Autor Thema: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan  (Gelesen 10306 mal)

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Online Zed

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #150 am: Gestern um 22:16 »
Mag man ja anders sehen, aber ich denke, Nolan ist der falsche Mann, um Mythen zu verfilmen. Er hat einen mythischen Stoff genommen und diesen, Zyklop, Circe usw. hin oder her, im Prinzip entmythisiert.
Darf ich fragen, ob Du den Film auch gesehen hast?

Offline Vash the stampede

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #151 am: Gestern um 22:30 »
@Prisma. Was genau hat Zack Snyder mythisiert, dass noch nicht im Comic drin war?
Machen
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Offline Runenstahl

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #152 am: Gestern um 22:59 »
Komme gerade aus dem Kino. Vermutlich werde ich nochmal drüber schlafen müssen, deshalb hier nur ein Sammelsorium aus meinen noch frischen Eindrücken:

Was mir nicht gefallen hat:
- Man hatte viel Geld für Kulissen aber alles wirkt trostlos und "meh". Troja wirkt wie eine Ansammlung von Lehmhütten und Ithaka ist im Prinzip eine Ruine. Zumindest bei Troja hätte es mMn die Botschaft des Films noch unterstreichen können wenn man hier eine wirklich prächtige Stadt mit Farbenfroh gekleideten Bewohnern verwüstet hätte.
- Überhaupt wirkt alles künstlich düster und melancholisch. Klar, das soll ein Stilmittel sein aber wenn alles so aussieht ist es eher ein Einheitsbrei aus dem nichts mehr hervorsticht.
- Ich habe mich zwar nicht gelangweilt aber zeitweilig war mir der Film dann doch ein wenig zu lang. Beisst sich mit dem Imax-Format, aber als Mehrteiler würde die Geschichte vielleicht sogar besser funktionieren. Sie ist nunmal sehr episodenhaft.
- Der Typ der eine Reihe hinter mir die erste Hälfte des Films mit offenem Mund Popkorn gemampft hat.

Was mir gefallen hat:
- Jemand hatte es schon geschrieben, aber ich kann dem nur zustimmen: Man lernt die Freier zu hassen und kann es kaum erwarten das sie ihren gerechten Lohn erhalten.
- Ich mag es wenn Charaktere nachvollziehbar agieren.
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- Der Film als Ganzes. Eine runde Sache die eine komplette Geschichte erzählt.
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Offline Prisma

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #153 am: Gestern um 23:15 »
Darf ich fragen, ob Du den Film auch gesehen hast?
Nein, noch nicht. Ich werde mir den nicht im Kino anschauen. Vielleicht später auf irgendeiner Plattform. da der Film bei mir keine Priorität hat. Ich fand den Trailer schon underwhleming.  Mittlerweile gibt es aber genügend repektable und ausführliche Reviews, einige auch hier gepostet, mit denen man ein gutes Bild bekommt. Die Szenen die dort beschrieben und diskutiert wurden, lassen meinen Schluss zu. Nolan fährt wieder seinen relativen Realismus, mit wenn auch technisch beeindruckenden Prisen, wo es nicht anders geht. Muss ja nichts schlechtes sein, aber bei Mythen oder selbst Superhelden klappt das nicht so gut, denke ich. Bei Batman hat es total gut geklappt, weil der keine Kräfte hat und man diese Figur relativ realistisch darstellen kann. "Nolans Superman" oder "Nolans Avengers" stelle ich mir dagegen nicht sehr passend vor.   


@Prisma. Was genau hat Zack Snyder mythisiert, dass noch nicht im Comic drin war?
Nein, ich meine nicht den Inhalt, sondern die Art und Weise wie er das umgesetzt hat. Da spürt man den Mythos regelrecht. Schon die Trailer haben sich so angefühlt.
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Online Zed

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #154 am: Gestern um 23:46 »
Er hat einen mythischen Stoff genommen und diesen, Zyklop, Circe usw. hin oder her, im Prinzip entmythisiert. ... Nolans Odyssee ist ein Mythos welches Nolan auf seinen Realismus heruntergebrochen hat.

