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Rassismus in Fantasy Rollenspiele

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Isegrim:

--- Zitat von: Aendymion am  7.05.2018 | 22:44 ---Bezüglich der Novadis bei DSA: Hab gerade mal im DSA5 Almanach geblättert. Da wird leider noch immer das Klischee des heißblütigen, auf Ehre und Gottestreue pochenden Wüstenkriegers hochgehalten. Da wird auch mal schnell der Säbel gezückt, wenn Freunde, Familie oder Pferde (sic!) beleidigt werden. Und das Kulturpaket empfiehlt Nachteile wie Jähzorn, Vorurteile ggü Frauen und Arroganz.
--- Ende Zitat ---

Darin sähe ich eigentlich gar kein Problem, wenn nicht das "europäische" Pseudo-Mittelalter nebenan seit Jahrtausenden ein Hort von Aufklärung und Gleichberechtigung wäre. Es gab unzählige reale Kulturen, die sexistisch/patriarchalisch. gewaltverherrlichend, ehrverliebt etc.pp. waren, nur gehörte die hiesige halt dazu.

nobody@home:

--- Zitat von: felixs am  7.05.2018 | 22:27 ---Da muss man aber schon einiges anstellen, um wegen Volksverhetzung verurteilt zu werden.
Einfach nur ein Rassist zu sein reicht da nicht. Man muss zu Gewalt aufrufen oder die Würde anderer massiv verletzen.

Eine Klage wegen §187 (Verleumdung) ist in der Praxis sehr viel wahrscheinlicher. Und dann muss man eben nachweisen, dass der Kläger tatsächlich ein Rassist ist. Das ist gar nicht so einfach.

--- Ende Zitat ---

Eh. Ich halt' mich einfach an §193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) fest, nach dem "[t]adelnde Urteile über wissenschaftliche, künstlerische oder gewerbliche Leistungen [...]" im wesentlichen solange nicht strafbar sind, wie sie ein Minimum an Form wahren. Heißt, wenn ich nun mal der Meinung bin, daß Text/Setting/sonstiges Medium XYZ rassistische Inhalte transportiert, dann darf ich das auch erst mal ganz legal und offen sagen, solange ich dabei sachlich bleibe -- Kritik ist erlaubt. ;)

Und das soll's dann auch von mir in Sachen Paragraphenreiterei erst mal gewesen sein. :btt:, bitte. :)

KhornedBeef:

--- Zitat von: Isegrim am  7.05.2018 | 22:50 ---Darin sähe ich eigentlich gar kein Problem, wenn nicht das "europäische" Pseudo-Mittelalter nebenan seit Jahrtausenden ein Hort von Aufklärung und Gleichberechtigung wäre. Es gab unzählige reale Kulturen, die sexistisch/patriarchalisch. gewaltverherrlichend, ehrverliebt etc.pp. waren, nur gehörte die hiesige halt dazu.

--- Ende Zitat ---
+1, zusammen mit den allzu offensichtlichen Vorbildern ist das halt dumm.
Wenn es auf der anderen Seite eine bornländische Kultur mit extrem auageprägter Ehrkultur und Gottestreue gäbe, würde das ja keiner abwegig finden. Das mit dem "heißblütig" geht in jedem Fall in eine biologische Richtung, da muss man schon gut zeigen, ob man sich das faul aus dem Hintern gezogen hat oder nicht.

Isegrim:

--- Zitat von: KhornedBeef am  7.05.2018 | 23:28 ---Wenn es auf der anderen Seite eine bornländische Kultur mit extrem auageprägter Ehrkultur und Gottestreue gäbe, würde das ja keiner abwegig finden.
--- Ende Zitat ---

Naja, wenn man Haare spalten will: Bornländer sind in der Masse untertänig, abergläubisch, ungebildet. Das erinnert durchaus an Vorurteile gegen slawische Völker, die im Vernichtungskrieg ab 1939 kulminierten.

Realistisch betrachtet muss aber wohl eine Fantasy-Kultur, die offensichtlich von einer realen inspiriert wurde (hier Bornland = Rußland/Polen), auch die Punkte aufgreifen, die die Grundlage für solche Vorurteile liefern. Addiert man nun einerseits noch hinzu, dass nicht an historischen Kulturen angelehnte Fantasy-Völker mE deutlich die Tendenz haben, stinklangweilig zu sein, und andererseits, dass das durchschnittliche PnP-Source Book selten den Anspruch hat, eine soziologische Facharbeit zu sein, sondern eher auf dem Niveau eines billigen, klischeehaften Reiseführers verharrt... Ich wüßt nicht, wie es anders gehen sollte.

Obs nun ausgerechnet hierzulande Pseudo-Juden-Klischees braucht kann man sich zurecht fragen. (Wobei die Anmerkung stimmt, dass es nach Jahrhunderten Antijudaismus/Antisemitismus solche Klischees gibt wie Sand am Meer.) Ist das immer und grundsätzlich abzulehnen? Ich mein, die Gringotts-Gnome von Zürich sind so, wie sie portraitiert sind, jetzt nicht die sympatischsten Kerlchen, aber sie sind auch weit davon entfernt, urböse zu sein oder geheime Weltverschwörungen zu planen. In der Zaubererwelt scheints ja nicht mal  Wirtschaftskrisen zu geben. Man könnt auch zu bedenken geben, dass diese Identifizierung natürlich auch dazu geeignet ist, die Assoziation "Bankier = Jude" weiter zu reproduzieren.

Für eine recht viel bespielte und äußerlich stark an das Christentum angelehnte LARP-Religion wurde mWn mal eine "Schwester-Religion" erfunden, die zu dieser steht wie das Judentum zum Christentum (und auch einige andere Dinge vom Judentum übernahm, wie eine Vielzahl an Geboten, die das tägliche Leben regeln;  nennt sich Ceridentum & Alt-Ceridentum). Die wurde, soweit ich das aus dem netz mitbekommen habe, kaum bespielt; ich vermute ua, weil viele Spieler das Gefahrenpotential für zu hoch einschätzten, i-wo anzuecken. Eigentlich schade, denn das Konzept an sich hörte sich eigentlich schlüssig an, und weit weg von i-welchen antisemitischen Klischees.

Issi:

--- Zitat von: KhornedBeef am  7.05.2018 | 23:28 ---+1, zusammen mit den allzu offensichtlichen Vorbildern ist das halt dumm.
Wenn es auf der anderen Seite eine bornländische Kultur mit extrem auageprägter Ehrkultur und Gottestreue gäbe, würde das ja keiner abwegig finden. Das mit dem "heißblütig" geht in jedem Fall in eine biologische Richtung, da muss man schon gut zeigen, ob man sich das faul aus dem Hintern gezogen hat oder nicht.

--- Ende Zitat ---
Ich denke, auch das Temperament lässt nicht auf irgendeine "Genetik" schliessen.
Sondern soll vermutlich eine Fantasy  Kultur bzw. Gesellschaft beschreiben.

Die Gefahr, dass man als Leser denkt: Und alle, die da herkommen, sind genau so, ist evtl. da.
Vielleicht ist es sinnvoll, das extra nochmal als mögliche, kulturelle Eigenart zu kennzeichnen, die aber nicht jede Figur haben muß.


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