Autor Thema: Unknown Armies - die Regeln  (Gelesen 3458 mal)

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Unknown Armies - die Regeln
« am: 8.04.2002 | 17:13 »
Ich habe mir gestern das DualAbenteuer (D20/Unknown Armies) "Ascension of Magdalena" geholt und fand den Unknown Armies-Anteil recht interessant (Illuminati-Rollenspiel). Allerdings waren die Regelaspekte sehr kurz beschrieben. Deswegen meine Frage:  
Könnte mir jemand grob erklären, wie das Regelsystem funktioniert?
« Letzte Änderung: 10.02.2004 | 09:42 von Jestocost »
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Joseph Joubert (1754 - 1824), französischer Moralist

Offline Jestocost

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Re:Unknown Armies
« Antwort #1 am: 9.04.2002 | 10:59 »
Yuhu, endlich mal jemand, der sich auch für Unknown Armies interessiert (wenn auch nur für's System...)

UA hat ein sehr einfaches % System (also W100) mit ein paar sehr netten Twists...

Ein Charakter bei UA besteht aus drei Bereichen:

- der Persönlichkeit
- den Stats und Skills
- und seiner psychischen Verfassung (es ist ein Horror-Rollenspiel)

Die Persönlichkeit eines UA-Charakters besteht aus vier Teilen: Einer Besessenheit und drei Leidenschaften. Besessenheit ist der Knall, um den sich bei dem Charakter alles dreht. Es hat dazu den Vorteil, dass man sich eine Fertigkeit aussuchen kann, von der man besessen ist - dies erlaubt sogenannte Flip-Flops. Dazu gleich mehr.
Zu den Leidenschaften gehören Wut, Furcht und Edelmut.
Wut ist eine Sache, die den Charakter auf die Nerven geht, Furcht ist eine Sache, von der er sich ängstigt, und Edelmut ist eine Sache, die das gute im Charakter heraus bringt.
Pro Spielabend und Leidenschaft darf man einmal in einer Szene, in der die Leidenschaft des Charakters hervortritt, noch einmal würfel oder einen Flip-Flop machen...

Jetzt zum den Eigenschaften, den Fertigkeiten und dem Würfelsystem:
Ein Charakter besteht aus vier Eigenschaften: Körper, Reaktion, Verstand und Seele. Dies haben am Anfang einen Wert von 30-70 und dienen als Maximalwerte für die dazugehörigen Fertigkeiten.
UA hat ein freies Fertigkeitssystem: Zu jedem Attribut bekommt ein Charakter zwei freie Fertigkeiten, zusätzliche Fertigkeiten denkt man sich einfach aus (ein Charakter in meiner Gruppe hat die Fertigkeit 'Partyhengst'. Die Fertigkeiten bekommen dann Prozentwerte zugewiesen - Am Anfag so zwischen 15 und 55%. In Stress-Situationen muss man drunter würfeln... Sonst bedeutet dass, das man eine Sache automatisch schafft, wenn man die nötige Fertigkeit hat...

Und hier zeigt sich, was Flip-Flops bringen: Wenn ich einen solchen machen kann, kann ich nach dem Würfelwurf bestimmen, welcher der beiden Würfel die Zehner-Stelle ist und welche die Einer-Stelle... Das erhöht die Chancen natürlich beträchtlich...

Das Kampfsystem ist auch recht einfach: Ich würfele, ob ich treffe. Bei einem Nahkampfangriff zähle ich dann die beiden Würfel zusammen und habe so den Schaden (plus etwaige Waffenboni) (ne 21 mit dem Schwert (+6 Schaden) gibt dann 2+1+6=9 Schaden). Diese werden dann von den Wundenpunkten (entspricht dem Körper-Wert) abgezogen... Bei 10 bin ich groggy, bei 5 bewusstlos, beo 0 am krepieren...
Bei Schusswaffen gilt einfach der gewürfelte Wert als Schaden (49 gewürfelt und getroffen - 49 Punkte Schaden - Ouch!)

