Autor Thema: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!  (Gelesen 16208 mal)

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Offline Beral

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #50 am: 12.02.2009 | 20:19 »
Jetzt stellt sich mir jedoch folgende Frage: Ist es wirklich so unmöglich, wie es Romane ja auch vormachen, in einigen Punkten einfach mal abzuweichen und neue Wege zu gehen?

Was wäre zum Beispiel wenn man ein Spiel, ohne Rassen und ohne Gut/Böse Szenario aufbaut und den Rest weitestgehend so lässt. Wäre das für den allgemeinen Fantasy-Fan schon zu viel?
Nö. Und nö.
Über die Hälfte deiner Aufzählung zähle ich zu den negativen Punkten von Fantasyrollenspielen. Ich wünsche mir Spiele, die das nicht enthalten. Sehr gern auch ein Fantasyspiel, das alle Punkte aus der Auflistung gezielt meidet.

Allgemein zum Thread: REIGN und AERA fallen mir als Alternativen ein.
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Offline scrandy

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #51 am: 12.02.2009 | 21:32 »
Zitat
Über die Hälfte deiner Aufzählung zähle ich zu den negativen Punkten von Fantasyrollenspielen. Ich wünsche mir Spiele, die das nicht enthalten. Sehr gern auch ein Fantasyspiel, das alle Punkte aus der Auflistung gezielt meidet.
Ok, sehe ich natürlich auch so, aber gemeint war ja auch der "durchschnitts Fantasy-Spieler". Ich gehe einfach mal davon aus, dass jeder, der sich im Theorie-Bereich von Tanelorn bewegt, aufgeschlossener ist als der durchschnitts Fantasy-Fan. Es ist natürlich klar, dass mit Erfahrung auch der Anspruch steigt bzw. man einfach mal was anderes sehen will. Wenn ich allerdings an meinen Freundeskreis denke mit dem ich glücklicherweise mein eigenes Spiel testen kann und dann irgendwann das Thema DSA aufkommt, dann sind die durchaus weniger aufgeschlossen und begeistern sich sofort für eine Runde "tötet den bösen Schwarzmagier" im Sinne der obigen Punkte.

Meine Fragen zielen vorallem darauf, ob es immer diese Extreme sein müssen. Auf der einen Seite gibt es eine Unmenge DSA-Fanboys die Fantasy auf alle Zeiten mit dem klassischen heroischen EDO-Stil festschreiben wollen und auf der anderen Seite stehen die paar "Eingeweihten", die wissen das es noch mehr da draußen gibt und die EDO-Schiene ganz meiden. Und anstatt neue Autoren das Mittelfeld mal ein wenig aufweichen und Mainstreamtauglich auch mal etwas Kreativität einfließen lassen wird kopiert und kopiert um bloss keine Risiken einzugehen.

Zitat
Allgemein zum Thread: REIGN und AERA fallen mir als Alternativen ein.
Ja das wäre was für den Listen-Thread. Allerdings finde ich das Aera einfach nicht aus der Betaphase herauskommt. Ich habe Aera gelesen schon bevor ich mein eigenes Spiel gestartet habe und das war jetzt schon über zwei Jahre. Aera hat aber meiner Meinung nach das Perfekte Design und es hapert eher an den Regeln und den Handlungsmöglichkeiten. Die Welt finde ich außerdem klasse. Hätte echt potential genau diese Lücke die ich beschrieben habe zu füllen, müsste halt nur mal fertig werden. Reign kenne ich noch nicht.
« Letzte Änderung: 12.02.2009 | 21:34 von scrandy »
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Offline reinecke

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #52 am: 15.02.2009 | 00:40 »
Auf seiner Webseite lässt der Romanautor (und u.a. Diplom-Physiker für alle anstrengenden Hard-SF-Fetischisten) Dietmar Dath in der 3. Spalte von links (draufklicken zum Lesen!) seine Ansichten zu Fantasy und Science-Fiction ab. Die widersprechen zum Teil den gängigen Meinungen hier im Forum (auch schon einigen hier im Thread genannten).
Zitat von: Dietmar Dath
Fantasy beschäftigt sich mit Offenbarungen; Science Fiction damit, etwas auf anstrengendere Art herausfinden und anwenden zu müssen. Also nicht: Fantasy ist das Unmögliche, Science Fiction das Mögliche. Sondern:
aber lest selbst, vielleicht enthält es ein paar spannende Impulse. :)

