Ich habe es vor gut einem Jahr angefangen, da war es noch tatsächlich noch sehr "early accees" - wobei man sagen muss, TECHNISCH war das Spiel schon damals super! Außer dass man in bestimmten Randgebieten vereinzelt noch "wegclippen" konnte, sind mir keine Bugs begegnet. Und selbst das war kein Drama, weil man bei Tod (auch selbstinduzierten) wieder in der Base/nächsten Flamme respawned, und das "dropped Item" placement auch schon perfekt funktionierte.
Vor ein paar Monaten habe ich es dann soweit gespielt wie es ging, das war kurz nach der Veröffentlichung des Wasser-Updates.
Das sind schon ca. hundert Stunden reingeflossen, das Spiel ist also auf jeden Fall auch jetzt schon sehr gut spielbar, kohärent und macht Spaß!
Spielerisch ist Enshrouded quasi Zelda - Breath of the Wild mit zusätzlich Basenbau und (simplen) Produktionsketten. Wer also davon träumt Zelda mit Building zu kombinieren, und/oder Zelda Kooperativ zu spielen, für den ist Enshrouded die absolut richtige Wahl.
Gegner und Ressourcen sind level-gebunden in festen Gebieten, die meisten Gebiete sind aber frei erreichbar, d.h. man kann sich von Anfang an weit trauen, höherlevellige Waffen looten - und sehr schnell sterben, oder man tastet sich halt Level für Level weiter raus. Die Ressourcen sind aber via das Schmiedesystem level-gebunden, d.h. es macht auch wenig Sinn, schnell weit raus zu gehen.
Das Produktionssystem ist mit NPC verbunden, die man retten kann, um damit dann sein Dorf zu bevölkern und Produktionssachen freizuschalten.
Es hat ein intuitives Skill-System, mit dem man sich in den drei Bereichen Nahmkampf, Fernkampf und Magiekampf verbessern kann.
Das Spiel spielt sich sehr gut Solo, aber soll wohl als Koop nochmal dazugewinnen.
Wo Enshrouded wirklich schwächelt, und sich damit auch klar negativ von Zelda absetzt, ist das Story-telling - die komplett über Text vermittelt wird, und der World-Impact. Es ist mitnichten so, dass man die Welt "befreit", alle Gegnertypen refreshen permanent, d.h. man kann den gleichen Boss auch mehrmals besiegen (und muss das manchmal auch, um z.B. Rüstungssets zu komplettieren). Es gibt kaum Rätsel, und wenn sind sie sehr banal. Das Skill/Charakter-System lässt auch keine echten/diskreten Builts zu, es gibt also keine Klassen/Archetypen mit exklusiven Skills, nur "Fokus".
Das Bauen ist komplexer aber auch etwas uneleganter als z.B. bei Valheim, aber es ist eher ein "viel" als ein "tief". Man kann zig verschiedene Mahlzeiten kochen, kocht aber eh immer nur die 3-4, die einem den höchsten Boost geben, selbstgebauten Waffen sind meist schlechter als die Boss loots, sobald man Rüstungssets voll hat, sind sie schon wieder obsolet.
Außerdem sind die Kämpfe meistens simpel weil einfach "druff, ausweichen/blocken, druff". - Das ist nicht per se schlecht.Wer vor allem Entdecken, Sammeln und Story vorantreiben will hat vielleicht gar kein Bedürfnis nach Elden Ring Kombos/Taktiken.
Das alles macht das Spiel aber sehr "gamey" und "immer gleich" , und wenig episch/geschichten-erzählend/rollenspielerisch.
ich wurde hauptsächlich durch Exploration und "brauche andere Ressourcen, um mein Dorf hübscher zu bauen" zum Weitermachen motiviert.
Wer das sehr mag, also Welten erkunden mit einem Mix aus Rollenspiel light, intensivem Basenbau, Sachen anfertigen und Sets sammeln, der ist bei Enshrouded sehr gut aufgehoben!
Und unabhängig davon, ob einem das Spielprinzip zusagt oder nicht, muss man einfach mal sagen, wie beeindruckend es ist, was ein kleines deutsches Studio in so kurzer Zeit auf die Beine stellen konnte, wo große Publisher an deutlich weniger breit aufgestellten Spielen regelmäßig versagen! Alleine deswegen ein Versuch wert, auch wenn man "auf der Kippe steht"?