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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
Issi:
--- Zitat von: Chruschtschow am 7.05.2018 | 09:12 ---Da gehen gleich mehrere Sachen völlig an dem vorbei, was ich schrieb.
(1) Falsche Richtung. Nicht "Hakennase, mal schauen, ob die auch Geld verleihen", sondern "Geldverleiher und jetzt auch noch Hakennasen". Das ist ein wirklich Jahrhunderte altes Klischee.
(2) Ich habe "Rowling" geschrieben, weil ich Rowling meinte. Schriebe ich über die Filme, stände da Chris Columbus.
(3) Kannst du mir kurz aufzählen, welche Jahrhunderte alten rassistischen Klischees mit kleinen spitzhütigen Bartträgern zusammen hängen? Für hakennasige Geldverleiher muss ich nicht lange suchen. Slippery Slope.
(4) Ich werfe Rowling keinen Antisemitismus vor, nur nachlässigen Umgang mit einer Sache, die bestehende Stereotype wahrscheinlich unbeabsichtigt aufruft.
@all:
Klar kann ich volles Mett schwarzweiß zeichnen. Das macht doch fast jede mythische Erzählung. Mit geht es in der Hauptsache darum, tatsächliche rassistische Vorurteile nicht mal eben unbeabsichtigt zu perpetuieren. (Und wenn man es mit Absicht tut, ist der Vorwurf ein Rassist zu sein nun ein Mal korrekt.)
--- Ende Zitat ---
1) Was aber doch sicher nicht jedem bekannt sein dürfte. (Zum Beispiel ihrem Zielpublikum (Kindern und Jugendlichen).)
Bankier +Hakennase= Antisemitismus (Ok, wenn man mit den alten Vorurteilen vertraut ist, könnte man das ggf. unterstellen. Aber die Tatsache, dass es ein Kinderbuch ist, das in einer Fantasy Welt spielt, und die Bänker Kobolde sind, dürfte das doch mit etwas gutem Willen relativieren.)
2) Rowling hatte großen Einfluß auf ihren Film. Ihre Vorstellungen wurden da meines Wissens mitberücksichtigt.
3) Naja laß die Bärte mal lang und schwarz sein, und die Hüte mal eine komische Form haben. (Ich weiß, das ist überzogen, aber man weiß ja nie)
4) Das kann man ihr sicher auch vorwerfen, wenn man es für nötig hält. Aber mit welchem Ziel?
Dass in Fantasywelten künftig keine Wesen mehr Vorkommen dürfen die gleichzeitig Geldverleher und Hakennasenträger sind?
Mir fällt da übrigens auch Star Wars 1 ein, wo der "Sklavenhändler (Geldverleiher/Geizkragen)" dem der kleine Skywalker gehört, schon einen auffallend großen Rüssel besitzt.
Ist das dann auch ein Versagen der Filmindustrie? (Der so im Fantasy Bereich nicht vorkommen darf, selbst wenn das Wesen sonst nach "Elefantenlibelle mit Flügeln" aussieht ?)
Thandbar:
--- Zitat von: Issi am 7.05.2018 | 07:02 ---
Und die haben mit Reallife Menschen mMn. wenig gemeinsam. Oder ungefähr soviel, wie die Hauselfen.
Die sind ja quasi auch eine Rasse,
Sogar eine Art "Sklavenrasse. "
--- Ende Zitat ---
Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass JKR an der Oberfläche zwar Diskriminierung und Rassenhass thematisiert, sie aber in ihrer Erzählwelt immer wieder rassistische und antisemitische Stereotype reproduziert. Die Hauselfen zB sind ja nicht nur durch Gewalt unterworfen, sondern sie sind "von ihrer Natur her" unterwürfig und unselbstständig wie Kinder. Der Gedanke an Emanzipation und Befreiung muss von außen an sie herangetragen und ihnen gewissermaßen sogar befohlen werden. Und das erinnert meiner Meinung nach schon sehr an die rassistischen Legitimationsmuster europäischer Sklavenhalter - nur dass sie hier keine verheerende und menschenverachtende Wahnidee, sondern Fakten der erzählten Welt sind.
--- Zitat ---1) Was aber doch sicher nicht jedem bekannt sein dürfte. (Zum Beispiel ihrem Zielpublikum (Kindern und Jugendlichen).)
--- Ende Zitat ---
Das finde ich eigentlich eher schlimmer als besser, weil eben Kinder schon wieder diese Stereotype als Erzählmuster aufnehmen, ohne bereits über sie reflektieren zu können.
Achamanian:
--- Zitat von: Issi am 7.05.2018 | 09:42 ---1) Was aber doch sicher nicht jedem bekannt sein dürfte. (Zum Beispiel ihrem Zielpublikum (Kindern und Jugendlichen).)
Bankier +Hakennase= Antisemitismus (Ok, wenn man mit den alten Vorurteilen vertraut ist, könnte man das ggf. unterstellen. Aber die Tatsache, dass es ein Kinderbuch ist, das in einer Fantasy Welt spielt, und die Bänker Kobolde sind, dürfte das doch mit etwas gutem Willen relativieren.)
