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Solarpunk - what do the Characters do?
nobody@home:
Wenn ich "Utopie" höre, dann denke ich im Reflex eigentlich fast immer "Aha, schon wieder wer, der erst mal perfekte Menschen postuliert und sein Luftschloß dann darauf aufbaut". Was natürlich leicht ist, denn wenn alle Beteiligten bequemerweise schon genau richtig und perfekt ticken, dann kommt's auf das genaue Gesellschaftsmodell plötzlich gar nicht mehr an -- das funktioniert dann automatisch immer. ;)
In der Praxis fühle ich mich allerdings recht sicher auf dem Standpunkt, daß es ausdrückliche Perfektion schon per Definition eh nie geben wird (und Leute, die das doch denken, einfach noch zu niedrige Ansprüche an den Begriff stellen). Was sich dann im Umkehrschluß zum Glück auch positiver und mMn auch abenteuertauglicher formulieren läßt als "Besser als das, was wir schon haben, geht's eigentlich immer noch zumindest ein bißchen"...
WeepingElf:
--- Zitat von: Gorilla am 30.03.2026 | 17:41 ---Wir sind halt seit der Moderne mit der Individualisierung und Ausdifferenzierung an einem Punkt, wo es solche altertümlich idealtypischen Lösungen nicht mehr geben kann, bzw. wo uns diese nicht mehr als Utopien erscheinen. Weder in Platons noch Moores Modell ist in praktischer Ausprägung viel Platz für die sogenannte Entfaltung des Individuums und für Demokratie. Ganz einfach weil der Mehrheitswille und/oder Individualwille nicht immer der rational besten Lösung entsprechen muss. Auch diese "rational beste Lösung" ist bereits diskutabel, weil auch das unterschiedlich bewertet werden kann.
Die Annahme, eine Utopie müsse zwangsläufig rundum tippitoppi sein, um als Utopie gelten zu dürfen, ist also sehr naiv.
Mit dieser Definition kann es ein plausibles utopisches Setting für ein RPG gar nicht geben.
Also bleibt eine eher optimistische Grundstimmung als Ausgangspunkt und darunter/davor spielen sich all die großen und kleinen Dramen des Alltags ab.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: nobody@home am 30.03.2026 | 18:04 ---Wenn ich "Utopie" höre, dann denke ich im Reflex eigentlich fast immer "Aha, schon wieder wer, der erst mal perfekte Menschen postuliert und sein Luftschloß dann darauf aufbaut". Was natürlich leicht ist, denn wenn alle Beteiligten bequemerweise schon genau richtig und perfekt ticken, dann kommt's auf das genaue Gesellschaftsmodell plötzlich gar nicht mehr an -- das funktioniert dann automatisch immer. ;)
In der Praxis fühle ich mich allerdings recht sicher auf dem Standpunkt, daß es ausdrückliche Perfektion schon per Definition eh nie geben wird (und Leute, die das doch denken, einfach noch zu niedrige Ansprüche an den Begriff stellen). Was sich dann im Umkehrschluß zum Glück auch positiver und mMn auch abenteuertauglicher formulieren läßt als "Besser als das, was wir schon haben, geht's eigentlich immer noch zumindest ein bißchen"...
--- Ende Zitat ---
Da habt Ihr beiden genau Recht! Eine Utopie wird nie Realität werden, weil sie einen perfekten Menschen voraussetzt, den es nie geben wird. Daran ist ja letzten Endes auch der Sozialismus gescheitert, der eine Utopie zu realisieren versuchte. Und eine Utopie wäre auch langweilig und als Rollenspiel-Setting ungeeignet. Was hingegen erreichbar sein dürfte, ist eine Welt, die in einigen Punkten besser ist als die jetzige, und in der die gegenwärtige Umwelt- und Gesellschaftskrise bewältigt ist und eine optimistische Grundstimmung herrscht. Irgendwelche Dramen und Konflikte wird es immer geben - und damit Stoff für spannende Geschichten und Rollenspiel-Abenteuer!
