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D&D-Spieler - wie ertragt ihr die immer gleichen Stereotypen?

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Holothuroid:
Ich mag ja die große Vielfalt an Rassen, die D&D5 vorsieht. Und natürlich kannst du massiv weitere Klassen und insbesondere Subklassen finden.


--- Zitat von: Raven Nash am 18.06.2021 | 14:28 ---1. Nimm ein klassenloses System.
2. Verzweifle daran, dass die Spieler trotzdem wieder Kämpfer, Magier, Dieb, etc. bauen. >;D

--- Ende Zitat ---

Jap. Jedes Spiel ohne klare Core Story kriegt D&Ds Core Story (wenn überhaupt) und jedes Spiel ohne eingängige Klassen kriegt D&Ds Klassen.


--- Zitat von: nobody@home am 18.06.2021 | 14:57 ---Okay, wenn eine Klasse kein Archetyp sein und auch nichts in der Spielwelt entsprechen will, was ist sie dann eigentlich überhaupt noch und warum soll ausgerechnet sie den Charakter am tiefgreifendsten definieren dürfen? :think:

--- Ende Zitat ---

Die Klassen eines Spiels sind diejenigen Toplevel-Auswahlen eines Spiels, die auf die Frage antworten: "Was spielst du für einen Charakter?" Hier fiel schon mal der Punkt "Nischenschutz", so ganz gehe ich da nicht mit, denn Nischen und deren Schutz sind komplizierter. Aber Klassen vermitteln auf jeden Fall großflächig Flags für den Rest der Spielrunde, also wie du spielen und angespielt werden willst. Sie sind also ein Mittel um Kommunikation über Charaktere zu vereinfachen.

Grundsätzlich sind die Klassen bei D&D dann allerdings auch nicht das, was D&D Klassen nennt, sondern die Kombination aus Rasse und Klasse(-n) und eventuell Hintergrund.

Tarendor:

--- Zitat von: 1of3 am 18.06.2021 | 15:18 ---Grundsätzlich sind die Klassen bei D&D dann allerdings auch nicht das, was D&D Klassen nennt, sondern die Kombination aus Rasse und Klasse(-n) und eventuell Hintergrund.

--- Ende Zitat ---

Guter Punkt. Bei D&D5 ist ein Charakter mindestens dreidimensional, also definiert durch Klasse. Hintergrund und Archetyp/Karriere.

Man könnte hierzu noch sowas wie Volk, Magische Ausrüstung und Mitgliedschaft in Organisationen (DMG) packen.

SeldomFound:
Grundsätzlich: Die offiziellen Publikationen von D&D sind Produkt eines gordischen Knotens anglosaxische Rollenspielgeschichte, wo Wargamer auf Amateuer-Schauspieler und Pulp-Action auf "Herr der Ringe" -Romantik treffen.

Die Klassen sind ein Produkt eines Konfliktes von "D&D is a thinking man's game" vs. Rule of Cool und in der Regel Kompromisse zwischen beiden Richtungen, wobei aktuell das Pendel mehr in Richtung Rule of Cool schwingt. Wobei ich denke, dass man hier Rule manchmal mehr als "Herrschaft" verstehen sollte, wie im Sinne von "Rule of Law".

Die Stereotypen kann man dann als die Manifestation dieser Herrschaft betrachten. Du spielst halt bei einem offiziellen System nicht dein Spiel, sondern das Spiel der Autoren des Regelwerkes. Und diese kennen dich und deine Wünsche nicht, sondern nur die der Rule of Cool.


Als Gegenstück dazu blieb und bleibt dem D&D-Spieler aber nach wie vor die Do-it-yourself-Tradition von Homebrew und Third-Party-Content.

aikar:

--- Zitat von: JS am 18.06.2021 | 13:59 ---Naja, wie ertrage ich in der Realität, daß in Fachbereichen viele Fachleute ungefähr die gleichen Fachkenntnisse haben? Problemlos. Das sind Charaktere, die sich offenbaren, nicht deren Werte. Zwei wertegleiche Schurken werden von zwei unterschiedenlichen Spieler/innen ganz unterschiedlich gespielt. Die Werte sind dann für mich nur noch Arbeitsinstrumente für das Regelgedöns.:)
--- Ende Zitat ---
Das. In der Praxis reichen die Unterschiede durch die Subklassen problemlos aus, und selbst mit der selben Subklasse ist es nicht der selbe Charakter, weil sie einfach massiv unterschiedlich gespielt werden..

