Autor Thema: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne ABGESCHLOSSEN  (Gelesen 30004 mal)

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Offline Drantos

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Hi,

mit Einverständnis unseres Chronisten Walter Sickert veröffentliche ich hier die Erlebnisse unserer Warhammer Runde. Wir spielen die Enemy within - Kampagne angepasst an WFRSP2.
 
Charakter:

1. Walter Sickert - Leichendieb/Einbrecher/Meisterdieb/Spion
2. Richard - Söldner/Veteran/Kämpe
3. Bernard - Barbier/Soldat/Arzt/Kämpe
4. Answald - Holzfäller/Kundschafter/Schütze,Hauptmann
5. Magnus - Magierlehrling (Feuerorden), Magierlord

SL - Drantos


Die folgende Erzählung beinhaltet einige Spoiler aus dem Abenteuer „The Oldenhaller Contract“ für WFRSP

1. Die Zusammenkunft

Da saß ich nun in meiner Bruchbude, mit der Miete drei Wochen im Verzug, und die Söhne der Vermieterin Martha hatten mir mal wieder mit Prügel gedroht, sollte ich bis zum nächsten Tag nicht gezahlt haben. Es wunderte mich, dass Hunold nur gedroht hatte - schien gut drauf zu sein. Doch das Gebrüll, was plötzlich vor dem Haus erscholl, ließ diesen Gedanken wieder rasch absurd erscheinen. Hunold und gut drauf, ja klar! An dem Tag, an dem der Reik von Nuln in die Black Mountains fließt vielleicht!

Neugierig schaute ich aus dem Fenster, um einen Blick auf den Unglücklichen zu erhaschen, der den Zorn des Schlägers auf sich gezogen hatte. Ich erkannte den adretten Typ, er hing neulich bei Doktor Herzeleid ab. Hervorragend, dachte ich, vielleicht hat er ja einen Auftrag für mich! Jedoch erkannte ich das typische verräterische Zucken in Hunolds rechtem Arm gerade noch rechtzeitig. Wenn er den feinen Pinkel zu Brei schlug, hätte sich der Auftrag erledigt gehabt. Ich warf einen letzten Blick auf die mit verfaultem Stroh gefüllte Matratze, die neben dem wohlgefüllten Nachttopf den einzigen Einrichtungsgegenstand meiner Behausung darstellte, und fasste spontan den Entschluss, mein Leben ein wenig umzugestalten.

Eine offizielle Kündigung meines Zimmers scheute ich aus den oben genannten Gründen. Aber der gezielte Wurf mit dem Nachttopf dürfte meinem Wunsch, das Mietverhältnis fristlos zu beenden, wohl hinreichend Ausdruck verliehen haben. Der Wurf gelang mir gut: Zum einen traf der Topf Hunold mit einem zufriedenstellenden, hohlen "Goooong" am Kopfe (ob das hohle Geräusch von Topf oder Kopf herrührte, vermochte ich nicht zu sagen). Zum anderen drehte er sich in der Luft rechtzeitig, um seinen Inhalt in vollem Umfang auf Haupt und Leib des Schlägers zu verteilen. Hätte Hunold statt massiven Knochen auch ein Gehirn im Schädel gehabt, wäre er bewusstlos geworden. So aber taumelte er nur schreiend umher und versuchte vergebens, sich die Scheiße aus den Augen zu wischen beziehungsweise nicht allzu viel davon in den Mund zu bekommen.

Jetzt hieß es aber, rasch zu handeln! Ich schnappte mein Bündel, rannte die Treppe hinab und stand vor dem Schönling. Bevor ich ihn mit mir zerren konnte, rief er laut, dass er einen Auftrag von Herzeleid für mich hätte. Verdammt, jetzt hatten Hunold und seine Schläger einen Anhaltspunkt, wo sie mir auflauern konnten! Aber egal, die unmittelbaren Probleme waren drängender als die der Zukunft. Rasch stieß ich den Boten Herzeleids, der sich mir später als Bernhard vorstellte, durch die finstersten Gassen in einen meiner geheimen Unterschlupfe. Hier bestätigte sich meine Vermutung: Bernhard war geschickt worden, um mit mir gemeinsam ein neues "Studienobjekt" zu organisieren. Hervorragend! Mein letzter Komplize hatte einen kleinen Unfall erlitten, die Situation beinhaltete einige Friedhofswächter und einen Armbrustbolzen... Dieser Bernhard kam mir gerade recht, so musste ich die zu besorgende Leiche nicht alleine schleppen!

Da auch unser Karren bei der genannten Aktion abhanden gekommen war, musste ein neuer her. Der Metzger Aashauer hatte ein geeignetes Gefährt. Da der Geizhals sein kaputtes Schuppenschloss noch nicht repariert hatte, war es ein leichtes, sich seinen Abfallkarren zu organisieren. Bernhard schaute die mit geronnenem Blut verschmierte, stinkende Karre skeptisch an, sagte jedoch nichts. Sodann durchkämmten wir die etwas dunkleren Gassen nach einem in freier Wildbahn verendeten Studienobjekt. Als aus einer Nebenstraße eine dunkle Gestalt floh und man im Anschluss das Klirren von Waffen sowie Schmerzensschreie hörte, war klar, dass es das Schicksal gut mit uns meinte!

Rasch schoben wir unseren Karren in die Gasse hinein, und in einem Hauseingang standen drei Männer um einen am Boden liegenden Toten. Die Leiche war übel zugerichtet; offenbar hatte der muskelbepackte Holzfäller, welcher sich später als Answald vorstellte, den Typ mit einem Baum verwechselt. Heulend saß er in der Ecke; wie sich später herausstellte, hatten der Erschlagene - der mit seiner schmalen Figur, den schwarzen fettigen Haaren und dem dünnen Schnurrbart verdächtig nach einem Mitglied der Valentinerbande aussah - und ein paar andere Schergen die Kameraden des Axtschwingers getötet und auch versucht, die beiden anderen Kerle - den aus Altdorf stammenden Streuner und Abenteurer Magnus sowie seinen zahmen Schädelbrecher Richard - in einen Hinterhalt zu locken. Obwohl der Zustand der Leiche vermutlich nicht den vollen Erlös bringen würde, packten Bernhard und ich sie erst mal in den Karren und verbargen sie unter den versifften Decken, die noch darin lagen. Die verdutzten Fremden guckten zwar recht sparsam, schienen jedoch froh, den Kadaver so unkompliziert loszuwerden - zumal auf den Straßen lautes Rufen und das Getrampel schwerer Stiefel zu hören war. Die Wache! Verdammt, sonst mieden sie diese Gegend doch wann immer es ging?

Als einziger Ortskundiger schaffte ich es schließlich, einen Weg aus dem Schlamassel herauszufinden, ohne den Gardisten in die Arme zu laufen. Daher folgten mir die Fremden wohl auch; eigentlich bin ich kein Freund von derartigem "Ballast", aber in der Nähe dieser Männer schien es nicht unwahrscheinlich, dass einige weitere profitable "Studienobjekte" anfallen könnten. Insbesondere der blutbesudelte Riese mit seiner ebenso blutbesudelten Axt schaute sich mit irrem Blick gehetzt um und murmelte immer wieder etwas von furchtbarer Rache. Ja, es würden weitere Möglichkeiten anfallen, ein paar raschverdiente Münzen zu machen! Zudem war da ja noch die Gefahr, dass mir die Söhne Marthas bei Herzeleid auflauerten, und mit den Verrückten im Schlepptau würden sie es sich zweimal überlegen, mich in das Kopfsteinpflaster einzumassieren.

Da wir uns der piekfeinen Gegend näherten, in der der Doc wohnte, mussten wir unseren Axtmörder zumindest grob in einen optisch passablen Zustand versetzen. Der Brunnen auf dem Taubenplatz (welcher seinen Namen zu recht trägt...) lag auf dem Weg, und da niemandem der Zustand des Wassers in der Dunkelheit auffiel, konnte Answald hier... nun ja, waschen wäre nicht das richtige Wort, aber er schaffte es, mit Hilfe der Flüssigkeit aus dem Brunnen (die nur zu einem überschaubaren Teil aus Wasser bestand) die gröbsten Blutanhaftungen von seinem Gesicht und Körper zu entfernen.

Bei Herzeleid angekommen, ging Bernhard erst mal ins Haupthaus, um mit dem Doc zu schwafeln. Derweil ließ uns einer der Diener zum Lieferanteneingang hinein. Unter den extrem kritischen Blicken der anderen kippte ich die Leiche wie gewohnt durch die Kohlenklappe in den Keller. Als Bernhard mir meine (trotz des Zustandes des Toten sehr mickrige) Bezahlung übergab, teilte er uns mit, dass der Doktor von einem Job erzählte, den der feine Herr Oldenhalder vom Stadtrat zu vergeben hätte. Da ich die Moneten dringend brauchte und der Oldenhalder nur faire und gut bezahlte Jobs anbietet, war ich interessiert. Auch die anderen schienen nicht abgeneigt, sodass wir uns mit Bernhard für den folgenden Tag auf dem Reiksplatz verabredeten.

Die drei Ortsunkundigen überlegten scheinbar, unter welcher Brücke sie die Nacht schlafen sollten. Aber da auch ich eine neue Unterkunft brauchte, schleppte ich sie mit ins Geschlachtete Lamm, denn zu viert kann man dort immer bessere Preise aushandeln als allein. Die schmierige Karre vom Aashauer stellte ich wieder - für zukünftigen Gebrauch - in seinem Schuppen ab. Nach einem kleinen Abendmahl und ein paar Humpen Bier, bei denen wir uns etwas besser kennenlernten, bezogen wir schließlich unsere Zimmer für die Nacht.

Es muss einige Stunden vor dem Morgengrauen gewesen sein, als ich im Nachbarzimmer einen meiner Kameraden zum Fenster stiefeln hörte. Ein kurzes Poltern, gefolgt von einem Schrei, der in einem lauten Knacken abrupt endete, ließen mich zum Fenster gehen und hinausschauen. Der kräftige Richard hatte augenscheinlich einen Einbrecher, welcher durch das Fenster einsteigen wollte, hinunter auf das Pflaster neben dem Kanal gestoßen, wo er nun mit verrenkten Gliedern lag. Der Kopf baumelte lose am gebrochenen Genick hängend über der Kante zum Kanal. Rasch huschte ich hinunter und durchsuchte den Einbrecher. Er hatte ein Blatt Papier, auf dem das Wappen der Valentinerbande prangte. Darunter waren ein paar Zahlen und Buchstaben. Ich steckte den Zettel ein, gab dem Toten (nach kurzem Zögern; es war zu weit und spät, um ihn zum Doktor zu schleifen) ein paar herzhafte Tritte bis er in die stinkende Jauche kullerte und ging wieder hinauf ins Bett.

Bevor ich einschlief, ließ ich mir die Ereignisse des Tages nochmal durch den Kopf gehen. Die Umgestaltung meines Lebens fühlte sich soweit ganz gut an, und irgendwie freute ich mich darauf, morgen eventuell einen gemeinsamen Job mit diesen doch recht erträglichen Fremden durchzuziehen.

Fortsetzung folgt...




« Letzte Änderung: 24.04.2013 | 15:34 von Drantos »
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Offline SeelenJägerTee

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #1 am: 13.03.2010 | 22:04 »
Sag ma Drantos könntest du die Schriftgröße normal machen?
Das ist echt unangenehm groß.

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #2 am: 13.03.2010 | 22:23 »
Ich finde das zum Lesen wesentlich angenehmer als den kleineren Schriftsatz.

Übrigens:  :d
Zitat von: William Butler Yeats, The Second Coming
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ErikErikson

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #3 am: 14.03.2010 | 08:27 »
Is echt angenehmer.

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #4 am: 14.03.2010 | 14:10 »
Sag ma Drantos könntest du die Schriftgröße normal machen?
Das ist echt unangenehm groß.


Hab ich extra auf 12 gesetzt, finde ich angenehmer zu lesen. Scheint ja auch bei 2/3 der Leserschaft gut anzukommen  ;D


Das Lob gebührt einzig dem Chronisten.


cu Drantos
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Offline Bad Horse

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #5 am: 14.03.2010 | 17:08 »
Dann gib es mal weiter!  :)
Zitat von: William Butler Yeats, The Second Coming
The best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity.

Korrekter Imperativ bei starken Verben: Lies! Nimm! Gib! Tritt! Stirb!

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Online sir_paul

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #6 am: 15.03.2010 | 14:24 »
Hab ich extra auf 12 gesetzt, finde ich angenehmer zu lesen. Scheint ja auch bei 2/3 der Leserschaft gut anzukommen  ;D

Na, dann steht es jetzt 50:50 :D

Ansonsten, bisher schön zu lesen. Bin mal gespannt wie es weiter geht. Ist schon etwas länger her das ich "Enemy Within" gespielt habe und dann auch nur bis zur Hälfte...

Offline Daniel

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #7 am: 15.03.2010 | 15:18 »
Naja, wer die Schrift gerne größer hätte, kann sich das ja auch in seinem Browser einstellen.

Zum Diary:  :d Ich hoffe, bald mehr zu lesen.

Offline Drantos

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #8 am: 16.03.2010 | 15:08 »
Im Laufe der Woche kommt ein update.


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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #9 am: 18.03.2010 | 00:02 »
Und weiter gehts...


Die folgende Erzählung beinhaltet einige Spoiler aus dem Abenteuer „The Oldenhaller Contract“ für WFRSP


2. Der unedle Edelstein


Am nächsten Morgen verzichteten wir auf das (erfahrungsgemäß nicht sehr schmackhafte) Frühstück im Geschlachteten Lamm und begaben uns direkt zum Reiksplatz. Unterwegs zeigte ich Magnus das Pergament, welches der nächtliche Besucher in seinen Taschen hatte. Magnus erkannte darauf das aktuelle Datum sowie das Wort „Malindi“. Die Bedeutung dieser Entdeckung sollte uns erst später bewusst werden, im Moment konnten wir keinen Sinn darin erkennen.

Auf dem Reiksplatz wurden wir an der großen Anschlagtafel bereits von Bernhard erwartet. Er hatte den entsprechenden Aushang bereits herausgesucht, jedoch fanden sich darauf keine besonderen Hinweise. Also führte ich die ganze Bande direkt zum Anwesen des alten Albrecht Oldenhalders. Seine Tür wurde uns auf Klopfen geöffnet, und die Diener boten uns einen Sitzplatz, Getränke und ein paar Frühstückshäppchen an. Der teure Fusel aus den edlen Flakons schmeckte so, als würde er regelmäßig verdünnt, um möglichst lange zu halten. Aber es vergingen keine zwei Minuten, und schon brachte einer der Angestellten eine unbeschriftete Tonflasche, deren Inhalt schon eher nach meinem Geschmack war. An so ein Leben konnte man sich gewöhnen!

Nach einer kurzen Wartezeit wurden wir zum Oldenhalder vorgelassen. Er kam auch gleich zur Sache und berichtete geheimniskrämerisch, dass wir ein gewisses Artefakt für ihn besorgen sollten. Es handele sich dabei um ein Juwel, welches eigentlich von der Schatzenheimerbande besorgt werden sollte. Zwar seien die Schatzenheimers im Besitz des Juwels, würden aber keinen Finger rühren, es auszuhändigen. Nun sollten wir die Diebesbande in ihrem Versteck aufsuchen und – auf welchem Wege auch immer – das Artefakt für den Oldenhalder beschaffen.

Da sich der Job soweit zu einfach anhörte, löcherten wir den Ratsherrn wir noch ein wenig mit Fragen. Und wen wunderts, auf einmal kam heraus, dass das Juwel einst in einen Ring eingelassen war, welcher der Legende nach von einem Hohepriester des Nurglekultes getragen wurde. Es erstaunte mich, dass der Oldenhalder dieses verbotene Wort so frei aussprach, und auch meine Kameraden schauten recht verdutzt aus der Wäsche. Zudem kam nun die Frage auf, wie man sich denn vor der legendären Ansteckungsgefahr schützen solle, die von allem, was mit Nurgle, dem Herrn der Verwesung und des Zerfalls zu tun hatte, ausging. Aber auch auf hierauf war der gewiefte Albrecht vorbereitet. Er händigte uns ein kleines Holzkästchen mit arkanen Symbolen aus, welches das Artefakt von seiner Umgebung abschirmen und so die Gefahr einer Ansteckung minimieren sollte. Kurt Holster, der Anführer der Schatzenheimers, solle sich im „Asylum“ aufhalten, einem unterirdischen Versteck, das sich die Bande mit den Valentinern und der Schmugglerbande von Dirk Hudermann teilen. Ich hatte noch nie davon gehört, obwohl es sich eigentlich in „meinem“ Stadtviertel befinden soll. Oldenhalder hatte außerdem das geheime Passwort der Schatzenheimers herausbekommen. (Nun machte auch der Zettel des Einbrechers Sinn, darauf war vermutlich das Passwort der Valentiner vermerkt.)

Ein sehr unbehaglich aussehender Angestellter führte uns sodann zu einer verfallenen Bruchbude, in deren Keller der Zugang zum Asylum sein sollte. Rasch verkrümelte er sich daraufhin, und unsere Truppe schritt die Treppe hinunter. Der Gang endete vor einer Tür, an der ein Schild prangte, dass man Klopfen und dann auf Einlass warten solle. Genau dies taten wir, doch nichts geschah. Richard war das Warten dann auch alsbald leid und stieß die Tür auf.

Wir betraten das Versteck – und wussten sofort, warum niemand die Tür geöffnet hatte. Die Einrichtung war zertrümmert, die Regale geplündert und überall lagen Leichen herum. Die meisten gehörten zu den Schatzenheimers, aber vereinzelt lag auch ein Toter mit den Zeichen der Valentiner zwischen den übrigen Dahingemetzelten. Augenscheinlich hatten die Valentiner die „Konkurrenz“ überfallen und ausgeraubt. Diese Vermutung wurde auch alsbald bestätigt. Ein für tot gehaltener und schwer verwundeter Mann bedrohte uns fahrig mit seiner Armbrust. Nachdem er durch Bernhard behandelt wurde und es ihm besser ging, erfuhren wir, dass die Valentiner das fragliche Juwel geraubt hatten. Er zeichnete uns eine Skizze von der benachbarten Valentinerbasis und führte uns zum Leichnam von Kurt Holster, bevor er sich nach draußen verkrümelte. Bernhard untersuchte den verstümmelten Kadaver des einstigen Bandenhauptmannes – und sprang mit einem erschrockenen Aufschrei zurück. Der Leib des Toten war mit den Anzeichen der Nurglepest übersät! Zitternd und bleich vor Schreck war sich Bernhard auch sofort sicher, sich infiziert zu haben, und hielt von nun an ein wenig Abstand zum Rest der Gruppe.

Nun wussten wir, dass Kurt das Juwel besessen hatte und es nun wohl in den Besitz von Emiliano, dem Anführer der Valentiner, übergegangen war – welcher sich, von einer erdrückenden Übermacht beschützt, im angrenzenden Trakt der Südländerbande befand! Ohne rechten Plan schritten wir durch die Tür in den dortigen Vorraum, doch noch ehe wir das Passwort aussprechen konnten, bugsierten uns die dort stationierten Wachen in eine große Lagerhalle und trugen uns auf, Kisten zu verladen. Sie hielten uns wohl für Arbeiter, nach denen zuvor geschickt worden war. So beteiligten wir uns zunächst an den Ladearbeiten, deren endgültiges Ziel wohl die Aufgabe des Versteckes war. Dem Getuschel der anwesenden Valentiner war zu entnehmen, dass die Schmuggler von nebenan wohl von Nurglekultisten angegriffen worden waren, welche ein bestimmtes Artefakt suchten, das El Chefe in seinem Zimmer aufbewahre. Die Schmuggler hatten die Valentiner um Hilfe gebeten, diese jedoch hatten den Verbindungsgang blockiert und so den Schmugglern ihren einzigen Fluchtweg verbaut.

Nach einiger Zeit stahlen wir uns zur Tür des Bandenchefs. Jedoch mussten wir zuerst an seinem großgewachsenen Leibwächter vorbei. Nachdem dieser seine übliche Bestechung eingestrichen hatte, klopfte er an der Tür seines Chefs. Als nach weiteren Klopfversuchen noch immer keine Antwort kam, brach der Hüne die Tür auf. Blutspuren auf dem Boden führten schließlich zur enthaupteten Leiche des Bandenanführers!

In dem nun entstehenden Tumult bemerkte ich, dass sich hinter einem Bücherregal ein Geheimgang befand. Flugs huschten wir hinein und schlossen die geheime Tür unbemerkt hinter uns. Der Blutspur folgend, gelangten wir in das Labyrinth der Nulner Kanalisation. Zum Glück sind die Skaven nur ein Märchen, um Kinder zu erschrecken. Dass ihre kleineren, realen Artgenossen auch mit Vorsicht zu genießen sind, mussten wir jedoch feststellen, als sich aus einem Seitengang ein ganzes Rudel katzengroßer Ratten zischend auf den armen Richard stürzte und sich einzelne der Tiere in seinem Fleisch verbissen. Nachdem wir einige der Nager erschlagen hatten, zog sich der Mob quiekend in den Tunnel zurück – nur um wenige Augenblicke später, neu formiert und mit Verstärkung, gleich einer Woge aus grauem Fell, blitzenden Zähnen und scharfen Klauen wieder über uns hereinzubrechen!

So schnell unsere Beine uns trugen, rannten wir weiter der Blutspur nach. Plötzlich tauchten vor uns Schienen auf, darauf stand eine große Lore. Um den Ratten zu entkommen, sprangen wir hinein und rasten mit dem Gefährt das steile Gefälle hinab. Als wir unter uns blickten, sahen wir zu unseren Füßen die mit Pusteln und schwärenden Eitergeschwüren bedeckte Leiche eines Unbekannten – in der einen Hand den abgetrennten Kopf Emilianos, in der anderen das gesuchte Juwel! Rasch holte Magnus die verzauberte Schatulle hervor, und Bernhard (der ja eh nix mehr zu verlieren hatte) stopfte den Stein rasch hinein. Grinsend genossen wir von nun an die rasante Fahrt der Lore, in dem Wissen, den Auftrag beinahe abgeschlossen zu haben und unserer Belohnung einen riesigen Schritt näher zu sein. Allerdings verhieß der nach einiger Zeit erscheinende Prellbock am Ende des Schienenstranges ein jähes Ende der rasanten Fahrt. Hektisch sprangen alle über Bord, und abgesehen vom geschwächten Richard (als hätte der noch nicht genug einstecken müssen) überstanden alle die Landung recht gut.

In der großen Höhle sahen wir uns nun einer Gruppe verschanzter Schmuggler gegenüber, angeführt von Dirk Hudermann. Ein neuer Schienenstrang inklusive Lore führte hinunter zum Hafen, welcher laut Dirk von den Nurglekultisten besetzt gehalten wurde. Da aus dem Gang hinter uns bereits das Zischen der Rattenhorde zu hören war, schwangen wir uns gemeinsam mit den Schmugglern an Bord der Lore und rasten dem unvermeidlichen Showdown entgegen. Dieser fiel allerdings weniger spektakulär aus als erwartet. Wir rasten in die Nachbarhöhle und fuhren zunächst zwei der Kultisten, welche auf den Schienen herumturnten, zu Mus. Eine Gruppe weiterer Chaosanbeter vollführte unter Anleitung eines fies aussehenden Magiers irgendein unheiliges Ritual. Die Gunst dieser Ablenkung nutzend, sprangen wir an Bord eines der am Pier angebundenen Boote und paddelten mit Leibeskräften hinfort. Bevor das Boot um eine Kurve herum außer Sicht fuhr, konnten wir hinter uns noch sehen, wie die Kultisten – verstärkt um ein tentakelbewehrtes Monster – sich fürchterlich mit der Rattenhorde prügelten.

Wie heißt es so schön: Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte!

« Letzte Änderung: 18.03.2010 | 00:04 von Drantos »
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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #10 am: 25.03.2010 | 19:06 »
Und weiter gehts...


3. Väterchen Nurgle und seine Kinder

Albrecht Oldenhalder war sehr beeindruckt von unserer schnellen und sauberen Arbeit und zahlte erwartungsgemäß anstandslos die Belohnung an uns aus. Wegen der Nurglepest, die unseren armen Bernhard ereilt hatte, wusste er jedoch auch nur den Rat, der uns schon selber gekommen war; ein Besuch im Tempel Shallyas der barmherzigen Heilerin stand dementsprechend als nächstes auf unserem Tagesplan. Hier wurde durch die Priesterinnen festgestellt, dass sich auch Richard die Krankheit eingefangen hatte. Eine Heilung wurde umgehend durchgeführt, jedoch mussten die beiden im Gegenzug versprechen, den Nurglemagier sowie seinen Tentakeldämon zu vernichten.

Zudem hatten wir nun das Problem, dass sowohl die Nurglespinner wegen dem Juwel als auch die Valentiner, die uns mit den Mord an Emiliano in Verbindung brachten, in der ganzen Stadt suchten. Hier kam uns die Hilfe der dankbaren Schmugglerbande Dirk Hudermanns, die wir gerettet hatten, gerade recht. Mir wäre eine Passage nach Marienburg am liebsten gewesen, doch meine neuen Kameraden entschieden sich dagegen. So konnten wir uns stattdessen eine Woche lang in einem ihrer Unterschlupfe verstecken. In dieser Zeit gewannen die Schmuggler wichtige Informationen für uns. Zum einen munkelte man von einem Überfall auf das Anwesen den alten Oldenhalders durch Chaoskultisten, welcher allerdings durch dessen Wachen abgewehrt werden konnte. Zum anderen fanden die Ganoven heraus, dass sich die fraglichen Kultisten zurzeit bei dem Eisenwarenhändler Mathias Brunner verstecken sollten.

Dieser Mann, so stellte sich heraus, war ein fetter Ekelbrocken, der jeden Abend sein Haus in Begleitung einer Leibwache verließ, um im versifftesten Puff Nulns ein widerliches Nümmerchen zu schieben. In jedem anderen Etablissement der Stadt hätten ihn selbst die verzweifeltsten Nutten abgewiesen, denn trotz seiner dicken Schminke und der beinahe sichtbaren Parfümwolke, die ihn umgab, konnte man die „Geschenke“ des Nurgle erahnen. Ein Wunder, dass ihn die Stadtwachen noch nicht erwischt und auf einen Scheiterhaufen gestellt hatten!

Als der Fettsack des Abends wieder seiner Gewohnheit nachging, brachen wir schließlich in sein Haus ein. Im Erdgeschoß fanden wir seinen Laden, die Gesindequartiere und eine Kellertür. Bernhard, der ein wahrlich scharfes Gehör haben muss, vernahm im Keller merkwürdige Kultgesänge. Doch zunächst untersuchten wir die beiden oberen Stockwerke, wo wir ein paar Gästezimmer, eine verrammelte Metalltür und das stinkende, verdreckte Nachtlager des Händlers fanden. Answald erkundete derweil den Keller. Ohne Licht schaffte er es, sich dort unten sicher zu bewegen, und kam wieder mit der Kunde, dass er eine Tür gefunden hatte, hinter der fünf Personen im flackernden Fackelschein scheinbar unheilige Rituale vollführten. Da die Zeit des Herumschleichens nun vorbei zu sein schien, stürmten wir gemeinsam mit gezückten Waffen in den Kellerraum.

Hier erwartete uns der personifizierte Ekel: Vier Roben tragende Kultisten und ein widerlicher Magier, allesamt die Pustel übersäten und mit Geschwüren verunstalteten Gestalten aus den Tunneln des Asylums, stellten sich uns in den Weg. Ihr Anblick und Gestank waren so fürchterlich, dass unsere Augen zu tränen begannen und unsere Hälse sich zusammenschnürten, so dass uns das Kämpfen nur sehr schlecht von der Hand ging. Zu allem Überfluss schleuderte uns der Nurglemagier einen widerlichen Zauber entgegen, der Maden, Fliegen und anderes schmutziges Getier plötzlich über unsere Leiber und Gesichter kriechen ließ. Trotz dieses Handicaps gelang es uns, die Kultisten einen nach dem anderen niederzuringen. Insbesondere die Axt Answalds hinterließ tiefe Wunden in den Körpern unserer Feinde, und auch der grobschlächtige Richard ließ gnadenlos seine starken Hiebe auf die Nurglianer niederprasseln. Das stinkende Blut der verseuchten Gestalten spritzte alles im Raum voll, und zuletzt stand nur noch der Magier vor uns. Bevor es ihm gelingen konnte, wieder sein Tentakelmonster zu beschwören, umringten wir ihn und ließen unsere Waffen auch dann noch auf ihn niederkrachen, als sein Leib schon reglos und zerschmettert auf dem Boden lag.

Sicher ist sicher!

Da der Kampf auch an uns nicht völlig spurlos vorübergegangen und das Versprechen an die Shallya-Priesterinnen erfüllt war, verzichteten wir darauf, den fetten Brunner und seinen Leibwächter zu erschlagen. Ein anonymer Brief an den hiesigen Sigmar-Tempel hatte einen mindestens ebenso wirkungsvollen Effekt. Das Haus des Eisenwarenhändlers wurde nur deshalb nicht durch die Vertreter Sigmars in Brand gesetzt, weil dann eventuell der gesamte Stadtteil mit abgefackelt wäre. So gab es „nur“ eine Scheiterhaufen-Verbrennung von Mathias Brunner, seinen Leibwächtern, Mägden und Knechten, der gesamten Verwandtschaft, den Stammkunden sowie jedem anderen Menschen, der irgendwie mit ihm in Verbindung gebracht werden konnte. Wären das Haus und das Viertel verbrannt worden, hätte es weniger Tote gegeben, aber so war man eben auf Nummer sicher gegangen (s.o.) und konnte dem johlenden Pöbel auch noch eine der allseits beliebten öffentlichen Hinrichtungen bieten.

Bleiben nach Ausrottung dieses Nurglekultes als potentielle Bedrohung nur noch Martas Söhne und ein paar hundert Mitglieder der Valentinerbande... Die Zukunft sieht doch gar nicht so schlecht aus!
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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #11 am: 1.04.2010 | 17:53 »
Im nächsten Kapitel mussten sich die tapferen Streiter mit fiesen Kindesentführern auseinandersetzen und schafften sich dabei noch einige alte Feinde vom Hals...


Warnung ! Der kommende Spielbericht behandelt das Abenteuer "With a little help from my friends" von Carl Sargent und ist voller Spoiler.



4. Das Problem ist eine andere Lösung

Auf dem Rückweg zum Geschlachteten Lamm humpelte auf einmal der einbeinige Jonas auf mich zu. Für einen Schoppen wollte er mir unheimlich wichtige Neuigkeiten mitteilen. Da ich es mir im Moment leisten konnte, lud ich ihn auf einen Humpen von der widerlichen Pisse ein, die im Lamm als Bier durchgeht.

Jonas erzählte, dass die Valentiner das Kopfgeld, welches sie auf mich und die anderen ausgesetzt hatten, zurückgezogen haben. In einem Anflug von Größenwahn hatten sie das gesamte Asylum okkupiert und dadurch einen kleinen, aber feinen Bandenkrieg mit unseren Schmugglerfreunden angezettelt. Daher fehlen nun wohl die Ressourcen, so ein paar unwichtige Gestalten wie uns zu jagen. Als Dank für diese mäßig wichtige Information bekam der Jonas noch ein Bier und ein paar Schilling. Der gierige kleine Stinker war damit natürlich nicht zufrieden. Nun ja, schließlich hat er mir nur erzählt, dass mir KEINE Gefahr droht; wenn er mir wichtige Neuigkeiten erzählen würde, zum Beispiel DASS mir Gefahr droht, dann wäre sein Lohn dafür auch höher.

Noch während der Einbeinige an der Theke stand und vor lauter Schimpfen und Krakeelen die Hälfte von seinem Bier verschüttete, kam Bernhard in die Kneipe gewackelt. Doktor Herzeleid hatte wohl wieder einen Auftrag für uns an Land gezogen, wieder beim alten Oldenhaller. Da für den Tag nichts Besonderes anstand, warf ich Magnus und Richard aus ihren Furzmulden und auf ging es zum Anwesen unseres Auftraggebers. Answald hatte anscheinend besseres zu tun, er ließ sich jedenfalls nicht blicken. Beim Oldenhaller angekommen, wurden wir von ihm direkt in den Salon durch gewunken. Dort wartete ein extrem kleiner, dürrer Halbling mit Wasserkopf und Schnauzbart, allerdings nicht aus dem Mootland, sondern dem Akzent nach aus Bretonia. Nach einer Weile erkannte ich ihn: Das war der berühmte Detektiv Alfons Hercule de Gaascoigne, der Einfachheit halber einfach nur Culot genannt!

Culot erklärte uns zunächst, dass er im Auftrage des Kaufmanns Ludwig Otelli handelt. Aha. Von Herzeleid über Oldenhaller über Culot zu Otelli. Irgendwie war es einfacher und übersichtlicher, als ich meine Leichen direkt zum Doktor geschleift habe. Aber wie dem auch sei, der Sohn Sigesmund Otelli war einführt worden, und der Vater konnte die horrende Lösegeldforderung nicht erfüllen. Culot konnte die Entführer bis zu ihrem Aufenthaltsort verfolgen, wagte es aber nicht, die Stadtwache einzuschalten, um das Leben des Kindes nicht zu gefährden. Wir sollten das Versteck zunächst auskundschaften und bei einer günstigen Gelegenheit auch das Kind befreien. Das hörte sich nach leicht verdientem Geld an, und wir sagten zu, diesen Auftrag zu übernehmen.

Das Versteck der Entführer war ein Haus in der Nähe des Neuen Marktes. Culot hatte ein Haus schräg gegenüber gemietet. Dort nisteten sich Richard und Bernhard ein und beobachteten das Versteck mit einem Fernrohr, während Magnus und ich uns auf die Rückseite des Hauses schlichen und es aus einem Schuppen heraus überwachten. So konnten wir mehrere Zimmer einsehen (nicht alle wegen der Fensterläden). E war uns möglich festzustellen, dass sich mindestens fünf Entführer im Haus aufhielten: Die beiden ewig Karten spielenden Knut und Mikael, der braunhaarige Bruno sowie der hünenhafte Axel, welcher in einer nahegelegenen Taverne regelmäßig Essen holte. Außerdem konnte Richard durch die (sehr stabile) Haustür einen schwarzhaarigen Hünen sehen, zudem wurde des Öfteren ein fies aussehender Hund zum Kacken aus dem Hause geführt. Das Klopfritual an der Tür hatten wir schnell raus, wirklich weiterhelfen tat es uns aber auch nicht. Alle paar Stunden führten die Jungs so eine Art Wachwechsel durch.

Diesen langweiligen Job betrieben wir bis zum nächsten Abend. Dann erschien Culot wieder und machte uns darauf aufmerksam, dass die gesetzte Frist bis zur Lösegeldzahlung bald verstreichen werde – es wurde also langsam Zeit, dass wir den Knaben den Fängen seiner Häscher entrissen! Einen wirklich sinnigen Plan hatte so spontan allerdings niemand parat. Schließlich hatte Bernhard die Idee, dass man ein paar Störenfriede anheuern und bezahlen könne, die die Entführer ablenken und uns so die Möglichkeit verschaffen könnten, ins Haus zu gelangen.

Da fiel mir etwas viel besseres ein. Das Problem an solch bezahlten Unruhestiftern war zum einen schon mal die Bezahlung an sich sowie die Tatsache, dass solche Leute bei dem geringsten Anzeichen für Ärger (und Ärger würde es auf jeden Fall geben) einen flinken Schuh machen würden. Aber ich hatte für dieses Problem die perfekte Lösung: Hunold und seine Brüder würden garantiert völlig ohne Bezahlung einen gehörigen Zirkus an der Tür veranstalten, sollte ihnen zu Ohren kommen, dass ich mich darin aufhalte. Zudem würden sie drohendem Ärger nicht aus dem Wege gehen, zum einen weil sie dafür zu blöd sind, und zum anderen weil sie alle mit zweitem Vornamen selber Ärger heißen. Culot versprach, alles Nötige im Hause der Witwe Martha in die Wege zu leiten, und zog von dannen, um die vier Schläger auf die falsche Fährte zu locken.

Wir nutzten die Zeit, um auf das Dach des Entführerhauses zu kraxeln und am Dachfenster Stellung zu beziehen. Es dauerte auch nicht allzu lange, und schon kamen die schimpfenden Brüder die Straße herunterlaufen, in den Händen schwere Vorschlaghämmer! Vor der Eingangstüre bauten sie sich auf, brüllten laut meinen Namen und fingen an, die Türe mit ihren Hämmern zu bearbeiten (wäre ich tatsächlich in dem Haus gewesen und zur Hintertüre hinaus verduftet, hätten die Superhirne das überhaupt nicht mitbekommen...). Die Ablenkung funktionierte jedenfalls ausgezeichnet und es gelang uns, unbemerkt über den Dachboden ins obere Stockwerk zu klettern.

Noch während wir überlegten, wie nun weiter zu verfahren sei, erklang von unten ein ohrenbetäubender Knall: Die Entführer hatten eine Donnerbüchse und diese soeben durch die geschlossene Haustür abgefeuert! Auch wenn mich die Tatsache, dass unsere Gegner über eine derartige Bewaffnung verfügten, nicht wirklich beruhigte, genoss ich das Jammern und Wehklagen von Hunold und seinen Brüdern, die ihre Schrapnell gespickten Gammelkörper von der Straße hievten und sich in Richtung Heimat vertrollten. Die Stadtwache, welche durch den Lärm auf den Plan gerufen worden war, gab sich mit der Begründung „Selbstverteidigung“ (sowie einigen deutlich hörbar klimpernden Argumenten) zufrieden und zog wieder von dannen.

Während des Tumultes konnten wir kurz ein weinendes Kind hören – im Keller! Wie sollten wir an allen Entführern vorbeikommen und gleichzeitig darauf achten, dass dem Kind nichts zustieß? Nach während wir leise beratschlagten, kamen zwei der Verbrecher die Treppe hinauf, um sich zur Ruhe zu begeben. Wir verbargen uns solange, bis wir ein zweistimmiges Schnarchkonzert aus dem Schlafraum vernehmen konnten. Sodann schlichen wir zu den beiden Pennern – es waren Bruno und Axel – und droschen auf die Halunken ein, bis sie sich nicht mehr rührten. Als ein paar Stunden später zum Wachwechsel Knut und Mikael hinaufkamen, lauerten wir auch ihnen auf und schlugen ihnen ihre hässlichen Visagen ein.

Da nun nicht mehr mit viel Widerstand zu rechnen war, stürmten wir die Treppe hinunter in die Stube – und sahen uns zwei Hünen der Valentinerbande, Claudio und Paolo, gegenüber! Zum Glück schliefen Paolo und sein Kampfhund auf beziehungsweise neben einem Sofa in der Ecke. Aber die Donnerbüchse, die den Hunoldbrüdern so schön den Pelz verbrannt hat, lehnte griffbereit daneben. Ich stürzte rasch dorthin, schnappte die Büchse und warf sie erst einmal außer Reichweite - zum Glück ging das Ding bei der Landung nicht los! Im gleichen Moment schnappte die Töle nach meinem Hals, und es gelang mir nur mit Mühe, den schnappenden Kiefern auszuweichen und das dichte Hundefell mit meinem Dolch zu durchdringen. Glücklicherweise hatte ich meinen Arm mit meinem Streitkolben verstärkt, so dass die Hundebisse mir nicht viel anhaben konnten.

Meine Kameraden stürzten sich derweil auf Claudio. Selbst zu dritt hatten sie sichtlich Mühe, dem für seine Größe recht flinken Hünen Herr zu werden. Endlich, Paolo war mittlerweile wach und hatte sich schon ins Kampfgetümmel gestürzt, gelang es Richard, den riesigen Valentiner zur Strecke zu bringen. Dies bereute er jedoch kurz darauf bitter, denn Paolo schien beim Anblick des Gefallenen in eine Berserkerwut zu verfallen und schlug unseren Richard mit einem mächtigen Hieb nieder. Jedoch gelang es uns schließlich doch, auch ihn zu überwältigen und letztlich auch noch den Hund auszuschalten.