Zur Psychischen Verfassung: Jeder Charakter hat 5 Anzeigen auf seinem Charakter für Gewalt, Übernatürliches, Isolation, Hilflosigkeit und Selbsteinschätzung. Diese Anzeigen gehen in zwei Richtungen: Geschockt und Abgehärtet.
Komme ich in eine belastende Situation (man schiesst auf mich) mache ich eine PRobe auf meinen Geistwert: Schaffe ich die, werde ich abgehärtet - Gewalt macht mir nicht mehr soviel aus... Verpatze ich die, werde ich geschockt - und flippe aus.. Und das hinterlässt immer mehr Spuren: Denn jede gelungenen oder verpatzte Probe füllt den Wert der jeweiligen Anzeige aus - entweder in Richtung Geschockt oder in Richtung abgehärten...

Und wenn ich PEch habe, macht mein Charakter dann irgendwann emotionell vollkommen zu (vollkommen abgehärtet) oder wird irr (vollkommen geschockt).

Und das waren die Regeln für Unknown Armies...
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Re:Unknown Armies
« Antwort #2 am: 9.04.2002 | 11:16 »
@Jestocost:
Erstmal danke für Deine sehr ausführlichen Erklärungen. :) Es ist übrigens nicht nur das System, das mich an Unknown Armies interessiert.
Ich habe da aber noch ein paar Fragen:
1. In dem Abenteuer werden die Avatare relativ ausführlich erklärt. Hat jeder Spielercharakter die Möglichkeit einen Avatar zu haben, muss jeder Charakter einen haben oder sind die eher für Nicht Spieler Charaktere?
2. Das normale Setting spielt in der heutigen Zeit, richtig?
3. Ich habe das Prinzip der Clergy nicht ganz verstanden. Bekämpfen sich die verschiedenen Avatare der verschiedenen "Glaubensätze" oder prügeln sie sich nur innerhalb eines "Glaubenssatz"?
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Re:Unknown Armies
« Antwort #3 am: 9.04.2002 | 12:03 »
In UA spielt man Charaktere, die im okkulten Untergrund aktiv sind, also Leute die glauben - oder glauben zu wissen-, was wirklich abgeht.

Achtung: SPOILER!

Wenn du Unknown Armies als Spieler spielen möchtest, solltest du jetzt nicht weiter lesen....

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Im Endeffekt gibt es drei Möglichkeiten für den eigenen Charakter:

Der Adept: Zauberer.... Menschen, deren Bessessenheit so stark ist, dass sich die Realität den Wünschen unterordnet. Adepten gehören verschiedenen Schulen an, die ihre Energie jeweils aus einem bestimmten Thema ziehen: Sex, Alkohol, Masken, Risiko und Zufall, Geheimnisse, Historie, oder Mechanik...

Um Magie zu wirken, braucht ein Adept Ladungen.. Ein Schluckspecht (also ein Alkoholmagier oder Dipsomant) besäuft sich dazu, ein Historienmagier (oder Kliomant) erntet Orte mit historischer Bedeutung, ein MEchanomant opfert seine Zeit und seine Erinnerungen für sein Werk...

Dann gibt es noch das Tabu: Verstösst ein Adept dagegen, verliert er alle seine Ladungen... Beim Schluckspecht ist das Nüchternheit... Sobald der Dipsomant wieder nüchtern ist, verliert er alle Ladungen...

Avatare: Avatare sind Menschen, die bestimmten Rollen nacheifern, den Archetypen, aus denen sich die Invisible Clergy zusammen setzt. Je mehr sie ihrem Archetyp entsprechen, desto mehr Kräfte bekommen Sie.. Verstoßen Sie gegen das Tabu Ihres Archetypen, entfernen sie sich wieder davon und verlieren ihre Kräfte wieder...

Was ist die Invisible Clergy? Es gibt Unsterblichkeit und Wiedergeburt... Die Clergy hat 333 Plätze, die von Menschen gefüllt werden können, die das Zeug zum Archetyp haben, die so stark ein bestimmtes Thema oder Rolle verkörpern, dass sie 'zum Himmel auffahren' (oder aszendieren...).
Und wenn alle 333 Plätze gefüllt sind, endet das Universum, die Clergy wird zur Gottheit, die das nächste Universum hervorbringt... Und das Spielchen geht von vorn los.. Waren die 333 Archetypen nun ziemlich fies, wird es ein fieses Universum, waren sie gut, wird das Universum netter...

