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[Rant] Schlechte Regelwerke

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Weltengeist:

--- Zitat von: 1of3 am 14.12.2019 | 15:44 ---Das überrascht mich ausgehend von deinem Eingangsbeitrag. Du machst ja ganz dezidierte Anforderungen, dass du bestimmte Regeln willst, also irgendwie Charaktere, die besser werden. Charaktere, die Fertigkeiten haben. Ein Kampfsystem und zwar eins für mehr als eine Handvoll Beteiligte. Regeln für Verletzungen und Ableben der Charaktere. Würfel. Situative Modifikatoren in welcher Form auch immer. Man kann aus dieser Liste von Elementen ja auch Teile weglassen; dann hat man keine Schmerzen damit. Also - nehme ich zumindest an - musst du das schon irgendwie wollen.

--- Ende Zitat ---

Naja, ich kann es ja auch gut finden, in einem Land zu leben, in dem Gesetze gelten, ohne dass ich es deshalb sonderlich mag, Gesetzestexte lesen zu müssen ;).

Ich mag Systeme mit Regeln aus zwei Gründen: Weil sie den Spielern helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, was ihre Figur kann und was nicht. Und weil sie am Spieltisch eine Spannung erzeugen (können), die ohne nicht möglich wäre. Aber dass ich manche Auswirkungen von Regeln mag, heißt ja nicht, dass ich die Regeln selbst (im Sinne von: lesen, verstehen, auswendig können, am Spieltisch verwalten...) mögen muss.

General Kong:

--- Zitat von: T.F. am 14.12.2019 | 14:42 ---Die ABOREA-Box, auch wenn es keine reine Einsteigerbox ist (im Gegensatz zur roten Box), erfüllt diese Kriterien im Grunde. Ob man nun die eine oder andere Box besser findet, ist natürlich rein subjektiv.

--- Ende Zitat ---

Doch, da stimme ich zu. Die ABOREA-Box ist ebenfalls eine Glanzleistung. Alleine das Kartenmaterial ist die Anschaffung wert und auch sie bietet einen sehr guten Einstieg ins Rollenspiel.

Doch: Die ABOREA-Box und die Rote D&D-Box von Mentzer spielen in derselben Liga - auch wenn ich aus persönlichen Gründen und weil ich WEIß, dass der Einstieg mit der Roten Box super klappt, diese favorisiere.

Aber ich würde jederzeit zugeben, dass, wenn mir jemand sagte, dass er seine Gruppe von Neulingen als Neuling mit dieser Box gestartet hat,und diese deshalb die Wucht in Türten ist, dass er mit Fug und Recht recht hat. Aber sowas von!

Danke für die Erinnerung! Ich habe die Box auch und war sehr beeindruckt von der Ausstattung und dem Preis-Leistungs-Verhältnis (da sogar besser als die Rote), aber irgendwie entfällt sie mir immer.
Leider.

Deshalb, Leute :
KAUFT EUCH DIE ABOREA-BOX!  :d
Für 19.95 der Schnapp!
Der Schnapp der Schnäpper!
Noch schnappiger kannst es gar nicht mehr werden!
Schnapp-schnapp!
Schapp sie dir bevor sie dir ein anderer wegschnappt, verschnappt nochmal!
.
.
.
(nach Luft schnapp - aber ich habe die Box ja auch schon   ~;D)

Weltengeist:
Und nachdem ich mich jetzt ein wenig beruhigt habe: Natürlich muss ich mir jetzt nochmal in aller Ruhe überlegen, ob ich wirklich die Zeit reinstecken werde, ein eigenes System zu bauen. Denn an irgendeiner Stelle muss ich jetzt klein beigeben. Entweder akzeptiere ich, dass ich die Kröte "Regeldesign" schlucken muss, oder ich akzeptiere, ein System zu verwenden, das meine Anforderungen nur zum Teil erfüllt, und es gegebenenfalls massiv per Hausregeln (und Powershopping bei der Konkurrenz) nachzurüsten. Ich werde mal in mich gehen.

YY:

--- Zitat von: tartex am 14.12.2019 | 13:33 ---Naja, ich denke die Autoren denken halt nicht rein von der Regelseite darüber nach, sondern auch von der Marketing- und Zielgruppenseite. Sie müssen verschiedenen potentiellen Kunden unterschiedliches anbieten.

--- Ende Zitat ---

Es gibt aber keine Nachfrage nach stochastisch und/oder spielmechanisch unsauberen Regelwerken.
Es gibt Leute, denen das schlicht ziemlich egal ist, aber die bekommt man mit denen, denen es entschieden nicht egal ist, genau auf einem Weg unter einen Hut: Indem man das Ganze ordentlich macht.

Und gutes Marketing sowie Bewusstsein für die Zielgruppe ist ja nichts, was sich mit sauberem Spieldesign irgendwie beißen würde, eher im Gegenteil.
Das hat auch nichts mit limitierter Zeit oder Manpower zu tun - gibt genug Systeme bzw. Autorenteams, die es hinbekommen. Auch ohne WotC/Hasbro im Rücken. 


