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"warum unbedarfte Deppen die besten Rollenspielautoren sind"

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Catweazle:
Ich finde manches Rollenspielsystem Mist, das sehr sehr erfolgreich ist oder in der "Szene" einen guten Ruf hat.  Seit 19... (war's jetzt 84 oder 86? Ich glaube 84) ...jedenfalls nun schon fast 20 Jahre spiele ich Rollenspiele. Ich habe den Aufstieg und den Fall so manchen Systems erlebt. Ich habe bestimmt dreißig Systeme gespielt, viele entworfen und wieder verworfen. Und zu was qualifiziert mich das? Ich will es euch sagen: zu gar nix! Aber ich kann auch ohne Professur im nächsten Ikea-Baumarkt feststellen, ob ich ein System mag. Um es mit den Pythons zu sagen: "I may not know much about art, but i know what i like".

Ich kenne kein perfektes System. Aber so ziemlich jedes hat irgendeine Besonderheit, die ich mag. Selbst die Systeme, die ich gar nicht leiden kann, haben irgend ein Element, das mich inspiriert und immer wieder den Wunsch aufkeimen lässt "so was brauchst Du in XYZ auch". Praktisch jedes System hat so eine Idee.

Unbedarfte Deppen müssen nicht die besten Rollenspielautoren sein, aber jeder kann eine gute Idee haben. Denn es zählt bei Autoren nicht nur die Fachkenntnis (wenn es das überhaupt gibt), sondern vor allem Kreativität und Talent. Das aber, liebe RPG-Professoren, kann man nicht lernen. Und darum bemühen sich so manche selbst ernannten "Profis" vergebens um etwas Großes, weil ihnen trotz jahrelangen studierens aller Regelwerke einfach die Idee fehlt, die ein "unbedarfter Depp" vielleicht hat. Ist das Leben nicht ungerecht?

Ludovico:
Schwieriges Thema!
Es hat durchaus Vorteile, wenn man mehrere Regelwerke kennt und sein eigenes System erschaffen will aber auch Nachteile.
Ein Vorteil ist unter anderem, daß man sich frei nach Schnauze aus anderen Systemen bedienen kann und so das Beste aus diversen Systemen übernehmen kann.
Besser gut geklaut, als schlecht selbergemacht!
Auf der anderen Seite gibt es da dann noch diese Typen, die etwas Neues schaffen wollen, irgendwas Originelles. Hierbei ist die Kenntnis von mehreren Systemen ziemlich negativ, denn dann stellt man schnell fest, daß es das schon gab und dies schon und ehe man es sich versieht, hat man da ziemlich originellen Schmu produziert.
Originell, aber schlecht spielbar!

Aber um ein anständiges System auf die Beine zu stellen, muß man keine großen Vorkenntnisse haben. Ich finde, es reicht schon, ein System zu kennen. Dann kann man sich überlegen, was daran Mist ist und was man besser machen könnte.

Ich hab schon genug Mist von sogenannten professionellen Autoren gelesen, um mir ausmalen zu können, daß ein Neuling, der unter RPG lediglich Baldur´s Gate und Diablo versteht, es auch nicht schlechter machen könnte (Ich denke da nur an das Cathay-Buch von 7te See.)
.
Seit wann muß man übrigens professioneller Autor sein, um gute Bücher schreiben zu können?
Eine Idee und Talent sind tausendmal mehr wert als Autorenkurse und der ganze Dreck.

Roland:
Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.

Klar kann ein talentierter, völlig unbedarfter Autor ein gutes Buch schreiben. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt aber fast immer unter der für einen talentierten, gut ausgebildeten und kenntnisreichen Schriftsteller, das gleiche zu schaffen. Man sollte auch den Einfluß von Lektoren und Redakteuren, die viele Anfängerfehler ausgleichen und den Neulingen wertvolle Ratschläge geben können, nicht außer acht lassen.

Hat ein junger Rollenspieldesigner zwar keine Ahnung von Rollenspielen, aber ein durchdachtes Konzept, das stringent umsetzt ohne sich um Konventionen zu kümmern, produziert er wahrscheinlich ein besseres Spiel als ein alteingesessener Designer, der konfus einem Trend hinterhergestaltet und sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner bezieht.

