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Vergleich aktueller und alter Filme
6:
Um vielleicht den Thread nochmal zu beleben.
Ich finde die Frage "Warum hat der Charakter nicht Y gemacht?" Eher zweitrangig. Sie kann je nach Intention des Regisseurs wichtig werden. Aber standardmäßig ist für mich die Frage "Warum hat der Charakter X gemacht?" Die Wichtige. Die sollte der Film erklären.
Bei der anderen Frage schwingt nämlich automatisch die eigene Erwartung mit "Ich hätte an Stelle des Charakters Y gemacht." und sowas kann dann schnell das Verstehen des Filmes unterminieren.
First Orko:
--- Zitat von: 6 am 10.09.2018 | 12:39 ---Aber standardmäßig ist für mich die Frage "Warum hat der Charakter X gemacht?" Die Wichtige. Die sollte der Film erklären.
Bei der anderen Frage schwingt nämlich automatisch die eigene Erwartung mit "Ich hätte an Stelle des Charakters Y gemacht." und sowas kann dann schnell das Verstehen des Filmes unterminieren.
--- Ende Zitat ---
Sehe ich ganz ähnlich. Aber ganz grundsätzlich kann die Diskission hier ja unter der Fragestellung nur subjektiv/emotional geführt werden, denn die Parameter sind ja schon eher vage ;) Also werde ich mal versuchen, meine absolut objektive und über alle Zweifel erhabene Meinung dazu kundtun 8]
Ich habe vor Jahren mal die damalige IMDB Top 250-Liste gespeichert und arbeite die nach und nach ab. Also immer wenn ich nicht weiß, was ich gucken soll suche ich mir da was aus und schau den dann komplett durch. Da sind natürlich viele Filme aus dem Zeitraum 50-90er dabei, aber damit habe ich zumindest den Nostalgie-Bias bei den Filmen, die ich nochmal gucke, etwas reduziert. Außerdem ist auch der Vergleich mit aktuellen Filmen schief - man weiß ja nicht, welche sich langfristig in Erinnerung halten werden.
Trotzdem eint viele der nachweislich guten Blockbuster von damals, dass sie ein Thema - sei es Figuren, Action, Epoche, Thema, Story etc. - ernst nehmen und mit einer gewissen Stringenz zu Ende denken. Drumherum wird dann schon "gemogelt" und mal Fünfe gerade sein gelassen, aber im Grundgerüst bleibt immer etwas Aufrechtes. Meinem Empfinden nach fehlt genau das in vielen vermeintlich guten großen Filmen der heutigen Zeit. Das ist so ein Eindruck, den ich auch ganz schwer festmachen kann. Ich habe zum Beispiel aufgehört, die Marvel-Film weiter zu verfolgen, weil die in meinen Augen sowohl bzgl. Charakterentwicklung als auch Stringenz der Story oder des Settings einfach derart oft verreissen, dass es mir mittelfristig einfach nur wie sehr (wirklich sehr sehr shiny!) polierte Hochglanzprodukte nach Rezept vorkommen und ich so eien Aufrechtigkeit vermisse. Trotzdem sind das gute Filme und machen Spass zu gucken! Aber am Ende blieb dann zu oft eine gewisse Leere...
(Einschub: Mir ist zBsp völlig und überhaupt nicht ersichtlich, wieso ausgerechnet "Infinity War" von allen Marvelfilmen in der aktuellen 250er-Liste auftaucht. Ich würde mal prognostizieren, dass der da auch bald wieder verschwindet aber... irgendwie verstört mich das :o)
Umgekehrt hatte ich bei vielen der Klassiker oftmals zuerst Schwierigkeiten, mich auf veraltet wirkende Konzepte einzulassen (Sunset Boulevard, Casablanca, Das siebente Siegel, Der Elefantenmensch, Metropolis, High Noon) - trotzdem wurde ich bisher nicht enttäuscht dafür, durchzuhalten. Denn eigentlich ist immer eine Zutat des Films durchgängig wirklich geradlienig brilliant. Auf andere Ebene schwächelt er dann vielleicht etwas, weil die Sehgewohnheiten sich verändern (das Pacing alter Filme ist oftmal ungewohnt und anstrengend) aber natürlich sind auch diese Zutaten ingesammt meist mindestens sehr gut.
