht, da der Begriff Railroading nur im Rollenspielkontext verwendet wird (hab ich jdf sonst noch nie gehört oder gelesen).
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

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Offline Dr.Boomslang

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #51 am: 13.06.2008 | 15:33 »
Schauspieler und Theaterspieler folgen ja auch absolut dem, was der Regisseur sagt. Sie finden das in Ordnung, wenn jemand anderes bereits die Geschichte vorgegeben hat. Ihr anspruchsvoller Job besteht darin der Geschichte Colour zu geben - und haben normalerweise auch noch ne ganze Ladung Spaß ihre Rolle zu spielen. Geht das in 'unserem' Rollenspiel nicht auch?
Selbstverständlich geht das im Rollenspiel auch. Das was du beschreibst wäre genau eine Kompetenzverteilung im Sinne des Plots wie ich sie gemeint habe. Sie ist sehr einseitig, vielleicht sogar extrem einseitig, was Verantwortung, Aufwand und Einfluss des SL angeht, aber es ist, wie du schon sagst, eine funktionierende Verteilung der Aufgaben. Da ist also nichts mit Railroading!

Und "Geschichte erzählen" ist in deinen Augen kein Railroading?
Nein. Wieso sollte es?
- "Opa, Railroadest du uns heute mal Hänsel und Gretel?" - Nein, Opa liest es einfach vor, er erzählt. Wenn ein SL mit seinen "Spielern" das gleiche machen möchte, dann ist es auch das gleiche. Wenn die "Spieler" auch nicht mehr erwarten, dann ist alles ok. Spieler steht hier in Anführungszeichen, weil man das im gängigen Sprachgebrauch unter diesen Umständen Zuhörer nennt und nicht Spieler.
Geht man einen kleinen Schritt weiter und erlaubt den Spielern Color gemäß ihrer Rolle hinzuzufügen, dann ist es vielleicht sogar sowas wie ein echtes Rollenspiel, ein Rollenspiel mit einer sehr einseitigen Rollenverteilung, aber dann ist es eins. Und es ist kein Railroading, sondern das Erzählen einer Geschichte mit einer bestimmten Rollenverteilung.

Also "Geschichte erzählen" ist in meinen Augen der Prototyp des Railroadings.
Also "Überschreitung von Kompetenzen" würde ich entweder als "Überschreitung von Kompetenzen" oder von mir aus auch als "dysfunktionales RPG" oder auch als "Regelbruich" bezeichnen.
Das ist in meinen Augen aber keiN Railroading.
Was in deinen Augen Railroading ist kann ich nicht beurteilen. Wie Vermi sagt ist das hier ein FAQ Thread, d.h. ich versuche zu erklären was der Begriff bedeutet, den Vermi benutzt. Dabei gehe ich vom Stand der Diskussion aus den Vermi hier auch verwendet.
Ich habe oben versucht zu erklären warum der Begriff des Railroading manchmal anders verstanden wird als diese bekloppten Theoretiker sich das mal ausgedacht haben. Ich nehme an das man deine Ansicht genau da wiederfinden kann.
Wenn du jetzt meinst, dass die meisten Leute aber deiner Ansicht sind und man Railroading deshalb neu definieren sollte, dann kannst du das gerne tun. Mach einen Thread auf und diskutiere warum deine Definition besser ist als die alte. Das wird sicher nicht einfach, aber wenn es dir wichtig ist...


Die Abgrenzung von Railroading und der einfachen "Überschreitung von Kompetenzen" ist, dass diese Überschreitung beim Railroading deutlich auf Kosten der Kompetenzen anderer Spieler geht. Diese anderen Spieler werden dann bedrängt und gelenkt durch die Interessen des Spielers der in den fremden Kompetenzbereich eindringt: Lenken anderer Spieler = Railroading. Man kann natürlich nur vom Lenken in diesem Sinne sprechen, wenn der Gelenkte sonst etwas anderes hätte machen können, also eigene Kompetenz gehabt hätte, die ihm aber genommen wird.

Insofern kann es natürlich auch railroadende Spieler geben. Spieler die Mitspieler railroaden, oder gar den SL. Aber das hat dann gar nichts mehr mit Scene Framing zu tun.