Offline Yerho

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #53 am: 15.02.2009 | 14:47 »
Ähnliches hat John Clute schon vor Jahren geschrieben:

"Die SF ist eine Literatur möglicher Welt-Veränderungen, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mögen, sie ist die mögliche Fortsetzung der Historie über die Sandriffe des Jahrtausends, hinein in wackere neue Jahrhunderte. [...] SF-Autoren führen uns veränderte Welten mit Begriffen vor, die mit der Sprache und den Annahmen und Argumenten gegenwärtiger Wissenschaft oder mit Begriffen vereinbar sind, die unserem grundlegenden Gefühl entsprechen, dass die Geschichte der Menschheit ununterbrochene Realität ist und Veränderungen dem entströmen, was wir als Realität kennen."

Sprich: SF erfordert als Basis unsere reale Welt mit ihrer realen Historie, während Fantasy losgelöst davon existiert. Der Fantasy dienen Aspekte unserer (historischen) Realität als Kulisse, sind jedoch nicht einmal andeutungsweise Bestandteil des Plots. Diese Unterscheidung zwischen den Darstellungsformen und dem Dargestellten ist der eigentliche Knackpunkt.

Selbst wenn also Star Wars technische Hartwurst wäre - was es nicht ist - fehlt dort einfach jeder Bezug zur menschlichen Gesellschaft, ihrer Geschichte und dem Weg, den sie eingeschlagen hat, bevor die Fiktion einsetzt. Es spielt eben "Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis ..." und ist damit (absichtlich?) komplett losgelöst. Vergleicht man dies mit Star Trek, gilt genau das Gegenteil. Auch wenn die Technik und auch andere Elemente häufig Humbug sind, ist es doch eine mögliche Vorstellung davon, welchen Weg die menschliche Gesellschaft einschlagen kann. Und da Technik zur Darstellungsform gehört, wäre das für die Zuordnung nebensächlich, da die Erzählabsicht entscheidend ist. Es ist ein verbreiteter Fehler, wissenschaftliche Plausibilität als Maßstab anzulegen, da dies allenfalls ein einzelner Indikator ist, der aber als solcher allenfalls dann ausreicht, wenn andere Indikatoren nichts Gegenteiliges andeuten.

Ganz wichtig: Wenn man solche Schubladen aufmacht, muss man sich darüber im Klaren sein, was man zu welchem Zweck sortiert. Niemand käme beispielsweise in der wirtschaftlichen Praxis auf die Idee, Star-Wars-Romane ins Fantasy-Regal zu stellen, weil sie dort niemand suchen würde. Die Space Opera wird hier schon ewig als Untergruppe der SF verstanden und man ist daran gewöhnt. Eigentlich müsste es ein ganz eigenes Genre sein, weil es die Erzählabsicht der Fantasy mit mehr oder weniger stark mit Elementen kombiniert, die traditionell zur SF gehören.

Der Normalverbraucher ist aber kein Medienwissenschaftler und sortiert nicht nach abstrakten, sondern nach offensichtlichen Merkmalen: Raumschiffe = SF, Magie = Fantasy. Normalerweise genügt das auch, aber schon als aufmerksamer Normalverbraucher merkt man schnell, dass diese Merkmale manchmal nicht genügen oder auch in die Irre führen können. Dann müsste man eigentlich zu wissenschaftlichen Kategorisierung kommen, da diese, auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner beruhend, tatsächlich immer zutrifft (Ich hab's mit Grenzfällen ausprobiert ...). Das Problem ist, dass sie der Gewohnheit widerspricht, man also beispielsweise etwas als Fantasy sehen müsste, was bisher landläufig als SF betrachtet wurde, oder man Fantasy neu bewerten müsste, weil es eigentlich SF sein könnte.

