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Rassismus in Fantasy Rollenspiele

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Issi:
@
felix

Vielleicht ist es auch ein Ding der Unmöglichkeit, ein Rollenspiel/Roman etc. zu schaffen, bei dem wirklich niemand irgendeinen Angriffspunkt finden könnte.
Da es Fiktion ist, ist es einerseits unantastbar(weil Fiktion) und andereseits angreifbar(weil- man deshalb alles mögliche aus dem Reallife hinein interpretieren könnte)
Da ist ein riesen Druck da, und auch viele Möglichkeiten etwas falsch zu machen, weil bestimmt nicht wenige Leser da direkte Bezüge zum "aktuellen Reallife" suchen,
sogar dann, wenn das Setting in einer historischen Fantasywelt spielt.
Würde es nur in einer historischen Welt(ohne Fantasy)spielen, ist es viel weniger angreifbar, komischerweise.
Denn dann sind das ja Fakten, auf die man sich beruft.

Achamanian:

--- Zitat von: Wellentänzer am  8.05.2018 | 09:39 ---Stereotype dienen halt der Vereinfachung. Das braucht ein Setting im Rollenspiel, um griffig zu bleiben. Das brauchen Menschen, um Kompexität zu reduzieren. Kritisch wirds erst, wenn ein Stereotyp generalisiert negativ zu einem Vorurteil wird. Das ist für mich auch der Punkt, an dem Rassismus beginnt.

--- Ende Zitat ---

Dem stimme ich im Großen und Ganzen zu.
Das Problem ist für mich in den meisten Fällen nicht, dass Leute Stereotype verwenden. Das Problem ist die Vorstellung, dass jede Kritik oder Thematisierung dieser Stereotype ein illegitimer Angriff auf die Urheber des entsprechenden Werks sei. Das Problem ist der Wunsch, sich gegen Kritik abzusichern, indem man sagt: "Die Darstellung der Utulus hat mit Rassismus aber nun wirklich nichts zu tun!", anstatt sich vielleicht erst mal den Einwand anzuhören und ihn zu überdenken.
Die Konsequenz daraus muss ja nicht sein, dass die DSA-Redaktion zu Kreuze kriecht und sich selbst als Haufen von Rassisten brandmarkt; das ganze kann auch einfach Anlass zu Reflektionen und Klarstellungen sein, und sei es nur: "Ja, wir sind auf Klischees und Stereotypen angewiesen, um überhaupt einen gemeinsamen Vorstellungsraum zu erschaffen; nein, wir verwechseln das nicht mit der Wirklichkeit und wollen auch nicht, das andere das tun; ja, wir geben uns (von jetzt an vielleicht auch mehr) Mühe, die Klischees im Großen und im Kleinen zu brechen, damit sie weniger Anknüpfungspunkte für realweltlichen Rassismus liefern bzw. damit diejenigen, die in ihnen vielleicht ihre tatsächliche rassistische Ideologie bestätigt finden wollen, merken, dass wir NICHT auf ihrer Seite sind."

Dieser ganze "Dann kann man ja auch die Novadis und Utulus und Bornländer problematisieren"-Strang ist in meinen Augen völlig zutreffend. Kann man. Nur ist da nichts Absurdes oder Falsches dran. Man kann das problematisieren, ohne dabei zensieren oder verbieten zu wollen; die ganze Zensur- und Verbotsangst kommt m.E. in erster Linie daher, dass viele allein schon die Thematisierung eines Zusammenhangs zwischen Stereotypen in Fantasywelten und realweltlichem Rassismus als so unzumutbaren Vorwurf an die Fantasywelten und ihre Schöpfer empfinden, dass sie sich absolut dagegen absichern wollen. Es muss also eine klare Grenze her dafür, wann von Rassismus geredet werden darf und wann nicht, und bei allem, was man selbst denkt/empfindet/gut findet, darf dann natürlich nicht und niemals von Rassismus die Rede sein. (Die Kehrseite davon ist die Vorstellung, man müsse sich durch Vermeidung von allem, was als Rassismus angreifbar wäre, absichern - geht eben auch nicht.)

