Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
[Rant] Schlechte Regelwerke
Kalimar:
@Weltengeist: ich verstehe Dich ja sowas von gut. Ich habe über 25 Jahre gebraucht und tausende von Euros umgesetzt. Regelwerke gekauft, probegespielt, gesammelt, dann wieder verkauft und in einigen Fällen später noch einmal gekauft. Es ist unvernünftig, irrational und frustrierend, aber es passiert mir doch immer wieder. Ich habe aktuell noch nicht einmal eine regelmäßige Rollenspielrunde und mache dennoch genauso weiter. Irgendwas fehlt immer. Irgendwas macht das andere System besser. Irgendwas könnte man mit dem neuen Regelwerk ja noch viel besser bespielen als mit dem alten...
Ich habe 2019 endlich meinen Frieden gemacht. Alles weg (naja, ein Klappkorb muss noch abgearbeitet werden) bis auf 2 Systeme: Midgard 5 und Cthulhu 7. Die sind beide nicht wirklich "sexy", aber eben solide. Kein Schnickschnack. Keine tausende Spezialfertigkeiten. Beide haben so ihre Fehler, aber die sind mir vertraut. Ich kann ein bisschen sammeln, aber der Produktausstoß ist eher gemäßigt. Passt für mich. Es juckt mich zwar immer mal wieder in den Fingern. Ich habe auch in einem schwachen Moment mal was bestellt (und dann gleich wieder verkauft). Es wird besser, glaube ich... ;)
Einfach mehr spielen. Kompromisse finden. Regelfehler akzeptieren oder hausregeln. Das andere Regelwerk ist eben auch nicht besser (oder an einer anderen Stelle schlecht).
Du schaffst das!!! :)
Weltengeist:
--- Zitat von: Megavolt am 14.12.2019 | 10:56 ---Wie ist denn eigentlich Shadowrun 6, nur mal so gefragt? Sind Magie / Rigging / Hacking am Spieltisch überhaupt irgendwie spielbar, oder ist es wieder der übliche Clusterfuck?
Ich liebe Shadowrun, aber darum gehts bei der Frage nicht.
--- Ende Zitat ---
Bist du so gut und machst dazu einen eigenen Thread auf? Wir müssen den hier wirklich nicht schon auf der ersten Seite dermaßen sidetracken...
Kaskantor:
Ich glaube das grundsätzliche Problem ist unter anderem hier im Forum, dass aus jedem System eine mords Wissenschaft gemacht wird.
Die letzten Jahre war ich auch nur auf der Suche und habe mich durch ziemlich jedes „heiße“ System gelesen.
Manchmal war ich echt begeistert, dann habe ich ein paar Diskussionen drüber mitverfolgt und plötzlich war das System dann nicht mehr so super.
Letztens habe ich mir noch gedacht, Mensch mit 12 haben die Spiele mehr Spaß gemacht. Als ich drüber nachgedacht habe, ist mir aufgefallen warum.
Wir haben uns damals einfach keine Gedanken gemacht, die Systeme nicht nach jedem Kleinscheiss hinterfragt, es hat entweder gefühlt Spaß gemacht, oder eben nicht.
An dem Punkt bin ich nun wieder.
Z.B. Sadowrun 6.
Das Spiel wird hier komplett zerrissen, aber wenn ich dieses ganze Punktezählen usw. einfach mal beiseite lasse, ist es für mich die spielbarste Version seit Jahren und das ist alles was für mich zählt.
Und auch wenn der Magier 10mal besser ist als der Sam, wenn ich den ikonischen Sam spielen will, dann mach ich das einfach und fertig.
Das die Designer ständig was neues versuchen, ist doch klar. Sonst kauft ja keiner mehr was neues.
Und es gibt auch Moden und zur Zeit sind scheinbar Gimmicks, Steinchen, Karten und sonstiges Zubehör eben solche. Wird vermutlich auch wieder andere Zeiten geben.