Während Magnus in den Keller eilte und den Jungen befreite, versorgte Bernhard die tiefen Wunden Richards. Derweil schlitzte ich einer Eingebung folgend allen Getöteten das Kinn auf und zog ihre Zungen durch den Schnitt nach unten heraus. Nachdem wir die Habe der Verbrecher an uns genommen hatten, ging plötzlich die Türe auf, und ein mit unserer Arbeit sehr zufriedener Culot betrachtete die sich ihm bietende Szenerie anerkennend. Der kleine Sigesmund wurde samt seinem Teddy unversehrt zu seiner Familie zurückgebracht.

Hunold und seine Brüder würden nach ihrem kleinen nächtlichen Erlebnis noch schlechter auf mich zu sprechen sein. Um dieses lose Ende endgültig zu verknüpfen, streute ich das Gerücht, dass sie aus Rache die Männer in dem Haus umgebracht hatten. Entweder die Stadtwache kassierte sie dafür ein, oder die Valentiner würden ihre gar schröckliche Vergeltung verüben! So war zumindest der Plan... Wie sich herausstellte, waren die beiden Valentinerhünen gesuchte Verbrecher, auf deren Kopf eine Belohnung ausgesetzt war. So kassierten die Tunichtgute ganze einhundert Goldkronen von der Stadtwache, anstatt im Turm zu vergammeln! Und auch die Valentiner tauchten erst in der Färbergasse auf, als die Witwe Martha und ihre Söhne bereits ihre Koffer gepackt und fort in ein besseres Leben gezogen waren... aber egal, so oder so bin ich zumindest dieses Problem los.

Die Donnerbüchse und den übrigen Kram der toten Entführer konnten wir dann auch noch zu einem hübschen Sümmchen verkaufen [sorry Answald  ], so dass sich der Aufwand letztlich doch sehr gelohnt hat. Allerdings haben wir nun im Allgemeinen und ich im Besonderen gar keine Feinde mehr – wo bleibt denn da der Spaß? Oder sollte der einbeinige Jonas wegen der vermeintlich knausrigen Belohnung neulich nunmehr versuchen, mich mit seiner Krücke zu erschlagen?

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #12 am: 8.04.2010 | 11:52 »
Nun gilt es fackelschwingenden Hexenjägern zu entkommen und einen armen Mann von einer seltenen und tödlichen Krankheit zu heilen. (Dumm nur, dass der Spieler des Arztes kurzfristig abgesagt hatte  ;D )


5. Der Arzt, den keiner braucht


Wieder einmal saßen Magnus, Richard, Answald und ich morgens im Geschlachteten Lamm und bereiteten uns schon mal auf den zweifelhaften Genuss eines hiesigen Frühstücks vor. Gerade wollte ich den Kameraden vorschlagen, uns in einem etwas gehobeneren Etablissement einzuquartieren, als uns die Entscheidung schon aus der Hand genommen wurde.
Krachend fiel die Eingangstüre aus den Angeln, und selbst dem Wirt, der für die (eigentlich schon seit Jahren kaputte) Tür in der Regel eine Entschädigung einfordert, wusste ob der Gestalt, welche in die Taverne stürzte, nichts zu sagen: Es war einer der Hausdiener Herzeleids, der schwitzend und mit gehetztem Blick im Türrahmen stand; sein Dienerfrack passte zur Umgebung in etwa so gut wie edles Geschmeide an den Hals eines borstigen Warzenschweines.

Er erkannte uns und tat sehr heimlich, erst nachdem wir uns auf unsere Stube zurückgezogen hatten, wagte er zu sprechen. Nun war es an uns, zu schwitzen und mit gehetztem Blick umherzustarren: Irgendwie müssen Informationen über die „besonderen Studien“ Herzeleids in die falschen Hände geraten sein. Nun sei der berüchtigte Hexenjäger Anton Krüger mit Schwert und Fackel am Toben, und nur dem Einfluss des alten Oldenhallers schien es zu verdanken, dass der Doktor und sein Haus noch nicht in Flammen standen.
Der Auftrag Herzeleid an uns war nun, wichtige Forschungsergebnisse in Sicherheit zu bringen. Per Schiff sollte es aus Nuln heraus und schließlich nach Grünburg gehen, wo wir in der Marktstraße den alten Freund Herzeleids, den Doktor Grobeisen, treffen sollten.

Noch während der Diener unsere Instruktionen herunterrasselte, erklang auf der Gasse vor dem Geschlachteten Lamm bereits das Trampeln schwerer Stiefel und das Klirren von Waffen. Scheinbar schien Oldenhallers Schutzschild uns nicht mit einzuschließen!
So rasch es ging, verließen wir die Taverne zum Hinterausgang und rannten zur Anlegestelle am Reiksufer. Wie vom Diener beschrieben, wartete dort das Fluss schiff „Emma Luisa“ des Kapitäns Ralf Ohnemut auf uns. Kaum war der letzte von uns an Bord gesprungen, da wurden schon die Leinen gekappt und auf ging die sechs Tage lange Reise reikabwärts.
Der Kapitän scheuchte uns sofort unter Deck, wo bereits der zitternde und bibbernde Bernard auf uns wartete. Er war völlig durch den Wind, klammerte sich an das Kästchen, in dem sich die Aufzeichnungen des Doktors befanden, und sprach die nächsten Tage nicht ein einziges Wort.

Nach einer recht ereignislosen Fahrt, während der wir uns nur nachts auf Deck trauten, erreichten wir schließlich die Stelle, an der der Stir in den Reik mündet. Von hier ging es nur mit der Kutsche weiter in Richtung Grünburg. Wir zahlten für unsere Überfahrtscheine, verbrachten eine ereignislose Nacht in einer Herberge und waren am nächsten Morgen früh genug am Kutschstand, um die Fahrt im vergleichsweise luxuriösen Kutscheninneren sitzen zu können anstatt auf dem Dach.

In Grünburg angekommen, war das Haus des Doktor Grobeisen rasch gefunden. Jedoch erwartete uns hier keine frohe Kunde. Nachdem der Diener uns hineingelassen hatte, mussten wir feststellen, dass der arme Doktor schwer erkrankt war, und zwar am Leichenfieber! Bernard, der sich immer noch an Herzeleids Unterlagen festklammerte wie ein kleines verängstigtes Mädchen an seinem Püppchen, sah sich nicht imstande, dem Kranken zu helfen.

Da braucht man einmal dringend einen Heiler, und dann ist er zu nichts zu gebrauchen!

Die Krankheit befand sich augenscheinlich bereits im Endstadium, denn schwarzer Eiter troff in zähflüssigen Strömen aus sämtlichen Körperöffnungen des armen Doktors! Mit schwacher Stimme röchelte er uns zu, dass sein Assistent Jörg Trautstein bereits seit drei Tagen unterwegs sei, um die Zutaten für eine Medizin zu suchen. Er hätte schon längst zurück sein müssen. Bevor Grobeisen das Bewusstsein verlor, krächzte er noch das Wort „Schlingenkraut“. Anscheinend handelte es sich um die Medizin, die er benötigte!

Wir liefen rasch in den Keller, um im Labor nach dem genannten Kraut zu suchen. Doch hier mussten wir feststellen, dass die Labortür aufgebrochen und die gesamte Einrichtung zerstört war! Flugs rannten Richard und ich zum Apotheker und klopften ihn aus dem Schlaf. Er gab an, dass er seine ganzen Vorräte an Schlingenkraut vor drei Tagen an des Doktors Assistenten verkauft habe. Eine schlimme Ahnung beschlich mich. Beim Kräutersammler Kasimir bestätigte sich der Verdacht: Der kupferne Geruch von geronnenem Blut überdeckte den Gestank der benachbarten Gerberei, als wir die Tür zu dessen Behausung aufstießen. Die Leiche des alten Mannes lag in einer großen Blutlache, der Hals war mit einem sehr scharfen Werkzeug aufgeschlitzt worden – einem Skalpell? Im gesamten Raum waren die Kräutervorräte verstreut und zertrampelt, also unbrauchbar.

Immer diese Arztlehrlinge – man kann ihnen nicht trauen!

Unter einem Lumpen fand ich schließlich ein kleines Büchlein. Dieses steckte ich ein und Richard und ich gingen zurück zu Grobeisens Haus. Hier berichteten wir den Kameraden von unserem Verdacht. Richard und Ansgard brachen kurzerhand die Tür zu Trautsteins Zimmer auf – und fanden es ausgeräumt und verlassen vor. Trübsal machte sich breit, aber Magnus konnte im Büchlein des Kräutersammlers eine Zeichnung vom Schlingenkraut finden sowie den Ort, an dem es wächst: im alten Steinbruch! Der Diener wurde bleich, als wir ihn nach dem Weg dorthin fragten; der Steinbruch befand sich einige Stunden außerhalb der schützenden Stadtmauern, und zudem würde es dort spuken!

Wir versammelten uns am Bett des Doktors und berieten uns, was zu tun sei. Es konnte keiner von uns mit Bestimmtheit sagen, wie lange Grobeisen noch zu leben hatte. Doch, einer hätte es gekonnt.

Aber immer, wenn man dringend einen Heiler bräuchte, ist keiner verfügbar!

Jedoch schien es unseren Laienaugen, dass dem Doktor wohl eher Stunden als Tage blieben. Würden wir bis zum Morgengrauen warten, wäre es bestimmt um ihn geschehen. Da Herzeleid mich mehrmals durch seine Aufträge vor dem Verhungern gerettet hatte und dieser Mann ein Freund Herzeleids war, entschloss ich mich, zum Steinbruch zu laufen und nach dem Schlingenkraut zu suchen. Nach kurzem Überlegen erklärten sich meine Kameraden mit diesem Plan einverstanden. Der Wachmann am Tor staunte nicht schlecht, als wir darum baten, aus der Stadt herausgelassen zu werden. Kopfschüttelnd öffnete er schließlich die Luke und sah uns hinterher, wohl in dem Glauben, uns niemals wiederzusehen.

Die Nacht war stockfinster, und hätte ich nicht meine Laterne gehabt, hätten wir nicht einmal unsere Hand vorm Auge gesehen. Ausgenommen Magnus, der wohl ein sehr gutes Sehvermögen hat; er schritt voran in die dunkle Nacht und führte uns durch den Wald, aus dem unangenehm viele Knack- und Kratzgeräusche sowie Schreie erschollen, und nicht alle schienen von Tieren verursacht.
Umso unheimlicher wurde es, als sich ein gutturaler Gesang zu den Geräuschen hinzugesellte. Vor uns mündete der Weg in den alten Steinbruch – und dort unten bot sich uns ein Anblick, der den Atem stocken ließ: Neben einem großen Gesteinsblock loderte ein Feuer, und auf diesem Stein lag ein gefesseltes kleines Mädchen.
Neben ihr tanzten und sangen brüllend zwei bepelzte Gestalten, die wie eine Mischung aus Mensch, Kuh und Ziegenbock aussahen – Tiermenschen! Hin und wieder war das Wort „Khorne“ in den wilden Gesängen zu vernehmen. Einer der beiden hielt drohend einen gezackten Opferdolch in die Luft, scheinbar auf den richtigen Moment in ihrem Ritual wartend, um ihn dann dem Kind ins Herz zu stoßen!

Answald und Richard waren drauf und dran, die abscheulichen Gestalten anzugreifen, aber Magnus hielt sie zurück. Er wollte sie ablenken und so unsere Chancen verbessern. Nachdem er ein wenig in seinem Beutel herumgewühlt hatte, brachte er ein Glas mit Glühwürmchen zum Vorschein. Fragend sahen wir anderen uns an. Magnus begann, die Würmchen einzeln freizulassen, wobei er ihnen leise Worte zuflüsterte.
Wir zweifelten schon an seinem Verstand, als jedoch die letzten beiden Glühwürmchen nicht in der Nacht verschwanden, sondern vor ihm in der Luft schwebten und schließlich seinen Gesten folgten: Magnus hatte die kleinen Tierchen dressiert! So einen Trick hatte noch keiner von uns gesehen. Die Würmchen flogen schließlich auf die beiden Tiermenschen zu und neckten sie. Dabei leuchteten sie heller, als ich je einen Glühwurm habe leuchten sehen. Eines der Monster ließ sich tatsächlich von den Insekten ablenken, folgte ihnen, laut brüllend und wild seine Keule schwingend, in den Wald und ward nicht mehr gesehen.

Der zurückgebliebene Tiermensch – der mit dem Dolch – sah sich misstrauisch um. Aber noch bevor er uns wittern konnte, sprangen Answald und Richard auf und schlugen mit ihren Waffen auf den Unhold ein. Mit einem satten Schmatzen fuhr Answalds Axt hernieder und spaltete das Monster von der gehörnten Stirn bis zum Brustkasten. Schwarzes Blut bespritzte uns von Kopf bis Fuß. Der Körper des Tiermenschen sackte reglos zu Boden, und stinkende Eingeweide quollen aus dem tiefen Spalt im Körper des Wesens heraus. Das kleine Mädchen schrie wie am Spieß und war offensichtlich – wer sollte es ihr verdenken bei dem, was sie mitgemacht hatte – schwer traumatisiert.

Aber immer, wenn man dringend einen Heiler bräuchte, ist keiner verfügbar!

Schnell stopften wir unsere Taschen mit dem Schlingenkraut, das überall wucherte, voll und machten uns auf den Rückweg. Wider Erwarten wurden wir nicht von weiteren Horden der Tiermenschen angefallen und erreichten schließlich das Stadttor. Doch so leicht wie wir hinausgekommen waren, schien der Weg hinein nicht zu sein – der Wachmann beharrte auf seinem Befehl, des Nachts niemanden einzulassen. Erst unser Hinweis, dass wie ein Kind im Wald gerettet und bei uns hatten, ließ sein Herz erweichen und er öffnete die Tür (die beiden Goldkronen, die ihm Magnus über die Mauer zuschnippte, könnten auch zu seinem Sinneswandel beigetragen haben, man weiß es nicht). Nachdem das Mädchen bei der Shallyapriesterin abgegeben wurde, begaben wir uns direkt zum Doktor Grobeisen.

Dieser war dem Tode mittlerweile nicht mehr fern. Die geeignetste Darreichungsform des Krautes schien ein Sud zu sein, aber wer könnte das schon wissen? Einer hätte gekonnt. Aber der konnte andererseits auch wieder nicht.

Immer, wenn man dringend einen Heiler bräuchte, ist keiner verfügbar!

Nachdem wir die komplette Küche des Doktors beim Brauen des übelriechenden Suds verunreinigt hatten, verabreichten wir ihm die Medizin. Gespannt beobachteten wir den Kranken. Entgegen unserer Befürchtungen wurde er weder von Krämpfen geschüttelt, noch quoll ihm blutiger Schleim aus dem Mund. Im Gegenteil: Sein Zustand schien sich von Minute zu Minute zu verbessern!

Als er aus seinem Koma erwachte, zeigte sich seine Enttäuschung über den Verrat seines Lehrlings Trautstein. Nach ein paar Stunden war Grobeisen wieder auf den Beinen und musste feststellen, dass Jörg ihn nicht nur fast umgebracht, sondern auch ausgeraubt hatte. Somit fiel auch meine Hoffnung auf eine üppige Belohnung für die Lebensrettung in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Die eigenen Aufzeichnungen des Doktors jedoch, versteckt in seinem Bettpfosten, waren noch vor Ort, und begierig fügte Grobeisen die Dokumente Herzeleids, die Bernard nur widerwillig herausrückte, seinen Forschungsergebnissen hinzu.

Den Verräter beschrieb uns der Doktor ausführlich. Er habe zudem einen Altdorfer Akzent gehabt und eine auffällige Tätowierung (rote Krone) auf der Schulter. Nachforschungen ergaben, dass er mit der Kutsche nach Altdorf gereist war. Um unsere Spuren weiter zu verwischen und den Fängen Anton Krügers auch sicher zu entkommen, entschlossen wir uns, dem Übeltäter nach Altdorf zu folgen; Grobeisen würde eine saftige Belohnung springen lassen, wenn wir seine Besitztümer dem Halunken abnahmen und zurückbrächten.

Die Reise per Kutsche endete nach einem Tag zunächst am Gasthof „Zum Kutschpferd“. Hier mussten wir eine Anschlusskutsche auftreiben. Noch während unsere Kutsche abgespannt wurde, preschte aus dem Stall heraus ein anderes Gefährt und holperte hinaus in die Monsterverseuchten nächtlichen Wälder. Nur Verrückte konnten des Nachts reisen!

Der Wirt Gustav war ein freundlicher und redseliger Kerl. Von ihm erfuhren wir viele Dinge, die wir wissen wollten, und noch mehr Dinge, für die dies nicht zutraf. Er konnte uns berichten, dass der Verräter Jörg vor einigen Tagen ebenfalls hier Zwischenstation gemacht hatte und sodann gen Altdorf weitergereist war. Außerdem wurde auf einem benachbarten Bauernhof unlängst ein Kind mit Hufen anstelle von Beinen geboren (und selbstverständlich mitsamt Nabelschnur und Mutter verbrannt). Verbrannt wurde auch ein komplettes Dorf in der Nähe, auf Geheiß des Hexenjägers Fabergus Heinzdorg, welcher Gerüchten zufolge lieber zehnmal zu viel als einmal zu wenig die Fackel schwingt.

Zwei Kutscher saßen an der Theke. Diese waren dermaßen voll, dass es ein leichtes war, ihnen eine Passage nach Altdorf zu einem Spottpreis aus den Rippen zu leiern (den Erlös setzten sie auch umgehend in der Taverne wieder um). Die übrigen Gäste – ein Student, ein Falschspieler sowie eine hochnäsige Adelige samt Zofe und muffeliger Leibwächterin – werden ab morgen unsere Reisegefährten sein. Kurz bevor unsere Ohren aufgrund des nimmerstoppenden Gelabers des Wirtes zu bluten begannen, zogen wir uns auf unser Vierbettzimmer zurück. Bernard, noch immer ganz der willen- und sprachlose Zombie, hätte ein warmes und weiches Bett ohnehin nicht zu schätzen gewusst, und erwartungsgemäß akzeptierte er klaglos sein Nachtlager auf dem blanken Fußboden...
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Offline Drantos

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #13 am: 18.04.2010 | 12:19 »
Weiter gehts, die "tapferen Helden" stolpern über Mutanten, eine ausgeraubte Kutsche und schaffen es schließlich in Altdorf als Mörder gesucht zu werden...

Warnung ! Der kommende Spielbericht behandelt das Abenteuer "Mistaken Identity" aus der "Enemy wthin" Kampagne und ist voller Spoiler.


6. Für einen Mund voll Pferdemist


Nach einer erholsamen Nacht begaben wir uns ausgeruht in die Schankstube. Nur Bernard schien ein wenig steif in den Gelenken. Nach einem Frühstück, während dessen Verlauf der ohne Pause lamentierende Wirt die gerade verheilten Wunden in unseren Trommelfellen wieder zum Bluten brachte, waren eigentlich alle zur Abreise bereit. Es fehlte jedoch ein entscheidendes Element an der Kutsche: Die Kutscher! Aus dem Spalt unter der Tür von ihrem Zimmer drang (neben einer übelriechenden Wolke aus Schweiß, Alkoholdunst und Verdauungsgasen) lautes Schnarchen. Wir hätten ihnen das Geld für unsere Passage wohl lieber erst bei Fahrtantritt geben sollen, dann hätten sie es erst beim nächsten Halt in geistreiche Getränke umsetzen können.

Kurz entschlossen pochte ich laut mit meinem Knüppel gegen die Tür. Als nach einigen Schlägen unwilliges Murren und Rülpsen dahinter erklang, verduftete ich wieder rasch nach unten. Einige Zeit später wankten auch die beiden Kutscher die Treppe hinunter. Da beide scheinbar nicht in der Verfassung waren, feste Nahrung zu sich zu nehmen, hofften wir auf eine baldige Abreise. Alle nahmen ihre Plätze ein; mit Ausnahme von Magnus mussten wir alle auf dem Dach Platz nehmen. Nach einem halbstündigen Bierschiss waren unsere Fahrer dann auch schon so weit, und los ging die wilde Fahrt.

