Na, bei dieser Ansage ist der Reverend MacPherson wahrscheinlich in einem Zwiespalt. Laut seinem Profil im ‚Doomtown or Bust!‘-Quellenbuch müsste er zwar eigentlich sofort drauf anspringen, wenn ein Gemeindemitglied mit sowas bei ihm ankommt. Aufgrund dem merkwürdigen Bann des Boogeyman jedoch kann er das eigentlich nicht (DL-Grundbuch, S.158). Da muss Geraldine also mal
Persuasion würfeln, und zwar mit dem bei der Monsterbeschreibung angegebenen Abzug. Und mit dem ist das Ergebnis dann auch ein Misserfolg, trotz dem Gratis-
Reroll durch Geraldines
Charismatic-Vorteil! Dann geht's dementsprechend weiter:
Der Reverend guckt verdutzt auf Geraldine herunter, mit schmalen Lippen. Dann schüttelt er ganz leicht den Kopf, seine funkelnden Augen scheinen geradewegs in sie rein gucken zu wollen.
„Was willste mir
wirklich damit sagen, Kleene?“, fragt er dann misstrauisch.
„Aber …? Aber genau das, Herr Prediger! Es spukt, das ist ja in dieser Stadt hier keine Seltenheit, und …“
„Was hat‘s wirklich mit Dir auf sich, Kleene? Und mit diesem Bauernhof, wo Du gelebt hast, auf Prince Edward Island?“
„Das war noch bevor ich nach Prince Edward Island raus geschickt wurde, Sir, das war daheim in Nova Scotia. Ich bin, na ja, ziemlich viel rumgekommen, nachdem meine armen Eltern … na ja, aber die Sache
jetzt, Prediger, die ist doch das Wichtige! Darum bin ich doch hier! Könnten Sie vielleicht, im Waisenhaus …“
„Diese Sache mit diesen Hammonds, die ist noch nicht ausgestanden“, sagt Reverend MacPherson gedankenvoll, „Das verfolgt Dich noch immer, Kleene. Merk‘ ich Dir ja an. … Haste Dir deswegen das mit dem Boogeyman ausgedacht …?“
Rot im Gesicht macht Geraldine sich schließlich mit Katie Maurice davon, nachdem sie noch ein bisschen sinnlos rumgedruckst hat. … Was für ein merkwürdiger Reverend! Einerseits schien er so scharfsinnig, und wirklich hilfsbereit, aber trotzdem wollte er ihr nicht glauben! Dabei hatte sie doch die Wahrheit gesagt!
„… Genau wie Ernie Carmichael uns berichtet hat“, schnaubt sie, „Keiner glaubt das alles! Nicht mal der kleine Mister Landers, der sonst alles weiß! Nicht mal der neue Pfarrer! Das war jetzt der letzte Versuch! Oh, Katie Maurice, wir sind wirklich und wahrhaftig auf uns selbst gestellt!“
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Was gibt denn der nächste GM Move vor? Wir kriegen wieder, An NPC Takes Action. Dieser NPC wird diesmal natürlich der gesuchte Boogeyman sein, der sich bislang nicht beeindrucken lassen hat von der Jagd, welche unsere Heldin auf ihn ausgerufen hat! Immerhin ist es jetzt dunkel geworden, und das ist seine Zeit.Geraldine kriegt also ordentlich Mecker, als sie im Waisenhaus eintrifft. Die Ammen fordern beide zu wissen, warum sie so lange getrödelt hat, statt nach der Schule direkt zurück zu kommen. Immerhin hat sie den Kinderfrauen nach Schulschluss auszuhelfen, als eine der Ältesten hier.
„… Und umso schlimmer, dieses Malheur in der Vorratskammer, das geht
auch auf Deine Kappe, Geraldine Montmorency!“, schimpft die eine, „Also wirklich, alles was Du
vorne richtig machst, das reißt Du
hinten mit‘m Arsch wieder um! Überall muss man Dich beaufsichtigen!“
„Vorratskammer …?!“, fragt Geraldine. Sie wollte gerade Contra geben (das traut sie sich manchmal den Ammen gegenüber, weil sie weiß, dass die sie nun mal brauchen), aber dieser neue Vorwurf bringt sie ins Schleudern.
„Ja, dann komm‘ mal mit, sieh‘, was Du angerichtet hast!“, blafft die eine, und zieht Geraldine rüber zur Vorratskammer. Der Dielenboden ist patschnass — denn alle drei Milchkannen, die heute morgen dem Haus gespendet worden sind, liegen dort umgekippt!