Ich habe mich jetzt auf 2 Spiele eingeschossen. Sind beide Up to Date, haben natürlich auch ihre Problemchen, aber die sind für mich absolut akzeptabel.
Namentlich Warhammer Fantasy 4, wo sogar die deutsche Übersetzung durchaus taugt und für mein SiFi/ Cyberpunk ist es SR6, wo die deutsche Übersetzung eh immer besser ist, als das Original ~;D .
Vielleicht hilft einfach mal spielen besser, als alles wissentlich zu betrachten und zu diskutieren.
Weltengeist:
@ Topic: Mir geht es ausdrücklich nicht darum, dass ein System nicht meinen Spielgeschmack trifft. Das kann ich schon unterscheiden. Ich weiß selbst, dass Cypher, pbtA, Fate oder D&D andere Nischen bedienen als meine. Mir geht es darum, dass ein System entweder gar nicht erst weiß, wo es hinwill, oder dieses Ziel dermaßen schlecht umsetzt.
Und ja, mir ist schon klar, dass das nicht jeder kann. Aber ich rede ja hier nicht von irgendwelchen Heartbreakern mit 200 Downloads (wobei die in Sachen "klare Kante" teilweise sogar besser sind als so manches etabliertes System), ich rede von wirklich großen Systemen. Die (gerade im englischsprachigen Bereich) durchaus von Leuten geschrieben werden, die keinen anderen Dayjob haben als "Rollenspielkram schreiben". Ist das echt zuviel verlangt, dass die ihren Job nicht nur künstlerisch ("Ich hab ja sooo viele coole Ideen"), sondern auch handwerklich beherrschen?
Man muss sich mal vorstellen, wir würden Haushaltsgegenstände so produzieren wie Rollenspiele. Dann hätten wir Stühle mit unterschiedlich langen Beinen und wackeligen Schrauben, aber einer total coolen Bemalung. Die Leute hätten unterschiedliche Life Hacks, wie man den Stuhl dazu kriegt, weniger zu wackeln. Und nach ein paar Jahren käme die neue Version - sie würde immer noch wackeln, aber sie wäre jetzt in anderen Farben angemalt (und die Fanboys würden sich aufregen, dass ja jetzt das andere Bein wackelt und dass der neue Stuhl deshalb total scheiße ist).
Maarzan:
--- Zitat von: Aedin Madasohn am 14.12.2019 | 09:50 ---von rund 45 Millionen Arbeitnehmern in diesem Land schaffen das genau wieviele 100.000?
Und genau einer dieser 1%enter schreibt jetzt in Vollzeit Spieleregelwerke (für lau), statt als Projektleiter für 85 k Jahresgehalt eine Industriehalle(nerweiterung samt Maschine) zum Laufen zu kriegen? Oder kassiert 43 Euro die Schulstunde als Dozent*in in der beruflichen Weiterqualifikation (da muss dann aber auch "geliefert" werden)
--- Ende Zitat ---
Da ist wohl auch noch etwas dran.
Jeder, der ein "richtiges" Rollenspiel schreiben könnte, kann in einem anderen Job erheblich mehr als das bisschen verdienen, was mit Rollenspiel zu verdienen wäre. Aber zu "richtig" gehört auchnoch so viel Arbeit, dass es eben auch von diesen imNormalfall nicht in ihrer Freizeit nebenbei zu schaffen wäre.
Dabei reicht für die Praxis den allermeisten Leuten - auch wenn sie meckern - ein deutlich geringerer Vollendungsgrad (sagen wir pauschal "80%") um zu spielen - gerade als Spieler, der noch auf Schadensdämpfung durch einen hoffentlich guten SL hoffen kann.
Entsprechend niedrig liegt der Leidensdruck bzw. Anreiz irgendwem für die theoretisch vielleicht möglichen (und dabei stark nischenspezifischen und zielgruppenreduzierenden ) "95%" die dafür anfallenden Kosten zu bezahlen, also gibt es keinen Anreiz solche professionell anzubieten.
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