Dann wägt man einfach den Aufwand ab: Alte Gewohnheiten abschütteln oder mit gelegentlichen Definitionsproblemen leben? - Das muss aber jeder mit sich selbst ausmachen. Und egal, wie man sich entscheidet, man muss sich darüber im Klaren sein, dass Andere sich anders entscheiden haben könnten und man immer noch anderen Konzepten im Hinterkopf antreten muss, wenn man sich mit ansonsten Gleichgesinnten austauschen möchte.
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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #54 am: 15.02.2009 | 14:53 »
Dann wäre die Hintergrundwelt von Planescape und diesem neuen (40 Euronen, nette steampunkwelt, schwarzweiß, super Aufmachung...Scheiblingsduelle und Feldergang..Name vergessen...keine Würfel vorgeschrieben, nur, dass es 50/50 =Erfolg/Mißerfolg sein soll) jeweils SciFi, da das erste ohne Probleme unsere reale Welt umschließt und das letztere in ferner Zukunft nach de rkolonisierung fremder Planeten spielt, wobei dieser Hintergrund völlig nebensächlich ist und alles auch ohne unsere gute, alte Erde genauso funktionieren würde?

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #55 am: 15.02.2009 | 15:20 »
aber lest selbst, vielleicht enthält es ein paar spannende Impulse. :)

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Offline Yerho

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #56 am: 15.02.2009 | 15:59 »
Dann wäre die Hintergrundwelt von Planescape und diesem neuen (40 Euronen, nette steampunkwelt, schwarzweiß, super Aufmachung...Scheiblingsduelle und Feldergang..Name vergessen...keine Würfel vorgeschrieben, nur, dass es 50/50 =Erfolg/Mißerfolg sein soll) jeweils SciFi, da das erste ohne Probleme unsere reale Welt umschließt und das letztere in ferner Zukunft nach de rkolonisierung fremder Planeten spielt, wobei dieser Hintergrund völlig nebensächlich ist und alles auch ohne unsere gute, alte Erde genauso funktionieren würde?

Deine Frage enthält bereits die Antwort. :)
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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #57 am: 15.02.2009 | 16:18 »
Deine Frage enthält bereits die Antwort. :)
So macht man es sich aber einfach!
;)
na gut.


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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #58 am: 15.02.2009 | 16:31 »
[...] und diesem neuen (40 Euronen, nette steampunkwelt, schwarzweiß, super Aufmachung...Scheiblingsduelle und Feldergang..Name vergessen...keine Würfel vorgeschrieben, nur, dass es 50/50 =Erfolg/Mißerfolg sein soll) [...]
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Offline Yerho

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #59 am: 15.02.2009 | 16:43 »
So macht man es sich aber einfach!
;)
na gut.

Nun gut, ich schreibe noch etwas dazu.  ;)
Dass die Erde und die Menschheit erwähnt werden und existieren, gehört erst einmal nur zu Kulisse. Damit kann man für eine Kategorisierung erst einmal ebenso wenig anfangen wie damit, dass bestimmte historische Ereignisse für Geschehnisse in einem Roman Pate standen.

Ich kenne mich mit Planescape nun nicht aus, aber entscheidend ist im Grunde nur: Hat das Geschehen von Planescape irgend eine Auswirkung auf das soziale, politische, wissenschaftliche und kulturelle Leben unserer menschlichen Gesellschaft? Greift es an irgend einem Punkt unsere Realität mit allen erfahrbaren Vorgängen auf und führt sie entweder fort (Zukunftsroman) oder lässt sie in eine andere Richtung gehen, als wir es kennen (Alternativweltroman)?

