Autor Thema: King [Cthulhu]  (Gelesen 217 mal)

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Offline Yozora

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King [Cthulhu]
« am: 28.07.2020 | 09:11 »
https://inyo.home.blog/2020/07/08/king-cthulhu/




Unter den Blinden ist der Einäugige König! Unter diesem Motto steht das Szenario „King“ von Keary Birch, zu finden im Chtulhu Britannica. Wir haben es mit Nemesis Regeln gespielt, da einige Szenen sich damit schneller und einfacher abhandeln lassen und weil damit spezifische Körperteile im Kampf als Ziel genommen werden können.

Die Charaktere

Shannon Beaton-Taylor: Kinderbuch- und Science Fiction-Autorin.

Benjamin Cripps: Ein Kunstkritiker, der so ziemlich alles zerreißt.

David Norton: Ein aufstrebender Schauspieler.


Die Geschichte

Starres Erwachen

Drei Personen erwachen in ungewohnter Lage: Es ist dunkel um sie herum, sie liegen auf dem Bauch, Arme und Beine sind festgeschnallt und ihr Kopf ist mit einer metallenen Vorrichtung fixiert. Sie sprechen kurz miteinander und stellen dann fest, dass sie alle wegen einer Augen-Operation bei einem gewissen Dr. Funikoshi waren. Aber liegt ihre OP nicht schon etwas zurück? Sie sind irritiert, auch, weil ihre Bauchlage eher ungewöhnlich für Augen-Operationen ist. Insgesamt drücken sie ihr Unwohlsein mit der aktuellen Lage aus und Besorgnis greift um sich, da niemand außer ihnen hier zu sein scheint und sie keine Möglichkeit haben, jemanden zu kontaktieren.

Eine Tür öffnet sich und eine Krankenschwester kommt herein. Sie erklärt den Patienten, dass Dr. Funikoshi in einigen Minuten zur Visite hier sein wird, derweil serviert sie ihnen Orangensaft per Strohhalm und gibt ihnen etwas zu Essen. Da das Toastbrot etwas verbrannt riecht, lehnt Benjamin es ab und bleibt hungrig, während die anderen beiden sich über etwas im Magen freuen. Warum sie in dieser merkwürdigen Position liegen? Das wird ihnen Dr. Funikoshi gleich erklären.

Dann ist auch schon der Arzt zur Stelle und erklärt, er habe eine unkonventionelle, neuartige Operationsmethode angewendet und die drei müssten bis morgen in ihrer aktuellen Position ruhen, da sonst die Gefahr bestehe, zu erblinden. Er habe ihre Augenflüssigkeit mit einem Gas ausgetauscht, welches in den kommenden Stunden allmählich wieder durch die normale Flüssigkeit umgewandelt werde. Bewegungen könnten diesen Vorgang stören. Die beiden Männer sind sehr beunruhigt und Benjamin spricht seinen Unmut aus und möchte eine Kopie seiner Einverständniserklärung bekommen. Er glaubt nämlich nicht, dass er so etwas zugestimmt haben könnte. Selbstverständlich soll er die bekommen, beschwichtigt der Arzt ihn ruhig.

Dann verlässt er die Gruppe auch schon wieder und die Krankenschwester gibt ihren Patienten noch jedem einen Notfallknopf in die Hand, falls etwas sein sollte. Dann geht auch sie. Doch kurz bevor die Tür zufällt, zerreißt ihr schriller Schrei die Luft.

Erkundungstour

Das Drücken der Notfallknöpfe und laute Rufen hat keinen Erfolg, die Pflegerin kommt nicht zurück. Wurde sie umgebracht? Kommt der Mörder womöglich auch gleich zu ihnen herein? Benjamin macht sich los und tappst blind im Zimmer umher. Was auch immer der Frau dort draußen passiert ist, er will es nicht auch mit sich geschehen lassen. Nach kurzem Zögern nimmt er seinen Augenverband ab und sieht, wie sich dort purpurne Würmer drin winden, die aber rasch verpuffen, nachdem er den Verband weggeworfen hat. Unheimlich. Shannon mutmaßt, dass diese Dinger vielleicht so etwas wie in der Blutegel-Therapie sind. Doch genau weiß es keiner der drei.