Das sind wagemutige Thesen, die Du ohne Kenntnis des Filmes aufstellst.

Der Zyklop, und insbesondere seine "Stimme", die ekelhaftest eindrucksvollste Tranformationsmagie der Circe, die seit "American Werwolf" auf der Leinwand lief, und ein eindrucksvoller Hades waren durchaus mythisch. Und der Soundtrack ist auch nicht von dieser Welt. Das Ganze ist nicht grau-blau-dunkel-slow-motion-überzeichnet wie Zack Snyder es immer macht, aber trotzdem mythisch.

"Bähm" macht es gerade von Emily Wilson, der Übersetzerin, die die neueste Odyssee-Übertragung ins Englische vorgenommen hat, und die Nolan nach eigener Aussage fürs Drehbuch inspiriert hat: Sie stellt Nolans Verfilmung eine enttäuschte Kritik aus.

Bevor sich wer auf die wenigen Stellen ihrer Kritik stürzt, die aus einer politischen Perspektive formuliert sind, hier ihr Hauptkritikpunkt, wie ich ihn verstehe: Sie findet, dass Nolan die Odyssee sehr unterkomplex umgesetzt hat, ich denke, man könnte auch "oberflächlich" sagen. Ich finde, dass sie das gut argumentiert und kann nicht recht widersprechen.

Offline Prisma

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #155 am: Heute um 07:44 »
Wagemutige Thesen, ohne Kenntnis:
Jain, ich denke mir ja keine Dinge aus, sondern beziehe mich auf das was in Rewievs rauf und runter diskutiert wurde.

Stimme des Zyklops/Circe/Hades:
Das meine ich ja mit technisch beeindruckenden Prisen. Die Stimme und Circe sollen das Beste an dem Film sein, da sind sich viele - sogar die härtesten - Kritiker einig. Der Hades wird durchmischter gesehen. Der Soundtrack wird auch durchmischt gesehen.

Emily Wilsons Kritik:
Habe ich auch schon gesehen. Da stimme ich dir zu.
« Letzte Änderung: Heute um 07:46 von Prisma »
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Offline First Orko

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #156 am: Heute um 08:23 »
Der Zyklop, und insbesondere seine "Stimme", die ekelhaftest eindrucksvollste Tranformationsmagie der Circe, die seit "American Werwolf" auf der Leinwand lief, und ein eindrucksvoller Hades waren durchaus mythisch. Und der Soundtrack ist auch nicht von dieser Welt. Das Ganze ist nicht grau-blau-dunkel-slow-motion-überzeichnet wie Zack Snyder es immer macht, aber trotzdem mythisch.

Na also so ganz fürchterlich daneben liegt Prisma aber nicht, wenn er Nolan an der Stelle einen Hang zur Entmystifizierung (wie zum Beispiel auch bei Batman) unterstellt, finde ich. Diese Odyssee kann man zumindest auch als Heimfahrt eines traumatisierten Soldaten deuten und damit als quasi-realistische Umdeutung der Figur mit der Überlegung "Wie könnte die Figur von Odysseus gewesen sein, damit sich so ein Mythos drum entspinnt?". Der Begriff Mythos ist halt zum Einen geisteswissenschaftlich ausführlich definiert, wird dann aber in der Breitenwahrnehmung ziemlich vage und auf sehr viel unterschiedliche Arten benutzt. Des Einen Mythos kann durchaus des Anderen Dekonstruktion sein. So finde ich zum Beispiel gerade die "trostlos und meh"-Ästhetik der Umgebungen sehr passend für die angestrebte Stimmung und der Soundkulisse... mich hatte das an die stellenweise entrückt-surrealen Kulissen des 2015er Macbeth erinnert.
Auf sowas muss man aber auch Lust haben. Wer da mit der Erwartung einer bildgewaltigen, pompös ausgestatteten Heldenerzählung reingeht wird bitterlich enttäuscht werden. Diese gab es schon und Nolan hatte offensichtlich keine Lust, sich dieser Tradition hinzugeben - und das muss ein legitimer Ansatz für einen Filmschaffenden sein, denn es trägt zur Vielfalt bei, zu unterschiedlichen Blickwinkeln, zu Gesprächen über die eigenen Vorstellungen usw. Wie langweilig, trostlos und meh wären unsere Medien, wenn man mit einem alten Stoff nicht auf komplett unterschiedliche Arten spielen könnte/dürfe und dieselbe Geschichte immer wieder auf neue Art erzählen?