Ich würde daher auch nicht sagen, dass die Klassiker in Sachen Realismus zBsp bei Kämpfen, Verfolgungsjagden, Leben-oder-Tod-Situationen usw. grundsätzlich besser punkten. Aber dort WO sie es tun zieht sich die o.g. Aufrichtigkeit meist durch den gesamten Film, was vielleicht ein gefühlt stimmigeres Bild ergibt.
Vielleicht war früher mehr Kunst und heute mehr Produkt? Ich stelle zumindest fest, dass die letzten wirklich wunderbaren Kinoerlebnisse allesamt vor kleiner Leinwand mit miesen Sound und durchgesessenen Sitzen im Programmkino stattfanden und diese schon mit vielen der älteren Blockbustern für mich auf einer Stufe stehen.
YY:
--- Zitat von: First Orko am 10.09.2018 | 14:21 ---Trotzdem eint viele der nachweislich guten Blockbuster von damals, dass sie ein Thema - sei es Figuren, Action, Epoche, Thema, Story etc. - ernst nehmen und mit einer gewissen Stringenz zu Ende denken. Drumherum wird dann schon "gemogelt" und mal Fünfe gerade sein gelassen, aber im Grundgerüst bleibt immer etwas Aufrechtes.
--- Ende Zitat ---
Ja, genau den Eindruck habe ich auch - das meinte ich mit "sich 'nach innen' ernst nehmen", selbst wenn es der blödeste Klamauk ist (!).
Wie gesagt kann ich das unheimlich schwer an irgendwas Greifbarem festmachen, aber in der Hinsicht wirkt heute gerade das Actionkino oft lieblos runtergespult.
--- Zitat von: First Orko am 10.09.2018 | 14:21 ---Vielleicht war früher mehr Kunst und heute mehr Produkt?
--- Ende Zitat ---
Lässt du dich auf "früher mehr 'Handarbeit' und heute Massenproduktion" runterhandeln? ;D
Kommt aber aufs Selbe raus.
Natürlich wurden die Filme früher auch gemacht, um Geld damit zu verdienen (aber nicht gefühlt nur deswegen). Natürlich hat man früher auch Fortsetzungen von Filmen gemacht, die ordentlich Geld gebracht haben (aber oft genug hat man es auch gelassen).
Usw. usf.
Den Unterschied zu heute nimmt man unterschwellig wahr, auch wenn man nicht auf irgendwas Konkretes zeigen kann und sagen "da guck, früher war genau das hier anders".
--- Zitat von: 6 am 10.09.2018 | 12:39 ---Ich finde die Frage "Warum hat der Charakter nicht Y gemacht?" Eher zweitrangig. Sie kann je nach Intention des Regisseurs wichtig werden. Aber standardmäßig ist für mich die Frage "Warum hat der Charakter X gemacht?" Die Wichtige. Die sollte der Film erklären.
--- Ende Zitat ---
Das hängt für mich untrennbar zusammen.
"Warum nicht Y?" frage ich erst, wenn "Warum X?" nicht zufriedenstellend erklärt wird oder anderweitig nicht so recht funktioniert - auch abseits von Charakterhandlungen bei "unpersönlichen" Plotentwicklungen u.Ä.
So weit muss man im Prinzip jedem Film entgegen kommen, sonst hat man nie Spaß an Filmen.
6:
@first Orko: Den Zahn mit dem "weniger Produkt als heute' muss ich Dir leider ziehen. Es gab eigentlich nur ungefähr ein Jahrzehnt in dem die Studios die Regisseure einfach machen liessen und das hat einige Filmstudios komplett zerstört.
In Hollywood war zu jeder Zeit Kunst eher Bonus als Hauptmerkmal. Wenn Du dagegen anstinken wolltest als Regisseur, dann bräuchtest Du ein Ego in der Größe eines Planeten.
6:
@YY: Dann ist die Frage vollkommen unwichtig. Wenn Du der Meinung bist, dass der Charakter keine sinnvolle Motivation hat, brauchst Du zur Bewertung des Filmes auch keine Alternativen mehr überlegen.
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