Oder geschieht das Gegenteil, haben die Ereignisse unserer realen Welt unmittelbaren Einfluss auf den Plot von Planescape? Dann wäre es gänzlich wurscht, wie viele mystische Kreaturen, Schwertschwinger und Magiewirkende dort herumlungern, da Planescape dann so eine Art virtueller Raum wäre, der menschliche Entscheidungen reflektiert. In etwa so, als ob man eine Geschichte hat, in der eine virtuelle Welt à la "Matrix" geschaffen wird, nur dass es meinetwegen die Welt von DSA ist - in dem Moment, wo klar ist, dass die Welt von DSA im Computer existiert, taucht die Frage danach auf, welche Implikationen sich daraus für unsere Welt ergeben, auch wenn meinetwegen die kunterbunten Ereignisse der Welt im Computer den Hauptbestandteil der Erzählung ausmachen.
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Offline Merlin Emrys

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #60 am: 15.02.2009 | 17:56 »
Ne, danke. Das gibt ja Augenkrebs².
Man kann en Quelltext lesen. Ist wegen der Sonderzeichen zwar auch nicht perfekt, geht aber immer noch besser...

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #61 am: 15.02.2009 | 18:31 »
Habe gerade eine lange Antwort getippt, dann aber gesehen, dass das nur ein roter Hering wäre...
Also:
PS ist weder Zukunftsroman, noch Alternativwelt.
kann aber ohne Probleme als Alternativweltsetting gespielt werden (dieser HInweis findet sich auch in einer kleinen Randbemerkung zu den Metaebenen (Astral usw...))

Irgendwie ist der Punkt, dass sich unsere Welt irgendwo in die GEdschichte des SciFi-Settings einfügt schon wichtig, aber ich glaube es kommt dabei mehr auf die Motivationen an, die die Geschichte treiben.
Ein Krimi, in dem ein Serienmörder ohne nähere Motive mordet, ist ein Thriller. Wenn die Morde aus niederen Motiven erfolgen, oder gar aus sozialen Dilemmata heraus und dder Fokus auf den Ermittlungen liegt, dann haben wir den typischen Krimi.
Bei SciFi habe ich bisher folgende Plotts registriert:
Technik verändert Gesellschaft->Folgen (global)/Held verändert die Gesellschaft
Einzelner krempelt die Gesellschaft um
Es gibt ein Problem (Sucht, Rettungsaktion, ...) -> Technik wird extensiv zur Lösung genutzt.
Sence of Wonder

und Meistens sind die Bösewichter nicht nur schwarz, und es gibt zumindest Helfer des Guten, die ebensogut böse sein könnten...

Fantasy:
Messiahsgeschichten (!)
Märchen
Intrigen(meist um dunkle Mächte)
vom Knappen zum König
Parabeln (Terry Pratchett ;D )

vielleicht lässt sich über die Motive etwas herausfinden?
(so eher in Richtung Dietmar Dath, von oben)

Auf jeden Fall lese ich SciFi mit einem anderen Auge, als Fantasy. Die Möglichkeit, dass etwas so sein könnte gibt dem Ganzen einen bestimmten Reiz. (Wahrs. ähnlich dem Krimi, der ja realistisch sein soll, oder zumindest plausibel).
jepp, ich mag harte Scifi.

sers,
Alex

Offline Meisterdieb

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #62 am: 19.04.2009 | 20:01 »
- Ist das Nischendasein von kreativen Spielen gerechtfertigt (bzw. anders gefragt der Erfolg der Klischee-Settings)?
- Welche Eigenschaften hat Klische-Fantasy, dass es so populär macht?
- Wenn ihr die Möglichkeit hättet das Fantasy-Setting der Zukunft zu bestimmen, welche Veränderungen (Welt, Thema, Konzept) sollte es durchmachen. Oder sollte das Tolkiensche Erbe noch in 20 Jahren den Mainstream bestimmen?
Ich würde anstatt "Klischee" lieber "Standard"Setting verwenden, einfach nur deshalb weil Standar neutraler ist und Klischee immer einen etwas negativen Beigeschmack hat.