In meiner einen Runde spielt eine Spielerin eine junge naiv-übermütige goblinsche Schurken-Draufgängerin, ein Waisenkind aus einer Piratensiedlung, die als Schifssmädchen angeheuert hat um die Seelen ihrer Eltern zu retten.

Und in der anderen spielt ein anderer einen menschlichen Schurken-Draufgänger, einen weitgereisteten Charmeur und Intriganten, dem es gefällt, andere zu täuschen.

Und der nächste Schurken-Draufgänger ist vielleicht dann ein abgebrühter Auftragskiller mit tiefschwarzem Humor.

Es besteht definitiv keine Verwechslungsgefahr. Die Regeln sind eine Basis, bei weitem nicht der ganze Charakter.


--- Zitat von: Weltengeist am 18.06.2021 | 13:57 ---Ich will gar nicht davon anfangen, dass sich bestimmte Charakterideen schlicht überhaupt nicht umsetzen lassen.
--- Ende Zitat ---
Abgesehen von absoluten DSA-Extremfällen wie Schleiertänzerin oder übergewichtiger Händler hatten wir noch nie den Fall, dass sich etwas nicht umsetzen hätte lassen. Und sowas wollte in den D&D-Runden eigentlich nie jemand spielen.
Rebranding und im absoluten Extremfall Multiclassing haben noch jede gewünschte Abenteurer-Vorstellung möglich gemacht.

Man muss sich nur von der Vorstellung verabschieden, dass sich jedes Detail des Charakters, egal wie unwichtig, in den Regeln widerspiegeln muss und ebenso, dass Regeln nur so wie sie wörtlich geschrieben sind ihre Entsprechung in der Welt finden. Ein Zauberer mit wilder Magie kann genauso gut ein Feenwechselbalg sein wie das Ergebnis eines magischen Unfalls oder eines grässlichen Experiments.


--- Zitat von: Weltengeist am 18.06.2021 | 14:14 ---Ich dachte, man spielt D&D, weil einem der Crunch wichtig ist?
--- Ende Zitat ---
Nein. Zumindest nicht D&D5. D&D5 bietet eine feine Balance. Ich spiele D&D5 weil es mir genau so viel Crunch liefert wie ich haben will und nicht mehr.
Wenn mir der Crunch extrem wichtig wäre würde ich Pathfinder, GURPS oder DSA spielen.

Prisma:

--- Zitat von: Weltengeist am 18.06.2021 | 13:57 ---Ich will gar nicht davon anfangen, dass sich bestimmte Charakterideen schlicht überhaupt nicht umsetzen lassen.

--- Ende Zitat ---
Das ist einer der Gründe wieso ich damals auf Arcane Codex umgeschwenkt bin. Aber ich habe mich von meiner D&D-Lieblingsversion (AD&D 2nd) nie völlig abgewendet.


--- Zitat von: Weltengeist am 18.06.2021 | 13:57 ---Aber was mich wirklich nervt ist, dass sich letztlich alle Charaktere einer bestimmten Klasse doch sehr ähnlich anfühlen. Jeder Rogue hat Sneak Attack und muss sich zwischen Thief, Assassin und Arcane Trickster entscheiden (auch wenn er eigentlich ein Spezialist für soziale Interaktion ist, was im PHB ausdrücklich vorgesehen ist), jeder Druide ist ein Shapeshifter, jeder Kleriker bekämpft Untote, jeder Barde muss einen Song of Rest erlernen, und so weiter, und so weiter.

--- Ende Zitat ---
Dieses Problem habe ich bei 2nd so nie wahrgenommen, da die Klassenvariatonen aus den Zusatzbüchern das verhindert haben. Zwar sind sie im Kern immer noch Kämpfer, Kleriker, etc. fühlen sich aber mMn anders an. 5E hingegen hat nicht so viele Variationen, allerdings auch weit weniger Spielmaterial.


--- Zitat von: Weltengeist am 18.06.2021 | 13:57 ---Wie macht ihr das in der Praxis, wenn ihr eine coole Idee habt (oder einer eurer Spieler)? Sagt ihr dann jedesmal: Nö, geht nicht, du kannst das nicht lernen, weil die am ehesten passende Klasse nun mal stattdessen Dinge vorsieht, die du nicht haben willst? Baut ihr dann lieber eine komplett neue Klasse mit den Regeln aus dem DMG?

--- Ende Zitat ---
Wir haben uns mit der am ehesten passenden Klasse beholfen, viel gab es auch wie gesagt in Zusatzbüchern. Oder wir haben dann das Spiel gewechselt. D&D kann viel aber nicht alles. Das was es kann, kann es aber gut.

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