☆
Kurz darauf kriecht Geraldine also wütend in der Speisekammer herum, und schrubbt die Bretterdielen. Katie Maurice ist ein Engelein wie immer, sie ist zwar nicht bezichtigt worden, aber leistet der Freundin treu Gesellschaft.
„… Dabei weiß ich doch noch ganz genau, wie ich die Milchkannen heute morgen hier reingestellt habe!“, flüstert Geraldine ihr schrubbend zu, „Ich hab‘ sie reingeschleppt, und dort aufgestellt, auf die flache Kiste. Aber
nicht etwa wackelig, so dass sie umkippen mussten! Das bilden sich diese beiden Sturmkrähen nur ein! So, jetzt habe ich’s gesagt, Sturmkrähen, oh nein … Das ist doch Sünde … Wir sollten den beiden dankbar sein, dass sie sich hier aufopfern für uns Kinderchen. Aber, Katie Maurice, ich insistiere: Ich habe
genau geguckt, dass sie nicht wackelig standen!“
Katie Maurice mustert die leeren Kannen, nicht ohne einen Anflug von Zweifel.
„Doch, wirklich, Katie, ich beschwöre Dich“, sagt Geraldine leidenschaftlich, und hört zu schrubben auf, „Du musst mir glauben! Ja doch, gewiss waren wir in Eile, weil wir los mussten zur Schule, und ja, ich habe mich erbost über die blöde Schlepperei! Aber dennoch trage ich keine Schuld für das Malheur! Diesmal.“
Katie sitzt auf ihrem Fass, die zierlichen Händchen im Schoss gefaltet, mustert Geraldine, und seufzt tief.
„Ja, ich weiß ja“, sagt diese zerknirscht und schrubbt weiter, „Du denkst, mein Ruf steht noch auf der Kippe. Ich erlaube mir schon so viele Schnitzer durch meine Waghalsigkeit und meine Träumereien und meine Unzuverlässigkeit. Das denkst Du! Aber ich sage Dir was“, und sie gestikuliert mit der Bürste in Richtung der Freundin, „Bei unseren beiden werten Ammen ist mein Ansehen doch längst dahin! Ich kann sie hier unterstützen soviel ich will, die halten mich doch im Grunde schon für einen hoffnungslosen Fall! Aber die Schule, Katie, und die Kirche, und das Collegium der Interräumlichen Physik, und überhaupt, die ganze Stadt! Da gibt’s jede Menge Leute, die noch eine hohe Meinung von mir haben! Und der berühmte Luca Byrd natürlich, und seine heldenhaften Verbündeten! Ich darf es mir hier nicht weiter verscherzen. Und das hier“, und sie gestikuliert dramatisch vor sich, „Das war nun wirklich nicht mein Fehler! … Es war unser erbitterter Gegner, Katie Maurice.“
Bei diesem Satz fährt sie auf, und schaut zum kleinen Speisekammerfenster: „Ja, natürlich! Wir lassen hier doch immer das Fenster einen spaltbreit auf, damit die Winterluft alles kühl hält! Dort muss der Boogeyman eingestiegen sein. Die geschenkten Milchkannen hat er umgetreten! Genau drauf geachtet hat er, dass auch alles auskippt! Oh, welch ein Schuft! Und diesmal bin ich’s, der seine Missetaten angelastet werden, nicht Ernie Carmichael oder Timmy Derrick!“
Sie sehen sich an.
Geraldine atmet tief durch, und sagt ängstlich, „Ich darf nicht als ebenso ein Rotzbalg dastehen wie diese beiden! Gerade für mich ist das gefährlich! Dann könnte ich’s vergessen, hier bald wieder hinaus zu kommen! Dann muss auch ich bald für die Sweetrock Mining Company durch dreckige Minenschächte kreuchen, wie Timmy Derrick vor kurzem, und mit bloßen Fingern den teuren Ghost Rock für die aus dem Stein brökeln! Denk‘ nur, meine Liebste …“
„So schlecht war das gar nicht!“, zischt plötzlich die Stimme von Timmy. Geraldine fährt zusammen, und guckt mit fliegenden Zöpfen rüber zur Tür.
Ganz recht, da hat sich der segelohrige Lausbub hingekauert, und linst heimlich nach drinnen.
„Was machst Du da, Du Plapperschnute?“, flüstert er grinsend, „Tust Du Dir wohl selber leid, was?“
„Wie kommst Du da drauf? Weil ich mich in meiner Schande auch noch der Vorstellung erwehren muss, ähnlich auf die schiefe Bahn zu geraten wie Du, Du kleiner Ausreißer?“, zischt sie ärgerlich zurück.
