Zunächst, da ist mir eine Frage durchgerutscht:
Also den Blick hast du ziemlich gut hinbekommen, das wirkt genau wie von dir intendiert! Ist es Absicht, dass die Nase symmetrisch das Schwert ergänzt...? Das wirkt etwas seltsam so...
Direkt Absicht ist es nicht, dass er sich das zerbrochene Schwert vor das Gesicht hält schon.
Aber über die Nase-Schwert Hürde sind schon mehrere gestolpert die das Bild auf dem Papier gesehen haben.
Nun zum aktuellen Wirbelwind:Das Bild wurde tatsächlich von First Orko angefragt für
Gegen alle Stürme.
Da ich nicht immer inspiriert bin was ich Zeichnen will und er eine Szene im Angebot hatte, die er auch brauchen konnte, war es eine Win Win Situation.
Dass er seine Anfrage angefangen hat mit "Wenn du eine Herausforderung suchst..." hat mich natürlich auch getriggert

Das Bild selber ist das Größte geworden, von den bisher gezeigten (zumindest auf dem Papier, tatsächlich habe ich keinen verfügbaren Scanner um es komplett zu haben, aber das wichtige und meiste ging drauf).
Bereits ziemlich am Anfang vom Tuschen hat mein 0,7mm Fineliner aufgegeben - in der Folge habe ich Nachschub besorgt, da das Bild hier groß war und auch einige schwarze Flächen hat, habe ich mich unter Anderem für einen 1,5mm Filzstift entschieden. Zunächst hatte ich nur angedacht, dass ich die großen schwarzen Flächen damit ausmale, am Schluss habe ich dann das Ganze Bild damit fertig gemacht:
Zum einen wirkt es dadurch mehr aus einem Guss, zum anderen habe ich festgestellt, dass sich bei geschwungenen Strichen, und da gibt es hier einige, eine sehr schöne variable Strichtdicke mit einem Filzstift ergibt - was der Dynamik zugute kommt.
Was immer wieder interessant ist, wie sich das Bild im Kopf unterscheidet von dem was am Papier landet.
Zum einen klappt der Übertrag nicht 100%, zum anderen glaube ich, dass das Bild im Kopf nur bedingt etwas kongruent Ganzes ist, sondern eher flüchtige, schwer greifbare Einzelteile die sich nicht unbedingt miteinander verheiraten lassen. Ich hatte zum Beispiel jeweils den Hinabstürzenden, der Hurrikan und das Schiff als Bild im Kopf - aber nur eine grobe Vorstellung wie sie zusammenfinden.
Von daher ist es immer wieder spannend, was man am Schluss am Bild hat.
Das Schiff hätte ich mir im Nachgang etwas kleiner gewünscht, damit der Malstrom größer wirkt, die Ausrichtung des Schiffes macht einen etwas surrealen Eindruck, selbst wenn es "im Auge" durchaus Schlagseite in alle Richtungen bekommen könnte - aber es deckt sich nicht mit den Sehgewohnheiten.
Aber irgendwie gefällt mir diese leichte missmatch.
Das Gesicht vorne am Schiff habe ich bewusst groß im Vergleich zum Schiff gemacht, da es nach Vorgabe wendig erscheinen sollte. Das Kinn wollte ich groß, wie eine Art Ramme, fast Pflugartig haben.
Sehr zufrieden bin ich mit dem Hinabstürzenden, dass er nach seinem Messer greift war ziemlich früh gesetzt (Ich mag immer, wenn etwas schief geht

). Perspektivisch wirkt er korrekt, die Füße sind deutlich größer als z.B. der Kopf. Das Messer hatte für ihn einen speziellen Zweck: Er will eigentlich aufs Schiff gelangen, und der Haken vorne dient dazu, dass er ihn beim Schiff ins Holz rammen kann, damit er es entern kann. Die Einkerbung dient dazu, im Notfall das Seil zu kappen.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass seine Füße - ursprünglich sollte er Lederschuhe mit Ledersohle anhaben, mehr wie Socken aussahen, und da ich über dem Schiff noch viel langweiligen Platz hatte, kam mir in den Sinn, das dort der Stiefel sein könnte.
Abweichend von der Vorgabe ist der Wirbelwind hier nicht Rund - das habe ich nicht bewusst anders gemacht, sondern erst jetzt (wo ich den Namen von Gegen alle Stürme in den PMs nachgeschlagen habe) bewusst gelesen - ich hoffe es passt trotzdem

Im Bild versteckte Elemente:
Ein sehr aufmerksamer Betrachter wird feststellen, dass das Seil 1x um den Wirbelwind herumreicht und am anderen Ende von etwas gezogen wird. Das Setting hat anscheinend menschengroße (vielleicht sogar als Rasse wählbare) Vögel, mein eigenes System ist eher geerdeter und low fantasy. Deshalb habe ich es am Seilende nur angedeutet, so dass jeder Betrachter selbst entscheiden kann ob das ein Vogel im Sturzflug oder ein in Mitleidenschaft gezogener Papierdrache ist

Ich habe diesmal beim Zeichnen auf die Uhr gesehen: Das ganze Bild hat 3,5 Stunden verschlungen, verteilt auf 3 "Sitzungen". Gar nicht so schlecht, ich hatte Schlimmeres befürchtet

"Nächste Ebene dynamisch!", wie man auf Deutsch sagt. Sehr toll!
Freut mich, dass dich das gleich anspringt, denn auf Dynamik habe ich hier tatsächlich bewusst Fokus gelegt

Ich hatte ja nur ein grobe Idee vom Schiff aber noch kein Gesamtbild im Kopf. An dieser Stelle merke ich gerade, wie fruchtbar das Hin- und her zwischen Idee und Umsetzung sein kann - JETZT habe ich nämlich eine sehr viel konkretere Vorstellung und diese fließt jetzt in die Vorbereitung/Spiel zurück.
Sehr schön, das freut mich

Lass gerne hören wie die kommende Runde verlief