Das Nischendasein von kreativen Spielen (was auch immer das heißen soll) ist genauso wenig gerechtfertigt wie der Erfolg der Standardsettings gerechtfertigt ist. Die erfolgreichen Systeme sind deshalb erfolgreich, weil sie von mehr Leuten gekauft und bespielt werden als die Nischesysteme. So läuft das nunmal in der Welt.
Populär und erfolgreich sind sie deshalb, weil sehr viele Leute sie mögen.

Ein Fantasysetting der Zukunft zu bestimmen halte ich für unmöglich. Je nachdem, welche Vorliebenfür die Fantasy in der Zukunft vorherrschen werden, wird sich auch das Fantasy-Standard Setting verändern.
Der Trend scheint mir aber in Richtung Mischung aus Fantasy mit Tecnikelementen (modern, Steampunk, SciFi etc) zu gehen.


Ne, mal im Ernst: Eigentlich hast du ja recht damit. Nur geht es Skyrock und mir hier eher um die Atmosphäre von diversen Samstagsmorgencartoons als um eine tatsächlich "plausible" Spielwelt. Ich nehme mal an, du erinnerst dich auch noch an Blüten dieses Genres wie etwa den schon erwähnten He-Man. Die "SF-Elemente" waren darin eigentlich nur reine Kosmetik. Man muss dort nicht erklären, wie Fluggleiter und Laserkanonen funktionieren, oder warum der ganze primitive Mutantenhaufen dort in Eternia ansonsten noch im tiefsten, barbarischen Mittelalter rumhängt. Hauptsache ist, das Zeug erfüllt seinen Zweck im Plot und schaut dabei irrsinnig cool aus. Insofern sind in diesem Genre Magie und Technik beide verhältnismäßig austauschbar. Natürlich braucht man für solchen Quark eine ganze Menge "Suspension of Disbelief", da es mit "Science" im Grunde absolut nichts zu tun hat.
Diese Cartoons sind auch herrlich anzuschauen, aber eignen sich nicht unbedingt als Analogie fürs Rollenspiel.
Denn für mich gibt es bei diesen Cartoons viel zu viele Situationen, die nur deshalb funktionieren, weil man selber nur Zuschauer ist und sich ganz fest auf seine "Suspension of Disbelief" konzentriert.
Z.B. immer dann wenn ein Antagonist einen Plan hat, der wunderbar funktionieren könnte, nur zufällig stolpern die Protagonisten herein. Aber anstatt den Plan später und an anderem Ort nochmal zu versuchen (und dann müsste es ja auch klappen, weil die Protas woanders sind), muss der Antagonist immer der Serienlogik gehorchen und einen  neuen Plan aushecken.
Mal abgesehen davon, dass in den Cartoons die bösen Anführer nur dumme Tollpatsche als Gefolgsleute haben, und man sich fragen muss, wie diese es überhaupt schaffen, sich die Schnürsenkel selber zu binden.
Oder wenn zur Lösung eines Problems ein Protagonist einen bestimmten Zauber/ eine besondere Maschine/ einen speziellen Plan benutzt, was dann danach nie wieder zur Sprache kommt - auch nicht obwohl man es für spätere (geschweige denn frühere) Probleme wunderbar wieder mal verwenden könnte.

Versuch so eine "Welt" als Setting zu bespielen. Es mag als On-shot sicher wunderbar funktionieren, aber als Kampagne müsste man die Spieler schon sehr einschränken - und wenn auch nur deshalb, weil der normal Spieler Skeletor nichteinfach laufen lässt, sondern ihn tötet.

Anderes Beispiel aus den DC Comics: Arkham Asylum bei Batman. Da gehen die Bösewichter schneller raus, als Batman schauen kann. Es ist einfach nur noch lächerlich.
Wenn ich so etwas spielen müsste, würd ich meinen SL in den Arsch treten. Oder Batman's "Don't kill" Regel durch einen anderen Nachteil austauschen  >;D