Im Schritttempo.

Wir waren uns uneins darüber, ob wir froh sein sollten oder nicht; einerseits war die Wahrscheinlichkeit, dass der immer noch volltrunkene Kutscher uns bei dieser Reisegeschwindigkeit ins Verderben steuern würde, recht gering. Andererseits würden wir unser Ziel schneller erreichen, wenn wir absteigen und neben der Kutsche herlaufen würden. Als unser Fahrer dann plötzlich zurücksackte und schnarchend rückwärts zwischen uns fiel, ergriff ich die Gelegenheit beim Schopfe, die Zügel mit den Händen und nahm auf dem Kutschbock Platz. Fortan ging die Reise schneller voran. Allerdings bedeutete dies auch, dass wir nur umso schneller von dem einsetzenden Dauerregen durchnässt wurden; selbst Answald, der sich cleverer weise (hätte man ihm gar nicht zugetraut) in eine Pferdedecke gehüllt hatte, blieb nur wenige Augenblicke länger geschützt als der Rest.

Nach einigen Stunden ließ das Unwetter nach. Die Straße folgte einer langgezogenen Rechtskurve. Einige Meter voraus sah ich einen regungslosen Körper in dem Livree eines Kutschers am Wegesrand liegen; eine zerzauste Gestalt beugte sich über den Körper des Mannes. Vom Hufgetrappel unserer Pferde aufgeschreckt, drehte sich die Gestalt plötzlich um und rannte brüllend auf uns zu. Entsetzen breitete sich wie Eis in meinen Eingeweiden aus: Zerfetzte Haut hing von Gesicht und Armen des Angreifers, und der abgerissene Unterarm des armen Kutschers, an dem sich die Kreatur offenbar sattzufressen gedachte, baumelte aus ihrem Mundwinkel heraus und schlug im Laufen immer wieder gegen ihren vereiterten Hals. Ich versuchte, die Pferde zum Galopp anzutreiben und das Monster zu überfahren, doch die Tiere bäumten sich laut wiehernd auf, rissen die Aufhängung zur Kutsche los und brachen durch die Büsche in den Wald. Vor lauter Schreck umklammerte ich die Zügel und wurde mit fortgerissen, bis ich auf dem harten Boden aufschlug und benommen ins Gebüsch kullerte.

Die Kutsche kippte glücklicherweise nicht um, sondern rollte auf dem Seitenstreifen aus. Answald und Richard sprangen sofort vom Dach hinab und stellten sich dem heranrasenden Mutanten in den Weg. Answald holte mit seiner mächtigen Axt aus, um den Gegner wie üblich vom Scheitel bis zur Sohle zu spalten, doch plötzlich froren seine Bewegungen ein. Richard sprang beherzt dazwischen und hieb auf den Gegner ein, bis dieser sich nicht mehr rührte. Als ich mich wieder aufgerappelt hatte, hörte ich gerade noch, wie Answald stotterte, dass er das Monster kenne; es sehe genauso aus wie ein befreundeter Waldarbeiter, der vor einem Jahr unter mysteriösen Umständen verschwunden war. Somit war sein Schicksal nunmehr wohl aufgeklärt.

Plötzlich erklang ein Knurren ein Stück weiter die Straße voraus. Die Tatsache, dass die zu dem toten Kutscher dazugehörige Kutsche fehlte und das erschlagene Monster keine Armbrust dabei hatte, die den Bolzen im Kopf des Toten erklären würde, ließ schlimmes ahnen. Bernard war derweil vorausgeschlichen und kam kurz darauf schreckensbleich und mit zwar befürchteter, aber dennoch beunruhigender Kunde zurück: Am Ende der Kurve lag die Kutsche des Unglücklichen umgekippt mitten auf dem Weg und blockierte diesen; doch damit nicht genug, weitere fünf muskelbepackte Mutanten vergnügten sich gerade damit, die Zugpferde mit ihren Waffen zu Brei zu schlagen und sich an den Körpern der Kutscheninsassen sattzufressen, wobei sie hier auch nicht vor Kindern haltmachten!

Hitzige Diskussionen entbrannten, was denn nun zu tun sei; während einige den Toten zur Hilfe eilen (was soll das für einen Sinn machen?) und die Mutanten frontal angreifen wollten, waren andere dafür sich im Schutze der Kutsche zu verschanzen. Richard und ich eilten zunächst den entflohenen Pferden nach, denn ohne sie wären wir ohnehin verloren. Auf einer Lichtung konnten wir sie schließlich finden und einfangen.

Als wir zur Kutsche zurückkehrten, war die Entscheidungsfindung noch nicht wirklich vorangeschritten. Es hatten sich lediglich ein paar Fakten herauskristallisiert: So litt die adelige Zimtzicke samt ihrem Gefolge offenbar unter Größenwahn, wollte sie uns doch befehlen, dass wir die Gegner erschlagen, das Hindernis beseitigen und die Reise fortsetzen sollten. Das schallende Gelächter von meinen Kameraden und mir ließ ihre Gesichtszüge derart entgleisen, dass ich eine ganze Goldkrone dafür zahlen würde, es noch einmal sehen zu können. Zudem stellte sich heraus, dass der bretonische Falschspieler zwar über zwei imposant aussehende Pistolen verfügte, jedoch offenbar nicht den Mut besaß, sich einem Gegner direkt zu stellen, sondern vorgab, die Kutsche samt der hochwohlgeborenen Insassin (die ihm abgesehen von der doch sehr theoretischen Möglichkeit einer heißen Romanze scheißegal war) beschützen zu wollen. Auch die beiden Kutscher ließen wenig von der Abgebrühtheit und Kampfbereitschaft erkennen, die den Männern ihres Gewerbes nachgesagt wird.

Die Entscheidung bezüglich des weiteren Vorgehens wurde uns allerdings abgenommen, als ein Bolzen aus dem Gebüsch herauszischte und mir mit einem schmatzenden Geräusch einen neuen und sehr schmerzhaften Scheitel zog. Scheinbar hatten die Mutanten uns gewittert und waren kurz entschlossen zum Angriff übergegangen; während ein wie ein Reptil geschuppter Unhold Armbrustbolzen aus den Büschen heraus verschoss, stürmten weitere Missgeburten auf uns zu. Der erste hatte einen nur apfelgroßen Kopf auf seinem muskulösen Gewichtheberkörper. Auf laut klappernden Hufen trabte sein Genosse auf uns zu, und der Kopf des dritten Angreifers lief nach oben hin spitz zu, fast so wie eine Kirchturmspitze. Answald rannte brüllend und Axt schwingend auf die Feinde zu, und der Rest von uns folgte ihm wohl oder übel.

So furchterregend die Mutanten auch aussahen, im nun folgenden Gemetzel hatten sie keine Chance. Zwar mussten auch wir gehörig einstecken, doch schon bald brach der erste Feind unter Answalds wütenden Axthieben zu Boden. Mit meinem Streitkolben klopfte ich Spitzkopf die Kopfspitze platt, und Magnus brachte das Kunststück fertig, die winzige Denkmurmel von dem kleinköpfigen Mutanten mit seinem Stab aufzuspießen. Der geschuppte Schütze im Gebüsch floh und wurde vom übermotivierten Answald und dem etwas unglücklich hinterher laufenden Bernard ins Unterholz verfolgt.

Nachdem die Kutsche wieder angespannt war, fuhren wir vor bis zum Wrack, das den Weg versperrte. Hier trafen wir wieder auf Answald und Bernard, die neben einer der Leichen standen und zu Salzsäulen erstarrt waren. Als ich sie fragte, ob sie einen Geist gesehen hätten fuhren sie erschrocken herum und wurden noch bleicher. Ein Blick in das Gesicht des Toten offenbarte den Grund für ihren Schrecken: Der Mann sah mir zum verwechseln ähnlich! Folglich war es auch meine Pflicht, ihn seiner Besitztümer zu erleichtern, welche leider nur aus zwei Briefen bestanden. Diese steckte ich ein, um sie mir später von Magnus vorlesen zu lassen.

Nachdem wir die zerstörte Kutsche zur Seite gewuchtet hatten, ging unsere Reise störungsfrei weiter zum Gasthaus „Zu den sieben Sprichwörtern“, welches wir gegen Abend erreichten. Hier ergab sich glücklicherweise die Gelegenheit für unsere Mitreisenden, eine andere Kutsche nach Altdorf zu buchen; offenbar waren sie unsere Gesellschaft leid, und man kann wohl mit Recht sagen, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhte.

Nach dem Abendessen gab ich Magnus auf unserer Stube die Briefe zum Lesen. Der Name meines Doppelgängers war Kastor Lieberung, und den Schreiben zufolge war er auf dem Weg nach Bögenhafen, um dort ein nicht unwesentliches (um nicht zu sagen sehr umfangreiches) Erbe anzutreten! Magnus und ich teilten ein Grinsen, welches unsere Köpfe gespalten hätte, wäre es nicht von den Ohren aufgehalten worden. Der Aufruf des Kronprinzen von Tassenik zu seinem Unternehmen in den Grey Mountains war ja ohnehin nicht sonderlich anziehend, und auch die Spur von dem Verräter Jörg Trautstein war eigentlich schon zu kalt, um ihr zu folgen. Diese Erbschaft, die ich mit ein wenig schauspielerischem Geschick bestimmt einheimsen konnte, versprach einen viel größeren Lohn bei gleichzeitig geringerem Aufwand und weniger Gefahr (so hoffte ich wenigstens...). Die übrigen Kameraden waren mit uns einer Meinung, und so setzten wir unsere Reise nach Altdorf am nächsten Morgen mit frohem Mute (und auf den freigewordenen Sitzplätzen im Kutscheninneren erheblich komfortabler) fort.

Gegen Abend kamen wir an unserem Ziel an. Wir stiegen aus der Kutsche, doch noch bevor wir die Hauptstadt mit all ihren Sehenswürdigkeiten wie dem Imperialen Palast oder den Magierakademien bewundern konnten, fielen uns zwei zwielichtige Gestalten auf, die man aufgrund ihrer Statur am besten als Dick und Doof beschreiben konnte. Sie starrten mich unverhohlen an und machten scheinbar irgendwelche Geheimzeichen, die ich jedoch nicht deuten konnte. Ob sie mich mit meinem Doppelgänger verwechselten? Magnus trat forsch vor und sprach die Männer an; sie drucksten ein wenig herum und folgten dann schließlich einer finster aussehenden Gestalt mit Mantel und Schlapphut in ein nahegelegenes Gebäude.

Magnus, der ja schon mal in Altdorf war, führte uns schließlich zu einer seiner Lieblingsspelunken. Doch noch auf halbem Wege dorthin wurde er von einem alten Flussschiffer erkannt und freudig begrüßt; es war der alte Josef Quartjen, ein Freund von Magnus' Vater. Mit ihm gingen wir in eine Hafenkneipe. Auf dem Weg erzählte er uns, dass er – wie es der Zufall will – eine Weinlieferung nach Bögenhafen habe, und so heuerten wir für den nächsten Tag an.

In der Kneipe ging es hoch her, und wir becherten ordentlich. Plötzlich flog die Tür auf, und ein narbengesichtiger Schlägertyp kam herein. Sofort wurden die Gespräche leiser, und alle versuchten tapfer, den Hünen zu ignorieren. Es handelte sich um den berüchtigten Schläger Max Ernst, und alle waren froh, als er sich an einen abgelegenen Tisch setzte und mit einer Flasche Schnaps beschäftigte.

Nach einer Weile kehrte wieder Normalität ein, und Josef gab ein paar (eigentlich nur für den Betroffenen) peinliche Details aus Magnus' Kindheit preis. Schallend lachten wir auf Kosten unseres Glühwürmchenbändigers, bis zu dem Punkt, an dem Josef die magische Ausbildung von Magnus bei dem Zauberer Blitzen ansprach. Noch bevor die Bedeutung dieser Worte in unsere vom Alkohol vernebelten Hirne einsinken konnte, flog die Tür erneut auf. Diesmal torkelten zwei adelige Jünglinge herein. Sie begannen, die Anwesenden zu provozieren und zu drangsalieren. Eigentlich hätten sie furchtbar den Frack vollgehauen bekommen – wären da nicht ihre vier schwer gepanzerten und bewaffneten Leibwächter gewesen! So ließen alle die Pöbeleien über sich ergehen. Selbst Answald gelang es sich zu beherrschen – bis die beiden Kröten Mist bringen ließen und versuchten, Answald zum Essen desselben zu überreden. Als er sich weigerte, sprang Max Ernst von seinem Stuhl auf, da er offenbar Gefallen an der Idee des Scheiße fressenden Holzfällers gefunden hatte. Answald rammte ihm die Donnerbüchse, die er tags zuvor den schlaffen Fingern des toten Kutschers entnommen hatte, in den Leib und betätigte den Abzug. Ich drehte meinen Kopf weg, um nicht allzu viel Blut und Eingeweide ins Gesicht zu bekommen, doch außer einem lauten „Klick!“, gefolgt von absoluter Stille, geschah nichts.

Allzu lange hielt die Stille freilich nicht an; ein dumpfer Schlag, gefolgt vom Plumpsen eines fallenden Körpers und dem Japsen Answalds, ließen mich meinen Kopf wieder dem Schauspiel zuwenden. Mit einem Leberhaken hatte Max den armen Answald gefällt, und nun schob er ihm mit der Stiefelspitze Pferdemist in den Mund! Wenigstens trollte sich der Schläger anschließend aus der Kneipe, und auch die beiden feinen Pinkel verabschiedeten sich nach einer Weile mitsamt ihren Gorillas. Ich folgte ihnen ein kleines Stück und bewarf sie schließlich aus der Deckung heraus mit ein paar Pferdeäpfeln, doch konnte sie leider nicht treffen.

Als ich in die Kneipe zurückkehrte, spülte Answald gerade die letzten Brocken mit Schnaps aus seinem Mund, und die Feier ging weiter, als sei nichts gewesen. Schließlich hatten alle genug, und wir folgten Josef hinaus und zu seinem Boot, auf dem wir die Nacht verbringen wollten. Bernard, der sich mit Trinken zurückgehalten hatte, bemerkte schließlich Verfolger. Er blieb zurück, um zu sehen, wer uns dort hinterherschlich. Als wir aus der Entfernung das zweifache Schnalzen einer Armbrustsehne hörten, eilten wir zurück – und fanden Bernard neben den Leichen von Dick und Doof vom Marktplatz stehend wieder. Beiden Toten ragte ein Bolzen aus den hässlichen Visagen. Bernard hatte den Schützen nicht gesehen. Leider fanden sich keine Hinweise auf ihre Identität bei der Durchsuchung der Leichen, und so entsorgten wir sie im Kanal, bevor wir den Weg zu Josefs Schiff fortsetzten. Hier wurden wir kurz mit Josefs Besatzung, dem Paar Wolma und Gilda samt ihrem Säugling, bekannt gemacht, und fielen sodann erschöpft in unsere Hängematten.

Früh am nächsten Morgen weckte uns Josef mit der Kunde, dass wir von den Stadtwachen gesucht werden. Einer der feinen Pinkel vom gestrigen Abend war wohl im Rahmen seiner Pöbeltour in einen Hinterhalt geraten und getötet worden, und die letzten bekannten Opfer des jungen Adeligen, die auf Rache aus sein könnten, waren nun mal wir. Also machten wir sofort die Leinen los, verbargen uns unter Deck und schipperten los. Erst als wir durch die Schleuse hindurch und im Weißbruckkanal waren, welcher uns zum Bögenfluß führen sollte, machte sich langsam Entspannung breit.

Die erste Nacht rasteten wir an der Anlegestelle beim Gasthof „Jürgens Weiler“. Sicherheitshalber schliefen wir an Bord und stellten Nachtwachen auf. Während Answalds Wache brach auf Deck plötzlich ein Tumult aus. Als wir aus dem Laderaum hinaufstürzten, hörten wir nur noch ein lautes Platschen. Answald stand selbstzufrieden an der Reling, seine mit frischem Blut besudelte Axt in der Hand. Er hatte eine Gestalt bemerkt, die über das Ankertau an Bord klettern wollte, und diese kurzerhand mit einem beherzten Axthieb wieder ins Wasser befördert. Der Rest der Nacht verlief ereignislos.

Am nächsten Tage verlief die Reise ruhig weiter. Josef erzählte uns, dass wir bereits weit genug von Altdorf weg seien, niemand würde uns mehr suchen. Trotzdem stellten wir in der Nacht Wachen auf, doch niemand bemerkte etwas Außergewöhnliches.

Auch der dritte Tag verlief zunächst ereignislos. Jedoch wurde Bernard nach dem Mittagessen plötzlich kreidebleich und hielt sich, vor Schmerzen zusammengekrümmt, seinen Leib. Er erkannte seine Symptome als die einer Vergiftung, und nur das Gegengift, welches Answald in seinem Bündel hatte, rettete ihm das Leben. Nach etwas Überlegung fiel uns auf, dass Bernard als einziger von der Fischsoße gegessen hatte. Diese musste vergiftet worden sein, doch von wem? Ein Verdacht bezüglich der Täterschaft drängte sich am Abend auf, als wir die Stadt Weißbruck erreichten und an der Schleuse in den Bögen anlegten: An der Wand des dortigen Gasthofes „Zum Schwarzen Gold“ lehnte eine Gestalt: Der finstere Begleiter von den (mehr oder weniger) seligen Dick und Doof, den wir an der Kutschstation gesehen hatten! Seine Armbrust locker geschultert, starrte er uns unverhohlen an und ging schließlich ins Innere der Gaststätte.

So langsam beschlich mich der Verdacht, dass die Sache mit der Erbschaft doch nicht so unkompliziert vonstattengehen würde, wie wir zunächst gehofft hatten...
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Offline Drantos

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #14 am: 22.04.2010 | 23:15 »
Auf dem Weg nach Bögenhafen werden unsere Protagonisten von Kopfgeldjägern, geheimnisvollen Meuchelmördern und ihrem eigenen Ungeschick behindert. Zudem stellt sich heraus, dass erben schwieriger ist, als man denkt.

Warnung ! Der kommende Spielbericht behandelt das Abenteuer "Shadows over Bögenhafen" aus der "Enemy within" Kampagne und ist voller Spoiler.


7. Sterben statt Erben!


Es bestand kein Zweifel, dass es sich bei der dunkel gekleideten Gestalt um den Kerl handelte, den wir am Platz in Altdorf sahen: Die Strangnarbe an seinem Hals identifizierte ihn eindeutig! Wir folgten ihm in die Taverne „Zum Schwarzen Gold“. Als wir jedoch den Schankraum betraten, war von dem Mann weit und breit nichts zu sehen. So setzten wir uns erst mal und bestellten Trank, Speise und ein Zimmer für die Nacht. Die Bedienung konnte uns verraten, dass es sich bei der finsteren Gestalt um den Kopfgeldjäger Adolphus Kuftu handele, welcher seit gestern in der Stadt herumlungere.

Nach einer kleinen Shoppingtour bezogen wir unsere Zimmer. Magnus hatte dann einen cleveren Vorschlag: Nun, wo jeder dachte, wir würden im Gasthaus nächtigen, könnten wir ja zurück aufs Schiff schleichen und dort schlafen. Zum einen würden dann nächtliche Besucher dumm aus der Wäsche schauen, wenn sie unsere leeren Betten vorfänden; zum anderen waren da ja noch Josef und seine Besatzung, die bei einem Angriff auf das Boot nicht viel Gegenwehr leisten konnten.

Wir kletterten im Dunkeln aus dem Fenster hinaus und schlichen zum Hafenvorplatz. Plötzlich hielt Magnus uns zurück: Seine unglaublich sensiblen Augen hatte schon wieder etwas wahrgenommen, das sonst keiner sah: An einer Hauswand zu unserer Rechten lehnte eine bullige Gestalt und beobachtete das (nicht mehr vorhandene) Treiben auf der Straße. Nach einigen Diskussionen konnten Richard und ich in dem Mann keine Bedrohung erkennen; schließlich war es ja nicht verboten, abends ein wenig draußen zu sitzen, und so gingen wir rasch hinüber zum Boot. Eine Fehleinschätzung, wie ich zu meinem Bedauern leider zugeben muss.