Die Clergy bekämpft sich nicht direkt, aber viele Avatare tun es... Denn es kann immer nur einen Gottläufer geben, eine Person, die dem Archetyp am nächsten ist... Und dieser Gottläufer hat auch die Möglichkeit, den herrschenden Archetyp herauszufordern und durch sich selbst - und eine alternative Interpretation des Archetypen - zu ersetzen... Vielleicht gibt es darum gerade so viel Fernsehsendungen, die sich mit weiblichen Zauberern befassen (Sabrina, Charmed, etc..) - vielleicht wird gerade der Archetyp des Magus neu besetzt....

Man kann in UA natürlich auch jemanden spielen, der nicht magisch begabt ist und auch kein Avatar... Schließlich geht es um Macht... Und da kann ein guter Einbrecher oder Soldat schon sehr helfen...

Ich empfehle, eine Prelude mit den Charakteren zu spielen und ihnen danach die Möglichkeit u geben, vielleicht einem Avatar zu folgen oder Adept zu werden... UA ist für Spieler dann am besten, wenn sie überhaupt nichts über die Kosmologie wissen (So, und wenn du jetzt als möglicher Spieler das alles trotz des Hinweises gelesen hast - Pech für dich!)

Über das Setting: Es spielt in der Gegenwart, und hat viel mit der realen, dreckigen Wirklichkeit zu tun.. Es geht um Menschen, die in Konkurrenz mit anderen Menschen stehen - und nicht um irgendwelche kosmischen Monster oder Ungeheuer... Aber der Mensch kann nun mal das schrecklichste Monster sein...

In ein oder zwei Monaten kommt übrigens die Second Edition heraus.... Es wird keine großen Regeländerungen geben, aber ein paar Sachen werden halt ergänzt und klarer gemacht...
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Re:Unknown Armies
« Antwort #4 am: 9.04.2002 | 14:35 »
@Jestocost: Jetzt nuss ich mir wohl doch das Regelwerk holen :( ;D Danke für die Info.
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Watzmann

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Re: Unknown Armies - die Regeln
« Antwort #5 am: 29.03.2007 | 10:11 »
UA finde ich sehr interessant, leider bin ich noch nicht dazu gekommen, es zu spielen,
da mir einige Regeln noch unklar sind :/

Offline Enkidi Li Halan (N.A.)

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Re: Unknown Armies - die Regeln
« Antwort #6 am: 29.03.2007 | 10:13 »
da mir einige Regeln noch unklar sind :/
Welche denn? Da können wir sicher helfen.
Aber: UA funktioniert auch sehr gut abseits von Regelmechanik ;)

Watzmann

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Re: Unknown Armies - die Regeln
« Antwort #7 am: 29.03.2007 | 11:00 »
Ich hab das Regelwerk schon nicht mehr länger in Händen gehalten, aber ich komme bei Zeiten
sehr gerne auf das Angebot zurück. Danke

Offline Mithras

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Re: Unknown Armies - die Regeln
« Antwort #8 am: 28.04.2021 | 10:01 »
Was bringt denn die Härte Regeltechnisch? Bekomme ich einen Bonus auf den Wurf bei Stress oder Wiederholungswürfe? Oder welche Mechanik steckt dahinter?
Ich spiele lieber AD&D statt Pathfinder und Cyberpunk 2020 statt Shadowrun.

Offline Wendigogo

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Re: Unknown Armies - die Regeln
« Antwort #9 am: 4.05.2021 | 08:48 »
Stresswürfe haben bei UA verschiedene Stufen (1-10) (Bei Identität z.B. von "1- Ein Verbrechen begehen" bis "10- Alles zu zerstören, auf das du dein Leben ausgebaut hast")
Wenn man auf der Härteseite im entsprechenden Aspekt mindestens soviele Kerben hat, wie die Stufe ist, schaffst du den Wurf automatisch.
I am - of the winds - in the North
soaring down - with feet - flaming
consume - the essesence of life
-Song of the Wendigo