Die klassische tolkieneske Fantasy ist eben nicht nur EDO, sondern auch von der Story her sehr archetypisch, großer böser Feind bedroht die „Guten“, Schlachten werden geschlagen, auserwählte Helden bestreiten wichtige Questen, von denen das Schicksal der Menschheit (Elfheit, Zwergheit) abhängt.
Interessanterweise habe ich das noch nie erlebt, und in EDO-Fantasy schon gar nicht.
Also du hast tatsächlich noch nie ein Abenteuer, das nach diesem klassischen Muster gestrickt war, gespielt oder geleitet. Wow, ich hab bis jetzt (aus irgendeinem Grund) immer angenommen, dass sowas jeder in seiner RPG Laufbahn erlebt.
Du hast auch noch nie Exalted gespielt? Oder eins von den Metaplot Abenteuern bei DSA oder Earthdawn?

Wenn ich da je einen "die armen Guten vor dem mächtigen Bösen schützen"-Konflikt erlebt habe, dann nach Manier des Westerns
Also wie jetzt? ~;D

Wenn ich da je einen "die armen Guten vor dem mächtigen Bösen schützen"-Konflikt erlebt habe, dann nach Manier des Westerns, wo eine bunte Truppe aus wandernden Tagedieben für eine Handvoll Dollar GM das Dorf von der Tyrannei der lokalen Indianer/Banditen/Männer des Viehbarons Goblins/Orks/Männer des Raubritters befreit.
Generell sehe ich bei EDO-Fantasy im Rollenspiel generell eher eine amerikanische Sichtweise, wo man nah und direkt an "The Frontier" arbeitet, ins Unbekannte vorstößt, sich selbst jenseits aller echten Autoritäten sein Recht und das Recht seiner Gemeinschaft mit "the right to bear arms" durchsetzt - und wo jeder kleine Mann mit seinen 3W6 in allen Attributen vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, indem er sich den Gefahren aussetzt, hart arbeitet und clever agiert.
Tolkiens implizite Sicht als Brite (!= Frontier-Mentalität) und Katholik (!= protestantische Arbeitsethik => Tellerwäscher zu Millionär) weicht da doch sehr stark von dem ab, was in Wisconsin geprägt wurde und was wiederum das Treiben an den Spieltischen weltweit geprägt hat. Was auch daran liegen mag, dass Gygax ganz andere literarische Vorbilder hatte und das Tolkiengeviech nur deswegen reingerührt hat, weil es gerade populär war.
Ich geb dir insoweit recht, als dass ich auch sehe, dass das Prinzip "Vom Tellerwäscher zum Millionär" ein Grundstein fürs RPG sein könnte, einfach deswegen weil es gewissermaßen ein XP oder Stufensystem darstellt.

Aber weder Fantasyrollenspiel im Allgemeinen, noch EDO, noch Abenteurergruppe, noch Abenteuerfahrt ins Unbekannte  etc sind eine amerikanische Erfindung. Schon lange vorher gab es mit den alten Sagen (u.a. der Griechen), den Märchen, den Epen und Geschichten der verschiedensten Völker, z.B. der Artussage und anderer Aventiuren in Europa gibt es all diese Elemente. Man hat die Elfen und Zwerge in den Nordischen Sagen; Titanen, Giganten, Medusa, Minotauros bei den Griechen; Zauberkundige (wie sie auch genannt werden, ob Magier, Hexen, etc) in den allermeisten Sagenkreisen, Jason und die Argonauten und Tolkiens HDR als Beispiel für eine Abenteurergruppe; die "Reise nach Westen", die Odyssee oder Alexanders Feldzug als Beispiel für die Abenteuerfahrt ins Unbekannte etc. pp. und noch viel mehr...
Der "Western" oder die "Frontier" ist nur die amerikanische Auslegung oder Version des alten Stoffes - denn auch hierbei handelt es sich ja immer nur um eine verklärte oder romantisierte Sichtweise auf die reale Historie (auch wenn es einige Versionen gibt, die viel blutiger sind als es die Realität hätte sein können).