Ruinenbaumeister:
Gerade aus dem Widerspruch aus Utopie und Realität lassen sich die Konflikte erzeugen, die das Setting interessant machen.
Der Idealist hat sich die Utopie nach seinen eigenen Wünschen zurechtgedacht: Alle leben im Einklang mit der Natur, schonen die natürlichen Ressourcen, widmen sich dem friedlichen Zusammenleben und sind sich vor allem einig, dass es so bleiben soll. Der Idealist sieht das als beste aller möglichen Welten, aber es denken eben nicht alle gleich. Da gibt es die technikbegeisterten Fortschrittsfreunde, die es nicht in der heimischen Ökosiedlung hält und die am liebsten zu fremden Planeten aufbrechen würden. Dann tritt eine Asketenbewegung auf, die am liebsten in die Steinzeit zurückkehren würde. Dann gibt es doch einmal irgendwelche Verteilungskämpfe, sei es weil manche Gierschlünde nie genug bekommen können, sei es weil nach einer Katastrophe viele unverschuldet in Not geraten sind. Und vielleicht haben die Idealisten nun Angst um ihre Deutungshoheit und fangen an, Diskurse zu regulieren und Andersdenkende zu bekämpfen - was natürlich erst recht zu einem Erstarken der Gegenbewegungen führt.
Die Utopie kann sowohl an abweichenden Wertvorstellungen als auch an physikalischen Gegebenheiten scheitern. Gegen ersteres werden Dogmen eingeführt, was die Gesellschaft nur anfälliger für zweiteres macht. Viel Spaß bei dieser Gratwanderung!
WeepingElf:
Ja, das sind alles mögliche Konflikte in einer Solarpunk-Zukunft. Wie schon mehrfach (in der einen oder andren Formulierung) hier gesagt: Utopien werden niemals Realität werden. Es gibt kein Ende der Geschichte. Es wird immer weiter gehen.
BBB:
--- Zitat von: Ruinenbaumeister am 30.03.2026 | 18:43 ---Gerade aus dem Widerspruch aus Utopie und Realität lassen sich die Konflikte erzeugen, die das Setting interessant machen.
Der Idealist hat sich die Utopie nach seinen eigenen Wünschen zurechtgedacht: Alle leben im Einklang mit der Natur, schonen die natürlichen Ressourcen, widmen sich dem friedlichen Zusammenleben und sind sich vor allem einig, dass es so bleiben soll. Der Idealist sieht das als beste aller möglichen Welten, aber es denken eben nicht alle gleich. Da gibt es die technikbegeisterten Fortschrittsfreunde, die es nicht in der heimischen Ökosiedlung hält und die am liebsten zu fremden Planeten aufbrechen würden. Dann tritt eine Asketenbewegung auf, die am liebsten in die Steinzeit zurückkehren würde. Dann gibt es doch einmal irgendwelche Verteilungskämpfe, sei es weil manche Gierschlünde nie genug bekommen können, sei es weil nach einer Katastrophe viele unverschuldet in Not geraten sind. Und vielleicht haben die Idealisten nun Angst um ihre Deutungshoheit und fangen an, Diskurse zu regulieren und Andersdenkende zu bekämpfen - was natürlich erst recht zu einem Erstarken der Gegenbewegungen führt.
Die Utopie kann sowohl an abweichenden Wertvorstellungen als auch an physikalischen Gegebenheiten scheitern. Gegen ersteres werden Dogmen eingeführt, was die Gesellschaft nur anfälliger für zweiteres macht. Viel Spaß bei dieser Gratwanderung!
--- Ende Zitat ---
Ich glaube, so kann ich mir langsam etwas vorstellen. Wenn ich in meinem Kopf Solarpunk und Cyberpunk gleichzeitig denke, formt sich langsam ein Bild...
Danke
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