Autor Thema: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens  (Gelesen 199 mal)

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Offline Femenmeister

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Ihr lieben Vaesen-Spielenden,

da ich dieses schöne System jetzt schon eine ganze Weile spiele und es sich für eine meiner Gruppen mittlerweile sogar zum Lieblingsrollenspiel gemausert hat, würde ich mich gerne ein wenig mit euch darüber austauschen - kenne im analogen Leben tatsächlich niemanden, der es sonst noch leitet.

Ich interessiere mich insbesondere für eure „Art“, es zu spielen: Benutzt ihr überwiegend die Vaesen aus dem Buch oder erschafft ihr auch eigene Kreaturen? Spielt ihr hauptsächlich die Kaufabenteuer oder denkt ihr euch eigene Mysterien aus? Gibt es Spielmechanismen, die ihr gar nicht benutzt, oder spielt ihr streng nach Buch?

Ich würde mich über ein paar Antworten und inspirierende Unterhaltungen freuen.

Offline sma

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Re: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens
« Antwort #1 am: Gestern um 22:43 »
Ich hab's ein paar mal geleitet und auch gespielt – sowas ist für meine Verhältnisse als System-ADHSler schon viel.

Geleitet habe ich das Abenteuer aus dem GRW, dann drei aus dem Abenteuerbuch und zwei aus dem England-Buch. Außerdem ein eigenes Abenteuer, das in Lübeck spielte und eigenes Wesen mit lokalem Bezug hatte. Außerdem noch ein paar Ideen einfach so zum Spaß zusammen mit Claude entwickelt. Gespielt habe ich zwei Abenteuer (glaube ich), die in Deutschland spielten und selbst ausgedacht waren.

Aktuell plane ich ein Abenteuer, das im John Sinclair-Stil im England der 1980er Jahre spielen soll.

Was die Regeln angeht, habe ich das nach besten Wissen und Gewissen wie vorgegeben gespielt, allerdings machen wir's meist so, dass man erst nach dem Pushen den Zustand bekommt und daher alle Würfel neu würfeln kann und nicht sofort einen abziehen muss.

Offline Femenmeister

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Re: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens
« Antwort #2 am: Gestern um 23:27 »
Ich hab's ein paar mal geleitet und auch gespielt – sowas ist für meine Verhältnisse als System-ADHSler schon viel.

Geleitet habe ich das Abenteuer aus dem GRW, dann drei aus dem Abenteuerbuch und zwei aus dem England-Buch. Außerdem ein eigenes Abenteuer, das in Lübeck spielte und eigenes Wesen mit lokalem Bezug hatte. Außerdem noch ein paar Ideen einfach so zum Spaß zusammen mit Claude entwickelt. Gespielt habe ich zwei Abenteuer (glaube ich), die in Deutschland spielten und selbst ausgedacht waren.

Aktuell plane ich ein Abenteuer, das im John Sinclair-Stil im England der 1980er Jahre spielen soll.

Was die Regeln angeht, habe ich das nach besten Wissen und Gewissen wie vorgegeben gespielt, allerdings machen wir's meist so, dass man erst nach dem Pushen den Zustand bekommt und daher alle Würfel neu würfeln kann und nicht sofort einen abziehen muss.

Ehrlich gesagt habe ich persönlich noch nie eines der fertigen Abenteuer geleitet. Obwohl ich die Bände immer gern in den Händen gehalten habe, haben mich die Geschichten auf einer ganz subjektiven Ebene nicht angesprochen. Vielleicht passten sie auch einfach nicht zur Geschichte meiner Gruppe (drei Schwestern, die im ersten Abenteuer vom Tod ihres Vaters erfuhren, der der letzte Hüter der geheimen Gesellschaft war und ihnen sozusagen posthum die Weiterführung dieser Aufgabe anbot).

Das mit dem Abenteuer im Jahr 1980 klingt ja spannend. Behältst du trotzdem die Prämisse bei, dass die Vaesen durch den technischen Fortschritt und die Abkehr vom alten Glauben getriggert werden? Wenn ja, was wären die Auswirkungen im Jahr 1980, das diesbezüglich ja noch einmal eine ganz andere Nummer ist als das 19. Jahrhundert?

Was das Strapazieren der Würfe angeht, habt ihr durchaus regelkonform gehandelt: Offiziell kommt der Zustand, den man fürs Strapazieren erhält, erst nach dem erneuten Wurf zum Tragen. Allerdings dürfen nur Würfel neu geworfen werden, die zuvor keinen Erfolg gezeigt haben. Zumindest, wenn man streng nach Buch spielt (was wir allerdings auch nicht tun).

Offline sma

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Re: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens
« Antwort #3 am: Heute um 00:07 »
Das mit dem Abenteuer im Jahr 1980 klingt ja spannend. Behältst du trotzdem die Prämisse bei, dass die Vaesen durch den technischen Fortschritt und die Abkehr vom alten Glauben getriggert werden?
Habe ich mir ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken gemacht, aber jetzt wo du fragst: Nein. In meinem Abenteuer sind die Menschen die Bösen, weil sie die Kräfte einsetzen, die durch Aberglaube und Unwissen entstanden sind. Die Wesen sind eigentlich Opfer. Aber dem John Sinclair-Stil folgend, gibt es das Böse, das bekämpft werden muss. Es nimmt aber den Menschen nicht aus der Verantwortung, weil es seine Entscheidung war, sich auf Magie, Lüge und Aberglaube einzulassen.

Zitat
Wenn ja, was wären die Auswirkungen im Jahr 1980, das diesbezüglich ja noch einmal eine ganz andere Nummer ist als das 19. Jahrhundert?
Gute Frage. Ich persönlich bin kein Fan von der "früher war alles besser" Idee und halte den gerne beschworenen "alten Glauben" für eine moderne erfundene Esoterik, die genau so der Neuzeit zuzuordnen ist, wie die Technologie. Im realen Schweden waren die im 19. Jahrhundert schon seit 800 Jahren christianisiert und das zumeist auch gerne, weil dieser Glaube für den einfachen Bauern viel attraktiver war.

Was aber für mich funktionieren könnte: Anfang der 1980er begann das Computerzeitalter und dank BBC Micro kamen damit Millionen Schüler in Kontakt. Zudem schmeichelte es der patriotischen englischen Seele natürlich, mit dem XZ Spektrum und dem Amstrad CPC (und den weniger bekannten Dragon und Oric Computern) englische Computer zu haben. Dass der Spektrum von Clive Sinclair erfunden wurde, kann kein Zufall gewesen sein, sicherlich ist er mit dem Dämonenjäger John Sinclair verwandt. Computer zu benutzen erschafft Maschinengeister, die mächtigsten natürlich, wenn man Maschinensprache benutzt, die schwächsten, wenn man einfach nur ein Spiel spielt, und diese helfen im Kampf gegen Wesen, geboren aus dem Irrglauben, den Ängsten und Alpträumen von Menschen, allgemein Dämonen genannt.

Zitat
Was das Strapazieren der Würfe angeht, habt ihr durchaus regelkonform gehandelt
Stimmt. Hatte ich jetzt auch noch mal nachgelesen :)  Verschiedene YZE-Systeme sind ähnlich, aber nicht gleich. Das verschwimmt dann immer ein bisschen. Bei Tales from the Loop heißt es "When you push a roll, you must first check a Condition. Choose any Condition that you feel fits the story. Then you reroll all the dice except those showing sixes." und das kann man so oder so interpretieren. Bei Vaesen ist's eindeutig.

Offline Horsinand

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Re: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens
« Antwort #4 am: Heute um 00:23 »
Gerade erst mit dem Einsteigerset angefangen. Ich habe vor, nur Kaufabenteuer zu spielen. Diejenigen, die ich gelesen habe, fand ich auch gut.

Regelseitig sind wir gerade auf Einsteigerset-Niveau, werden das aber auf GRW-Niveau anheben (was wahrscheinlich kein großer Sprung ist).

Mal schauen, wie sich das System über die Zeit anfühlt.

Offline Kurna

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Re: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens
« Antwort #5 am: Heute um 00:58 »
Falls diese Erfahrung für dich auch von Interesse ist, ich habe ein paar Vaesen-Abenteuer für meine Abenteuer 1880-Runden benutzt (1x das Abenteuer aus dem GRW, 2x Ein gottloses Geheimnis). Insofern nutze ich die Regeln gar nicht und habe auch den Hintergrund wo nötig angepasst. Insgesamt mag ich die Abenteuer und werde vermutlich zukünftig noch mehr einsetzen.
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Offline Raven Nash

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Re: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens
« Antwort #6 am: Heute um 07:36 »
Vaesen ist das einzige RPG, bei dem ich ausschließlich Kaufabenteuer leite. Warum? Weil mir einfach weder zu Zeit noch zu Thema selbst was einfällt.
Außerdem ist die Struktur der Abenteuer so weit von dem entfernt, was ich sonst leite, dass ich das einfach so nicht in meinen Schädel kriege.
So wie die Abenteuer aufbereitet sind, funktioniert es aber sehr gut. Demnach meine Gruppe auf Charakterspiel ohnehin keinen besonderen Wert legt, erspare ich ihnen auch irgendwelche Abende am Kamin im Schloss.
So haben wir bisher jedes Abenteuer in einer oder zwei Sessions durch gehabt.

Demnach die Dragonbane-Kampagne gestern zu Ende ging, kommt jetzt wieder Vaesen auf den Tisch, diesmal in England.
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Vergangene: Runequest, Cthulhu, Ubiquity, FFG StarWars, The One Ring, 5e, SotDL, LevelUp! A5e, Vaesen
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Offline Femenmeister

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Re: [Vaesen] Austausch über die Art des Spielens
« Antwort #7 am: Heute um 10:16 »
Habe ich mir ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken gemacht, aber jetzt wo du fragst: Nein. In meinem Abenteuer sind die Menschen die Bösen, weil sie die Kräfte einsetzen, die durch Aberglaube und Unwissen entstanden sind. Die Wesen sind eigentlich Opfer. Aber dem John Sinclair-Stil folgend, gibt es das Böse, das bekämpft werden muss. Es nimmt aber den Menschen nicht aus der Verantwortung, weil es seine Entscheidung war, sich auf Magie, Lüge und Aberglaube einzulassen.

Finde ich stimmig. Bei mir ist es meistens so, dass menschliche Schuld und menschliches Handeln das existierende Übernatürliche verschärfen. Das große Übel entsteht, wenn Menschen böse agieren und dadurch Vaesen auf den Plan rufen oder sich ihrer bedienen - die Vaesen selbst fackeln dann allerdings auch nicht lange.

Die John-Sinclair-Idee finde ich auf jeden Fall sehr interessant. Vaesen wäre ein System gewesen, bei dem ich zunächst nicht darauf gekommen wäre, einen größeren Zeitsprung im Setting zu machen, aber warum eigentlich nicht?
Ich habe mich letztens auf einer Feier mit einer Schwedin unterhalten, und irgendwie sind wir dabei auf das Thema Aberglauben und nordische Wesen gekommen. Sie stellte die Theorie auf, dass in skandinavischen Ländern viele Menschen noch immer eine gewisse Affinität dazu haben. Das hat meine Fantasie direkt auf Reisen geschickt, und ich habe kurz darüber nachgedacht, wo und in welchem Kontext so etwas wie der Nöck wohl in unserer heutigen Zeit auftreten könnte.

Falls diese Erfahrung für dich auch von Interesse ist, ich habe ein paar Vaesen-Abenteuer für meine Abenteuer 1880-Runden benutzt (1x das Abenteuer aus dem GRW, 2x Ein gottloses Geheimnis). Insofern nutze ich die Regeln gar nicht und habe auch den Hintergrund wo nötig angepasst. Insgesamt mag ich die Abenteuer und werde vermutlich zukünftig noch mehr einsetzen.

Auch eine spannende Idee. Ich denke, wenn man sich hauptsächlich für das Setting interessiert, erlaubt es einem, es ohne viel Federlesen in ein anderes Regelwerk zu übertragen. Ich kenne jemanden, der die Kreaturen des Nordens jetzt im TinyD6 System jagt.

Gerade erst mit dem Einsteigerset angefangen. Ich habe vor, nur Kaufabenteuer zu spielen. Diejenigen, die ich gelesen habe, fand ich auch gut.

Regelseitig sind wir gerade auf Einsteigerset-Niveau, werden das aber auf GRW-Niveau anheben (was wahrscheinlich kein großer Sprung ist).

Mal schauen, wie sich das System über die Zeit anfühlt.

Dann wünsche ich euch viel Spaß damit! Und ja, der Wechsel zum GRW sollte kein Problem sein. Die Regeln sind zwar nicht im eigentlichen Sinne modular gelistet, aber es ist leicht möglich, stufenweise Dinge hinzuzunehmen oder wegzulassen. Und Quantenphysik ist die ganze Year Zero Engine ja ohnehin nicht.

Vaesen ist das einzige RPG, bei dem ich ausschließlich Kaufabenteuer leite. Warum? Weil mir einfach weder zu Zeit noch zu Thema selbst was einfällt.
Außerdem ist die Struktur der Abenteuer so weit von dem entfernt, was ich sonst leite, dass ich das einfach so nicht in meinen Schädel kriege.
So wie die Abenteuer aufbereitet sind, funktioniert es aber sehr gut. Demnach meine Gruppe auf Charakterspiel ohnehin keinen besonderen Wert legt, erspare ich ihnen auch irgendwelche Abende am Kamin im Schloss.
So haben wir bisher jedes Abenteuer in einer oder zwei Sessions durch gehabt.

Interessanterweise ist Vaesen das erste System gewesen, bei dem eine bestimmte Gruppe von mir plötzlich total auf die „Abende-am-Kamin“-Szenen abfährt. Vermutlich erleichtern ihnen das Setting, das stärker in unserem Realismus verankert ist als z. B. klassische Fantasy, und die Zeit, die näher an unserer eigenen liegt, den Zugang.
Unter anderem haben sie im Laufe der Abenteuer verschiedene NSCs "adoptiert" und sie in die Gyllenkreutzstraße einziehen lassen. Auf diese Weise haben sie das Hauptuartier sehr zu "ihrem" Ort gemacht, was schöne Szenen erlaubt.

Verstehe aber auch, wenn das nicht jedermanns Sache ist. Teilweise stellt es mich auch vor Herausforderungen, was Ablauf und Zeitmanagement angeht. Mein Anspruch ist normalerweise, ein Mysterium - ähnlich wie bei euch - in ein oder zwei Sessions abzuschließen (wir kommen einfach so selten zusammen und eine Zerhackstückelung ist mir gerade bei Ermittlungsabenteuern ein Graus). Wenn dann zu viel am Kamin gesessen wird, komme ich manchmal ins Schwitzen, allerdings nicht wegen des Feuers.  ;)

Was die Einfälle zu Mysterien angeht: da habe ich teilweise schon hemmungs- und gewissenlos bei Witcher 3 Sidequest geklaut...  ;D Diese folkloristischen Viecher, die dort überall herumwuseln, schienen mir teilweise unglaublich passend.