D.h. also, für die amerikanischen Rollenspieler mag ein Grund zum Rollenspielen ihr nostalgischer Vorstellung von der "Frontier" sein, aber dieser Zugang ist ja für alle Europäer verschlossen (da wir keine naheliegende (zeitlich) entsprechende Epoche haben). Wenn aber diese "Frontier" oder "Western" (was für mich übrigens zwei vollkommen verschieden Aspekte sind) der Zugang oder Auslöser für Fantasy a la D&D wäre, dann würde es nur die Frage aufwerfen, weshalb auch wir Alt-weltler uns dem RPG zuwenden... Für uns Europäer liegt es wesentlich näher, unseren Zugang zum Medium in unserer Sagenwelt zu suchen als in der Saga der "Frontier".

Offline Waldviech

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #63 am: 19.04.2009 | 21:45 »
Zitat
Diese Cartoons sind auch herrlich anzuschauen, aber eignen sich nicht unbedingt als Analogie fürs Rollenspiel.
Tja, leider etwas aus dem Zusammenhang gerissen ;). Als Analogie für DAS Rollenspiel taugt sowas ganz sicher nicht - das war aber auch nicht der Punkt. Sie eignen sich natürlich nur als Analogie für Rollenspiele, die genau darauf ausgelegt sind, eben solche Cartoons zu spielen. Und genau um solche ging es dabei.

Zitat
D.h. also, für die amerikanischen Rollenspieler mag ein Grund zum Rollenspielen ihr nostalgischer Vorstellung von der "Frontier" sein, aber dieser Zugang ist ja für alle Europäer verschlossen (da wir keine naheliegende (zeitlich) entsprechende Epoche haben). Wenn aber diese "Frontier" oder "Western" (was für mich übrigens zwei vollkommen verschieden Aspekte sind) der Zugang oder Auslöser für Fantasy a la D&D wäre, dann würde es nur die Frage aufwerfen, weshalb auch wir Alt-weltler uns dem RPG zuwenden... Für uns Europäer liegt es wesentlich näher, unseren Zugang zum Medium in unserer Sagenwelt zu suchen als in der Saga der "Frontier".
Das Europäer keinen Zugang zur "Frontier-Mythologie" haben, halte ich für ausgemachten Blödsinn - das, was dort in Übersee so passiert, hat die Europäer lange lange Zeit enorm interessiert und fasziniert. Was meinst du wohl, warum Wildwest-Romane und später Western in Good Old Europe solche Verkaufsschlager waren ? Ich denke mal, der Zugang über die "Frontier" liegt genau so nahe oder fern wie irgend eine tausend Jahre alte Sage aus hiesigen Landen. Wichtiger als irgend eine Affinität zu uralten Mythen dürfte wohl der populäre Zeitgeist sein...
« Letzte Änderung: 19.04.2009 | 21:56 von Waldviech »
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Offline Meisterdieb

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #64 am: 21.04.2009 | 00:28 »
Das Europäer keinen Zugang zur "Frontier-Mythologie" haben, halte ich für ausgemachten Blödsinn - das, was dort in Übersee so passiert, hat die Europäer lange lange Zeit enorm interessiert und fasziniert. Was meinst du wohl, warum Wildwest-Romane und später Western in Good Old Europe solche Verkaufsschlager waren ? Ich denke mal, der Zugang über die "Frontier" liegt genau so nahe oder fern wie irgend eine tausend Jahre alte Sage aus hiesigen Landen. Wichtiger als irgend eine Affinität zu uralten Mythen dürfte wohl der populäre Zeitgeist sein...
Mein eigentlicher Punkt war ja, dass eben Frontier, Abenteuerfahrt, EDO etc keine amerikanische Erfindung ist, und der Zugang für jeden möglich ist - ob über Cowboys, olle Griechen, Kung-Fu Mönche oder was auch immer.
D&D ist nicht aus dem "Western" entstanden oder hat irgendwas damit zu tun (außer dass man es auch als Setting verwenden kann) - wenn man sich anschaut was Gygax davor mit seinen Fantasy Wargames gebastelt hat. Gygax selber hat immer von seiner Faszination am Mittelalter erzählt. Wenn er so stark vom Western geprägt worden wäre, hätte er wohl mehr Bürgerkrieg oder Unabhängigkeits Wargames gebastelt.