Gefallen muss nicht jede Variante allen - aber dass dies so ist, ist keinerlei Qualitätskriterium für irgendwas.

Ich persönlich fand den Film zumindest angemessen episch in seiner Bild- und Tongewalt und auch erzählerisch auf ein gewisse Art "vage" gehalten, als dass er zu Interpretation und Diskussion einlädt. Und das sind für mich alles Eigenschaften, die einen GUTEN Film ausmachen. Zum Mythos hatte ich bisher bis auf gewissen popkulturelle Klischeevorstellungen ansonsten keinen Zugang, habe jetzt aber Lust bekommen, mich mit dem Text genauer zu befassen - und das ist ja auch mal eine positive Wirkung, würde ich meinen  8)
« Letzte Änderung: Heute um 08:25 von First Orko »
It's repetitive.
And redundant.

Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.

Offline Crimson King

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #157 am: Heute um 08:27 »
Zak Synders Verfilmung einer maximal toxischen Glorifizierung von Gewalt als Mythisierung von irgendetwas zu bezeichnen, hat auch was. Das mythisiert vor allem Sachen, die meines Erachtens eher geächtet werden sollten.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #158 am: Heute um 08:30 »
Vorsicht, CK. Keine Politik im Thread. Sonst fühlen sich Leute wieder angesprochen.  8]
Engel – ein neues Kapitel enthüllt sich.

“Es ist wichtig zu beachten, dass es viele verschiedene Arten von Rollenspielern gibt, die unterschiedliche Vorlieben und Perspektiven haben. Es ist wichtig, dass alle Spieler respektvoll miteinander umgehen und dass keine Gruppe von Spielern das Recht hat, andere auszuschließen oder ihnen vorzuschreiben, wie sie spielen sollen.“ – Hofrat Settembrini

Offline Runenstahl

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #159 am: Heute um 09:20 »
Drüber geschlafen (und davon geträumt). Die Odyssey ist ein gewaltiger Film. Einer der nicht in das Schema meines geliebten Popkorn-Kinos pass, ein Film der mich auch danach noch beschäftigt hat.

Ich habe auch Wilsons Kritik gelesen (danke für den Link Zed) und muss ihr in weiten Teilen beipflichten, komme aber zu einem anderen Schluss. Die Odyssey ist wie alle Geschichten nur eine mögliche Interpretation des Stoffes. Und so oberflächlich ist sie nicht. Odysseus ist ein gespaltener "komplizierter" Mann zwischen Pflicht, Verantwortung, Liebe und Stolz. Das bringt der Film sehr gut rüber. Ich bin mir auch nicht sicher ob die Odyssey an sich wirklich so eine tiefgründige Geschichte ist. Letztlich ist es eine klassische Heldenreise mit dem "Twist" das hier Odysseus und seine Mannschaft für ihre Fehler bezahlen müssen. Auf jeder Station lassen ein paar seiner Männer ihr Leben und am Ende bekommen die Freier ihre Strafe.

