Autor Thema: Idee eines modernen Fantasy-Settings  (Gelesen 3788 mal)

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Offline nobody@home

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #75 am: 19.02.2026 | 20:10 »
Inwieweit Magie den technischen Fortschritt nun "hemmt" oder nicht, ist ohnehin noch mal eine Frage demographischer und sonstiger gesellschaftlicher Faktoren. Traditionell ist Magie ja meist eher etwas für die wie und von wem auch immer auserwählten Eliten, während Technik bei entsprechenden Fertigungsmöglichkeiten deutlich eher auch mal den ungewaschenen Massen etwas bringt, die selber eben keine Magie beherrschen oder sonstwie zur Verfügung haben -- die zumindest anfangs eventuell überlegene Magierseite mag also einerseits zwar ein gewisses Interesse daran haben, daß sich Technik nicht zu schnell durchsetzt und sie mit zu fortgeschrittenen eigenen Möglichkeiten dann allein schon durch die schiere Überzahl ihrer Anwender an die Wand drückt, andererseits sind aber auch ihre Fähigkeiten zur zuverlässigen Unterdrückung solcher Entwicklungen bereits durch ihre geringere Kopfstärke und die praktisch unvermeidbaren persönlichen Uneinigkeiten in der eigenen nominellen Gesamtfraktion begrenzt.

Offline caranfang

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #76 am: Gestern um 15:40 »
Wenn die Leute man sich mal hier die angehängten Dokumente herunterladen würden, wüssten sie, dass es eine Magokratie gibt.

Ich werde nicht alle Änderungen, Neuerungen etc. hier in einem Beitrag beschreiben, sondern nur in den Dokumenten.

Offline Galatea

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #77 am: Gestern um 19:54 »
Hat der dunkle Herrscher auch einen Namen?

Ich möchte an dieser Stelle mal darauf hinweisen, dass der Grund warum der Feudalismus zugrunde gegangen ist, nicht darin liegt, dass das Volk die Schnauze voll von Adel und Klerus hatte. Feudalismus ist ein gutes System, wenn ein Zentralregent ein Reich beherrscht, das so groß ist, dass zeitnahe Kommunikation und Reaktion in alle Ecken schlicht nicht möglich ist - sollte sich die Menschheit in interstellare Gefilde aufmachen, besteht eine ernsthafte Chance, dass wir dieses System wiedersehen.

Der feudale Zentralherrscher muss sich auf seine Lokalfürsten verlassen können, das Land in Ordnung zu halten und im Zweifelsfall solange auszuharren, bis eine Armee (aus den Truppen diverser Lokalfürsten, alle mit unterschiedlicher Ausrüstung/Ausbildung/Professionalität/Doktrin, im schlimmsten Fall mit unterschiedlichen Sprachen) zur Entlastung zusammengestellt und kampfbereit ist - das dauert und die daraus resultierende Armee ist selten optimal.
Feudalismus und moderne Kriege, in denen schnell mit großer Stärke reagiert werden muss, die vertragen sich GANZ schlecht. Noch viel viel schlechter verträgt sich der Feudalismus mit Sachen wie langen Logistikketten, just-in-time-delivery und vereinten Binnenmärkten, die für moderne hochentwickelte Wirtschaftssysteme extrem wichtig sind.

Auch möchte der moderne Diktator von Welt eher nicht, dass fünfzig Lords, jeweils mit ihrer eigenen kleinen Privatarmee, in seinem Reich herumhängen, die ihm im Zweifelsfall den Rang streitig machen (oder zumindest große Probleme bereiten) können. Tatsächlich ist der Feudalherrscher in den meisten Fällen ein eher schwacher Herrscher, der viel auf Diplomatie und seinen Ruf angewiesen ist, um sein Reich zusammenzuhalten und der nicht selten damit beschäftigt ist Aufstände und Rebellionen im eigenen Hinterhof niederzuschlagen. Mit einem modernen Diktator hat er wenig gemein.
« Letzte Änderung: Gestern um 20:02 von Galatea »
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Offline caranfang

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #78 am: Gestern um 20:31 »
Der Dunkle Herrscher hat mit Sicherheit einen Namen, aber niemand kennt ihn. Man weiß ja nicht einmal, ob er überhaupt noch lebt. Zu dem gibt es noch die Theorie, dass dies nur ein Titel ist, der von verschiedenen Personen über die Jahrtausende verwendet wurde.
Das Dunkle Imperium ist kein Feudalstaat, es ist eine totalitäre Diktatur mit theokratischen und feudalen Einflüssen (wie sie übrigens in Diktaturen nicht ungewöhnlich sind). Den Pakt des Dunklen Herrschers kann man als Feudalstaat bezeichnen. Die Provinzherren können in einem gewissen Rahmen machen, was sie wollen, und werden vielleicht auch noch gegeneinander ausgespielt, damit keiner zu mächtig wird.

Wer will, kann eigene Nationen entwerfen.

Online Skaeg

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #79 am: Gestern um 22:40 »
Ja, Leseverständnis ist halt nicht jedermanns Sache.

Davon abgesehen, dass China quasi ein reiner Agrarstaat war als die dortige Staatsform entstanden ist.
Das war nicht die Behauptung. (Soviel zu "Leseverständnis"... vielleicht sollte man sich auch klar ausdrücken). Sei's drum: Wenn wir die Vergangenheit betrachten, müssen wir geographisch wohl kaum bis nach China wandern, um die These, dass "die meisten Diktaturen in Ländern stattfinden, deren Volkswirtschaft stark auf dem Primären Sektor (Rohstoffe, Landwirtschaft) basiert" stark in Zweifel zu ziehen. Nicht mal weiter als buchstäblich vor die eigene Haustür.