Zitat
Was meinst du wohl, warum Wildwest-Romane und später Western in Good Old Europe solche Verkaufsschlager waren ?
Aus dem selben Grund, weshalb andere Moden über den Teich wandern - weil es grad Mode ist. Sehr Ähnliches passierte mit dem Jazz, dem Rock'n'Roll etc oder dem belegten Brötchen (als Hamburger mal in die andere Richtung). Und passiert immer noch. Es gab eine Riesen Western Phase, aber genauso gab es die Private Eye Hochzeit und die Piraten Phase usw.
Und besonders beim Piraten- und Westerngenre sieht man auch den alten Traum davon, seines eigenen Glückes Schimied zu sein.

Beim Western und allem was so nach dem 2ten Weltkrieg aufkam, lag es auch schwer daran, dass einfach alles, was aus den USA kam, cool war.


Zum ursprünglichen Topic noch:
Ich seh das Problem jetzt nicht wirklich darin, dass sich die Settings zu sehr gleichen - also wie anderswo bemängelt immer der gleiche EDO Käse- sondern dass die Abenteuer (oder das was man machen kann) immer gleich bleibt.
Ob man jetzt EDO hat oder Echsenluftschiffpiraten, Trolldschungelranger, Warforged oder Exalted ist absolut egal, wenn das Abenteuer nach dem selben Schema abläuft
Genauso wie im TV z.B. die x CSI Serien nicht deshalb überflüssig sind, weil es quasi immer das gleiche Setting ist ( mit der Varianz: heiß-trockene Stadt, feucht-heiße Stadt, Smog-Snob Stadt), sonder weil die Abenteuer beliebig austauschbar sind.
[/überspitzt]

Aber ein Grund, weswegen wir das gestellte Problem
Zitat
Warum Kopiert das Fantasy-Genre sich eigentlich ständig selbst?
haben, ist wieder mal derselbe, weswegen wir dutzende, identische Serien haben: wenn sich ein Konzept bewährt, dann wird es benutzt (und leider oft auch bis zum Erbrechen ausgeweidet - siehe all die tumben Film Sequels a la Fast and Furious). Der springende Punkt ist aber, dass das Publikum mitzieht, es also offenbar will.

Und dieses Prinzip läuft in Film, TV, Game Industry und Literatur genauso ab. Man braucht sich nur anzuschauen, welche Filme, Bücher und Spiele Kritikerlieblinge oder tolle Innovationen sind, aber trotzdem nur ein Randerfolg bleiben (wenn sie denn nicht sofort floppen).

ChristophDolge

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #65 am: 21.04.2009 | 00:34 »
Zitat
Beim Western und allem was so nach dem 2ten Weltkrieg aufkam, lag es auch schwer daran, dass einfach alles, was aus den USA kam, cool war.

Ich schätze fast, er bezog sich eher auf die Karl-May-Western-Phase ... ::)

Offline Waldviech

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Re: Fantasy-Rollenspiel mal mit Fantasie!
« Antwort #66 am: 21.04.2009 | 07:57 »
....und auf die Cooper-Westernphase davor....Amerika-Begeisterung und Frontierromantik in Europa ist nicht allein eine Sache der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Das gab´s auch vorher schon recht heftig. Ist aber auch egal - mir geht es nur darum, daß die Behauptung, Europäer hätten keinen Zugang zur Frontiermentalität, nicht haltbar ist.

Das "Problem" der ewig gleichen Grundhandlungen ist übrigens schon lange lange bekannt und bezieht sich bei Weitem nicht nur auf Rollenspiele oder Fernsehserien. Schon bei volkstümlichen Märchen findet man in aller Welt die selben Grundmuster. Das hat mit sogenannten "Einfachen Erzählstrukturen" zu tun - wenn man es nur genug herunterbricht, sind auch CSI-Dingsbums und Fantasy zuweilen der selbe Brei.....
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