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Solarpunk - what do the Characters do?

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nobody@home:

--- Zitat von: GIR am 30.03.2026 | 09:27 ---Ich sehe zwei Möglichkeiten für Abenteuer:

Die externe Bedrohung
Das kann alles sein, was die vermeintliche Utopie stört. Naturkatastrophen, Seuchen, Kreaturen, rivalisierende Kommunen.
Die Charaktere sind also eine Art Troubleshooter, die für den Forbestand der utopischen Gesellschaft kämpfen.

Die interne Bedrohung
Das funktionier nur, wenn die Utopie nicht perfekt ist. Dann können die Charaktere die Schattenseiten aufdecken. Soylent Green ist hier ein nettes Beispiel. Oder Equilibrium. Selbst 1984 ist (aus sicht der herrschenden Klasse) eine Utopie: Keine Arbeitslosigkeit, keine Armut, ...
Da ist also genug Spannungspotential da, um als ausgebeuteter Arbeiter in der Solarzellenfabrik gegen "die da oben" aufzubegehren

Viele Utopien haben auch faschistoide oder darwinistische Tendenzen. Was also, wenn man nicht zu den Reichen und Schönen gehört, die in grünen Arcologies leben und nachhaltige Bioprodukte verspeisen? Wenn man (aus welchem Grund auch immer) zu den Ausgestoßenen gehört, die keinen Zugriff auf die Technologie haben und sich mit einem alten Dieselgenerator über Wasser halten (was sie wiederum zum Ziel macht, da sie ja die Umwelt verschmutzen).

Nur, weil es oberflächlich eine Utopie zu sein scheint, heisst das ja nicht, dass es keine Konflikte geben kann.
Auch im wahren Leben hat sich bisher jede selbsterklärte utopische Gesellschaft selbst zerlegt, sei es der Sozialismus oder der Gottesstaat oder wer auch immer meinte, die eine wahre Gesellschaftsform gefunden zu haben.

--- Ende Zitat ---

Na ja, im Sinne von "Alle SF schreibt nur noch Dystopien und Solarpunk ist Punk, weil es dagegen aufbegehrt" wäre "Höhö, machen wir aus dem Setting halt doch bloß wieder eine Dystopie mit dünner Tünche..." natürlich systematisch in die falsche Richtung gedacht. Damit würde ich also schon mal ausdrücklich nicht arbeiten wollen. :)

(Außerdem läßt sich natürlich jedem "In Utopien gibt's nichts mehr zu abenteuern!" ein "In hinreichend dystopischen Welten gibt's doch nichts mehr, wofür einzutreten sich überhaupt noch lohnt!" entgegenhalten.)

Aber wie schon gesagt: allein davon, daß sich die Welt und vielleicht auch die Gesellschaft mal konkret ein bißchen verbessert hat, muß ja von Perfektion noch lange nicht die Rede sein -- speziell der Mensch an sich wird da immer noch weitgehend sein wie du und ich, wenn auch im Schnitt vielleicht ein bißchen an- und selbständiger erzogen und sozialisiert als heute. Unter anderem das Problem, daß nicht jeder, der es gut meint, am Ende auch tatsächlich Gutes tut, werden auch die meisten Solarpunk-Gesellschaften mit recht guter Sicherheit noch nicht los.

WeepingElf:

--- Zitat von: Waldviech am 30.03.2026 | 08:24 ---Vielleicht kann der Gedanke helfen, dass das Genre "Solarpunk" bislang, als relativ junges Genre, nur wenig mehr tut als die Rahmenbedingungen der verwendeten Technologie abzustecken und dem Setting eine Art "Grundstimmung" zu verpassen:

- Die technische Zivilisation, die existiert, basiert auf nachhaltigen Quellen (ich beschränke das absichtlich nicht nur auf die Solarzelle) und die Folgen heutiger Umweltprobleme haben sich als lösbar erwiesen oder man hat sich in einer Art und Weise mit ihnen arrangieren können, dass die Zukunft in der das Setting spielt, eine lebenswerte ist.
- Die Gesellschaft, die abgebildet ist, ist ebenfalls eine in weiten Teilen eher nette.