--- Zitat von: Jiba am 14.12.2019 | 13:35 ---Wo ich meinen Vorpostern Recht gebe: Didaktisch gesehen haben viele Regelwerke noch eine Menge Verbesserungspotenzial. Die Präsentation der Regeln, die Wahl der Beispiele, die Nutzbarkeit der Bücher (heck, braucht man überhaupt noch "Regelbücher" heute? Ich weiß inzwischen das Prinzip "Regelheft" oder sogar "Regelkarten, die auf dem Tisch liegen" viel mehr zu würdigen als Bücher, die dann bitte Cover-to-Cover gelesen werden sollen. 

--- Ende Zitat ---

Ich verweise wie so oft auf die KoSim- und Brettspiel-Ecke.
Freilich gibts da wie überall gute und schlechte Umsetzungen, aber die guten Beispiele sind im Vergleich mit Rollenspielregelwerken wenig mehr als ein leicht aufgebohrter SL-Schirm.

Da wird im dicken Regelbuch recht wortreich, aber klar formuliert und vor allem gut strukturiert (heißt auch: Regelkomplexe durchnummeriert und jede einzelne Regel hat ihre eigene (Unter-)Nummer) erklärt, ggf. mit Anmerkungen des Designers, und am Spieltisch nutzt man dann fast ausschließlich die übersichtliche Spielhilfe. Ins Regelwerk schaut man nur, wenn man sich bei einem seltenen Fall nicht sicher ist u.Ä.

Oft genug gibt es dann noch eine sinnvolle Trennung in Basis- und Fortgeschrittenenregeln, wobei letztere "echt" modular sind, d.h. nach Belieben reingenommen oder weggelassen werden können.

Das könnte man in der Form problemlos so in eine Box "zaubern", dass einerseits eine getrennte Einsteigerbox* überflüssig wird und andererseits gerade die erfahrenen Spieler zu 99% nur noch die Spielhilfe nutzen müssen.

*Da kann man dann immer noch die Basisregeln für kleines Geld getrennt anbieten, wenn man unbedingt will.


Gerade in den kleineren Nischen darf man mMn auch mal voraussetzen, dass alle Beteiligten nicht nur wissen, was ein Rollenspiel ist, sondern auch genug ähnliche Sachen so weit kennen, dass man ihnen einfach nur die Regeln ohne Schnickschnack und Gefasel vorsetzen kann.


--- Zitat von: Weltengeist am 14.12.2019 | 16:33 ---Entweder akzeptiere ich, dass ich die Kröte "Regeldesign" schlucken muss, oder ich akzeptiere, ein System zu verwenden, das meine Anforderungen nur zum Teil erfüllt, und es gegebenenfalls massiv per Hausregeln (und Powershopping bei der Konkurrenz) nachzurüsten. Ich werde mal in mich gehen.

--- Ende Zitat ---

Aus eigener Erfahrung würde ich Zweiteres empfehlen.
Wobei die Suche nach der am Ehesten geeigneten Grundlage wieder eine Odyssee für sich wird  ;D

Boba Fett:
Ich werde ganz bewusst keine Rollenspielsysteme nennen.


--- Zitat von: Weltengeist am 14.12.2019 | 11:57 ---Man muss sich mal vorstellen, wir würden Haushaltsgegenstände so produzieren wie Rollenspiele. Dann hätten wir Stühle mit unterschiedlich langen Beinen und wackeligen Schrauben, aber einer total coolen Bemalung. Die Leute hätten unterschiedliche Life Hacks, wie man den Stuhl dazu kriegt, weniger zu wackeln. Und nach ein paar Jahren käme die neue Version - sie würde immer noch wackeln, aber sie wäre jetzt in anderen Farben angemalt (und die Fanboys würden sich aufregen, dass ja jetzt das andere Bein wackelt und dass der neue Stuhl deshalb total scheiße ist).
--- Ende Zitat ---

War in der letzten Zeit mal jemand bei einem "Günstig" Möbelgeschäft? ...
Es gibt schlechte Möbelqualität, schlechtes Lebensmittelqualität, schlechte Softwarequalität, ... Qualität hat seinen Preis und Geiz ist geil.

Jetzt könnte man noch betrachten, wo der "Farming-Ground" für Rollenspielautoren verortet ist und wieviele Menschen, die die Qualität zum guten Spieledesigner haben wohl beschließen, ihre Karriere in diesem Sektor zu suchen (anstatt irgend was minziges zu studieren und dann gutes Geld zu verdienen (und dann natürlich keine Zeit mehr fürs Entwickeln von Spielen zu haben))...

Ausserdem werden Rollenspiele nicht wegen der Regelqualität gekauft, sondern wegen dem Sexappeal des Settings.
Und meiner Meinung nach ist da die Wurzel allen Übels.

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