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Solarpunk - what do the Characters do?

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WeepingElf:

--- Zitat von: Gorilla am 30.03.2026 | 14:15 ---Bei den Beispielen stimme ich dir völlig zu: Das sind ausdrückliche Utopien.

Gleichzeitig ist es insbesondere in der SciFi-Literatur sehr oft so, dass hinter den Kulissen der utopischen Gesellschaft nur eine dünne Decke von einer Dystopie trennt und sich das oft auch schon zeigt.
Utopie/Dystopie ist ja keine Dichotomie, das ist ein Kontinuum.
Um es mit Hannah Arendt zu sagen: Jede Ideologie kann sich in eine Tyrannei verwandeln (lassen).
Was für die Einen Utopie ist, ist für die Anderen Dystopie. (Um es an einem besonders plakativen Beispiel der Geschichte festzumachen: Die Nazis hielten ihr Gesellschaftsmodell für eine Utopie.)
Ein gelöstes Problem bedeutet nicht zwangsläufig, dass alle Probleme gelöst sind.

--- Ende Zitat ---

Ja - des einen Utopie ist des anderen Dystopie. So finde ich beispielsweise Thomas Morus' Utopia nicht sonderlich attraktiv. Ich will nicht sagen, Dystopie, aber die dort geschilderte Gesellschaft kommt mir kalt und starr vor. Ein wenig wie der "real existierende Sozialismus", der ein besseres Beispiel als das Naziregime ist dafür, wie eine gut gemeinte Utopie in eine finstere Dystopie umschlagen kann. In der Science Fiction sind auch Geschichten beliebt, wo die geschilderte Gesellschaft auf dem ersten Blick utopisch zu sein scheint, sich aber hinter der schicken Fassade tiefe Abgründe verbergen, es sich also in Wahrheit um eine Dystopie handelt.


--- Zitat von: Gorilla am 30.03.2026 | 14:15 ---Auch in einem Solarpunk-Setting, in dem grundsätzlich eine positive(re) Stimmung herrscht, die (heute) drängenden Probleme der nächsten Zukunft gelöst sind, bestehen sehr sicher die üblichen Konflikte (des menschlichen Zusammenlebens auf unterschiedlichsten Ebenen) weiter, ohne dass es dadurch zu einem dystopischen System werden muss.

In der Folge ist es dann aber u.U. auch schwieriger, die typischen Abenteuer durch zu deklinieren, weil in einer Welt, die in Graustufen beschrieben wird, der klassisch plakative Gut/Böse-Konflikt (à la LotR, Star Wars etc.) entfällt.

--- Ende Zitat ---

In jeder differenzierten Gesellschaft gibt es konfligierende Interessen. Einfaches Beispiel: Frag einen Milchbauern und eine arbeitslose alleinerziehende Mutter nach dem fairen Preis für einen Liter Milch, und Du wirst zwei deutlich voneinander verschiedene Antworten bekommen. Eine gute Gesellschaft unterscheidet sich von einer schlechten darin, dass solche Konflikte partnerschaftlich ausgehandelt werden (im Beispiel des Milchpreises etwa über den Marktmechanismus). Und Technologien, die null Impakt auf die Natur haben, wird es nie geben. Zwar belasten erneuerbare Energien die Umwelt weit weniger als fossile Brennstoffe oder Kernenergie, aber ihre Umweltbelastungen sind nicht gleich Null. Wo ein Windrad steht, kann kein Baum stehen, und wo ein Haus mit Photovoltaik auf dem Dach steht, auch nicht.


--- Zitat von: nobody@home am 30.03.2026 | 16:32 ---Wobei das ja eine Hoffnung wäre, die mit dem optimistischen Ansatz von Solarpunk ganz gut einhergehen könnte: in der Zukunft werden ausdrückliche Psychopathen und Leute mit ähnlichen ernsten Problemen öfter rechtzeitig erkannt und, soweit nicht sinnvoll therapierbar, von den Hebeln der Macht eben zumindest bewußt möglichst ferngehalten (ähnlich, wie man einen ernsthaft Alkoholabhängigen hoffentlich auch nicht einfach so mit in die nächste Bar nimmt). Anderen Probleme bereiten könnten sie dann allemal immer noch, aber eben nicht mehr so leicht im ganz großen Maßstab.

--- Ende Zitat ---

Ja. Es wird immer Leute geben, die Probleme machen, es ist nur die Frage, wie die Gesellschaft damit umgeht. In einer guten Gesellschaft wird eben ein Hitler oder ein Trump (ich will die beiden aber nicht gleichsetzen) einer geeigneten Therapie unterzogen, bevor er zum Regierungschef gewählt werden kann, und ein Alkoholsüchtiger kommt nicht so leicht an eine Flasche Schnaps. Wenn ich mir die Geschichte der Menschheit ansehe, bin ich da durchaus zuversichtlich, wir haben im Grunde genommen immer bessere Möglichkeiten gefunden, mit solchen Problemen umzugehen, auch wenn es immer wieder Rückschläge gab.