Jetzt, so ohne Decke, bemerkt Benjamin erst, wie kalt es eigentlich im Zimmer ist. Ein großer Deckenventilator läuft und es gibt keine Möglichkeit, ihn abzuschalten. Doch das kümmert ihn gerade nicht, er öffnet die Tür und schaut hinaus auf den Gang – wo die Überreste der Pflegerin an Wänden, Decke und auf dem Boden verteilt sind. Blut, Knochenreste und Gedärme hängen und liegen überall verteilt wie auf einem grotesken Gemälde. Hier und dort tropft Blut von der Decke herab oder ein Stück Fleisch rutscht an der Wand langsam gen Boden. Der Anblick ist einfach zu viel, vor allem, da beinahe der gesamte Gang – an dessen Ende sich das Patientenzimmer befindet – vollgespritzt ist. Benjamin übergibt sich, eine Mischung aus Galle und Orangensaft verbleibt als stinkende Pfütze auf dem Fußboden vor der Tür.

Doch es hilft nichts, der Kritiker will einen Ausweg finden! Und so bindet er sich Bettpfannen an die Füße und durchsucht ein Zimmer nach dem anderen. Die ersten sehen genauso aus wie ihr eigenes, nur ohne Patienten. Shannon macht sich derweil ebenfalls los und verrückt ihren Verband, immerhin ist sie nur an einem Auge operiert worden. Auch sie entdeckt dabei die Würmer und fühlt kurz, wie sie sich unter dem Verband winden.

Sie spricht nur vom Türrahmen aus mit Benjamin, um nicht mit dem grausigen Bild auf dem Flur konfrontiert zu werden. Benjamin rutscht auf seiner Erkundungstour aus und entdeckt so, dass auf seiner Brust ein sehr langer Verbandsstreifen klebt. Er lässt ihn drauf, doch eine unheimliche Theorie beginnt in ihm aufzukeimen. Und dann entdeckt er in Raum 5 eine Art Stoffzelt, von dem ein starker Lavendelgeruch ausgeht.

Entdeckungen

Schließlich ringt sich auch David dazu durch, aufzustehen. Als er sich das OP-Hemd auszieht und sich dafür ein Bettlaken überstreift, sieht Shannon auf seiner Brust bis zum Bauch einen langen Verbandsstreifen. Ein Blick unter ihre Kleidung zeigt: Auch sie hat so einen. David lässt seine Augenbinde auf und tappst blind durch den Flur, wo er in Knochenreste tritt. Benjamin holt ihn daraufhin mit einem Rollstuhl ab und schiebt ihn mit sich, nachdem er das Zelt untersucht hat. In diesem, so teilt er den anderen mit, fressen gerade einige fette Maden an blanken Knochenresten herum. Er prophezeit, dass dies auch ihr Schicksal werden könnte. In Raum 7 findet er einen Ofen und einen Mülleimer mit diversen benutzten Krankenhaus-Artikeln wie Handschuhen und Kitteln. Weder er noch David bekommen den Ofen jedoch angeschaltet.

Shannon wirft sich einen Kissenbezug über und schiebt eine Bettdecke vor sich her, um zu den beiden Männern zu kommen, die sich konstant streiten – Benjamin hat anscheinend kürzlich Davids Aufführung ziemlich niedergemacht. Auch sie hat bereits Bekanntschaft mit seinen üblen Texten gemacht, doch schluckt ihren Zorn herunter. Die Situation ist so schon schlimm genug.

Als sie schließlich in das Pflegerzimmer gelangen, erklärt Benjamin, dass sie wahrscheinlich längst tot sind und es aus diesem Grund so kalt hier unten ist: Sie würden sonst verwesen. Die anderen beiden tun das als verrücktes Geschwätz ab und untersuchen den Raum genauer, während der Kritiker sich auf den Weg in den nächsten Raum macht.
Organe

Und hier wird er auch fündig: Mehrere Kühlschränke mit Glastüren beinhalten kleinere Gefäße, in denen jeweils ein Organ eingelagert ist. Diese sind mit Barcodes etikettiert – Codes, wie die drei sie auch ums Handgelenk gebunden bekommen haben. Benjamin gleicht seinen und Shannons Code ab. Das Ergebnis: Ihm fehlen Herz, Niere und Leber, der Autorin Leber, Niere und Lunge. Seltsam, dass alle noch einen Puls haben… Der Schrecken sitzt tief und auch, wenn vorher noch die Neugier da war, den letzten, verschlossenen Raum zu untersuchen, wollen alle nur noch weg hier. Mit etwas Gewalt schaffen sie es, die Ausgangstür aufzubrechen.