Es gibt im Film mMn ein paar kleinere Ungereimtheiten, aber der Gesamteindruck bleibt für mich sehr gut. Als jemand der Popkornkino bevorzugt und um Filme mit bedeutungsschwangeren Botschaften lieber einen Bogen macht, gebe ich ihm 7 von 10 heilige Kühe. Wer Interstellar und Inception richtig gut fand wird den Film vermutlich deutlich besser bewerten.

Ich freue mich jedenfalls das es der toxischen Meute nicht gelungen ist den Film runterzuziehen. Das mag daran liegen das der Stoff hier universeller ist und auch nicht-Nerds ins Kino zieht, während bei anderen Projekten die Zielgruppe deutlich kleiner und damit leichter zu beeinflussen ist. Wie schon bei anderen Filmen und Serien waren viele der Behauptungen die im Vorwege getroffen wurden einfach falsh oder letztlich bedeutungslos für dem Film. Das Kino bei uns war jedenfalls recht gut besetzt.

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Trägt kaum zu meiner Wertung bei, aber der Vollständigkeit halber noch ein paar Kleinigkeiten über die ich mich beim Sehen und Nachdenken gewundert habe:
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Offline Raven Nash

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #160 am: Heute um 11:31 »
Zitat
- Ist es wirklich relevant ob man korrekte Schiffe und Rüstungen verwendet oder reicht es wenn die Ausstattung den Erwartungen vom antiken Griechenland entspricht ? Immerhin stellt quasi die gesamte griechische Kunst alle Helden Trojas auf eine Art und Weise dar die eher an 300 erinnert als an historisch korrekte Gestalten.
Welche "griechische Kunst" denn? Ist ja nicht so, als gäbe es da nicht auch eine Menge Epochen. Auf den diversen Vasen, Mosaiken, usw. sind die Helden jedenfalls meistens nackt - heißt das, dass Odysseus also im Lendenschurz herumlief (oder ganz ohne)?
Wohl eher nicht.
Und wie Waffen und Rüstungen diverser Epochen in dem Kulturkreis aussahen, weiß man inzwischen durchaus. Die Infos sind auch nicht schwer verfügbar. Liegt also nur am Wollen, nicht am Können.
Ein Langschiff ist auch kein Ersatz für eine Bireme (und wenn man es ausleiht und beschädigt, sollte man den Schaden auch bezahlen, das nur nebenbei). Gäbe es auch einige Nachbauten, genau wie für die Langschiffe. Auch wieder ein Wollen, nicht Können.

Aber Nolan macht halt einen auf Ridley Scott, der auch gerne "historische" Stoffe verfilmt, um alles Historische dann mit Füßen zu treten.
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Offline Runenstahl

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #161 am: Heute um 11:40 »
Wie gesagt, diese Version der Odyssey ist halt eine mögliche Interpretation. Wem es wichtig ist das alles historisch korrekt ist, der muss halt auf eine andere Version warten. Meines Wissens nach gibt es bislang keine die diese Ansprüche erfüllen würde.
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Offline Eisenmeile

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #162 am: Heute um 11:49 »
Selbst die Erstaufführung der Odyssee war höchstwahrscheinlich nicht historisch korrekt (Kostüme und Theaterwaffen, die sich grob auf Homers Lebzeiten datieren lassen, stellen halt den Stand der Mode/Kriegsführung um 600 v. Chr. dar, nicht den von 1000 v. Chr. oder gar früher).

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #163 am: Heute um 11:57 »
Auf den diversen Vasen, Mosaiken, usw. sind die Helden jedenfalls meistens nackt - heißt das, dass Odysseus also im Lendenschurz herumlief (oder ganz ohne)?

Wer einen Eindruck von den Schilderungen im Epos bekommen möchte und von Emily Wilson, die aus ihrer Übersetzung vorliest, kann sich folgenden Ausschnitt ihrer Lesung geben. Und jungejunge, Emily Wilson brennt für die bluttriefende Vorlage!  ;D Von Homers Formulierungen und von Wilson plastischem Vortragestil kann sich so manche SL eine Scheibe abschneiden.