Auf halbem Wege erklang ein lautes Scheppern, gefolgt von unbändigen Flüchen, die selbst den abgebrühtesten Halunken vor Scham hätten erblassen lassen: Answald hatte versucht, sich an den Unbekannten anzuschleichen. Jedoch verlor er scheinbar den Überblick über seine beiden Füße und warf beim nun folgenden Sturz unerklärlicherweise die Arme nach hinten, anstatt sich vorne abzustützen. Jedenfalls bekam der Pflasterstein, auf dem Answald die Wucht seines Sturzes mit dem Schneidezahn abfing, einen tiefen Sprung, und auch das Gebiss unseres Holzfällers überstand den Moment nicht unbeschadet. Schon nach kurzer Zeit waren seine wilden Flüche zum Glück aufgrund der rasch einsetzenden Schwellung nur noch zur Hälfte verständlich. Trotzdem rannte der Unbekannte, der vor Schreck wie von der Tarantel gestochen aufgesprungen war, den Kanal entlang hinfort, als sei er ein Dreiarmiger auf der Flucht vor einem Rudel Hexenjäger.

Richard und ich verbargen uns abwechselnd an Deck, um Wache zu halten. Magnus und Bernard beobachteten das Boot weiterhin aus den Schatten der Hafengebäude heraus. Der stark übellaunige Answald verzog sich mürrisch, nachdem er sein geschundenes Gesicht im Wasser notdürftig gereinigt hatte, unter Deck und verkroch sich in seiner Hängematte.

Während Richards Wache erscholl plötzlich ein Klirren auf Deck, und plötzlich stand das Führerhaus des Bootes in Flammen – jemand hatte eine Brandbombe geworfen! Ich eilte an Deck und sah drei Angreifer auf unser Boot klettern. Richard konnte die Männer – unter denen sich der Kerl von eben befand – nur mit Mühe zurückhalten. Erst als vom Ufer her Magnus und Bernard in den Kampf eingriffen und auch ich meinen Streitkolben auf einen der Angreifer hinab sausen ließ, begann der Kampf zu unseren Gunsten zu verlaufen. Nachdem Bernard und Magnus einen der Männer erschlagen und auch Richard und ich unseren Gegner niedergerungen hatten, erschien endlich Answald, zornig über die Störung seiner Nachtruhe laut brüllend, im brennenden Eingang zur Kajüte. Der Anblick war scheinbar so furchterregend, dass der letzte verbleibende Angreifer seine Waffe fallen ließ und mit einem Satz in den schwarzen Fluten des Weißbruckkanals verschwand.

Noch während wir uns umwandten, um Josef und der Crew beim Löschen zu helfen, drang endlich das schon einige Male erklungene Schnalzen einer Armbrustsehne zu uns durch: Schon während des gesamten Kampfes waren wir aus dem Hinterhalt heraus beschossen worden; es war nur unserem Glück zu verdanken, dass noch keiner der Bolzen ein Ziel gefunden hatte! Doch zumindest für Bernard endete dieses Glück vorerst: Hart schlug er auf dem Pflaster auf, als ein Bolzen in seine Brust einschlug. Kurz darauf traf ein zweites Geschoß den Kopf des Hilflosen. Fassungslos starrten wir den nun reglosen Körper an. Magnus stürmte zornig brüllend voraus in die Richtung, in der er den Schützen vermutete, und der Rest von uns folgte ihm kurz darauf.

Die Vermutung war richtig: Vom Dach der Spelunke „Schwarze Katze“ sprang Adolphus, die Armbrust auf dem Rücken und sein Schwert in der Hand. Er teilte kräftig aus, und wir mussten so manchen Hieb einstecken, bis es mal wieder Answald war, der dem Gegner mit zornigem Brüllen die Axt in den Unterleib schmetterte. Noch während der Körper des Kopfgeldjägers leblos zu Boden fiel, riss er seine Waffe mit einem wütenden Ruck aus dem Bauch heraus, und ein Schauerregen aus Blut, Gedärm und Eingeweiden regnete auf uns herab. Bernard, wie durch ein Wunder doch nicht so schlimm verletzt wie es zunächst den Anschein hatte, torkelte benommen zu uns herüber und nuschelte mit einem Blick auf den zerstörten Leib Adolphus', dass er bei solchen Verletzungen aber auch nichts mehr machen könne.

Rasch durchsuchte ich den Mann. Außer ein wenig Kleingeld und ein paar Handschellen fand ich einen Brief. Magnus las uns später vor, dass darin ein gewisser Q.F.  Adolphus mitteilte, dass mein Doppelgänger Lieberung auf dem Weg nach Altdorf sei. Rasch ließ ich Geld und Brief unter meinem Hemd verschwinden als pünktlich zur Beendigung der Feindseligkeiten die Wache angetrabt kam. Nach einigem Hin und Her konnten wir sie schließlich davon überzeugen, dass wir uns nur gegen die Angreifer gewehrt hatten; der Hauptmann der Wache identifizierte die Kumpane Adolphus' auch prompt als lokale Kriminelle, denen niemand nachweinen würde. Murrend schafften die Soldaten die Leichen zum Morrtempel, und wir versuchten es mit ein wenig Nachtruhe auf dem mittlerweile gelöschten Schiff.

Es war schon wieder Richards Wache, als von oben ein gedämpftes Poltern erklang. Noch während ich schlaftrunken blinzelte, bewegte sich eine schwarz gekleidete und vermummte Gestalt lautlos in unseren Schlafraum – in der Hand einen Dolch, von dessen geschwärzter Klinge dunkelgrünes Gift und frisches rotes Blut troff! Reflexartig hieb ich mit meinem Streitkolben in Richtung des Angreifers. Der Schock Muss mir ungeahnte Kräfte verliehen haben, jedenfalls richtete meine Waffe eine Verwüstung mit dem Schädel der Gestalt an, wie wir sie bislang nur von der Axt Answalds kannten, und sie brach ohne einen Laut von sich zu geben zusammen. Unter der Maske verbarg sich das Gesicht einer (vor dem Kontakt zu meinem Streitkolben) recht hübschen jungen Frau. Den Giftdolch im Blick, rannten meine Kameraden hoch zu Richard – er lag leblos an Deck, ein kleiner Schnitt an der Wange die einzige Verletzung, die ihm die Meuchelmörderin beigebracht hatte. Zum Glück konnten wir im Bündel der Frau eine Phiole mit dem Gegengift entdecken, nach dessen Verabreichung sich Richard auch rasch erholte. Wie auch ihre Verbündeten hatte die Angreiferin keinen Hinweis auf ihre Identität oder Auftraggeber bei sich. Nur die Tätowierung einer purpurnen Hand zierte ihre Hüfte.

Josef kam die Vielzahl der Konfliktsituationen, die sich in unserer unmittelbaren Nähe ereigneten, langsam verdächtig vor. Folgerichtig verbrachte er die nächste Nacht (nach einer ereignislosen Tagesreise durch die Schleuse und den Bögen) nicht an Bord seines Schiffes, sondern bei einem befreundeten Bauern. Seine Besatzung folgte seinem Beispiel, und so hatten wir das Schiff für uns allein. Wir hielten doppelte Wachen, doch nichts geschah. Scheinbar hatte sich die Zahl unserer Feinde nach den Todesfällen am Vorabend derart reduziert, dass zunächst keine weiteren Angriffe zu befürchten waren. Dies wurde bestätigt, als auch am nächsten Tag nichts Ungewöhnliches vorfiel.

Am Tage drei nach der Weißbruck'schen Nacht des Blutes erreichten wir um die Mittagszeit Bögenhafen. Hier löschte Josef seine Ladung (diesmal im seemännischen Sinne), während wir loszogen, um sowohl in Sachen Erbschaft weiterzukommen als auch uns auf dem großen Fest zu vergnügen. Jedoch scheiterte unser erstes Vorhaben schon an einem ganz banalen Problem: Keiner konnte uns sagen, wo wir die Notare finden konnten. Weder ihre Namen noch die Anschrift waren den Befragten geläufig. Bei der Stadtwache empfahl man uns, den Ratsherrn Richter zu fragen. Dieser sei auf dem Festplatz zu finden. Also ging es nun über den großen Festplatz vor den Stadtmauern, wo der Viehmarkt gerade in vollem Gange war. Am Zelt mit dem Wappen der Stadt angekommen, versperrten uns zunächst die Wachen den Weg. Jedoch wurden der „Gelehrte Magnus Domus und sein Gefolge“ eingelassen, nachdem wir das bei allen Jahrmarktsattraktionen übliche Eintrittsgeld entrichtet hatten. Jedoch brachte uns dieser Aufwand keinen Schritt weiter. Doch, etwas war nun gewiss: Da auch der Ratsherr die Namen der Anwälte noch nie gehört hatte und es die im Briefkopf genannte Adresse definitiv nicht gab, konnten wir nun sicher sein, dass der Brief meines Doppelgängers eine Fälschung war und irgendjemand auf Kosten des verblichenen Kastor Lieberung... ja, was nur erreichen wollte? Das war hier die Frage.

Doch einen Hinweis hatten wir noch: die Druckerei Schulz & Friedman, die den gedruckten Briefkopf hergestellt hatte! Es handelte sich um einen Betrieb in einem besseren Stadtviertel in der Fuhrlohnstraße. Magnus und Richard gingen in das Gebäude hinein und fragten sich zu einem der Firmeninhaber durch. Unter dem Vorwand, einen größeren Auftrag zu haben, gelang es Magnus dann auch, dem Inhaber ein paar Informationen aus der Nase zu ziehen: Der Briefkopf war von unserem Freund Adolphus, möge seine stinkende Seele im hintersten Winkel der Hölle verrotten, vor einigen Wochen in Auftrag gegeben und abgeholt worden.

So hatte sich der Kreis zwar zum Teil geschlossen, aber wirklich schlauer waren wir trotzdem nicht.

Warum nahm ein Kopfgeldjäger die Mühe auf sich, meinen Doppelgänger durch das halbe Imperium nach Bögenhafen zu locken?

Und warum erfolgten auf halbem Wege (und nicht etwa schon in Altdorf oder erst hier am Zielort) Anschläge auf unsere Gruppe?

Waren wir etwa alle nur Teil eines großen Spieles, welches uns unser Handeln nach den durch einen mächtigen Gott festgelegten Abfolgen aufzwang?

Waren wir überhaupt freien Willens, oder wurden all unsere Handlungen durch mächtige Wesen gesteuert, die lachend und Chips fressend auf einem Dachboden um einen Tisch herum saßen und sich über uns kleine Wichte amüsierten?

Da wir von all diesen quälenden Fragen ohnehin schon Kopfschmerzen bekommen hatten, kam es nun auch nicht mehr drauf an; wir mischten uns unter das Volk und feierten mit Wein, Weib und Gesang bis weit in die Nacht hinein. Dafür reichte unser Vermögen nämlich auch ohne die doofe Erbschaft, die keine war!

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #15 am: 27.04.2010 | 15:55 »
Danke für den Bericht. Wirklich schön zu lesen!
UND: Unbedingt weiterspielen, auch wenn im Moment alles etwas undurchsichtig und verworren scheint!

Meine Gruppe hatte damals leider nicht den nötigen langen Atem, sodass sich die Gruppe
ca. 2 Spielabende nach der Stelle, an der ihr euch befindet, aufgelöst hat.
Eine Spielerin muss ich ausnehmen. Sie hätte mit ihrer Köhlerin Ignazia, einer Cousine des Fährmanns Josef,
 trotz schon vorhandener Wasserphobie  ;D ,wirklich gerne weitergespielt.
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Offline Drantos

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #16 am: 27.04.2010 | 23:20 »
Keine Panik, wir haben bis jetzt über 60 Sitzungen hinter uns und sind im finalen Band "Empire in Flames" von Alfred "Mad Alfred" Nunez. Ich schätze mal, dass wir die Kampagne im Sommer fertig haben und ich plane jede Woche einen Beitrag einzustellen. Ist also noch Lesestoff für mehr als ein Jahr.

Die ersten 45 Sitzungen hat unser Chronist als Buch binden lassen und dann jedem Spieler ein exemplar zu Weihnachten geschenkt. War ne schöne Überraschung.

Frust gab es zwischendurch genug. Das lag vermutlich daran, dass ich die Spieler am Anfang so übel eingeschüchtert hatte (fiese Welt, Inquisition, undurchschaubare Intrigen), dass sie manchmal gehörig angestupst werden mussten, um sich überhaupt noch was zu trauen.

Unser Chronist trug wesentlich zum Erfolg der Kampagne bei, da er so ziemlich jeden Warhammer Roman gelesen hat und so in jeder Stadt kleine Anekdoten erzählen konnte, die das Flair von Warhammer gut rübergebracht haben. Manche SL kommen damit nicht klar, wenn ihre Spieler zuviel über das setting wissen. Ich kann mir nichts schöneres vorstellen.

Für mich gestaltete es sich schwierig bei den ganzen komplexen Handlungssträngen den Durchblick zu wahren. Manchmal hab ich Mist gebaut und den Spielern fehlte eine wichtige Information. Das musste ich dann irgendwie wieder gerade biegen. Gut für mich war, dass die Spieler nicht so oft vom Hauptstrang weggehüpft sind. Sie haben meistens die Informationen schön nacheinander abgearbeitet. In Kislev wurd es dann ein wenig wild, aber das kommt später noch.


cu Drantos
« Letzte Änderung: 27.04.2010 | 23:25 von Drantos »
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Offline Germon

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #17 am: 28.04.2010 | 12:01 »
...ich plane jede Woche einen Beitrag einzustellen. Ist also noch Lesestoff für mehr als ein Jahr.
:d

...bin auch fleißig am Lesen hier.
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Offline Drantos

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #18 am: 28.04.2010 | 23:53 »
@Germon: Ausgezeichnet. Jegliches Lob gebe ich an unseren fleißigen Chronisten weiter  :)


Das Fest hatte seine eigenen Tücken. Die armen Kerle gerieten an Starkbier, dreibeinige Goblins und brutale Kirmesschläger. Die Krönung war jedoch ein ausgiebiger Aufenthalt in der berühmten Kanalisation Bögenhafens (Badeurlaub mit eingeschlossen)...

Warnung ! Der kommende Spielbericht behandelt das Abenteuer "Shadows over Bögenhafen" aus der "Enemy within" Kampagne und ist voller Spoiler.


8. Wir ham' den Kanal noch lange nicht voll...


Mit dem Vorsatz, die Enttäuschung über die geplatzte „Erbschaft“ mit ein paar Humpen Bier fortzuspülen, begaben wir uns zum Festplatz. Auf dem Weg dorthin hörten wir einige Passanten über einen verrückten Prediger reden, der auf dem Götterplatz steht und verzweifelt versucht, von den Sigmariten auf den nächsten Scheiterhaufen geschnallt zu werden; nur so ließen sich die Gerüchte erklären, dass er lauthals wirre Geschichten vom Ende der Welt, Gesichtern auf Morrsliebs Oberfläche und vergleichbarem Unfug erzählt. Wir schenkten diesen Gerüchten zunächst keine Beachtung, da die Welt voll ist von Spinnern, die derart ketzerisches Zeug von sich geben.

Der erste Getränkestand auf dem Festplatz, welcher uns ins Auge fiel, verkaufte das legendäre Bugmans Bier. Da noch keiner von uns diesen Trunk gekostet hatte, war nun der richtige Moment gekommen, es zu tun. Das Bier schmeckte köstlich, haute aber ordentlich rein. Besonders Answald schien das Getränk zu Kopfe zu steigen; es bedurfte nicht viel, und schon stand er im Boxring dem Kämpfer „Crusher Brogan“ gegenüber. Der alte Boxer schien schon einige Kämpfe hinter sich zu haben, und so standen die Chancen Answalds gar nicht schlecht; anfangs teilte er auch ordentlich aus, jedoch machte sich nach einigen Minuten die Erfahrung des Kirmesboxers bemerkbar, und mit einem glücklichen Treffer schickte er Answald auf die Bretter. Bernard bekam von dem Spektakel leider nicht viel mit – er hätte das Bier lieber nicht auf nüchternen Magen trinken sollen. Andererseits war dies vielleicht auch gut, da er so nur in seine eigene sehr flüssige Kotze fiel und sich keine größeren Nahrungsbröckchen in seinem Haar verfangen konnten.

Im Kuriositätenkabinett des Dr. Malthusius wurde eine dreibeinige Kreatur ausgestellt, die wohl ein mutierter Goblin sein konnte und Besucher für die nächste große Vorführung anlocken sollte, welche lautstark durch den Doktor angekündigt wurde. Doch noch während der Schausteller seine Abartigkeiten anpries, biss sich der Goblin seine Leinen durch und hoppelte auf seinen drei Beinen flink auf uns zu. Es gelang mir gerade so, das Ende des Seiles um seinen Hals zu ergreifen und ihn festzuhalten. Schnell schaffte der zwergische Gehilfe Malthusius' die Kreatur wieder in ihren Käfig, und man lud uns dankbar zu einer Gratisvorstellung ein. Die Wartezeit bis zum Vorstellungsbeginn überbrückten wir mit dem, was man auf einem Rummelplatz eben so tut: Wir feuerten die Teilnehmer von Schlägereien an, verspotteten sie wenn sie von der Stadtwache verdroschen wurden, ich besuchte eine (völlig unechte und nur dämliche Aussagen treffende) Wahrsagerin und beim Glücksrad gewannen wir allerlei Tand. Nur mit Mühe konnten wir Answald davon abhalten, die Schwertschlucker nachzuahmen (hätte er nicht versucht, sein Schwert Griff voran zu schlucken, hätte der Tag wohl beim Heiler geendet).

Nach einer Stunde begann endlich die Freakshow. Zunächst war alles recht langweilig: Wir bekamen durchschnittlich Erschreckendes zu sehen, von einem einäugigen Hund über die obligatorische bärtige Frau bis hin zum Wolfskind. Erst zum Schluss, als der dreibeinige Goblin an den Zuschauern vorbeigezerrt wurde, kam ein wenig Bewegung in die Sache. Die Kreatur, der der kurze Ausflug in die Freiheit zuvor scheinbar gefallen hatte, Biss Dr. Malthusius plötzlich herzhaft in die Hand, so dass dieser mit einem schmerzerfüllten Schrei die Leine fallen ließ, und rannte dann mit ihrem grotesken dreibeinigen Galopp auf die Stadtmauer zu! Wir sprangen auf, um das Wesen erneut einzufangen, doch ehe wir es einholen konnten, hatte es sich durch ein enges Gitter hindurch in die Kanalisation der Stadt verkrümelt.

Malthusius, seine blutende Hand haltend, wimmerte und wehklagte ob des Verlustes seiner Hauptattraktion. Er bot und fünfzig Kronen für die lebendige Wiederbeschaffung des Goblins. Die herbeigeeilten Stadtwachen, angeführt von Magistrat Richter, boten uns das Doppelte, egal ob tot oder lebendig. Da sich dieser Auftrag nach leicht verdientem Geld anhörte (werden wir je lernen, dass bei solchen Unterfangen stets ein Haken dran ist?), holten wir rasch unsere Ausrüstung, nüchterten den immer noch sternhagelvollen Bernard bei einer Kräuterfrau mit einer ordentlichen Prise Schwarzen Lotus' aus und ließen uns von dem Wachhauptmann Schultz zum nächsten Eingang in die Katakomben führen.

