Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
[Rant] Schlechte Regelwerke
tartex:
--- Zitat von: Weltengeist am 14.12.2019 | 13:28 ---Das ist sogar ein ziemlich häufiger Punkt: Die Autoren wissen schlicht selbst nicht, was ein Spielwert in ihrem System eigentlich bedeuten soll. Das geht schon da los, wo bei der Charaktererschaffung steht: "Sie können ihre acht Attribute entweder jeweils mit 3W6 auswürfeln oder einfach 84 Punkte frei auf die Attribute verteilen". Wer so etwas macht, der sagt im Grunde nur: Diese Werte sind eigentlich scheißegal, Hauptsache da steht halt irgendeine Zahl
--- Ende Zitat ---
Naja, ich denke die Autoren denken halt nicht rein von der Regelseite darüber nach, sondern auch von der Marketing- und Zielgruppenseite. Sie müssen verschiedenen potentiellen Kunden unterschiedliches anbieten. D&D5 dürfte da ja das Paradebeispiel sein. Es ist ja fast ein Post-Mortem fürs Scheitern der vierten Edition.
Die großen monolithischen Systeme müssen einfach eierlegende Wollmilchsäue sein, wenn sie ihren Marktanteil behalten wollen.
Jiba:
Ich habe inzwischen auch meinen Frieden gemacht: Ich komme mit "Der Eine Ring" klar, ich komme mit "Fate" klar, ich komme mit "pbtA" klar (von all den dreien sogar am Besten, aber da fehlt mir einfach ein echter Hacking Guide, eine Art Toolkit wie bei Fate, das den mechanischen Schnickschnack aller PbtA-Spiele, die Designphilosophien dahinter, etc. bündelt und gegenüberstellt, sodass das Konvertieren auf dieses System ein wenig leichter wird, als es aktuell ist.)
Alles andere kann mir so ziemlich gestohlen bleiben. Das Zeugs unterstützt meinen Spielstil. Wenn in die Richtung Innovationen kommen, schau ich mal rein, aber dicke Regelbücher durchzuackern... da ist mir meine Zeit inzwischen auch zu schade für. Ich muss dem Threadsteller insofern auch Recht geben, dass die Leute Regelwerke wegen des Artworks kaufen... aber das ist glaube ich nicht alles.
Ich glaube, ganz viele Rollenspieler (die Mehrheit vielleicht sogar?) kaufen Rollenspiele wegen dem, was das Setting verspricht (eben unterstützt vom Artwork, das ja auch dieses Setting repräsentiert). Wenn man nämlich seinen Spielstil gefunden hat (und wir haben hier ja schon Stimmen gehört, die sagen: "Joah, Ubiquity ist das Beste." Oder "Joah, PbtA ist das Beste." Oder "Joah, Savage Worlds ist das Beste." etc.), dann glaube ich findet man schon etwas, was gut genug funktioniert um damit am Spieltisch die mechanische Seite abzuhandeln. Aber das mag nicht unbedingt für alle Spiele gelten.
Wo ich meinen Vorpostern Recht gebe: Didaktisch gesehen haben viele Regelwerke noch eine Menge Verbesserungspotenzial. Die Präsentation der Regeln, die Wahl der Beispiele, die Nutzbarkeit der Bücher (heck, braucht man überhaupt noch "Regelbücher" heute? Ich weiß inzwischen das Prinzip "Regelheft" oder sogar "Regelkarten, die auf dem Tisch liegen" viel mehr zu würdigen als Bücher, die dann bitte Cover-to-Cover gelesen werden sollen.
Und mit den Regelwerken hört es nicht auf: Warum Abenteuer zum Beispiel in Buchform und nicht in Box-Form mit einzelnen Heften und vielen Handouts erscheinen oder gleich z.B. als Szenen- oder Encounterbaukästen, ist mir ein absolutes Rätsel.
Ich glaube, wenn die Rollenspielszene lernen würde, wie sie ihre Regeln leicht referenzierbar (für alle am Tisch) und leicht vermittelbar macht, wäre schon viel gewonnen.