"Bloodshed": Emily Wilson liest spielt den Moment, in dem Odysseus die Freier (nackt!) zu töten beginnt, 90 Sekunden. (Es ist ein zwar tiktok, aber auf einem PC spielt es über den Browser ab, also ohne Anmeldung, quasi wie auf youtube.)

Offline Eisenmeile

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #164 am: Heute um 12:04 »
Zitat
Nämlich von einem gewitzten, aber auch an Hybris leidenden Helden zu einem ehemaligen, an postraumatischer Belastungsstörung leidenden Soldaten
Zitat
nichts davon hat sich wie ein Abenteuerfilm nach Homer angefühlt und vor allem auch nicht der kriegstraumatisierte Odysseus

Sag mir, dass du die Odyssee nie zu Ende gelesen hast, ohne es zu sagen.

Zitat
Was hat das denn mit der Fragestellung zu tun das ich nicht weis wie denn der Mittelmeerraum zur Zeit von Homer ausgeschaut hat? Ausser eben: völlig anderst als heute.

Homer hat mutmaßlich den Mittelmeerraum zur Zeit des trojanischen Krieges auch nicht gekannt.
Aber wir Wissen zumindest, wie Ithaka laut seinem Protagonisten zu der Zeit aussah: eine karge Insel, auf der fast nichts wächst, und die nur zur Zucht von Ziegen und Schweinen taugt. So äußert sich Odysseus gegenüber Kalypso, als er seine Heimat mit dem paradiesischen Ogygia vergleicht (auch wenn er fast unmittelbar darauf hinzufügt, dass er trotzdem zurück will - weil Ithaka zwar nicht schön, aber eben seine Heimat ist).

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #165 am: Heute um 12:18 »
Hang zur Entmystifizierung

Also ne, da geht die überspitzte Formulierung "Entmystifizierung" deutlich zu weit.

Nolans Erzählstil wird häufig als nüchtern oder auch als unterkühlt beschrieben. Dem würde ich mich anschließen.

Wer einen Mythos nüchtern erzählt, entmystifiziert ihn nicht. Wer den Mythos entmystifiziert, entmystifiziert ihn.

Das wäre der Fall gewesen, wenn der Zyklop von Hafþór Júlíus Björnsson als Einsiedler mit Augenklappe gespielt worden wäre, die Laistrygonen schlicht als kannibalisch lebendes Volk gezeigt worden wären und Kalypso, Circe und vielleicht auch die Sirenen als Teil eines Volkes, das für die Griechen unbekannte, weniger restriktivere Sexualmoral- und Beziehungs-Vorstellungen hat, analog dazu, als die britische Besatzung der Bounty in historischen Zeiten auf die Menschen Tahitis trafen - die wollten da lieber auch bleiben. Die Hades-Dialoge hätten in einer entmystifizierten Version höchstens Drogen- oder Fieberträume sein können.

Sind sie aber nicht. All diese mythischen, mythologischen Aspekte sind ungebrochen in Nolans Version. Gut, er hat die Gottheiten etwas zurückgefahren, aber die Toten erstehen trotzdem auf, um einen Schnack zu halten, und Odysseus' Männer werden trotzdem in Schweine transformiert.

Offline Raven Nash

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #166 am: Heute um 12:31 »
Emily Wilson liest spielt den Moment, in dem Odysseus die Freier (nackt!) zu töten beginnt, 90 Sekunden. (Vorsicht: Es ist ein tiktok!)
Ich hab kein tiktok und werd's auch nicht anklicken - aber wirft Odysseus in dem Moment nicht sein Gewand (die Tarnung) ab, und ist deshalb darunter nackt?
Er wird jedenfalls nicht vor Troja gestanden haben, mit nichts als seiner Männlichkeit zum Schutz.  ~;D
Da wird er wohl eine Rüstung getragen haben.
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Offline gilborn

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #167 am: Heute um 12:38 »
Was mich verfolgt, seit ich den Film gesehen habe (Dafür, dass er mir im Kino nicht so gefallen hat, beschäftigt er mich auf jeden Fall schon geraume Zeit):

Kann die Irrfahrt vielleicht so gedeutet werden, dass es sich um die inneren Dämonen von Odysseus gehandelt hat?
(Dass das Mystische quasi etwsa Psychologisches ist)

Leider komme ich mit dem Gedanken nicht so recht auf einem grünen Zweig - mich würden eure Gedanken dazu interessieren.