Das wars. Darüber hinaus ist "Solarpunk" ja irgendwie eher schwammig. Alles andere hängt davon ab, wie der Rest des Settings um diese beiden Grundpfeiler herum aufgebaut ist. Die pulsierende, grüne Megametropole einer Solarsatteliten betreibenden Raumfahrergesellschaft bietet völlig andere Abenteuermöglichkeiten als eine Agrargesellschaft, die sich nach der Apokalypse mit Hilfe von Windrädern und Solarzellen von "Mad Max" zu "Unsere kleine Farm" gerettet hat.

--- Ende Zitat ---

Genau! Das sind die Rahmenbedingungen; alles andere ist noch im Fluss - wie gesagt, das Genre ist noch sehr jung, und einen "Kanon" gibt es noch nicht.


--- Zitat von: nobody@home am 30.03.2026 | 10:18 ---Na ja, im Sinne von "Alle SF schreibt nur noch Dystopien und Solarpunk ist Punk, weil es dagegen aufbegehrt" wäre "Höhö, machen wir aus dem Setting halt doch bloß wieder eine Dystopie mit dünner Tünche..." natürlich systematisch in die falsche Richtung gedacht. Damit würde ich also schon mal ausdrücklich nicht arbeiten wollen. :)

(Außerdem läßt sich natürlich jedem "In Utopien gibt's nichts mehr zu abenteuern!" ein "In hinreichend dystopischen Welten gibt's doch nichts mehr, wofür einzutreten sich überhaupt noch lohnt!" entgegenhalten.)

Aber wie schon gesagt: allein davon, daß sich die Welt und vielleicht auch die Gesellschaft mal konkret ein bißchen verbessert hat, muß ja von Perfektion noch lange nicht die Rede sein -- speziell der Mensch an sich wird da immer noch weitgehend sein wie du und ich, wenn auch im Schnitt vielleicht ein bißchen an- und selbständiger erzogen und sozialisiert als heute. Unter anderem das Problem, daß nicht jeder, der es gut meint, am Ende auch tatsächlich Gutes tut, werden auch die meisten Solarpunk-Gesellschaften mit recht guter Sicherheit noch nicht los.

--- Ende Zitat ---

Eben! Die perfekte Gesellschaft wird es nie geben, weil Menschen nun mal Menschen und keine Engel sind, und unterschiedliche Vorstellungen von "Glück" haben. Insofern wird es auch in einer Gesellschaft, die Nachhaltigkeit erreicht hat, Raum für Abenteuer geben.

Waldviech:

--- Zitat ---Aber wie schon gesagt: allein davon, daß sich die Welt und vielleicht auch die Gesellschaft mal konkret ein bißchen verbessert hat, muß ja von Perfektion noch lange nicht die Rede sein -- speziell der Mensch an sich wird da immer noch weitgehend sein wie du und ich, wenn auch im Schnitt vielleicht ein bißchen an- und selbständiger erzogen und sozialisiert als heute. Unter anderem das Problem, daß nicht jeder, der es gut meint, am Ende auch tatsächlich Gutes tut, werden auch die meisten Solarpunk-Gesellschaften mit recht guter Sicherheit noch nicht los.
--- Ende Zitat ---

Danke! Ich denke, dem ist wenig hinzuzufügen. Man darf halt nicht in so eine Falle tappen, die Dinge nur aus Extremen heraus zu betrachten. Star Trek wird beispielsweise keine Dystopie, nur weil es auf Deep Space 9 noch Taschendiebe gibt. (Und umgekehrt kriegt 1984 keine utopischen Züge, nur weil der Parteiführung die Zigarrenvorräte nicht ausgehen.. ~;D)

Gorilla:

--- Zitat von: Wonko am 30.03.2026 | 00:37 ---Ich glaube, warum ihr euch gerade so schwer tut, liegt nicht an Solarpunk (von dem ich übrigens immer noch nicht verstehe, was es eigentlich ist), sondern eher daran, dass es wirklich schwierig ist, einen Plot zu definieren, der nur in einem bestimmten Setting funktioniert. Ich glaube, man muss einigermaßen konkret werden, so wie


--- Zitat ---Man denke sich z.B. eine große Naturkatastrophe: Vulkane brechen aus, Aerosole trüben die Atmosphäre, es wird auf dem ganzen Globus kälter, viele Talsperren sind durch Erdbeben zerstört worden und ausgerechnet jetzt liefern die Solarzellen und Sonnenkollektoren nicht genug Energie.
--- Ende Zitat ---

Dann erst versteht man, was dieses Setting jetzt eigentlich besonders macht.