Eulenspiegel

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #52 am: 13.06.2008 | 16:16 »
Beim typischen Railroading (wie z.B. in DSA-Abenteuern) ist es ja mitnichten so, dass man die Wahl zwischen verschiedenen Zügen hätte.
Also wenn ich die Definitionen jetzt richtig verstanden habe, dann gibt es bei DSA-Abenteuer kein Railroading, sondern nur Partizionismus. (Weil jeder weiß, wie DSA-Abenteuer ablaufen. - Wenn er sich also einverstanden erklärt, das DSA-Abenteuer zu spielen, dann ist er auch mit den dort verwendeten Techniken einverstanden. Und damit ist es kein Railroading, sondern Partizionismus.)

Boomslang schrieb weiterhinUnd wenn's kein Rollenspiel ist, stellt sich die Frage nicht, ob es nun Railroading ist oder nicht,
Ich wollte hier keine "Was ist Rollenspiel" Diskussion anfangen.
In meinen Augen ist "Geschichten erzählen" tausendmal mehr Rollenspiel als "D&D 4 Figuren auf dem Kampftisch herumschieben."
Boomslang sieht das scheinbar anders.

Aber da es in diesem Thread nicht um die Frage "Was ist eigentlich Rollenspiel?" geht, bin ich auf diesen Seitenhieb von Boomslang nicht eingegangen. Falls du (oder Boomslang) das jedoch für wichtig erachtet, dann macht ruhig einen extra Thread mit dem Titel "Geschichten erzählen ist kein Rollenspiel" auf.

Das kommt auf den Zeitpunkt/ die Vorgeschichte an. Was ist zu dem Zeitpunkt nachdem man die Tischregeln festgelegt hat - d.h. typischerweise mit dem Spielen angefangen- hat gültig gewesen?
Was ist, wenn man sich überhaupt nicht geeinigt hat? Man ist einfach auf einen Con gegangen, der SL hat die fertigen Charbogen ausgeteilt und man spielt los.
Zwei Spieler finden die Art und Weise, wie der SL spielt, toll. Und zwei andere finden es blöd.
Ist es jetzt Partitionismus oder Railroading?

Zitat
Der Rest hört sich an wie "erlaubte Geschwindigkeitsübertretung" wenn einer auf dem Nürburgring rast, um es von unerlaubter Geschwindigkeitsübertretung innerorts zu unterscheiden.
Nein. Es geht darum, dass es einen Oberbegriff gibt. Zum Beispiel "schnell fahren".
Und dieser Oberbegriff teilt sich dann auf in zwei Bereiche:
Erlaubtes Schnellfahren und unerlaubtes Schnellfahren.

BTW:
Es gibt tatsächlich den Begriff "erlaubte Geschwindigkeitsübertretung" im Gegensatz zur "unerlaubten Geschwindigkeitsübertretung".
Weil Geschwindigkeitsübertretung sagt nur aus, dass man schneller fährt, als die Schilder die Höchtsgeschwindigkeit ausschildern. Einigen Politikern, sowie Feuerwehr und Polizei im Einsatz ist es allerdings erlaubt, diese Höchstgeschwindigkeit zu übertreten. Das ist dann eine erlaubte Geschwindigkeitsübertretung. (Nach deiner Ansicht, müsste man dem ganzen einen komplett neuen Namen geben, da es ja per Definition keine erlaubte Geschwindigkeitsübertretung geben darf.)

Zitat
Railroading ist letztlich keine Technikbeschreibung sondern eine Vergehensbeschreibung, so wie um es mal extrem auszudrücken einvernehmlicher Sex keine "gute Vergewaltigung" ist.
Nein, aber eine Vergewaltigung ist verbotener Sex.
Sex ist sozusagen der Oberbegriff. Und Vergewaltigung und "einvernehmlicher Sex" sind zwei Unterarten davon.

Ebenso ist Railroading der Oberbegriff.
Und Partizionismus und "kompetenzübergreifendes Railroading" sind zwei Unterarten davon.

Du machst den Fehler und vergleichst Railroading mit Vergewaltigung.
Statdessen müsstest du Railroading mit Sex vergleichen. Und "regelwidriges Railroading" wäre dann Vergewaltigung.