Interessant in dem Zusammenhang:
Ich frage mich, warum er bei der Begegnung mit den Riesen Rüstungen hinzugefügt hat - und die hatten markante Helme, die mich durch den Sehschlitz durchaus an die seltsamen Rüstungen der Trojaner erinnert haben. Eventuell eine Angstprojektion von Odysseus?

(die Rüstungen können natürlich auch aus praktischen Gründen gemacht worden sein - man wollte auf CGI verzichten, und echte Riesen sind vermutlich schwierigker als überdimensionale Rüstungen)

Rund wird es leider dadurch auch nicht so recht, weshalb ich vermute ich überinterpretiere das Ganze.
Aber ganz los lässt es mich nicht.

Noch verrückter, und noch weniger Rund, und noch mehr überinterpretiert, ich bin versucht es in Spoiler zu packen:
Agamemnons Maske sieht fast wie eine Batman Maske aus - Sind die Stationen von Odysseus Stationen in Nolans Schaffenswerk?

Offline Weltengeist

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #168 am: Heute um 12:56 »
Ich frage mich, warum er bei der Begegnung mit den Riesen Rüstungen hinzugefügt hat

Das habe ich auch überhaupt nicht verstanden. Es passt null zur Kulturstufe (des Films allgemein und der Laistrygonen als "Primitive" im Original im Besonderen). Und es war vollständig lächerlich - drei Minuten nach der Landung wimmelt der Wald von vollständig kriegsgerüsteten Typen, die aussehen wie die Zylonen aus Kampfstern Galactica. Sie trägt auch nichts wirklich zur Handlung bei außer dem Dezimieren der Mannschaft. Für mich die einzige wirklich schwache und völlig unpassende Sequenz des Films - oder kriege ich hier irgendwas nicht mit?
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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #169 am: Heute um 13:06 »
Ich hab kein tiktok und werd's auch nicht anklicken - aber wirft Odysseus in dem Moment nicht sein Gewand (die Tarnung) ab, und ist deshalb darunter nackt?

Ja, aber auf einem PC kannst Du das tiktok über den Browser anschauen, ohne Anmeldung, quasi wie auf youtube.

Genau, Odysseus zerreißt seine Lumpen, springt auf den Tisch, und Sekunden später fließen zwei Ströme Blut aus den Nasenlöchern des ersten Freiers, der eben noch seinen Wein geschwenkt hat.

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #170 am: Heute um 13:22 »
Dass Hybris die erste Sünde in Homers Odyssee ist - hier brüllt Odysseus dem geblendeten Zyklopen seinen Namen zu, macht sich Poseidon zum Erzfeind und letztlich gehen deshalb alle Schiffe und Gefährten von Odysseus zugrunde - greift auch Nolan auf.

In aktuellen Interviews wird Nolan darauf angesprochen, und er widerspricht nicht, dass seine Odyssee eine Art Fortsetzung von "Oppenheimer" sei: Zeigt der Film "Oppenheimer" den Weg hin zum Zivilisationsbruch, zur Atombombe, weil Oppenheimer es kann, zeigt die Odyssee, was nach dem Zivilisationsbruch, dem Verrat aufgrund des trojanischen Pferdes, mit dem Verantwortlichen Odysseus und der Gesellschaft geschieht.