„So schlimm war das gar nicht mit denen da, von der Sweetrock. Ganz tolle Schießeisen hatten die. Ich konnte das mächtig gut, in den Stollen da! Nur am Schluss …“
„Am Schluss wollten diese Verbrecher Dich den Walkin‘ Dead vorwerfen! Gerettet werden musstest Du, von meinen großen Freunden! Ins Waisenhaus zurück musstest Du gezerrt werden! Ich weiß das noch ganz genau!“
„Kein Grund, sich hier selber leid zu tun, während Du das kurz mal aufwischen musst. Nicht über verschüttete Milch weinen, heißt‘s doch, Du doofe Nuss!“
Geraldine richtet sich auf die Knie auf und stemmt empört die Hände in die Seiten, „Werd‘ jetzt bloss nicht frech, Timmy Derrick, schon gar nicht, wenn Du willst, dass ich Dir weiterhin helfe. Hier sind drei volle Kannen gespendete Milch ins Holz gesickert! Überall ist Rahm zwischen den Fugen! So eine Schweinerei!“
„Wir müssen den Boogeyman unbedingt fangen!“, flüstert Timmy, jetzt mit ernstem Gesicht, furchtsam, „Das wird jede Nacht so weiter gehen! Vielleicht kommt er doch an Carmichaels Fenster ran, wer weiß? Und schnappt zu, Montmorency! Er schnappt ihn!“
„Niemals!“, zischt sie zornig, „Mir fällt schon was ein! Verlass‘ Dich drauf, Du Bengel!“
Er murrt, „Hat ja toll geklappt, letzte Nacht. 'N Anschiss haben wir gekriegt. Wisch‘ Du mal schnell die fünfhundert Liter Milch auf, bevor die zu müffeln anfängt.“
Klatsch, bekommt Timmy einen nassen Putzlappen ins Gesicht gepfeffert, durch den Türspalt, äußerst präzise.
☆
Also zack, wieder den nächsten GM Move gemacht: Diesmal soll ein Zufallsereignis kommen, und in den Orakelkarten steht: Mystically Reveal a social Community. Das passt haargenau zu einer Szenen-Idee, die ich für später aufgehoben hatte. Dann kommt die also jetzt:Auch in dieser Nacht ist es unmöglich, dem Boogeyman nachzustellen, allein schon deswegen, weil die Ammen Geraldine nach ihrer angeblichen Ungeschicklichkeit — und dem unerlaubten Küchen-Ausflug vergangene Nacht — genauestens im Blick behalten. Also nach der Putzerei sofort ab zum Schularbeiten machen, und dann sofort ab ins Bett. Da liegt sie nun, zur Tatenlosigkeit gezwungen. Um sie herum das Rumoren und Quengeln der anderen Kinder im Schlafraum, und in den Nebenzimmern. Ohne dass sie es bewusst merkt, beginnen sich für sie wieder Vergangenheit und Gegenwart zu vermischen, Erinnerung und Augenblick, Fantasie und Wirklichkeit. Sie ist überzeugt, die hohen, grauen Mauerwände des großen, kühlen Schlafsaals im Hopetown-Waisenhaus in Nova Scotia umgeben sie. Sie kann die Rundbögen der Saaleingänge genau sehen. Das ist, als wäre sie nie von dort weg gekommen, und als wären all die aufregenden Ereignisse der letzten Zeit nur Träumereien gewesen. Über diesen Gedanken gleitet sie schließlich hinein in den Schlaf.
Soundtrack: Pascal Schumacher,
Dropshttps://www.youtube.com/watch?v=qyII_f9wBHoDann ist da eine große, weiße Schleiereule, die über sie hinweg fliegt. Geraldine läuft der weißen Eule fasziniert hinterher, in diesen Traum hinein, der sie aus dem ärmlichen Schlafsaal hinaus führt und hinein in ein seltsames Anderswo. Ihr schlafender Verstand weiß in diesem Moment, dass er träumt. Sonst geht ihr das eigentlich nie so. Sie hat ja selbst im Wachzustand manchmal Schwierigkeiten, zwischen Gegenwart und Erinnerung zu unterscheiden!