Nein. Wieso sollte es?
- "Opa, Railroadest du uns heute mal Hänsel und Gretel?" - Nein, Opa liest es einfach vor, er erzählt.
Es soll ja nciht darum gehen, dass Opa die Geschichte vorliest.
Richtiger wäre:
- "Opa, können wir Hänsel und Gretel nachspielen? Ich bin Hänsel, meine Schwester ist Gretel und du übernimmst den Part von der alten Hexen und unseren bösen Eltern."

Dann wäre es imho Railroading in Reinkultur, weil ja schon von vornherein feststeht, was die Charaktere tun, wie die Geschichte abläuft, und dass die alte Hexe zum Schluss im Ofen landet.
(Und imho ist das sogar Rollenspiel. - Aber auf die Frage, was echtes Rollenspiel(tm) ist, wollte ich mich ja in diesem Thread hier nicht einlassen.)

Zitat
Geht man einen kleinen Schritt weiter und erlaubt den Spielern Color gemäß ihrer Rolle hinzuzufügen, dann ist es vielleicht sogar sowas wie ein echtes Rollenspiel, ein Rollenspiel mit einer sehr einseitigen Rollenverteilung, aber dann ist es eins.
Genau das habe ich doch gesagt: Die Spieler streuen regelmäßig etwas Colour ein!

Zitat
Was in deinen Augen Railroading ist kann ich nicht beurteilen. Wie Vermi sagt ist das hier ein FAQ Thread, d.h. ich versuche zu erklären was der Begriff bedeutet, den Vermi benutzt.
Genau. Das ist ein FAQ Thread.
Und die Frage lautet: "Was ist Railroading?"
Die Frage lautet nicht: "Was versteht Vermi unter Railroading?"

Zitat
Ich habe oben versucht zu erklären warum der Begriff des Railroading manchmal anders verstanden wird als diese bekloppten Theoretiker sich das mal ausgedacht haben.
OK, das kann sicherlich interessant sein.
Aber wenn ich eine FAQ zu Fremdwörtern mache, dann will ich die Fremdwörter erklären und nicht beantworten, warum irgendwelche Laien darunter etwas anderes verstehen.

Wenn in einer FAQ zum Beispiel steht: "Was ist Schizophrenie?", dann will ich dort erklärt haben, was die Mediziner darunter verstehen und nicht, was die Laien darunter verstehen. (Und ein Absatz, in dem steht, dass Laien darunter häufig "multiple Persönlichkeiten" verstehen und warum sie das tun, wäre sicherlich interessant. Aber das ist nicht die Hauptantwort der Frage und sollten nur einen kleinen Teil der Antwort ausmachen.)

Offline D. Athair

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #53 am: 13.06.2008 | 16:37 »
... ohne Worte!
"Man kann Taten verurteilen, aber KEINE Menschen." - Vegard "Ihsahn" Sverre Tveitan

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #54 am: 13.06.2008 | 16:46 »
... ohne Worte!

Besser hätt ichs auch nicht sagen können.
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

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Eulenspiegel

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #55 am: 13.06.2008 | 16:52 »
... ::)

Online Crimson King

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #56 am: 13.06.2008 | 17:06 »
... ::)

Das war jetzt der erste Eulenspiegel-Post seit Monaten, den ich komplett gelesen habe. ~;D
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

Offline Hr. Rabe

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #57 am: 13.06.2008 | 17:08 »
Das war jetzt der erste Eulenspiegel-Post seit Monaten, den ich komplett gelesen habe. ~;D

...und der außerdem verständlich und präzise formuliert war. ;D
#define EVER ( ; ; )


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Offline Lord Verminaard

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Re: Vermi erklärt Railroading und Aggressive Scene Framing
« Antwort #58 am: 13.06.2008 | 17:16 »
Genau genommen lautet das Thema dieses Threads nicht "was ist Railroading", sondern, wie im Titel steht, "Vermi erklärt Railroading". Das hat er gemacht, damit ist das Thema durch. Und aus.

--Thread closed--
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Ich stehe nackt und hilflos vor dem Morgen, nie war ich so stark


Danger Zone Blog - Vermi bloggt über Rollenspiel und Blood Bowl