Der Zyklop, und insbesondere seine "Stimme", die ekelhaftest eindrucksvollste Tranformationsmagie der Circe, die seit "American Werwolf" auf der Leinwand lief, und ein eindrucksvoller Hades waren durchaus mythisch. Und der Soundtrack ist auch nicht von dieser Welt. Das Ganze ist nicht grau-blau-dunkel-slow-motion-überzeichnet wie Zack Snyder es immer macht, aber trotzdem mythisch.
Na also so ganz fürchterlich daneben liegt Prisma aber nicht, wenn er Nolan an der Stelle einen Hang zur Entmystifizierung (wie zum Beispiel auch bei Batman) unterstellt, finde ich. Diese Odyssee
kann man zumindest auch als Heimfahrt eines traumatisierten Soldaten deuten und damit als quasi-realistische Umdeutung der Figur mit der Überlegung "Wie könnte die Figur von Odysseus gewesen sein, damit sich so ein Mythos drum entspinnt?". Der Begriff
Mythos ist halt zum Einen geisteswissenschaftlich ausführlich definiert, wird dann aber in der Breitenwahrnehmung ziemlich vage und auf sehr viel unterschiedliche Arten benutzt. Des Einen Mythos kann durchaus des Anderen Dekonstruktion sein. So finde ich zum Beispiel gerade die "trostlos und meh"-Ästhetik der Umgebungen sehr passend für die angestrebte Stimmung und der Soundkulisse... mich hatte das an die stellenweise entrückt-surrealen Kulissen des 2015er Macbeth erinnert.
Auf sowas muss man aber auch Lust haben. Wer da mit der Erwartung einer bildgewaltigen, pompös ausgestatteten Heldenerzählung reingeht wird bitterlich enttäuscht werden. Diese gab es schon und Nolan hatte offensichtlich keine Lust, sich dieser Tradition hinzugeben - und das muss ein legitimer Ansatz für einen Filmschaffenden sein, denn es trägt zur Vielfalt bei, zu unterschiedlichen Blickwinkeln, zu Gesprächen über die eigenen Vorstellungen usw. Wie langweilig,
trostlos und meh wären unsere Medien, wenn man mit einem alten Stoff nicht auf komplett unterschiedliche Arten spielen könnte/dürfe und dieselbe Geschichte immer wieder auf neue Art erzählen?
Gefallen muss nicht jede Variante allen - aber dass dies so ist, ist keinerlei Qualitätskriterium für irgendwas.
Ich persönlich fand den Film zumindest angemessen
episch in seiner Bild- und Tongewalt und auch erzählerisch auf ein gewisse Art "vage" gehalten, als dass er zu Interpretation und Diskussion einlädt. Und das sind für mich alles Eigenschaften, die einen GUTEN Film ausmachen. Zum Mythos hatte ich bisher bis auf gewissen popkulturelle Klischeevorstellungen ansonsten keinen Zugang, habe jetzt aber Lust bekommen, mich mit dem Text genauer zu befassen - und das ist ja auch mal eine positive Wirkung, würde ich meinen