--- Ende Zitat ---

Ich glaube, ich verstehe, was du meinst. Aber dieses Beispiel ist ja nicht wirklich konkret, sondern lediglich der Anstrich. Der Plot lässt sich 1:1 so bespielen, wenn statt Solarzellen die magischen Energiekristalle versagen.


--- Zitat von: nobody@home am 30.03.2026 | 00:48 ---Ich erinnere mich gerade an Shakespeares berühmtes Spätwerk "Der König der Löwen"...okay, für diese Nacht reicht's. ;)

--- Ende Zitat ---
Das ist doch ein hervorragendes Beispiel.
Der Plot von König der Löwen ist: Bösewicht tötet Anführer. Sohn des Anführers erfährt diese Wahrheit. Sohn zieht Bösewicht zur Rechenschaft.
Maximal banaler Plot.
Richtig geiles und bewegendes Drama wird es dann mit viel Schmalz und Spaß, mit witzigen NPC. Ein Knaller wird es indem es in ein ganz konkretes Setting mit anthropomorphizierten Tieren übersetzt wird.

Bösewicht tötet Anführer. Sohn des Anführers erfährt diese Wahrheit. Sohn zieht Bösewicht zur Rechenschaft.
Diesen Plot kann ich auch in ein Solarpunk-Setting setzen. Und dann gilt es das Abenteuer um diesen Plot so auszugestalten, dass das Setting eine relevante Rolle spielt. Das ist dann die konkrete Geschichte, mit der wir diesen Plot umsetzen - und die konkrete Geschichte ist sehr spezifisch und absolut geprägt vom Setting (sollte es zumindest sein).

Genau dieses Ausgestalten einer konkreten Geschichte rund um die immer gleichen Plots vollziehen wir eigentlich jedes Mal, wenn wir TTRPG spielen. Warum sollte es bei einer Solarpunk-Setting anders sein?

Gorilla:
Ich greife ein Beispiel von mir noch einmal auf:


--- Zitat von: Gorilla am 29.03.2026 | 23:01 ---Plot ist:
Die Heimat von X ist bedroht von Y. X erfährt, dass die Lösung Z lautet. Auf der Suche nach Z findet X Mitstreiter und stößt auf Gegner. Schlussendlich erlangt X Z und rettet seine Heimat.

--- Ende Zitat ---

Ein Solarpunk-Abenteuer wird jetzt daraus, wenn für die Variablen entsprechend passende Elemente eingesetzt werden:

1) X
- kann sein: Der Solarpark-Ingenieur, der für eine ganze Region verantwortlich ist; die Meteorologin, die die Wolkenbewegungen vorhersagt, um die Auslastung von Solarpanelen zu optimieren; die Tierärztin, die sich um die Tiere kümmert, die unter den riesigen Solarpanelen weiden; etc.

- darf nicht sein: Die elfische Hochmagierin auf der Suche nach einem legendären Artefakt; der Streetsam auf Rachefeldzug; die orkische Barbarin auf Läuterungsquest

2) Y
- kann sein: ein nie dagewesener Sonnenwind, der die Elektronik der Solaranlage dauerhaft beschädigen könnte; ein militärischer Konflikt in der Nähe; ein Erdbeben, das einen Weiterbetrieb der Anlagen unmöglich machen könnte; eine Gruppe Verrückter Fossiljünger, die einfach nur Alles vernichten wollen, weil ihr Kult von ihnen verlangt, möglichst viele tote Dinosaurier zu verbrennen

- darf nicht sein: eine nomadische Goblinhorde angeführt von Lot-Har, dem Doppelkopfoger; eine wiederkehrende magische Erscheinung, die in alten Legenden angekündigt wird; der machtgierige Nekromant Zom Bieg, der alle Menschen der Region in untote Sklaven verwandeln will

Das lässt sich dann für alle Variable so durchdeklinieren, dann hat man die konkrete Geschichte.
Gleicher Plot. Und unterschiedlichste Geschichten, die genau so nur in der jeweiligen Spielwelt funktionieren.

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