Der Gestank war im ersten Moment überwältigend. Besonders die Gruppenmitglieder, die ihr Leben nicht in der Gosse verbracht hatten, mussten arg mit dem Brechreiz kämpfen. Trotzdem kämpften wir uns auf dem schmalen Fußweg am Tunnelrand neben der stinkenden Brühe bis zu dem Punkt vor, an dem der Goblin in die Kanalisation eingestiegen war. Auf der Suche nach Spuren sprang ich auf die andere Kanalseite – und rutschte natürlich prompt auf dem glitschigen Untergrund aus! Mit einem lauten Klatschen tauchte ich unter, und als ich beim Auftauchen das Gelächter meiner so genannten Freunde hörte, wünschte ich mir, dass bei meinem Aufschlag mehr von der Scheiße in ihre Richtung gespritzt wäre. Bernard, noch immer mit ganz glasigen Augen, hatte eine gute Idee: Wir organisierten uns eine Holzbohle, um den Kanal bei Bedarf auf etwas angenehmere und weniger spektakuläre Art und Weise überqueren zu können. Richard entdeckte schließlich einen Fleck bei einem Seitentunnel, und Magnus erkannte mit seinen scharfen Augen, dass es ein schwarz-blutiger Handabdruck war. Der Goblin musste sich bei seinem Einstieg in die Kanäle verletzt haben! Nun, da wir wussten, wonach wir suchen mussten, war es kein Problem mehr, der Spur zu folgen. Bernard jedoch weigerte sich, den engen Tunnel zu betreten, und so zogen wir zunächst ohne ihn weiter.

Schon nach wenigen Metern kamen wir - an eine Holztür! Diese hätte keiner hier unten zu finden gedacht. Auf einem Stein neben der Tür waren Diebeszeichen angebracht, welche besagten, dass es sich um einen sicheren Platz handele. Nach ein wenig Suchen fand ich auch den passenden Schlüssel für die Tür. Was nun folgte, war eine Begegnung der etwas anderen Art... Im Raum hinter der Tür saßen drei Gestalten – ihrem Aussehen nach und aufgrund des Ortes, an dem wir uns befanden, vermutlich Angehörige der hiesigen Diebesgilde – und blickten erstaunt und alarmiert auf. Ich tischte ihnen rasch einen erfundenen Grund für unsere Anwesenheit auf, und als der Anführer der Männer uns näher winkte, traten wir auf ihn und seine Kameraden zu. Doch kaum waren wir in der Raummitte angekommen, da klappte der Boden unter unseren Füßen weg – eine Falltür! Wir rutschten einige Meter in die Tiefe, und wer vom Aufprall unten nicht schon benommen war, wurde von dem dort wartenden Dutzend Bewaffneter überwältigt, gefesselt und mit dem Kopf in einen stinkenden Sack gesteckt. Als dieser wieder entfernt wurde, fanden wir uns auf Stühle gefesselt wieder. Die drei Männer von vorhin, die sich als der Anführer Franz sowie die Brüder Reinhard und Reinhold vorstellten, löcherten uns mit Fragen zu unserem Aufenthalt hier unten. Offenbar waren sie nicht sehr begeistert darüber, dass ihr Versteck gefunden worden war. Nur meine mageren Kenntnisse der Diebeszeichen und das Versprechen, niemandem etwas von diesem Versteck zu verraten, retteten uns vor dem Schicksal, mit dem Kopf nach unten im Kanal treibend zu enden. So schnell wie der Spuk begonnen hatte, endete er auch wieder: Die Säcke wurden erneut über unsere Köpfe gestülpt, und ehe wir so recht begriffen was vor sich ging, hatten uns unsere „Gastgeber“ wieder in den Kanälen ausgesetzt und waren verschwunden. Ich sehe das Ganze lieber positiv: Wir haben soeben erfolgreich unsere ersten Kontakte zur hiesigen Diebesgilde geknüpft!

Nachdem wir ein wenig umhergeirrt waren, trafen wir wieder auf Bernard und die Goblinspur, der wir nun gemeinsam weiter folgten. Hierbei waren wir froh über die mitgenommene Bohle, da an mehreren Stellen der Laufsteg weggebrochen war und es auch einige Male erforderlich wurde, den Kanal zu überqueren. Auch an weitaus gefährlicheren Hindernissen mangelte es nicht: So war an einer Stelle die Tunnelwand mit einem roten Pilz überzogen, welcher laut Bernard Wahnsinn und Blindheit auslösen kann. An einer anderen Stelle roch die Luft plötzlich stark nach Schwefel, und plötzlich entzündete der Feuerschein unserer Fackeln die Luft: Hier hatte sich Gas im Tunnel gesammelt! Mit einem lauten Knall und einer Stichflamme verpuffte das Gas und schleuderte uns in die trüben und stinkenden Fluten, wo wir eine Weile betäubt vor uns hin strampelten. Nun sahen meine Kameraden wenigstens genauso aus wie ich, und ein gewisses schadenfrohes Grinsen konnte ich nicht unterdrücken. Selbiges fiel mir jedoch schon bald wieder aus dem Gesicht: Nur wenige Meter weiter den Gang hinunter trieb die Leiche eines kräftigen Zwerges vorbei – oder zumindest das, was von ihm übrig war: Ein Arm war abgerissen, sein Körper übersät mit Stichwunden, und der Blick in den weit aufgebrochenen Brustkorb ließ vermuten, dass mindestens das Herz, wenn nicht sogar noch weitere Organe, nicht mehr an ihrem Platze waren (von den durch Rattenfraß verursachten Verletzungen ganz zu schweigen...). Trotzdem erkannten wir das Gesicht des Zwergen: Es war einer der Unglücklichen, die am Mittag noch auf dem Pranger vor dem Gerichtszelt angekettet waren, sogar Reste des verdorbenen Gemüses, mit dem er beworfen worden war, klebten noch in seinen Haaren und seinem Bart. Wir bewegten uns nun umso vorsichtiger, da wir einem Wesen, das derartige Verletzungen verursachen kann, lieber nicht begegnen wollten.

Schließlich führte uns die Goblinspur zu einer weiteren, sehr massiven Holztür mit vergittertem Fenster. Dahinter konnte man eine Art Tempelraum erkennen, jedoch fiel unser Blick schwerpunktmüßig auf den riesigen Goblinblutfleck und den abgenagten Goblinhüftknochen, welcher auf unserer Seite der Tür lag. Schwer schluckend erkannten wir die drei Gelenke an dem Knochen – es handelte sich eindeutig um „unseren“ Goblin. Nun ja, damit war unser Auftrag wohl beendet, und da wir keine Lust hatten, das Schicksal der Kreatur zu teilen, eilten wir zum nächsten Ausstieg aus der Kanalisation. Draußen war es mittlerweile tiefste Nacht. Glücklicherweise wusste die vorbeikommende Patrouille von unserem Auftrag, sonst hätten die Männer uns am Ende noch für welche von den zwielichtigen Gestalten gehalten, die wir aus einiger Entfernung auch dort unten hatten herum huschen sehen. Als wir uns zum Fluss begaben, um zumindest den gröbsten Dreck abzuwaschen, fiel uns auf, dass Morrslieb, welcher eigentlich nur eine dünne Sichel hätte sein dürfen, voll am Himmel stand. Aber was soll's, was will man von einem Chaosmond erwarten...

Nach einer Nacht an Deck (Josef verweigerte uns aufgrund des immer noch latent vorhandenen Kanalduftes unsere Hängematten im Frachtraum) führte uns der erste Weg am nächsten Morgen in eine Badewanne, und auch unsere Garderobe bedurfte eines kompletten Austausches. Auf unserem Weg durch die Stadt kamen wir am Götterplatz vorbei. Hier fiel uns auch sofort der am Vortag erwähnte Ketzer auf, der – unter den wütenden Blicken der Wachen vor dem Sigmartempel – seine düsteren Prophezeiungen jedem Passanten, der es nicht wissen wollte, ins Ohr brüllte. Als wir an dem Irren vorbeigingen, geschah etwas Merkwürdiges: Er sah mich an, seine Augen wurden groß wie Untertassen, und auf mich deutend rief er laute Verwünschungen aus und behauptete, ich sei verflucht! Schreiend, lamentierend und auf mich zeigend hüpfte er noch einen Augenblick lang um uns herum und ergriff dann die Flucht, als sei eine ganze Schar seelenfressender Dämonen hinter ihm her. Die Sigmariten durchbohrten nun mich mit ihren starren Blicken, so dass wir rasch weiter zum Festplatz und dem Zelt des Magistrates Richter eilten.

Hier wartete die nächste Ungerechtigkeit auf uns: Richter begrüßte uns mit den Worten, dass ja leider der Goblin im Hafen von einer Kiste erschlagen wurde und wir daher keine Belohnung einfordern könnten. Dies habe ihm sein Kumpel Steinhäger, Patriarch einer alteingesessenen Adelsfamilie, erzählt, dem er mehr Glauben schenke als uns. Auch unser Sachbeweis in Form des abgenagten Goblinhüftknochens ließ ihn kalt... das heißt, es ließ ihn nicht kalt, sondern veranlasste ihn, angewidert von Geruch und Aussehen des Dinges, uns von seinen Wachen hinauswerfen zu lassen.

Steinhäger also. Das wollten wir selber hören und vor allem den Kadaver sehen! Auf ging es zum Lagerhaus am Hafen, wo wir auch gleich den Trunkenbold Anton auftreiben konnten, welcher mit dem Vorfall angeblich zu tun hatte. Dieser erzählte uns, nachdem er eine Flasche Fusel bekommen hatte, wie er heldenhaft die blutrünstige Goblinkreatur mit eigenen Händen im Kampf Mann gegen Monster erschlagen hatte. Die Diskrepanz dieser Geschichte mit Richters Version schien ihn nicht zu kümmern, jedoch konnten weder er noch der herbeieilende Vorarbeiter uns die Leiche des Goblins zeigen. Schließlich gaben wir es auf, uns mit diesen Deppen zu unterhalten. Wieso Hänschen fragen, wenn Hans es besser weiß? So begaben wir uns zum Sitz des alten Steinhägers, denn der schuldete uns nunmehr nämlich hundert Karls, und die wollten wir haben!


An diesem Tag war ich nicht optimal vorbereitet. Eigentlich lag der Hüftknochen des Goblins im Raum und nicht davor. Auch erscheint es mir unplausibel, dass ein Dutzend Diebe ständig auf ungebetenen Besuch wartet. Aber man kann ja nicht alles haben. Nicht besonders schlimm, aber mich ärgern solch kleine Fehler schon.


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« Letzte Änderung: 28.04.2010 | 23:55 von Drantos »
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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #19 am: 6.05.2010 | 21:55 »
Wieder einmal machen sich unsere Helden wider Willen auf, die Pläne der Mächtigen und Geistesgestörten zu durchkreuzen. Zerfetzte Bettler, dunstige Dämonen und ein Chronist, der seine Arbeit nicht gewürdigt sieht, bleiben auf dem Schlachtfeld zurück.



Warnung ! Der kommende Spielbericht behandelt das Abenteuer "Shadows over Bögenhafen" aus der "Enemy within" Kampagne und ist voller Spoiler.



9. Anecken um jeden Preis - Teil 1


Wir haben alle schlimme Kopfschmerzen. Leider liegt das nicht an der Tatsache, dass wir uns den Verstand auf dem Schafensfest weggesoffen haben (schön wär's). Dies hat unsere kleine Exkursion mit dem Goblin ja leider verhindert. Nein, es liegt viel mehr daran, dass so viel Verwirrendes geschehen ist... Aber der Reihe nach:

Während Bernard, Magnus, Richard und ich wutschnaubend in Richtung des Handelshauses vom ollen Steinhäger stürmten, blieb Answald zurück, um für ein paar Groschen Lohn beim Kistenschleppen im Hafen zu helfen. Im Nachhinein betrachtet, war dies die weisere Entscheidung. Doch kaum waren wir aus den Docks heraus, kaum plötzlich Josef angestürmt. Völlig außer Atem stammelte er etwas von einem Überfall und erzählte, dass Gilda und ihr Baby entführt worden seien! Sofort begleiteten wir ihn zurück zum Schiff, wo wir einen immer noch arg benommenen Wolma vorfanden, auf dessen Stirn eine faustgroße Beule prangte. Unter Tränen erzählte er uns, wie ein Ruderboot mit vier maskierten Männern darin neben Josefs Schiff gehalten habe. Die Männer griffen sich Gilda und das Baby der beiden, schlugen Wolma nieder und ruderten dann rasch einige Meter flussabwärts. Hier konnte Wolma noch sehen, wie sie in einem Kanal verschwanden, bevor er das Bewusstsein verlor.

Sofort stürmten wir in die angegebene Richtung. Einige Arbeiter konnten uns (motiviert durch ein paar Silberlinge) bestätigen, dass ein paar Männer vor einiger Zeit zwei Säcke in den Abwasserkanal getragen hatten. Super! Schon waren wir wieder in den Kanälen unterwegs... Wir konnten einige Schleifspuren auf dem schleimigen Boden ausmachen, welche uns – wer hätte das gedacht – bis vor die Holztür führten, bei der wir den kläglichen Rest unseres Goblins gefunden hatten. Die Entführer mussten Magda und ihr Töchterchen hier hineingezerrt haben! Magnus spähte noch einmal durch das Gitter und konnte einige merkwürdige Symbole ausmachen, die auf dem steinigen Boden angebracht waren. Plötzlich kam uns eine Idee: Da diese Tür, wie es das Schicksal des Goblins vermuten ließ, wohl gut bewacht war, gab es vielleicht einen einfacheren oberirdischen Eingang? Rasch suchten wir den nächsten Ausstieg, blickten in die vermutete Richtung des Kellerraumes – und blickten direkt auf ein großes frei stehendes Gebäude, an dessen Eingang ein Wappenschild hing, auf dem ein Fass mit einem „S“ darin prangte: Das Haus der Steinhägers!

Da dies vor der Unterbrechung durch Josef und die Entführung ohnehin unser Ziel war, umrundeten wir einmal kurz entschlossen das Haus und klopften schließlich am Hauptportal, wo uns auch durch einen Diener Einlass gewährt wurde. Dieser führte uns dann auch – durch einen Innenhof mit einem Teich – zum Büro des Patriarchen Franz Steinhäger. Dieser saß, von zwei kleiderschrankgroßen Leibwachen flankiert, an seinem Schreibtisch und stellte sich doof, als wir ihn mit der Goblingeschichte konfrontierten. Er wisse von der Sache nicht viel, verwies an seine Dockarbeiter und komplimentierte uns dann rasch hinaus. Prima, jetzt waren wir genauso schlau wie zuvor, und unseren hundert Kronen kein Stück näher.

Es schien nun an der Zeit, sich bei Ortskundigen ein wenig Rat einzuholen. Also stieg ich wieder in den Kanal hinab, um bei der Diebesgilde ein paar Informationen aufzutreiben. Durch die Tür gelangte ich in den geheimen Raum der Diebesgilde. Unter Vermeidung der Falltür setzte ich mich zu den anwesenden Dieben (Franz war nicht darunter) an den Tisch und erfuhr – nach Entrichtung der obligatorischen, aber immens hohen „Bearbeitungsgebühr“ - folgende Dinge:

- Die Tür unter dem Anwesen der Steinhägers wurde vor ungefähr einem Jahr eingebaut
- Immer wieder tauchen furchtbar verstümmelte Körper in der Nähe der Kellertür der Steinhägers auf, oftmals mit fehlenden inneren Organen – innerhalb des letzten Jahres wurden etwa acht Körper gefunden, genaueres wüssten die Bestatter
- Die Steinhägers (Franz, sein Bruder Heinrich und sein Sohn Albrecht) arbeiten seit einem halben Jahr scheinbar rund um die Uhr; man sah sie zu allen Tages- und Nachtzeiten in dem Kellerraum ein- und ausgehen
- Markerschütternde Schreie und beschwörender Singsang erschallen des Öfteren hinter der Tür
- Keiner der örtlich ansässigen Kriminellen ist in die Entführung von Magda verwickelt – und wenn doch, gibt es Ärger mit der Gilde

Zudem wurde mir ein alternativer Kontakt zur Diebesgilde genannt, welchen ich in Zukunft benutzen solle: Im Gasthaus „Zur gekreuzten Pike“, dem Stammlokal der Stadtwachen, solle ich den Wirt nach einem schlecht eingeschenkten Bier fragen. Mal wieder zeigt sich die Wahrheit hinter dem Sprichwort „Frechheit siegt“...

Da ein Eindringen in das Steinhäger'sche Anwesen zu riskant war, begaben wir uns mit Werkzeug ausgerüstet wieder zur Tür im Kanal. Dahinter war nun auch ein schwaches Wimmern zu hören! Mit vereinten Kräften schlugen wir die Tür ein und betraten den dahinter liegenden Raum. Am hinteren Ende des langen Raumes sahen wir zwei Bündel liegen – Magda und ihr Kind! Auf dem Fußboden lag ein schweres Kupferband in der Form eine Pentagramms, welches von Wand zu Wand reichte. An seinen Spitzen standen fünf silberne Kerzenständer mit schwarzen Kerzen, und in der Mitte war das Abbild einer Bestie ähnlich einem Tiermenschen abgebildet. „Ordo Septenarius“ las Magnus laut vor – so lautete die Inschrift der Zeichnung. Schwarzes, halb getrocknetes Blut – wohl von unserem Goblin – bedeckte den Boden an verschiedenen Stellen.

Noch während wir unsere Umgebung betrachteten, bildeten sich in der Mitte des Pentagramms plötzlich schwarze Rauchschwaden. Beißender Schwefelgeruch stach in unsere Nasen. Die Schwaden kreisten immer schneller um den Mittelpunkt des Drudenfußes und verdichteten sich schließlich zu einer Gestalt mit dem Kopf einer Bestie und schwarzen, fledermausartigen Flügeln. Starr vor Angst blickte ich auf die Kreatur – dies musste ein Chaosdämon sein! Mit einer tiefen, furchteinflößenden Stimmen rief uns das abscheuliche Wesen zu: „Halt! Kommt nicht näher! Verschwindet von hier!“

Liebend gern wäre ich seinem Vorschlag gefolgt, doch dann wären Gilda und das Kind verloren gewesen. Bernard ließ seinen Armbrustbolzen fliegen, und als sei dies das Zeichen zum Angriff gewesen, stürzte sich der Dämon auf uns. Kurze Zeit hoffte ich, dass er wie in den Geschichten und Märchen an der Barriere, die am Rand jedes Pentagramms sein soll, zerschellen würde. Jedoch flackerte der Dämon nur kurz auf, als er die Grenze überquerte, und war plötzlich mitten unter uns. Richard konnte sich gerade noch unter den Klauen des Monsters wegducken, ihm blieb jedoch keine Zeit für einen Gegenangriff. Da die Kreatur mir ihren Rücken zuwandte, hieb ich rasch auf sie ein, und siehe da: Ein Rinnsal schwarzen Blutes sickerte aus der Wunde, die ich ihm zufügen konnte. Der Dämon war nicht unsterblich! Unter unseren gemeinsamen Hieben flackerte unser Gegner immer öfter, und schließlich verschwand er so, wie er gekommen war – in einer schwarzen Rauchwolke. Besonders zugesetzt hatten ihm wohl die kleinen Dartpfeile, welche Magnus wie aus dem Nichts plötzlich in seinen Händen hielt und mit merkwürdigen Beschwörungen dem Wesen entgegen schleuderte. So langsam habe ich den Verdacht, dass er ein paar Fähigkeiten hat, die man den Sigmarpriestern gegenüber lieber verschweigen sollte. Solange er diese Talente benutzt, um unsere Gruppe zu unterstützen, soll es mir recht sein. Aber man erzählt sich, dass Dämonen von Magiebegabten Besitz ergreifen können, während sie ihre Zauber wirken; ich werde Magnus also in Zukunft besser beobachten, und wehe ihm, er zuckt falsch!

Wir eilten zu der völlig schockierten Gilda. Ihr und ihrem Kind schien es gut zu gehen. Neben ihr lag ein Taschentuch mit den Initialen „F.S.“ - Franz Steinhäger! Unser Verdacht, dass mit dem Laden irgendwas nicht stimmt, wurde immer größer. Rasch brachten wir Gilda und das Baby aus dem Kanal hinaus (natürlich nicht ohne die silbernen Kerzenständer - die würden uns einen hübschen Batzen Geld einbringen). Am Hafen übergaben wir die Beiden einem überglücklichen Wolma. Josef konnten wir schließlich überzeugen, dass er seine Abreise möglichst rasch vorbereiten solle, auch wenn er noch keine neue Ladung organisieren konnte.