Maarzan:

--- Zitat von: Gorilla am 30.03.2026 | 16:18 ---Äh, nein? Sie haben nur die Hoffnung, dass sie ihr Ziel mit/unter dem Psychopathen leichter erreichen als andernfalls. Bzw. es geht ihnen selbst auch um die Verfügungsgewalt über Andere (Hegseth unter Trump anybody?).
Das ist der klassische Fall "charismatische Führerschaft" nach Weber. Aus irgendeinem Grund glauben manche Menschen anderen Menschen einfach und folgen ihnen. Begrenzte Ressourcen müssen dabei überhaupt keine Rolle spielen.

Diese Reduktion auf rein transaktionale soziale Beziehungen wird heute nicht einmal mehr in der BWL regelmäßig als Erklärungsmodell herangezogen.

--- Ende Zitat ---

Was für ein Ziel denn, wenn alles paletti ist?
Und zum "Folgen" muss ja auch erst einmal ein wohin stehen.

Feuersänger:
Die Definition einer Utopie ist aber nicht, dass es eine Schauergeschichte mit dünnem Lack drüber ist, sondern eine wohldurchdachte Gesellschaft, in der die Bedürfnisse _Aller_ bestmöglich bedient werden. Wenn auch ursprünglich noch auf ein einzelnes Land beschränkt.

In der Originalvorlage "Utopia" von Thomas Moore (um 1500 iirc) bedeutete das, unangenehme Arbeiten werden gleichmäßig aufgeteilt, jeder muss nur 6 Stunden am Tag schuften, dafür muss beim Ackerpflügen jeder mal ran. Und so weiter.

Wobei ich gerade lese, Moore hat diesem Kind lediglich als erstes den Namen Utopia gegeben, entsprechende Beschreibungen hab es aber schon vorher. Letzten Endes geht wohl alles auf Platons Idealstaat zurück, nur dass es da halt noch Sklaven gab, aber immerhin keine Griechen, naja.

Denke, heute hat sich der Anspruch an eine Utopie dahin gewandelt, dass sie für die ganze Menschheit gelten muss, und nicht wie bei den früheren Vertretern nur für 1 Land.

WeepingElf:

--- Zitat von: Feuersänger am 30.03.2026 | 16:44 ---Die Definition einer Utopie ist aber nicht, dass es eine Schauergeschichte mit dünnem Lack drüber ist, sondern eine wohldurchdachte Gesellschaft, in der die Bedürfnisse _Aller_ bestmöglich bedient werden. Wenn auch ursprünglich noch auf ein einzelnes Land beschränkt.

In der Originalvorlage "Utopia" von Thomas Moore (um 1500 iirc) bedeutete das, unangenehme Arbeiten werden gleichmäßig aufgeteilt, jeder muss nur 6 Stunden am Tag schuften, dafür muss beim Ackerpflügen jeder mal ran. Und so weiter.

Wobei ich gerade lese, Moore hat diesem Kind lediglich als erstes den Namen Utopia gegeben, entsprechende Beschreibungen hab es aber schon vorher. Letzten Endes geht wohl alles auf Platons Idealstaat zurück, nur dass es da halt noch Sklaven gab, aber immerhin keine Griechen, naja.

Denke, heute hat sich der Anspruch an eine Utopie dahin gewandelt, dass sie für die ganze Menschheit gelten muss, und nicht wie bei den früheren Vertretern nur für 1 Land.

--- Ende Zitat ---

Und wieder einmal vermisse ich den Like-Button ;) Du bringst es auf den Punkt, und ich stimme Dir in allen Punkten zu.

Gorilla:
Wir sind halt seit der Moderne mit der Individualisierung und Ausdifferenzierung an einem Punkt, wo es solche altertümlich idealtypischen Lösungen nicht mehr geben kann, bzw. wo uns diese nicht mehr als Utopien erscheinen. Weder in Platons noch Moores Modell ist in praktischer Ausprägung viel Platz für die sogenannte Entfaltung des Individuums und für Demokratie. Ganz einfach weil der Mehrheitswille und/oder Individualwille nicht immer der rational besten Lösung entsprechen muss. Auch diese "rational beste Lösung" ist bereits diskutabel, weil auch das unterschiedlich bewertet werden kann.

Die Annahme, eine Utopie müsse zwangsläufig rundum tippitoppi sein, um als Utopie gelten zu dürfen, ist also sehr naiv.
Mit dieser Definition kann es ein plausibles utopisches Setting für ein RPG gar nicht geben.

Also bleibt eine eher optimistische Grundstimmung als Ausgangspunkt und darunter/davor spielen sich all die großen und kleinen Dramen des Alltags ab.

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