Man kann sowohl Homers als auch Nolans Odyssee als Irrungen eines Smartass und seiner Läuterung verstehen, bei Nolan ist das Thema "Schuld und (Versuch der) Sühne" deutlicher.

Kann die Irrfahrt vielleicht so gedeutet werden, dass es sich um die inneren Dämonen von Odysseus gehandelt hat?

Ich denke, man kann schon Homers Odyssee so interpretieren und ja, Nolans Odyssee ebenfalls.

Offline Raven Nash

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #171 am: Heute um 14:22 »
Es gibt eine Verfilmung (aus den 90ern, denke ich), die die diversen Stationen der Odyssee überhaupt als Fieberträume darstellt, in denen Odysseus vor allem mit dem Tod seiner Kameraden klarkommen muss. Und seiner eigenen Hybris, die dafür ausschlaggebend ist.
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Offline Lyonesse

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #172 am: Heute um 16:05 »
Kann die Irrfahrt vielleicht so gedeutet werden, dass es sich um die inneren Dämonen von Odysseus gehandelt hat?
(Dass das Mystische quasi etwsa Psychologisches ist)
Natürlich kann man die Irrfahrt psychologisch interpretieren oder als Fiebertraum des Odysseus o.ä.. Aber textgeschichtlich ist die Irrfahrt der viel ältere Text, der wohl auch mal für sich allein stand. Der Held dieser Geschichte ist vermutlich auch gar nicht Odysseus gewesen. Das trojanische Pferd, die Plünderung Trojas und die Ermordung der Stadtbevölkerung, der Zorn des Poseidon und schließlich die Heimkehr sowie der Kampf mit den Freiern ist eine erst später hinzugedichtete Rahmenhandlung.
Übrigens ist Ithaka auch kein zufällig ausgewählter Ort. Die Insel wurde vermutlich ausgesucht um Odysseus Heimatliebe noch zu unterstreichen, denn auf Ithaka gab es keine Pferdezucht und das bedeutete im antiken Griechenland, die Gegend war so ziemlich das letzte -  da wollte man nicht tot übern Zaun hängen. ;)
« Letzte Änderung: Heute um 17:44 von Lyonesse »

Offline unicum

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Re: [Film] Die Odyssee - Christopher Nolan
« Antwort #173 am: Heute um 16:09 »
Selbst die Erstaufführung der Odyssee war höchstwahrscheinlich nicht historisch korrekt (Kostüme und Theaterwaffen, die sich grob auf Homers Lebzeiten datieren lassen, stellen halt den Stand der Mode/Kriegsführung um 600 v. Chr. dar, nicht den von 1000 v. Chr. oder gar früher).

Ganz allgemein (ich hab den Film ja auch noch nicht gesehen) prägen solche Filme eben auch manchmal die Vorstellung.

Ich verweise nur mal darauf das es unsägliche Schwarz/Weis Filme gab in denen "Ritter" mit Krahn aufs Pferd gehieft wurden weil man eben dachte "so wird das gewesen sein!" - sicher ist das eigentlich besser geworden und die größten Schnitzer werden abgefangen weil man auch in Hollywood nun mal für sowas experten zur rate zieht. Aber manchmal muss es eben nochmal eine Schippe mehr sein.

Klar gehen die wenigsten in Filme wie diesen um "historsiche Korrektheit" zu sehen, aber es würde mich eben nicht wundern wenn einige aus dem Kino kommen und es dann eingebrannt ist wie es zur Zeit in der das Epos spielt ausgesehen hat. Wobei sicherlich nirgends im Film gesagt wird "welche Zeit es denn sein soll?" (oder? heist es irgendwann an einem Dienstag 9:30 1100 bC?)

Aber das ist eben in Zeiten in denen viel über soziale Medien gerlernt wird eben nochmal eine Schippe schlimmer als für ältere Generationen die eben den Homer einfach mal so aus einem Buch gelesen haben, mit Illustrationen auf roten Vasen im Museum dazu oder Bleistiftzeichnungen.