Pen & Paper - Rollenspiel > Pen & Paper - Spielleiterthemen
Wie lange dauert eure Vorbereitung?
Murphy:
--- Zitat von: Fillus am 8.11.2025 | 16:47 ---Zählt das auch zur Vorbeireitung? :D
--- Ende Zitat ---
Ja, definitiv.
Namo:
--- Zitat von: Femenmeister am 8.11.2025 | 11:33 ---Danke für die Thread-Weiterführung und dein „Geständnis“. Ich kann dir sagen: Mir geht es ganz ähnlich, und ich bin erleichtert, dass ich damit nicht allein bin.
Ich schaue natürlich nicht auf die Uhr und zähle keine Minuten, würde aber schätzen, dass ich für die Vorbereitung eines Abenteuers locker fünfzehn Stunden brauche, zumindest, wenn ich vom ersten „Gedankenfunken“ an rechne, also dem Moment, in dem ich den allerersten Impuls verspüre, mir ein neues Abenteuer auszudenken. Da wir hauptsächlich One-Shots mit etwa fünf Stunden Spielzeit spielen, komme ich so auf ungefähr drei Stunden Vorbereitung pro Stunde Spielzeit - manchmal auch mehr. Vieles davon passiert allerdings in "Tagträumereien".
Dabei ist es keineswegs so, dass ich mir jeden Schritt und jede Szene im Voraus überlege - dass das sinnlos wäre, weil sowieso alles anders kommt, ist mir schon lange klar. Ich habe auch schon mit Interesse den Lazy Dungeon Master und ähnliche Ansätze studiert, um die Prozesse zu verschlanken. Aber irgendwie schaffe ich es trotzdem, selbst die dort beschriebenen Schritte so umzusetzen, dass sie am Ende wieder Zeit kosten.
Als relativ aufwendig empfinde ich z.B. meine Vorlieben die mögliche Handlung des Abenteuers auf die Spielerfiguren zuzuschneiden. Ich leite im Prinzip keine Kaufabenteuer mehr, sondern entwerfe maßgeschneiderte Geschichten, die sich auf dem basieren, was die Helden vorher erlebt haben oder was in ihrem Hintergrund verankert ist. Das kann schon ein bisschen dauern, bis mir da für jeden was einfällt.
Dazu kommen die Details. Auch wenn die Story weitgehend von den Spielerinnen und Spielern mitgestaltet wird, ist mir zum Beispiel häufig ein großer Twist am Ende wichtig. Da je nach Vorgehen der Gruppe verschiedene „Lösungen“ möglich sind, überlege ich mir meist mehrere Varianten davon.
Eine andere Sache sind die NSCs: Ich arbeite sie auf dem Papier zwar nicht im Detail aus, möchte sie am Spieltisch aber trotzdem lebendig wirken lassen - vielleicht ist das der berufsbedingte innere Zwang des Theaterschauspielers in mir. Dementsprechend kommt es schon mal vor, dass ich zumindest für die wichtigsten NSCs zwanzig Minuten lang Stimme und Ausdruck vorm Spiegel übe.
Auch das Aussuchen der Musik nimmt ein bisschen Zeit in Anspruch. Es läuft zwar nicht ständig irgendein Hintergrundgedudel, aber für wichtige Szenen setze ich sie gerne gezielt ein. Dabei ist es mir wiederum wichtig, dass nicht jeden Abend dieselben Stücke laufen und ab und zu auch mal ein Soundtrack vorkommt, den die Spieler noch nicht kennen.
Oft versuche ich außerdem, ein kleines mechanisches Gimmick einzubauen, das die Spieler (nicht die Charaktere) lösen müssen – zum Beispiel ein echtes Geschicklichkeitsspiel zum Knacken eines Schlosses oder einen Jenga-Turm, bei dem die Spieler für jeden Zug im Kampf in einem einsturzgefährdeten Haus einen Stein ziehen müssen.
Ich weiß, dass es im Grunde völlig bescheuert ist und ich mir dadurch viel zu viel Druck mache. Und mit Sicherheit wäre all das gar nicht nötig, um einen schönen Abend zu haben. Aber irgendwie kann ich da nicht aus meiner Haut. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir maximal einmal im Monat spielen – und dann denke ich immer, es wäre schade, nicht das Beste aus dem lang ersehnten Event herauszuholen. Und wenn ich dann am Ende in glückliche Gesichter schaue, wünsche ich mir das für nächste Mal halt ebenso.
Und es gehört eben auch zu dem Teil des Hobbys, der mir Spaß macht. Gerade weil wir uns nicht oft treffen, sind die Zeiten dazwischen für mich ebenfalls Teil des Hobbys geworden, die ich mit der Vorbereitung fülle.
Trotzdem - und deshalb bin ich dankbar für diesen Thread - merke ich, dass ich das auf Dauer neben Familie mit Kindern, Vollzeitjob und anderen Hobbys nicht ewig so weitermachen kann. Ich arbeite also daran, in dieser Hinsicht entspannter zu werden. Was bedeutet, meine eigenen Erwartungen an mich selbst herunterzuschrauben.