--- Ende Zitat ---
Da liegt ja gerade das Problem. Die antisemitischen Stereotype sind da draußen nach wie vor unterwegs und werden dann an vielen Punkten eben doch wieder konkret rassistisch an echte Menschen zurückgebunden. Wenn Rowling Kindern und Jugendlichen den kompletten Stereotyp bereitstellt, nur ohne konkretes Andocken an "die Juden", dann ist der Stereotyp damit eben schon mal da und abrufbar - was dann den Stereotyp, wenn man ihm später mal in seiner explizit antisemitischen Form begegnet, eventuell einleuchtender macht. Dafür müssen weder Rowling noch ihre Rezipienten bewusst Antisemitismus im Sinn haben.
--- Zitat von: Issi am 7.05.2018 | 09:42 ---
4) Das kann man ihr sicher auch vorwerfen, wenn man es für nötig hält. Aber mit welchem Ziel?
Dass in Fantasywelten künftig keine Wesen mehr Vorkommen dürfen die gleichzeitig Geldverleher und Hakennasenträger sind?
Mir fällt da übrigens auch Star Wars 1 ein, wo der "Sklavenhändler (Geldverleiher/Geizkragen)" dem der kleine Luke gehört, schon einen auffallend großen Rüssel besitzt.
--- Ende Zitat ---
Episode I hat dafür ja auch zu Recht viel Schelte eingesteckt.
Und das Ziel? Da ich keine Gesetze mache und auch nichts von Zensur halte, wäre mein Ziel sicher nicht, dass in Fantasywelten künftig keine Wesen mehr vorkommen dürfen, die gleichzeitig Geldverleiher und Hakennasenträger sind. Aber mein Ziel wäre es sehr wohl, AutorInnen ins Bewusstsein zu rufen, dass solche Stereotypen andockfähig für "echten" Rassismus sind und dass sie sich durchaus bewusst für eine andere Zeichnung der jeweiligen Figur entscheiden können. Und gleichzeitig die Rezipienten dazu zu bringen, solche Stereotype auch bewusst in ihren Bezügen wahrzunehmen, weil diffus im Kopf herumspukende Elemente rassistischer und antisemitischer Stereotypen eben evtl. gefährlicher sind als bewusst gemachte, von denen man sich dann innerlich auch bewusst abgrenzen kann. Wer langnasige Geldverleiher als Figuren irgendwie einleuchtend findet, weil er das aus Harry Potter kennt, und dann später Juden als langsnasige Geldverleiher verkauft kriegt, der schluckt das vielleicht ohne allzu viel nachzudenken. Wer schon mal die Kritik daran aufgeschnappt hat, dass das bei Harry Potter einem antisemitischen Stereotyp folgt, wird so etwas dagegen nicht einfach so schlucken, sondern spätestens dann noch mal ins Nachdenken kommen.
Im Prinzip also Aufklärung statt Verbote.
Issi:
--- Zitat ---Das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass JKR an der Oberfläche zwar Diskriminierung und Rassenhass thematisiert, sie aber in ihrer Erzählwelt immer wieder rassistische und antisemitische Stereotype reproduziert. Die Hauselfen zB sind ja nicht nur durch Gewalt unterworfen, sondern sie sind "von ihrer Natur her" unterwürfig und unselbstständig wie Kinder. Der Gedanke an Emanzipation und Befreiung muss von außen an sie herangetragen und ihnen gewissermaßen sogar befohlen werden. Und das erinnert meiner Meinung nach schon sehr an die rassistischen Legitimationsmuster europäischer Sklavenhalter - nur dass sie hier keine verheerende und menschenverachtende Wahnidee, sondern Fakten der erzählten Welt sind.
--- Ende Zitat ---
:o Es ist Fantasy. Es ist Märchen. Wenn Du soweit gehst, sollte Hänsel und Gretel eindeutig verboten werden. Denn die Kinder werden von ihren Eltern quasi zum Verhungern ausgesetzt.
Selbst der Vater ist bereit seine eigenen Kinder zu opfern, zwar unwillig aber er tut es. Und später kommen sie mit Gold zu ihm zurück, und dann ist er aufeinmal wieder der "Gute"?
Und das sind "Menschen" im Märchen. Das arme Aschenputtel muß man auch zu ihrem Glück zwingen. Von Emanzipation keine Spur.
Nach deiner These ist dann eigentlich kein Märchen mehr irgendwem zumutbar.
--- Zitat ---Das finde ich eigentlich eher schlimmer als besser, weil eben Kinder schon wieder diese Stereotype als Erzählmuster aufnehmen, ohne bereits über sie reflektieren zu können.
--- Ende Zitat ---
Weil sie dann denken alle die im Reallife in einer Bank arbeiten sind in Wahrheit fiese Kobolde?
Auch die die keine Hakennase haben?
Sorry, das finde ich etwas zu weit gegriffen.
Achamanian:
--- Zitat von: Issi am 7.05.2018 | 10:01 ---Wenn Du soweit gehst, sollte Hänsel und Gretel eindeutig verboten werden.
--- Ende Zitat ---
Nimm doch mal das Thema "verboten" raus. Von Verbotsforderungen war hier, soweit ich das überblicke, noch nicht die Rede, und es ist so ein typischer Eskalationspunkt. Kritik ist noch lange keine Verbotsforderung.
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