So kommt man aber nie zu einer echten Auseinandersetzung mit dem Thema. Wenn ich mir nicht mal eingestehen kann, dass ich durchaus mit einem rassistischen Blick durch die Straßen Neuköllns gehe, dann kann ich mich auch nicht damit auseinandersetzen und keine entsprechende Kritik - sei sie nun berechtigt oder nicht - annehmen. Ich kann mich immer nur in dem Zirkelschluss bewegen: "Weil ich es denke/sage, kann es nicht rassistisch sein, weil ich kein Rassist bin." Klar, wenn ich das so betrachte, dann ist jede Kritik an einer Aussage oder einem Handeln von mir als rassistisch natürlich automatisch Verleumdung. Mit Kommunikation als Wahrnehmung der Position des anderen hat das aber wenig zu tun.

6:
@Rumpel:
Kennst Du eigentlich schon dieses Video?
Folding Ideas - The Thermian Argument

felixs:

--- Zitat von: Rumpel am  8.05.2018 | 10:15 ---Wenn ich mir nicht mal eingestehen kann, dass ich durchaus mit einem rassistischen Blick durch die Straßen Neuköllns gehe, dann kann ich mich auch nicht damit auseinandersetzen und keine entsprechende Kritik - sei sie nun berechtigt oder nicht - annehmen. Ich kann mich immer nur in dem Zirkelschluss bewegen: "Weil ich es denke/sage, kann es nicht rassistisch sein, weil ich kein Rassist bin."

--- Ende Zitat ---

Wenn wir schon so konkret werden, dann ist aber die Frage, was Rassismus eigentlich ist.
Im Fall von Neukölln dürfte z. B. der soziale Faktor einen erheblichen Anteil haben. In jeder Kultur sind bildungsferne Menschen im Schnitt auch weniger selbstbeherrscht, lauter, körperlich gewalttätiger etc. Überhaupt hat die gleichzeitige Häufung von ethnischen Faktoren, Armut und Bildungsferne einen erheblichen Anteil an der Entstehung ethnischer Klischees. (Oben waren irgendwo mal "Zigeuner" als Beispiel genannt).

Und natürlich ist auch die Frage, inwieweit und auf welcher Grundlage man "Kulturen" (und entsprechend deren Angehörigen) eine Tendenz zu bestimmten Denk- und Verhaltensweisen zuschreiben kann. Bis wo ist das ok, wo wird es rassistisch?

Issi:

--- Zitat ---Es muss also eine klare Grenze her dafür, wann von Rassismus geredet werden darf und wann nicht, und bei allem, was man selbst denkt/empfindet/gut findet, darf dann natürlich nicht und niemals von Rassismus die Rede sein. (Die Kehrseite davon ist die Vorstellung, man müsse sich durch Vermeidung von allem, was als Rassismus angreifbar wäre, absichern - geht eben auch nicht.)
--- Ende Zitat ---
Jepp


--- Zitat ---So kommt man aber nie zu einer echten Auseinandersetzung mit dem Thema. Wenn ich mir nicht mal eingestehen kann, dass ich durchaus mit einem rassistischen Blick durch die Straßen Neuköllns gehe, dann kann ich mich auch nicht damit auseinandersetzen und keine entsprechende Kritik - sei sie nun berechtigt oder nicht - annehmen. Ich kann mich immer nur in dem Zirkelschluss bewegen: "Weil ich es denke/sage, kann es nicht rassistisch sein, weil ich kein Rassist bin." Klar, wenn ich das so betrachte, dann ist jede Kritik an einer Aussage oder einem Handeln von mir als rassistisch natürlich automatisch Verleumdung. Mit Kommunikation als Wahrnehmung der Position des anderen hat das aber wenig zu tun.
--- Ende Zitat ---
Klar, und vermutlich ist das eine Frage wie man kommuniziert.
Wenn das Urteil schon vor einer echten Auseinandersetzung gefällt wurde mit: "Das ist ganz sicher rassistisch! (weil ich das so wahrnehme)"
Dann ist das etwas anderes als wenn man seinen subjektiven Eindruck vermittelt mit: "Das könnte uU. rassistisch sein(weil ich das so wahrnehme)"-Aber es könnte uU. auch anders sein, weil ich die Intention des Autors nicht kenne. Und weil es eine Fantasywelt! ist, in die man Reallife Themen hinein interpretieren kann.

Der Autor sollte natürlich dann auch die Empfindungen versuchen ernstzunehmen, und darüber reflektieren, ob da etwas dran ist.
Bzw. ob er da was aus dem Realife in der Fantasy verarbeiten wollte, was in die Richtung geht. Oder nicht.

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