Bernard eilte derweil nochmal rasch zur Kräuterfrau Esmeralda, um Zutaten für einen beruhigenden Trunk zu kaufen, der die völlig verstörte Gilda beruhigen sollte. Auf dem Rückweg wurde er von Andrea, der Gehilfin Richters, abgefangen. Diese berichtete ihm, dass sie sich große Sorgen um ihren Arbeitgeber mache: Nach einem Besuch des Hauptmanns der Stadtwache, Reiner Görtrin, sei der Magistrat schwer erkrankt. Während Richard, Magnus und ich Josef und seine Crew aus der Stadt geleiteten und anschließend zurückliefen, suchte Bernard den Magistrat Richter auf. Hier eilte ihm bereits der völlig verzweifelte Oberste der Arztgilde, Doktor Heichdorn, entgegen. Bernard wurde von der übellaunigen Haushälterin Richters schließlich an das Krankenbett vorgelassen. Sie erzählte ihm noch, dass vor kurzem der Hauptmann einen Krankenbesuch gemacht hätte, und das mit einem fetten Grinsen im Gesicht! Dies sei ungewöhnlich, da er noch nie lachend gesehen worden sei.

Die geschwollene Zunge, die hervorquellenden Augen und die lila gefärbte Haut des Magistrates erkannte Bernard sofort als das Purpurne Gehirnfieber, eine magische Krankheit, welche einer bewussten Infizierung des Betroffenen bedarf! Bernard erinnerte sich zwar an die Zutaten für das Heilmittel, konnte sie jedoch nirgends in der Stadt auftreiben. Er suchte sodann Dr. Heichdorn auf, welcher von der Krankheit noch nie gehört hatte (was daran liegen könnte, dass die Schriften, in denen die Krankheit beschrieben wird, auf der Schwarzen Liste des Sigmartempels stehen und verbrannt werden, sobald sie an die Öffentlichkeit gelangen – mitsamt ihren Besitzern...). Der Arzt sandte sofort einen Boten nach Altdorf, um die heilenden Zutaten zu beschaffen. Er erzählte Bernard zudem, dass die gleiche Krankheit bereits vor einigen Jahren aufgetreten sei: Karl Teugen, ein Händler, sei vor etwa zwei Jahren an den gleichen Symptomen erkrankt und gestorben.

Da sich der Verdacht aufdrängte, dass der Wachhauptmann Görtrin in die Sache verwickelt ist, suchten wir die Gekreuzte Pike auf und hörten uns etwas um. Es kristallisierte sich heraus, dass die Soldaten ihren Hauptmann alle ganz toll fanden. Sein Quartier hatte er in den Wachunterkünften auf der anderen Seite des Flusses in der „Grube“. Allerdings sei sein auffallendstes Merkmal, dass er nie lachen würde. Umso merkwürdiger erschien nun, dass er lachend beim Krankenbett des Magistrats gestanden haben soll. Weitere Hinweise konnten wir hier nicht gewinnen.


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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #20 am: 6.05.2010 | 21:56 »
Aufgrund der Länge des Berichts, hier der zweite Teil


Warnung ! Der kommende Spielbericht behandelt das Abenteuer "Shadows over Bögenhafen" aus der "Enemy within" Kampagne und ist voller Spoiler.



9. Anecken um jeden Preis - Teil 2


Nun waren wir mit unserem Latein erst mal am Ende. Der Hauptmann war für uns unerreichbar, ebenso das Anwesen Steinhägers. Allerdings fielen uns dann Kräfte ein, deren Möglichkeiten die unseren weit überragten: Die Sigmariten! Ihnen würde ein Keller unter Steinhägers Haus mit Zaubersymbolen und Wachdämonen bestimmt die Mühe wert sein, einmal die Tür des Händlers aufzutreten und seinen Haushalt und das Geschäft etwas genauer zu untersuchen. Flugs machten wir uns auf zum Sigmartempel (nicht ohne vorher die silbernen Kerzenständer aus dem Keller zu verhökern). Ich hielt mich etwas im Hintergrund, da die Wachen aufgrund des Verhaltens des irren Propheten ja auf mich aufmerksam geworden waren. Die anderen sprachen bei Bruder Thomas vor und erzählten ihm die (etwas modifizierte) Geschichte von der Tür im Kanal und den dahinter liegenden arkanen Symbolen. Kurz darauf stürmten ein von Sigmars Zorn erfüllter Bruder Thomas mit vier schwer gerüsteten Akolythen im Schlepptau die Stufen des Tempels hinab und zum Hafen. Dort wurden sie in die Kanalisation geführt. Jedoch wartete dort eine Überraschung: Die von unserem Werkzeug arg malträtierte Tür war durch eine nagelneue ersetzt worden! Auch im Inneren des Raumes hatte sich einiges getan: Das große metallene Pentagramm war ebenso verschwunden wie die Tiermenschenzeichnung, das Goblinblut und der große metallene Schrank, welcher bei unserem ersten Besuch noch in der Ecke stand! Die Reaktion der Sigmariten, keine teufelsanbetenden Ketzer zum Verbrennen gefunden zu haben, kann man wohl als „not amused“ beschreiben, und schnell machten wir uns aus dem Staub, um nicht als Ersatz herzuhalten. Welche Mächte standen uns hier gegenüber, die innerhalb weniger Stunden den Altarraum in seinen jetzigen Zustand versetzen konnten?

Da wir in der gesellschaftlichen Oberschicht nicht weitergekommen waren, versuchten wir es nun am anderen Ende der Nahrungskette: Der verrückte Prophet, der von Gesichtern in Morrslieb gefaselt und bei meinem Anblick die Flucht ergriffen hatte, war unsere nächste Spur. Die Bettler am Götterplatz identifizierten den Mann als Ultha den Verrückten, der – man hätte es sich denken können – auf der anderen Flussseite in den „die Grube“ genannten Slums wohnte. Noch während wir mit den Bettlern sprachen, fiel mir ein Bauer auf, der uns anstarrte. Schon den ganzen Tag hatte sich die Gruppe beobachtet gefühlt! Sollte dieser Kerl uns schon die ganze Zeit verfolgte haben? Rasch schritt ich auf den Mann zu, doch kurz bevor ich ihn erreicht hatte, verschwand er in einer schmalen Seitengasse. Als ich einen Wimpernschlag später um die Ecke bog, war er weg – wie vom Erdboden verschwunden! Magnus fiel nun ein Händler auf, der auch in unsere Richtung starrte. Dieser vollführte den gleichen Verschwindetrick im nächsten Tempel. Da uns von nun an keine Beobachter mehr ins Auge stachen, gingen wir zum Fluss, um mit der Fähre überzusetzen und Ultha zu suchen.

Der Fährmann kannte Ultha, er nahm ihn aus Mitleid beinahe täglich kostenlos mit. Er erzählte uns, dass Ultha erst seit zwei Jahren verrückt sei. Der Tod eines Freundes habe ihn in den Wahnsinn getrieben. Zwei Jahre? Wir fragten, ob dieser Freund zufällig Karl Teugen hieß. Erstaunt nickte der Fährmann. Als Karl vor zwei Jahren starb, kam sein Bruder Johannes Teugen in die Stadt und übernahm das Geschäft. Nun ist dieser Johann Chef der Händlergilde und erster Stadtrat. Heute Morgen sei Ultha völlig verstört hinüber zur Grube gefahren. Wir sollten in der Taverne „Ersäufte Ratte“ nachfragen, dort wisse man wo der Verrückte wohnt.

Die Grube war ein typisches Armenviertel, wie man es in jeder größeren Stadt findet. Ich war in einer ähnlichen Gegend aufgewachsen und empfand es nicht als ungewöhnlich, dass man der Scheiße in der Gosse dabei zusehen konnte, wie sie an einem vorbei hinunter zum Ufer trieb. Die anderen jedoch rümpften angewidert die Nasen und waren noch unwilliger weiterzugehen, als der ohnehin schon unerträgliche Gestank der Straße von den unangenehmen Düften überlagert wurde, die aus dem Kellerloch strömten, in dem sich die gesuchte Taverne befand. Der fette Wirt hinter dem verschmierten Tresen schien die Hauptquelle für den Geruch zu sein, und als er auf unsere Frage nach Ultha hin den Mund zu einer Antwort öffnete, wurden wir von einer neuerlichen Woge Gestank überspült. Auch der Inhalt seiner Worte war unangenehm, wollte er uns doch nicht sagen, wo wir den Verrückten finden konnten! Doch da platzte Richard der Kragen: Er schnappte sich den Wurm beim Schlafittchen und brüllte ihn so lange mit den übelsten Beschimpfungen an, bis er sang wie ein Vögelchen und die Bude Ulthas preisgab.

Die Behausung war nur wenige Meter weiter die Straße hinauf. Jedoch ließ der kupferne Geruch, der auf die Straße wehte, nichts Gutes erahnen. Und so war es auch, als wir die Hütte betraten, sahen Ultha in einer riesigen Blutpfütze auf dem Boden liegen. Seine Kehle war herausgerissen worden, und das Blut bis an die Decke gespritzt. So viel also zu unserer letzten Spur! Frustriert versetzte ich der Leiche einen herzhaften Tritt – und wurde mit einem metallischen Geräusch belohnt, als aus Ulthas starren Fingern ein Medaillon zu Boden glitt. Es zeigte ein Wappen mit einem roten Kleeblatt, das wir irgendwo in der Stadt bereits gesehen hatten. Sonst fand sich außer Unrat nichts in der Hütte. Um nicht mit dem Mord an Ultha in Verbindung gebracht zu werden (das letzte, was wir jetzt brauchen konnten, war ein wütender Mob aus Slumbewohnern) verkrümelten wir uns rasch wieder zur Fähre und auf die andere Seite des Flusses.

An der Anlegestelle wurden wir bereits von Dr. Malthusius erwartet. Dieser fragte nach dem Verbleib seiner Kreatur und schaute recht sparsam, als wir ihm den verbliebenen Hüftknochen in die Hand drückten. Als Dank für unsere Mühen lud er uns auf ein Glas bretonischen Brandy und guten Tabak in seinem Wagen ein. Auch ihm war die Geschichte mit dem Tod des Goblins im Hafen zu Ohren gekommen, und er hatte sich ebenso wie wir darüber gewundert. Zudem wusste er zu berichten, dass die Leiche des Zwerges Gotry mittlerweile angespült wurde. In diesem Zusammenhang fiel ihm auf, dass ein Mann mit dem Livree der Teugens – das Wappen mit dem roten Kleeblatt - den Zwerg aus dem Pranger geholt hatte. Also waren sowohl der Zwerg als auch Ultha der Verrückte von Teugen ermordet worden! Wir bedankten uns bei Malthusius und begaben uns auf den Rückweg in unsere Taverne „Ende der Reise“.

Die Geschichte wurde immer verworrener. So versunken waren wir in unsere Gedanken, dass uns kaum der Mond auffiel: Morrslieb, gestern schon viel zu voll für seine Zeit, hing übernatürlich groß an seinem Himmel, und auf seiner Oberfläche konnte man so etwas wie eine Fratze oder ein grinsendes Gesicht erkennen! Sollte der alte Ultha doch nicht so verrückt gewesen sein? Was uns dann aber sehr wohl auffiel, waren die zehn kräftigen Männer, die uns aufgelauert hatten und nun umringten. In ihren Händen hielten sie abgebrochene Stuhlbeine und Brecheisen. Die Wappen die sie trugen zeigten ein Seil und einen Flaschenzug, somit handelte es sich bei den Kerlen um Dockarbeiter. Der Größte löste sich aus der Gruppe und raunte uns eine Warnung zu: Wir sollten uns aus Dingen heraushalten, die uns nichts angehen, ansonsten würden wir eine Reise nach Marienburg mit dem Gesicht im Wasser antreten. Einen Absender der freundlichen Botschaft bekamen wir nicht genannt.

Die nächste freundlich Botschaft wartete in der Taverne in Form einer Schatulle auf uns. Zunächst schien diese aber wirklich freundlich gemeint zu sein, denn ihr lagen hundert Goldkronen bei! Das Zeichen der Diebesgilde war auf dem Pergament aufgemalt, und Magnus las vor, dass ich mich um Mitternacht am üblichen Ort einfinden solle. Also ging es auf zur „Gekreuzten Pike“, wo ich nach Aufsagen des Losungswortes in den hinteren Bereich geführt wurde. Dort wartete bereits Franz auf mich. Seinem Gesichtsausdruck nach hatte er keine frohe Kunde für mich, und so war es auch: Seine Nichte wurde entführt, sie kehrte von einer „Übung am Hafen“ nicht zurück. Wir sollten sie nun zu Franz zurückbringen. Doch der wirklich unangenehme Teil kam erst noch: Franz gab uns die Schuld für das Verschwinden! Da wir Gilda befreit hatten, habe sich nun werauchimmerdaswar Ersatz wofürauchimmer in Form der Nichte beschafft. Sollten wir sie nicht binnen eines Tages retten, würde uns ein Schicksal drohen, das dem von den Dockarbeitern angekündigten Übel in etwa entsprach. Mir blieb nichts anderes übrig, als Franz zuzusagen, dass wir unser Möglichstes tun würden. Anderes Thema, diesmal aus der wirklichen Welt: Da ich den Verdacht habe, dass ich mir umsonst die Finger wund schreibe und ihr die ganze Scheiße gar nicht lest, bitte ich jeden von Euch mir in einer PN mitzuteilen, dass er mich ganz doll lieb hat.

Während ich die recht einseitigen Verhandlungen mit der Diebesgilde führte, flog im Schankraum die Tür auf. Ein Leutnant der Wache stürmte hinein, auf der Suche nach Sergeant Schultz, der uns einst zur Kanalisation begleitet hatte und nun volltrunken in der Ecke lag. Er musste innerhalb kurzer Zeit in der Kaserne zu einem Manöver antreten, und zwar nüchtern, sonst drohte ihm das Kriegsgericht! Bernard erklärte sich bereit, ihm Esmeraldas Hallo-Wach-Trank aus schwarzem Lotus zu beschaffen, und so retteten wir den Mann vor seinen Vorgesetzten. Bernard hingegen kehrte zu der Kräuterfrau zurück, wohl um die Bezahlung des Trunkes zu „vervollständigen“. Magnus, Richard und ich begaben uns nun endlich zurück in unsere Taverne, wo wir den lang ersehnten und wohlverdienten Schlaf endlich fanden.

Am nächsten Morgen schlenderten wir bei den Docks herum und versuchten herauszufinden, wo die Nichte des Diebes abhanden gekommen sein könnte. Unseren Schwerpunkt richteten wir hierbei auf die Lagerhäuser der Steinhägers und Teugens. Im Laufe des Vormittags erscholl lautes Rufen vom Flussufer her, und wir sahen, wie die Leiche des Säufers Anton aus dem Wasser gefischt wurde. Da wurde also mal wieder ein loses Ende verknüpft – wir konnten uns schon denken, wer den alten Trunkenbold auf dem Gewissen hatte! Nach ein paar Stunden sahen wir plötzlich, wir der alte Steinhäger persönlich in Begleitung seiner beiden Leibwachen zwischen den Lagerhallen umherstapfte und seine Vorarbeiter anschnauzte. Sodann stiefelte er zum Lagerhaus des Händlers Magirius und drückte diesem einen Umschlag in die Hand. Ich konnte erkennen, dass ihm dabei ein weiterer Umschlag aus der Tasche fiel! Nachdem sich alle Beteiligten wieder verkrümelt hatten, rannte ich rasch zu der Stelle und hob den Brief auf. Auf dem Papier darin war ein Pentagramm und ein Tiermenschenkopf gezeichnet, identisch mit den Symbolen aus dem mittlerweile geräumten Kellerraum! Magnus las dann den Text darunter vor. Dieser besagte, dass sich alle Mitglieder des Zirkels eine Stunde nach Sonnenuntergang bei Teugen einfinden sollten.

Noch während wir über die Bedeutung dieses neuen Rätsels nachdachten, kam ein kleiner Botenjunge angelaufen. Er überbrachte uns eine Nachricht von Josefs Handelspartner Ruggbroder, der uns wegen Josefs überstürzter Abreise und der Ladung, die Josef zurückließ, sprechen wollte. Zunächst etwas unwillig begaben wir uns dorthin. Josefs Ladung war jedoch rasch vergessen, als sich das Gespräch den übrigen Ereignissen in der Stadt zuwandte. Ruggbroder wusste zu erzählen, dass Magistrat Richter kurz vor seiner Erkrankung auf dem Weg zu Teugen gewesen war. Er war misstrauisch geworden wegen der Diskrepanzen im Goblin-Fall und wollte dort noch einmal nachhaken. Auch die Geschichte mit dem grinsenden Hauptmann Görtrin verwunderte ihn zutiefst: Da er den Hauptmann persönlich kannte, wusste er, dass der Mann aufgrund einer Gesichtslähmung, die er bei einem Unfall als Kind erlitten hatte, überhaupt nicht in der Lage sei zu lachen oder zu grinsen. Das Amulett des toten Ultha, so wusste Ruggbroder zu berichten, war einst ein Geschenk von Karl Teugen an seinen damaligen Freund. Weiterhin erzählte Ruggbroder, dass Johannes Teugen in den vergangenen zwei Jahren das eher bescheidene Familienunternehmen zum größten und mächtigsten Handelshaus der Stadt gemacht hatte; war einst Ruggbroder der größte Händler am Ort, so litt er nun arg unter Teugen und seinem „Ordo Septenarius“, den dieser gegründet hatte und dem – wen wundert es – neben Magirius und vier weiteren Händlern auch unser alter Freund Franz Steinhäger angehörte!

Wir beschlossen, Ruggbroder in unsere Geschichte einzuweihen. Er zeigte sich sehr verängstigt und entsetzt über die üblen Machenschaften seiner Mitbewerber. Gleichzeitig bot er uns jedoch hohe Belohnungen – über fünfhundert Goldkronen! - und Unterstützung an, wenn es uns gelänge, die Untaten von Teugen, Steinhäger und Konsorten aufzudecken.

Während die anderen loszogen, um das Haus des Teugens in Augenschein zu nehmen, blieb ich an den Docks zurück, um weiter nach Spuren der Diebesnichte Ausschau zu halten. Wenn man bedenkt, wie viele Feinde wir uns in den vergangenen vierundzwanzig Stunden gemacht und wie viele Verpflichtungen wir eingegangen haben, ist es wohl nötig dass wir uns aufteilen, wenn wir sämtliche Verbindlichkeiten bedienen wollen. Und eigentlich ist es letztlich ja auch egal, wessen Schergen uns die Kehle aufschneiden und uns in den Fluss werfen...



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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #21 am: 8.05.2010 | 23:34 »
Immer weiter!

So wenig das bloße Lesen von Shadow over Bögenhafen Spaß machte, das liest sich nach enormen Spaß und ich hoffe sehr, dass es gut ausgegangen ist :D.

Und ich habe mal wieder Lust The Enemy Within endlich zu leiten^^.

Nur weiter ;).

Offline Drantos

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #22 am: 9.05.2010 | 13:57 »
Spaß hatten wir in der Tat fast immer. Allerdings erfordert "Shadows over Bögenhafen" sehr viel Initiative von den Spielern, damit es richtig abgeht. Zudem ist es bei den komplexen Verstrickungen auch erforderlich, sich ausreichende Notizen zu machen und diese auch vor dem nächsten Termin durchzugehen. Insofern ist unser Diary Gold wert.

Einige meiner Spieler lassen sich sehr schnell frustrieren. Sie versuchen oft 1 oder 2 Sachen und wenn die schiefgehen, fangen sie an zu maulen, ich würde alles blockieren, was sie vorhaben. Dann fallen sie in ein Loch und brauchen guten Zuspruch  ;D

Sie erinnern mich ab und zu an Lt. Doomsday aus Wing Commander. Der hat ja vor jeder Mission gesagt: "I don´t think we will survive this mission".

Das sind aber nur kleine Beeinträchtigungen und an sich ist das schon ne geile Truppe  :d


cu Drantos
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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #23 am: 16.05.2010 | 14:30 »
Das große Finale in Bögenhafen beschert unseren Jungs die Begegnung mit enem leibhaftigen Dämonen. Zudem taucht ein alter Bekannter wieder auf, dem sie aus der Klemme helfen müssen...