Ein erfahrener Designer mit einem unkonventionellen, originellen Konzept wird aber fast immer ein besseres Spiel produzieren als jeder Neuling. Spieldesign und Schreiben sind auch (und manche meinen vor allem) Handwerk, das lernt man nicht von Heute auf Morgen

Catweazle:
@Roland:

Ich glaube, wir haben die gleiche Ansicht.

Klar, man braucht ein Handwerkszeug. Man sollte einen schönen Schreibstil haben. Doch ein talentierter Dilletant ist mir lieber als ein unbegabter Profi. Es wird handwerklich schlechter, aber inhaltlich intereressanter sein. Im Idealfall, da gebe ich Dir Recht, hat ein Künstler beides. Doch ich als Zeichner (klar, nur Hobbymäßig) weiß, wie leicht man dem Irrglauben verfällt, den Stil eines anderen übernehmen zu müssen, nur weil man ihn selbst gut findet.

Ich finde, das Rollenspiel als solches braucht beide - Dilletanten UND Profis. Es ist da doch wie im Geschäftsleben auch. Die Dilletanten haben die frischen, unverbrauchten Ideen, und die sog. Profis klauen diese einfach und bringen sie in eine Massentaugliche Form. Darum glaube ich nicht, dass wir jemanden ablehnen sollten, der eben OHNE große Erfahrung eigene Rollenspielwerke schreibt, sondern voller Interesse sehen sollten, was er denn vielleicht anders gemacht hat. Die Erfahrung wird er mit der Zeit von alleine bekommen. Und zur Hilfestellung sind wir ja da. OHNE erhobenen Zeigefinger, Arroganz (Altmeister lässt grüßen) und Besserwisserei. Sondern einfach mit einer Erfahrung, die der andere noch nicht hat. Das nennt man Community. Und eine Community lebt vom Miteinander, nicht vom Ausgrenzen ("lern erst mal 100 Rollenspielsysteme kennen, dann können wir uns wieder unterhalten"). Dann klappt's auch mit dem Basteln.

Ludovico:

--- Zitat von: Roland am 11.07.2004 | 10:05 ---Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
--- Ende Zitat ---

So würde ich das nicht sagen.


--- Zitat ---Klar kann ein talentierter, völlig unbedarfter Autor ein gutes Buch schreiben. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt aber fast immer unter der für einen talentierten, gut ausgebildeten und kenntnisreichen Schriftsteller, das gleiche zu schaffen. Man sollte auch den Einfluß von Lektoren und Redakteuren, die viele Anfängerfehler ausgleichen und den Neulingen wertvolle Ratschläge geben können, nicht außer acht lassen.
--- Ende Zitat ---

Gerade in punkto Bücherschreiben, was unterscheidet denn einen ausgebildeten Schriftsteller von einem unausgebildeten?


--- Zitat ---Ein erfahrener Designer mit einem unkonventionellen, originellen Konzept wird aber fast immer ein besseres Spiel produzieren als jeder Neuling. Spieldesign und Schreiben sind auch (und manche meinen vor allem) Handwerk, das lernt man nicht von Heute auf Morgen

--- Ende Zitat ---

Ich denke nicht, daß das Schreiben von Büchern ein Handwerk ist, sondern eher Ausdruck der Fantasie.
Was Du als positiv empfindest, nämlich das Schreiben von unkonventionellen und originellen Konzepten, sehe ich eher negativ, denn der Wiedererkennungswert bei diesen Systemen ist gering und somit auch die Eingewöhnungszeit.

Dieser ganze Heckmeck mit Player Empowerment und GNS-Syndrom und wie der ganze Schmu sich nennt, ist doch nur was für eingefleischte Profis und nicht etwas für Neulinge. Folglich gibt es auch kein "besseres" oder gar "bestes" System, sondern nur das "für die Gruppe am Besten geeignete" System. Wenn das Munchkin´s Wet Dreams statt Player Empoweremt 3000 ist, so ist das halt so.

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