Die Höhle

Statt in einem weiteren Gang stehen sie nun vor einer Naturhöhle. Lange Steingänge führen in die Dunkelheit – in der sie alle trotzdem perfekt sehen können – und ein unheimliches Statikrauschen kommt rasch auf sie zu. Was auch immer es ist, niemand will das herausfinden. Sie beginnen, zu laufen. Shannon stolpert und fällt zurück und dann ist das Ding auch schon zwischen ihr und den anderen. Es sieht aus wie ein durchsichtiger Seestern gemischt mit einer Qualle und einem Tintenfisch mit zu vielen Tentakeln und Mäulern. Im ersten Schreck schlägt sie mit einem Skalpell nach der Kreatur, doch diese rauscht einfach durch sie hindurch und trennt ihr dabei den ganzen Arm ab. Kreischend rennt sie zurück, versucht die Tür zuzumachen, doch nachdem das Wesen ihren Arm in Sekundenschnelle verschlungen hat, wirft es sich gegen die Tür.

Shannon gibt nach und rennt in den Organ-Aufbewahrungsraum, schnappt sich drei Behälter und wirft einen nach dem Wesen. Sie verfehlt, doch das Glas zerbirst und das Wesen ist für einige Sekunden abgelenkt. Gierig stürzt es sich auf das Organ und verschlingt es, reißt es dabei in Fetzen. Shannon rennt an ihm vorbei und folgt den anderen durch die Höhle. Benjamin und David sind derweil bereits an einer Metalltür angekommen und versuchen, diese aufzubrechen, als ein weiteres Wesen auf sie zu schwebt. Benjamin ergreift schreiend die Flucht und rempelt Shannon an, in der Hoffnung, dass das Wesen sich auf sie stürzt.

Leider geht sein Plan nach hinten los. Das Wesen greift ihn an und trennt ihm ein Bein ab. Blutend strauchelt er und geht zu Boden, schlägt wild um sich und versucht, irgendwie zu überleben, doch seine Versuche bieten keine Rettung. Er wird auf grausige Art zerfleischt. Die anderen beiden schaffen es, die Tür aufzubrechen und sprinten über eine Treppe nach oben.
Dr. Funikoshi

Die Treppe endet an der Rückseite eines Bücherregals. Als sie es zur Seite schieben, befinden sie sich im Büro ihres behandelnden Arztes, welcher ein paar Sekunden später durch die Tür hereinkommt. Er ist überrascht und ruft den Sicherheitsdienst, während er gleichzeitig versucht, seine beiden ausgebrochenen Experimente zu beruhigen. Er habe sie verbessert, sie sollten ihm dankbar sein. Als die ersten beiden Wachleute ankommen, reißt Shannon ihren geöffneten Brustkorb auf, der nicht mehr von Organen, sondern schleimigen Fäden durchzogen ist.

Die Wachmänner sind geschockt, also ruft der Arzt nach Verstärkung. David hat sich längst mit seinem Schicksal abgefunden und schaut sich seine Akte an, die auf dem Schreibtisch liegt. Leider kann er nur den ersten, uninterresanten Teil davon lesen, da der Rest auf Thailändisch verfasst ist. Shannon dagegen reißt sich etwas von dem Schleim aus dem Körper und schmiert ihn in das Gesicht des Arztes, drückt es ihm in Mund und Nase. Doch er ist nicht angewidert und wird auch nicht mit dem Zeug infiziert, wie sie gehofft hat. „Faszinierend“, murmelt er nur, dann kommt die Verstärkung mit den Beruhigungsspritzen an…


Fazit

Wir haben mit verbundenen Augen gespielt und durften die Augenbinden auch erst abnehmen, wenn wir sie im Spiel abgenommen haben. Das resultiere darin, dass Davids Spieler die ganze Zeit seine Maske aufhatte, was aber recht spaßig war.

Auch, wenn die Struktur des Szenarios sehr einfach ist, hatten wir sehr viel Spaß mit den verschiedenen Varianten, möglichst unbeschadet und psychisch stabil durch den Flur zu gelangen. Der SL berichtete später darüber, dass die Gruppe, in der er es gespielt hat, mit einem Krankenhausbett herumgefahren sind und die Wesen von dort aus mit den Organbehältern beworfen hat.

Nicht ganz so ideal war die Ansprache des Arztes, bei der sich jedem, der sich ein wenig mit Augen auskennt, die Nackenhaare aufstellen. Es wirkt sehr laienhaft und ich habe kurz gezweifelt, ob das wirklich ein Arzt ist oder ein Hochstapler, der ein paar Begriffe aus der Optik genommen hat und mit ihnen jonglieren übt. Es passte einfach nicht gut.

Unser SL hat übrigens die Tcho-Tcho, welche dem Arzt dienen, rausgelassen und den Fahrstuhl durch Treppen ausgetauscht, weil sie im Kontext der Höhle einfach mehr Sinn ergeben und die Tcho-Tcho diesen sicherlich auch nicht hätten warten können.

Insgesamt ein unterhaltsames, schlichtes Szenario. Hat Spaß gemacht.
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