„… Nicht so schnell wegfliegen, Mister Bird!“, ruft sie der Eule nach, „Sie hängen mich sonst noch ab, hier mitten in diesem … diesem …“
Zwar weiß sie nicht, wie sie die Traumlandschaft zu nennen hat, durch die sie sich bewegt. Aber da sie weiß, dass sie träumt, weiß sie auch, dass sie die Schleiereule nicht verlieren
wird. Also rennt sie immer weiter.
Schließlich steht da eine Frau, und die sieht sich einsam in der Prärie um. Ja, die nächtliche Prärie um Gomorra muss das hier sein, oder sowas ähnliches. Geraldine kommt neugierig näher auf die Frau zu. Ihrer beider Haare wehen im Wind, und Geraldines Nachthemd. Die Frau ist rothaarig.
„Ich treffe in letzter Zeit ziemlich viele Leute, die auch rote Haare haben!“, bemerkt Geraldine zu sich selbst.
Nicht nur die Haare der Frau wehen im Wind, sondern auch ganz viele dünne kupferne und silberne Fäden, deren Enden ihr ins Gesicht geklebt sind, mit runden weißen Dingern aus unbekanntem Material. Die Enden der metallischen Fäden verschwinden geisterhaft im unwirklichen Nachthimmel, irgendwo hin.
„Guten Tag!“, sagt Geraldine höflich zur Begrüßung.
„Guten Tag“, sagt die Frau, und sieht sich weiterhin ratlos um.
„Oder vielmehr sollte ich sagen, gute Nacht“, stellt das Mädchen klar, „Denn es scheint genau genommen Nacht um uns zu sein.“
„M-hm“, sagt die Fremde abgelenkt.
„Sie sind aber hübsch! Bei Ihnen sehen die roten Haare gar nicht schlimm aus!“, bemerkt Geraldine höflich.
„Ja, danke, Herzchen. … Sag‘ doch mal, hast Du vielleicht einen pummeligen, kleinen Kerl gesehen mit schwarzen Locken und dicken Augenbrauen? Einer mit richtig schlechten Manieren?“
„Sie haben einen ganz komischen Dialekt! Wo kommt der her? Schottland?“, fragt das Mädchen verträumt.
„New York, Herzchen. Aber jetzt sag‘ doch mal?“
„Ohh, New York, im Bundesstaate New York? Dann sind sie ja weit gereist, Madam!“
„Wieso?“, fragt sie, ihre Stimme ist ziemlich kaputt, und könnte wahrscheinlich ordentlich barsch und nervig klingen, wenn sie’s drauf anlegen würde. Jetzt grade klingt sie etwas weggetreten.
„Weil hier doch Gomorra, Kalifornien, ist! Sie sind über den gesamten nordamerikanischen Kontinent hinweg gereist!“
„Oh“, sagt sie dumpf, „Das ist dann wahrscheinlich nicht gut. Und der kleine Dicke? Hast Du den gesehen? Oder so vier andere Jungs?“
„Nein, Madam!“
Die junge Frau rückt an ihrer Brille, und fasst Geraldine nun erstmals näher ins Auge. Die Dame muss sehr reich sein, so groß und so dick wie diese Brille ist. Geraldine weiß, was Brillengläser kosten, und wie schwierig sie zu machen sind.
„Kenn‘ ich Dich nicht irgendwo her?“
„Ausgeschlossen, Ma‘am! In New York im Staate New York war ich noch niemals!“
„Du redest auch so altmodisch! Bist Du … von irgendeinem … Buch-Einband oder so? … Hast Du nicht normalerweise einen Strohhut auf?“
„Oh! Ja, Ma‘am, na klar! Woher wissen Sie das denn, mit meinem geliebten Strohhut?“
„Dein Gesicht kommt mir eben bekannt vor. Und ich bin ziemlich gut in Vorahnungen, musst Du wissen. Jetzt gerade sowieso. Mein träumender Verstand ist wahrscheinlich noch hellsichtiger …“
„Also träumen Sie auch gerade?“
„Gewissermaßen. Also, ja und nein. Wir haben uns in eine Visualisierung versetzt, von … ähm … Mist, ich kann das nicht so gut erklären. Na, egal … Hast Du jetzt meine Kollegen gesehen, oder nicht?“
„Kollegen … sind Sie vom Collegium für Interräumliche Physik?“
„Interräumlich, ja ja, so kann man das nennen. Und Physik, das sowieso. Mist, aber ich glaub‘, ich hab‘ mich verirrt. Hier ist Fehlanzeige.“
„Was bedeutet 'Fehlanzeige', Ma'am? Hier ist Gomorra!“
„Gomorrah, müsstest Du nicht … woanders, was weiß ich … Ach, unerheblich, also hast Du meine Kollegen jetzt gesehen? Müssten solche T-Shirts tragen wie ich, mit dem Firmenlogo. Ist ziemlich wichtig, weißt Du, Herzchen. Der ganze Job hängt da dran, und eigentlich sogar noch mehr als das …“
„Was ist denn Ihr Job?“, fragt Geraldine fasziniert.