--- Zitat von: Lord Verminaard am 14.12.2019 | 12:24 ---Hatte letztes Jahr mal ein altes Hârnmaster-Quellenbuch in der Hand, da fand ich es auch extrem auffällig, wie viel Substanz das hatte im Vergleich zu dem üblichen Rumgeschwafel heute.
--- Ende Zitat ---
Höre ich jetzt in Bezug auf Hârnmaster nicht zum ersten Mal. Hast du ein Beispiel dafür, was du mit Substanz meinst?
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--- Zitat ---Ich habe 2019 endlich meinen Frieden gemacht. Alles weg (naja, ein Klappkorb muss noch abgearbeitet werden) bis auf 2 Systeme: Midgard 5 und Cthulhu 7. Die sind beide nicht wirklich "sexy", aber eben solide. Kein Schnickschnack. Keine tausende Spezialfertigkeiten. Beide haben so ihre Fehler, aber die sind mir vertraut. Ich kann ein bisschen sammeln, aber der Produktausstoß ist eher gemäßigt. Passt für mich. Es juckt mich zwar immer mal wieder in den Fingern. Ich habe auch in einem schwachen Moment mal was bestellt (und dann gleich wieder verkauft). Es wird besser, glaube ich... ;)
--- Ende Zitat ---
Dafür bekommst du von mir jetzt einen dicken Brocken Anerkennung! :headbang:
Wir :T:anelornies feiern ja hier auf dem Board sonst nur, wenn jemand mal wieder was Neues hat und wenn jemand das vollste Rollenspielregal hat. Was wir nicht anerkennen, ist, wenn jemand ganz bewusst sagt: Okay, ich weiß was ich will, weg mit allem, was ich nicht will. Weg mit, was ich doch nie spiele und doch nie lese.
Das erfordert nämlich auch ein hohes Vermögen an Umsicht und Kontrolle über den eigenen Zugang zum Hobby. Von einer großen Sammlung runter auf zwei System? Hut ab!
Maarzan:
--- Zitat von: tartex am 14.12.2019 | 13:33 ---Naja, ich denke die Autoren denken halt nicht rein von der Regelseite darüber nach, sondern auch von der Marketing- und Zielgruppenseite. Sie müssen verschiedenen potentiellen Kunden unterschiedliches anbieten. D&D5 dürfte da ja das Paradebeispiel sein. Es ist ja fast ein Post-Mortem fürs Scheitern der vierten Edition.
Die großen monolithischen Systeme müssen einfach eierlegende Wollmilchsäue sein, wenn sie ihren Marktanteil behalten wollen.
--- Ende Zitat ---
Der Knackpunkt wäre da ja nicht, dass es wie im Beispiel zwei Systeme gibt, sondern dass diese zwei Systeme ungewarnt deutlich andere Figuren erzeugen werden.
Samael:
Ich mache da schon lange nicht mehr mit. Ich nehme das, was für mich halbwegs funktioniert (w100 Systeme wie Warhammer oder CoC oder reduzierte D&D likes (nicht 3 & 4 Edition) und den Rest fasse ich nicht an.
Tegres:
--- Zitat von: Samael am 14.12.2019 | 13:51 ---Ich mache da schon lange nicht mehr mit. Ich nehme das, was für mich halbwegs funktioniert (w100 Systeme wie Warhammer oder CoC oder reduzierte D&D likes (nicht 3 & 4 Edition) und den Rest fasse ich nicht an.
--- Ende Zitat ---
Geht mir im Prinzip genauso. Ich schnuppere gerne mal in etwas anderes rein, wie Fate oder pbtA, aber W100-Systeme und OSR-Systeme sind einfach robust und funktionieren.
Ich denke, ein Grundproblem ist auch das Spieltesten. Bei einem Riesensystem wie D&D5e kann das ohne Probleme in ausreichendem Maße gemacht werden, aber bei kleineren Systemen muss da wirkich der Wille der Designer da sein.
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