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Rassismus in Fantasy Rollenspiele
Ludovico:
Die Frage war nicht, ob jemand Jagd auf Roma macht, wenn sein SC Ärger mit den Vistani IT hatte.
Solche überzogenen Antworten finde ich langweilig. Unterlass das doch bitte.
Ich hab explizit nach der Festigung von Stereotypen gefragt.
Tom und Jerry macht Kinder nicht gewalttätiger, ebensowenig Killerspiele.
Und nun nennst Du als Vergleich ein Massenmedium.
Der Unterschied zu Rollenspielen ist doch sehr sehr einfach:
-Konsumdauer - man sieht öfters Fernsehen als man Rollenspiele spielt
-Konsumentenzahl - nur relativ wenig Leute spielen Rollenspiele, aber viele schauen fern.
-Abstraktion - Rollenspiel findet in Fantasywelten statt. Vistani sind keine Roma, Rowlings Elfen sind keine schwarzafrikanischen Sklaven, die roten Magier von Thay sind nicht die NSDAP,...
Also relativ wenig Leute, die meist nicht täglich spielen (wenn doch, wäre das ein Fall für den Therapeuten)
und das Spiele mit unterschiedlichen Inhalten (manche mit wenig, andere ganz ohne und praktisch kaum Spiele mit vielen rassistischen Stereotypen mit Bezug zum RL - ausser man ist derart sensibel, dass man überall solche Stereotype sieht... Wieder ein Fall für den Therapeuten) müssen dann immer noch Gedanklich den Sprung zu den realen Stereotypen schaffen.
Und dann müssen die Spieler noch derart gepolt sein, dass sich diese Stereotypen bei ihnen festigen.
Das sind hohe Hürden.
Da ist es wahrscheinlicher, dass Grimms Märchen Gewalttätigkeit bei Kindern fördern.
Isegrim:
Mal ne Frage: Liegt das nur an meinem Umfeld, oder habt ihr "Zigeuner-Klischees" im Rollenspiel nicht auch als überwiegend positiv besetzt erlebt? Freiheit, Ungebundenheit, Abenteuer, Ausbrechen aus den Verhältnissen? Macht das i-einen Unterschied?
Eine weitere Frage wäre dem Falle, inwieweit diese "Rollenspiel-Zigeuner-Klischees" noch i-was mit heutigen rassistischen Vorurteilen gegen Roma & Sinti zu tun? Die hängen doch alle vor allem anderen an den Lebensumständen von Fahrenden, und das gibt es heute praktisch gar nicht mehr.
Vorurteile, Diebstahl betreffend, gab und gibt es, keine Frage. Auf die (in meinem Falle LARP-) Zigeuner, die anfangen, jedem Ritter, der nicht bei drei auf einem Baum ist, die Rüstung zu wienern, um dann eine Bezahlung zu fordern, muss ich vermutlich noch weiter warten. Ist vermutlich auch besser so... ;)
felixs:
--- Zitat von: Isegrim am 7.05.2018 | 18:05 ---Mal ne Frage: Liegt das nur an meinem Umfeld, oder habt ihr "Zigeuner-Klischees" im Rollenspiel nicht auch als überwiegend positiv besetzt erlebt? Freiheit, Ungebundenheit, Abenteuer, Ausbrechen aus den Verhältnissen? Macht das i-einen Unterschied?
Eine weitere Frage wäre dem Falle, inwieweit diese "Rollenspiel-Zigeuner-Klischees" noch i-was mit heutigen rassistischen Vorurteilen gegen Roma & Sinti zu tun? Die hängen doch alle vor allem anderen an den Lebensumständen von Fahrenden, und das gibt es heute praktisch gar nicht mehr.
--- Ende Zitat ---
Das ist, oben so ähnlich formuliert, auch meine Frage:
Was ist mit positiven Klischees? Bzw. Was ist mit positivem Rassismus?
Natürlich fragt sich, warum man das fragt. Ich möchte gern wissen, ob es dabei ums Prinzip geht (ist bei mir teilweise der Fall, ich finde Diskriminierung in beide Richtungen blöd), oder ob es irgendwelche realweltlichen Reflexe von (negativem) Rassismus gibt, die man innerhalb von Rollenspiel bekämpfen könnte (und sollte).
nobody@home:
--- Zitat von: felixs am 7.05.2018 | 17:53 ---Mir fällt gerade auf, dass die Midgard-Zwerge eine hebräisch inspirierte (meine ich zumindest) Sprache haben. Und sie horten Gold. Außerdem sind Bärte wichtig. Ist das auch antijüdisch?
--- Ende Zitat ---
Das hat seinerseits wieder Tradition bis mindestens zurück zu Tolkien, der sich in seiner Eigenschaft eben als Sprachwissenschaftler bei der Sprache seiner Zwerge tatsächlich vom Hebräischen hat inspirieren lassen. ;) Allerdings hat der gleichzeitig auch fleißig bei anderen Mythen geklaut und seine im Hobbit und Herrn der Ringe tatsächlich auftretenden Zwergencharaktere recht positiv besetzt (ein paar weniger nette Individuen finden sich dann hier und da im Silmarilion), so daß die resultierende Mischung bis heute populär geblieben ist, ohne dabei irgendjemandem, von dem ich je gehört hätte, auf den Bart zu treten.
Und natürlich sind Standard-Fantasyzwerge, wenn überhaupt, eher Schweizer. Leben im Gebirge, horten Gold (ob nun mit oder ohne Nummernkonto), lassen den Rest der Welt meist Rest der Welt sein, und man sollte es sich auf jeden Fall zweimal überlegen, bevor man sich mit ihnen anlegt. Wenn das keine Übereinstimmungen sind, weiß ich auch nicht. ;D
Achamanian:
--- Zitat von: felixs am 7.05.2018 | 18:07 ---Das ist, oben so ähnlich formuliert, auch meine Frage:
Was ist mit positiven Klischees? Bzw. Was ist mit positivem Rassismus?
--- Ende Zitat ---
Gehört m.E. genauso thematisiert. Vor allem, weil eh gerne mal das eine ins andere übergeht. Aber auch, um klar zu machen, dass es in aller Regel eben nicht darum geht, Urheber von Werken anzugreifen, sondern darum, sich mit den Werken und deren Bezug zu realweltlichen Ideologien auseinanderzusetzen.
So was wie Rassismus an die böswillige rassistische Intention zu knüpfen ist im Strafrecht relevant. Aber wenn Rassismus nur von einem Bösen Menschen(TM) zum anderen weitergegeben würde und nicht gleichzeitig in einem kulturellen Subtext fortleben würde, der von praktisch der gesamten Gesellschaft immer wieder mitproduziert wird, dann wäre wohl kaum seine Hartnäckigkeit als Ideologie zu erklären. Und zu diesem Mitproduzieren gehören immer auch die positiven Rassismen.
Deshalb finde ich es ja so wichtig, über Rassismus reden zu können, ohne das ganze zu einer Diskussion um "ist XY einE RassistIn" wird. Weil Rassismus halt nicht nur von Bösen RassistInnen(TM) weiterverbreitet wird.
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