„Wir jagen den Boogeyman.“
Geraldine fährt heftig zusammen: „Sie …
Sie etwa auch?!“
Jetzt mustert die Dame sie wieder genauer, „Ja, Herzchen. Ist ein Experiment. Ist der Dir etwa auch erschienen? Hast Du irgendwo eine Spur? Denk‘ mal scharf nach. Ist echt wichtig. Vielleicht kam er aus Deinem Kleiderschrank?“
„Kleiderschrank? Nee, das nicht, Ma‘am. Ich hab‘ ja keinen Kleiderschrank im Waisenhaus. Das Mistviech kommt nachts an die Fenster! Aber … Sie
glauben daran?!“
„Wir sind immer bereit, den Worten unserer Kunden Glauben zu schenken“, sagt sie trocken, es klingt wie ein Satz, den sie schon so oft gesagt hat, dass er automatisch über ihre Lippen kommt.
„Aber … Sie sind eine Erwachsene, Ma‘am!“
„Das ist egal … mein träumender Verstand begreift viel mehr, als mein Bewusstsein im Wachzustand, glaube ich. Ich … ich werde meine Liebe hierbei verlieren. Bei dem ganzen hier“, und als sie das sagt, klingt ihre Stimme furchtbar traurig.
Eine rothaarige Frau in Geraldines TraumGeraldine schlägt die Hände vor den Mund, und fragt bestürzt, „Wie meinen Sie das, Ma‘am?!“
„Äh … Mein waches Selbst kapiert das noch lange nicht, aber der Typ hat eine schwere Kindheits-Macke, und dies alles hier wird ihn so sehr aufrütteln, dass er sich von mir wieder abwenden wird. Ganz bald. Und meine Fresse, was war das schwer gewesen, mir den Macker zu angeln …“
„Das alles hier …? Diese Jagd auf den Boogeyman?“
„Ja. Wir sind gerade auf künstlich erzeugter Geistreise in die Welt des Boogeymans. Weißt Du, Kleine? Eine Welt der Allegorien hinter den Schranktüren. Dadurch kommt er in New Yorks Kinderzimmer. Diese komische Parallel-Welt, die verbindet alles. Wir müssen ihn einfangen. Hier irgendwo sind hoffentlich Hinweise zu finden …“
„Sind Sie dann sicher, dass Sie hier richtig sind?! Hier ist doch die Westküste!“
„Das spielt doch keine Rolle, Herzchen. Hier sind Zeit und Raum völlig scheißegal.“
„Was kann man denn gegen den
tun?“„Na ja, wenn man ihn irgendwie finden kann, kann man ihn sicherlich auch wegzappen.“
„Was ist wegzappen? Ich
muss das wissen!“
„Na, Wissenschaft … würd‘s Dir erklären, aber eigentlich drücke ich selber immer nur die richtigen Knöpfe, nicht mehr, nicht weniger.“
„Sie machen das in Wirklichkeit alles nur wegen diesem Kerl, den sie da lieben?“
„Ursprünglich, vielleicht. Mittlerweile, nee, nicht mehr … Die Sache selber ist mittlerweile so wichtig geworden ... Und Du?“
„Ich? Ich, Ma‘am, ich habe einen ganz verzweifelten Wunsch. Ich will doch einfach nur wo hingehören!“
„Glaube ich nicht … Du bist, glaube ich, tief drin so ähnlich wie ich …“
„Wirklich wahr?“
„Klar … Die Sache selber ist mittlerweile wichtiger geworden … sonst hättest Du ja in Deinem Buch bleiben können …“
„Was denn für‘n Buch?!“
„… Ich glaube, Fehlanzeige, ich hab‘ mich hier verirrt. Ich muss jetzt weiter suchen“, sagt die fremde Frau.
Die Schleiereule fliegt hoch über ihnen hinweg, durch den Sternenhimmel.
Geraldine fährt keuchend auf. Das war nur ein Traum! Das hier ist das Hopetown-Waisenhaus. … Nein! Das hier ist Gomorra!
„Raum und Zeit …?“, wispert sie gebannt in die Stille des Schlafraumes.