Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen

Politische und gesellschaftskritische Rollenspiele - Aktuell, Zukunft und Impact

<< < (4/10) > >>

Hotzenplot:

--- Zitat von: Ludovico am  2.02.2018 | 10:02 ---a) Was gibt es aktuell? (Mir ist u.a. Sigmata bekannt)
--- Ende Zitat ---
Habe bisher keines der Spiele gespielt und kenne nur die hierzuforum üblicherweise genannten RGPs. Interesse hätte ich schon, ABER...

--- Zitat ---b) Wie sieht eurer Meinung nach die Zukunft aus? Wird es mehr solcher Spiele geben? Wenn ja, wieso oder wieso nicht? Welche inhaltliche Ausrichtung werden sie haben?
--- Ende Zitat ---
Ich sehe die Zukunft eher kritisch, was die Massentauglichkeit angeht. Rollenspiele, die auch am Tisch den Fokus auf gesellschaftskritische Themen haben, könnte ich nur mit solchen Leuten spielen, die in einem ähnlichen Meinungsspektrum schwimmen wie ich und die ich so einschätze, dass ich mit ihnen gesellschaftspolitische Themen besprechen kann, ohne dass sich jemand später auf den Schlips getreten fühlt. Das schränkt die Mitspielerauswahl für mich extrem ein, denn es handelt sich dabei um eine Handvoll Freunde.

--- Zitat ---c) Wie steht ihr zu diesen Spielen?

--- Ende Zitat ---
s.o.

Pyromancer:
Rollenspiele als Mittel zur politischen Bildung gibt es im ernsthaften Bereich schon immer, als Mittel zur Diplomaten- und Offiziersausbildung oder für Schulklassen/Jugendorganisationen, die Bundestag/UNO etc. spielen und dabei etwas lernen sollen z.B.
Eines der ersten Rollenspiele, die "zum Spaß" gespielt wurden (Braunstein), hatte auch einen ausdrücklich realhistorischen/politischen Hintergrund, mit Revoluzzern, Offizieren, der etablierten politischen Kaste und herannahenden Armeen in einem kleinen deutschen Grenzdorf während der napoleonischen Kriege. Das Thema ist also nicht neu.

An halbwegs aktuellen politisch-politischen Spielen gibt es z.B. Die Verhandlung um Polen, 30 Days, Executive Decision, Krisensitzung. Bezeichnenderweise sind die alle als One-Shot ausgelegt.


--- Zitat von: Sir Hotz-a-plot am  2.02.2018 | 11:53 ---Interesse hätte ich schon, ABER...Ich sehe die Zukunft eher kritisch, was die Massentauglichkeit angeht. Rollenspiele, die auch am Tisch den Fokus auf gesellschaftskritische Themen haben, könnte ich nur mit solchen Leuten spielen, die in einem ähnlichen Meinungsspektrum schwimmen wie ich

--- Ende Zitat ---

Richtig interessant wird das Thema in meinen Augen erst, wenn man das Rollenspiel als Medium nimmt, um sich eben spielerisch mit Meinungen auseinanderzusetzen, die man nicht teilt. So kann man vielleicht noch etwas lernen.

KhornedBeef:

--- Zitat von: nobody@home am  2.02.2018 | 11:37 ---Ketzerische Gegenfrage: gibt's überhaupt nichtpolitische Rollenspiele, oder transportieren die, von denen wir das glauben, nicht auch selber schon (eventuell vom Verfasser nicht mal bewußt beabsichtigte) politische Botschaften, die uns nur einfach deshalb nicht auffallen, weil sie mit unseren eigenen schon vorhandenen Überzeugungen mehr oder weniger zufällig übereinstimmen? 8]

--- Ende Zitat ---
Nein nein nein *lalalala* davon will ich nichts hören. Dieses ganze "alles ist politisch!" führt doch nur ins Unglück.
Wenn ich beim Eismann lieber Stracciatella als Zitrone bestellen, kann man nach dem Schema da auch ein politisches Statement draus machen. Das macht es nicht besser.
Versteh mich nicht falsch, ist schon ok, den advocatus diaboli zu spielen. Da ist auch nichts "Ketzerisches", es ist bloß, mMn, grotesk falsch.
Ernsthaft, ich bin mit allerlei Kram in Aventurien nicht einverstanden, wäre er denn real. Ist das jetzt politisches Rollenspiel? Dark Heresy? Atomic Robo?

Hotzenplot:

--- Zitat von: Pyromancer am  2.02.2018 | 12:10 ---Richtig interessant wird das Thema in meinen Augen erst, wenn man das Rollenspiel als Medium nimmt, um sich eben spielerisch mit Meinungen auseinanderzusetzen, die man nicht teilt. So kann man vielleicht noch etwas lernen.

--- Ende Zitat ---
Sehe ich auch so, allerdings habe ich wenig Vertrauen darauf, dass es funktioniert und beim spielerischen bleibt. Ich vermute eher, dass sich die realpolitischen Meinungen nicht vom Spieltisch entfernen lassen, eben weil man ein politisches Spiel spielt. Und wenn das so ist, dann sehe ich eben die Gefahr, dass ich mich ernsthaft außerhalb des Spiels einer Meinung ausgesetzt sehe, die ich nicht nur nicht teile, sondern möglicherweise zutiefst verabscheue. In diesem Fall ist für mich der Spaß - und damit auch meine Hauptmotivation, um Rollenspiel zu betreiben - verloren.

Lichtbringer:
Also ich finde solche Projekte sehr faszinierend, auch weil ich immer daran interessiert bin, Rollenspiel als Medium weiterzuentwickeln.

Ich halte sie auch für effektiv, aber nicht auf dem direkten Wege. Das Problem mit solchen Ansätzen, die sehr ausgesprochen solche Themen angehen, ist, dass vor allem die Bereits-Überzeugten überhaupt Interesse daran haben. Deshalb werden sie auf dem direkten Wege wenig Überzeugungsarbeit leisten können.

Aber ihre Existenz und Präsenz sorgt für eine Normalisierung, so dass auch im Mainstream der Rollenspiele mehr gesellschaftliche Fragen thematisiert werden. Und eine Bereicherung des Hobbys finde ich gut.

Übrigens funktioniert alle gute politische Überzeugungsarbeit/Propaganda so. Man versucht nie, jemanden direkt zu überzeugen. Man bestärkt diejenigen, die schon überzeugt sind, in ihrem Glauben, so dass sie die Agenda gegenüber dem Rest der Gesellschaft lauter und überzeugter vertreten und sich die gesellschaftliche Norm in die gewünschte Richtung verschiebt.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln