Autor Thema: [Savage Worlds | Ironsworn] Age of the Round  (Gelesen 770 mal)

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Offline Schalter

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Re: [Savage Worlds | Ironsworn] Age of the Round
« Antwort #25 am: Gestern um 18:44 »
Wie geht’s nach dieser Niederlage weiter? Da wollen wir doch mal einen Orakelspruch einholen: Advance Strategy, sagen die Würfel. Offensichtlich ist die Schlacht um das Tal verloren, ehe die Wild Cards so richtig viel davon mitbekommen haben. Der Dunkle Herrscher kann seine Strategie weiterführen. Vorerst bleibt da nur Absichern des Schlachtfelds:

Abermals ist Hufdonner zu hören, und das Wiehern von Pferden mit merkwürdigen Stimmen, zu tief, etwas zu kratzig.
„Jetzt ist’s aus für die Truppen vom König!“, raunt der letzte Rebellen-Kampfgefährte Fearghus zu, „Hörst Du das? Das sind seine Reitereien!“
Beide Männer erbleichen bei dem Klang, der die Nacht durchdringt. Die Echos klingen leicht verzerrt, wie der Hufschlag der Verdammten.

Bewegen die Reiter sich unter Fearghus‘ Position hindurch? Die Orakelwürfel bejahen!

Schwarzgekleidete in wehenden, zerschlissenen Kapuzenmänteln preschen durch das fahle Mondlicht. Es sind nur zwei, gefolgt von einem Dritten mit etwas Abstand, aber ihre Hornsignale lassen darauf schließen, dass sie sich mit noch mehr von ihrer Zahl koordinieren im Finsteren. Sicherlich sind das die Anführer!



Fearghus bekommt einen der schwarzen Reiter zu Gesicht


Fearghus hebt mit letzter Konzentration den Bogen. Wenn sie den Überfall diesen Reitern zu verdanken haben, dann gebührt denen noch ein Denkzettel. Er verdrängt den hämmernden Schmerz der von seiner Halswunde ausgeht noch ein paar Sekunden lang, und schickt dem Nachzügler der drei Reiter trotzig einen Pfeil entgegen. Mit einem Wundabzug von -3 womöglich sinnlos, aber ein Fearghus Gaeldain ist nun einmal stur! Dies ist seine einzige Chance, einen Treffer zu landen! Und was soll man sagen? Sein Shooting-W10 explodiert viermal in Folge! Nach Abzügen eine glatte 40 als Wurfresultat! (… 40!!) Sein Pfeil gleitet sirrend durch die Nacht, und trifft den Vermummten mit tödlicher Zielgenauigkeit! Mehr als 3W6 kann er mit seinem Kurzbogen jedoch nicht zusammen bekommen, egal, wie viele Raises er erzielt. Diese 3W6 ergeben eine 10 als Schadensergebnis.

Mit einem hohen Kreischton sieht der Reiter sich um, bedrohlich, der Pfeil ragt ihm aus der Kapuze, als sei dort drunter gar kein Gesicht! Der Schwarzgekleidete gibt seinem Ross die Sporen, und galoppiert den anderen nach …

Bei diesem grotesken Anblick schwinden dem Bogenschützen die Sinne endgültig ...


Wie finden sich die beiden Wild Cards denn gegenseitig wieder? Das Orakel spricht: Uphold Community. Jemand hält demnach die Gemeinschaft aufrecht. Das klingt jedenfalls so, als würden sie dringend benötigte Hilfe bekommen. Und offensichtlich aus unerwarteter Richtung! Machen wir das dann vielleicht mal so:

Fearghus Gaeldain riecht Blut und nassen Schlamm, und schlägt die Augen auf. Jemand, der bis eben über ihn gebeugt war, erhebt sich gerade, und entfernt sich wortlos. Er betastet die Bisswunde von den scharfen Zähnen der Kreatur an seinem Hals: Sie schmerzt heftig, aber scheint sauber verbunden worden zu sein. Er sieht sich benommen um. Eine ganze Handvoll von Verletzter liegt hier auf dem matschigen Boden, unter anderem sieht er den Ulba-Jungen. Der ist ebenfalls bandagiert worden, aber er ist noch bewußtlos.
„Wo bin ich …!“, bringt Fearghus mit rauer Stimme hervor.
Niemand hat es jedoch sonderlich eilig, ihm zu antworten. Vorsichtig richtet er sich auf: Dies scheint ein improvisiertes Auffanglager für Verletzte zu sein … für verletzte Gefangene.
„Liegen bleiben!“, herrscht ihn eine alte Frau an, als sie sich wieder nähert. Sie ist behängt mit vielen kleinen, druidischen Talismanen, und sieht aus wie eine von den Wildnis-Glâns. Das lässt Fearghus innerlich etwas aufatmen. Dann jedoch erkennt er die Farben und Muster ihrer grob gewebten Kleider: Die Alte trägt die Farben der Caeldir.
„Du bist eine aus dem Gefolge der Raubritter-Glâns!“
„Was geht’s Dich an, Du bedauerliches Etwas?“, murrt sie, „Soll ich Dir lieber nicht helfen? Oder soll ich Dir den vorlauten Kopf abhauen, sobald Du wieder eingedämmert bist, hm?“
„Euch Caeldir kennt man nicht für Freundschaft unter Kelten, oder auch für die sogenannte christliche Nächstenliebe …“
„Belehre mich nicht, Jungchen. So sieht’s nun mal aus: Es ist Krieg, und Du bist auf der Seite der Geschlagenen. So sieht’s aus, ja.“
„Was habt Ihr vor, mit uns zu tun?“, knurrt Fearghus, „Da draußen gehen Schatten und Groggoch um! Hast Du sie etwa nicht gesehen?“
„Hab‘ keine Angst, dass wir Euch jetzt an die verfüttern! Nein, nein, tun wir schon nicht. Wir wissen Besseres mit Euch anzustellen.“
„Höre mich, Frau: Ich verlange meine Freilassung. Seid Ihr Gegner des Königs, so müssen wir keine Gegner sein.“
„Ach, wertloses Geschwätz! Schlaf‘ weiter, damit Du wieder halbwegs zu Kräften kommst. Wir brauchen Euch lebend, da seid Ihr wertvoll. Und komme ja nicht auf den Gedanken, zu fliehen! Treue Diener der Caeldir stehen vor diesem Zelt Wache, und überall in den Straßen.“
Die Alte überprüft die Bandagen einiger der besinnungslosen Gefangenen, dann hatscht sie nach draußen. Nicht, ohne Fearghus noch einen grimmigen Blick zugeworfen zu haben: Es ist ihr ernst.

Hat das Verarzten den beiden Wild Cards Wundlevel abgezogen? Ich würfle mal Healing für die NSCs, und ja, beide verlieren eins ihrer Wundlevel. Amberlain ist dadurch verbessert auf eins, und Fearghus auf zwei.

Wenig später regt sich Amberlain Ulba.
„Wo … bin ich …“, entringt sich seiner Kehle.
Fearghus bedenkt ihn mit einem abfälligen Seitenblick.
Schlagartig fährt der Junge auf: „Die Groggoch …!“
„Die sind schon weiter getobt, Kleiner!“, knurrt Fearghus.
Amberlain sinkt schmerzerfüllt nach dieser hastigen Bewegung wieder in sich zusammen. Desorientiert sieht er sich um.
„Wir sind offensichtlich in Kriegsgefangenschaft geraten“, sagt Fearghus dumpf, „Das Zelt ist von Wachen der Caeldir umstellt.“
„Groggoch … Murblins …!“, ächzt der Aufgewachte wahnhaft, „Die Schrecken von Múrgaur … Gott steh‘ uns bei …“
Fearghus verdreht die Augen bei Nennung des Namens, „Der Wüste Gott hilft Dir nicht. Nicht mehr, nicht hier an diesem Ort. Du kannst genauso gut lassen, ihn anzurufen. Denn dann erntest Du nicht meine Abscheu, Bube.“
Amberlain sieht Fearghus zum ersten Mal genauer an, sprachlos.
„Was hat man mit uns vor?“, sagt er schließlich, mit bebender Stimme.
„Was denkst denn Du, Ulba? Verschleppen werden die uns, um uns versteckt zu halten. So lange, bis unsere Glâns ein Lösegeld für unsere Herausgabe zahlen! Das ist eine der beliebtesten Schandtaten bei den Caeldir!“
„Was machen die Caeldir denn hier?“, wispert Amberlain, „Wir hatten es doch vorhin mit was ganz anderem zu tun! Es waren leibhaftige Groggoch, die die Reiterei von Glân Dundwaine zerschmettert haben! Und dann als nächstes … mein Regiment … Und wer bist Du überhaupt? Du warst doch … warst Du nicht vor ein paar Tagen zugegen im Dorfe Cullwy …?“
„Sei‘ still. Du redest zu viel.“
„Bist Du ein Gottloser …?! So wie Ceddruich der Druide!“
„Du hast Ceddruich getroffen?“
„Du kennst ihn also!“
„Du redest zu viel.“
„Ihr seid von Glâns, die sich hier draußen in der Wildnis vor dem Herrgott verstecken! Aber was hat das alles zu bedeuten? Wie passt das zusammen: Euer Hiersein, die Raubritter, und auch noch … Schatten … aus der anderen Welt?“
„Dein Verstand ist schärfer, als Dein Milchgesicht verrät, Herr Ulba! So scharf womöglich, dass Du Dich noch daran schneiden könntest, also sieh‘ Dich vor.“
„Du bist auch verwundet worden während der Schlacht! Warst Du auch im Kampf mit den Monstern? Kommt daher diese Halswunde?“
„Ja, ja. Ein Murblin-Biss ...“
„Also habt Ihr versucht, uns Soldaten im letzten Moment gegen den Ansturm zu helfen?“
„… Hat jedenfalls nicht viel genützt. Deine Mitkämpfer sind weggewischt worden wie Strohfiguren.“
Amberlain legt sich die Hände vor die Augen.
„Heul‘ jetzt nicht rum. Bewahr‘ besser Deine Nerven, die wirst Du noch brauchen.“
„Was tun wir jetzt?“, flüstert der Junge.
Wir tun gar nichts. Du bist auf Dich gestellt. Die werden Dir schon nicht Dein Hälschen umdrehen, Bube. Nicht jedenfalls, wenn Dein Glân zahlt! Und die Ulba haben noch einiges Geld, das weiß man.“
„Woher weißt Du …“
„Dass Du ein Ulba bist? Hah. Die Pausbacken, und die Haare! Ich kenne die Provinz-Glâns.“
„Wer bist Du? Warum sagst Du, ich sei auf mich allein gestellt? Wir sind doch nicht allein …“
„Ich haue hier ab. Ich bin der beste Schleicher weit und breit. Die sind Narren, wenn sie glauben, dass sie mich halten können.“
„Aber doch nicht auf eigene Faust! Warum sollten wir uns nicht gegenseitig helfen!“, zischt Amberlain leise, „Und die anderen hier …? Was ist mit denen?“
„Die anderen sind noch viel schlimmer zugerichtet als wir, die überstehen eine Flucht nicht“, flüstert der Waldläufer, „Und Dir helfen? Rufe Du doch nach Deinem Herrn Pfarrer, wenn ich fort bin!“
„Aber …“
„Kein Wort mehr! Wir haben schon viel zu viel geredet!“
Amberlain mustert Fearghus, verzweifelt und ängstlich.
„… Alleine gehst Du nirgendwo hin! Deine Wunden sind schwerer als meine!“, raunt er schließlich.
„Scheißdreck.“
„Doch, Du kannst zugeben, dass ich recht habe! Du kommst hier nicht alleine weg! Nicht, wenn ich Dich nicht stütze! Von wegen, bester Schleicher weit und breit, Du hast ja kaum Farbe im Gesicht.“
„Ich sagte doch, ich will nichts mehr hören von Dir!“
„Warum verachtest Du mich so? So sehr, dass Du Dich eher von Armbrustbolzen spicken lassen würdest, als meine Hilfe anzunehmen?! Das ist Torheit!“
Fearghus funkelt den Jungen wütend an.
Sie schweigen beide, und lauschen auf die gedämpften Stimmen vor dem Zelt. Für Fearghus klingt es, als käme Bewegung in die Schergen der Raubritter. Vielleicht machen sie einen Wachwechsel, oder sie haben neue Befehle von ihren Glâns bekommen …