Warnung ! Der kommende Spielbericht behandelt das Abenteuer "Shadows over Bögenhafen" aus der "Enemy within" Kampagne und ist voller Spoiler.



10. Der Anfang war schwer, das Ende nicht sehr


Da es am Hafen nichts nennenswertes mehr zu beobachten gab (mit Ausnahme Answalds, der fluchend und schwitzend Kisten zwischen den verschiedenen Lagerhallen hin- und herschleppte), war ich froh, als meine Kameraden von ihrer Erkundungstour am Adelsring zurückkamen. Sie berichteten, dass man sich im angrenzenden Park prima verstecken und die Ein- und Ausgehenden beim Teugen'schen Anwesen gut beobachten könne.

Im Park war recht wenig los, aber kaum hatten wir uns im Gebüsch verkrochen, da sahen wir vier Gestalten am nahe gelegenen Teich Vorbereitungen für ein Degenduell treffen. Die Adjutanten – welche beide das gleiche Wappen zur Schau trugen wie einer der beiden Streithähne - befestigten einige Laternen an den Bäumen, während die Duellanten sich für den Kampf aufwärmten. Als ihre Gesichter vom flackernden Laternenschein erhellt wurden, erkannten wir den Bretonen Philippe de Carté, unseren Reisegefährten von der Kutschfahrt nach Altdorf! Nun würden wir endlich sehen, ob er wirklich kämpfen konnte, denn bei unserer Auseinandersetzung mit den Mutanten hatte er ja keinen Finger gerührt.

Noch während wir es uns gemütlich machten, um das Schauspiel zu genießen, bemerkten wir neben uns im Gebüsch ein Rascheln: Ein Mann im gleichen Livree wie die beiden Adjutanten, nur mit dem Unterschied, dass er eine Armbrust in der Hand hielt! Scheinbar war sich der Gegner des Bretonen seiner Kampfkünste nicht so sicher, wie er es seiner Umwelt mit lautem prahlerischen Geschwätz glauben machen wollte. Da wir uns auf einen Kampf ohne derartige Einmischung gefreut hatten, schlichen wir uns an den Heckenschützen heran und entwaffneten ihn. Anschließend klopfte ich ihn leicht mit meinem Knüppel auf den Kopf, um sicherzustellen, dass er die nächsten Minuten außer Gefecht gesetzt ist (es ist allerdings möglich, dass die Dosierung der Schlagkraft hierbei etwas unpräzise ausgefallen ist, anders kann ich mir die Gehirnklumpen auf meiner Waffe nicht erklären).

Sodann verließen wir das Gebüsch und beobachteten Carté dabei, wie er ein Weilchen um seinen Gegner herumtänzelte und ihn schließlich mit einem blitzschnellen Streich seines Degens niederstreckte. Während die beiden Adjutanten ihren schwer verletzten Herrn zum nächsten Heiler schleiften (und dabei immer wieder ziemlich dümmlich in Richtung des Gebüsches blickten, in dem sie ihren nunmehr langsam abkühlenden Kameraden vermuteten), berichteten wir dem Bretonen von dem Hinterhalt. Er zeigte sich dankbar und lud uns ein, ihn in der Taverne Zur Gekreuzten Pike aufzusuchen, sollte sich eine Gelegenheit ergeben, bei der er sich für diesen Gefallen revanchieren könne.

Nach einer Stunde Wartezeit (in der es uns erschien, als ob uns der übergroß am Himmel stehende Morrslieb direkt anstarrte) erfolgte der Einmarsch der Gladiatoren: Nacheinander traten Magierius, Steinhäger und die fünf übrigen Mitglieder des Zirkels an das Tor zu Steinhägers Anwesen und wurden nach einer strengen Kontrolle durch die Wachen eingelassen. Alle Männer trugen merkwürdige Bündel bei sich. Da das Tor sehr gut bewacht war und auch die Gebäuderückseite ausschied – sie grenzte an die Baracken der Stadtwachen – beschlossen wir, über die Mauer des Nachbargrundstückes einen Blick auf das Teugen'sche Haus zu werfen. Völlig erstaunt stellten wir fest, dass es sich bei diesem Anwesen um das Haus Ruggbroders handelte. Somit war es kein großes Problem, die Mauer zu erklimmen. Allerdings stellte sich heraus, dass es durch die Vielzahl von Wachpatrouillen und scharfen Hunden unmöglich war, zum Haus zu gelangen.

Also einigten wir uns darauf, das schwächste Glied der Kette anzugreifen: Magierius! Während man sich in der Gruppe eigentlich einig war, dass man diesen Angriff am Besten im herkömmlichen Sinne durchführen sollte, hatte Bernard seine ganz eigenen Vorstellungen: Er wollte mit Magierius reden! Zunächst hielten wir ihn für verrückt, aber wie sich herausstellen sollte, hatte unser Herr Doktor in spe recht mit seiner Einschätzung des Händlers: Mit zerknirschtem Gesichtsausdruck verließ er Teugens Haus, und im Park bot er Bernard ein Gespräch in seinem Haus an, als dieser ihn ansprach. Wir blieben draußen, immer noch voller Unglauben, dass sich Bernard diesem Zirkelmitglied offenbarte. Magierius erzählte Bernard, dass Johannes Teugen nach dem Tod seines Bruders Karl aus Nuln zurückkam und dessen Geschäfte übernahm. Er versprach, Bögenhafen und alle, die ihn unterstützen, reich zu machen. So wurde der Orden gegründet, dessen innerem Zirkel neben Teugen sein Cousin Gideon und die sieben weiteren Händler angehörten. Zusätzlich kamen auf jedes Mitglied des inneren Zirkels noch sieben weitere Mitglieder. Der Plan Teugens ging auf, alle Ordensmitglieder wurden reicher und reicher. Doch nun hatte Johannes seine Pläne für den kommenden Abend offenbart: Er wollte während eines magischen Rituales ein Menschenopfer darbringen! Dies war zu viel für Magierius, und er wollte uns dabei unterstützen, Teugen aufzuhalten. Hierzu übergab er uns zunächst einen Brief, welcher belegte, dass Teugen in magische Rituale verwickelt ist. Zudem sagte er uns zu, uns einen Boten zu schicken, sobald er wisse, wann und wo das morgige Ritual stattfinden soll.

Am nächsten Morgen zog Bernard in aller Frühe los, um Ruggbroder diesen Beweis zu übergeben – als wir aufwachten, war er schon auf und davon. Wäre er doch nur nicht alleine gegangen! Auf dem Rückweg lauerten ihm unsere Freunde von den Docks auf und vermöbelten den armen Bernard nach Strich und Faden. Sie prügelten ihm die Scheiße aus dem Leib und hätten ihn bestimmt auch noch im Hafenbecken versenkt, wäre nicht die Stadtwache zufällig vorbeigekommen. So bot sich Magnus, Richard und mir ein trauriger Anblick, als Bernard blutend, zerschrammt und mit zerfetzten Kleidern in den Schankraum unserer Taverne gekrochen kam. Wir brachten ihn direkt zu Doktor Heichdorn und ließen ihn dort zusammenflicken. Anschließend legten wir noch unser Geld zusammen und rüsteten ihn wieder aus, soweit dies möglich war; sein hochwertiges Chirurgenbesteck allerdings würde in Zukunft wohl im Werkzeugkasten eines Dockarbeiters liegen und für weit gröbere Arbeiten benutzt werden als eigentlich vorgesehen.

Kaum waren wir wieder zurück in der Taverne, da stand auch schon ein Botenjunge in der Livree Magierius' vor uns. Er reichte uns einen Brief, in dem stand, wir dass wir so rasch wie möglich zum Hause des Händlers kommen sollten. Sogleich machten wir uns auf den Weg, gespannt, was für Neuigkeiten der Händler uns verraten würde. Wie sich herausstellen sollte, verriet er uns gar nichts: Nachdem der Botenjunge uns im Wartesaal geparkt hatte, geschah erst einmal gar nichts. Nach einer Weile wurden wir misstrauisch und schauten ins Arbeitszimmer. Dort fanden wir, hinter seinem Schreibtisch neben dem umgekippten Stuhl liegend, Magierius mit durchgeschnittener Kehle in einer großen Pfütze seines Blutes. Der Botenjunge rief laut nach den Stadtwachen, und mit einem tiefen, diabolischen Lachen verschwand er – puff! - in einer Wolke aus schwarzem Rauch. Schön dumm schauten wir aus der Wäsche, als nun das Poltern schwerer Stiefel auf der Straße erklang und die Wachen an die Haustür pochten und begannen, sie einzuschlagen. Man würde uns wegen Mordverdacht verhaften! Auf unserem Weg zum Hinterausgang erkannten wir noch, dass Magierius in seinem Todeskampf eine Nachricht für uns hinterlassen hatte: Mit seinem Blut hatte er Buchstaben auf das breite Bein des Schreibtisches geschmiert, die aussahen wie „WRNHS“, gefolgt von Zahlen, entweder eine 13 oder 17.

Noch während wir durch den Garten zur rückwärtigen Grundstücksmauer liefen, hörten wir das Splittern der Haustür. Rasch sprangen Richard, Magnus und ich auf die Mauer und halfen dem immer noch geschwächten Bernard hinauf. Wir rannten in Richtung Hafen davon und waren uns gerade sicher, die Wachen abgeschüttelt zu haben. Doch als wir um die Ecke bogen, ging plötzlich ein ganzes Haus vor uns in Flammen auf. Ein Mann rannte vom Haus kommend auf uns zu – er war ein Ebenbild Magnus'! Bei uns angekommen, erscholl das gleiche teuflische Lachen wie zuvor beim Botenjungen, und auf die gleiche Art und Weise verschwand der Doppelgänger in einer Wolke aus schwarzem Rauch. Schwarzer Rauch quoll nun auch aus allen Fenstern des Hauses, und ein aufgebrachter Mob jagte uns nunmehr durch die Gassen, in der Annahme, wir hätten das Feuer gelegt! Doch auch den knüppel- und messerschwingenden Stadtbewohnern konnten wir entkommen, und am Hafen angelangt versteckten wir uns erst einmal in einem alten Schuppen. Hier fiel uns auch recht bald ein, was Magierius mit seiner letzten Botschaft gemeint haben muss: Das Treffen des Zirkels musste im Warenhaus 13 oder 17 stattfinden!

Als sich die Wogen draußen geglättet hatten, schlichen wir auch zum Lagerhaus 13, auf dem – oh Wunder – das Wappen Teugens prangte (Lagerhalle 17, das wussten wir vom Vortag, gehörte unserem Freund Ruggbroder). Die Tür stand offen, und wir schlüpften hinein. Drinnen waren alle Kisten an die Wände gerückt, wohl um in der Hallenmitte Platz zu schaffen. Wir inspizierten gerade die Inhalte der Kisten, als von draußen das Rumpeln eines Karrens erklang. Rasch verbargen wir uns hinter den Kisten und konnten sehen, wie Franz Steinhäger, unter dem Arm ein Bündel, die Lagerhalle betrat. Seine beiden hünenhaften Leibwachen zerrten einen mit Säcken beladenen Wagen in den Raum und ließen ihren Arbeitgeber sodann alleine. Steinhäger begann damit, die Säcke auf dem Karren auszupacken. Es handelte sich um die zerlegten Einzelteile des Pentagramms aus dem Raum im Kanal und verschiedene Pulver, welche Steinhäger nun auf den Boden schüttete um merkwürdige Symbole zu zeichnen. Er war völlig vertieft in seine Arbeit. Diese Gelegenheit konnten wir uns nicht entgehen lassen! Noch während ich mich leise an den Ahnungslosen anschlich, nahmen ihn Bernard und Magnus mit ihren Armbrüsten unter Beschuss. Ich kam gar nicht mehr zum Zuschlagen, denn mit zwei Bolzen im Kopf tödlich getroffen sackte der Mann lautlos zu Boden.

Das Bündel, das er bei sich trug, beinhaltete eine schwarze Kutte, auf die arkane Symbole gestickt waren. Draußen erklangen Stimmen, und rasch schlüpfte ich in die Kutte, während Richard den leblosen Körper hinter die Kistenstapel zerrte. Ein weiterer Mann, den wir gestern Abend bei Teugens Haus gesehen hatte, betrat die Halle. Ich lockte ihn zu mir, und meine Kameraden überwältigten ihn spielend. Dieses Spielchen setzten wir solange fort, bis jeder von uns eine der Kutten übergestreift hatte und eine entsprechende Anzahl gemeuchelter Dämonenanbeter hinter den Kisten versteckt langsam ausblutete.

Doch nun wendete sich das Blatt: Zwei finster aussehende Gestalten, bei denen es sich nur um Johannes und Gideon Teugen handeln konnte, betraten die Halle und beschwerten sich lautstark über den mangelnden Fortschritt bezüglich der Ritualvorbereitungen. Es gelang uns, sie bis auf wenige Meter an uns heranzulocken, und dann brach die Hölle los: Während Richard und ich Johannes angriffen, sprangen Bernard und Magnus auf Gideon zu. Der erste Schlagabtausch schien zu unseren Gunsten zu verlaufen, denn wir fügten den Teugens blutende Wunden zu. Johannes taumelte sogar benommen zurück. Dummerweise war das Blut, das aus ihren Körpern troff, tiefschwarz, und der Gegenangriff Gideons hinterließ verheerende Spuren: Grünes Feuer schoss aus seinen Handflächen auf Bernard und Magnus zu, und Magnus krümmte sich unter Schmerzen, während Bernard auf der Stelle zu Boden ging und es fast so schien, als hätte die magische Flamme seinen Arm abgerissen. Zu allem Überfluss wuchsen Gideon zwei Hörner aus der Stirn und schwarze Flügel auf dem Rücken – er war kein Mensch, sondern ein Dämon, der seine Gestalt verwandeln konnte! Nun wussten wir auch, wem wir die Scherze mit Magierius' Botenjungen und dem brandstiftenden Doppelgänger zu verdanken hatten! Zum Glück konnten Richard und ich Johannes recht bald niederstrecken, und als Richard in den Kampf mit Gideon eingriff, gewannen wir auch dort die Oberhand. Mit einem gewaltigen Hieb zertrümmerte Richard das Bein des Dämons, und unter unseren vereinten Hieben brach die Kreatur schließlich zusammen.

Schwer atmend traten wir ein paar Schritte zurück, den bewusstlosen Bernard mitschleifend. Sein Arm war zwar rot und wund, aber nicht derart schwer verletzt, wie man hätte vermuten können. Plötzlich wirbelte ein schwarzer Schatten auf die Leichen der Teugens zu, und unter lautem Kreischen und Wehklagen riss die Erscheinung die Seelen der beiden Männer aus deren Leibern. Von draußen ertönten noch ein paar schockierte Stimmen und Rufe, gefolgt von vielen sich im Laufschritt entfernenden Stiefeln.

Dann war es still.

Die übrigen Zirkelmitglieder und Leibwachen hatten sich aus dem Staub gemacht. Noch während wir die Leichname der Erschlagenen um ihre Besitztümer erleichterten, rollte schon wieder ein Karren am Tor vor. Zwei Dockarbeiter betraten die Halle, einen Leinensack zwischen sich her schleifend. Diesen warfen sie – mit einem ängstlichen Blick auf „unsere“ Roben – auf den Boden und trollten sich rasch wieder. Im Sack fanden wir – betäubt, aber zum Glück unverletzt – die Nichte von Franz, dem Dieb. Sogleich begaben wir uns hinab in die Kanäle und zum Versteck der Diebesgilde. Franz wurde durch seine Schergen sofort herbeigeholt und war sehr dankbar, was sich in einer doppelten Bezahlung bemerkbar machte (welche ich selbstverständlich – nach Abzug einer klitzekleinen Bearbeitungsgebühr – an meine Kameraden weiterreichte). Franz begleitete uns in die beinahe völlig leere „Gekreuzte Pike“, wo wir auch auf Philippe de Carté trafen. Die beiden berichteten uns, dass sich die Neuigkeiten über den Tod und die Untaten der Teugens und ihrer Mittäter schnell herumgesprochen hatten. Ruggbroder hatte bereits das Ruder in der Stadt übernommen und räucherte mit Hilfe der Stadtwachen und des ebenfalls in der Stadt aufgetauchten wahnsinnigen Hexenjägers Fabergus Heinzdorg die letzten Anhänger des Teugenzirkels aus.

Nach einiger Zeit erschien Ruggbroder persönlich und bestätigte uns, dass unser Name bezüglich der Brandstiftung, des Mordes an Magierius und sämtliche anderen Untaten, die die Teugens uns in die Schuhe schieben wollten, wieder reingewaschen worden ist. Zudem erhielten wir die versprochene Belohnung. Und im Anschluss gönnten wir uns alle ein leckeres kühles Bier!

In einer ruhigen Minute offenbarte Magnus schließlich offiziell der Gruppe seine übernatürlichen Talente. Zumindest meine Bedenken konnte er nicht völlig ausräumen, Hexe bleibt Hexe! Aber wenigstens wird er bald seine Prüfungen an einer Magierakademie ablegen, was hoffen lässt, dass er seine unnatürlichen Kräfte zumindest halbwegs unter Kontrolle hat. Lachend und trinkend planten wir, was wir mit unserer Zeit nach den Anstrengungen der letzten Wochen anstellen wollten. Magnus würde sich dem Studium einer magischen Spruchrolle widmen, die man im Hause Teugens gefunden hatte. Bernard hatte vom Heilen genug und rief laut, dass er sich in den hiesigen Kasernen zum Soldaten ausbilden lassen wolle. Von Verletzungen behandeln zu Verletzungen verursachen – krasser Wandel! Richard hatte sich weiter mit dem Bretonen Carté angefreundet und würde bei ihm das Schießen lernen. Und ich werde wohl bei Franz nachfragen, ob in seiner Gilde noch ein Plätzchen für mich frei ist!

Alle waren fröhlich und lachten laut bis spät in die Nacht. Alle? Nein, nicht alle! Morrslieb, der am Nachthimmel immer kleiner und kleiner wurde, hatte immer noch ein Gesicht auf seiner Oberfläche, aber es grinste nicht mehr, sondern schaute recht betrübt drein...

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Re: [WFRSP2] - Enemy within - Kampagne
« Antwort #24 am: 16.05.2010 | 15:52 »
Na das war doch mal ein gelungenes Finale ;D.

Hatte ja schon das schlimmste erwartet, aber die Gruppe hat da ja recht fix gehandelt und damit blieb ihnen das böse Ende ja erspart.

Ansonsten immer weiter, ich bin schon gespannt wie das bei euch in Tod auf den Reik so geworden ist ;).

Edit: Doch noch eine kleine Frage: Wie hast Du die Kampagne eigentlich miteinander verbunden? Denn im Grunde ist ja jedes Abenteuer(zumindest von Mistaken Idendity bis zur grauen Eminenz) irgendwie unabhängig voneinander, weswegen ich mich schwer damit tue die Abenteuer als Kampagne zu sehen(vor allem da ja der zweifache Aufhänger  der ist, dass ausgerechnet einer der Bösewichte überlebt hat und man ihn deswegen hinterher jagen muss. Von der Bootgeschichte in der grauen Eminenz ganz zu schweigen).

Ich persönlich bin da relativ unkreativ und habe in Gedanken Wasman einen Ehrentitel(Die Stimme des Wandels) gegeben, der die Aktivitäten in Bögenhafen kontrolliert(Gideon ist dann halt sein Diener) und plant die Zerstörung und das Chaos der Stadt dazu zu nutzen die Middenheimer gegen die falschgläubigen(also sigmargläubigen) Reikländer noch mehr gegen sie aufzubringen. Zwar eine dünne Verbindung, aber immerhin eine. Lässt sich auch gut mit Wege der Verdammten kombinieren, die ich ja auch im Kopf überarbeitet habe um das ganze etwas einheitlicher zu gestalten...aber genug von meinen Geschreibsel, wie hast Du das denn nun gemacht?

(Hoffentlich waren das jetzt nicht zu viele Spoiler auf einmal :D ).
« Letzte Änderung: 16.05.2010 | 16:37 von Rafael »