Ich würde mal sagen, der von dir hergestellte Zusammenhang ist zurückhaltend ausgedrückt unzulässig vereinfacht, weniger zurückhaltend ausgedrückt eine von modernen Vorurteilen geprägte Fiktion. Ich würde mein Setting nicht an an eine solche Binse, die sich sowohl mit Gegenwarts- wie auch mit Geschichtsbezug leicht ad absurdum führen lässt, fesseln.
« Letzte Änderung: Gestern um 22:56 von Skaeg »
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Offline Galatea

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #80 am: Heute um 14:40 »
Nazi-Deutschland ist aber nicht "die meisten". Wobei ich denke, dass hier Ursache mit dem breiten Kontext verwechselt wird - Demokratie als Regierungsform ist historisch eher eine Seltenheit und tritt erst in jüngster Geschichte (die letzten Hundert Jahre) vermehrt auf. Die häufigste Regierungsform ist sie auch heute noch nicht, v.a. wenn man die ganzen Scheindemokratien rausrechnet (Russland etc.).
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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #81 am: Heute um 15:04 »
Letzten Endes hat jede Regierungsform ihre Vor- und Nachteile. Der "modernen" Demokratie mit Gewaltenteilung, Kommittees, und dem ganzen restlichen bürokratischen Rattenschwanz kann man zum Beispiel auch dann eine gewisse Schwerfällig- und zumindest scheinbar völlig unnötige Umständlichkeit vorwerfen, wenn man selber gar kein Vertreter autokratischer Prinzipien ist, und Verbesserungspotential gibt's eh immer. Ich halte mich persönlich einfach deshalb trotzdem lieber an der fest, weil (a) sie gleichzeitig auch einen gewissen Mindestgrad an Stabilität garantiert -- es gibt halt nicht den einen großen Chef, der mal eben alles spontan umwerfen kann, weil er mal wieder miese Laune hat -- und (b) mehr Leute im Verwaltungsapparat zumindest potentiell auch besser die Probleme und Ansprüche einer größeren Bevölkerung managen können als eine damit eigentlich überforderte kleine "allmächtige" Führungsriege, an der zumindest alle "letztendlichen" Entscheidungen hängenbleiben.

Aber die Vorlieben allein schon der Menschen, von irgendwelchen Fantasykreaturen ganz zu schweigen, werden da natürlich sowohl individuell als auch wenigstens bis zu einem gewissen Punkt in größeren Kollektiven variieren -- in einem Spielsetting genauso wie in der Realität. Und schon haben wir in ersterem wieder potentiell wunderschön verabenteuerbares Konfliktpotential. :)

Offline caranfang

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #82 am: Heute um 15:16 »
Könnt ihr bitte diese Diskussion woanders führen? :btt:

Offline Mr. Ohnesorge

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Re: Idee eines modernen Fantasy-Settings
« Antwort #83 am: Heute um 16:25 »
Hat der dunkle Herrscher auch einen Namen?

Ich möchte an dieser Stelle mal darauf hinweisen, dass der Grund warum der Feudalismus zugrunde gegangen ist, nicht darin liegt, dass das Volk die Schnauze voll von Adel und Klerus hatte. Feudalismus ist ein gutes System, wenn ein Zentralregent ein Reich beherrscht, das so groß ist, dass zeitnahe Kommunikation und Reaktion in alle Ecken schlicht nicht möglich ist - sollte sich die Menschheit in interstellare Gefilde aufmachen, besteht eine ernsthafte Chance, dass wir dieses System wiedersehen.

Der feudale Zentralherrscher muss sich auf seine Lokalfürsten verlassen können, das Land in Ordnung zu halten und im Zweifelsfall solange auszuharren, bis eine Armee (aus den Truppen diverser Lokalfürsten, alle mit unterschiedlicher Ausrüstung/Ausbildung/Professionalität/Doktrin, im schlimmsten Fall mit unterschiedlichen Sprachen) zur Entlastung zusammengestellt und kampfbereit ist - das dauert und die daraus resultierende Armee ist selten optimal.
Feudalismus und moderne Kriege, in denen schnell mit großer Stärke reagiert werden muss, die vertragen sich GANZ schlecht. Noch viel viel schlechter verträgt sich der Feudalismus mit Sachen wie langen Logistikketten, just-in-time-delivery und vereinten Binnenmärkten, die für moderne hochentwickelte Wirtschaftssysteme extrem wichtig sind.

Auch möchte der moderne Diktator von Welt eher nicht, dass fünfzig Lords, jeweils mit ihrer eigenen kleinen Privatarmee, in seinem Reich herumhängen, die ihm im Zweifelsfall den Rang streitig machen (oder zumindest große Probleme bereiten) können. Tatsächlich ist der Feudalherrscher in den meisten Fällen ein eher schwacher Herrscher, der viel auf Diplomatie und seinen Ruf angewiesen ist, um sein Reich zusammenzuhalten und der nicht selten damit beschäftigt ist Aufstände und Rebellionen im eigenen Hinterhof niederzuschlagen. Mit einem modernen Diktator hat er wenig gemein.

Das ist mega spannend :d
"These things are romanticized, but in the end they're only colorful lies." - This Is Hell, Polygraph Cheaters