--- Ende Zitat ---
Danke für deine Antwort. Darin erkenne ich mich von Anfang bis Ende (außer der Teil mit der Stimmen und Mimikmodulation ;D ) genau wieder. Auch im letzten Absatz. Wie lange kann man das so durch ziehen ohne das dauerhaft etwas anderes darunter leidet? Aber dann kommen plötzlich Nachrichten im Gruppenchat: "Kann es wirklich sein, dass es immer noch eine ganze Woche dauert bis wir wieder spielen!" und ich sitze voller Motivation wieder am PC und schreibe. :)
Ich glaube ein Teil des - oder eher meines Problems - ist so ein gewisser perfektionistischer Zwang. Gemäß Pareto Prinzip wäre ein Abenteuer wohl auch in 20% erstellbar - zumindest 80% davon. Die letzten 20% - die ich gerne als Veredelung bezeichne (die sehr schwülstige Bezeichnung dient auch eher der Eigenmotivation, da sie mir mich selbst einreden lässt, dass das erst die Kirsche auf der Torte ist) - benötigen aber 80% der Zeit. Viele Dinge die ich gesondert ausarbeite könnte ich sicher auch anhand von Stichpunkten am jeweiligen Abend improvisieren. Ohne dass die Spieler vermutlich einen Abfall in der Qualität feststellen würden, da sie sowieso viele Details kaum mitbekommen oder anders gewichten. Für mich ist das dann aber doch irgendwie wichtig. Auch alle Eventualitäten mal durchgegangen sein. Gerade bei wichtigen NSC Begegnungen oder Szenen, spiele ich die gedanklich gerne intensiv durch um am Abend sicher auf den Punkt zu sein.
Ich nehme mir ja immer mal vor ein Lazy DM Abenteuer einzustreuen oder versuchen. Aber bisher bringe ich es nicht über mich. Oder wie ein User geschrieben hat - ich würde mich vermutlich dann doch wieder dabei ertappen mehr zu erarbeiten als eigentlich vorgesehen.
Johann:
--- Zitat von: Namo am 8.11.2025 | 18:28 ---Ich glaube ein Teil des - oder eher meines Problems - ist so ein gewisser perfektionistischer Zwang. Gemäß Pareto Prinzip wäre ein Abenteuer wohl auch in 20% erstellbar - zumindest 80% davon. Die letzten 20% - die ich gerne als Veredelung bezeichne (die sehr schwülstige Bezeichnung dient auch eher der Eigenmotivation, da sie mir mich selbst einreden lässt, dass das erst die Kirsche auf der Torte ist) - benötigen aber 80% der Zeit. Viele Dinge die ich gesondert ausarbeite könnte ich sicher auch anhand von Stichpunkten am jeweiligen Abend improvisieren. Ohne dass die Spieler vermutlich einen Abfall in der Qualität feststellen würden, da sie sowieso viele Details kaum mitbekommen oder anders gewichten. Für mich ist das dann aber doch irgendwie wichtig.
--- Ende Zitat ---
Genau! Sie ist wichtig, denn gerade die Veredelung macht doch am meisten Spaß! Ein passender NSC, ein logisches Dungeon usw. sind das eine -- aber ein NSC der einfach nur *Klick* macht, auf den man sich freut, der einfach *perfekt* passt, ebenso wie eine Dungeon-Backstory, die sich auf einmal wie von selbst schreibt, weil man im Flow ist usw. usf. -- das liebe ich! Gerade da kann und will ich nicht [vorher/mittendrin] aufhören! Wenn's meine Arbeit wäre, würde das reichen - wobei ich auch an Arbeitsblättern herumfeile, lange nachdem ich weiß, dass sie ihren Zweck erfüllen werden -, aber das hier ist ja mein Hobby, meine Kunst, meine Leidenschaft!
Also lasst uns weiter die Sahnehäubchen und Kirschen oben drauf setzen! :headbang:
Yney:
--- Zitat von: tartex am 8.11.2025 | 16:17 ---Das ist mal ein Anspruch! Wieviele Sessions leitest du denn so durchschnittlich im Monat?
--- Ende Zitat ---
Das ist eine Notwendigkeit, die aus dem Mangel an Spielsitzungen geboren ist. Da die Quote pro Monat so bei 0,2 liegt (oder darunter) ist das ständige Basteln ein gutes Stück weit Ersatzbefriedigung. Aber es zeichnet sich gerade eine Möglichkeit ab, vielleicht endlich wieder ein wenig regelmäßiger zum Spielen zu kommen. Dann könnte ich all den Kram auch mal selbst verwenden.
Man drücke mir die Daumen, es sei denn man möchte zügig neues Feenlicht-Material, dann undrücke man mir die Daumen, da die Konsequenz mehr Output wäre. ;)
Yney:
--- Zitat von: Johann am 8.11.2025 | 19:17 ---[…] das hier ist ja mein Hobby, meine Kunst, meine Leidenschaft!
Also lasst uns weiter die Sahnehäubchen und Kirschen oben drauf setzen! :headbang:
--- Ende Zitat ---
Das bringt es auch für mich wunderbar auf den Punkt. Es macht schließlich Spaß.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln